Ta-da!

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Sperrstunde für Männer: was würden Frauen dann endlich alles machen können?

Auf Pinkstinks träumt Nils von einer Welt, in der er und seine Geschlechtsgenossen nicht mehr nach 21 Uhr aus dem Haus dürfen:

Als Vater einer dreizehnjährigen Tochter und eines elfjährigen Sohnes bekommt man ziemlich viele Ratschläge, Hinweise und gut gemeinte Kommentare. Seltsamerweise beziehen die sich fast ausschließlich auf meine Tochter und drehen sich mehr oder weniger verbrämt um ihr Liebesleben, ihre Sexualität und um ihre Sicherheit. Ich werde häufig gefragt, wie es denn so ist als Vater einer jungen Frau, ob ich mir nicht Sorgen mache, ob sie schon einen Freund hat und so weiter. Das ist sicher nett und anteilnehmend gemeint, wirkt aber oft einfach nur schmierlappig und übergriffig. Zumal mir über meinen Sohn solche Fragen nicht gestellt werden. Mein Mantra bei solchen Fragen ist immer dasselbe:
Ich bin nicht der Türsteher der Sexualität meiner Tochter, auch wenn ich ständig dazu aufgefordert werde!

Finde ich ja faszinierend. In seiner Welt ist es doch vollkommen verständlich, dass er mehr auf seine Tochter aufpassen müsste, weil überall Monster äh Männer sind und eine Frau nirgends sicher ist. Außerdem ist da eben dieser Umstand, dass ein Mädchen schwanger werden kann,

Aber während ich mich einerseits darum bemühe, die beiden gleichberechtigt zu behandeln und zu erziehen, muss ich anerkennen, dass ihre Lebenswirklichkeiten sehr verschieden sind. Meiner Tochter wird ständig suggeriert, dass ihr Körper für Männer zum Problem werden kann und dass sie doch ja aufpassen soll.

Wäre ja interessant, ob das vielleicht auch an seinem feministischen Umfeld liegt. Aber natürlich ist der Hinweis vorsichtig zu sein, bei dem Geschlecht, welches Sex eher bedauert, durchaus angebracht.

Meinem Sohn macht man weis, dass seine Männlichkeit eine sehr begrenzte Ressource ist, die durch harte Sprache und Machogehabe aufgeladen und durch Mitgefühl und Sanftheit aufgebraucht wird.

Wäre interessant, wenn er da mal etwas ins Detail gehen würde. Es kommt mir etwas übertrieben vor. Wobei das Kind als das Kind, welches früher gern einen Rock getragen hat, vielleicht auch sehr sanft ist. Und natürlich ist auch ein Unterschied vorhanden zwischen einer gewissen Männlichkeit und „harter Sprache und Machogehabe“. Es würde wenig verwundern, wenn das Kind da in einem Konflikt ist, wenn Männlichkeit an sich in seinem Elternhaus so negativ betrachtet wird.

Diese Realitäten müssen unterschiedlich adressiert und angegangen werden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir das ganz gut gelingt. Aber oft verzweifle ich auch. Gerade die Realität, die ihre Schatten auf meine Tochter voraus wirft, ist beängstigend und bedrückend.

Aber man soll ihr gefälligst nicht sagen, dass sie vorsichtig sein soll!!!

Das hat eine scheinbar einfache Frage der US-amerikanischen Aktivistin Danielle Muscato erst kürzlich wieder gezeigt. Muscato wollte wissen, was Frauen tun würden, wenn für alle Männer ab 21 Uhr eine Ausgangssperre gelten würde.

Irgendwie bin ich fast sicher, dass ich schon mal einen Artikel dazu hatte. Aber ich finde nichts. Naja, dann eben so.

Tatsächlich würde dann schlicht vieles nicht mehr klappen. Männer kämen nicht zu ihren Nachtschichten und ihren Jobs, die Kneipen wären leerer und das Nachtleben würde weniger Spass machen, und viele Frauen würden schlicht mit ihren Männern vor dem Fernseher sitzen wie sonst auch. Wir bräuchten eine Menge mehr Polizistinnen, Feuerwehrfrauen, Notfalltechniker und Rettungssanitäterinnen.

Und schon deswegen wäre das Leben eher unsicherer. Natürlich auch, weil Sexualstraftäter sich wohl kaum davon abhalten lassen würden, warum auch, die Polizeidecke wäre ja eh sehr dünn.

Bei den Antworten möchte man am liebsten laut schreien und um sich schlagen oder sich wochenlang einfach nur verstecken. Denn sie zeigen, was alles nicht geht. Was nicht „normal“ und selbstverständlich ist, obwohl es das sein sollte. Sein müsste.

Frauen würden nämlich so krasse Sachen machen wie nachts in den Park gehen oder zu ihrem Auto laufen, ohne den Schlüssel als Waffe in der Faust zu tragen.

Ja, grauenvoll. Nur ist eben Angst kein Zeichen für eine tatsächliche Bedrohung und die meisten Frauen könnten schon jetzt nachts im Park laufen oder zu ihrem Auto gehen und die meisten machen das auch. Natürlich haben auch Männer Angst davor alleine durch dunkle Parks zu laufen, wenn dieser für eine gewisse Kriminalität bekannt ist und auch Männern ist im Dunkeln die Lage nicht geheuer. Aber Männer müssen ja hart sein (siehe oben)

 

Sie würden in warmen Nächten in Miniröcken durch dunkle Gassen laufen und keine Freundin anrufen, um ihr zu sagen, wo sie sind und wohin sie gehen – nur für den Fall. Sie würden so viel Alkohol trinken wie sie wollen und alleine mit den öffentlichen Verkehrmitteln nach Hause fahren. Sie wären nicht ständig nervös, sie würden sich nicht andauernd umdrehen,

Meine Vermutung: Sie würden sich auch nicht anders verhalten als sonst, weil sie sich eben nicht sicher sein können und die Angst ja nicht weggeht. Gut, es ist das Gedankenspiel einer absolut sicheren Gesellschaft. Aber da würden auch Männer sich sicherlich anders verhalten.

Auch interessant, dass er oben anprangert, dass Männer hart sein müssen und dann vollkommen unkritisch solche Kommentare wiedergibt, nach denen Männer keine Angst vor nichts haben.

und sie kämen nicht auf die Idee, dass ihnen irgendjemand etwas in den Drink schüttet. Sie hätten nicht das Gefühl, jedes Mal einen ganzen Katalog an Sicherheitsmaßnahmen umsetzen zu müssen – einfach weil es dazugehört.

Soweit ich mich erinnere sind Vergewaltigungsdrogen auch extrem selten. Aber zumindest dieser Teil ist ja leicht umzusetzen: Mit Lesbenbars etc wären Frauen unter sich. Wäre interessant, ob dann weggehen überhaupt noch so populär wäre.

ich sage dann immer „Viel Spass“. Aber gut, ich bin ja auch ein Mann.

Also wirklich eine Ausgangssperre für Männer? Natürlich nicht, die Idee ist einigermaßen absurd. Sie ist pauschalisierend, vorverurteilend und mal abgesehen davon auch nicht umzusetzen. Außerdem betrifft sie mich ja selbst (Huhu, Egoismus!) und ich gehe gerne nach 21 Uhr aus dem Haus – auch wenn ich mir wie viele andere Männer zu wenig Gedanken darüber mache, was für ein Privileg das eigentlich ist.

Es ist ein Privileg nach 21 Uhr aus dem Haus zu gehen.

Vielleicht sollte er das dann mal häufiger machen. ich sehe nicht weniger Frauen als Männer auf den Straßen und die allermeisten scheinen sich weniger in einer Hölle zu sehen, sondern amüsieren sich gut.

Aber ich hätte gerne so eine Welt für meine Tochter. Und für alle anderen auch. Eine wie mit Ausgangssperre Welt ohne Ausgangssperre. Eine, in der eine junge Frau nicht Gefahr läuft, auf dem Weg nach Hause vom Fahrer der U-Bahn vergewaltigt zu werden und dann anschließend auf das „Entschädigungsangebot“ des Verkehrsbetriebes für eine kostenlose Fahrt mit der Party-Tram reagieren zu müssen. Eine, in der mich Frauen nicht zu ihrer eigenen Sicherheit als Bedrohung einstufen.

Wie weit wir von dieser Welt entfernt sind war mir lange nicht mehr so klar wie jetzt. Aber der Wille darum zu kämpfen war – bei aller Verzweiflung und allen Rückschlägen – auch nie größer.

Gut, bei Pinkstinks glaubt man auch, dass die gegenwärtige Welt für Frauen eine so schreckliche Erfahrung ist, dass man schon irgendwie, wenn auch nicht so richtig, einen Vergleich zum Holocaust ziehen kann. 

Für die meisten Menschen, Frauen eingeschlossen, ist die Welt bei weitem nicht so schrecklich. Natürlich schützen sie sich, weil eine vollkommen gewaltfreie Welt eben utopisch ist. Aber das hindert sie nicht daran wegzugehen und Spass zu haben. Gerne auch mit Männern.