Vater sein

Was ist für euch Vater sein, was verbindet ihr mit Vätern?

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29 Gedanken zu “Vater sein

  1. Es gibt einen guten Podcast, in dem Peterson Warren Farrell zu seinem Buch The Boy Crisis interviewt.
    https://jordanbpeterson.com/podcasts/podcast-episode/episode-47/

    Wenn man es auf einen Satz rinterbrechen will, ist die Aufgabe der Vaterrolle, das Kind zu ermutigen, seine eigenen Grenzen zu überschreiten und dabei gleichzeitig zu lernen, die Grenzen anderer zu erkennen und zu respektieren.

    Musterbeispiel dafür auf Rückenmarksebene ist, wenn der Vater mit den Kindern balgt.
    Es gibt anscheinend fast nichts, was einem Kind gleichzeitig ein eigenes Körpergefühl beibringt, als auch klar macht, dass die eigenen Aktionen Auswirkungen auf den Anderen haben.

    • Wenn man es auf einen Satz rinterbrechen will, ist die Aufgabe der Vaterrolle, das Kind zu ermutigen, seine eigenen Grenzen zu überschreiten

      Ich würde es etwas defensiver formulieren: Die Aufgabe des Vaters ist es, angemessene Grenzen zu setzen und innerhalb dieser Grenzen dem Kind eine sichere Spielewiese, einen Platz zum Experimentieren, zum Erkennen der eigenen Fähigkeiten und Lernen zur Verfügung zu stellen. Das kann mitunter auch das Heranführen des Kindes an seine Grenzen mit einschließen, ich sehe die Ermutigung zur Grenzüberschreitung (!) aber nicht als Kernaufgabe der Vaterrolle.
      Dieselbe Aufgabe gilt übrigens sinngemäß auch für die Mutter, aber anscheinend sind Väter vor allem was den Bereich „heranführen an die eigenen Grenzen“ betrifft etwas gewagter als Mütter… 😉

      und dabei gleichzeitig zu lernen, die Grenzen anderer zu erkennen und zu respektieren

      Zustimmung!

      Dass spielerisches Raufen für Kindern einen sehr positiven Effekt hat finde ich sehr einleuchtend. Es macht außerdem auch ziemlich Spaß wenn man sich darauf einlässt.

      • Klassisch gesehen beschreibst du eher die Mutterrolle. Dieses Sicheres Gebiet zum Forschen schaffen ist eher das was die Mütter macht. Ich finde es nicht schlimm, wenn man diese Rollen Nicht am biologischen Geschlecht macht. Gibt sicherlich Familien wo es wie bei der Paddington Bär-verfilmung abläuft, aber für jede dieser Rollen sollte es Verantwortliche geben. Das macht z.b alleinerziehen so schwer.

  2. „To our Families for helping us not to lose our colour“
    (aus dem Abspann)

    „Alike is a personal project in which we have been working more than 4 years.
    Its origins lies in the experience of becoming a father.
    Children turn your world upside down and there are stories and situations that you notice that could be perfect for a short film. These are stories that deserve to be told.

    […]

    When you become a father, You often wonder if what is the best thing for your cildren.“
    aus dem making of
    http://alike-short.blogspot.com/search/label/making%20of

  3. Gestern hatte ich beim Spazierengehen eine Beobachtung gemacht.

    Daraufhin erinnerte ich mich an meine Kindheit, und wie mein Vater mit mir umgegangen war.
    Beispielsweise nahm er mich als kleines Kind manchmal nach Feierabend auf den Arm, und lief mit mir noch draußen in der Gegend herum.
    Später orientierte er sich an meinen Interessen, um Zeit mit mir zu verbringen. So übte er mit mir Kopfrechnen (mit meiner Schwester hat er das nie gemacht), oder ging gelegentlich mit mir ins Hallenbad, wo er mir Schwimmen beibrachte.
    In seinem Urlaub holte er mich hin und wieder von der Grundschule mit dem Auto ab (nicht jedesmal – aber so war das etwas Besonderes für mich).

    Als Kind hatte ich nie den Eindruck, dass er mich ändern wollte. Er nahm mich, wie ich war. Ich konnte mich auch immer darauf verlassen, dass er mich – wenn nötig – unterstützen würde.

    • „Als Kind hatte ich nie den Eindruck, dass er mich ändern wollte.“

      Ja, als Kind – besonders als kleines Mädchen – werden die perfiden Aktionen der Väter noch nicht durchschaut, die es zu einer devoten Frau machen sollen 😉 .

    • „Heterosexualität.“ Igitt … 😉
      „Das Zusammenleben mit Frauen. Rechtlosigkeit. Diskriminierung.“ aufgrund der aktuellen Auslegung der Gesetze leider richtig.
      Allerdings ist man „Vater“ im Wesentlichen in Hinblick auf das Kind, und dort gibt es tatsächlich wichtige Aufgaben …

  4. Darüber schreibe ich in meinem Blog. Es ist nicht einfach in einem Kommentar abzuhandeln.
    Du bist Vater, wenn du ein MANN bist und ein Kind hast und dafür die Verantwortung übernimmst, das Kind und das Leben liebst und teilnimmst, präsent bist, führst und eine innige Beziehung zu deinem Kind lebst.
    Und vieles andere mehr.

  5. Jetzt sind die Kinder an der Schwelle zum Erwachsen sein und zu meinem Stolz und meiner Freude kommen jetzt nach der Pubertät zwei wunderbare Exemplare zum Vorschein. Ich muss doch so einiges richtig gemacht haben, denn jetzt nach der Trennung stehen beide Kinder fest an meiner Seite und wir sind noch viel enger zusammen gerückt.

    Und da gibt es so wundervolle Momente, die man kaum in Worte fassen kann. Ich denke zwar nicht im Traum daran, so ein Projekt noch einmal zu starten und werde auch auf gar keinen Fall (wenn überhaupt) mehr eine Frau in mein Leben lassen, die kleine Kinder oder gar einen Kinderwunsch hat, aber Papa sein ist trotzdem was Tolles.

  6. Alle Liebe aufbringen, zu der man fähig ist. Ermutigen und Grenzen ziehen. Selbstbewusstsein, Demut und Verzeihen üben. Nie davon laufen, auch wenn es schwierig wird. Stuhlkreise zersetzen.

  7. Ich hab jetzt ein paar Kommentare gelesen, wo stand „Grenzen ziehen“ o.ä.
    Das trifft es nicht ganz. Wichtiger ist m.E., eine feste Richtung vorzugeben (So ähnlich wie ein Geländer zwar eine Grenze ist, aber eben auch Halt und Orientierung gibt, wie es weitergehen kann).

    Und eine extrem wichtige Aufgabe des Vaters ist es, ein Puffer zu sein, wenn es Konflikte zwischen Kind und Mutter gibt 😉

    • „Grenzen setzen“ ist ein sehr ausgelutschter Begriff. Gemeint ist hier, dass das Kind mitkriegen muss, wann sein Verhalten nicht auf Konsens trifft. Das ist mit „Richtung vorgeben“ nicht ausgedrückt.

      Zum Lernen der Spielregeln gehört auch, dass man einen auf den Deckel kriegt, wenn man die Regeln verletzt. Wichtig ist dabei natürlich, dass die Regeln nicht mal so und mal so sind, sondern möglichst konsistent gleich.

      • Wichtig ist dabei natürlich, dass die Regeln nicht mal so und mal so sind, sondern möglichst konsistent gleich.

        Richtig und noch wichtiger ist Vorbild zu sein, d.h. dass ich mich selber wenn möglich und sinnvoll an die Regeln halte. Wenn ich z.B. will, dass mein Kind einen Fahrradhelm trägt, dann sollte auch ich beim Fahrradfahren einen Helm tragen.

  8. Vater sein, heißt auch, die Schwächen der Mutter auszugleichen. Oder besser: sich gegenseitig mit seinen Stärken ergänzen.

    Ganz wichtig: eine funktionierende Partnerschaft vorzuleben versuchen. Respekt voreinander, sich nicht gegenseitig ausspielen, die Schwächen des anderen akzeptieren, nicht darauf herumreiten etc. Die Kinder nehmen alles wahr und es wird ihr eigenes Leben später prägen.

    Beide Elternteile geben unterschiedliche Anregungen, Väter sind oft offensiver und direkter, härten gerade kleine Mädchen gegen allzugroße Empfindlichkeit ab, während sie kleinen Jungen eine gewisse Rücksichtnahme beibringen können.

  9. Einfache Frage auf eine schwierige Antwort 🙂

    Eltern sollen das Dach sein, das die Kinder vor den Gewittern des jungen Lebens schützen.
    Wobei das Dach des Vaters meiner Erfahrung nach zuverlässiger dichtet, als das der Mutter, die – hormonbeding? – immer mal wieder mit sich selbst beschäftigt und dann auch ungerecht ist.

    Viel Kluges wurde zu „Grenzen setzen“ geschrieben. Ich unterscheide drei Arten von Grenzen:
    – die unbedingte Grenze, die man einem Kind z.B. setzt, wenn man ihm verbietet, auf die Straße zu laufen. Sie einzuhalten ist nicht verhandelbar.
    – die bedingte Grenze, die abhängig von der Situation ist und ganz besonders die Rücksicht auf die Grenzen der Mitmenschen umfasst und
    – die selbstgesetzten Grenzen, also die aus eigener Erfahrung.
    Die Grenzen sind nicht starr.
    Meiner Meinung nach sollte man unbedingte Grenzen so weit wie möglich vermeiden, weil sich ihr Sinn dem Kind nicht erschließt und es in einem verspielten Moment dann doch falsch reagiert.

    Ein Beispiel, wo ich eine unbedingte Grenze in eine selbstgesetzte ändern konnte, erlebte ich bei einem Spaziergang mit meinem knapp Dreijährigen.
    Wir (die Mutter und ich) gingen auf einem Feldweg, an dem ein tiefergelegter, stark verkrauteter Bach träge floss. Für uns Erwachsene allenfalls tief genug, um sich nasse Füße zu holen, für einen Dreijährigen, der dort hineinfällt, lebensgefährlich, weil er sich im Modder nicht abstützen kann, um wieder auf die Beine zu kommen.
    Wasser zieht Kinder genau wie Feuer magisch an. Und so kam, was kommen musste, er kam am Grabenrand in dem für ihn kniehohen Gras ins Straucheln und kullerte den Hang hinunter in den Schlamm.
    Ich war natürlich sofort bei ihm und zog ihn am Schlafittchen wieder hoch.
    Dass ich ihn nicht vorwarnte, klingt gehässig, aber ich konnte danach weitgehend sicher sein, dass mein Zwerg sich aufgrund der eigenen einprägsamen Erfahrung in Zukunft auch dann von Gräben fernhalten würde, wenn Papa und Mama nicht in der Nähe sind.

    • Schöne Geschichte, Gott sei dank ist ihm nichts passiert!

      Zu dem Wort „Grenzen“: Nach meinem Eindruck liegt das Problem mit den vielen verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen nicht daran, dass die keine Führung hätten oder nicht wüssten was sie wollen. Es liegt daran, dass diese verzogenen Fratzen keine Grenzen kennen. Bei dem Bully im Kindergarten krankt es nicht daran dass er keine Orientierung hätte, sondern daran dass er nie gelernt hat sich sozialadäquat zu benehmen. Dass er keine Orientierung im weiteren Sinn hat und ziellos durchs Leben geht, ist eine FOLGE, nicht die Ursache. Um das Bully-Verhalten abzustellen ist es deshalb nötig, dass er die Grenzen respektieren lernt. Mit Führung und Orientierung kommt man da nicht weiter.

      • „Um das Bully-Verhalten abzustellen ist es deshalb nötig, dass er die Grenzen respektieren lernt.“

        Zweifellos.

        „Mit Führung und Orientierung kommt man da nicht weiter.“

        Kommt drauf an. Bei Kleinkindern fängst Du eigentlich immer mit Führung an und gibst langsam Leine,damit die Kleinen eigene Erfahrung sammeln können. Und am ehesten respektiert auch ein Kleinkind die Grenzen, deren Sinn es nachvollziehen kann. Da handelt es nicht anders, als ein Erwachsener.
        Es gibt Grenzen – unbedingte Grenzen – , bei denen es keine Diskussionen geben kann, ob sie eingehalten werden, oder nicht. Das sind bei Kindern in aller Regel Grenzen, bei deren Überschreitung die Folgen noch nicht abgeschätzt werden können. Dazu gehört der übliche Straßenverkehr, oder Elektrizität. Ein Kind KANN die Gefahr, die eine Steckdose darstellt (heute sollen sie inzwischen so sicher sein, dass die Sicherungen sofort rausfliegen, wenn ein Kind nen Nagel an die Phase hält, aber drauf verlassen tue ich mich nicht) nicht erkennen, deshalb habe ich in meiner Wohnung damals alle Steckdosen gesichert gehabt. Beim Kochen verwendete ich nur die hinteren Herdplatten und die Schränke mit scharfen Messern waren durch eine Sperre gesichert.
        Bei allem anderen hab ich meinen Jungs erklärt, dass bestimmte Handlungen wehtun, sie aber gewähren lassen, wenn sie es trotzdem ausprobieren wollten. Ziemlich bald hatten sie ausreichend Vertrauen in ihren Papa, dass er ihnen nichts ohne Grund verbietet.
        Und DANN kann ich auch ihnen vertrauen und wesentlich ruhiger schlafen.

  10. Oh manno, das sind alles sehr tolle und kluge Kommentare! Ja! Genauso kann ich das auch bestätigen.

    Und mir fällt noch ein Zitat ein, ich glaube, es stammt sogar von diesem Blog hier:
    „Ohne männliches Vorbild lernt man nicht, weibliche Shit-Tests zu kontern.“
    Und das ist nicht nur für die Söhne wichtig, sondern auch Töchter beobachten ganz genau, wie ihre Eltern miteinander umgehen.

  11. Nachtrag: Ich habe immer versucht, für meine Kinder eine sichere und verlässliche Größe zu sein. Ein Anker, an dem sie sich festhalten können. Der zuhört, ihre Sorgen ernst nimmt und zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird.
    Das hieß aber nicht, dass ich ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Tun und Handeln abgenommen der ihnen permanent den Arsch nachgetragen habe.

      • Das erinnert mich an die Aktion einen Eimer Kartoffeln schälen mittels Bohrmaschine und Klobürste (neu natürlich!).
        Fanden die Mädels großartig.
        Sowas macht nur Papa. Das hat 3 Minuten gedauert, Muttern hätte wieder ewig gebraucht.

        • Und das erinnert mich an die gleichzeitige Herstellung von Apfelmus und Wein.
          Hightechtools: Ein Zementmixer, ein Gartenshredder und eine olle Wäscheschleuder.
          Schafft richtig was weg …

          • Na toll. Mit Apfelmus sind wir durch dieses Jahr, aber das merk‘ ich mir mal, gnihihi.
            Ich habe schön händisch alles geschnibbelt.

          • „Na toll. Mit Apfelmus sind wir durch dieses Jahr, …“

            Bei mir wäre es schon am Betonmischer gescheitert.
            Und nen Gartenshredder hab ich auch nicht. Ich zerkleiner noch wie zu Opas Zeiten mit Schere und Axt 🙂

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