Männliche Politiker werden auf Twitter eher beleidigt als weibliche Politiker

 

Schönheitsideale, Haare und intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen

Eine Autorin organisiert einen queer-feministischen Event und entdeckt dort Leute, die sich nicht an die gängigen Schönheitsideale halten:

Nachdem ich hallo gesagt und mich hingesetzt hatte, schaute ich mich um: Ich sah Baseballcaps, rasierte Köpfe, Irokesen und Undercuts, Tattoos und Piercings. Einige hatten Skateboards unter dem Arm. Während der Vorstellungsrunde war ich beruhigt, dass sich nur wenige untereinander kannten. Die meisten waren neu, wie ich. Wir kamen schnell ins Reden. Was wir uns von einem solchen Festival erhofften , was wir wichtig fanden, warum wir hier waren. Ich wusste nicht ganz genau, warum ich hier war, aber ich wusste, dass ich mich wohl fühlte. Die Art der Kommunikation gefiel mir, man hörte einander zu und ließ den anderen aussprechen, gegenteilige Meinungen wurden gehört und diskutiert. Es ging um Machtverhältnisse und gewaltfreie Räume, um Vernetzung, Solidarität und Empowerment. Am Ende des Abends war mir klar, dass ich mitmachen wollte.

Für mich tat sich damit eine neue, eine revolutionäre Welt auf. Eine Welt, die mehrheitlich von Frauen bevölkert war. Frauen, die mein Konzept von Weiblichkeit komplett auf den Kopf stellten. Frauen, die sich dem gängigem Schönheitsideal widersetzten, auf unterschiedlichste Weise. Frauen, die extrem androgyn aussahen. Frauen, die weich und rund waren und die ihre vermeintlich unperfekten Körper, ihre Bäuche und Oberschenkel nicht versteckten. Frauen, die Haare hatten – überall.

Das ist eben das Schöne an sexueller Selektion: Sie regelt recht abstrakt, was schön ist. Genauso wie trocken Brot und ein Schluck Wasser einem Hungernden als leckere Mahlzeit erscheinen können, weil sie in seinem Umkreis das leckerste sind, was es gibt. Insofern ist es natürlich möglich eine Welt mit abweichenden Schönheitsidealen zu erstellen. Die Kriterien der Schönheit können dort die gleichen bleiben, etwa wenig Haare an weiblichen Beinen, nur muss sich niemand so stark darum kümmern, weil die Konkurrenz es auch nicht macht. Es ist sozusagen ein Waffenstillstandspakt, der eben auch umgesetzt werden muss: „Tussis“, die sich an die gängigen Schönheitsnormen halten, sich schminken und rasieren, würden eben auch deswegen in einem solchen Kreis wahrscheinlich auf Dauer schlecht ankommen, zumindest bei dem heterosexuellen Teil der Frauen, die um Männer konkurrieren.

Am Anfang starrte ich jeden behaarten Unterschenkel ungläubig an. Ein Frauenbein in kurzen Hosen, das einem Männerbein in nichts nachstand, hatte ich vorher nie gesehen. In der Welt, in der ich aufgewachsen war, rasierten sich alle jungen Frauen Achseln und Beine. Meine Ballettlehrerin hatte uns, sobald wir ein bestimmtes Alter erreicht hatten, beigebracht, dass sie Stoppeln unter den Armen nicht akzeptierte. Tänzerinnen hatten schön zu sein, und das hieß: perfekt enthaarte Achseln. Ich weiß noch, wie ich mit Anfang zwanzig meine frisch rasierten Beine panisch nach einzelnen Haaren absuchte – und das Tag für Tag.

Natürlich kann das wiederum stressig sein, einem höheren Standard genügen zu müssen, dass ist nicht die Frage.

Die Frauen in meinem neuen Freundeskreis waren anders. Sie lösten Grenzen auf, Grenzen, an deren Klarheit ich mich schon lange gestoßen hatte. Und je mehr Zeit ich mit ihnen verbrachte, desto selbstverständlicher wurde für mich diese andere Form von Weiblichkeit. Irgendwann setzte ein Effekt ein, den ich fast nicht in Worte fassen kann: Ich verstand die Norm plötzlich nicht mehr, die mich mein ganzes Leben lang begleitet hatte. Ich verstand nicht mehr, warum ein Frauenbein nicht behaart sein durfte. Ich verstand nicht mehr, warum ein durchtrainierter Körper schöner sein sollte als ein fülliger Körper. Ich fragte mich, warum irgendein Körper schöner sein sollte als ein anderer, und wer oder was dieses „Schönersein“ bestimmte. Ich sah Verschiedenartigkeit. Ich sah Frauen, die sich in ihrer Körperlichkeit genauso zeigten, wie sie waren, und fand darin eine eigene Schönheit, die mutig war und gelassen.

Das eine Frau dies als Befreiung wahrnimmt kann ich mir durchaus vorstellen. Genauso befinden sich viele dicke Leute gerne in der Gesellschaft von anderen dicken Leuten, weil sie sich da weniger verurteilt fühlen etc. Es wäre interessant, ob sie ihr Schönheitsempfinden tatsächlich so ändern konnte oder einfach nur die dortige Atmosphäre mochte, verbunden mit dem Wunsch, einen geringeren Druck ausgesetzt zu sein, was Schönheit anging.

Ich fing an, mich auszuprobieren. Ich schnitt mir die Haare ab und hörte auf, meine Achseln zu rasieren. In meinem neuen Freundeskreis fühlte ich mich damit wohl in meiner Haut. Dort konnte ich eine Art jungenhafte Weiblichkeit verkörpern, die ich mochte, mit der ich mich ansonsten aber oft alleine fühlte. Sobald ich diesen Freundeskreis verließ, spürte ich den Druck nur allzu deutlich. Meine kurzen Haare stießen vor allem bei Männern auf Ablehnung – wobei Ablehnung vielleicht das falsche Wort ist. Sie reagierten größtenteils überhaupt nicht mehr auf mich. Weil ich doch lesbisch sei, hörte ich manchmal. An meinen Achselhaaren nahmen vor allem meine Freundinnen Anstoß. Die meisten von ihnen fanden die Tatsache, dass sie nicht glattrasiert waren, eklig, und verpassten keine Gelegenheit, mich darauf hinzuweisen.

Das verdeutlicht gut, dass es eben um intrasexuelle Konkurrenz geht. Die Männer ordnen sie schlicht in eine uninteressante Kategorie ein, eine, die Männern nicht gefallen will und sich eher für Lesben interessant macht.

Und die Frauen verstehen nicht, warum sie sich so tief in der intrasexuellen Konkurrenz aufstellt und befürchten vielleicht auch, dass sie selbst dadurch abrutschen. Wer Freundinnen hat, die nicht einmal solch einfache Regeln der intrasexuellen Konkurrenz beherrschen, der kann selbst nicht sehr fit auf dem Gebiet sein.

Diese Reaktionen provozierten mich. So sehr, dass ich in den darauf folgenden Jahren immer wieder versuchte, konventionelle Merkmale von Weiblichkeit abzulegen. Ich schor mir den Kopf. Mehrere Jahre lang trug ich ausschließlich Turnschuhe und entsorgte meine High Heels nach und nach. Irgendwann versuchte ich, mir die Beine nicht mehr zu rasieren. Ich wollte das können. Ich wollte mich der Norm, die ich glaubte, durchschaut zu haben, widersetzen. Aber ich konnte es nicht. Irgendwas tief in mir drin weigerte sich. Wenn ich nach draußen ging, schämte ich mich für die dunklen Haare auf meinen Unterschenkeln.

Weil es eben Normen mit Hintergründen sind, gerade bei Haaren. Sie hat erkannt, dass es einen gewissen Prozess dahinter gibt, aber eben nicht den Prozess selbst erkannt: Sie befand sich in zwei Gruppen, die sich auf einen anderen Standard in der intrasexuellen Konkurrenz geeinigt hatten, auch weil sie teilweise andere Schönheitsmerkmale bedient haben (Die Schönheitsideale von Lesben scheinen mir weit eher als die der Schwulen Merkmale des Geschlechts, auf das sie eigentlich nicht stehen, also bei Lesben Männlichkeit zu enhalten).

In der anderen Gruppe traf sie hingegen auf die übliche Konkurrenz unter Frauen, in der es diese anderen Vorstellungen und das Stillhalteabkommen nicht gab.

Ich begriff, dass ich es mir zu leicht gemacht hatte. Dass ich mein eigenes Konzept von Weiblichkeit finden musste. Dass ich nicht einfach ein bereits vorhandenes übernehmen konnte. Dass gelernte Normen tief sitzen und sich nicht einfach so über Bord werfen lassen, nur weil man es sich einmal vorgenommen hat.

Sie sitzen sogar tiefer als sie denkt, nämlich bereits in den Genen. Und da kann man sie weitaus schwerer über Bord werfen.

[…]

Anders zu sein, erfordert Mut – egal in welcher Welt. Heute trage ich Shorts, die die Dellen an meinen Oberschenkeln nicht verdecken, und habe Haare unter den Armen. Ich habe einen Deal mit mir selbst gemacht: Ums Beinerasieren komme ich nicht herum, dann erspare ich mir wenigstens die Achselrasur. Ich fühle mich wohl damit. Ich versuche, meine eigene Weiblichkeit zu finden und fremden Vorstellungen zu misstrauen. Das ist ein anstrengender Prozess, der vielleicht niemals abgeschlossen sein wird. Ich weiß jetzt, dass mir Normen nicht egal sind. Dass die Reaktionen meiner Umwelt einen sehr starken Einfluss darauf haben, wie wohl ich mich mit mir selbst fühle. Aber ich habe am eigenen Körper gespürt, wie brüchig, wie durchlässig und wandelbar diese Normen sind. Ob ich sie erfülle oder nicht, ist eine Entscheidung, die ich treffen kann und sollte. Manchmal jeden Tag aufs Neue.

Und das steht ihr natürlich frei. Diese Wahl hat jeder, keiner muss sich an den innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz entwickelten Regeln halten. Wenn sie das nicht will, dann ist das ihr gutes Recht. Allerdings ist sie damit weitaus weniger Revolutzer als vielmehr schlicht jemand, der sich aus der intrasexuellen Konkurrenz ausgliedert ohne damit viel zu ändern oder zu verbessern.

vlg auch:

Selbermach Mittwoch 180 (12.09.2018)

Was sind eigentlich eure sonstigen Hobbys?

Die Verweigerung im Feminismus die Punkte wahrzunehmen, bei denen Männer schlechter dran sind als Frauen

Ein Artikel listet auf, welche Benachteiligungen von Männern im Feminismus gerne übersehen bzw geleugnet werden:

In a widely shared moment late last week, Sen. Kamala Harris asked Supreme Court nominee Brett Kavanaugh, “Can you think of any laws that give government the power to make decisions about the male body?”

The question was in the midst of Harris’ extensive grandstanding so Kavanaugh didn’t have an immediate answer. But there’s an obvious one: Selective Service.

Every American male 18-25 has to register with the Selective Service System, which maintains their information in the case of military conscription. If America is ever again in a war and needs to reinstate the draft, those male bodies will be the ones to go.

Had Kavanaugh thought of that answer, it would have exposed a hidden truth: Being female is amazing. Meanwhile, being a man does not seem like a good thing at all.

Even with the modern loss of niceties like men holding doors or offering seats for women, being a woman is still far easier and more pleasant than being a man.

It’s not just theoretical wars that men fight in if drafted. In Operation Enduring Freedom, the name for America’s ongoing engagement fighting global terrorism, 98 percent of the 2,346 military deaths as of April 2017 were men.

And it’s not just combat deaths. Men have a far higher rate of workplace death than women. The Bureau of Labor Statistics says men represent 92 percent of all workplace-related fatalities. The 10 industries with the most workplace-related deaths are almost entirely stocked with men: truck drivers, steel workers, refuse collectors, loggers, fishers. Men take the dangerous, hard, smelly jobs that most women wouldn’t consider.

Far less serious, but no less real, is the issue of discomfort. While moving homes this summer, we stayed with my in-laws in suburban Long Island. I’d drop my husband off at the Long Island Rail Road station, and he would join the throngs of men in suits in sweltering summer heat.

There were a few women, of course, luckily able to wear sleeveless dresses and bare legs more appropriate for the weather, but the vast majority of sad faces on that early morning platform were men’s. These men often leave before the sun rises and come back after it has set. The nearby beach, later those same weekdays, would overwhelmingly be populated by women.

In fact, men in America commute 23 percent longer each day than women. A 2016 tongue-in-cheek piece by American Enterprise Institute scholar Mark Perry highlights this fact and proposes instituting an “Equal Commute Day” to close the “gender commute time gap.”

Men are more likely to be homeless, too. The US Department of Housing and Urban Development’s latest report finds men making up 61 percent of the homeless population.

But somehow women are still hardest hit by this. Professor Erin Dej, a criminologist at Wilfrid Laurier University in Ontario, Canada, spent nearly 300 hours studying homeless men only to conclude they still practice “hegemonic masculinity.” At PJ Media, Toni Airaksinen notes how Dej “ridicules these men for everything from reinforcing gender stereotypes, to refusing to show emotion, to talking about how their ex-wives stole money from them.”

Again, these are men living on the street who are not sufficiently woke about the plight of women, presumably women who have homes.

In a piece for The New York Times last year about how Republican men are the only ones who think being a woman is easier than being a man, writer Claire Cain Miller notes that for women, “It’s catcalls on the street, disrespect at work and unbalanced responsibilities at home.”

For men, it’s far more dire. Men naturally die younger, more men are in prison than women, fewer men go to college, far more men commit suicide. No one ever asks men what they plan to do after the baby is born because the answer is always to continue working. On a sinking ship, men are the last ones off. Sexism is a real problem, but it doesn’t trump every other problem.

Being a woman isn’t easy, but that’s because being a human isn’t easy. When compared to men, though, women have it made. We may not run the world but that’s mostly because we don’t want to. Feminism tells women to strive to be just like men. Smart women should respond: “No, thanks.”

Viel altes dabei, aber immer wieder gut solche Aufstellungen zu lesen und parat zu haben.

Fight Club vs Feminismus

https://www.youtube.com/watch?v=TjlGJCt8Xt4

Zustimmungskonzept, Absicherungen bei Sex-Dates und der Aufbau von Vertrauen

Das Consent-Prinzip ist etwas, von dem ich bisher angenommen habe, dass es nur in sehr wenigen Fällen, vielleicht innerhalb stark feministischer Kreise, praktiziert wird. Eine Autorin schreibt in ihrer Kolumne in der New York Times von einem Kontakt im „normalen Leben“:

For our first date, he took an Uber to my apartment through a winter storm. As the snow fell outside, we sat close on my couch while he talked touchingly about poetry. Two hours in, I was hoping he would kiss me, and he did.

He was a sweet kisser. For an hour we sat with his hand cupped behind my ear, kissing and talking.

We had met on Tinder. I was nearly 30 and he was 24, but our age gap somehow seemed a lot larger than five years. Not because he acted especially young. It was more that when it came to sex and foreplay, he acted so differently from guys my age, asking for my consent about nearly everything.

Eigentlich ja schon der erste Fehler: Vor dem Kuss hätte er auch fragen sollen. Aber dafür macht er dann im Folgenden Überstunden. Er scheint ansonsten ja ganz okay aufgestellt zu sein, immerhin hat er sie zu einem Treffen bekommen.  Okay, sie ist etwas älter als er, aber dennoch.

Is it O.K. if we go to the bedroom?” he said.

I smiled and led him there.

He tugged at the hem of my sweater and said, “Is it O.K. if I take this off?”

I nodded. Underneath I was wearing a thin tank top.

“Can I take this off, too?” he said.

I laughed. “Of course!”

Off it went.

He kissed my collarbone. I breathed into his neck and pulled off his shirt. He fingered the clasp of my bra.

“Is it O.K. if I take this off?” he said.

I think I snorted. “When you asked about the sweater, that was my yes from the waist up.”

He looked scared. Somewhere in our five-year age gap, a dramatic shift must have taken place in sexual training. I sensed this would be a different kind of hookup than I was used to, but I couldn’t predict how.

I lay down on my bed, and he lay beside me.

“Is this O.K.?” he said.

“I invited a guy from Tinder to my empty apartment on a snow day,” I said. “Let’s just assume you have blanket consent.”

“I’m not comfortable with that.”

I looked at his earnest eyes, hair flopping into his face, stubble that was already reddening my skin (I had already decided I didn’t mind). Hadn’t I already said yes several times? Wasn’t I lying there with him, my leg tossed over his, my whole body arcing toward him?

Verständlicherweise fühlt sie sich nicht abgesprochen durch seine Schutzmaßnahmen. Im Gegenteil, sie ist eher etwas genervt, dass er so zögerlich ist. So wie sie es sieht erteilt sie beständig Zustimmung, es besteht kein Grund, es immer wieder erneut  und ausdrücklich auszusprechen.

Then he raised my arm above my head, put his lips to the soft skin of my inner arm, and licked me from armpit to elbow.

I pulled my arm away.

“Is that O.K.?” he said. “Are you O.K.?”

I had been single and sexually active for more than a decade and considered myself to be sexually liberated, but I could not remember anyone having done that to me. “It’s just really intimate,” I said.

Now he was the one who laughed. “That’s intimate?” he said.

“Yes,” I said. “It is.”

He and I seemed to have such different understandings of which acts were assumed to be acceptable and which required voiced consent.

At one point, he put his hand on my throat and asked if the pressure was O.K.

“I’ll tell you if I die,” I joked.

At another point he kissed me from forehead to toe and said, “I think that’s everywhere.” And I almost told him that was unfair; he hadn’t asked my consent. Although I would say yes to all manner of sexual touching, that much sweetness had the power to break my heart.

At the end of the night, he said, “See you soon,” and took an Uber back to his apartment through the snow.

Sie macht sich etwas über ihn lustig, sie findet es aber auch süss, wie er sich um sie kümmert. Ich vermute ohne Nachfragen hätte sie die Küsserei von unten bis oben etc noch wesentlich besser gefunden.

Afterward I sat in bed, thinking about the encounter. I knew I had been a little dismissive of all of his asking, but in fact I had liked it as a form of caretaking. I just wasn’t used to being taken care of in that way.

Ich kann mir vorstellen, dass es verbunden mit nicht nur einfach fragen, sondern viel Zärtlichkeit und Zuneigung etc durchaus etwas haben kann, was eine Frau, die auf ihn steht, und solche Aufmerksamkeit vielleicht auch nicht so häufig hat, durchaus ansprechen kann.

Sex makes me feel unsafe, not because of the act itself but because my partners so often disappear afterward, whether I waited hours or months before the first time. So it’s after sex when I feel truly vulnerable.

Yet something else about his asking also made me uneasy. It seemed legalistic and self-protective, imported more from the courtroom than from a true sense of caretaking. And each time he asked, it was as if he assumed I lacked the agency to say no on my own — as if he expected me to say no, not believing that a woman would have the desire to keep saying yes.

Sie mochte das Gefühl, dass er auf sie Rücksicht nimmt und sich um sie kümmert, aber es stört sie, dass er es so formell macht, dass nicht Körpersprache etc ausreicht, um die Rückversicherung zu haben, dass alles okay ist. Ich kann mir vorstellen, dass sie bereits fand, dass sie ganz deutlich kommuniziert, dass also ein mehr gar nicht nötig war und insofern eher seiner Absicherung diente – was ja auch durchaus sein kann.

Still, I liked that he was trying to keep from hurting me unawares. He texted that night, reassuringly. I decided I would call his asking lovely. I decided I would try to learn.

The second time he was in my bedroom, he paused with his hand at the zipper of my dress. “Is this O.K.?” he said.

I looked him in the eye. I didn’t laugh. I said, “Yes.”

He unzipped it, and I slid on top of him, kissed him, started unbuckling his belt. His hips were arcing toward me, but I paused. Learn, I told myself. I said, “Is this O.K.?”

He was taken aback. “I ask you that,” he said.

“Why?”

“Because I’m the one who could make you do something you don’t want to do,” he said. “Not vice versa.”

Das würden Hardcore-Vertreter des Konzepts sicherlich anders sehen und immer von jedem Partner eine Einwilligung für erforderlich halten.

Faktisch kann eine Frau natürlich auch vieles falsch machen, etwa wenn er irgendwelche Traumata hat. Aber es ist interessant, dass er das für sich gar nicht braucht, es auch nicht als Formalität und ideologische Sicherheitsmaßnahme akzeptiert.

This was likely true, physically speaking. He was a head taller than me and probably twice as strong. If he wanted to hold me down against my will, he could have.

But that wasn’t what he was trying to do. He and I were enjoying a mutually desired sexual experience, and by making that distinction he was importing the language of coercion and assault into sex that was healthy.

Given our wholly consensual interaction, did it matter who was stronger? Couldn’t we treat each other as two equal human beings, each of whom had invited and agreed to intimate acts? Wasn’t that the beautiful thing he was teaching me, that we could be fully human to each other, checking in, honoring yes and respecting no?

Sie scheint durchaus etwas gefallen an der Sache zu finden. Ich vermute, sie hat das Gefühl in der Hinsicht etwas zurückzugeben. Und es kann ja auch merkwürdig sein, wenn einer von beiden pausenlos fragt, auch wenn man selbst ganz deutlich kommuniziert und Nein sagen kann, und man selbst dann einfach so handelt.

My hand hovered above his belt. Finally he smiled and said yes, and the evening continued.

If I could go back in time, I would have urged him in that moment to really think about why asking for consent even matters. Because the answer, I think, is basic: We want people we’re intimate with to feel good, not bad.

While he was waiting for his Uber to arrive, he said he would cook me dinner next time: steak with sautéed mushrooms and a fig-balsamic reduction.

“I mostly make scrambled eggs,” I said.

He laughed, kissed me and said, “See you soon.”

Er scheint ein System zu haben, welches für ihn funktioniert. Er schenkt viel Aufmerksamkeit, er ist sehr einfühlsam, er bietet an, was für sie zu kochen, sogar etwas hochwertiges. Sie scheint insgesamt etwas unbeholfen beim Flirten zu sein. Aber vielleicht schildert sie auch eher sein Verhalten.

I did not see him soon. I texted him a few times in the days that followed, playfully at first, then more pressing. He ignored me.

At first I couldn’t believe he didn’t answer, and then I was devastated. My roommates didn’t understand why I was so much more hurt than usual.

“Because he kissed the soft part of my arm,” I said. “And then he disappeared.”

Wenn es seine Strategie ist, bei Sex mit Studentinnen immer auf Nummer sicher zu gehen und das Konsensprinzip anzuwenden, evtl mit einem Audiogerät, welches das aufnimmt, dann finde ich es gar nicht dumm von ihm. Gerade dann, wenn er weiß, dass er darauf steht, sehr viel Vertrauen aufzubauen, alles sehr zärtlich zu machen, viel auf Comfort zu setzen – und dann zu verschwinden. Denn natürlich baut er da, bei Frauen, die das mögen, eher eine größere Bindung auf und sie werden enttäuschter sein und eher stark verletzt sein. Und von dem Gefühl benutzt worden zu sein bis zu Rachegedanken ist es nicht weit. So würde er sich – gerade mit einer Aufnahme dazu – stark absichern.

They looked at me blankly.

“Because he asked for my consent, over and over. So sex felt like a sacred act, and then he disappeared.”

“A sacred act?” one roommate said, laughing. “Girl, you sure don’t treat it like one.”

But I do. We perform sacred acts for, with and among strangers all the time. We give charitably to people we don’t know. We pray in churches with people we don’t know.

When he asked so many times about my desires, when he checked to be sure he was honoring and respecting me, then sex, however short-lived, became a reciprocal offering. But the moment we pulled on our jeans, that spell of reciprocal honor and respect was broken.

Und schon macht sie deutlich, dass sie sich trotz allen Fragereien oder vielmehr gerade wegen dieser dann eben nicht mehr respektiert fühlt, wenn er dann nicht mehr will, zumindest vielleicht eine Erklärung oder einen Abschied, aber kein einfaches Verschwinden aus dem Leben.

“Which is fine,” my roommate said.

And she was right, in a way. Asking about my feelings during sex didn’t extend to caring about them after sex. Consent is not a contract of continuation.

But in the days and weeks after, I was left thinking that our culture’s current approach to consent is too narrow. A culture of consent should be a culture of care for the other person, of seeing and honoring another’s humanity and finding ways to engage in sex while keeping our humanity intact. It should be a culture of making each other feel good, not bad.

And if that’s the goal, then consent doesn’t work if we relegate it exclusively to the sexual realm. Our bodies are only one part of the complex constellation of who we are. To base our culture of consent on the body alone is to expect that caretaking involves only the physical.

I wish we could view consent as something that’s less about caution and more about care for the other person, the entire person, both during an encounter and after, when we’re often at our most vulnerable.

Because I don’t think many of us would say yes to the question “Is it O.K. if I act like I care about you and then disappear?”

Ein interessanter Nachteil des Consent-Prinzips: Bei Leuten, die es nicht einfach nervig finden, die vielleicht gerade auf Aufmerksamkeit, Zuneigung und ein Gefühl, dass sich jemand wirklich für sie interessiert, aus sind, kann es eben Comfort begründen, eine besondere Beziehung, ein „ich bedeute ihm was und das fühlt sich gut an“.  Ich vermute, dass weitaus mehr Frauen eher irgendwann aggressiv reagieren würden, wenn er immer wieder fragt, zumindest, wenn man es nicht mit einem gewissen Charme macht. Und ich vermute mal, dass hier der Altersunterschied auch geholfen hat. Sie hatte anscheinend eher das Gefühl, dass es für ihn normal ist, weil er eben eine andere Generation ist. Auch das dürfte etwas geholfen habe, dass sie es akzeptiert hat.

Im Fazit könnte es für ihn also durchaus eine ganz gute Masche in Bezug auf sie gewesen sein, die ihm eine hohe Sicherheit gibt. Es wäre interessant, ob es für ihn eher etwas kurzfristiges war oder er einfach eine Frau will, die mehr machen kann als Rühreier bzw selbst auch etwas engagierter ist.

Wo liegt die Grenze zwischen Flirt und Belästigung? (Metoo 2018) ( Anne Wizorek, Alexanda Stanic und Maximilian Pütz)

https://www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=v8CLxbvq73Y

Siehe auch:

Die Hälfte der männlichen Australier findet, dass die Gleichberechtigung Männeranliegen nicht hinreichend berücksichtigt

Über Arne fand ich diesen interessanten Bericht:

Nearly half of all male respondents surveyed agreed with the statement that “gender equality strategies in the workplace do not take men into account”. That feeling was strongest among Millennials but was consistent across men of all ages. Those men also believed that men were increasingly excluded from measures to improve gender equality and four in 10 Australian men say political correctness benefits women in the workplace. Around 30 per cent of men say their jobs have been impacted in some way by their gender; and just over one-third of men believe women are better at household tasks.

Das ist erst einmal ein hohes Unzufriedenheitspotential. Die Reaktion darauf ist dann, das als „Backlash“ einzuordnen, statt als etwas, was man – beispielsweise als Politiker – auch nutzen kann um neue Wähler zu gewinnen.

The report’s authors Professor Mark Evans and Virginia Haussegger from the 50/50 Foundation at the University of Canberra wrote: “The observation that younger generations of men view themselves as outsiders, actively excluded from what is now increasingly one of the key debates in many workplaces indicates that there is no room for complacency if we want to avoid a backlash against workplace interventions to address gender inequality.”

Schon erstaunlich: Da wundert man sich, dass Männer auch gefragt werden wollen, wenn über eine Neuordnung des Geschlechterverhältnisses geredet wird. Dabei sind sie ja ein integraler Bestandteil der Debatte.

Natürlich: Wenn man sie nur als Unterdrücker wahrnimmt, deren Joch die Frauen endlich abschütteln müssen, dann mag einem das als Backlash vorkommen. Die Männer sehen es aber anscheinend anders.

Ms Haussegger says progress towards gender equality in Australia is in trouble.

“The current climate of bias and backlash is proving immune to regulatory control … Australian women and girls are failing to flourish as well as they should, given [Australia’s] decade-long world number one ranking in female education,” she said.

Die Frauen haben also eine entsprechende Förderung, sie haben Wahlrechte etc. Aber sie weigern sich einfach ihr Leben den Vorstellungen der Ideologen anzupassen.

Könnte man da auf die Idee kommen, dass die Ideologen unrecht haben mit ihren Vorstellungen?

Nein, der Grund kann eben nur sein, dass die Unterdrückung immer noch zu stark ist.

But Professor Evans says there is a context to the backlash among Millennials and Gen X men. „It’s a response to their own feelings of economic insecurity,“ he says. „It’s also partly a product of witnessing the difficulties experienced by their parents in dual earner families and consequent rising divorce rates.”

Und das sind eben auch durchaus wichtige Gefühle. Wenn man die Gesellschaft liberaler macht und damit auch die Ehe wesentlich unsicherer, dann muss alles neu ausgehandelt werden. Das ist eigentlich sehr verständlich und natürlich wollen auch Männer die alten Deals hinterfragen.

As one of the respondents to the survey, a Generation X man with moderate political views, said: “Yes sexual discrimination is a problem for Australian women but men are having it tough as well … We all fear being middle aged and unemployed. The expectations on us from our parents, our children and at work are overwhelming.”

Und das kann man eben auch einem Rollenbild zuordnen, welches genauso von der Gesellschaft gefördert wird und an dem auch Frauen ihren Anteil haben.

Stuart Whitman, a self confessed member of Gen X and the project officer for the Australian Labor Party’s new Labor Academy, a training and development organisation for the party, argues his generation’s mindset must change. The academy has been established by the ALP to better prepare members for public office.

„It’s lazy and ill-informed to dismiss expectations of decent behaviour and inclusiveness as ‚political correctness‘, culture change will happen in our parties when they start properly resourcing the education and training of their members and MPs.“

„Wir haben recht, auch wenn es nicht klappt. Die wollen sich nur dem Fortschritt in den Weg stellen, eigene Sorgen von denen akzeptieren wir nicht“.

Eine solche Umfrage in Deutschland wäre auch interessant.

Hajo Schumacher: Die flächendeckende Abwertung der Männer geht mir gegen den Strich

Im Spiegel schreibt, wie Arne auch schon berichtete, Hajo Schumacher etwas über die gegenwärtige Abwertung von Männern:

Nennt mich „Pussi“, „Weichei“ oder „Spaßbremse“, aber mir geht die flächendeckende Abwertung des Mannes gehörig gegen den Strich. Gleichstellung heißt doch nicht, das Kanonenrohr einfach umzudrehen. Frauen beharren zu Recht darauf, abwertende Sprache zu identifizieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Gilt aber auch umgekehrt.

Sollte man meinen und denken denke ich die allermeisten so. Aber im intersektionalen Feminismus gibt es ja keine Diskriminierung des Feindes und ihn anzugreifen ist quasi legitime Selbstverteidigung. Oder es wird als „Spiegel vorhalten“ deklariert: Da seht ihr mal wie es uns jeden Tag geht, es ist gut, dass ihr das auch mal erlebt.

Unsere Kinder lernen schon in der Kita, dass es rassistisch sei, wenn man Gruppen Merkmale zuordnet: Schweizer stinken nach Knoblauch, Amerikaner bauen tolle Armbanduhren, Türken sind dick und wählen Idioten. Wir achtsamen Menschen wissen, dass derlei Gruppenurteile fast zwangsläufig im Alltagsrassismus enden. Respekt ist ein universeller Wert, unabhängig von Herkunft, Rasse, Geschlecht, Alter.

Das man im Feminismus eine  ungerechtfertige Ausnahme von dem, was eigentlich eine selbstverständliche Regel des Zusammenlebens in einer zivilisierten Gesellschaft sein sollte macht, ohne dies wirklich zu begründen (abseits dubioser „alle Männer/Weiße/heterosexuelle/ haben Macht), ist in der Tat eine der Punkte, die man gar nicht oft genug herausstellen kann.

Nur bei einer Gruppe sehen wir über die Grundregeln guten Miteinanders hinweg: bei Männern, bevorzugt weißen Männer. Seit Trump ist das kollektive „die Männer“ gesellschaftsfähig als Chiffre für „das Böse“. Diskriminierungsregeln gelten nicht. So gleitet eine komplexe Geschlechterdebatte in die billige Polarisierung.

Nicht erst seit Trump. Aber Trump als ein „Antimodell“ dessen, was die intersektionalen Feministen gerne gehabt hätten, hat diesen Trend sicherlich begünstigt. Aber die intersektionalen Theorien an sich, mit ihrer starren Einteilung in Privilegierte und Marginalisierte nach Gruppen in den jeweiligen Kategorien wie Rasse, Geschlecht etc haben dazu noch weit mehr beigetragen und haben vielleicht eher als Trump sie auch Trump begünstigt. Denn ist sorgen dafür, dass linke Politik letztendlich auch häufig auf diese Merkmale abstellt und damit fast zwangsläufig die Mehrheit der Wähler zu ihrem Feind erklärt.

Zugleich fallen womöglich gerade bei den Einsamen und Frustrierten letzte Hemmungen, tatsächlich eine toxische Männlichkeit zu leben, schon aus Trotz gegen Abwerten und Verächtlichmachen.

Ja, das ist ein Effekt, der auch dazu kommt: Wer wegen seines Seins, also als Mann oder als Weißer oder als Heterosexueller angegriffen wird, der wird sein Sein verteidigen. Der wird sich ungerecht behandelt fühlen. Der wird, wenn er meint, dass andere zu seinen Lasten bevorzugt werden, eben auch schnell diese dafür verantwortlich machen. Und wenn eh schon normales Verhalten stark verurteilt wird, dann kommt es zum einen schnell zu einem Gegensteuern und zum anderen dazu, dass auch Kritik an stärkeren Verhalten als ungerechtfertigt empfunden wird.

Es ist verführerisch auf die Abwertung von weißen Männern hin anzuführen, was diese alles Gutes gemacht haben und was andere schlechtes gemacht haben, um hervorzugeben, dass die Kritik ungerecht ist.

Nach dem Wahlsieg Donald Trumps reiste der Unternehmer und Blogger Sam Altman durch die USA, um Stimmen von Trump-Wählern zu sammeln. Eine ständig wiederholte Forderung dieser Männer lautete: „Hört auf, euch über uns lustig zu machen, hört auf, uns Idioten zu nenne, hört uns zu.“ Verhöhnte Männer driften auch nach rechts, weil sie kein anderes gesellschaftliches Zuhause finden.

Das ist dann eben auch nur wieder toxische Männlichkeit aus der Sicht der Intersektionalen, aber aus anderer Sicht eben eine ganz normale Reaktion: Wenn alle einen abwerten, dann hält man sich an die, die das nicht machen.

 

Ähnliches berichtet die SPD-Politikerin Petra Köpping aus Sachsen, die etwas Unerhörtes tat – sie ließ Männer reden. Köpping traf Arbeiter, Ingenieure, Führungskräfte, Verwaltungsfachleute. Viele empfanden das Leben nach dem Mauerfall nicht als Glück, sondern als Erniedrigung, als Abstieg, als Entmännlichung. Dieses Empfinden kann man mit großstädtischem Hochmut belächeln oder aber als sozialemotionalen Sprengstoff betrachten.

In der Tat werden solche Leute, die ja erst einmal nicht schlechtes gemacht haben, aber dann plötzlich durch politische Umstürze die Grundlagen ihres Leben verlieren, wenig empfänglich für Theorien sein, nach denen es gut ist, dass sie endlich ihre Privilegien verlieren, weil sie ja auch nur weiße Männer sind. Sie werden sich nicht als Ausbeuter von Schwarzen sehen, schon weil es ja kaum welche gibt,  wo sie leben. Sie werden sich eher selbst als marginalisiert wahrnehmen, als Verlierer eines Prozesses, bei denen „die Mächtigen“ sie und ihre Probleme mißachten und sich lieber damit schmücken Fremde zu fördern, die sich dann – aus deren Sicht – auch noch schlecht benehmen.

Was würden Feministinnen sagen, wenn Frauen eine um fünf Jahre geringere Lebenserwartung hätten, aber eine mehr als dreimal so hohe Selbstmordrate wie Männer? Das Land würde beben und nach Auswegen suchen, und zwar zu Recht.

Das Feministinnen das so einfach unter den Tisch fallen lassen oder eben schlicht den „Nachteilen des Patriarchats“ zuordnen ist schon erstaunlich. Aber in ihrem binären System ist eben nur Platz für einen Unterdrückten in der Kategorie Geschlecht. Und der Mann ist schon der Unterdrücker.

Es geht nicht um Kleinreden oder Aufrechnen, sondern um Aufmerksamkeit, sobald „der Mann“ reflexhaft zum Täter erklärt wird. Der promovierte Islamwissenschaftler Alexander Will, Nachrichtenchef der Oldenburger Nordwestzeitung, schrieb nach der Bundestagswahl 2017: „Es gibt Tage, an denen möchte man […] sich den Unflat von der Haut schrubben. Wir Ostdeutsche sind zum Buhmann des Juste Milieu […] geworden. Auf uns – das ist Konsens – kann man einprügeln, ohne ernsthaft Widerspruch erwarten zu müssen.“

Wie leicht es ist Ostdeutsche als marginalisierte Minderheit, unterdrückt durch Wessis darzustellen hatte ich ja schon in einem Artikel geschildert. 

Was war passiert? Ein offenbar mathematikunkundiger Reporter hatte ermittelt, dass das gute Ergebnis der AfD bei der Bundestagswahl vor allem ostdeutschen Männern zuzuschreiben sei. „Ost-Mann = versoffener Neonazi“, das passte in die Reihe von Trottel, Grabscher, Gröhler, Psychopath. Der oft originelle Jan Böhmermann hatte stumpf eingestimmt und sprach von „spektakulär ignoranten Asozialen“. Eine Anmaßung, wenn man bedenkt, wie viele dieser Ost-Männer in der ersten Hälfte ihres Lebens versuchten, Familie und Staatsmacht, Integrität, Angst und Würde zu vereinbaren.

Auch hier wird eben lieber Virtue Signalling betrieben als sich darüber Gedanken zu machen, was das auslösen kann. Das Feindbild zeichnet sich zu einfach. Schon weil die Ostdeutschen eben weiß sind, es Männern angelastet wird und ihnen Rassismus vorgeworfen werden kann. Dass diese Vorwürfe das Problem eher verschärfen könnten ist egal, die Botschaft des eifrigen Bekämpfers der Nazis ist weitaus wichtiger. Und damit auch das Hochhalten des Feindbildes. Um so mehr Feind, um so wichtiger der Kampf und damit die eigene Arbeit.

„How Male Bashing is Killing Our Sons“ heißt ein Beitrag im Blog der amerikanischen Mutter Melissa Edgington, die sich fragt, ob es lustig sei, Männer mit einem guten Wein zu vergleichen – damit er genießbar werde, müsse man erst einmal ordentlich zutreten und ihn zerstampfen. Nein, nicht komisch. „Wir fügen unseren Söhnen und Männern Schmerzen zu“, erklärt die gläubige Melissa etwas melodramatisch, aber im Kern zutreffend.

Es geht für mich weniger um einzelne Witze als die Art, wie sie angebracht werden. Es ist kein freundliches Geplänkel, sondern zu oft ist schlicht Männerhass dahinter, wenn Feministinnen oder Feministen sich über Männer oder Weiße aufregen. Und es wird als um so unwitziger wahrgenommen, wenn dann gut erkennbarer Hass noch verteidigt wird – als richtig und wichtig, weil man eben dem Mann so einen Spiegel vorhält oder eben weil die Gruppe Mann die Macht hat.

Warum haben wir denn mühsam die Abwertungsorgien der vergangenen Jahrzehnte bekämpft, all die Polen-, Türken-, Ossi-, Blondinenwitze? Wenn wir aber Geschlechterscherze auf Kosten von Frauen oder Homosexuellen überholt finden – warum dann kollektives Gewieher über Plattheiten wie die der Unterhalterin Carolin Kebekus, die sich sich in Barth-hafter Künstlichkeit über fußballschauende Männer „mit behaarten Bierbäuchen“ mopst, die „sich gegenseitig an der Kimme riechen“. Brüller. Wie soll gesellschaftlicher Fortschritt funktionieren, wenn ausgerechnet Comedy-Frauen den konservativsten Part in der Geschlechterdebatte übernehmen?

Es ist eine Verletzung des Gerechtigkeitsgefühlt, wenn eine Gruppe einseitig für Abwertungen freigegeben wird und bei anderen bereits Kleinigkeiten für einen großen Aufruhr sorgen. Dazu kommt, dass politisch korrekter Humor selten witzig ist, die Abwertungen haben meist keine gute Pointe, sind keine Vorhaltung von Eigenarten, sondern leider eher oft der Versuch zu erziehen.

Gegenseitiger Respekt ist alternativlos, auch bei kleineren Angelegenheiten, dem Penis zum Beispiel. In einem ihrer hellsichtigeren Texte hat die Feministin und Spon-Kolumnistin Margarete Stokowski angenehm unironisch das Ende der Pimmelwitze gefordert. Interessanter Ansatz. Während die Menstruation als Universalerklärung für weibliches Verhalten zu Recht geächtet ist, verzeichnet das männliche Geschlechtsorgan derzeit eine mediale Dauererektion.

Ist aber dann inzwischen schon wieder out, da transfeindlich. Denn ein Penis ist eben nichts weibliches.

Die Atombomben-Fetischisten Donald Trump und Kim Jong Un dürften Väter aller Neo-Schwanzvergleiche sein. Die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling schlug einem Internet-Troll auf Twitter eine Penisvergrößerung vor. Der beliebteste Kommentar unter einem Beitrag über die weltweit erste Penis-Transplantation drehte sich um Porsche-Fahrer. Nur mal so gefragt: Wäre irgendwer auf die Idee gekommen, Konflikte beim Brexit mit einem Körbchenvergleich von Angela Merkel und Theresa May zu illustrieren?

Der Penisvergleich steht ja letztendlich dafür, dass Männer sich eher messen, eher einen Kampf darüber austragen, wer der bessere ist, während Frauen das eher nicht machen. Das wird aber nur im negativen anerkannt, im positiven hat es natürlich auch Nebenfolgen wie den Umstand, dass Männer deswegen auch eher an Karriere und Aufstieg interessiert sind und mehr dafür machen, sich eher einer Konkurrenz stellen etc. Da hingegen wird es nicht anerkannt. Der Unterschied ist bekannt, weswegen es einen Schwanzvergleich, aber keinen Körbchenvergleich gibt.

Es ist völlig gleichgültig, wer anhand körperlicher Merkmale verspottet wird – stets werden alte Rollenbilder wiederholt. Die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, Feministin durch und durch, befand 2001, dass das sinnlose Abwerten des Männlichen so sehr Teil unserer Kultur geworden sei, dass es kaum noch auffiele. Stimmt. „Sechs globale Herausforderungen, eine Lösung: Frauen“, so lautete das Motto des Weltwirtschaftsforums 2011. Putzig auch die Glas Cliff Theory, derzufolge Frauen ranmüssen, weil die Jungs mal wieder alles verbockt haben. Wer genau rettet uns demnächst: Sahra Wagenkecht? Alice Weidel?

Die Lösung „Frau“ oder „Diversität“ erscheint in der Tat vielen als Allheilmittel. Nur weniger weiße Männer, dann muss es doch besser werden. Denn Männer selbst haben keinen Anteil an erzielten Erfolgen, sie verdanken sie nur ihren Privilegien, dem Umstand, dass sie eher an eine bestimmte Stelle gesetzt werden.

Dass das dann im Endeffekt nicht stimmt, dass Frauen weitaus häufiger die Positionen hoch oben gar nicht wollen, weil sie mit sehr viel Arbeit und Stress verbunden sind und die Frauen, die es wollen, dann häufig auch nicht anders agieren als Männer, kommt dabei nicht zur Sprache. Frau/sonstige anerkannte Minderheit an sich bringt Fortschritt. Oft wird, wie gerade in diversen Filmen, darüber vergessen, dass es gar nicht so einfach ist und man dennoch eine vernünftige Rolle schreiben muss.

Männer und Frauen sind in etwa so gegensätzlich wie ein gelbes und ein grünes T-Shirt. Es gibt nicht den einen großen Geschlechterunterschied, sondern viele Unterschiede zwischen Menschen, zwischen Einwanderern und Ureinwohnern, Städtern und Landbewohnern, Jüngeren mit Jahresverträgen und Alten mit Lebenszeitjobs. Werden Frauen immer und überall schlechter bezahlt? Nein, in den USA verdienen Frauen in Führungspositionen deutlich mehr als Männer. Frauen können keine Seilschaften? Von wegen. In Norwegen ist das Netzwerk der „Goldröcke“ gefürchtet, das sich infolge einer konsequenten Quotenpolitik gebildet und in Unternehmen breitgemacht hat, wie es angeblich nur Männer vermögen. Nein, keine Spitze zu Asia Argento.

Das Bild der in einem Bereich ausschließlich priviligierten Gruppe, der eine andere ausschließlich marginalisierte Gruppe gegenüber steht, ist eben schlicht falsch. Es ist eine äußerst simple Betrachtung, die bei so heterogenen Gruppen und so unterschiedlichen Aufteilungen von Vorlieben und Arbeitsbereichen und Unterschieden in den Fähigkeitsausprägungen sowohl im Schnitt der Gruppe als auch zwischen Individuen schlicht nicht mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen ist. .

Die Probleme der Zukunft lösen nicht Männer oder Frauen, sondern gute Frauen und gute Männer gemeinsam gegen die anderen.

Und leider haben sich die Feministen davon verabschiedet zu den Guten zu gehören.

Selbermach Samstag 204 (08.09.2018)

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