Frauen werden von den Naturwissenschaften abgeschreckt, wenn man ihnen erzählt, dass dort alle gegen sie sind

Wenig überraschend hat eine Studie festgestellt, dass der feministische Ansatz, möglichst laut auf Diskriminerungen hinzuweisen, selbst dazu führt, dass Frauen solche Fächer meiden:

Indiana University Professor Psychology Evava Pietri conducted the study, titled “Addressing Unintended Consequences of Gender Diversity Interventions on Women’s Sense of Belonging in STEM.” It was published on August 17 in the journal Sex Roles.

An Indiana University study finds that efforts to raise awareness of the lack of women in STEM are actually making women feel more out of place.

Though researchers have previously theorized that STEM intervention efforts may backfire, this is the first study to use an experimental approach to illustrate —under laboratory conditions—how “women in STEM” advocacy may be backfiring.

To do this, Pietrithe recruited 585 participants to watch videos on the STEM gender gap. Half of the participants watched videos depicting conversations between professors and students about the disparity and each conversation was inspired by a specific research article.

The rest of the participants watched a set of interviews with a male psychology professor, describing how research on the STEM disparity is conducted. Unsurprisingly, the videos were effective in raising participants’ “bias literacy,” or their ability to articulate various ways in which women are subjected to bias in STEM.

But the educational videos also had a downside.

The videos “increased awareness of gender bias in the sciences, which led women, but not men, to ultimately experience decreased anticipated belonging and trust and increased negative affect and stereotype threat concerns about the STEM organization.”

“Moreover, for women, awareness of gender bias in the sciences (i.e., gender bias literacy) was the mechanism underscoring their enhanced social identity threat,” Pietrithe and her fellow researchers explained.

Moving forward, the researchers call for women in STEM advocates to be “diligent in investigating the possibility of unintended negative outcomes” before trying to get more women into STEM.

Further, they cast doubt over whether these programs should be created in the first place.

“If diversity interventions, such as [the one used in the experiment] have negative consequences on women’s sense of belonging in STEM, should women even be exposed to them in the first place?”

“Perhaps the risks associated with social identity threat are not worth the benefits of increased bias literacy and reduced gender bias,” they add.

Also eher ein Eigentor. Dürfte für den Gender Pay Gap nicht anders sein.

Das Schlimme ist dann noch, dass die Theorien noch nicht einmal stimmen. Frauen werden also vollkommen grundlos abgeschreckt.

40 Gedanken zu “Frauen werden von den Naturwissenschaften abgeschreckt, wenn man ihnen erzählt, dass dort alle gegen sie sind

    • Die Opferrolle ist denen nicht nur lieber, sondern für das Narrativ überlebenswichtig. Erfolgreiche Frauen, z.B. in MINT, die nicht über Quote reingekommen sind, sondern über Leistung, wären das Ende des aktuellen intersektionalen Opferfemimiminismus, wenn das rauskäme. Die müßten sich dann selber echte Jobs suchen…

      • In MINT Forschung kommst Du nicht über Quote zum Erfolg. Sondern über Leistung und Netzwerken.
        (Ausnahmen bestätigen die Regel)

        Der Unterschied zu zu anderen Feldern liegt darin, dass die Forschungsergebnisse intersubjektiv nachprüfbar sind.

        • In MINT Forschung kommst Du nicht über Quote zum Erfolg. Sondern über Leistung und Netzwerken.
          (Ausnahmen bestätigen die Regel)

          Auch da gibt es Quoten bzw. werden einfach die Leistungsanforderungen für Frauen so abgesenkt, dass es passt. Siehe Alexander Strumia.

        • Ds mit den Netzwerken ist schon wieder so ein feministischer Unfug. Sobald du in deinem Spezialbereich erfolgreich forscht, bist du integrierter Teil dieses kleinen Netzwerkes, und dann kommt es auf die Ergebnisse an, die du lieferst, ganz egal ob Mann oder Frau. Eine Frau hat in jedem Physiklabor eine absolut privilegierte Stellung. Dazu folgende anekdotische Evidenz. Als ich nach Abschluß meiner Forschungsarbeit mal in mein Labor zurückgekehrt bin, traf ich eine wirklich sehr bemerkenswerte Frau, die bestimmt eine gute Physikerin war aber auch ein sehr erfrischendes Naturell hatte. Es sei angemerkt, dass Diplomanden halt die Arbeitspferde für die Profs in den Labors, mit denen auch die wissenschaftlichen Leistungen der Profs stehen und fallen. Nachdem diese Frau in einem Labor für ihre Diplomarbeit eingecheckt hatte, hörte man den Prof schwärmen: „Ich kann plötzlich jede Menge Diplomanden haben.“ Von einer anderen Frau aus meinem alten Labor erfuhr ich, dass sie zum erstenmal in diesem Labor jemand war, der/die abends pünktlich nach Hause gehen konnte. Das hat sie dadurch erreicht, dass sei einfach die Jungs die Geräte hat reparieren lassen, die sie kaputt gemacht hat. Ihre Physik muss sie selbst beherrschen, aber dann hat sie es garantiert eh schon leichter als die Männer, den auch junge Physiker kotzt es an, die viele Zeit, die sie gezwungnermaßen im Labor verbringen, nur mit Männern zu verbringen.

          • „… aber dann hat sie es garantiert eh schon leichter als die Männer, den auch junge Physiker kotzt es an, die viele Zeit, die sie gezwungnermaßen im Labor verbringen, nur mit Männern zu verbringen.“

            Hmm, ob sie es leichter hatten, kann ich nicht beurteilen. Aber wir hatten im Institut ne Zeitlang wirklich viele Südamerikanerinnen und da war immer gute Stimmung.
            Ich teilte das Büro mit einer, die aussah, wie eine sonnengebräunte Schwedin.
            Wir haben sie als Frauen geschätzt, weil sie echte Blickfänger waren, aber als Kolleginnen wurden sie nicht anders behandelt, als die Männer. Auch in Diskussionen gab es kein Geschlecht, sondern ein Thema.
            Übrigens war die Mexikanerin beim Fußball gefürchtet, weil sie gelegentlich erbarmungslos foulte 🙂 .

    • „Ich wette, die Opferrolle ist Femis lieber, weshalb sie das einfach nicht zur Kenntnis nehmen werden.“

      Sie werden das sehr genau zur Kenntnis nehmen, da die regelmäßigen Gehaltschecks am Monatsende davon abhängen, dass die Opferrolle nicht gefährdet wird.
      Femis brauchen die Opferrolle also nicht nur, sie müssen sie auch regelmäßig füttern, damit der Geldfluss nicht versiegt.

    • Ist m.E. keine einfache Frage: Ist jemand mit hoher Agreeableness und hoher Neuroticism per se schlecht in MINT?

      Das erscheint erst mal nicht logisch.

      • Es geht v.a. darum, Behauptungen nicht völlig unkritisch zu glauben.
        Das Internet bietet heutzutage reichlich Möglichkeiten, sich zu informieren, und solche Aussagen nachzuprüfen.
        Wer das aufgeschlossen und gründlich tut, wird zum Schluss kommen, dass diese Behauptungen übertrieben bis unzutreffend sind.
        Von einem zukünftigen Naturwissenschaftler o.ä. darf man diese Art der Skepsis schon erwarten.
        Das ist völlig unabhängig von Agreeableness, auch wenn eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit wohl überall von Vorteil ist.

        • Niemand ist frei von Confirmation Bias.

          Nein, auch du nicht. 😉

          Wenn es keinerlei Anlass gibt, in einer Sache Confirmation Bias zu vermuten, weil ALLE naheliegenden (im Wortsinne) Informationen sagen: „Doch, doch, es IST so schlimm“, dann braucht es ein weit überdurchschnittliches Misstrauen, um diese Info zu überprüfen.

          Deine Aussage ist m.E. überspitzt gesagt: „Wer das mit dem 1+1=2 nicht selbst überprüft, bevor er es glaubt, der hat in MINT nichts verloren.“

          • Wenn ich etwas wirklich „weiß“, dann dass ich fehlbar bin. 😎

            weit überdurchschnittliches Misstrauen

            Sehe ich nicht so.
            Wer sich ernsthaft für (egal welchen) Beruf interessiert, ist gut beraten, sich vorher über sämtliche Aspekte zu informieren.
            Auch wenn ich mich wiederhole: Gerade von einem wissenschaftlichen Geist erwarte ich das in besonderem Maße.
            Im Laufe der Informationsphase wird eine interessierte Schülerin auch auf Quellen stoßen, die zumindest Zweifel erwecken an dem „Doch, doch, es IST so schlimm“. Dann ist es an ihr, weiter zu recherchieren.

            Dass „1 + 1 = 2“ habe ich persönlich schon mit etwa zwei Jahren für das Dezimalsystem verifiziert. P-)
            Um annekdotisch zu bleiben:
            Zu meiner Schulzeit es für mich noch nicht möglich, mich über das Internet zu informieren. Als Landmädchen konnte ich als Informationsquelle nur auf eine Handvoll Bücher in der Stadtbücherei zugreifen.
            Es war mir bewusst, dass es in der Physik nur wenige Frauen gibt. Ich hatte durchaus Bedenken deswegen (zumal ich damals noch kaum einen Umgang mit Männern gewohnt war), aber ich bin ins kalte Wasser gesprungen, und siehe da: So kalt war es gar nicht. Ich schwimme immer noch und zwar gerne.

          • „Um annekdotisch zu bleiben:“

            ( Schönes Wortspiel. 🙂 )

            Damit bestätigst du nur die Vermutung, dass du in den Persönlichkeitsskalen Agreeableness und Neuroticism deutlich unter dem weiblichen Durchschnitt liegst.

            Und ich erkenne das Argument „Wer Neues schaffen will, muss Bestehendem auf die Füße treten“ ja durchaus an.

            Die Frage ist: Muss wirklich JEDER im Labor so streitlustig sein? Oder gibt es nicht auch Platz für brilliante, aber konziliante Köpfe?

          • Es ist mir schon klar, dass ich in mancher Hinsicht signifikant vom Durchschnitt abweiche. 😐

            „Streitlustig“ polarisiert deine Frage stärker als nötig.
            Ein wissenschaftlicher Disput sollte nicht darauf anzielen, persönlich recht zu behalten. Idealerweise ist das ein konstruktiver Gedankenaustausch, bei dem jeder um Erkenntnisgewinn bemüht ist, sich durch stichhaltige Argumente überzeugen lässt, und Widerspruch nicht als persönlichen Angriff wertet.
            BTW – die erbittertsten Nerddiskussionen gehen über Nebensächlichkeiten, z.B. um viele Blanks oder Tabs man verschachtelten Sourcecode einrücken sollte.
            Da nimmt aber auch niemand einem anderen die andere Meinung übel.

            Ein äußerst nachgiebiger Mensch, wird es (überall!) schwer haben. Wenn er Glück hat, findet er irgendwo eine Nische, in der er alleine arbeiten kann.
            Aber auch die genialste Idee wird auf Widerstand treffen. Wenn man sie dann rückgratlos aufgibt, geht sie verloren.

            Es gibt ja das Sprichwort: „Der Klügere gibt nach.“
            Ich halte es lieber mit: „Wenn der Klügere immer nachgibt, ist er irgendwann der Dumme.“

          • @Anne: Eigentlich weichen alle NaWi ler und Mathematiker/Informatiker irgendwie vom Durchschnitt ab, insbesondere diejenigen, die in der Forschung und Entwicklung arbeiten…
            Sonst würde man das ja nicht machen 🙂

        • @ Anne

          „Es geht v.a. darum, Behauptungen nicht völlig unkritisch zu glauben.“

          Das ist sicher Grundvoraussetzung für einen guten F&Eler. Dennoch kommt man im Interesse der Arbeitsgeschwindigkeit nicht drum herum, bestimmte Rahmenbedingungen einfach als gegeben und richtig vorauszusetzen. Wenn man alles hinterfragt, paralysiert man jeden Fortschritt.

          „Das Internet bietet heutzutage reichlich Möglichkeiten, sich zu informieren, und solche Aussagen nachzuprüfen.“

          Eben WEIL das Internet zu jedem Thema ein komplettes Spektrum an Meinungen liefert, ist es nur sehr bedingt als Quelle für Informationen geeignet. Letzten Endes bleibt es dabei, dass man für sich zu einem Sachverhalt eine Plausibilitätsprüfung ausführen und eine Entscheidung fällen muss.
          Meiner Meinung nach fehlt es eher an der Fähigkeit, eine solche Plausibilitätsprüfung durchzuführen, als an Informationen zu einem Thema.

          „Wer das aufgeschlossen und gründlich tut, wird zum Schluss kommen, dass diese Behauptungen übertrieben bis unzutreffend sind.“

          Aber wer tut das schon. Die Informationsflut ist heutzutage gigantisch, da filtert man schnell – und am Ende bleibt das übrig, was man als Ergebnis eh erwartet hatte.

          „Von einem zukünftigen Naturwissenschaftler o.ä. darf man diese Art der Skepsis schon erwarten.“

          Nein, überhaupt nicht!
          In der gesamten Kindheit, samt Schule, lernt man, Informationen NICHT zu hinterfragen. Und so geht man in aller Regel auch in das Studium – und trifft auf einen eitlen Prof, der Skepsis nur bei konkurrierenden Thesen akzeptiert.
          Für mich war das Entwickeln einer kritischen Distanz zu Informationen und Beobachtungen ein jahrelanger, bis heute andauernder und sehr anstrengender Prozess.

  1. Bei den MINT Nobelpreisen ist übrigens spannend, dass von 1900 bis 1950 zwei Frauen, 50 – 75 3 Frauen (also die 3 fache Anzahl) 1975 bis 2000 5 Frauen und von 2000 bis jetzt 7 Frauen einen MINT Nobelpreis bekommen haben.
    das deckt sich mit etwas Zeitverzug mit der Zunahme an Frauen in den MINT – Fächern und der damit einhergehenden starken Abnahme an Frauenfeindlichkeit im Universitätsbetrieb. (Was ich in den 80gern da noch erlebt habe… aber holla)

    • …und von 2000 bis jetzt 7 Frauen einen MINT Nobelpreis bekommen haben.
      das deckt sich mit etwas Zeitverzug mit der Zunahme an Frauen in den MINT – Fächern und der damit einhergehenden starken Abnahme an Frauenfeindlichkeit im Universitätsbetrieb

      Welche Frauenfeindlichkeit? Gab es die wirklich mal und in so massiver Form?
      Da habe ich meine Zweifel, wird gerade Menschen mit Grips doch eher nachgesagt, weniger vorurteilsbeladen und x-feindlich zu sein. Also z.B. auch weniger ausländerfeindlich als Menschen mit eher weniger Verstand und Bildungsniveau.
      Und beides würde ich zumindest bis vor einigen Jahren gerade den Menschen zusprechen wollen, die studieren oder an einer Uni arbeiten.

      Heutzutage muss sich eine Frau im Übrigen die Frage gefallen lassen, ob sie ihren Preis für ihre Leistung erhalten hat oder vielleicht doch, um eine Quote zu erfüllen.
      Das sollte dann auch recht deutlich zeigen, dass der heutige Feminismus nicht gut ist für Männer – und auch nicht für Frauen.

  2. Ich bin froh dass es so wenig Frauen in Naturwissenschaften gibt.
    Frauen würden diese Fachrichtung von Grund auf verändern. Sie würden Fakten gegen Gefühle tauschen und Sonderrechte für sich fordern. Naturwissenschaften wären dann keine Naturwissenschaften mehr.

    • Das ist nicht nur nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!
      (Wolfgang Pauli)
      Ich geh dann mal mein Schleudertrauma vom Kopfschütteln auskurieren.

      • Passiert doch gerade. Mehr und mehr Fächer werden auf Gender science umgemünzt. Feelings statt Facts ist der neue Leitsatz fast aller amerikanischen Universitäten und dem CERN.

        • Das hat aber nichts mit mehr Frauen in den MINT-Fächern zu tun, sondern mit dem gestiegenen gesellschaftlichen Einfluss des Postfaktischen und (Post)Konstruktivismus. Die entsprechenden Vertreter (m/w) haben überwiegend keine NaWi-Ausbildung.

    • Die Frauen, die ich im Matrikel hatte, haben mit diesen Diskriminierungsdetektorinnen nicht viel gemeinsam. Die waren in der Regel sachbezogen unterwegs und teilweise so nerdig wie die Herren der Schöpfung. Es gab ein paar, die sich ihre Diplom- oder Magisterarbeit haben schreiben lassen, aber dass waren seltene Ausnahmen, nicht die Regel. Allerdings gab es bei uns auch kein frauenfeindliches Klima – zumindest habe ich keins wahrgenommen.

      • Ja, das ist jetzt so, weil Naturwissenschaften jetzt mit der natürlichen Anzahl von Frauen, die sich dafür interessieren besetzt sind.
        Warte mal ab, was die künftige Frauenförderung für Exemplare in die Naturwissenschaften spülen wird.

  3. „Also eher ein Eigentor.“

    Das verstehe ich jetzt nicht so ganz. War es denn jemals ein Ziel des Feminismus, daß Frauen vermehrt in den STEM-Bereichen arbeiten?

    „Dürfte für den Gender Pay Gap nicht anders sein.“

    Hier das Gleiche. War es denn jemals ein Ziel des Feminismus, den Gender Pay Gap – hier in der normalen Form, die mit dem Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ vereinbar ist -, diesen harmlosen Gender Pay Gap zu beseitigen oder auch nur zu verringern?

  4. Also eher ein Eigentor. Dürfte für den Gender Pay Gap nicht anders sein.

    Welcher Gender Pay Gap? Verdienen Frauen seit neuestem doch 23 Prozen weniger? Und das nur, weil man ihnen das erzählt hat?
    Nein, das glaube ich nicht.

  5. Erstaunlich, wenn Frauen das Doppelsprech immer noch nicht durchschaut haben sollten.
    Diskriminierung von Frauen im Reinigungsgewerbe oder unter Fensterputzern, davon hab ich noch nie gelesen.
    Diskriminierung ist doch Doppelsprech für „Hier bekommt sie den Hintern nachgetragen“.

  6. Das zeigt eben auch – um das mal so platt festzustellen – dass die Feministen „ihre“ (diese Anführungszeichen sind ca. 3 Meter hoch) Frauen gar nicht verstehen. Obwohl sie ja angeblich deren Interessen vertreten.

  7. Die ganzen Aktionen der (Herrschenden) Feministinen haben doch mittlerweile nur noch das Ziel die Frauen und Mädchen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und eine Geschlechtertrennung zu etablieren.

  8. Ein kleiner Curiepolis-Auszug, der sich hier thematisch gut einfügt:


    https://www.deviantart.com/curiepolis/art/Annika-und-Dr-Korff-767228769

    [Annika Palmstroem unterhält sich mit ihrem Freund Dr. Korff — ein alter Meteorologe an der Universität Nebbichingen. Sie erzählt ihm vom „Girls‘ Day“, an dem die Mädchen aus ihrer Schulklasse eine Vakuumpumpenfabrik besuchten.]

    {Girls‘ Day, was ist denn das?} Dr. Korff goss den letzten Schluck Kaffee aus seiner Tasse in den Topf des krautigen Gepflänzels: soll gesund sein für die Stubenautotrophen.

    {Irgendjemand hat sichs einfallen lassen, dass man das Interesse von Mädchen an Wissenschaft und Technik wecken könne, indem man sie gruppenweise durch Labors und technische Betriebe führt und ihnen erzählt, wie erfüllend diese Arbeit sei und dass man damit viel Geld verdienen könne. Auch an meiner Schule fühlten sich die Lehrer dazu berufen, an so einem Projekt teilzunehmen – September letzten Jahres: goldblauer Frühherbst, und wir alle in Reih und Glied im Pausenraum von NeshamaTec Geämmbehaa, und eine kleine, dürre Frau Dr. Ing. mit vielen Sommersprossen und traurigen Augen erklärt uns, wieviel Spaß es ihr macht, die Schaufeln von Turbopumpen am Computer zu optimieren, damit die Pumpen effizienter und umweltfreundlicher werden.}

    {Waren deine Klassenkameradinnen interessiert?}

    {Einige haben dauernd gekichert, eine hat gegähnt mit der verschlingenden Vollmundigkeit eines Bussard-Ramjets – und Frau Grünau, die Physiklehrerin… na, wenn Blicke löten könnten! Andere sind in eine Art andächtige Starre verfallen. Ich habe die Ingenieurin gefragt, ob man in einer Pyramidenpappel ein Baumhaus bauen kann. Als Technikerin muss sie das doch wissen, dachte ich.}

    {Haha! Den Blick von der Dame hätte ich nur zu gerne gesehen. Schade, dass ich nicht dabei war. Wie hat sie reagiert?}

    {Eine halbe Minute lang ziemlich konfus dreingesehen; dann hervorgeblubbert: Das weiß ich nicht! Baumhäuser sind wohl nicht so ihr Interessengebiet. Hinterher hat Frau Grünau mich beiseitegelupft und gezischt: {Wenn du nochmal so eine blöde Frage stellst, gebe ich dir Arrest!} Dabei ist das doch eine wichtige Frage. Finde ich.}

    {Ei, weißt du: Die Sache ist folgende – die meisten Menschen denken über solcherlei nicht nach.}

    {Über was denn dann?}

    {Was weiß ich. Ich kenne nicht Viele, die zu den Meisten zählen. Wahrscheinlich: Wie man mit dem Chef reden muss, um eine Gehaltserhöhung zu erwirken. Ob die Kollegin wohl mit dem hübschen Betriebsarzt anbandelt. Wie die Vorstandswahl im Handballverein ausgehen wird. Was der Partner zum Geburtstag bekommen möchte, ob er überhaupt beschenkt werden will, ob man es sich leisten kann, ein Kind in die Welt zu setzen. Solche Dinge. Vermute ich. Vielleicht denken sie die meiste Zeit über an gar nichts.}

    {Ich wollte weinend weglaufen, nachdem die Ingenieurin meine Frage nicht beantwortet und die Frau Grünau mich angeblafft hatte, aber mitten in dieser Firma ging das nicht. Wusste ja nicht, wo die Klos waren: da habe ich mich einfach zurückfallen lassen, als die Klasse die Treppe hinauftrippelte, um den Pumpenteststand zu besichtigen, und bin seitlich auf und davon, einen langen Korridor hinunter. Links und rechts lauter Bürotüren. Dazwischen gerahmte Island-Fotos an den Wänden, vielleicht vom Urlaub des Chefs. Auf einem der Bilderrahmen saß ein kleine Zitterspinne, der habe ich mein Leid geklagt. Dann hörte ich Stimmen: Eine der Bürotüren nur angelehnt. Ich blieb, wo ich war, lauschte atemlos.}

    {Alltägliches Pausengespräch unter Firmenangestellten? Da hast du wohl herausbekommen, welche Fragen die im Herzen wälzen.}

    {Es waren zwei Informatiker. Der eine: {Hastn am Wochenende gemacht?} Der andere: {Glasfaser in meiner Wohnung gelegt.} Der eine: {Wie isses gelaufen?} Der andere: {War schwierig, weil – Gründe, Gründe, Gründe – musste die Tapete im Wohnzimmer komplett entfernen – hab den halben Samstag und den gesamten Sonntag benötigt, zwischendrin Pizza bestellt, abends noch schnell was für die Firma fertigprogrammiert…} Ezetterää! Da hab ich die Tür ganz sanft aufgestoßen, mit schönstem Augenaufschlag und Gelächel, und gefragt: {Wenn man jegliche Materie und Strahlung aus einem Volumen entfernen könnte – absolutes Vakuum: ihr seid doch Vakuumtechniker! – würde dann die Zeit in diesem Volumen stehen bleiben?}}

    {Au Backe. Weißt du, vielleicht wärs ganz gut, wenn du nicht immer und überall deine Fragen loslassen würdest. Hebe sie dir für die Leute auf, die Fragen zu schätzen wissen! (Als ob ich mich selbst je daran gehalten hätte… na, erzähl weiter.)}

    {Die beiden – der eine: groß dürr blond; der andere mit dem heimischen Glasfasernetz: breit weich blass und schwarzhaarig – sahen mich-sich-mich-sich ziemlich ratlos an. Endlich der Blonde: {Gehörst du nicht zu dieser Mädchengruppe? Geh mal nach oben, die sind im Labor.} Der Breite: {Hast dich wohl verirrt. Wir machen hier nur Systemadministration. Von Vakuumphysik verstehen wir nichts.} Bin also wieder raus, und die beiden lachen hinter mir. (Aber nicht spöttisch: klang eher nervös.) Der Blonde – der hatte so ne ganz feine, leise Stimme, näselnd wie ein verstimmtes Messingglöckchen – der sagte schließlich halblaut, wohl überzeugt, ich sei außer Hörweite: {Keine Ahnung, warum sie diese Girls‘ Days veranstalten. Mädchen verstehen Technik eben nun mal nicht.}}

    {Mach dir da nichts draus. Manche Leute können ohne Vorurteile nicht existieren. Das ist so eine Art mentales Knochengerüst für sie.}

    {Zu fünfzig Prozent hätte ich ihnen doch zugestimmt: Keine Ahnung, wozu die Veranstaltung gut sein sollte. Zum anderen: Kams mir eher so vor, als ob es die Leute in dieser Fabrik waren, die in technischen Dingen auf dem Schlauch standen. Weder von Baumhäusern – wäre noch verzeihlich: war ja eine Pumpenfirma und kein Baumhausbauunternehmen -, noch vom Vakuum schienen sie viel zu wissen. Wie wollen die gute Pumpen herstellen, wenn sie noch nicht mal geklärt haben, ob im absoluten Vakuum die Zeit erstarrt.}

    ~~~

    Die Sache mit dem Glasfasernetz habe ich übrigens aus Christians Blog: https://allesevolution.wordpress.com/2017/08/14/wie-ich-als-frau-im-technikbereich-merkte-dass-dort-einfach-nicht-meine-art-von-leuten-arbeiten/

    Gute Handlungsideen finde ich zuweilen an den ausgefallensten Orten! 🙂

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