Selbermach Mittwoch 184 (10.10.2018)

Was meint ihr, wie lange bleibt es noch warm?

Wer hat schon auf die Winterreifen gewechselt?

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Warum Männer ihre Gene anders weitergeben als Frauen

Ein interessanter Bericht über die Auswertung von DNA aus Knochenfunden:

Woher stammen die heutigen Spanier und Portugiesen? Die Jamnaja-Kultur dürfte die Reproduktion übernommen haben

London – Die verbesserten technischen Möglichkeiten, DNA aus alten Knochen zu gewinnen, zu sequenzieren und zu analysieren, haben in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse gebracht und unsere Vorstellungen von der Herkunft der Europäer radikal verändert. So scheint heute gesichert, dass es vor rund 5.000 Jahren zu einer Art Invasion von Vertretern der sogenannten Jamnaja-Kultur kam, die auch als Glockenbecherkultur bezeichnet wird und ursprünglich in der südrussischen Steppe beheimatet war.

Eroberten die Zuwanderer aus dem Osten auch Südwesteuropa? Diese Frage war lange unbeantwortet. Doch nun ging ihr ein Team um David Reich (Harvard University) nach und wertete die DNA von alten Menschenknochen der Iberischen Halbinsel aus. Das Ergebnis der Studie, über die das Fachblatt „New Scientist“ berichtete, brachte ein erstaunliches Ergebnis: Allem Anschein nach haben es die Zuwanderer aus dem Osten jenseits der Pyrenäen geschafft, die Gene am Y-Chromosom der Männer, die ursprünglich in der Gegend lebten, vor rund 4.500 Jahren vollständig zu ersetzen.

Das Y-Chromosom wird nur über die Männer weitergegeben, ist also recht einfach zuzuordnen. Eine vollständige Ersetzung ist dabei natürlich ein sehr interessanter Fund:

Halbnomaden aus dem Osten

Dieser Befund wirft naturgemäß einige Fragen auf: Wie und warum konnten sich die Zuwanderer aus dem Osten durchsetzen? Und wie war es möglich, die ursprünglichen iberischen Männer vollständig aus dem Genpool zu verdrängen? Reich geht davon aus, dass die Halbnomaden aus dem Osten vor allem von zwei Innovationen profitierten und sich deshalb so weit nach Westen ausbreiten konnten: von der Domestikation der Pferde und vom Gebrauch des Rades.

Überlegene Technik gerade für den Kampf kann immer einen entscheidenden Vorteil bringen und dazu führen, dass sich Leute gegen auch zahlenmäßig größere Gruppen durchsetzen

Was nun die Iberische Halbinsel angeht, vermuten die Forscher um Reich eine Art „gewaltsamer Eroberung“, bei der lokale Männer getötet oder versklavt wurden und Frauen von den Jamnaja-Vertretern für sich beansprucht wurden. „Das Zusammentreffen dieser beiden Populationen war nicht freundlich“, ist Reich überzeugt.

Während die erheblichen Auswirkungen der Jamnaja-Kultur in Europa bereits seit längerem bekannt sind, führen die neuesten Erkenntnisse von Reich und seinen Kollegen vor Augen, wie groß dieser Wandel auf der Iberischen Halbinsel war: Denn das kam auch im übrigen Europa nicht vor, dass die gesamte ehemalige männliche Bevölkerung völlig von der genetischen Landkarte verschwand. (tasch, 2.10.2018)

Da greifen recht einfache Prinzipien aus der Biologie:

  • Sperm is cheap, eggs are expensive. Damit sind Frauen unter den damaligen Gegebenheiten eine gute und wichtige Beute. Wegen des Grundsatzes oben kann sich ein Mann eben auch mit mehreren Frauen vermehren und so seine Gene schnell anreichen
  • intrasexuelle Konkurrenz: Der Kampf um die „Ressource Frau“ ist eben damit auch ein intrasexueller Kampf: Die einen betreiben Mate Guarding beziehungsweise die Verteidigung der Frauen und sich selbst, die anderen erobern die Frauen und pflanzen sich mit ihnen fort. Auf diesem kriegerischen Weg lässt sich auch „Female Choice“ ausschalten
  • Der Vorteil von Status: Man darf annehmen, dass die Statushöheren bei einem solchem Kriegszug einen größeren Anteil an der Beute, zu der auch die Frauen zählen, bekommen haben. Sie werden ihre Gene damit noch deutlicher weitergegeben haben.