„Gleichberechtigung: Sind Ostfrauen emanzipierter?“

Auf einem feministischen Treffen redet man über Unterschiede zwischen Ost- und Westfrauen und dem Feminismus:

Der Raum war voll, es war stickig und heiß, einige Ostfrauen hatten gerade von sich erzählt, von ihren Müttern und Großmüttern und wie diese den Jüngeren vorlebten, dass Erwerbsarbeit so selbstverständlich war wie der Wunsch nach Kindern, die selbstredend in die Kita gingen. Und dann sagte die Frau diesen Satz: „Ich will Ihre gute Laune ja nicht stören, aber mich regt die Mythologisierung der Ostfrauen total auf.“

Das muss die Feministinnen auch echt stören: Frauen, die emanzipiert leben und den Gender Pay Gap auf 8% drücken und in einigen Städten sogar einen „umgekehrten Gender Pay Gap“ haben. Sie lassen die Westfrauen schlecht aussehen und es sieht fast so aus als könnte man mit eigener Verhaltensänderung einiges an Unterdrückung und Patriarchat ablegen. Dabei sind doch eigentlich die Männer an allem schuld. Und dann sind die Männer da auch noch alle Nazis. Die Frauen müssten da eigentlich noch unterdrückter sein.

Stille. Irritierende Blicke. Die Frau schaute sich um, dann nach vorn und erzählte: Kurz nach der Wende sei sie aus beruflichen Gründen mit der Familie aus dem Westen in den Osten gezogen. Sie hatte sich darauf gefreut, zu erleben, was im anderen Teil Deutschlands vor sich ging. Vor allem aber war sie – als Feministin – neugierig auf die Frauen aus dem Osten und den emanzipatorischen Schwung, den sie aus allen Zeitungstexten über die DDR herauslas und aus allen Erzählungen heraushörte. Sie hatte das Bild von Kämpferinnen im Kopf, von Frauen, die Widerworte geben, um ihre Rechte ringen, die angriffslustig sind. Aber dann traf sie auf graue Gestalten, die von ihrem Alltag gestresst waren und den Männern im Haushalt nichts abforderten, die keine Ahnung vom Feminismus hatten und statt gelassen eher verbittert waren. Was soll daran bewundernswert, emanzipiert sein? Sehen so Vorreiterinnen in der politischen Auseinandersetzung um gleiche Rechte aus, im Kampf für Abtreibung und mehr weibliche Sichtbarkeit?

Ah, die Rettung! Sie sind doch noch unterdrückt, irgendwie. Wobei das eigentlich auch wieder den feministischen Theorien widerspricht. Sollte nicht die berufliche Emanzipation auch dafür sorgen, dass Frauen in anderen Bereichen emanzipierter sind?

Manche Frauen rutschten auf ihren Stühlen hin und her, Raunen, Arme schnellten in die Höhe, jede wollte etwas sagen. Aus manchen brach es förmlich heraus: Wir mussten nicht um unsere Rechte kämpften, wir hatten sie einfach. Wir konnten uns vom Partner trennen, wenn wir das wollten, und hingen nicht – wie viele Frauen aus dem Westen – in männlicher Abhängigkeit fest. Kitas mögen von 6 bis 18 Uhr geöffnet gewesen sein, weil Frauen ihre Arbeitskraft voll dem Staat zur Verfügung stellen sollten, aber wir konnten eben arbeiten, auch in leitenden Positionen. Insgesamt hatten Frauen im Osten, so das Fazit, gegenüber Frauen im Westen eben doch einen emanzipatorischen Vorsprung: Während Ostfrauen weitgehend gleichberechtigt lebten, ohne darüber in jeder Sekunde nachzudenken und das zu theoretisieren, hatten Westfrauen zwar feministisches Basiswissen, in der Regel aber keine Chance, das in die Realität umzusetzen.

„Keine Chance, das in die Realität umzusetzen“ ist wirklich erstaunlich. Aber immerhin auch ein Eingeständnis, dass sie etwas umsetzen müssten. Und die armen Frauen im Osten hatten keinen Zugriff auf feministische Theorie und deswegen konnte sich anscheinend die positive Wirkung der Gleichberechtigung nicht entfalten.

Auch eine schöne Aussage: Eine Unterdrückungserfahrung gab es natürlich schon immer auf allen Seiten.  Beide waren eben nur verschieden. Auch wenn eine Seite wesentlich weniger Gehaltsunterschied gehabt hat. Und weswegen man da auch nur anführen kann, dass ihr „das feministische Bewußtsein“ fehlt. Sie waren anscheinend nicht genug Opfer. Man kann noch nicht einmal benennen, was sie im praktischen weniger haben, insofern scheint ihre Reaktion auf die „Wessis“ zutreffend, die ihnen, die wesentlich weiter sind, anscheinend vorwerfen, dass sie nicht aus den richtigen Gründen weiter sind und gefälligst von ihnen, die wesentlich schlechter stehen, lernen sollen.

Man könnte das „Wessisplaining“ nennen.

Auch interessant: Die Ossis sind etwas mehr in die Unterdrückung rein, obwohl aus dem „emanzipierteren System“ kommend (da mit kleineren Gender Pay Gap).

In der Tat sollten die Westfeministinnen eher schauen, welche Theorien die „Ostfeministinnen“ so vertreten (vertreten haben). Leider sind die wahrscheinlich nicht so gut für einen Opferkult: „Studier als Frau dann eben einfach Ingenieurwesen“ wäre ja viel zu simpel

Da schütteln die Frauen mit ihrem Gender Studium kritisch den Kopf: Da lassen die sich einfach Ingenieur nennen und passen sich so unkritisch an! Hätten die doch lieber Gender Studies studiert, dann wären sie zwar keine Ingenieure, aber sie wüßten, dass sich weibliche Ingenieure mit Ingenieurin anreden lassen müssen, wenn es zu einer Gleichberechtigung kommen soll.

Feminismus – so wichtig!

Auch faszinierend: Die Westfrauen wissen also, dass eine Theorie von ihnen, mit 23% Lohunterschied, im Osten Lohnungleichheit verbirgt, bei 8% Unterschied. Das ist schon erstaunlich. Die Daten scheinen ja eher das Gegenteil darzulegen.

„Das private ist politisch“ ist in letztendlicher Konsequenz auch für die meisten Westdeutschen Frauen nicht politisch. Schlicht weil sie eben nicht hart daran arbeiten, den Gender Pay Gap zu senken, indem sie zB Ingenieur werden, möglichst viele Überstunden machen, einen Mann, der die Kindererziehung übernimmt und weniger verdient heiraten etc. Es ist nur politisch, sofern es ihnen passt.

86 Gedanken zu “„Gleichberechtigung: Sind Ostfrauen emanzipierter?“

  1. Alleine schon die Überschrift! Na klar sind die Ostfrauen emanzipierter. Die Feministinnen im Westen reden nämlich immer nur darüber und jammern rum.

    Ein Musterbeispiel habe ich zu Hause. Klar, all die Jahre war das immer super wichtig. Nicht abhängig sein, eigenes Geld, eigenes Konto etc. Da hatte ich auch nichts dagegen. Aber jetzt, nach der Trennung. Gnädige Frau bewegt sich nicht einen Zentimeter aus ihrer Komfortzone, schafft es nicht, auch nur einfachste Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und hängt wie ein Mühlstein an mir dran. Sie hat es in zwei Monaten noch nicht einmal geschafft, sich endlich eine Kreditkarte zu besorgen.

    Auch die schreckliche Erkenntnis, auf die Dauer nicht mehr in dem schönen Haus wohnen zu können, ist noch nicht durchgedrungen.

    Und ich habe absolut keine Handhabe, sie in Bewegung zu bringen. Ist ja auch wunderbar bequem. Keine lästige Beziehung mehr, aber trotzdem ’nen Mann, der schön alles bezahlt.

  2. Die Frauen im Westen hatten zu viel Freizeit und konnten sich daher diese völlig abstrusen Unterdrückungssituationen erst ausdenken.

      • ja in dem was man heute Prepper-Haushalt nennt, im Osten mussten das in einer gewissen Weise ja alle sein, wegen das Mangels an vielen Dingen (nicht unbedingt an Lebensqualität !), war das ganze nie ein Thema. Das zeigt wieder schön, das Feminismus ein Luxusproblem ist. Zwar tragen das die meisten Frauen in sich, aber ein bisschen wie Herpes-Viren, es kommt nur unter ungünstigen Bedingungen zum Ausbruch.

    • Ich glaube das trifft es ziemlich genau. Wer selbst arbeiten gehen muss, bekommt einen sehr viel bodenständigeren Charakter. Dazu kommt, dass all die universitären Verbildungen so nicht existierten. Man konnte zwar Ideologie studieren, aber die drehte sich nur um alte Männer, Marx, Lenin und so Kram 🙂

      Wie die Frauen ihre Familien organisierten, hing maßgeblich von ihnen ab, diejenigen die die Hausarbeit nicht teilen mochten oder sich nicht entsprechend durchsetzten, hatten tatsächlich sowas wie eine Mehrfachbelastung.

  3. Also mir ist da kein Unterschied aufgefallen. Feministinnen kommen ja auch nur aus dem universitären Umfeld der Laberfächer und das gab es im Osten nicht. Die mussten arbeiten, wie die meisten Frauen im Westen auch.
    Die Hormonprobleme haben beide.

  4. Tja, die Erkenntnis, dass die „Lohnungleichheit“ durch Eigeninitiative und mehr Arbeitseinsatz aufgebrochen werden kann, ist ein harter Schlag für die verwöhnte West-Feministin.
    Einfacher ist dagegen das staatlich finanzierte Ausdenken von Unterdrückung durch Sprache und Blicke.

  5. Wenn das Ergebnis das gewünschte ist, aber die „Geisteshaltung“ die falsche, dann ist trotzdem alles falsch. Das zeigt mMn sehr deutlich, dass es sich bei den Salonfeministinnen um Zeitgenossinnen mit linker Grundhaltung handelt. Denn: Der Rechte will, das Du tust was er vorschreibt, der Linke dagegen möchte, dass Du tust was er vorschreibt, aber Du musst es auch mit der richtigen Geisteshaltung tun.

    Auf den Gedanken, dass diejenigen, die das gewünschte Ergebnis erzielen vielleicht mehr richtig gemacht haben könnten, als diejenigen, die es nicht tun, auf den Gedanken kommt die Autorin nicht.

  6. Nicht nur die Haltung der Frauen gegenüber den Männern ist im Osten eine andere, auch die Haltung der Männer gegenüber den Frauen. Ich bin z.B. immer wieder überrascht, wie sehr westdeutsche Frauen häufig darauf bedacht sind, ihren Mann gut aussehen zu lassen. (Statusübertrag?) Das habe in der DDR so nicht oft erlebt. Vielleicht liegt das aber auch an Millieuunterschieden (Arbeiter/Bildungsbürgertum).

    Dennoch folgende Überlegung zur Diskussion:

    Vielleicht ist der Untersschied zwischen Ost und West zwei Dingen geschuldet.

    a) Die Unterschiede in der Lebensqualität waren in der DDR weit aus geringer als im Westen. Ein Facharbeiter verdiente ca. 900 Mark, ein Kombinatschef 1400 Mark. Es gab also keinen Pull-Faktor für wirtschaftlich erfolgreiche Männer.

    b) Die allermeisten waren vereint in dem Versuch, der Funktionärskaste ein wenig eigenes Leben abzutrotzen. Vielleicht hat das die Kooperationsbereitschaft gestärkt und weniger Raum für einen Kampf gegeneinander gelassen.

  7. @Christian

    Tatsächlich ging es darum, den im Artikel skizzierten West-Feminismus als einzig gültigen Feminismus durchzusetzen, nach dem es unendlich wichtiger ist, die Ingenieur-in korrekt als solche anzusprechen.
    Statt selber eine zu werden.
    Dass feministische Sprachspielchen auch immer Machtspielchen sind – geschenkt.
    Auffällig ist in der STEM-Diskussion die Forderung nach weiblichen „role models“, die von denjenigen erhoben werden, die selber keine sind oder sein wollen.

    Mein Punkt ist, die West-Feministinnen haben in ihrer Qualifikation keine „diverse“ Zusammensetzung, die dominante Fraktion entstammt aus den Sozialwissenschaften.
    Dementsprechend sind sie nicht willens oder in der Lage, sich mit der empirischen Realität auseinanderzusetzen, die Verfasserin des Artikels unterscheidet sich keinen Deut.
    Dafür gibt es einen guten=schlechten Grund.

    Das „Paradox“ der unterschiedlichen Einstellungen von Ost- und West-Frauen verfolgt den armen (West-) Feminismus nun schon seit Jahrzehnten, im Jahr 2014 verkündete das DIW:
    „In Ostdeutschland ging sie (die Erwerbstätigenquote) nach der Wende zunächst massiv zurück, stieg dann aber wieder deutlich an und lag 2012 mit 69,1 Prozent leicht höher als im Westen. In beiden Teilen Deutschlands arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit als früher, im Osten lag der tatsächliche Arbeitsumfang mit 27,8 Wochenstunden 2013 aber deutlich höher als im Westen (21,7 Stunden).“
    https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.483739.de

    Ein klassisch feministischer Trick lässt sich hier besichtigen: Die Erwerbstätigenquote sagt nichts über den tatsächlichen Arbeitsumfang aus.
    Faktisch arbeiten Frauen-West im Durchschnitt 22% weniger als Frauen-Ost; man könnte fast sagen, es handelt sich hier um einen eigenen „gender pay gap“.

    Aus einer anderen Quelle und dem Jahr 2015:
    „In Ostdeutschland beträgt der Unterschied zwischen den Geschlechtern 5,9 Stunden, in Westdeutschland arbeiten Frauen im Durchschnitt sogar 10,6 Stunden weniger als Männer.“
    https://www.arbeit-und-arbeitsrecht.de/schlagzeilen/arbeitszeiten-von-maennern-und-frauen-ost-und-west/2015/08/14
    Warum ist der „gender pay gap“ im Osten wohl geringer? Es gibt da einen offensichtlich unterschiedlichen „gender time gap“…

    Aber weiter: „Viele von ihnen, das zeigt die Studie des DIW Berlin auf Grundlage des SOEP, würden gern mehr Wochenstunden leisten. Vergleicht man die gewünschte, vereinbarte und tatsächliche Wochenarbeitszeit von Frauen in Ost und West, so liegen in der Durchschnittsbetrachtung die ostdeutschen Frauen in allen drei Kategorien über dem höchsten Wert aller Arbeitszeitgrößen im Westen.“
    Wenn man das Wort verwendet, welches hier bewusst ausgelassen worden ist, dann könnte man fast sagen, die Erwerbsneigung der Ost-Frauen zielt auf einen reguläre Vollzeitbeschäftigung, was sie von West-Frauen unterscheidet.

    Wie man eine solche Neigung auch anders darstellen kann, im Volltext der Studie des „Instituts Arbeit und Qualifikation“ (IAQ):
    „Ledige Frauen ohne Kinder arbeiten mit 38 Stunden im Westen und knapp 37 Stunden im Osten am längsten. Auffällig ist, dass – auch wenn keine Kinder im Haushalt vorhanden sind – die durchschnittliche Arbeitszeit verheirateter Frauen deutlich niedriger ist als die lediger Frauen, wobei dieser Effekt deutlich stärker in Westdeutschland als in Ostdeutschland ausfällt.
    Noch stärker als der Familienstatus wirkt sich das Vorhandensein von Kindern auf die weiblichen Arbeitszeiten aus: Im Vergleich zu ledigen Frauen ohne Kinder arbeiten verheiratete ostdeutsche Frauen mit Kindern fünf Stunden weniger, bei westdeutschen Frauen beträgt die Differenz sogar 16,7 Stunden.
    der Fall ist.“
    http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2015/report2015-02.pdf, Seite 15

    Auf Seite 12 der Studie kann besichtigt werden, welch desaströsen Effekt die patriarchale Institution der Ehe auf Frauen und ihre Arbeitszeiten hat – mit gewissen Unterschieden.
    Im Westen beträgt die Differenz zwischen West-Frau und West-Mann bereits 7,8 Stunden. Ohne ein einziges Kind
    Mit einem Kind steigt diese auf 15,7 Stunden, mit zwei Kindern auf 20,1.
    Im Osten hingegen liegen diese Differenzen der Arbeitszeiten zwischen Mann und Frau bei 7,7, respektive 9,2 Stunden.
    Kurz festzuhalten ist hier die offensichtliche Existenz von zwei Patriarchaten (TM), die unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen hinsichtlich der Erwerbsneigung und Erwerbstätigkeit haben.

    Die Verfasser der Studie (Herv. von mir) auf Seite 13: „Auch in Ostdeutschland sind die Arbeitszeiten von Frauen kürzer, wenn Kinder unter sieben Jahren im Haushalt sind. Im Vergleich zu den 19,4 Stunden, die Mütter kleiner Kinder in Westdeutschland weniger arbeiten als ihre gleichaltrigen Kolleginnen in Paarbeziehungen ohne Kinder, stellen die 8,8 Stunden, die ostdeutsche Frauen weniger arbeiten, jedoch fast eine vernachlässigbare Größe dar.“

    West-Frauen mit Kindern unter 7 Jahren im Haushalt arbeiten erkleckliche 55% weniger, als ihre weiblichen Pendants im Osten. Wir sollten uns der Idee nicht verschließen, dass auch die Gene ihren Anteil haben könnten. 😉

    Abschließend (Herv. von mir) wird festgestellt: „Auffällig ist zudem in Westdeutschland, dass Mütter von Kindern jedweden Alters im Durchschnitt keine Arbeitszeiten erzielen, bei denen es wahrscheinlich ist, dass sie finanzielle Unabhängigkeit erreichen oder in der Zukunft zu einem substantiellen Renteneinkommen führen.“
    Somit ist drohende Altersarmut auch nicht „weiblich“, sie ist präziser West-weiblich und ich finde es erstaunlich, dass die Propaganda des überlegenen West-Feminismus in Sachen finanzieller Unabhängigkeit von Frauen beim ureigensten Klientel – nämlich den West-Frauen – wirkungslos verraucht ist.
    Zumindest wenn man die Umsetzung der feministischen Theorie in die Praxis des Klientels als Kriterium nimmt. Man könnte natürlich anders herum mutmaßen, die sich in der empirischen Realität vorfindende Verhaltensstarre von West-Frauen bezüglich des emanzipierten finanziellen burden-sharings in einer Partnerschaft und Familie sei nie ein wirkliches Ziel gewesen.
    Alle diesbezüglichen geäußerten Ansprüche in Umfragen könnte man – mit Blick auf die tatsächliche Praxis – als lediglich „sozial erwünscht“ auffassen.

    Die Eingangs gestellte Frage: „Sind Ost-Frauen emanzipierter?“ kann nun rundum bejaht werden.
    Zumindest wenn es nicht um die Beherrschung eines genderistischen Jargons geht, sondern um eine faktisch eigenverantwortliche Lebensgestaltung.

    Der West-Feminismus liefert lediglich einen Ausredenkalender für die Deckungslücke zwischen Theorie und Praxis, der verschleiert, dass sich hinter der Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit der West-Frauen keine „Diskriminierung“ verbirgt, sondern Interessen und Neigungen.
    Diese Interessen und Neigungen haben sich erst entfalten können, weil das gesellschaftlich defizitäre Modell „West-Frau“ als Systemalternative zur emanzipierten Ost-Frau gedacht war.
    Anders herum: West-Frauen wurden primär nicht unterdrückt, sondern korrumpiert.
    Die Wahl zwischen verschiedensten Lebensmodellen, die tolle „work-life-balance“ der West-Frauen beruhte letztlich darauf, sie würden von einem anderen gender finanziert.

    Man kann den (bürgerlichen) West-Feminismus zwar dafür bewundern, eine komplett der empirischen Realität entgegen stehendes „Narrativ“ durchgesetzt zu haben, aber alle – auch die zukünftigen – Märchen beginnen eben mit „Es war einmal…“

        • @Klaus

          Wenn ich alle meine Quellen und Daten mit eingepflegt hätte, wäre der Beitrag um den Faktor 10 umfangreicher und ebenso viel bissiger geworden.
          Denn die Frechheiten, die u.a. mit Elterngeld und Erziehungszeiten Einzug gehalten haben, müsste man noch einmal separat behandeln.

          Es gibt in den Quellen übrigens Fundstücke, die sind in ihren sonderlichen Qualitäten unübertroffen.
          Die behandeln Ost-Frauen, die sich in den Westen aufgemacht und sich in ihren Gewohnheiten den West-Frauen allmählich angepasst haben.
          Was die dies kommentierenden Feministinnen dazu verleitete, es läge wohl an unterschiedlichen Kulturen. Man könnte fast meinen sie müssten betonen, es läge nicht an den Genen.

          Desaströs für die feministische Theorie ist, wenn Frauen alle unter einem Patriarchat litten, müsste das „outcome“ unabhängig von der Kultur identisch sein bzw. müssten sich die Verhaltensweisen allmählich anpassen.
          Das ist aber erkennbar nicht der Fall und die Empirie zeigt, es handelt sich um keinen „Mythos“ der emanzipierteren Ost-Frauen, sondern es verhält sich faktisch so.
          Simone Schmollack will in der „Zeit“ also die Wirklichkeit wegquatschen.
          Feministischer Bannfluch auf 2 Seiten.

          • Das outcome wurde nun aber – in Bezug auf den GPG – recht ähnlich gemessen (Quelle s.u.).
            23 Euro Unterschied im durchschnittlichen Monatslohn ist nun wirklich Nichts, worüber sich groß diskutieren ließe. Die satten 2133 Euro mehr an durchschnittlichem Monatslohn (aus anderen Untersuchungen wissen wir: bei außerdem geringerem Stundenumfang!) würden den Wessi-Mann hingegen als offensichtlich höchst privilegiert ausweisen. Meinste nicht?

          • (Muss aber dazusagen, dass ich die Angabe „4531 Euro im Schnitt“ gefühlsmäßig doch sehr bezweifel. Von der Tendenz her wirds aber schon stimmen…)

          • @Semikolon

            Man sollte sich darauf einigen, was man eigentlich vergleicht.
            Wenn die Bruttoeinkünfte im Osten generell 25% niedriger sind als die im Westen, wird auch eine Ost-Frau in diesen Rahmen dieses Vergleichs fallen.
            Um so mehr Frauen im Osten arbeiten (Quote und Umfang), desto mehr wird demnach auch der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn für Frauen in D fallen.
            Schon mal überlegt?

            Weiter: Angenommen in einem Segment sind Frauen unterdurchschnittlich vertreten, also bspw. Ingenieurin im Maschinenbau, dann ist das für die feministische Argumentation dufte, wenn es mehr emanzipierte Frauen im Osten gibt.
            Werden überproportional mehr Ost-Frauen (die Ost-Löhne erhalten) Ingenieurin, so sinkt automatisch der Durchschnittslohn aller Ingenieurinnen.

            Dass der Kollege, der neben ihr arbeitet keinen Cent mehr erhält, spielt ebenso wenig eine Rolle, wie die Kollegin in Ingolstadt, die 50% mehr verdient.
            Denn der Fokus ist ja „Geschlecht“ und nicht „Region“.
            Man erhält so das leckere Paradoxon: Um so emanzipierter die Ost-Frau, desto „diskriminierter“ die Frau und – Marx ist mein Zeuge – mit geschicktem Marketing kennen sich Feministinnen aus.

            Der Wessi-Mann ist nicht „höchst privilegiert“, wenn er zu den 40% der Bevölkerung gehört, deren Reallöhne seit den 90ern nicht gestiegen sind. Für die absurde Idee, nicht nur einen Niedriglohnsektor, sondern auch eine Niedriglohnregion einzurichten kann der durchschnittliche Wessi-Mann nichts.

            Dass man sich ernsthaft fragt, warum sich die Bürger in den 5 neuen Bundesländern als Bürger zweiter Klasse fühlen – damit habe ich ein Problem.

          • Wie kann man nur so verquer denken?

            Der Vergleich mit den (nur gering voneinander abweichenden – und dann eher in die umgekehrte Richtung als beim allgemeinen GPG) Ost- & West-Frauenlöhnen zeigt doch gerade:

            wir haben keine Niedriglohnregion(en)!

            Was wir haben stattdessen sind Hochlohnregionen – davon profitiert (direkt) aber nur für Dein Gender.

            Wenn ich das richtig sehe gibt es nun drei Möglichkeiten, wie man politisch damit umgehen könnte:

            1. wir könnten sagen: „da wollen wir uns gar nicht einmischen“ (was für den sterbenden Osten aber ziemlich mies wäre… ein Bevölkerungsexitus in etwa derselben Größenordnung wie schon erfolgt steht den Prognosen zufolge auch über die nächsten Jahrzehnte nochmal zu erwarten, wenn kein Wunder geschieht…).

            2. Maßnahmen ersinnen, wie sich gezielt die Entlohnung der benachteiligten Gruppen (Frauen & Ost-Männer) im Schnitt anheben ließe und/oder

            3. überlegen, wie sich der Durchschnittslohn der West-Männer dem der Anderen anpassen (also deutlich senken) ließe

            Ad hoc fällt mir da aber auch nicht viel Praktikables ein.

          • @Semikolon

            Ich habe manchmal den Verdacht, du liest nur, was du lesen willst.

            „Die Bundesagentur für Arbeit hat aktuelle Zahlen zu den Arbeitsentgelten in Deutschland veröffentlicht. Die Statistik ist detailreich und zeigt viele Aspekte, einen Kernaspekt hat sich die Bundestagsfraktion der Linkspartei genauer angeschaut – das Gehaltsgefälle zwischen West und Ost.

            Und tatsächlich bestätigt die Statistik den Verdacht, dass das Lohnniveau in den immer noch sogenannten neuen und alten Bundesländern weit auseinanderklafft.

            Der Durchschnittsverdienst von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten liegt mit 3.339 Euro pro Monat im Westen weit höher als im Osten mit lediglich 2.600 Euro. Stichtag für die Erhebung ist der 31. Dezember 2017, in die Berechnung einbezogen wurden auch Weihnachts- und Urlaubsgelder.“

            Weiter (Herv. von mir): „Berlin kommt als bestes ostdeutsches Bundesland auf einen Schnitt von 3.126 Euro. Insgesamt belegt die Hauptstadt damit Platz neun.
            Die weiteren neuen Bundesländer belegen die letzten vier Plätze. Am wenigsten verdienen demnach die Vollzeitbeschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern, mit nur 2.391 Euro im Monat. Schlusslicht im Westen ist Schleswig-Holstein mit 2.958 Euro. Bei den Städten weist das bayerische Ingolstadt mit 4.635 Euro (Anm. dort ist Audi) das höchste Durchschnittsentgelt auf, das sächsische Görlitz an der polnischen Grenze mit 2.183 Euro das niedrigste.“

            Noch einmal: Durchschnittsverdienst von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten 3.339 Euro pro Monat im Westen, in Mecklenburg-Vorpommern 2.391 Euro.
            Das sind 40% mehr oder 28,4% weniger
            Berlin ist eine Ausnahme, weil dort der ÖD und einige Konzerne zu Hause sind, trotzdem sind 3.126 Euro 14,7% weniger als der Durchschnittsverdienst in Hamburg, nämlich 3.619 Euro.

            Das Bundesland West mit dem niedrigsten Durchschnittsverdienst: Schleswig-Holstein 2.958 Euro
            Bundesland Ost mit dem höchsten Durchschnittsverdienst Sachsen-Anhalt 2.494 Euro.
            Zwischen diesen beiden Kandidaten klaffen ebenfalls 14,7% im Durchschnittsverdienst.

            https://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/bruttoloehne-starkes-gehaltsgefaelle-zwischen-west-und-ost-und-mann-und-frau/22876882.html

            Wenn du also schreibst, „wir haben keine Niedriglohnregion(en)!“, dann ist das eine Aussage, die Angesichts der empirischen Realität unhaltbar ist.

            Deine Idee „Maßnahmen (zu) ersinnen, wie sich gezielt die Entlohnung der benachteiligten Gruppen (Frauen & Ost-Männer) im Schnitt anheben ließe“ – basiert auf der Auslassung des Fakts, Ost- Männer rund Ost-Frauen sitzen im (annähernd) gleichen Boot.
            Die Bevölkerung von Sachsen-Anhalt besteht aus Männern und Frauen.
            Gegenüber der Frau aus Hamburg ist die Frau aus Sachsen-Anhalt diskriminiert und umgekehrt wäre erstere gegenüber letzterer privilegiert; wenn man es denn intersektional sehen will.
            Deine Sichtweise ist schlichtweg falsch.

            Auch dein zweiter Vorschlag, man sollte sich „überlegen, wie sich der Durchschnittslohn der West-Männer dem der Anderen anpassen (also deutlich senken) ließe“ lässt meinen Gedanken, Feminismus und Neo-Liberalismus seien im Grunde kompatibel wesentlich plausibler scheinen.

            Wiederholt: Für 40% der West-Männer hat seit den 90er Jahren gar keine Erhöhung ihrer Reallöhne stattgefunden.
            Wo es sich kräftig bewegt hat, war in der Gruppe mit einem monatlichen Verdienst über 5000 Euro im Monat – aber wie viel Prozent aller Erwerbstätigen beziehen so ein Einkommen?
            Was ist denn deine Zukunftsperspektive?
            Verelendung für alle?!

            Die schräge Idee, Niedriglöhne und Niedriglohnregionen würden gesellschaftlich etwas bringen, führte nur zu einer immer höheren Anzahl von „Aufstockern“, da mit dem regulären Einkommen der Lebensunterhalt gar nicht bestritten werden konnte.
            Anders herum sind diese Niedriglöhne und Niedriglohnregionen also staatlich subventioniert.
            DAS muss sich ändern.
            Wenn Beamte im mittleren Dienst in Metropolen zu Aufstockern werden, sollte man sich fragen, wo wir eigentlich leben – der Staat zahlt die eigenen Bediensteten so beschissen, dass sie vom Einkommen in Frankfurt, München, Hamburg mit ihrer Familie nicht leben können?!
            Geht´s noch?
            Ich gewöhne mich niemals an solche absurden Zustände.

          • „Ost- Männer rund Ost-Frauen sitzen im (annähernd) gleichen Boot.“

            Ja genau das tun sie (annähernd).
            Und mit dabei: die Frauen West.
            Nur die Männer West – ebenso als Gruppe betrachtet – freuen sich über einen wesentlich höheren Durchschnittslohn als (für Alle Anderen Gruppen) normal.

            „Gegenüber der Frau aus Hamburg ist die Frau aus Sachsen-Anhalt diskriminiert und umgekehrt wäre erstere gegenüber letzterer privilegiert; wenn man es denn intersektional sehen will.
            Deine Sichtweise ist schlichtweg falsch.“

            Du hast aber doch keinen Beleg vorgebracht, der zeigen würde, dass Deine Behauptung hier auch nur entfernt zuträfe?

            „Wo es sich kräftig bewegt hat, war in der Gruppe mit einem monatlichen Verdienst über 5000 Euro im Monat“

            Würde ich nicht bestreiten wollen. Also ist doch klar was irgendwie passieren müsste…

            “ – aber wie viel Prozent aller Erwerbstätigen beziehen so ein Einkommen?“

            Eine so kleine Minderheit, dass sich eigentlich durchaus Politik gegen deren Interessen machen lassen müsste – hätte man da nicht u.a. das Problem, dass die Berufspolitiker selbst auch dieser Pilotenklasse angehören.

            „Was ist denn deine Zukunftsperspektive?
            Verelendung für alle?!“

            Was für ein seltsamer Hopser.

            Meine Zukunftsperspektive in kurz lautet selbstverständlich: Alle sollten mehr kriegen (ich halte bekanntlich den Weg über das BGE für besonders zielführend) – mit Außnahme eben derjenigen, die eh schon mehr erhalten als sie eigentlich verdienen (weit mehrheitlich Angehörige der Gruppe: in Westdeutschland lebende Männer mit Uni-Abschluss).

            „Die schräge Idee, Niedriglöhne und Niedriglohnregionen würden gesellschaftlich etwas bringen, führte nur zu einer immer höheren Anzahl von „Aufstockern“, da mit dem regulären Einkommen der Lebensunterhalt gar nicht bestritten werden konnte.
            Anders herum sind diese Niedriglöhne und Niedriglohnregionen also staatlich subventioniert.
            DAS muss sich ändern.“

            Es sind doch gerad mal 1,2 Millionen (die Zahl sinkt von Jahr zu Jahr), die Hartz IV beziehen trotz Angestelltenverhältnis…

            Und Deine Rhetorik würde völlig anders tönen, wenn nicht auch Männer zu diesen Niedriglöhnern & Aufstockern zählten, das weiß ich einfach.

          • @Semikolon

            „Meine Zukunftsperspektive in kurz lautet selbstverständlich: Alle sollten mehr kriegen (ich halte bekanntlich den Weg über das BGE für besonders zielführend) – mit Außnahme eben derjenigen, die eh schon mehr erhalten als sie eigentlich verdienen (weit mehrheitlich Angehörige der Gruppe: in Westdeutschland lebende Männer mit Uni-Abschluss).“

            Deine Hausaufgabe bis zum 4.10.2018:

            1. Berechne ein BGE von 1000 Euro im Monat für alle deutschen Staatsbürger über 18.
            Ich will die Summe wissen.
            Dann möchte ich von dir den Bundeshaushalt 2018 wissen – Summe.

            2. Ich möchte den Anteil aller Frauen und Männer mit Uni-Abschluss an der erwerbstätigen Bevölkerung der BRD erfahren. In Prozent.
            Gestaffelt nach Abschnitten = in Abständen von 10 Jahren = 1998, 2008, 2018.

            3. „Und Deine Rhetorik würde völlig anders tönen, wenn nicht auch Männer zu diesen Niedriglöhnern & Aufstockern zählten, das weiß ich einfach.“

            Nach der Revolution wird natürlich dein Mann 50% sein Gehaltes verlieren. Er ist ein privilegiertes Drecksschwein, da sind wir uns bestimmt einig.
            Dass er dich und die Kinder versorgt, braucht mich nicht weiter zu scheren – dann müsst ihr eben hungern. Ihr könnt natürlich immer noch aufstocken.

            Radikaler/intersektionaler Feminismus macht weniger Spaß, wenn man selbst betroffen ist, nicht wahr, Semikolon?

          • „Eine so kleine Minderheit, dass sich eigentlich durchaus Politik gegen deren Interessen machen lassen müsste“

            DAS ist 1A-Brutkastenphilosophie! Ist eine Gruppe so klein, daß sie als Meinungsmasse zu übertönen ist, kann man sie auch ruhig mal massiv benachteiligen.
            Da zeigt sich die stramme Konzeptfeministin!

          • „Deine Hausaufgabe bis zum 4.10.2018“

            Biste jetzt ernsthaft enttäuscht, wenn ich Dir sage: sorry, hab ich jetzt keine Zeit für (allerdings weiß ich durchaus, dass das BGE nicht „unfinanzierbar“ ist – nur Dich überzeugen zu wollen erscheint mir gerade nicht sonderlich lohnend).

            Ich bin seit ein paar Wochen nämlich dabei (endlich) meine 1. ernsthafte Geschäftsgründung (für 2020) zu planen. Fun times 🙂
            Und obwohl es mir von meinem aktuellen Standpunkt aus total übertrieben erscheint, werde ich meinen Unternehmerlohn in der Region des (angeblichen) Durchschnittslohns des Wessi-Mannes ansiedeln – mit der Option aufzustocken^^, selbstverständlich.
            Es ist ein Mindset-Shift… aber ich fühle, dass ich das hinkriege.
            Was sagt man dazu?^^

    • Zum Teil könnte der Unterschied auch mit dem Unterschiedlichen Kopftuchanteil in Ost und West zu erklären sein.
      Mag zwar einigen nicht gefallen, aber der Gang Tagsüber durch die Innenstadt legt die Vermutung nahe.

    • „Auf Seite 12 der Studie kann besichtigt werden, welch desaströsen Effekt die patriarchale Institution der Ehe auf Frauen und ihre Arbeitszeiten hat – mit gewissen Unterschieden.“
      Das setzt voraus, dass man die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt als vorrangig betrachtet und Erwerbsarbeit als dominierenden Lebensweg wünscht. Wer profitiert davon?

      Der Unterschied im Erwerbsverhalten resultiert nicht aus Emanzipiertheit, sondern weil a) der Wohlstand generell im Osten geringer war und b) im Westen (viele) Männer gut oder sehr gut verdienen konnten. Einen Teilzeitjob hat man entweder weil es nichts anderes gibt oder weil man es sich leisten kann.

      Um nicht falsch verstanden zu werden: ich gehe auch davon aus, dass die in Westdeutschland vorhandene feministische Dogmatik auf Dekadenz basiert. Das ist aber ein anderes Thema und in westlichen Ländern in denen Frauen stärker erwerbstätig sind (z. B. USA) gibt es trotzdem Feminismus.

      • @rollerposter

        „Das setzt voraus, dass man die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt als vorrangig betrachtet und Erwerbsarbeit als dominierenden Lebensweg wünscht. Wer profitiert davon?“

        Derjenige Mann, der nicht seine Kinder und seine Frau durchfüttern will.
        Dass Kinder sich nicht eigenständig finanzieren können ist logisch, das eine Frau sich eigenständig finanzieren kann sollte ebenso logisch sein.
        Weiter alle anderen Männer, die nicht gezwungen sind, die Krankenkassen-, Pflegeversicherungs-, Rentenversicherungsbeiträge dieser Frau mitzubezahlen.

        „Der Unterschied im Erwerbsverhalten resultiert nicht aus Emanzipiertheit, sondern weil a) der Wohlstand generell im Osten geringer war und b) im Westen (viele) Männer gut oder sehr gut verdienen konnten.“

        Nach 28 Jahren Wiedervereinigung kein echtes Argument; im Konsumverhalten hat der Osten durchaus aufgeschlossen. Die sehr guten Löhne im Westen wiederum sind ebenfalls Geschichte. Die Erwerbstätigenquote für Frauen im Westen ist ja nicht grundlos rasant gestiegen, denn es reicht bei den allermeisten Familien im Westen ein Einkommen schon lange nicht mehr aus.
        Das erklärt aber nicht die unterschiedliche Erwerbsneigung von Frauen in Ost und West.

        „Das ist aber ein anderes Thema und in westlichen Ländern in denen Frauen stärker erwerbstätig sind (z. B. USA) gibt es trotzdem Feminismus.“

        Ich rätsele immer, woher dieses (falsche) Argument kommt, denn das habe ich schon öfters gehört.
        Könntest du bitte im Zweifelsfall auf diese Statistik des Department of Labor verweisen?
        https://www.dol.gov/wb/stats/NEWSTATS/facts/women_lf.htm#two

        Wie sich dort unschwer sehen lässt, lag die Erwerbstätigenquote für Frauen in den USA im Jahr 2016 bei 56,8%. Wie sie aus einem Bericht der Böckler Stiftung ablesen lässt, lag diese für Frauen in Deutschland in 2016 bei 70,6%. https://www.boeckler.de/53509.htm

        Während in Deutschland jedoch diese Quote für Frauen von 2001 bis 2016 von 58,8% auf 70,6% gestiegen ist, ist sie in den USA von 59,8% auf 56,8% gefallen.
        Die höchste Quote in den USA jemals waren 60% im Jahre 1999.
        Diese Quote wurde in Deutschland bereits im Jahr 2007 (63,1%) übertroffen.

        Diese Idee, die USA sei ein Hort des Fortschritts muss endlich mal aus den Köpfen!

        • Nur als Info: Mir scheint, man müßte beim Vergleich der Quoten für die Erwerbstätigkeit von Frauen auch mit einbeziehen, ob und wieweit nur Teilzeit gearbeitet wird.

          Als Beispiel: Es macht einen erheblichen Unterschied, ob 71 % hier Teilzeit arbeiten, aber 57 % dort Vollzeit arbeiten.

          Ist ja meistens bei Statistik so: Um die Aussagekraft von zwei Werten ermitteln zu können, muß man noch etliche andere Werte berücksichtigen.

          Meine Vermutung wäre, daß die Ostdeutschen Frauen, sofern sie arbeiten, durchschnittlich mehr Stunden arbeiten, als die US-Frauen, welche arbeiten.

          Davon abgesehen stimme nicht voll zu.

          • @Jochen

            Natürlich ist das – im doppelten Sinne – richtig!

            Aber in der Praxis schwierig, denn es hängt von der jeweiligen Definition von Voll- und Teilzeit ab. Ab wie vielen Stunden ist „Vollzeit“ als Vollzeit definiert? Denn damit hängt wiederum die „Teil“-zeit zusammen.

            Eigentlich wäre es nur sinnvoll, das komplette Arbeitszeitvolumen zu vergleichen – so es statistisch erfasst ist. Einen Hinweis geben die 70,6% zu 56,8%: Bei 29,4%, respektive 43,2% ist die Erwerbsarbeitszeit = 0.

            Arbeiten bspw. von 71 Frauen 50% Voll- und 50% Teilzeit, so ergeben sich (8 Stunden als Vollzeit und 4 Stunden als Teilzeit definiert) 5680 Stunden Arbeitszeit aus Vollzeit und 2840 Stunden aus Teilzeitarbeit = 8520 Stunden Erwerbsarbeit im Monat – die durchschnittliche Arbeitszeit für Frauen 6 Stunden am Tag.
            Bezieht man diese Größe jedoch wirklich auf die Gruppe der Frauen, nicht auf die der erwerbstätigen Frauen, sinkt sie auf 4,3 Stunden am Tag.
            Bei 57 Frauen identische Rechnung: 4560+2280 = 6840/20/100 = 3,4 Stunden am Tag.

            Nehmen wir an, die US-Frauen arbeiten zu 70% Vollzeit, zu 30% Teilzeit, bei den deutschen Frauen sei es genau umgekehrt.
            Dann arbeiten die erwerbstätigen Frauen in den USA 7760 Stunden im Monat, die deutschen 7360 Stunden. Bezogen auf alle Frauen in den USA sind es dann 3,9 Stunden am Tag gegen 3,7 Stunden am Tag für alle deutschen Frauen.
            Der Unterschied wäre ca. 5,4% Mehrarbeit; selbst bei diesem Szenario.

            Deshalb ist der US-feministische Trick, eine solche Berechnung erst gar nicht anzustellen. 🙂

          • @ crumar

            Ja, danke für die Infos! Ich wollte oben keine Beschäftigungstherapie mit Dir veranstalten, sondern bloß auf einen Aspekt hinweisen, den man im Hinterkopf behalten sollte. Wie unten bzw. oben geschrieben: Ich hab‘ mich bei meinem letzten Satz oben vertippt.

        • Sorry – ich hab‘ mich bei meinem letzten Satz oben verschrieben – es sollte eigentlich heißen:

          Davon abgesehen stimme *ich* voll zu.

          Wenn ich Einwände gehabt hätte, hätte ich sie zumindest angedeutet. Tut mir leid :-/

      • „… und in westlichen Ländern in denen Frauen stärker erwerbstätig sind (z. B. USA) gibt es trotzdem Feminismus.“

        Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
        Feminismus ist Ausdruck der Dekadenz einer dünnen Schicht großbürgerlicher Wohlstandstöchter. Aus ihrer vollzeit Freizeitbeschäftigung auf das Erwerbsverhalten von Menschen zu schließen, die – zufällig – dasselbe Geschlecht haben, ist in etwa so, als würde man aus dem Konterfei eines Kreuz-Buben auf die aktuelle Männermode schließen wollen.
        Wenn Feministas etwas nicht beurteilen können, dann Fragen zur Erwerbstätigkeit normaler Menschen. Sie leben dazu viel zu weit in einem fremden Paralleluniversum.

  8. „Während in Dingolfing-Landau (Niederbayern) ein Mann durchschnittlich 38 Prozent mehr Gehalt mit nach Hause bringt, verdienen in Cottbus Frauen 17 Prozent mehr als Männer. …

    Der durchschnittliche regionale Verdienst einer Frau unterscheidet sich um nur 23 Euro. Während eine Frau in Niederbayern 2791 Euro verdient, sind es im brandenburgischen Cottbus 2814 Euro. Dagegen liegt das Durchschnittseinkommen der Männer bei 4531 Euro in West- und 2398 Euro in Ostdeutschland.

    Generell stechen die östlichen Bundesländer in der Statistik heraus: Hier beträgt der Unterschied durchschnittlich zwei Prozent zugunsten der Frauen, wogegen im Westen die männlichen Arbeitnehmer um 16,1 Prozent besser verdienen. …

    In Ostdeutschland ist der durchschnittliche Verdienst geringer und die Arbeitslosenquote höher. Die Jobchancen differieren in unterschiedlichen Regionen für das männliche Geschlecht demnach recht stark. Für Frauen existiert jedoch keine wirkliche Chancenbreite.“

    https://www.businessinsider.de/in-diesen-deutschen-bundeslaendern-verdienen-frauen-mehr-als-maenner-2018-2

    • „Für Frauen existiert jedoch keine wirkliche Chancenbreite.“

      Das heißt jetzt WAS?

      Anders gefragt: welche Chancen haben im Osten Männer mehr, als Frauen?

      Wir haben gerade von weiblichen Ingenieuren und Ärzten gelesen, also einem Spektrum, das klassisch männliche und weibliche Berufe umfasst.
      Das würde zumindest ich als eine recht große „Chancenbreite“ bezeichnen.
      Oder ist es das obligatorische Opfergejammer?

  9. „Die einstige Sprach- und Hilflosigkeit scheint nach wie vor präsent zu sein.“

    Die armen, armen Hascherl. Ihre Verzweiflung springt mit förmlich aus dem Bildschirm an.

  10. „Während ältere Ostfrauen vehement darauf bestehen, „Ingenieur“ oder „Arzt“ zu sein, schütteln Westfrauen über so viel unkritische Anpassung an hegemoniale Männlichkeit den Kopf: Wie kann frau sich nur so hinter einem Mann verkriechen und komplett auf feministische Praktiken verzichten?

    Vielleicht, weil die Ostfrauen ihre Hausaufgaben gemacht und begriffen haben, dass „Ingenieur“ und „Arzt“ lediglich Funktionen, Berufe bezeichnen, nicht aber Geschlechter.

    Die verbildete Wet-Genda denkt: „Alles, was nicht explizit weiblich ist, ist männlich“.
    Tatsächlich gibt es überhaupt nur EIN sichtbares Geschlecht, nämlich das weibliche.
    Männer werden – wenn überhaupt – nur über ihre Funktion definiert, nicht aber übers Geschlecht.
    Ein Ingenieur ist also ein technisch ausgebildeter Mensch mit Studienabschluss – männlich oder weiblich.
    Eine IngenieurIN ist eine technisch ausgebildete Frau mit Studienabschluss – also weiblich.

    Die Sprache widerspiegelt also auch den Spruch „Women are human beings, men are human doings“.
    Bei Männern reicht es bis heute nicht, einfach nur zu existieren, sie werden erst über ihre Funktion sichtbar.

    Wenn also überhaupt jemand Grund hätte, sich darüber zu beklagen, in der Sprache unsichtbar gemacht zu werden, dann Männer.

    • „Die Sprache widerspiegelt also auch den Spruch „Women are human beings, men are human doings“.
      Bei Männern reicht es bis heute nicht, einfach nur zu existieren, sie werden erst über ihre Funktion sichtbar.“
      +1

      Dazu kommt, dass es für die weibliche Variante durch die Endung „-in“ eine exklusive Sprachvariante gibt. Für Männer gibt es das nicht, weil die Variante ohne „-in“ sich nicht zwangsläufig auf Männer oder nur auf Männer bezieht.

      • Noch ein Aspekt, die faule Nichtstuerin, die mit einem Dr, Prof. etc. verheiratet ist, lasst sich ja gerne auch mit Frau Dr. etc. anreden, ein kleiner aber bemerkenswerter Aspekt geschlechtlicher Ungleichbehandlung.

  11. Großbanken wie Goldman Sachs und andere Großunternehmen finanzieren die Homo-Lobby
    http://www.katholisches.info/2013/07/01/warum-finanzieren-goldman-sachs-und-andere-grosunternehmen-die-homo-lobby-worum-es-wirklich-geht/

    Genderismus: Agenda zur Umerziehung der Menschheit
    http://kreidfeuer.wordpress.com/2014/10/24/genderismus-agenda-umerziehung-der-menschheit/

    Auch der Genderismus und Gendermainstreaming dient dazu den Bevölkerungswachstum erheblich zu zu reduzieren:
    http://www.truewords.eu/gender-mainstreaming-woher-kommt-eigentlich-der-wahnsinn/

    EU Ziel: Gender-Diktatur
    https://kreidfeuer.wordpress.com/2012/11/17/eu-ziel-ist-die-gender-diktatur/

    Genderismus: Agenda zur Umerziehung der Menschheit
    http://kreidfeuer.wordpress.com/2014/10/24/genderismus-agenda-umerziehung-der-menschheit/

    Genderismus: Der Masterplan für eine geschlechtslose Gesellschaft
    https://kreidfeuer.wordpress.com/2015/08/16/buch-genderismuss-der-masterplan-fuer-die-geschlechtslose-gesellschaft/
    https://kreidfeuer.wordpress.com/2015/08/04/muffensausen-bei-der-genderlobby/

    CDU verrät christliche Basis. Genderseuche in Hessen
    https://kreidfeuer.wordpress.com/2016/10/10/genderseuche-an-hessens-schulen-cdu-verraet-christliche-basis/

    Gender-Mainstreaming von Großkapital gelenkt
    http://www.katholisches.info/2016/09/19/kardinal-cipriani-thorne-gender-ideologie-vom-grosskapital-gelenkt/

    Universität IOWA neuer Studiengang für Genderisten
    http://www.katholisches.info/2016/09/14/universitaet-iowa-neuer-studiengang-fuer-aktivisten-der-gender-ideologie/

    Feministinnen wollen das männliche Geschlecht abschaffen. Das männliche Geschlecht und Heterosexualität soll nach dem Willen
    der UN,Genderisten udn Grünen gänzlich abgeschafft werden. Facebook udn Co sind dem Aufruf bereits gefolgt.
    Dort gibt es viele Dutzende verschiedene Alternativen für die Angaben zum Geschlecht und sexueller Orientierung.
    Fortpflanzung wird in Zukunft nur noch über künstliche Befruchtungen und genetisches Klonen ablaufen.

    • Von Fortpflanzung ohne Männer sind wir weit entfernt. Genetisches Klonen ist sehr sehr aufwändig und künstliche Befruchtung ist auch nicht das, was sich die meisten Frauen vorstellen.
      Lass dir da mal keine Angst Mehrheit l machen: die meisten Frauen mögen Männer, genau wie umgekehrt.

      Warum macht dir Homosexualität so eine Angst?

    • „Feministinnen wollen das männliche Geschlecht abschaffen.“

      Ganz sicher nicht.
      Irgendjemand muss immer noch den Müll runterbringen 😀

  12. Tja, so ist das mit der Emanzipation… Nich‘ lang schnacken, Kopp in’n Nacken.
    Statt Jahrzehnte darüber nur zu lamentieren, machen andere lieber.
    Statt sich an Wortklauberei aufzuhängen und damit regelmäßig Schlagzeilen zu verursachen, leben andere lieber ihr Leben und organisieren sich selbst.
    So wie es vollbefähigte intelligente Menschen eben tun würden, die sich selbst nicht als weniger wertvoll als andere empfinden.

  13. „So wie es vollbefähigte intelligente Menschen eben tun würden, die sich selbst nicht als weniger wertvoll als andere empfinden.“

    Ich bin mir nicht sicher, ob die Ostfrauen wirklich die intelligenteren sind.
    Die Wellness-Feministinnen hier im Westen sind auf dem besten Weg, gleiches Gehalt wie die Männer zu erhalten, ohne im Umkehrschluss dafür eine Leistung liefern zu müssen (ich lass ganz bewusst das „adäquate“ weg).
    DAS scheint mir dann doch das intelligentere Lebenskonzept zu sein.

    • Ich glaube nicht, das „money for (nearly) nothing“ das intelligentere System ist. Denn es gibt wenn überhaupt, nur eine kurzfristige Bestätigung zurück.

      Wenn ich eine Holzhütte bauen kann, dann lebe ich mit der Gewissheit, mir im Zweifel wieder helfen zu können. Wenn ich eine Holzhütte von jemandem erhalte, bin ich zunächst froh, eine Hütte zu haben und dass Wissen darüber, dass ich dafür kaum Aufwand betreiben musste, ist vielleicht die Sahne im Kaffee. Direkt nach dem Dopaminstoß kommt aber die Frage: Was passiert, wenn die Hütte beschädigt wird? Und die Spirale dreht sich weiter.

      Anleitung zum Unglücklichsein, würde ich sagen.

      • „Wenn ich eine Holzhütte bauen kann, dann lebe ich mit der Gewissheit, mir im Zweifel wieder helfen zu können.“

        So denkt ein MANN.

        „Direkt nach dem Dopaminstoß kommt aber die Frage: Was passiert, wenn die Hütte beschädigt wird?“

        Der Mann denkt dann: „Mist! Nützt aber nix, wo krieg ich Hammer, Nägel und Bretter her?“ (wenn er die Utensilien (wie ich) nicht eh schon vorsorglich gebunkert hat).

        Eine Frau denkt: „Mist! Wer baut mir ne neue Hütte?“

        Gab doch diese Survival-Beispiele, bei denen die Frauen es sich lieber in der Sonne gutgehen ließen, als fürs nackte Überleben zu sorgen. Irgendwann kommt schon irgendein weißer Ritter und rettet sie.

    • Gebe zu, nach fast 30 Jahren Ausgesetztsein westlicher Wertevorstellungen haben es mittlerweile eher nur noch die Ost-Frauen ab 50 an sich, dass sie von ganz allein auch mal Dinge in die Hand nehmen anstelle immer auf einen Mann zu warten.

      …Spaß jetzt mal beiseite, der zitierte Satz ist da ganz bewusst mal hingesetzt.
      Denn, mir als Außenstehender, kommt öfter mal die Frage auf „Was verfolgt man eigentlich damit, indem, dass man meint, man muss „Frauen sichtbar“ machen?“. Waren sie etwa vorher nicht sichtbar? Waren sie Luft? Waren sie so unbedeutend, dass man meinte, sie keines Blickes zu würdigen?
      Frauen sind mittlerweile sichtbar, auch durch diese Anpassungen. Und sie haben aus auch durch eigene Ambitionen in der Hand, sich eine Stimme zu verschaffen. Es steht niemand mehr da, der sie an den Herd kettet oder ihnen Dinge verbietet. Rechtlich ist das jedenfalls alles nicht mehr verbindlich.
      So – wenn jemand aber denkt, diese Umstände sind immer noch aktuell, und wenn er darüber hinaus komplett seine eigene Handlungsfähigkeit negiert, dann liegt es doch irgendwo nahe – wer aus der Psychologie damit vertraut ist -, dass es hierbei eigentlich nicht mehr um real vorhandene Umstände geht, sondern vielmehr um alte Introjekte (wie man es im Fachjargon nennt).
      Dinge, die einem eingebleut wurden, seit dem man auf der Welt war, und die man unreflektiert immer noch weiter lebt. Denen man ungefragt immer noch gehorcht, obwohl selbst sogar die Personen, die einem diese einst eingehämmert haben, schon nicht mehr am Leben sind.

      Wenn also jemand denkt, es überaus nötig zu haben, es muss auf ihn noch aufmerksam gemacht werden, während andere schon längst das leben, was er gern haben will, dann spricht das vielmehr für einen eigenen unbearbeiteten Minderwertigkeitskomplex als für „reale Diskriminierung“.
      Wenn die Diskriminierung immer noch so institutionell organisiert wäre (ähnlich wie eine bekannte bescheuerte Verschwörungstheorie übers Weltjudentum und die Herrschaft der Rothschilds), dann wären letztendlich alle Menschen dieser einen Gruppe betroffen. Sind sie es aber noch? Sieht man das tagtäglich? Nein, man findet das in der Realität nicht wieder.
      Leben Menschen ihr Leben, ungehindert, dann sollte man sich eher die Frage stellen, ob nicht mit einem selbst irgendwas nicht stimmt. Ob es die eigene Einstellung ist, negative Erfahrungen, Traumata – ob man sich nichts mehr zutraut.

      Dazu sei gesagt: Solche Wunden können auch mehr als nur individuell sein. Es können auch mehrere Leute durch ähnliche Erfahrungen betroffen sein. Daraus ist ja schließlich mal das Konzept der „Selbsthilfegruppe“ erwachsen.
      Das heißt also: Es kann sogar trotzdessen gut sein, dass bestimmte negative Erfahrungen auf einem strukturellen Level stattgefunden haben – dass die Nachbahrsfreundin davon genauso betroffen war wie man selbst, und ein anderes Mädchen noch 100 km weit weg von einem.
      In dem Fall sollte man aber besser etwas an diesen Wunden tun, sie überhaupt erst mal registrieren und anerkennen, anstelle den ganzen Konflikt nach außen zu verlagern und damit weiterhin vor ihm wegzurennen.
      Nichts anderes ist konventionelle „Psychotherapie“.
      Und die führen sogar Psychologinnen durch. 😉

  14. Man sollte auch mal das Positive der Wiedervereinigung betonen: die Ostfrauen nehmen sich etwas mehr Zeit für ihre Kinder, statt auf das Gelaber der Feministinnen zu hören. Ich fand das ostdeutsche Ganztagsbetreuungssystem immer unmenschlich und habe die Kindergärten (die nicht halb so nett waren, wie heutzutage) gehasst, in die ich gehen musste! Gott sei Dank war meine Mutter eine Ausnahmeerscheinung und ist (unter entsprechenden Entbehrungen) irgendwann zu Hause geblieben, um uns das zu ersparen und sich um uns zu kümmern. Dafür hat sie meine ganze Dankbarkeit.

    Nein, der Osten war kein Vorbild.

      • „Die häßlichen Seiten des Krippenwesens will heute aber niemand mehr kennenlernen, die passen nicht in die Erzählung.“

        Quatsch. Die wurden auch erzählt. Jedenfalls sind sie sogar mir Wessi nicht neu.
        Das ändert nichts daran, dass das Krippen- und KiTa-Wesen weiterentwickelt und ausgebaut werden muss.

        Wir werden in absehbarer Zeit (um das Wort NIEMALS zu vermeiden) nicht zu dem romantischen Konzept „Großfamilie“ zurückkehren, bei dem Papa morgens zur Arbeit geht und Mama in der Küche das Mittagessen für die reiche Kinderschar bereitet, während die Großeltern die Kleinsten bepusseln und der Rest des Nachwuchses sich mit Gleichaltrigen auf den Wiesen zum Drachensteigen trifft.

        • Krippen müssen durchaus nicht ausgebaut werden, warum auch? Es ist eine Frage der Gesellschaft, ob sie passende Rahmenbedingungen für Familien schafft oder lieber die Eltern zur Vollzeitarbeit nötigt und dafür dann Kartoffelsackgespenster importiert, damit die das machen, was wir nicht mehr hinbekommen: Kinder. Kranke Welt!

  15. „Ich fand das ostdeutsche Ganztagsbetreuungssystem immer unmenschlich und habe die Kindergärten (die nicht halb so nett waren, wie heutzutage) gehasst, in die ich gehen musste!“

    Das mag bitter für Dich sein, aber die Vollzeit-Einzelbespaßung durch die Mütter kann keine Alternative sein.
    Kinder brauchen Kinder, um sich anständig entwickeln zu können. Und das können nun mal die 1-KInd-Regelfamilien nicht leisten.

    • Hm, ich bin auch als Einzelkind aufgewachsen und nie in den Kindergarten gegangen. Mein Mutter arbeitete zwei Tage die Woche, an denen ich bei den Großeltern war. Ich halte mich nicht für einen Sozialkrüppel; habe immer viele Freunde gehabt oder mit meinen Cousins gespielt.

      Es gibt immer noch Vorurteile gegen Einzelkinder.

      • „Es gibt immer noch Vorurteile gegen Einzelkinder.“

        Mag sein, aber das ist nicht meine Motivation.

        Nirgendwo(!) auf diesem Planeten und zu keiner Zeit(!) gab es in der Menschheit eine Einzelbespaßung durch Mütter. Das, was Ihr als „normale Verhältnisse“ bezeichnet, ist beispiellos unnormal, ein großbürgerliches Luxusphänomen von einem halben Dutzend sehr reichen Staaten in einem historischen Zeitfenster von insgesamt vielleicht 30 Jahren.
        Eine schlechtere Referenz kann man gar nicht anbieten.

        Und schon, wer Kindern beim Spielen zuschaut, KANN nur zu dem Schluss kommen, dass die moderne Gesellschaft Wege finden MUSS, diese Urzustände mit vielen Kindern wenigstens zu simulieren.

        „Mir hat das nicht geschadet“, sagt auch jemand, der eine – zufällig abgeschaltete 30.000 V-Leitung anfasste. Kein Wunder, alle die, die die belastete Leitung berührten, waren danach sofort tot und konnten von ihrer Erfahrung nicht berichten.

          • Das Ding ist doch, du hast selber geschrieben, zwar als Einzelkind, aber keinesfalls isoliert von anderen Kindern aufgewachsen zu sein.

          • „Das Ding ist doch, du hast selber geschrieben, zwar als Einzelkind, aber keinesfalls isoliert von anderen Kindern aufgewachsen zu sein.“

            Und damit hat El_Mocho exakt den Punkt getroffen!
            Es gibt überhaupt keinen Grund zu der Annahme, daß Einzelkinder sozial irgendwie nennenswert anders wären, als solche mit Geschwistern. Zumindest solange man sie nicht in Gruppensozialisationsmodelle zwingt, die einzelkinderfeindlich sind.

            Ich war auch Einzelkind und ging auch immer mal in einen Kindergarten, das war die unangenehmste Zeit meines Lebens.
            Ansonsten hatte ich ( deutlich! ) ältere Geschwister, jede Menge Kumpels, war bei allen Nachbarn und Bekannten beliebt und hatte früh einen eigenen Schlüssel. DAS brachte dann den wesentlichen individuellen Sozialionsationserfolg!

        • @ canofis , beide Kommentare,

          Das ist richtig. Leider.
          Die Menschheit hat sich mit den modernen Industrienationen eine Umwelt geschaffen in technisch organisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht, an die sie verhaltensbiologisch noch nicht optimal angepasst zu sein scheint.
          Für Kinder ist sie gerade in den letzten 1-2 Jahrzehnten noch ungünstiger geworden.

    • Das ist kein Widerspruch, weil ich nicht in Dichotomien von „alles oder nichts“ denke.

      Ich habe meinen Kinder auch im Kindergarten gehabt, genau aus diesem Problem heraus: dass ich sie nicht die ganze Zeit über altersgerecht betreuen kann. Aber eben nur halbtags, nach einem lockeren gemeinsamen Aufstehen und Frühstück, einem Spaziergang zum Kiga und Mittagessen wieder zu Hause. Mit gelegentlichen freien Tagen, z.B. um mal gemeinsam ins Schwimmbad zu gehen (die an WE und Ferien furchtbar überlaufen sind) etc. Die Westkindergärten sind auch nicht halb so dogmatisch und streng, wie unsere damals.

      Bei uns bedeutete Kindergarten: früh um 6 (oder so, ich konnte damals die Uhr noch nicht, jedenfalls FRÜH) aufstehen und dann spät nachmittags abgeholt zu werden, zu Hause noch schnell Abendessen und ab ins Bett.

      Wenn wenigstens der Kindergarten Spaß gemacht hätte, gut sowas soll es hier und da gegeben haben, bei mir war es nicht so. Viel zu viele Kinder, viel zu wenig Spielzeug. Das gespendete Spielzeug der „Patenbrigade“ stand die ganze Zeit oben auf dem Schrank, um bewundert zu werden, nicht um damit zu spielen. Es setzten sich meist die Kinder durch, die stärker und fieser waren.

      Selbstverständlich alles in Altersgruppen gegliedert, d.h. man wurde früh mit seinen Geschwistern abgegeben und sah sie höchstens mal aus der Ferne beim Spaziergang. Am schlimmsten war das Essen, ich leide heute noch unter den Folgen und esse viele Sachen nicht. Der Standard war labbriges Brot mit Blutwurst, wenn man Glück hatte, gab es Leberwurst. Und wehe man aß nicht auf. Ich kann nicht sagen, wie oft es mich gehoben hat. Damals habe ich meine erste ernsthafte Konfrontation mit einer bescheuerten Kindergärtnerin gehabt. Schlagen durften die Gott sei Dank nicht mehr und ich hatte den stärkeren Willen 🙂

      Was ich von Kindergrippen halte, schreibe ich mal lieber nicht.

      Meine Mutter hat uns übrigens nicht bespaßt, dazu blieb überhaupt keine Zeit, dafür hat sie für ausreichend Geschwister gesorgt 🙂

      • „Bei uns bedeutete Kindergarten: …“

        Ja, da kann ich Deine traumatische Erfahrung nachvollziehen.
        Nicht zuletzt deshalb, weil ich ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hatte. Nicht in einem Kindergarten – sowas gab es, glaub ich, in den 60ern noch gar nicht – , sondern im Rahmen eines nur 8-wöchigen Auenthalts in einem Kinderheim, wohin mich 5-Jährigen meine Eltern schickten, damit ich etwas zunahm. Zustände, wie ich sie später über Kindererziehungsheime des 19. Jahrhunderts las, waren dort Alltag – ein endloser Albtraum. Noch heute – über 50 Jahre später – lassen mich bestimmte Geräusche zusammenfahren, die ich damals frühmorgens hörte, wenn das Essen in großen Kübeln angefahren wurde und beim Abladen über die Holzpritsche des Kleinlasters schurrte.

        „Meine Mutter hat uns übrigens nicht bespaßt, dazu blieb überhaupt keine Zeit, dafür hat sie für ausreichend Geschwister gesorgt“

        Ich hatte auch das Kinderglück, mit drei Geschwistern aufzuwachsen, in einer Zeit, in der es auch in der Stadt noch viele Brachflächen zum Spielen gab, Straßen, auf denen man Bolzen und Federball spielen konnte und in jedem 2. Haus weitere Spielkameraden nur darauf warteten, mit mir zusammen Abenteuer zu erleben.
        Aber dieses Glück werden heute selbst unter günstigen Bedingungen nur noch sehr wenige Kinder erleben können. Es gibt keine frei zugänglichen Brachflächen mehr, keine Spielkameraden in der Siedlung und die Straßen wurden ab den 70er Jahren zu Todeszonen für KInder.
        Diesen Realitäten müssen wir uns nun mal stellen.

      • Im weitesten Sinne kann man wohl, grob zusammengefasst, sagen:
        Die DDR-Kindergärten waren prinzipiell das Vorläufermodell der Feministen-Kitas.
        Ein Fork davon war die nordkoreanische Frühbebildung.

        Und die Idioten die uns jetzt regieren, wollen genau zu diesen Katastrophen wieder zurück!

    • @Carnofis:
      „Kinder brauchen Kinder, um sich anständig entwickeln zu können. Und das können nun mal die 1-KInd-Regelfamilien nicht leisten.“

      Wie kommst Du darauf, daß sie das nicht können?
      Das Einzige, was es verunmöglicht, ist der Zwang Kinder in Bewahranstalten zu verschieben. DADURCH sind dann keine Freunde und Nachbarn mehr für sie da.
      Das feministische Gerücht von der armen unterdrückten „24/7-Einzelbespaßerin“ ist ein politisches Wunschtraumhorrormärchen, nichts weiter.

      Meine Ex-Tochter z.B. ging aus taktischen Gründen 2-3x die Woche für ein paar Stunden in einen Kindergarten, ansonsten waren vormittags andere nichtschulpflichtige Kinder draußen, oder der gerade anwesende Elternteil hat was mit ihr gemacht.
      Und ab Mittag waren die Schulkinder begeistert mit der Rasselbande zugange.
      So what?

  16. Nicht direkt zum obigen Haupt-Artikel, aber doch hierfür relevant:

    Was sich viele Westdeutsche nur schwer vorstellen können – es gibt ein Detail, in dem sich die DDR grundlegend von Westdeutschland unterschieden hat, nämlich: Geld spielte im Osten keine Rolle.

    Im Osten hatte alle Erwachsenen Geld. Zum einen, weil nicht zu arbeiten, eine Straftat war. Zum anderen, weil es für das verdiente Geld fast nichts zu kaufen gab. Außer den Grundnahrungsmitteln und ein paar Waren des täglichen Bedarfs konnte man mit seiner Ostmark nichts Besonderes kaufen. Mängelwirtschaft eben, Reichtum war kein Vorteil.

    Konsequenz: Geld war im Leben der Erwachsenen praktisch ohne Bedeutung. Es war nahezu wertlos. Natürlich gab es einen Schwarzmarkt, aber dort wurden hauptsächlich Materialien gegeneinander getauscht (z. B. Heizkohle oder Ersatzteile fürs Auto), oder eben Leistungen (Handwerk, Reparatur usw.).

    In dieser Hinsicht haben die Leute im Osten wirklich in einem Paradies gelebt, in einem Zustand monetärer Sorglosigkeit, um nicht zu sagen: Unschuld. Und haben die ganze Zeit von einer Welt geträumt, in der man für Geld jede beliebige Ware kaufen kann.

    Nach der Wende dann der große Schock: GELD REGIERT DIE WELT !!!

    Und keine Einheitspartei mehr, der man die Schuld für die eigene Misere in die Schuhe schieben konnte! Katzenjammer …

    Jedenfalls, die Bedeutungslosigkeit von Geld für die Ostdeutschen hatte, zusammen mit dem Arbeitszwang, eine wichtige Konsequenz für das Paarungsverhalten ostdeutscher Frauen:
    – Sie haben an die Männer deutlich geringere Versorgungsansprüche gestellt.
    – Und weil sie eben arbeiten mußten (allerdings wurde bei Frauen nicht so streng darauf geachtet), waren sie viel selbständiger und – ja – viel eigenverantwortlicher.

    Womit bewiesen wäre: der Sozialismus war eben doch der *schlechtere* Feminismus, weil dort gab es deutlich *mehr* Frauen-Emanzipation!

    • Geld spielte im Osten keine Rolle

      sagen wir mal eine andere , geringere Rolle.
      Aber der Beitrag ist schon richtig, die speziellen Verhältnisse des Realsozialismus haben, das instinktive Paarungs- und Partnerwahlverhalten der Frauen schon erheblich beeinflusst (eingeschläfert ???).*
      Es wird immer nur über Frauen geredet, typisch.

      Ein Aspekt ist doch auch, daß Männer eine im gewissen Sinne entspannteres Leben hatten, und der Kampf um Frauen bzw. Status nicht so extrem war. Eventuell waren auch die Verpaarungschanchen für bestimmte Männer besser, die heute aus Gründen von Persönlichkeitsmerkmalen oder gesellschaftlicher Stellung von Frauen eher als unfickbar eingestuft werden.

      *Die Jungen Ost-Frauengenerationen werden das wohl verlieren.

  17. Nach dem ursprünglichen Sinn von „Emanzipation“, liegt dieser weder in einem Osten vor, in dem man dazu genötigt oder gar gezwungen wird, arbeiten zu gehen, noch in einem Ersten, in dem man dazu genötigt wird/wurde sich um Haushalt und Man zu kümmern.

    Emanzipation bedeutet Befreiung, das heißt, in dem Zusammenhang die Befreiung von der männlichen Vorherrschaft. Und da ist es erstmal egal, ob diese eben nun zum Arbeiten im ist außerhalb des Hauses nötigt.
    Frei ist man, wenn man für sich selbst die Entscheid treffen kann, wie man sein Leben gestaltet. Eine Hausfrau und Mutter von 5 Kindern kann genauso emanzipiert sein wie eine Karrierefrau mit Managementposten.
    Der Grad der Emanzipation lässt sich nämlich nicht am äußeren Verhalten ablesen, sondern nur daran wie dieses zustande kommt: Zwang bzw Druck oder eigene Entscheidung.

    • Befreiung von Vorherrschaft: Ich bin mir nicht sicher, ob sich eine Mutter von fünf Kindern von den wechselseitigen Abhängigkeiten befreien kann, die eine solche Anzahl Kinder nun mal mit sich bringt. Selbst wenn wir keine zeitgenössischen Bildungsbürgerzustände (mit dem verklärten Mutterbild) anlegen, sondern die ländlichen von vor 100 Jahren. Was in diesen Konstellationen herrscht ist nicht der Mann, sondern die Umstände. Die lassen mE oft gar nicht viel Entscheidungsfreiheit.

      Darüber hinaus bin ich sehr unsicher, warum das Verhältnis von Mann und Frau in einer Gemeinschaft heute so einseitig gesehen wird. Ich kenne aus meinen Kindertagen kein einziges Bespiel, wo die Frau sich dem Mann vollständig untergeordnet hat. Die weitaus häufigste Konstellation war: Sie formulierte Forderungen („der Garten muss gemacht werden“, „ich will eine neue Wäscheleine“, „die Tür quietscht“, „ich will eine Zentralheizung“) und er setzte diese Forderungen um. Im Ausgleich gab es was auf den Teller und die Wäsche war gemacht.

      Aber vielleicht ist das auch so ein Schichtending und der durchschnittliche Bildungsbürgerehemann hatte schon vor 50 Jahren nicht viel zu tun und hat aus Langeweile seine Frau schickaniert. Zumindest höre ich diese theoretisierenden Floskeln (mit all ihrer Einseitigkeit) immer nur von Bildungsbürgertöchtern und ich weiß mir keinen anderen Reim darauf zu machen.

      • @Werlauer:
        „Ich bin mir nicht sicher, ob sich eine Mutter von fünf Kindern von den wechselseitigen Abhängigkeiten befreien kann, die eine solche Anzahl Kinder nun mal mit sich bringt.“

        Der Punkt er aber: Hat die Mutter sich frei dazu entschieden oder wurde sie gesellschaftlich genötigt, dieses Modell zu leben?
        Egal, wofür man sich entscheidet, kein Modell ist völlig unabhängig von anderen Menschen, für niemanden – egal ob Man oder Frau.

        „Was in diesen Konstellationen herrscht ist nicht der Mann, sondern die Umstände. Die lassen mE oft gar nicht viel Entscheidungsfreiheit.“

        Nach der Entscheidung für dieses oder das gegenteilige Modell sind es immer die Umstände, die herrschen. Eine Frau, die einen guten Posten und Karriere hat, ist abhängig vom Unternehmen und dem dadurch erwirtschafteten Einkommen usw.

        „Ich kenne aus meinen Kindertagen kein einziges Bespiel, wo die Frau sich dem Mann vollständig untergeordnet hat.“

        Also bei meinen Großeltern würde ich schon genau das klassische immer kritisierte Rollenbild sehen. Meine Großmutter hat sich um die 4 Kinder und Haushalt gekümmert und ihren Mann teilweise auch noch bei seiner selbständigen Tätigkeit unterstützt. Sie selber war aber völlig abhängig: keine Lehre, kein Führerschein, kein eigenes Einkommen… Das ändert natürlich nichts daran, dass sie Zuhause wohl wie beschrieben auch eher die Oberhand hatte und nein Großvater außerhalb. Aber wenn er sich getrennt hätte, wäre sie vermutlich ziemlich verloren gewesen…

        „Aber vielleicht ist das auch so ein Schichtending und der durchschnittliche Bildungsbürgerehemann hatte schon vor 50 Jahren nicht viel zu tun und hat aus Langeweile seine Frau schickaniert. “

        Wo kam jemals das Argument, dass eine Frau, die sich in ein solches Abhängigkeitsverhältnis begeben Art, von ihrem Mann schikaniert wurde?

        • Und? Auf einer Arschlochskala von 1-10, wo befand sich dein Großvater da?
          Hat der deiner Oma mit der Keule aufgelauert, als die in der Schlange stand um sich bei einem Großkonzern um eine Ausbildungsstelle zu bewerben?

        • „Aber wenn er sich getrennt hätte, wäre sie vermutlich ziemlich verloren gewesen…“

          Ich glaube ja, dass diese Option überhaupt nicht vorgesehen war. Das war auch beiden Seiten beim Eintritt in die Ehe bewusst. Und dort könnte auch der Grund liegen, warum Deine Großmutter sich in diese Situation begeben hat. Bist Du sicher, dass es keine bewusste Entscheidung war? Das Scheidungsrecht war in dieser Zeit auch eher als Vollversorgung der Ehefrau (Unterhaltspflicht) ausgelegt, das ist heute anders, was eine logische Konsequenz auf die heute übliche Sicht auf die Ehe als befristete vertragliche Bindung geschuldet ist und bei Frauen zu den entsprechenden Verhaltensänderungen geführt hat.

          Was die Abhängigkeit angeht: Meinst Du wirklich, in einer Familie wären nur die Frauen (oder allgemeiner, der wirtschaftlich schwächere Teil) abhängig? Der Mann (oder der wirtschaftliche stärkere Teil) ist genauso abhängig. Nur nicht wirtschaftlich, sondern auf anderen Ebenen. Z.B. dass es den Kindern und(!) der Frau gut geht, gerade weil es ihm nicht egal ist, was diese Menschen fühlen.

          Wenn es bei der Befreiung von Vorherrschaft nicht darum geht, wer eigentlich das Handeln bestimmt, (die Großmutter) sondern wer das Geld nach Hause bringt (der Großvater) und deshalb die Potenz hat, das Handeln zu bestimmen, warum ist sie dann so wichtig? Ich meine, wichtiger als andere Fragen, die im Dunstkreis von zwischenmenschlichen Beziehungen stellen?

        • schön formuliert, nicht der Mann herrscht , sondern die Umstände.
          das speichere ich mir ab.
          Das ist natürlich vollkommen klar. Wenn ich mich zu etwas entscheide, dann hat das auch immer Konsequenzen die ich mit tragen muss. es gibt ja nichts ohne Neben- und Wechselwirkungen die auch unangenehm oder nicht so erwünscht sind. Das ist in der Struktur der Welt bedingt.
          Letztendlich kann ich mich ja nicht von Millionen Jahren Erd- und Lebensgeschichte emanzipieren.
          Wenn ich eine Welt will wie die Feministinnen, die 100% nur nach meinen Wünschen ohne unerwünschte Nebenwirkungen funktioniert, dann müsste ich ja Gott sein und mir eine eigene schaffen . Aber vielleicht ist ja nicht einmal Gott frei von Sachzwängen vorhergehender Entscheidungen, wer weis das schon.
          Das feministische Denken ist letztendlich Kleinmädchendenken, die Erschaffung einer Märchenwelt.
          Aber das wäre ja dann auch langweilig.

    • <>

      Vollkommen richtig !! ganz wichtige Feststellung

      In dem Sinne kann auch eine masochistische submissive Frau emanzipiert sein.
      Und in dem Sinne haben wohl sehr viele Männer kaum je eine Chance sich zu emanzipieren.

  18. Wie kommt Schmollack eigentlich zur ZEIT?
    TAZ-Flucht, oder Restanspruchsabsenkung bei der ZEIT?
    Ich vermute ja beides ( es werden händeringend selbst die schwachsinnigsten Psychopathen gesucht, solange sie nur „den großen Plan“ nachplappern )….

  19. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich hatte das Gefühl, auch im Osten wären gerne viele Mütter mit den Kindern weit mehr als ein Babyjahr lang zu Hause geblieben. Der Osten war eher eine Ausgleichs-Gleichberechtigung: Thheoretische Rechte alle, da, aber praktisch nicht immer umsetzbar, und das hat man mit Babyjahr, Haushaltstag usw. auszugleichen versucht. Wie das ja auch mit dem früheren Renteneintritt trotz höherer Lebenserwartung als Ausgleich gemeint war.
    Ansonsten war die Diskussion im Osten weit eher praktisch orientiert, nicht so ideologisch. Und was heißt Feminismus im Osten? Den gab es außer bei einigen winzigen Alternativzirkeln von westorientierten (fast immer) Lesben im Prinzip gar nicht. Also Null, Komma Null Null irgendwas Prozent. Und was an Frauenprojekten nach der Wende entstand, wurde sehr schnell von West-Feministinnen übernommen und eingespurt; das zählt also *eigentlich* auch nicht so richtig.
    Allerdings gabs im Osten unter den Frauen insgesamt auch denselben Konformitätsdruck, der übel sein konnte und sich im besten Fall bloß in diesen furchtbaren kurzen Fönfrisuren ausdrückte.

    • aber ich hatte das Gefühl, auch im Osten wären gerne viele Mütter mit den Kindern weit mehr als ein Babyjahr lang zu Hause geblieben

      Das Gefühl trügt nicht.
      Eine Frau meiner Verwandtschaft ist über 6 Jahre im Osten für die Kinder zu Hause geblieben.
      Sie sagt die schönste Zeit ihres Lebens, und den Rentenverlust mehr als wert.

  20. Sind Ostfrauen emanzipierter?

    Ja, natürlich. Das sage ich seit gefühlten hundert Jahren, dass nämlich die typische Westfrau in ihrem kleinbürgerlich-weiblichen Selbstverständnis alle ihre Wünsche durch die Männer erfüllt sehen will. Dass sie es sozusagen als natürliche Ordnung sieht, dass der Mann für das Wohl der Frau verantwortlich ist. Da sind die Ostfrauen viel weiter und zwar ohne den kleinbürgerlich-reaktionären Weibermist, der sich alles erjammern will und an ständig an reaktionäres Geschlechterverhältnis andockt.

  21. Pingback: Carnofis: Sprache macht Männer unsichtbar | uepsilonniks

  22. Pingback: Ostdeutsche Frauen überproportional oft in Führungspositionen | Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.