Pinkstinks noch einmal dazu, dass der Feminismus Männern nicht schadet

Nils von Pinkstinks hat noch einmal einen Artikel dazu, ob der Feminismus Männern schadet:

Er stellst zuerst auf die ab, die nur darauf aus sind zu beleidigen und meint, dass man mit denen nicht reden kann.

Dann führt er an:

Etwas anderes sind Menschen, die Feminismus aus diversen Gründen für unzureichend, unaufrichtig oder einfach nur eine schlechte Idee halten. Das scheint mir ebenso legitim wie meine Überzeugung, dass Feminismus eine richtig gute Idee ist. Darüber kann man reden. Gerne auch streiten. Und dann schauen, wer am Ende den zwanglosen Zwang des besseren Arguments auf seiner oder ihrer Seite hat. Mich interessiert an dieser Stelle ganz besonders die Auseinandersetzung mit Männern, die Feminismus bestenfalls für albern, schlimmstenfalls für eine ungerechte politische Ideologie halten. Damit kann ich etwas anfangen. Aus meiner Sicht lohnt es sich, mit einem Mann wie George Lawlor zu diskutieren, der sich 2015 weigerte an einem Seminar über Einvernehmlichkeit teilzunehmen, weil er es als Beleidigung empfand.

Ich würde mich nicht zu der ersten Gruppe zählen und habe ja auch schon mit Nils diskutiert. Was ich etwas unaufrichtig an seiner Antwort hier finde, nach der man ja einfach mal Argumente austauschen kann, dass er da eine Diskussionsbereitschaft unterstellt, die so tatsächlich nicht besteht. Meist werden Diskussionen abgebrochen oder eben auch schon mal auf dem Blog gelöscht. Über bestimmte Punkte kann man dort kaum erfolgreich diskutieren. Und selbst die Kritik an sich wird ja gerne verfremdet dargestellt: Im Feminismus gibt man beispielsweise in staatlich unterstützten Aktionen ungern zu, dass Leute wie Dawkins oder Pinker erhebliche und nachhaltige Kritik üben und auch Leute wie Peterson werden eher als Zerrbild dargestellt als tatsächlich mal auf seine Argumente einzugehen.

Auch sein Beispiel, welches dann folgt, macht deutlich, dass man nur sehr oberflächlich diskutieren will:

Es lohnt sich darüber ins Gespräch zu kommen, dass ein Vergewaltiger eben doch so aussehen kann wie er. Oder wie ich oder jeder andere Mann, weil die Täter aus allen Teilen der Gesellschaft stammen und die Taten häufig im sozialen Nahbereich stattfinden.

Das heißt eben nicht, alle Männer als Täter vorzuverurteilen, sondern die Dimension von sexualisierter Gewalt anzuerkennen. Sexualisierte Gewalt verschwindet nicht dadurch, dass man(n) dazu lediglich festhält, selbst nie etwas Derartiges zu tun.Das gesellschaftliche Klima, das sexualisierte Gewalt ermöglicht, normalisiert und verharmlost wird nicht weniger oder inexistent, weil man(n) die Augen davor verschießt oder nicht so genau hinschaut.  Im Gegenteil: Dadurch wird sie noch zementiert.

Da stellt er ja bereits etwas hochkontroverses dar, was bereits erheblich angegriffen wird. Und das eben ohne auf die Kritik daran einzugehen.

Welche Nachweise bestehen denn für ein solches gesellschaftliches Klima und wie stark ist das Problem tatsächlich ausgeprägt?

Diese Diskussion verletzt dann wahrscheinlich schon wieder zu viele Tabus um für Pinkstinks führbar zu sein.

Deshalb sollte man wenn möglich die Dinge auch nicht auf sich beruhen lassen. Man sollte jemanden wie Henryk Broder nicht damit davonkommen lassen, dass er Autorinnen, die Rape Culture in Deutschland benennen und kritisieren, wünscht, sie mögen doch vom IS nach Rakka eingeladen werden, „um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet„. Sondern es bei jeder sich bietender Gelegenheit als Beispiel für eben jene Rape Culture anbringen, weil hier Frauen nichts anderes als eine konkrete Vergewaltigung an den Hals gewünscht wird, um ihre angeblich politisch naiven oder unliebsamen Überzeugung zu korrigieren. Das macht man übrigens ganz gerne in Deutschland. Selbst wenn vorgetäuscht wird, gegen derartige Übergriffe zu protestieren.

Sicherlich ist die Formulierung des Arguments mit einem Wunsch nicht angebracht. Aber dennoch sollte man auf das Argument dahinter eingehen, welches eben sagt:

Eine tatsächliche Rape Culture findet man in ganz anderen Ländern, es geht Frauen nirgendwo besser und sie sind nirgendwo sicherer als in westlichen Ländern. Diese daher als Hochburg des Patriarchats aufzubauen, den weißen heterosexuellen westlichen alten Mann als den ultimativen Bösen darzustellen, geht an der Sache vorbei. Natürlich kann man dann einem „Die sind aber noch schlechter“-Argument entgegenhalten, dass es entweder nicht stimmt, was man dann ausdiskutieren muss und bei dem aus meiner Sicht die Gegenposition eher schwerer zu vertreten ist, oder man kann ihm entgegenhalten, dass es auch hier eben noch schlimm genug ist, schlimmer als es sein dürfte und dann muss man darüber diskutieren können, inwiefern man Gewalt in einer Gesellschaft weiter reduzieren kann und welche Faktoren dafür zu verändern sind. Auch darum drücken sich Feministen gerne oder bauen Positionen auf wie „Eine Tat gegen eine Frau wäre schon zuviel“.

Und dann schauen wir, was am Ende übrig bleibt. Ist der Feminismus etwa dafür verantwortlich, dass an Kriegshandlungen aller Art zumeist Männer beteiligt sind und diesen auch mehrheitlich zum Opfer fallen? Ist der Feminismus daran schuld, dass mehr Männer als Frauen Selbstmord begehen? Dass sie weniger häufig das Sorgerecht erhalten als ihre Ex-Partnerinnen? Mitnichten! Kriegshandlungen hatten schon lange vor dem Feminismus als politische Kraft ein Geschlecht. Dass Männer innerhalb des Male Depression Konzepts hilfloser und aggressiver als Frauen werden, hat etwas mit toxischer Männlichkeit zu tun. Und die Vorstellungen darüber, wer für die Betreuung eines Kindes zuständig zu sein hat und wer bloß Aushilfskraft sein kann, ist gesellschaftlich fest verankert.

Der Feminismus ist sicherlich nicht die Ursache dafür, wobei die Haltung, dass Männer nicht diskriminiert sein können und jede Hilfe für sie quasi Ressourcen von Frauen wegnimmt, sicherlich auch im Feminismus verbreitet ist und insofern schon Hilfe behindern kann.

Ich hatte hier schon einen Artikel genau zu diesem Thema, bei dem das näher aufgeschlüsselt worden ist.

Problematischer ist, dass Feminismus eben als Wurzel aller Probleme eben bestimmte Menschengruppen nach Geschlecht und Hautfarbe etc sieht. Das ist aus meiner Sicht der größte Vorwurf, der dieser Identitätspolitik zu machen ist.

Wenn wir das mit dem Feminismus wirklich durchziehen würden, dann stünde am Ende eine Gesellschaft, in der Männer nicht aufgrund ihres Geschlechts keine Schmerzen kennen dürften und keine Opfer sein könnten. Sie könnten davon berichten, dass ihre Partnerin ihnen Gewalt antut, und man würde ihnen glauben, anstatt sie auszulachen und ihnen ihre Männlichkeit abzusprechen. Sie würden in puncto Sorgerecht von Anfang an genauso in die Verantwortung genommen wie Frauen und in einem etwaigen Gerichtsverfahren auch so behandelt. Sie würden nicht qua Geschlecht als gewalttätiger, kriegslüsternder, triebgesteuerter und emotionsloser gelten. Sie würden nicht dafür angefeindet werden, Männer zu lieben und zu begehren.

Da habe ich meine Zweifel, denn alle diese Fragen werden ja im Feminismus nicht umgesetzt. Im Gegenteil, wenn man Probleme von Männern nennt, dann wird man im Feminismus Spott und Zorn ernten, whataboutismus Vorwürfe erhalten und es wird angeführt werden, dass man nur Angst vor starken Frauen etc hat oder das man eben seine toxische Männlichkeit aufgeben, alle Vorstandsposten aufgeben und gleichen Lohn für Frauen ermöglichen soll, dann würden sich diese Probleme quasi von selbst lösen.

Feminismus schadet Männern? Ich sage, der Schaden ist schon längst angerichtet: Wir gehen kaputt, wir distanzieren uns bis zur Unkenntlichkeit von unseren eigenen Gefühlen, wir fügen viel zu viel Leid zu und sterben früher als wir müssten. Wer darauf Bock hat, nur zu. Alle anderen sollten vielleicht in Betracht ziehen, dass Feminismus für genau diese Probleme ziemlich interessante Lösungen bietet.

Ich distanziere mich nicht bis zur Unkenntlichkeit von meinen Gefühlen, ich füge auch kein Leid zu.

Und welche Lösungen sollte der Feminismus da bieten? #killallmen wird unser Leben nicht verlängern und #menaretrash wird nicht dazu führen, dass man unsere Gefühle mehr beachtet.

Forscher verändert die Gene von menschlichen Zwillingen mittels Crispr

Ein Chinesischer Forscher gibt an, dass er genetische Veränderungen an Menschen vorgenommen hat:

Angesichts scharfer weltweiter Kritik hat der chinesische Forscher He Jiankui seine Arbeit verteidigt, die zur Geburt der weltweit ersten genetisch veränderten Babys geführt haben soll. Die Wissenschaft müsse mehr tun, um Menschen mit Krankheiten zu helfen, sagt He am Mittwoch auf einem Genomforscher-Kongress in Hongkong, bei dem er sich den Fragen aufgebrachter internationaler Experten stellte.

(….)

In Hongkong wiederholte He, dass er insgesamt mehrere kinderlose Paare aus gesunder Mutter und HIV-infiziertem Vater dazu brachte, bei den Versuchen mitzumachen. Am Ende habe eines der Paare Zwillinge bekommen. „Auf diesen speziellen Fall bin ich wirklich stolz“, sagte He. Nach der Geburt der Kinder habe er vom Vater eine Nachricht erhalten, in der dieser versprach, hart zu arbeiten, Geld zu verdienen und sich immer um seine beiden Töchter und seine Frau zu kümmern.

Nach Ansicht des Nobelpreisträgers David Baltimore ist der Fall ein Beleg für mangelnde Selbstkontrolle in der Wissenschaft. Baltimore erklärte in Hongkong, die Arbeit des chinesischen Forschers müsse als unverantwortlich eingestuft werden. Baltimore erklärte, ein solches Vorgehen sei medizinisch nicht notwendig. Es verstoße außerdem gegen Vereinbarungen, die in der Wissenschaft vor einigen Jahren getroffen worden seien. Der Nobelpreisträger kündigte an, ein Ausschuss der Konferenz werde am Donnerstag eine Stellungnahme zur Zukunft des Fachgebiets veröffentlichen.

Die Welt ist empört, weil genau das eben eine Tabu sein soll. Warum aber eigentlich?

Auf der einen Seite könnten sich ungeahnte Vorteile ergeben. Etwa eine ganz besonders hohe Intelligenz, die Immunität gegen bestimmte Krankheiten oder schlicht einen kräftigeren Menschen (damit wir endlich Supersoldaten haben).

Auf der Kontraseite werden erhebliche Risiken darin gesehen, dass man mit der Veränderung ungeahnte Folgen erzeugen kann, dass Menschen eben keine Versuchstiere sind und es unwürdig ist, sie als Testwesen zu benutzen und auch der Gedanke, dass man damit „bessere“ Menschen schaffen könnte, die dann letztendlich zu Unfrieden führen, eine Teilung in die verbesserte und die unverbesserte Menschheit.

Ich muss sagen, dass ich etwas gespannt wäre, was ein verrückter und skrupelloser, dafür aber genialer Forscher mit einem geheimen Untergrundlabor aus der Menschheit so heraus holen könnte. Vielleicht brauchen wir ein paar genmanipulierte Supergehirne, die uns in allen möglichen Bereichen voranbringen. Immerhin ist die menschliche Fortpflanzung auch einfacher zu kontrollieren als die Ausbreitung von genetisch veränderten Pflanzen.

Um so mehr wir vom Menschen und seinen Genen verstehen, um so besser die Methoden werden, um so höher wird die Versuchung sein, die Methoden auch bei Menschen anzuweden. Und vielleicht sind sie auch bald ganz normal.

Thomas Fischer zum Jahresbericht „Beziehungsgewalt“

Thomas Fischer zeigt in einem sehr interessanten Artikel, wie es zu einer Steigerung der Zahlen von Gewalt gegen Frauen kommt:

Man würde spontan nicht auf den Gedanken kommen, dass sich unter dem Stichwort „häusliche Gewalt“ oder „Beziehungsg ewalt“ Phänomene verbergen wie „Zwangsprostitution“ und „Zuhälterei“. Sie sind aber in der neuen Statistik eingerechnet. Ebenfalls neu hinzugerechnet ist „Verletzung der Unterhaltspflicht“ (§170 StGB, 5550 Fälle). Dieses Delikt, das im pflichtwidrigen Nichtzahlen von Geld besteht, läuft in Pressetexten unter der schönen Bezeichnung „ökonomische Gewalt“ und ist auf diese Weise geeignet, die mediale „Gewalt“-Diskussion als Ganze ad absurdum zu führen. Denn wenn das Nichtzahlen von Unterhalt „Gewalt“ sein soll, dann ist es jeder Diebstahl oder Betrug ebenfalls, und auch die Steuerhinterziehung oder das Nichtzahlen von Miete, Lohn oder Darlehensschulden.

Also man hat einfach mal die Zahlen stark erhöht, indem man verschiedene Tatbestände hinzugenommen hat. Gerade die Nichtzahlung von Unterhalt ist dabei eh so eine Sache: Man kann gut darüber streiten, ob das überhaupt ein Straftatbestand sein sollte. Gewalt ist es sicherlich nicht.

Selbstverständlich ist es eine Sauerei und außerdem strafbar, Unterhaltspflichten zu verletzen, und das Delikt wird, aus verschiedenen Gründen, oft nur unzureichend verfolgt (Unauffindbarkeit oder häufige Wohnortwechsel der Täter, desaströse Lebensverhältnisse; gezielte Verschleierungen, hoher Ermittlungsaufwand mit wenig Ertrag). Aber es ist offenkundig kein „Gewaltdelikt“, und es hat auch wenig Sinn, es auf Umwegen als solches zu definieren. Für die Frage, wie viele „Feuer“ im Jahr 2017 ausgebrochen sind und wie viele neue Löschzüge wir brauchen, sollte die Frage eine Rolle spielen, was man als „Feuer“ anzusehen hat: Und die Meldung „immer mehr Feuer brechen aus“ ist nicht sinnvoll, wenn sie darauf beruht, dass seit letztem Jahr auch das unerlaubte Grillen dazugezählt wird.

Da würde ich zustimmen, dass es wenig über das aussagt, was man sich eigentlich unter häuslicher Gewalt vorstellt.

Gerade dann, wenn Zahlungsfähigkeit lediglich auf dem Papier besteht, kann die Nichtzahlung auch schlicht daran liegen, dass man keine reale Möglichkeit sieht, die Zahlungen zu leisten.

Insgesamt zählt der Bericht des BKA 138.000 „Opfer“ auf, mehr als im Vorjahr. Der Zuwachs kommt allerdings ausschließlich dadurch zustande, dass 6900 Fälle von Straftaten mitgezählt wurden, die im Vorjahr noch gar nicht zum Kanon der ausgewählten Taten zählten (Zuhälterei, Unterhaltspflichtverletzung, Nötigung durch Drohung mit „empfindlichen Übeln“ – also gerade nicht mit Gewalt, usw.). Wenn man diese neu aufgenommenen Tatbestände abzieht, ist die Zahl der gemeldeten Taten nicht gestiegen, sondern um knapp 2000 gesunken.

Verleitet einen etwas zu dem Gedanken, dass man eben etwas brauchte, mit dem man politischen Aktivismus zeigen kann.

Wie immer muss bei polizeilichen Kriminalstatistiken darauf hingewiesen werden, dass es sich um Verdachtsfälle, nicht um bewiesene Taten handelt. Wie viele Fälle zu Verurteilungen führen, ist ziemlich schwer zu ermitteln und ergibt sich aus der Polizeistatistik nicht, auch nicht der Grund, aus dem es nicht zu einer Verurteilung kam. Das macht die Statistik nicht wertlos, relativiert aber ihre Aussagekraft. Die notorische – und auch diesmal wieder frappierende – Berichterstattung, die die Zahl der polizeilich registrierten Verdachtsfälle ohne jede Erklärung gleichsetzt mit der Zahl der „wirklichen“ Taten, verschweigt und verdreht das.

Wenn man dann dazu noch weiß, dass die Vorwürfe natürlich auch schlichte Vorteile bei einer Trennung bringen können, etwa durch Zuweisung der Ehewohnung (was einem wieder Vorteile bei der Frage gibt, wer die Kinder bekommt) der dürfte den Umstand, dass es sich nur um Anzeigen handelt noch kritischer sehen.

Sehr plakativ war die Äußerung der Bundesministerin Franziska Giffey zur Anzahl der gemeldeten Tötungsdelikte: „2017 starben insgesamt 147 Frauen durch sogenannte Partnerschaftsgewalt. Das ist für ein modernes Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung.“ Es sei „unerträglich, dass in Deutschland jeweils Montags, Mittwochs, Freitags eine Frau von ihrem aktuellen oder früheren Partner getötet wird“.

Das ist richtig und unrichtig zugleich und deshalb nicht wirklich nützlich. Als absolutes Ereignis wäre es auch „unerträglich“, wenn pro Jahr nur 14 Menschen getötet würden, oder fünf, oder zwei. Die Frage ist also, was „Unerträglichkeit“ eigentlich bedeutet. Denn es wird ja seit jeher „ertragen“: Nicht von den Opfern, aber von der Rechtsgemeinschaft und der „Gesellschaft“. Die „Umrechnung“ folgt dem üblichen Muster: „Alle zehn Minuten ein Einbruch“ usw. Richtig wäre auch: „Alle 56 Sekunden wird ein Mensch in Deutschland vorsätzlich am Körper verletzt.“ Ob das viel ist oder wenig, gefährlich oder „alarmierend“, kann man an solchen Behauptungen nicht erkennen.

Es wird eben immer vergessen, dass man das dann auf 83 Millionen Deutsche umrechnen muss. Bei so vielen Leuten passieren sehr viele Sachen täglich. Schlicht weil 356 Tage bei so vielen Leuten nicht viel sind.

Natürlich hätte eine Wahrscheinlichkeit von 1:400.000 für eine Frau Opfer eines tödlichen Streits zu werden, weit weniger dramatisch geklungen und würde auch weit weniger Aktivismus rechtfertigen.

 

Man kann mit solchen Zahlen nicht viel anfangen; sie entwickeln und suggerieren aber eine eigene Wirklichkeit der Bedrohungseinschätzung. Relativierende Hinweise wie die vorgenannten werden meist mit dem Argument bekämpft, sie „verharmlosten“ die Wahrheit und zeigten nicht genügend Empathie mit den tatsächlichen Opfern. Dieses Argument verfehlt den Kern der Sache.

Die Anzahl der Tötungsdelikte in Deutschland ist seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich gesunken (abgeurteilt 2007: 1050; 2010: 969; 2014: 830). In der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2017 tauchen folgende Zahlen von Verdachtsfällen auf: Totschlag 1570; Mord 800; Körperverletzung mit Todesfolge 80; fahrlässige Tötung 730 (im Vergleich Körperverletzungen: 560.000). Vorsätzliche Tötungsdelikte sind in sehr hohem Anteil „Beziehungstaten“ im weiteren Sinn, finden also sehr häufig im sozialen Nahraum und nicht unter völlig Fremden statt. Die Anzahl der getöteten „Kumpel“, Nachbarn, Arbeitskollegen, Nebenbuhler usw. dürfte daher jeweils deutlich höher sein als die Zahl der getöteten (weiblichen) Sexualbeziehungspartnerinnen. Die Zahl von 147 ist also zwar absolut schlimm, aber in der Relation nicht „alarmierend“, neu oder außergewöhnlich. Sie belegt auch nicht, dass Tötungsgewalt ein Schwerpunktproblem weiblicher Opfer in Beziehungen ist.

Nur am Rande: In der Uno-Statistik zur „Tötungsrate“ (= durch vorsätzliche Taten getötete Personen pro 100.000 Einwohner) liegt Deutschland auf Platz 163 von 211 (Rate 1,2), gleichauf mit Großbritannien – andere Beispiele: Japan 0,3; Österreich 0,9; Dänemark 1,0; Frankreich 1,4; Brasilien 3,0; USA 5,4; El Salvador 82. Vergleich von Städten: Berlin 1,0; Wien 1,4; Kapstadt 60. Auch die Aussage der Ministerin, für einen modernen Staat sei die ermittelte Verdachtszahl „eine unvorstellbare Größenordnung“, stimmt also nicht. Es mag manchen – zu Unrecht – „verharmlosend“ klingen, aber kriminologisch ist die Zahl keineswegs „unvorstellbar“, sondern eigentlich ziemlich „gut“.

Auch ein sehr wichtiger Punkt. Ich hatte da auf Twitter bereits ganz ähnlich argumentiert wie Fischer:

Meine Rate ist etwas niedriger, weil ich nur die weiblichen Opfer der verlinkten Tabelle entnommen habe.

Ein paar andere „Dunkelfelder“ könnten angesprochen werden. Die weitaus meisten Tötungsopfer z.B. sind nicht Frauen, sondern Männer. Die weitaus meisten Tatverdächtigen sind ebenfalls Männer. Das gilt erst recht im Bereich der vorsätzlichen Körperverletzungsdelikte. Wenn man als Mann von einem körperlich überlegenen Mann zusammengeschlagen, getreten, verletzt wird, ist das kein bisschen angenehmer oder „verdienter“, als wenn das Opfer eine Frau ist. Obgleich das Problem also empirisch viel größer ist, gibt es keine „Das Schweigen Brechen“-Aufrufe, keine „Hilfsprogramme“ für notorische Opfer. Und die „Antiaggressionskurse“ der Jugendgerichts- und Bewährungshilfe und der Justizvollzugsanstalten werden als „Gutmenschen“-Kram und „Kuscheljustiz“ verlacht, die sinnlos Geld an Verbrecher verpulvern, anstatt diese so lange und hart einzusperren, bis aus ihnen gute und friedliche Menschen geworden sind.

Aber – wird da die andere Seite anführen – das ist ja nur Gewalt von Männern untereinander, bei Frauen ist es Gewalt von Männern gegen Frauen. Was das ändern soll versteht man wohl nur, wenn man absolut in Gruppen und Gruppenschuld denkt.

Das größte und dröhnendste aller Schweigen aber scheint mir, unverändert, im Bereich der Gewalt gegen Kinder zu bestehen. Das Entsetzen über sexuellen Missbrauch und die mutmaßlich unvorstellbaren Dunkelziffern dieses Delikts springt täglich aus allen Medien. Von der Dunkelziffer von „Wegschubsen, Ohrfeigen, Schlagen mit Gegenständen, Einsperren, Nötigen, Bedrohen, Anschreien, Erniedrigen…“ höre ich aber nur wenig, und nur dann, wenn ich gezielt danach suche. Da gibt es kein „Schweigen-Brechen“-Programm für die Nachbarschaft und das soziale Nahfeld. Sondern alle paar Monate mal eine Strafanzeige gegen ein Jugendamt, das „seine Pflicht nicht getan“ hat, weil einmal mehr ein „kleiner X“ oder „die kleine Y“ verhungerte oder totgeschlagen wurde. Die Täter sind dann regelmäßig „Monster“ oder „Horrormütter“, haben also mit uns, den Guten, nichts zu tun.

Tatsächlich dürfte die „Dunkelziffer“ von Körperverletzungen und „Gewalt“ (im oben zitierten Sinn) gegen Kinder durch „ganz normale“ Erwachsene in die Millionen gehen. Ergebnis: In der PKS 2017 tauchen gerade einmal 4600 Anzeigen wegen „Misshandlung von Schutzbefohlenen“ auf (§ 225 StGB). Einfache und gefährliche Körperverletzungen gegen Kinder werden gar nicht erst als solche erfasst. Tatverdächtige bei § 225 StGB: 2500 Männer, 2100 Frauen. Frauen, die gegenüber Männern häufig die (körperlich) Unterlegenen sind, quälen und misshandeln die ihnen selbst körperlich unterlegenen und ausgelieferten Kinder also fast genauso oft wie Männer. Und das, obwohl nach einer länglichen Debatte vor 18 Jahren die Anwendung von Gewalt und Erniedrigung gegen Kinder ausdrücklich gesetzlich verboten wurde (§1631 Abs.2 BGB in der Fassung durch das Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung vom 2.11.2000). Die „Zeit“ vom 5. Juni 2018 meldet: „Die Gewalt gegen Kinder hat 2017 zugenommen“, und bezieht sich dabei auf die genannten PKS-Zahlen.

Wäre eben auch eine weitaus weniger klare Kampagne: Sie müsste sich ja irgendwie gegen Eltern richten, gegen Männer und Frauen, und damit nicht ausdrücklich gegen eine anerkannte Opfergruppe.

 

 

Alpha-Fetoproteine und ihre Rolle in Bezug auf pränatale Hormone

Eine interessante Studie zur Wirkung pränataler Hormone:

Zuerst eine kleine Zusammenfassung der Studie:

The classic view of sexual differentiation in mammalian species holds that sex differences in the brain and behavior develop under the influence of estrogens derived from the neural aromatization of testosterone: the brain develops as male in the presence of estrogens and as female in their absence. In agreement with this view, it has been proposed that the female brain needs to be protected from estrogens produced by the placenta and that alpha-fetoprotein (AFP) – a major fetal plasma protein present in many developing vertebrate species and produced transiently in great quantities by the hepatocytes of the fetal liver– is the most likely candidate to achieve this protection because of its estrogen-binding capacity. However, the idea that the female brain develops in the absence of estrogens and the role of AFP in protecting the brain against the differentiating action of estrogens have been challenged. First, there is accumulating evidence that the normal development of the female brain might actually require the presence of estrogens. Second, the presence of AFP within neurons in the absence of any evidence for local AFP synthesis suggests that AFP is transported from the periphery into the brain. It was thus proposed as well that AFP acts as a carrier, which actively transports estrogens into target brain cells and, by doing so, has an active role in the development of the female brain. The availability of AFP mutant mice (AFP-KO) now finally allowed us to resolve this longstanding controversy concerning the role of AFP in brain sexual differentiation, and thus to determine whether prenatal estrogens contribute to the development of the female brain. We showed that the brain and behavior of female AFP-KO mice were masculinized and defeminized. However, when estrogen production was blocked by fetal treatment with an aromatase inhibitor, the feminine phenotype of these mice was rescued. These results clearly demonstrate that the principal action of prenatal estrogen exposure is to defeminize the brain and that AFP normally binds estradiol circulating in the female fetus and thereby protects the developing brain from defeminization.

Der Abstract der Studie:

Alpha-fetoprotein (AFP) is a well-known diagnostic biomarker used in medicine to detect fetal developmental anomalies such as neural tube defects or Down’s syndrome, or to follow up the development of tumors such as hepatocellular carcinomas. However, and despite the fact that the protein was discovered almost half a century ago, little was known about its physiological function. The study of Afp knock-out mice uncovered a surprising function of AFP: it is essential for female fertility and for expression of normal female behaviors, and this action is mediated through its estrogen binding capacity. AFP sequestrates estrogens and by so doing protects the female developing brain from deleterious (defeminizing/masculinizing) effects of these hormones.

Quelle: Alpha-Fetoprotein: From a Diagnostic Biomarker to a Key Role in Female Fertility

Das pränatale Testosteron wird an der Blut-Hirn-Schranke, wenn ich es richtig verstehe, in Östrogene umgewandelt. die dann die eigentliche Maskulinisierung des Gehirns bewirken. Damit Frauen nicht auch durch Östrogene maskulinisiert werden gibt es einen Schutzmechanismus, bei dem die Alpha-Fetoproteine dieses Östrogen bei Frauen binden und so das Gehirn schützen.

Die Studie bezieht sich jetzt auf Mäuse, die genetisch so gestaltet worden sind, dass sie keine Alpha-Fetoproteine mehr produzieren. Diese sind dann zum einen unfruchtbar und zum anderen zeigen sie nicht das normale weibliche Verhalten.

Aus der Studie:

Alpha-fetoprotein (AFP), discovered about half a century ago (Bergstrand and Czar, 1956; Abelev et al. 1963), is the major serum fetal protein in mammals. AFP is actively produced and secreted during the fetal life by the liver hepatocytes, the visceral endoderm of the yolk sac and, to a lesser extent, by the intestine and the kidneys (Sell and Becker, 1978; Andrews et al. 1982; Belayew and Tilghman, 1982). The concentration of this protein in the fetal serum reaches the order of several mg/ml, and its synthesis decreases dramatically in the first weeks after birth to reach only trace amounts in adulthood (Sell and Becker, 1978; Belayew and Tilghman, 1982). It is then essentially produced by the liver.

Es ist also ein Protein, welches vor der Geburt produziert wird und nach der Geburt stark reduziert wird. Es kommt auch bei den anderen Säugetieren vor.

AFP produced by the embryo is secreted in the amniotic fluid and is also able to cross the placental barrier to reach the maternal blood circulation, where its titer is used as a diagnostic marker to reveal developmental anomalies of the fetus (Haddow et al. 1979; Brownbill et al. 1995; Newby et al. 2005). Abnormally high levels of AFP in the maternal serum indicates elevated risk for neural tube defects of the fetus such as spina bifida or anencephaly (Leighton et al. 1975), whereas abnormally low levels indicates elevated risk for a Down’s syndrome (Cuckle et al. 1984).

Measurements of the AFP levels in the maternal serum are undertaken at 14–22 weeks of each pregnancy and are part, along with unconjugated estradiol, human chorionic gonadotropin and inhibin A, of the quadruple test for antenatal Down’s syndrome screening (Wald et al. 2003). Abnormal AFP levels can also be indicative of other fetal pathologies (for review see Mizejewski, 2004).

Ein Stoff, der aus anderen Gründen getestet wird und Auswirkungen auf das geschlechtliche Verhalten hat, könnte sehr interessant sein, weil dann theoretisch eine Menge Daten ausgewertet werden können.

Und aus den Ergebnissen der Knock-Out Mäuse:

In addition to being sterile, female AFP KO mice are defeminized (they show a diminution of female behavior) and masculinized (they exhibit some male characteristics): in the presence of a sexually active male, they do not exhibit the female typical behavior of lordosis (posture with raised head and rump, and deflected tail, to facilitate copulation) and they show a male pattern of distribution of tyrosine hydroxylase expressing neurons in sexually dimorphic areas of the hypothalamus (Bakker et al. 2006).

Scheint ein ähnlicher Effekt wie bei CAH zu sein. Was ja auch ganz gut passen würde. Nur wäre es hier eben nicht ein Zuviel an Testosteron, sondern ein zuwenig an Protein, das normalerweise den Stoff abfängt, in den Testosteron umgewandelt wird.

Und zu der Übertragung auf Menschen:

Translation of the observed results to human still needs to be tested. There are diverging views in the literature as to whether human AFP can or cannot bind estrogens. In either case, it appears that human AFP-derived peptides are able to display some anti-estrogenic activity (Vakharia and Mizejewski, 2000; Bennett et al. 2002; Mizejewski et al. 2004). AFP-derived peptides are under investigation as chemopreventive agents for estrogen-dependent breast cancers and other tumors (Bennett et al. 2006, Mizejewski et al. 2006). Androgens could also, in the human, play a more important role than estrogens in sexual brain differentiation. In that case the sex hormone binding globulin, able to bind both estrogens and androgens, could then play a significant role.

In conclusion, our work demonstrates that the function of AFP extends well beyond its traditional marker role for developmental anomalies of the fetus or liver tumors. AFP plays a crucial role (at least in rodents) in the control of female fertility through its anti-estrogenic action

Hier ist also noch einiges unklar. Ich finde es aber ein sehr interessantes Thema.

Andere Studien, die ich gefunden habe:

In order to investigate whether a sex difference exists in alpha-fetoprotein serum concentration, blood samples were collected from 133 adult men, 52 adult women, 239 pregnant women at different ages of gestation, 16 girls and 18 boys at birth, and seven girls and seven boys during the first week of life. In the case of 15 boys and 10 girls, blood samples were also collected from their mothers at the time of delivery. Serum AFP was measured by a radioimmunoassay method. In all neonates the mean value was 625 times higher than in all mothers at the time of delivery and 13,000 times higher than in adults. No difference was found between mothers of girls and those of boys both during pregnancy and at the time of delivery. However, at birth, the fetal AFP serum concentration was 1.8 (p < 0.001) times higher in boys than in girls. This sex difference was maintained during the first week of life. The half-life of serum AFP was 5 to 6 days in the neonate. The origin and the possible physiologic significance of such sex difference in AFP deserve further investigations.

Quelle: Serum alpha-fetoprotein in adults, in women during pregnancy, in children at birth, and during the first week of life: A sex difference

Ein Streit scheint gerade ausgetragen zu werden zu der Frage, inwieweit die Vorgänge vergleichbar sind:

Danach wäre bei Menschen eher SHGB für den gleichen Effekt zuständig

Motta-Mena and Puts (2017) have recently reviewed the endocrinological substrates of human female sexuality. We feel that it is necessary to point out a shortcoming in their review, since their claim that estrogen “has a limited role, if any, in masculinizing the human brain and behavior” does not stand up to close scrutiny, especially when applied to females.

The first line of evidence used by the authors to support this argument concerns the putatively low binding affinity for estrogen that human alpha-fetoprotein (AFP) has. However, this is insufficient evidence for the argument that “then ovarian estrogens would presumably cross the blood-brain barrier and masculinize the human female brain”. The authors disregard that the sex hormone-binding globulin (SHBG) has a similar function to rodent AFP in humans, binding to endogenous estrogens with high affinity (Hong et al., 2015; Varshney and Nalvarte, 2017).

Motta-Mena and Puts’s (2017) second line of evidence is based on genetically male (46, XY) CAIS individuals who develop feminine gender expression despite producing normal-to-high male levels of testosterone. This line of evidence is based on genetic males and cannot be extrapolated to females (cf. Koebele and Bimonte-Nelson, 2015).

As third line of evidence, Motta-Mena and Puts state that human males with mutations rendering the aromatase enzyme dysfunctional typically present as normal males. This claim is based on a sample size of two men (Grumbach and Auchus, 1999), which is inadequate to draw wider conclusions. Cooke et al. (2017) helpfully review several more cases to support this hypothesis. This line of evidence, however, also concerns men and cannot be extrapolated to females.

Recent reviews have argued that estrogen aromatized through testosterone is required for masculinization of the male brain (Cooke et al., 2017; Varshney and Nalvarte, 2017). However, Motta-Mena and Puts’s (2017) review—especially the second and third points discussed above—rightfully calls for a critical readjustment of that hypothesis in human males.
What we highlight is that in rats and supposedly in humans, brain masculinization occurring when testosterone is aromatized into estrogen
affects the size of the hypothalamic preoptic area SDN-POA (Cooke et al., 2017; Morris et al., 2004). This area controls sexual behavior and is larger
in males than in females due to cell death occurring naturally after 4 years postnatally (Morris et al., 2004; Swaab and Hofman, 1988). Treating developing female rats with estradiol or other estrogens—including the xenoestrogens genistein and zearalenone—increases the volume of the SDN-POA, reducing female-typical sexual behavior and increasing male-typical sexual behavior (de Jonge et al., 1988; Döhler et al., 1984; Faber and Hughes, 1991; MacLusky and Naftolin, 1981). These findings correspond with the effect of prenatal diethylstilbestrol (DES) exposure on women. A synthetic estrogen, prenatal DES exposure increases women’s likelihood of behaving bisexually or homosexually in adulthood, indicating heightened brain masculinization (Ehrhardt et al., 1985; Meyer-Bahlburg et al., 1995; cf. similar findings in rhesus monkeys by Goy and Deputte, 1996). Whether DES exposure affects the size of the SDN-POA in humans is not known, but in female rats, pre- and postnatal treatment with DES increases SDN-POA size to match that of a male (Döhler et al., 1984; Tarttelin and Gorski, 1988).

Importantly, while SHBG has high binding affinity to endogenous estrogens, it has low or zero binding affinity to a number of xenoestrogens,
including DES and genistein, which bind to estrogen receptors with moderate to strong affinity (Hong et al., 2015). This can potentially lead to
heightened estrogenic masculinization in women, as in those exposed to DES.
Taken together, these observations question Motta-Mena and Puts’s (2017) conclusion that estrogen “has a limited role, if any, in masculinizing
the human brain and behavior

 

Und die Antwort darauf:

Human genetic males are unlike rodent males in that neither the ability to convert testosterone to estrogen nor a functional estrogen receptor (ER) appears necessary for male-typical behavior, but a functional androgen receptor (AR) is required. Brain masculinization is probably mainly AR-mediated in human genetic males. ER binding may nevertheless have important masculinizing or defeminizing effects in human genetic females. Probably the strongest available evidence on this issue is derived from females exposed to synthetic estrogens in utero due to their mother’s treatment with DES. As we review, the totality of evidence from this population indicates little or no effect of estrogens on sexuality in genetic females. In addition, if brain masculinization were ER-mediated in humans, it seems unlikely that sex hormone-binding globulin would bind estrogens so effectively as to prevent them from masculinizing the brain. In sum, current evidence suggests that estrogen plays a limited role in masculinizing the human brain and behavior.

Quelle: Is human brain masculinization estrogen receptor-mediated? Reply to Luoto and Rantala

Finde ich als Gebiet interessant. Vielleicht kennt sich jemand da schon besser aus und kann mir etwas mehr dazu sagen

 

Berliner Frauen-Feiertag

 

Der Gender Pay Gap und seine Ursachen: Berufswahl macht 15 Prozentpunkte des GPG aus, Bereinigung auf 2% möglich

Ein interessanter Bericht in der Zeitschrift EFArbeitsrecht legt noch einmal ein paar Faktoren zum Gender Pay Gap dar. 

Die Leser hier können mich gerne eines Besseren belehren), stellen sich ketzerische Fragen. Zum Beispiel: Wenn Frauen für die gleiche Arbeit wirklich ein Fünftel weniger Lohn bekommen – warum stellen die Unternehmen dann noch Männer ein? Sind die – in der Diktion der nahestehenden Denkschulen – Firmen, die sonst jede Gelegenheit nutzen, ihren Profit zu maximieren, zu doof, diese Chance zu sehen?

Das ist ja das alte Argument, auf welches es aber von der anderen Seite auch keine wirklich gute Reaktion gibt. Allenfalls: Die sind eben zu sexistisch. Was dann aber ja bedeuten würde, dass eine schlaue Person ohne diese Vorurteile in jedem personalintensiven Bereich mit nicht bereits überwiegend weiblicher Arbeitnehmerschaft die Konkurrenz unterbieten könnte, wenn sie meint, dass es stimmt.

Wenn es wirklich nur um die Lücke geht, habe ich einen konstruktiven Vorschlag: Senkt die Löhne!

Ja, richtig gelesen. Natürlich nicht überall, aber in der Metall- und Elektro-Industrie. Denn bei M+E arbeiten zu 80 % Männer. Und das durchschnittliche Einkommen in der Branche liegt bei 56.400 Euro im Jahr (!). Wenn wir in der Metallindustrie nun die Löhne um 20 Prozent senken würden, würde der Gender Pay Gap von 21 auf knapp unter 16 % sinken!

Das finde ich schon erst einmal einen erstaunlichen Anteil im Gender Pay Gap: Wenn in den Berufen mit vielen Männern und guten Verdienst der Lohn gesenkt wird, dann würde das noch immer keiner Frau mehr Geld bringen, aber plötzlich wäre die Welt gerechter.

Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt. Es ermittelt den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und stellt ihn dem Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen gegenüber. Diese Berechnung ergibt den Unterschied von aktuell 21 Prozent.

Allerdings: Diese Berechnung vergleicht gerade nicht betrieblich vergleichbare Tätigkeiten miteinander. Die politischen Kampagnen verwechseln (wohl bewusst) die gesamtdeutsche volkswirtschaftliche Statistik mit der konkreten Verdienstsituation in jedem einzelnen Betrieb.

Die Betrachtung im Detail durch das statistische Bundesamt zeigt unter anderem:

  • Bei bis zu 25-jährigen liegt diese unbereinigte Entgeltlücke bei nur 2 Prozent, erst ab 40 steigt er auf über 20 Prozent.

Auch eine gute Zahl um sie jungen Feministen vorzuhalten, die meinen, sie würden weniger verdienen.

  • In Ostdeutschland liegt der Unterschied bei 7, im Westen bei 24 Prozent.

Und das trotz eines inzwischen gleichen Systems. Und lauter „Nazis“ im Osten, also einer sehr unfeministischen Ausgangslage.

  • Bei Vollzeitbeschäftigten sind es 20, bei geringfügig Beschäftigten nur 1 Prozent.

Das es bei geringfügig beschäftigten nicht viel Abweichung gibt ist klar, viele dort erhalten schon den geringsten Lohn, da es meist Arbeiten mit geringer Qualifikation sind.

  • Nur sehr geringe Unterschiede gibt es nach Betriebsgrößen oder nach Tarifbindung.

Auch interessant: Selbst eine Tarifbindung scheint den GPG nicht zu stören. Das Patriarchat ist eben mächtig.

  • Betrachtet man die Branchen, schneidet der Wirtschaftszweig „freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ mit 32 Prozent Unterschied am schlechtesten ab – und „Verkehr und Lagerei“ mit 3 Prozent am besten.

Ich vermute mal, dass in dem Bereich zum einen die Qualifizierung auf bestimmte Bereiche und auch die Bereitschaft zu Überstunden etc sich besonders auswirken. Wenn etwa der Architekt, Steuerberater, Arzt oder Rechtsanwalt länger macht, noch bis spät Patienten, Kunden etc aufnimmt, dann kann er eben auch besonders viel verdienen, um so mehr, wenn er hochqualifiziert ist.

Tatsächlich erklärt das Statistische Bundesamt selber, dass die „unbereinigten“ Zahlen keine Aussage über die Entlohnung vergleichbarer Arbeit ermöglichen. Deshalb wird die bereinigte Lücke ermittelt: Bei ihr werden vergleichbare Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiographien betrachtet. Dann liegt der Unterschied bei nur noch 6 Prozent.

Und auch da muss man sich eben bewußt machen, dass man einen Unterschied nicht mit Diskriminierung gleichsetzen kann, es bleibt erst einmal nur ein Unterschied, der auf einer Vielzahl von Faktoren beruhen kann, deren Grundlagen das statistische Bundesamt beispielsweise nicht in seinen Zahlen hat.

Skandal genug, sagt die Gleichstellungsindustrie. Allein, selbst zu diesen 6 Prozent sagt das Statistische Bundesamt ausdrücklich: „Ein Maß für Diskriminierung von Frauen stellt der bereinigte Gender Pay Gap allerdings nicht dar. So können einige Merkmale, die eine zusätzliche Erklärungskraft in das Modell einbringen könnten, aufgrund fehlender Daten nicht berücksichtigt werden. Beispiele hierfür wären Erwerbsunterbrechungen zur Kindererziehung oder das individuelle Verhalten in Lohnverhandlungen“.

Und noch viele weitere Faktoren, etwa die Bereitschaft für Mehrarbeit besser bezahlt zu werden oder sich in einem Wettbewerb um eine bessere Stelle zu stürzen, die Bereitschaft für einen besseren Job eine länger Fahrzeit in Kauf zu nehmen, die Bereitschaft sich zusätzlich zu qualifizieren, auch wenn das erhebliche Zeit kostet etc.

Forschungen (etwa des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln oder des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts) ergänzen genau diesen Punkt: Insbesondere längere, familienbedingte Auszeiten wirken sich aus. Betrachtet man zum Beispiel Arbeitnehmerinnen, die sich von ihren männlichen Kollegen lediglich in dem Punkt unterscheiden, dass sie eine Babypause von maximal 18 Monaten gemacht haben, schrumpft der Entgeltunterschied auf nur noch 2 Prozent zusammen.

Und da sind wir bei en 2%, die eben auch noch nicht das Ende der Fahnenstange sein müssen, da es weitere Faktoren geben kann. 18 Monate bei zwei Kindern wäre allerdings aus Sicht vieler auch schon relativ sportlich, wäre interessant, wie viele Kinder dann vorhanden waren und ob die Anzahl der Kinder oder die Frage, wer sie dann letztendlich betreut hat, auch eine gewichtige Rolle spielen würde.

 

Wenn es denn eine „Teilzeitfalle“ geben sollte, dann liegt sie bei den fehlenden bedarfsorientieren Kinderbetreuungsangeboten, wenn es politischen Handlungsbedarf gibt, so liegt er ebenfalls hier – und nicht zuletzt: wenn es Empörungsbedarf gibt, so liegt er ebenfalls an dieser Stelle.

Zusammengefasst: Von den 21 Prozent entfallen 15 Prozent Unterschied auf das Berufswahlverhalten, weitere 4 Prozent auf familienbedingte Auszeiten. Konsequenterweise hat Gesamtmetall statt des „Equal Pay Days“ den „ehrlichen Equal Pay Day“ ausgerufen – und der fand 2017 am 7. Januar statt.

15% entfallen auf das Berufswahlverhalten, das ist ja wirklich ein enormer Wert. Und durchaus korrigierbar. Frauen müssen eben „nur“ andere Berufe wählen.

Frauen entscheiden sich nach wie vor ganz überwiegend gegen technische Berufe. Nur in Ostdeutschland waren auch technische Berufe üblich, dort sind auch beispielsweise die Verfügbarkeit und (nicht zu vergessen!) die gesellschaftliche Akzeptanz von frühzeitiger, ganztägiger Kinderbetreuung eine andere – das mag zu einem guten Teil erklären, warum die unbereinigte Lücke im Osten deutlich kleiner ist als im Westen.

Wobei es auch an den allgemein niedrigeren Löhnen liegen dürfte.

Werfen wir einen genaueren Blick auf das Berufswahlverhalten.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wendet sehr viel Aufwand und Geld auf, jungen Mädchen die M+E-Berufe als Alternative schmackhaft zu machen. Dennoch: In der Metall- und Elektro-Industrie liegt der Anteil der Frauen ziemlich konstant bei 20 Prozent, der Anteil an Auszubildenden in den technischen M+E-Berufen bei lediglich 8 Prozent. Trotz aller objektiven Vorteile – kürzere Arbeitszeit, flexible Arbeitszeitmodelle, beste Aufstiegsmöglichkeiten und hoher Verdienst schon ab der Ausbildung– entscheiden sich junge Frauen weiterhin für andere Branchen.

Die Ursachen dürften in anderen Interessen liegen:

In der Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe finden sich bei Männern sieben M+E-Berufe unter den Top 15. Bei Frauen kommt der erste technische M+E-Beruf auf Platz 41! Bei den für die Branche wichtigen Ingenieurstudiengängen lag der Frauenanteil bei Studienanfängern 2016 im Fach Elektrotechnik bei 16,3 %, der beim Maschinenbau 21,2 %.

Hier wäre also eine gute Gelegenheit zum Aufholen, bei denen schlicht die Frauen ihr Verhalten ändern müssten und insbesondere die einzelne Frau mit einer Entscheidung bereits viel für ihren persönlichen Gender Pay Gap machen könnte.

Der Artikel beleuchtet die verschiedenen Berufswahlen noch genauer, insofern auch den Artikel an sich noch einmal anschauen.

Siehe auch: