„Frauen, hört endlich auf euch zu unterwerfen!“

Jetzt hat einen interessanten Artikel:

Neulich in einem Café: Ich versuchte, das Buch „Frauen und Macht” zu lesen, wurde aber von zwei am Nebentisch sitzenden jungen Frauen von meiner Lektüre abgelenkt. Ihr mit gesenkter Stimme behandeltes Thema: Frauen und Macht. Sexuelle Macht, um genau zu sein. Ich war nicht in der Lage, wegzuhören. „Er ist so krass unterwürfig”, klagte die eine. „Dabei wäre es so geil, wenn er mich einfach mal …, du weißt schon, würde. So richtig halt. Stattdessen muss ich immer den Anfang machen und dann streichelt er mich eine halbe Ewigkeit und …” – „Boah, voll der Abtörner”, bestätigte die andere. „Das ist ja total unmännlich.” Schwere Seufzer folgten.

Da liest sie gerade ihr Buch „Frauen und Macht“ und dann wollen die Frauen keinen Beta, bei dem sie Macht hätten, sondern lieber einen dominanten Mann im Bett. Was bei ja nicht gerade wenigen Frauen durchaus als sexy gilt.

Halten wir fest: Jemanden „einfach mal …”, das halten die beiden für männlich, Zurückhaltung im Gegenzug für weiblich. Die Kontrolle über den Akt gehört ihrer Meinung nach in die Hände des Mannes. Ich überlegte kurz, ob die beiden vielleicht Zeitreisende aus einem der vergangenen Jahrhunderte sein könnten. Ihr wisst schon, früher, als die Frau dem Mann nicht nur sexuell, sondern auch in allen anderen Belangen ihres Lebens unterworfen war.

Das es dabei gar nicht darum geht, dass man sich ihm tatsächlich unterwirft, sondern eher darum, dass er Männlichkeit bedient, weil diese sexuell anregend ist und das ganze eben ausdrücklich mit ihrem Einverständnis passiert, kommt ihr da anscheinend nicht so recht in den Sinn.

Aber nein, ihre Kleidung entsprach ganz dem Normcore des 21. Jahrhunderts. Vielleicht hatten sie dann einfach spezielle Vorlieben und waren an den Falschen geraten? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn so wahnsinnig speziell sind ihre Vorlieben nicht. 

Je nach Studie haben 30 bis 60 Prozent aller Frauen Vergewaltigungsphantasien

Einer Umfrage des Casual Dating Portals „Secret“ aus dem Jahr 2015 zufolge lassen sich drei Viertel der Frauen beim Sex gern führen, nur 38 Prozent schlüpfen auch selbst gern mal in die dominante Rolle (zum Vergleich: Bei den Männern ist es genau anders herum). Und Daniel Bergner, der in „Die versteckte Lust der Frauen” Forschungsergebnisse zur weiblichen Begierde zusammenträgt, konstatiert: Je nach Studie haben 30 bis 60 Prozent aller Frauen Vergewaltigungsphantasien (ohne das natürlich wirklich zu wollen).

Ja, dazu hatte ich hier auch schon was:

Auch die Kulturerzeugnisse, die die meisten von uns konsumieren, zielen in diese Richtung. Man braucht den Mainstream-Porno, in dem Frauen natürlicherweise so richtig hart rangenommen werden, gar nicht erst auszugraben. Jede beliebige Sexszene in jeder beliebigen Hollywood-Schnulze ist schon Beispiel genug: Er übernimmt die Initiative, er drückt sie leidenschaftlich gegen die Wand, er ist über ihr, er liebkost ihren Körper. Und wer erinnert sich nicht daran, wie vor wenigen Jahren die Roman-Trilogie Fifty Shades of Grey, in der ein superreicher Psycho eine mittellose Studentin in seiner Folterkammer knebelt und auspeitscht, durch die Decke ging? Die (halbwegs fortschrittliche) Öffentlichkeit zeigte sich entsetzt: Was? Da kämpfen Frauen Jahrzehnte für die Gleichberechtigung, um sich dann kollektiv in Phantasien darüber zu ergehen, wie sie von einem in jeglicher Hinsicht potenten Mann nicht nur finanziell, sondern auch sexuell dominiert werden?

Passt vielleicht nicht so ganz zu der Vorstellungswelt einer Feministin, aber sehr gut in evolutionäre Theorien. Dominante Männchen stehen meist weiter oben in der Hierarchie und weiter oben in der Hierarchie ist ein gutes Signal dafür, dass er wichtige Qualitäten hat (die er mit seinen Genen an die Kinder weitergeben kann).  Das Ergebnis der intrasexuellen Konkurrenz unter Männern wird wahrscheinlich in jeder Tierart mit daraus folgender Hierarchie auch für die Partnerwahl genutzt, als Ergebnis einer sexuellen Selektion.

Die israelische Soziologin Eva Illouz erklärt in ihrem Essay „Die neue Liebesordnung – Frauen, Männer und Shades of Grey” den Erfolg der Story damit, dass sie die Spannungen innerhalb der Geschlechterbeziehungen überwindet und damit zu einer Art zeitgenössischer Liebesutopie wird. Die Verhandlung von Rollen und Aufgaben, durch die wir uns im echten Leben mit unseren Partnern quälen müssen, alle Unsicherheiten und das ewige „Wo stehe ich in meiner Beziehung?” – das alles ist hier nach dem anfänglichen Hin und Her so gut wie ausgehebelt. Die Positionen der beiden Hauptfiguren bleiben statisch. Er oben, sie unten, und sie leben glücklich bis an ihr Lebensende. Die Menschen sind es also leid, ihre Beziehungen auszuhandeln. Kann man ihnen nicht vorwerfen, ist ja auch ’ne anstrengende Angelegenheit. Warum aber bauen sie sich keine echtezeitgenössische Liebesutopie, in der eine superreiche Milf einen devoten Studenten vermöbelt? Jetzt wäre die beste Zeit dafür: So gleichberechtigt wie heute war unsere Gesellschaft noch nie.

Weil es wesentlich weniger (nicht keine) sehen wollen. Schlicht weil es keine evolutionären Signale bedient, wenn er ein „Weichei“ ist und sich von ihr vermöbeln lässt. Wie würde er dann erst gegen Männer abschneiden?

Von der Mehrheitsfähigkeit einer solchen Vorstellung sind wir tatsächlich aber ganze Galaxien entfernt. Die Bilder, die in unseren Köpfen und Bildschirmen regieren, entsprechen dem genauen Gegenteil. Denn bedauerlicherweise ist unser Rückenmark nicht ganz so schnell wie unser Hirn. Wir wissen, dass Herrschaft der Männer vorbei ist. Frauen brauchen keinen Mann mehr, um überleben zu können. Manche verdienen mehr als ihr Partner oder werden Bundeskanzlerin. Und trotzdem ist da was in ihnen, das die Unterwerfung genießt. Selbst etliche Feministinnen finden nichts Verwerfliches daran, wenn Frauen ihren devoten Neigungen nachgehen. Das Ganze sei schließlich individuelle Veranlagungssache, und außerdem völlig freiwillig.

In der Tat, da mogeln sich einige Feministinnen drum herum, die sonst das private höchst politisch finden, aber sie können sich immerhin darauf berufen, dass man die Sexualität der Frau nicht einschränken darf, Männer ja auch devot sein können, und es in diesem Fall gar nichts aussagt.

Ich bin weit davon entfernt, die Bettspielchen von anderen zu verurteilen.
Ich vermute so weit davon entfernt ist sie nicht.

Dennoch frage ich mich: Wie sehr kann so ein Hang zur Submission individuelle Veranlagung sein, wenn er doch eindeutig geschlechtsspezifisch ist?

Weil die Männer ihren Hang unterdrücken, weil sie in Wahrheit die Kontrolle hat, weil es ganz einvernehmlich ist, weil es auch ein Tabu für Frauen ist verdorben zu sein und man so auch gegen die Geschlechterrollen vorgeht und eben auch weil es schlicht und einfach geil ist und man es deswegen irgendwie rechtfertigen muss.

Das ist so, als würde man behaupten, all die Frauen würden aus einem inneren Drang heraus so wahnsinnig gern in Care-Berufen arbeiten, in denen man kaum was verdient.

Ja, wie könnte so etwas nur aus einem inneren Drang heraus erfolgen, in einer Säugetierspezies in der die Frau eher als der Mann auf „Carearbeit“ ausgerichtet ist?

Dabei ist inzwischen so ziemlich jedem Waldbewohner klar, dass Frauen diese Berufe vor allem deswegen ergreifen, weil sie entsprechend sozialisiert wurden. Genau das passiert auch mit der weiblichen (und männlichen) Sexualität: Wie wir sie erleben, was für Wünsche und Fetische wir entwickeln, hängt maßgeblich von der Gesellschaft ab, in der wir aufwachsen. Mit anderen Worten: Je weniger Alternativen es zur männlichen Dominanz gibt, desto weniger können wir entsprechende Begierden entwickeln und desto mehr verharren wir in veralteten Rollenklischees. Dabei geht es nicht darum, den Spieß tatsächlich und für alle Zeit umzudrehen. Aber ich würde echt gern mal zwei Typen darüber stöhnen hören, wie krass unterwürfig die Neue so ist und dass es wirklich schön wäre, würde sie das Kommando übernehmen.

Ich will mich nicht in das Sexualleben der Leute einmischen, aber sie sind so sozialisiert und sie verharren nur in alten Geschlechterklischees und helfen damit diese zu unterhalten.

Die armen Frauen, die darauf stehen, sind eben nur Opfer ihrer Sozialisierung.

Zu ihrer Umkehrung:

Männer würden sich wahrscheinlich weitaus seltener als Frauen über das Sexualleben mit ihrer Freundin unterhalten. Aber natürlich gibt es auch Männer, die nichts dagegen hätten, wenn ihre Freundin mal dominant wäre. Wesentlich mehr würden vielleicht nicht Dominanz wollen, aber eine hohe Aktivität und eine hohe Eigeninitiative der Frau. Aber das ist auch nicht das Gleiche.

Dann wüsste ich: Wir sind der Gleichberechtigung ein ganzes Stück näher gekommen.

Warum eigentlich? Die Männer wären dann ja vielleicht auch nur Opfer ihrer Sozialisierung, die sie dann dazu gebracht hätte, dass sie gerne dominant angegangen werden. Wäre es nicht konsequenter, wenn sie hoffen würde, dass niemand mehr will, dass der andere dominant ist?

 

„Wokeness“ und Signalling bzw Statusaufbau

Ein interessanter Artikel behandelt „Wokeness“ als Religion und Statusaufbau:

In the following article, we will explore this quasi-religion, Wokeness, as a status system that functions predominantly to distinguish white elites from the white masses (whom we will call hoi polloi). It does this by offering a rich signalling vocabulary for traits and possessions such as education, intelligence, openness, leisure, wealth, and cosmopolitanism, all of which educated elites value (for a similar analysis, see Rehain Selam’s August essay in the Atlantic, discussed by David French in the National Review article linked above). From this perspective, the preachers of the Great Awokening—those who most ardently and eloquently articulate the principles of Wokeness—obtain status because they (a) signal the possession of desired traits and (b) promulgate a powerful narrative that legitimizes the status disparity between white elites and hoi polloi. The elites, according to these preachers, are morally righteous and therefore deserve status, whereas hoi polloi are morally backward and deserve obloquy and derision.

„Wokeness“ hat leider kein deutsches Gegenstück, es ist aber im wesentlichen etwas, was man hier teilweise in dem Begriff „Gutmensch“ unterbringt oder eben mit ideologisierten, fanatischen Feministinnen.

Eine Herleitung, nach der man in diesem System besonders gut Status innerhalb einer speziellen Gruppe aufbauen kann, ist für mich als jemand, der Signalling und Statusaufbau bereits aus evolutionären Gründen für ein sehr wichtiges Prinzip zum Verständnis des Menschen hält, natürlich besonders interessant. Ich hatte ja schon angeführt, dass jede Gruppe Status nach ihren Regeln bewertet, Geschäftsleute anders als Punker, aber das üblicherweise gewisse „Costly Signals“ verwendet werden, die eben schwerer zu fälschen sind. Daher braucht jedes System, bei dem Status aufgebaut und bewertet werden soll gewisse Regeln, nach denen dies geht, und gewisse Schwierigkeiten, Status zu erlangen.

It’s important to note before we begin that this perspective does not contend that all the actors in this status system are cynical charlatans. In fact, it insists that many legitimately believe their assertions about pervasive racism, sexism, transphobia, et cetera, and feel compelled to preach their doctrine so as to make society more just. Sincere belief and status motives often conspire. For example, the famous preachers of the Great Awakening (from whom we derived our title) almost certainly believed the urgency of their message and the elaborate metaphysics of their faith, but also obtained status from their books and sermons.

Ja, ich denke auch, dass die meisten wirklich von den Ideen überzeugt sind und auch davon, Gutes zu tun und gegen das Böse zu kämpfen. Dass ihr System hoch unlogisch ist fällt wegen dem religiösen Ansatz mit vielen Dogmen und der Filterblase selten auf. Es ist ein selbststabilisierender Faktor, dass Zweifel an dem System Statusabzug gibt und Kritik oder auch nur ein Nachdenken darüber ebenso.

Wokeness

Before analyzing Wokeness as a status system, we must understand it as a quasi-religious doctrine. Unlike scientific theories or other empirical claims, the basic tenets of Wokeness are held with sacred fervor. Those who challenge them are not debated; rather, their motives are denounced, and they are cast out of polite society like heretics. To take just one example, when someone objects to the Woke principle that “diversity is a strength,” committed believers rarely greet the objection as an opportunity for argument. Instead, they attack the apostate for his sacrilege, and accuse him of unspeakable moral treachery (see table below for other examples).

Genauso wie bei einer Religion nicht wirklich hinterfragt werden darf, ob die dortigen Thesen Sinn ergeben  und ob es einen Gott gibt wirkt auch hier das Dogma der Gemeinschaft: Der Zweifler ist ein Sünder und ihm bleibt nur Reue und Rückkehr in den Schoß der Gemeinde oder Verstoßung

The chief dogmas of Wokeness are that:

  1. All demographic groups are roughly biologically the same (which we have termed cosmic egalitarianism elsewhere).
  2. Bigotry is pervasive.
  3. Almost all disparities among demographic groups are caused by bigotry.
  4. If we all work really hard, we can create a more just, multicultural society.
  5. Diversity is almost always a good thing.

Also übersetzt:

  1. Alle demographischen Gruppen sind ungefähr biologisch gleich (was wir anderswo als kosmischen Egalitarismus bezeichnet haben).
  2. Vorurteile sind allgegenwärtig.
  3. Fast alle Unterschiede zwischen den demographischen Gruppen sind auf Vorurteile zurückzuführen.
  4. Wenn wir alle wirklich hart arbeiten, können wir eine gerechtere, multikulturelle Gesellschaft schaffen.
  5. Vielfalt ist fast immer eine gute Sache.

Also das durchaus bekannte Bild: Macht und Vorurteile führen zu Privilegien bestimmter Gruppen, die unverdient und ungerecht sind und daher abgebaut werden sollten.

These dogmas have far-reaching consequences. For example, dogma 2 compels Woke believers to view almost every human action as tainted, and possibly determined, by some kind of racial or sexual bias. When Serena Williams, for example, severely scolded an umpire and was docked a game, Woke pundits and preachers rose as one to announce that her punishment proved that sexism and racism still plague tennis. That her punishment might be the impartial response of the tennis umpire was hardly considered; and those who did consider it were met with derision and invective.

WOKE PIETIES MORALIZATION
All groups are basically the same. “If you study sex differences, then you are sexist.”
Racism, sexism, and other bigotries are ubiquitous. “If you deny the prevalence of bigotry, then you are a bigot.”
Disparities in outcomes among groups are almost always caused by bigotry. “If you search for another cause of social disparities, then you are part of the problem.”
Diversity of race, sex, sexuality is always and everywhere a good thing. “If you think diversity can be bad, it’s because you are a bigot.”

In der Tat trifft man immer wieder auf diese Moralisierungen, die es besonders schwer machen, sich sachlich über das Thema auszutauschen. Die Grundaussagen sind Glaubenssätze, wer sie hinterfragt, der muss ein schlechter Mensch sein.

More broadly, Woke dogmas lead to a sacred narrative about the nobility of perceived victims’ groups (e.g., blacks, women, Muslims, gays, transexuals, et cetera). Members of these groups are to be considered the innocent victims of an oppressive and iniquitous patriarchy. Whites, on the other hand, are born burdened with the original sin of privilege, and are therefore presumptively complicit in the system unless they declare fidelity to Wokeness.

Die „Adeligkeit der Opfergruppen“ oder vielleicht besser die Idealisierung und in gewisser Weise auch die Romantisierung dieser Opfergruppen in Anlehnung an den „edlen Wilden“ wurde hier auch schon mehrfach besprochen.

Gerade diese sehr starke binäre Einteilung:

  • Auf der einen Seite das Opfer, erhaben und gut, in dieser Kategorie nicht angreifbar und nicht kritisierbar
  • Auf der anderen Seite der Täter, mit Erbsünde kraft Zugehörigkeit zur Gruppe versehen, der sich exkulpieren muss, aktiv an seiner Vergebung arbeiten muss, ein reuiger Sünder, der entweder um Vergebung bittet oder Täter ist.

This creates a Manichean moral doctrine that purports to reverse the current power hierarchy. 

Manichäismus sagte mir bisher nichts, ich habe es daher mal nachgeschlagen:

Der Manichäismus war eine stark von der Gnosis beeinflusste Offenbarungsreligion der Spätantike und des frühen Mittelalters. Seine organisierte Anhängerschaft war unterteilt in die Elite der „Auserwählten“ (lateinischelecti), aus der sich die Amtsträger rekrutierten, und die einfachen Gemeindemitglieder, die „Hörer“ (auditores). Insbesondere von den electi verlangte er Askese und ein Bemühen um die Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt.(…)

JManis Lehre ist durch die Unterscheidung von zwei Naturen oder Prinzipien und drei Epochen der Heilsgeschichte gekennzeichnet. Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis. Die drei Epochen sind die vergangene Zeit, in der die beiden Naturen vollständig getrennt waren, dann die (noch andauernde) Zeit, in welcher der Bereich der Finsternis mit Lichtelementen vermischt ist, und schließlich eine künftige Zeit, in der sie wieder (endgültig) getrennt sein werden. Wegen der Unterscheidung zweier absolut verschiedener und gegensätzlicher Naturen und der ihnen zugeordneten Reiche wird der Manichäismus zu den dualistischen Modellen gezählt.[2]

Also eine Religionsgemeinschaft, die stark dualistisch ausgeprägt war und in der es Licht und Finsternis gab, wobei es die gab, die schon „im Licht“ waren und diejenigen, die durch „Reinheit“ dahin gelangen konnten. Das klingt relativ ähnlich, wobei die Nähe zum Christentum, die auch im Wikipediaartikel anklingt, aus meiner Sicht stark ist, wenn man dort Konzepte wie „sündig geboren“ berücksichtigt.

Victims’ groups are revered, and the powerful are despised. However, as we will argue, this hierarchy is not so simple because it actually elevates a healthy proportion of the powerful, namely the white educated elites who profess unquestioning devotion to Wokeness. So, in the end, it is not really a status reversal so much as a way to distinguish one group of whites from the rest.

Das die Umkehrung der Opferhierarchie durchaus für viele interessant sein dürfte, die bei konventionellen Statusaufbau wesentlich weiter unten stehen, ist sicherlich etwas, was der „Wokeness“ sehr geholfen hat. Aber natürlich ist es ein System für Studierte, weil man sich nicht so einfach hineindenkt. Insofern ist es für das interne Statussystem dieses Systems besonders interessant.

Allerdings würde ich widersprechen, dass es nur für Weiße interessant ist. „Wokeness“ an sich passt vielleicht eher zu Weißen, aber viele „Marginalisierte“ werden sich weniger als „erwacht“ als vielmehr als Freiheitskämpfer gegen ihre Unterdrückung sehen, die sie schon immer erlebt haben. Sicherlich werden da auch viele einen „Red Pill Moment“ gehabt haben, indem sie noch mehr „die Strukturen“ und das diese absolut alles umfassen erkannt haben. Aber gerade Bewegungen wie „Black lives matter“ oder eben Hasstiraden wie von „Sara Leong“ gegen Weiße zeigen ja, dass sie eben auch für Andere interessant sind.

Wokeness As a Status System

Because it allows a person priority access to crucial and coveted resources such as money and mates, the desire for status is probably a fundamental human motivation. And because that desire is primitive and powerful, many social practices and activities function at least partially to delineate status relationships. These can be analyzed as status systems and operate in predictable ways because, whatever its diverse manifestations, status has some invariant features. Most importantly, it is inexpansible. That is to say, its supply does not grow. Unlike the economic pie, the status pie remains roughly the same across time. Therefore, players in the status game inevitably inhabit a zero-sum world. If one person’s status goes up, then another’s must go down, which explains why people are exquisitely sensitive not only to gains in their own status, but also to gains in other people’s status. Another’s triumph inevitably rearranges the distribution of a finite and precious resource.

Among other things, Wokeness appears to operate as just such a status system. This doesn’t mean that its only function is to adjudicate status competitions; but it does mean that one of its crucial functions is to do so. And it does this primarily by offering a signaling vocabulary which can distinguish educated elites from hoi polloi. The elites who thus benefit offer status to those who defend and legitimize the Woke narrative (the preachers); and they strip status from those who dissent.

Wenn man den modernen intersektionalen Feminismus als Signalling versteht, dann wird deutlich, dass auch die unlogischen Regeln dort Sinn machen. Ich hatte das schon einmal in meiner „Fußball-Analogie“ deutlich gemacht: In einem Sport um Punkte sind interne Widersprüche egal, genauso wie es beim Darten egal ist, dass die Dreifach-1 genauso schwer zu treffen ist, wie die Dreifach-20, aber eins 3 Punkte gibt und das andere 60 Punkte. Genauso ist es dann egal, dass Asiaten in den USA im Schnitt mehr verdienen als Weiße, als besonders schlau und fleißig gelten, und in Ländern wie Japan und Korea erhebliche Macht genießen und überproportional in Berufen wie Arzt oder Rechtsanwalt vertreten sind. Sie werden, ähnlich wie ein Feld im Dart, eben in gewisser Weise in die Regeln eingearbeitet, hier eben als marginalisierte Minderheit, die selbst mit der Beschimpfung von Weißen Punkte machen kann und mit der zusammen man Punkte machen kann, wenn man sie, Doppeltabschluss aus Harvard und aus einem der reichsten Länder dieser Erde,  ebenfalls als Opfer der Unterdrückung durch Weiße ansieht.

 

This perspective illuminates many otherwise inexplicable aspects of Woke culture, such as:

  • Why do Woke norms change quickly and why are they so complicated (thus alienating many potential allies)?
  • Why do Woke preachers often denigrate those who fail Woke purity tests (thus alienating many potential allies)?
  • Why do people in Woke culture expend so much effort sending signals to each other and so little quietly working to improve people’s lives?
  • Why don’t more Woke preachers strive to make as many friends and partners among hoi polloi as possible, since such partnerships would help them to achieve their stated goals?

Interessante Fragen:

  • Warum ändern sich die Woke-Normen schnell und warum sind sie so kompliziert (was viele potenzielle Verbündete entfremdet)?
  • Warum verunglimpfen die Woke_Prediger oft diejenigen, die die Reinheitsprüfungen von Woke nicht bestehen (und entfremden damit viele potenzielle Verbündete)?
  • Warum geben sich die Menschen in der Woke-Kultur so viel Mühe, um einander Signale zu senden und so wenig Mühe um still daran zu arbeiten, das Leben der Menschen zu verbessern?
    Warum versuchen nicht mehr Woke-Prediger, so viele Freunde und Partner wie möglich unter den Hoi Polloi zu finden, da solche Partnerschaften ihnen helfen würden, ihre erklärten Ziele zu erreichen?

die Antwort ist eben immer, dass es für das andere Verhalten Statuspunkte gibt.

To begin, we’ll examine the nature of the Woke signaling vocabulary. Signals that are effective must be reliably connected to what they signal. Sometimes such reliability is achieved because the communicator and receiver share interests. If Mary tells her teammate that she is going to cut left on the next play, then her teammate has little reason to doubt the signal (i.e., the sentence) because they share interests (namely, they both want to win the game). But often reasonable reliability can only be achieved by using costly signals, signals that honest communicators can afford but that dishonest communicators cannot.

It is trivially easy (not costly) to assert that one is educated or sophisticated or committed to a doctrine; therefore, very few people pay attention to such pronouncements (except as they might indicate narcissism). On the other hand, it is not easy (is costly) to speak a jargon that is taught only in universities and that requires many hours of dedication to master. Therefore, people pay attention and often defer to those who command a rich, complicated jargon.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum einige sehr kompliziert schreibende Personen in dem Bereich sehr erfolgreich sind: Es ist schwieriger sie zu verstehen, gleichzeitig überdeckt es Unlogik.

Wokeness provides this kind of sophisticated argot for signalers. Those who preach its gospel often use bizarre concepts imported from postmodern theorists, infamous for their impenetrable prose. Terms such as “hegemonic,” “intersectional,” “phallocentric,” and “queerphobe” are regularly deployed, intimidating the uninitiated and impressing those who wish, in the future, to signal their erudition to fawning fans. Even Woke language for popular consumption is complicated by a quickly changing list of taboo epithets. Is it wrong to say homosexual relationship? Is it all right to say African-American? Will I be berated if I say Mexican-American?  These changing prohibitions function well to distinguish elites from hoi polloi because they require devotion, erudition, and the right social acquaintances to understand.

„Aktuell bleiben“ und mit den veränderten Regeln mithalten können wäre demnach wichtig in dem Statusspiel: Wo man früher sagen durfte, dass Männer an allem Schuld sind muss man jetzt CIS-Männer sagen, damit man Transmänner ausnimmt. Insofern kommen die radikalen Transideologen gerade recht, denn sie bewirken eine zusätzliche Möglichkeit, „Wokeness“ zu signalisieren. Das gilt ebenso für Wörter wie PoCs oder diverse andere Wortschöpfungen.

Using arcane language and adhering to constantly changing norms about acceptable epithets are not particularly effective for attracting people from the broader population to one’s cause. In fact, they almost certainly alienate many average, and otherwise sympathetic, Americans, who understandably disdain indecipherable prose and elite superciliousness. Therefore, this signaling function of the Woke faith is actually antithetical to the stated goals of Wokeness (i.e., creating a more just social world—which requires a broad coalition of different classes of people).

Ja, mit immer komplizierteren und weltfremden Konzepten („Ein Penis ist weiblich“) entfernen sich die „Woken“ immer mehr von dem, was ansonsten als normal wahrgenommen wird, aber sie schaffen gleichzeitig immer bessere Möglichkeiten den eigenen Status zu signalisieren.

Also antithetical to the stated goals of Wokeness is the tendency of its most popular preachers to castigate sinners instead of calmly attempting to persuade them of the justness of the Woke doctrine. Antithetical, but perfectly comprehensible from a signaling perspective. Those who are Woke don’t really want to inhabit an entirely Woke world without the bigoted masses; instead, they want to occupy a world of good and evil, of the just and the wicked, of the high status and the low status, of the elite and hoi polloi. The Woke faithful almost certainly do believe that the world is unjust, even wicked, and they almost certainly do sincerely want to ameliorate the suffering of its victims. However, they also want to signal their membership to an elite and morally righteous club, and therefore they need an out-group, a foil, a morally wicked other for contrast. And, they can’t let just any kind-hearted person into their club, because then it would lose its exclusivity. So they must develop a strenuous vetting system, one that is vigilant and suspicious and quick to detect sin.

Ja, das scheint mir auch schlicht die beste Erklärung zu sein. Deswegen kann es auch kein wirkliches erreichbares Ziel geben, an dem die Welt gut genug ist. Neulich sagte eine Feministin in einer Diskussion, dass ein Fall von sexueller Gewalt schon zu viel ist und das quasi Männer an einer absolut gewaltfreien Welt arbeiten müssten. Dass dieses Zeil schon aufgrund der vorhandenen Psychopathen nicht zu erreichen ist verstösst gegen die oben dargelegte Norm, dass alle Menschen gleich sind und allenfalls sozial konstruiert. Es wird daher niemals ein „Gut genug“ geben, sondern immer eine strikte Einteilung in Gut und Böse, die erlaubt, dass man Signalling als „Woker Mensch“ betreibt.

Furthermore, accusing others of violating the faith of the Woke can serve as a signal of one’s commitment to righteousness; and, perhaps perversely, the more ridiculous the accusation, the better the signal. How, after all, can somebody who accuses the entire tennis world of racism and sexism, be racist or sexist? This can lead to a kind of concept creep, in which those vying for status among the Woke compete to call out vanishingly trivial offenses and imagined slights as intolerable manifestations of racism, sexism, and patriarchal oppression. Meanwhile, many otherwise sane people, with no interest in the excesses of The Great Awokening, nevertheless feel compelled to agree with such fantastical claims for fear that otherwise they too will be accused of bigotry.

Die Spirale in den Abgrund oder das Race to the Bottom kann in der Tat dazu führen, dass man sich immer weiter hineinsteigert und immer kleinere Fälle immer energischer angreift, um Status aufzubauen. Und natürlich bringt es weit weniger Punkte „das Normale“ zu machen, wer neue Wege findet, in dem System Status aufzubauen, der kann sich vor die Anderen setzen.

Und Signalling dürfte auch der Grund sein, warum man so gerne übereinander herfällt statt sich gegenseitig Fehler nachzusehen um die Sache voran zu bringen: Wenn man jemanden aus der Gemeinschaft einen Fehler aufzeigen kann, dann hat man das System natürlich besser verstanden als er und es bekommen auch viel schneller und einfacher mehr wichtige Leute mit, die das System kennen und danach Punkte vergeben. Wehrt sich der andere noch unberechtigt, dann kann man noch nachhaltiger deutlich machen, wie groß die Hingabe zum System ist und wie gut man es kennt.

Und weil dieser interwoke Kampf so erbittert geführt wird und es Punkte dafür gibt, Zweifler anzugreifen, ist es häufig besser sich nicht gegen sie zu stellen. Sie haben insofern häufig einen „Fanatikerbonus“, weil unnötiges Aufregen für sie interne Punkte gibt und sich damit für sie lohnt.
Gleichzeitig zeigt das auch die Grenzen auf: Wer sich nicht beeindruckt zeigt und es so umkehren kann, das er sich über die „Woken“ lustig macht und sie als Fanatiker darstellt, der kann eben in einem rationalen System, in der normaleren Welt, Leute auf seine Seite ziehen. Das kann allerdings ein Win-Win für Beide sein: Der eine zeigt, dass er auch bei Fanatikern cool bleibt und sich nicht von diesen Einschüchtern lässt und der andere zeigt, dass er auch hartnäckige Feinde bekämpft.

 

This may also explain the utility of outlandish beliefs. Anybody can believe something that is true. It takes no effort, no talent, and no real commitment. But to believe something that is transparently ridiculous, such as that men and women are biologically the same, and to assert such a belief with force and conviction requires singular devotion to a coalition and to its sacred narrative. Therefore, those competing for status in the world of Wokeness may strenuously profess a belief in risible propositions (e.g., all demographic groups are the same) to signal commitment to the cause. Furthermore, attempted correctives—such as offering heaps of contradictory data—may be counterproductive, simply serving to highlight the dedication of the besieged believer.

Das ist eben das, was ich hier auch schon zur Unlogik in der Religion dargestellt habe (unter Zitierung von Jared Diamond): Eine Religion, die durch Fakten belegbar ist, ist keine Religion und bietet sich nicht zum Signalling an. Ein wahrer Gläubiger kann sich gerade dann auszeichnen, wenn das System voller Unlogik ist.

Deswegen sind bei den wahren Gläubigen auch Bekehrungsversuche fast sinnlos. Aber bei den Umstehenden, den Sympathisanten, den Interessierten kann dafür sehr schnell ein „Der Kaiser ist nackt“-Effekt eintreten, der verhindert, dass sie überhaupt in dieses Denken hineinkommen.

Es dürfte auch der Grund sein, warum Leute wie Milo oder aber die schwarze Konservative Candace Owens schwierige Gegner für Woke Menschen sind, weil sie eben eigentlich bestimmte Merkmale haben, die sie eigentlich zu einer Opfergruppe machen, eben Schwul oder Schwarz. Auch hier passt aber der Ansatz, dass man dies dann eben ausblenden muss und sie nur nach anderen Kriterien bewerten muss, etwa Milo als weißen Mann, der damit ein Rassist ist oder Owens als eine, die sich eben nur an weiße Anbiedern will. Allerdings ist das sehr vermintes Gebiet, weswegen ein Gegner wie Jordan Peterson sicherlich angenehmer anzugreifen ist.

Of course, the signaling perspective also explains why so many disciples of Wokeness expend effort writing inscrutable articles about the patriarchy or denouncing sinners on Twitter rather than going out into the world to help the victims’ groups they claim to admire: their primary motivation, whatever their conscious beliefs, is to procure status. There are, of course, many courageous and devoted people who do work quietly to make the world better for minority groups; and those people deserve our admiration. But, many of the most conspicuous activists spend more time promising punishment to heretics on Twitter than they do helping their local communities. These Twitter displays are often called virtue signals, but they are probably better understood as commitment signals, because they don’t really signal a person’s underlying moral character, but they do signal his or her allegiance to the faith of Wokeness.

In der Tat machen viele Woke die Welt eben nicht besser, sondern hetzen Leute noch gegeneinander auf, verschärfen das Klima und provozieren Gegenreaktionen, weil sie Identitäten angreifen und zu „den Bösen“ machen und ihnen damit mehr Gewicht geben und eine Outgroup, die sie angreift.

The Preachers of the Great Awokening

Atop the hierarchy of this status system sit the preachers of the Great Awokening, the media mavens and academics who write, defend, and theorize Wokeness, who guard its doctrines from dissent, who praise the faithful, and who call for the righteous punishment of heretics and sinners. They have the power of salvation and of damnation. Their approval can make a career, and their opprobrium can ruin one. Some are men; some are women. Most are white. And most have distinguished themselves from their other, their antipode, the men and women of hoi polloi. But, perhaps more importantly, they have provided a narrative that justifies such a distinction in the first place.

In der Tat sind natürlich nach wie vor viele bekannte Feministinnen weiß, von Valenti in Amerika über Wizorek in Deutschland. Aber viele PoCs stutzen diese natürlich immer wieder zurecht in dem Kampf um Macht. Und viele männliche Feministinnen sind sich sehr bewußt, dass sie immer davon bedroht sind, dass sie jemand dafür kritisiert, doch wieder zu viel Raum einzunehmen oder ein übergriffiges Verhalten gezeigt zu haben.

Hinzu kommt, dass auch viele männliche Feministen noch ein weiteres Spiel suchen: Den Status in Sex umwandeln, da Status nun einmal attraktiv macht.  Und da das eigentlich gegen die Regeln ist, droht wiederum ein Statusabbau, wenn es als Belästigung angeprangert wird oder zu offensichtlich ist.

Status disparities cause resentment. And they often also cause guilt. Those on the bottom of the hierarchy become bitter, disdaining those on the top. And this resentment is a constant source of rancor and instability. Those on the top, of course, are generally happier; however, they often experience discord as well, especially perhaps if they are liberal: Why do I deserve this blessed life? Am I really better than those below me? Both problems—the bitterness of those on the bottom and the guilt of those on the top—can be ameliorated by a powerful legitimizing narrative, a narrative that explains why those on the top deserve their status while those on the bottom deserve their rather less charmed lives and, in fact, should be pleased simply to defer to their superiors. Those who provide such a narrative offer a valuable service; therefore, they are recompensed with approval and applause.

Es kann eben gut sein, seinen Platz gefunden zu haben. Und es kann auch angenehm sein, nicht zu weit oben zu stehen, um sich nicht dem Vorhalt auszusetzen, dass man zuviel für sich in Anspruch nimmt. Weswegen viele Weiße Feministinnen den Kampf für PoCs unter Inkaufnahme deren Vorrechtstellung in der Kategorie „Rasse“ vielleicht durchaus angenehm finden.

This is precisely what the preachers of the Great Awokening provide. According to their teachings, those on the top of the hierarchy, the educated, the cosmopolitan, the elite, are there not because they are smarter or more ambitious than hoi polloi (traits about which these elites claim to be skeptical), but rather because they are more righteous. The elite deserve status because they are Woke; they are altruistic, noble, and selfless defenders of the downtrodden. Hoi polloi, on the other hand, are morally backward: they are confused and unenlightened defenders of a racist, sexist, and bigoted America. They fail to understand intersectionality; they deny their own white privilege; they can’t or won’t see the bigotry that pervades society. They, then, are sinners. And why shouldn’t sinners be punished, especially if they are without contrition? And this is why Wokeness has become a quasi-religion; it has to divide the world into the righteous and the fallen, the deserving and undeserving.

Das ist in der Tat der Kern: Die Guten, die Erwachten, gegen die Sünder. Jeder kann auch ein Erwachter werden, wenn er sich nur an die Regeln des Kults hält, auch wenn es für einige Schwieriger als für andere ist (weil sie mehrfach priviligiert sind oder besonders schlimme Formen der Privilegierung haben).

The great news, the gospel, is that Wokeness is a meritocracy. At least, that is the message these preachers deliver. Yes, sinners are punished, and the unenlightened suffer derision and ridicule, but they can obtain status by achieving moral purity, by repenting their sins, castigating their former beliefs, and renouncing their own interests. And then they too, like today’s moral elite, will enjoy the voluptuous fruits of the good life. What could be more just?

Das alte Erbsündekonzept eben. Auch du kannst gut werden. Wenn du genug Abbitte leistest und ein frommes Leben führst. Trete unserem Kult bei und lerne den Weg. Trete nicht unserem Kult bei oder lehne ihn sogar ab und schmore für immer in der Hölle..

We have argued that this perspective offers insights into the behavior of those who inhabit the culture and spread the norms of Wokeness. Chiefly, it contends that (a) many Whites use the vocabulary of social justice to signal their erudition, cosmopolitanism, and commitment to the cause so as to distinguish themselves from hoi polloi. And that (b) the preachers of the Great Awokening serve the crucial function of legitimizing the resulting status disparity. Their teachings assuage the guilt of the elite and blunt the bitterness of hoi polloi. And, therefore, those preachers are recompensed with status.

The danger is that the status desires of these preachers will eclipse their moral concerns. (Some, of course, would claim that this has already happened.) And then the preachers will become moral peacocks, showcasing eloquent and fantastical sermons to a dwindling but increasingly fanatical base. And this will ultimately lead to a situation in which social justice activists pay more attention to the pronouns on a box of cereal than to the sufferings of the less fortunate.

In der Tat kann man gut vertreten, dass dieser Zustand schon eingetreten ist, bei dem die Grenze überschritten worden ist. Interessant wäre aber, ob die Bewegung trotz der Radikalisierung noch wächst oder nicht. Momentan scheinen sie das „Glück“ zu haben, dass die Flüchtlingskrise ein großes Signallingpotential bietet und das noch dadurch ausgeweitet wird, dass Gegenbewegungen vorhanden sind (die wiederum selbst eine Identitätspolitik betreiben, in der sie Signalling betreiben). Mal sehen, wie es weiter geht.

Selbermach Samstag 206 (22.09.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

Was sollte der Partner verdienen?

Neulich hatte jemand eine Umfrage bei Twitter eingestellt, die im wesentlichen darum ging, wie wichtig es einem ist, dass die Partnerin gleich viel verdient.

Das finde ich eine interessante Frage. Aus meiner Sicht ist ein genau gleicher Verdienst nicht so wichtig, wichtig finde ich insbesondere, dass sie einen für den gemeinsamen Lebensstil passenden Job hat und diesen auch ohne einen einigermaßen erhalten kann.

Ich keine Freundin, die mehr verdient hat als ich, aber auch keine, die in einem Beruf oder einer Ausbildung war, wo sie dann extrem wenig verdienen würde (gut, alle hatten etwas studiert und nichts brotloses, sondern Bereiche, in denen man auch Geld verdienen kann). Eine Friseurin oder ein sonstiger eher schlechtbezahlter Job wäre demnach aus meiner Sicht bei einer Partnerin eher unattraktiv.

Sicher bringen Kinder und das damit evtl verbundene Aussetzen zur Kinderbetreuung eh wieder ein gewisses Risiko mit rein, aber zumindest ist dann die Möglichkeit wieder vorhanden.

Eine Hausfrauenehe könnte ich mir nicht vorstellen, sie wäre mir entschieden zu Risikoreich.

 

Wie sieht es bei euch aus?

Warum viele junge Erwachsene noch bei ihren Eltern wohnen, Männer etwas länger als Frauen

Ein Spiegelartikel dazu, dass viele junge Erwachsene noch bei ihren Eltern wohnen, Männer etwas länger als Frauen:

Die Neigung zum Nesthockerdasein hängt dabei auch vom Geschlecht und vom Wohnort ab. So leben Töchter deutlich weniger lange bei den Eltern als Söhne. 2015 wohnten nur 56 Prozent der jungen Frauen zu Hause, aber 68 Prozent ihrer männlichen Altersgenossen zwischen 18 und 24 Jahren. Im Alter von 25 Jahren lebten noch 34 Prozent der männlichen Bevölkerung bei den Eltern. Selbst mit 30 Jahren gehörten noch 12 Prozent und mit 40 Jahren noch vier Prozent der Männer als lediges Kind dem Haushalt der Eltern an.

„Töchter haben oft weniger Freiheiten, das kann die Motivation erhöhen, das Weite zu suchen. Sie helfen häufiger im Haushalt und sind daher selbstständiger“, sagte der Hamburger Kinder- und Jugendpsychologe Michael Thiel jüngst in einem SPIEGEL-Interview. Schuld daran seien auch die Eltern, die, so Thiel, „ihr Kind nicht so erziehen, dass es ohne sie zurechtkommt“.

Lange bei den Eltern zu wohnen, ist auf dem Land verbreiteter als in der Stadt. In Gemeinden unter 10.000 Einwohnern lebten 78 Prozent aller jungen Erwachsenen bei den Eltern, in Großstädten ab 500.000 Einwohnern traf das nur auf 45 Prozent der 18- bis 24-Jährigen zu.

Auch Bento greift die Zahlen dort in einem Artikel aus und schildert die Lage des zu Hause wohnenden wie folgt:

Nicht einmal um den Zahnarzt muss Tom sich kümmern. Seine Mutter macht für die ganze Familie Termine, sein Papa Heinz fährt Tom und seine Brüder hin.“Wir machen das so als Familie, seit ich klein bin“, sagt Tom.
Er hatte noch keine feste Freundin, keine Affären, keine Dates. Während er das erzählt, stochert er in seinem Stück Apfelkuchen herum. „Die Frauen reagieren komisch, wenn ich ihnen erzähle, dass ich noch zu Hause wohne. Sie sind irgendwie abweisender und reden weniger.“Trotzdem glaubt er nicht, dass das der Grund dafür ist, dass er keine Freundin findet.

Seine Brüder haben ebenfalls keine Partnerin. Benedikt brachte mal eine Frau mit nach Hause. „Die Mädels wären bei uns immer willkommen. Nur wenn es jedes Wochenende eine andere Frau wäre, würde ich mal etwas sagen“, sagt Toms Mutter.

Für seine Eltern ist es selbstverständlich, sich um ihre Söhne zu kümmern. Auch, wenn die dafür eigentlich zu alt sind. Als Gisela und Heinz ihren ersten Sohn bekamen, verließen sie ihren Kegelverein, um mehr Zeit für die Familie zu haben. „Bei unseren Eltern war das früher nicht anders“, sagt Heinz.

Heinz will seine Söhne unterstützen, so gut es geht. „Und wenn das heißt, dass meine Frau und ich kochen und putzen, dann ist das so. Toms Arbeit ist etwa 45 Kilometer entfernt, da verstehe ich, dass er abends keine Lust mehr hat, den Haushalt zu machen.“

Braucht er auch nicht. Wenn Tom abends nach Hause kommt, ist nicht nur der Kühlschrank gefüllt, sondern auch sein Kleiderschrank – mit frisch gebügelter Wäsche.

Das Nesthocker-Dasein hat nur Vorteile für Tom, warum also etwas ändern?Zum Beispiel wegen Kleinigkeiten wie dem Sonntagmorgen. Wenn Tom seinen Rausch vom Partyabend einfach gerne ausschlafen würde, zerrt sein Vater ihn um halb zwölf Mittags an den Esstisch. Das wäre anders, würde Tom alleine wohnen. „Dann könnte ich einfach im Bett liegen bleiben und ausnüchtern.“

Manchmal, da fühlt Tom sich unselbstständig. „Ich habe noch nie eine Stromrechnung bezahlt und kann gerade mal ein paar Gerichte kochen“, sagt er.

Seine Eltern sorgen sich um ihn, als wäre er 15, nicht 28. Wenn er am Abend das Haus verlässt, sagen sie „Pass auf dich auf“ und „Trink nicht so viel“.

Während Tom dann mit seinen Kumpels einen Kurzen nach dem anderentrinkt, liegt seine Mutter oft wach im Bett. „Ich höre Autos vorbeifahren und denke: schon wieder vorbeigefahren. Ich hoffe dann einfach, dass es meinen Jungs gut geht“, sagt Gisela. Sie weiß, dass sie sich weniger Sorgen machen würde, wenn ihre Kinder nicht mehr zu Hause wohnen würden. Allein schon, weil sie nicht immer genau wüsste, was sie gerade machen.

Es gibt Gründe für den Auszug. Nur die, die dagegen sprechen, überzeugen Tom eben mehr.

Zum Beispiel das Geld. Leisten könnte sich der ausgelernte Elektriker eine kleine Mietwohnung. Er will nicht. „Ich sehe es nicht ein, mir eine Mietwohnung zu nehmen und für etwas zu zahlen, das nicht mir gehört“, sagt er. Lieber spare er, um damit später ein eigenes Haus zu bauen. Dafür wartet er aber noch auf die richtige Frau. „Nachher gefällt ihr nicht, was ich baue“, sagt Tom.
Toms Freunde sind keine Nesthocker. Bis auf einen Kumpel sind alle ausgezogen, heiraten und bauen Häuser. Wenn die Jungs nach dem Fußballtraining zusammensitzen, wird nur selten über Toms Situation gesprochen. „Ab und zu kommt ein leises ‚Du könntest wohl mal… ‚, das wars dann aber auch“, sagt Tom.Er schäme sich nicht, sagt er. Er genieße die Zeit mit seiner Familie.

In zwei Jahren soll das Leben im Hotel-Mama für Tom vorbei sein. Zumindest, wenn es nach seiner Mutter geht. „Ich habe immer gesagt, dass sie mit 30 langsam mal ausziehen könnten. Damit sie erfahren wie es ist, sich alleine zu kümmern“, sagt Gisela.

Langsam mal. Tom schweigt.

Ein Grund ist denke ich, dass Männer von sich aus mit weniger auskommen, wenn sonst alles bequem ist. Wenn sie ein Zimmer haben und ansonsten alles klappt, sie alles haben, und sie sonst nicht viel machen müssen, dann reicht das einigen vollkommen, solange sie sich auf Hobbys etc konzentrieren können oder Freizeit haben.

Frauen haben denke ich dann häufiger andere Ansprüche an ihr Umgebung, wollen auch früher mehr an ihrer Wohngegend gestalten etc.

Natürlich könnte es auch ein Faktor sein, dass sie eher mit einem Freund zusammenziehen, wenn sie eine Ausbildung gemacht haben und, auch weil sie ältere Freunde haben, das früher geschieht.

Eine andere Erklärung wäre schlicht, dass Frauen auch häufiger studieren und dazu eh häufiger umziehen müssen.

 

Wie würdet ihr den „Umzugsgap“ erklären?.

 

 

Brief zu den Plänen den Frauenanteil bei Wahlen durch Änderungen des Wahlrechts zu erhöhen

Stapelchips schrieb mir:

ich habe mir im Laufe der letzten Tage die Mühe gemacht und einen (langen) Brief verfasst bzgl. der Wahlrechtsreform, die auch eine Erhöhung des Frauenanteils beinhalten soll. Diesen Brief bzw. diese Mail will ich an meinen Wahlkreisabgeordneten schicken. Aber ich fände es gut, wenn a) noch einmal jemand gegenlesen würde (Formulierung, Gedankensprünge, Rechtschreibung, Zeichensetzung – die Zahlen überprüfen wäre nett, aber vielleicht etwas viel ;-)) und b) auch andere die Chance hätten diesen brief zu nutzen.

Er regte an, den Brief hier einzustellen, damit man ihn zusammen Korrektur lesen kann. Das mache ich natürlich gerne:

Sehr geehrte/r <Name>

Derzeit wird von einigen Politikern, aber hauptsächlich von Politikerinnen, über eine Wahlrechtsreform gesprochen, die in irgendeiner Form eine Frauenquote beinhalten soll. Grund dafür ist, dass der Frauenanteil im Bundestag vermeintlich sehr niedrig ist.

„Der aktuelle Frauenanteil im Bundestag von 30% ist für das Jahr 2018 beschämend! Da es offenbar nicht von alleine klappt, liegt es im Zweifel am Gesetzgeber etwas zu tun. #quote“

Katarina Barley [Quelle 1]

Es stellt sich mir die Frage, was denn nicht klappt? Wenn es um die Anzahl der Frauen im Bundestag geht, dann wissen wir, dass das sehr wohl klappt, denn in der Wahl davor hatten wir eine Prozentzahl von ~37% [Q2]. Aber – Hand aufs Herz – der Frauenanteil ist doch ziemlich irrelevant. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Frau Barley lieber Heiko Maas, Toni Hofreiter und Cem Özdemir im Bundestag sitzen hat, als Alice Weidel, Frauke Petry und Erika Steinbach.

Warum? Weil sich die politischen Ziele und Vorstellungen der genannten Herren mehr mit Frau Barleys eigenen besser vereinbaren lassen, als die der genannten Frauen.

Es ist halt einfach wesentlich relevanter, was ein Mensch denkt, sagt und tut als was dieser Mensch für ein Geschlecht hat.

Kurz gesagt: Es gibt Menschen in diesem Land, die der Ansicht sind, dass nach demokratischen, freien, gleichen und geheimen Wahlen das Ergebnis nicht angemessen ist und es deshalb eine Reform benötigt um das Ergebnis so anzupassen wie man es gerne hätte. Das ist abzulehnen und als das zu brandmarken, was es ist: Demokratiefeindlich. Das Souverän dieses Staates ist das Volk und keine Regierung dieses Staates hat die Autorität, geschweige denn das Recht, derartig die Willensäußerung des Volkes zu manipulieren.

Natürlich steht es jedem Menschen frei die Parteien (Zweitstimme) und die Personen (Erststimme) zu wählen, die sie – und warum sie – wollen. Dies schließt natürlich auch die Wahl auf Basis des Geschlechtes ein. Das ist der Sinn von freien, gleichen und geheimen Wahlen.

Wie wählte der gesamte Souverän dieses Staates?

Die CDU hat 200 Sitze im neuen Bundestag, die SPD 153, die AfD 94, die FDP 80, die Linke 69, die Grünen 67 und die CSU 46 [Q3 S.332]. Das sind zusammen 709 Sitze. Davon entfallen 420 auf Parteien, die sich nach Wahlprogramm kaum für „Frauenpolitik“ einsetzen oder diese sogar (in Teilen) ablehnen. Also CDU/CSU, AfD und FDP. Das sind rund 59,2% der Sitze. Jetzt ist natürlich nicht garantiert, dass alle diese Wähler die Parteien gewählt haben, wegen des Geschlechterthemas. Man muss aber wohl postulieren, dass das Geschlechterthema den Wählern dieser Parteien (mindestens) weniger wichtig war, als die anderen Themen der Parteien bis hin zu der Möglichkeit, dass die Wähler diese Parteien gewählt haben, WEIL sie die derzeitige Geschlechterpolitik schlecht finden.

Andersherum kann es natürlich sein, dass die verbliebenen Parteien gewählt wurden, eben weil sie so viel Geschlechterpolitik machen bis hin zu der Variante, dass die Wähler das Geschlechterthema nicht so wichtig fanden wie die anderen Themen dieser Parteien.

Die Tendenz ist aber eindeutig als ein Contra zur Geschlechterpolitik zu verstehen.

Wie wählte der weibliche Teil des Souveräns dieses Staates?

Nun wird gelegentlich argumentiert, dass ja nun die Repräsentation wichtig wäre. Das ist richtig. Das Volk wählt seine Repräsentanten in Person und Partei selbst.

Da es hier darum geht, die Repräsentation von Frauen (durch Frauen) in unserem Bundestag zu erhöhen, schauen wir doch einfach mal auf das Wahlverhalten der Frauen dieses Landes:

Es haben ~2mio mehr Frauen als Männer ihre Stimme abgegeben [Q4 S.9]. D.h. die Stimme von Frauen als Gruppe hatte mehr Gewicht, als die von Männern als Gruppe, auch wenn dies für diese Betrachtung von untergeordneter Rolle ist.

Mit der Zweitstimme wählten Frauen folgende Parteien [Q4 S.20]:

CDU: 29,8%, SPD: 20,5%, Grüne: 10,2%, FDP: 9,7%, AfD: 9,2%, Linke: 8,8 %, CSU: 6,6%, Sonstige 5,1%

Daraus folgt, dass 55,3% der Zweitstimmen von Frauen an Parteien gingen, die der Geschlechterpolitik nicht zwangsläufig positiv gegenüberstehen und nur 39,5% an Parteien, die diese Politik betreiben.

Der Erststimme muss in dieser Betrachtung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da mit dieser eine Person direkt gewählt wird und nicht eine Partei mit ihrer Liste. Frauen wählten folgende Parteiangehörige [Q4 S. 71]

CDU: 32,5%, SPD: 24,5%, Grüne: 9,4%, AfD: 8,4%, Linke 8,2%, CSU: 7,3%, FDP: 6,8%, Sonstige: 2,9%

Auch hier fielen die Mehrheit der Stimmen (55%) auf Mitglieder von Parteien, die wenig mit der Frauenpolitik anfangen. Wohingegen 42,1% auf Mitglieder von Parteien entfielen, die Geschlechterpolitik betreiben.

Jetzt könnte man natürlich sagen: ‚Schauts euch an. Die FDP hat bei Frauen 2,9 Prozentpunkte weniger Stimmen für Direktmandate bekommen, als Parteisitze und die AfD 0,8 weniger. Das liegt daran, dass sie keine Frauen dahaben!‘ Dem möchte ich entgegenhalten, dass auch die Grünen 0,8 Prozentpunkte weniger haben (und den größten Frauenanteil) und sowohl die CDU als auch die CSU sogar mehr Erststimmen bekommen haben (2,7 bzw. 0,7 Prozentpunkte mehr) obwohl sie nur rund 20% Frauenanteil haben.

Gerade der CDU/CSU muss in dieser Debatte (die ja nun schon seit Bekanntgabe der Ergebnisse immer mal wiederaufkommt) besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Denn die Unionsparteien kommen gemeinsam auf 246 Sitze, von denen lediglich 15 durch Listenplätze besetzt sind [Q5] (davon 5 durch Frauen). Somit ist eine Manipulation der Verteilung der Geschlechter durch Listen kaum möglich und die Unionsparteien müssen primär mit den Menschen im Bundestag arbeiten, die die 9.472.300 Wählerinnen und 7.814.000 Wähler mit ihren Erststimmen in den Bundestag gewählt haben. Wobei es natürlich weniger sind, da nicht alle Kandidaten die die CDU/CSU aufgestellt haben auch in den Bundestag gekommen sind, aber ich wollte nur mal die absoluten Zahlen gegenüberstellen.

Das „Problem“

Insgesamt sind bei der CDU/CSU 49 Frauen und 197 Männer im Bundestag. D.h. der Frauenanteil an Bundestagsabgeordneten der Union liegt bei 19,92%. Das liegt unter dem Schnitt von CDU/CSU (26,1 % Frauenanteil CDU, 20,3% CSU) [Q8].

Dieser „geringe“ Frauenanteil unter den Abgeordneten, hat dazu geführt, dass diese Situation als „Problem“ bezeichnet wurde. Es wurde gesagt, dass hier etwas „schiefgelaufen“ sei und der Bundestag ein „exklusiver Club [Anm. für Männer]“ [Q6]. Und das bei einem WDR-Spross. Denn “reporter“ (ehemals WDR360 ist ein Ableger des WDR und wird für funk produziert. Denn hierbei handelt es sich um ein demokratisches Wahlergebnis. Das die Wähler und hier explizit die Wählerinnen in ihrer Gesamtheit so wollten. Wie kann man das als „schiefgelaufen“ oder „Problem“ bezeichnen?

Die CDU/CSU hat „das Problem“, dass zu viele Frauen und Männer gesagt haben: „Ich möchte genau diese Person im Bundestag haben.“

Auch Dr. Merkel äußerte sich über diese Situation abwertend [Q7]. „Die Vorsitzende der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, forderte, dass bei der Wahlrechtsänderung eine stärkere Berücksichtigung von Frauen festgeschrieben werden müsse. Dies hatte auch CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer gefordert.

Die gemeinsame Kritik gleicht einer Kampfansage der führenden CDU-Frauen an die männlichen Mitglieder. Alle drei Frauen kritisierten, dass der Anteil der Frauen in der Unions-Bundestagsfraktion trotz der Bemühungen um Gleichberechtigung gesunken sei. Dafür gebe es im 21. Jahrhundert keine Entschuldigung mehr, sagte Merkel. Der Rückgang des Frauenanteils in der CDU-Bundestagsfraktion in der laufenden Legislaturperiode von einem Viertel auf ein Fünftel sei keine „Erfolgsgeschichte“.“

Das was hier betrieben wird ist nicht das „was Frauen wollen“. Es ist das was Feministinnen wollen. Diese sprechen jedoch ganz offensichtlich nicht (mehr) für Frauen. Wir reden hier davon, dass demokratische Wahlen manipuliert werden sollen. Dies ist ein Angriff von Ideologen auf die Demokratie.

Der Frauenanteil in den Parteien?

Überhaupt hat keine Partei einen Frauenanteil von auch nur annähernd 50%. Eine gleiche Repräsentanz zu fordern wie in der Bevölkerung ist utopisch UND verfassungswidrig, denn man müsste zwangsläufig Frauen privilegieren (im Neusprech: fördern) um die wenigen Frauen vorbeiziehen zu lassen, damit man ein 50% Ergebnis bekommt. Die Grünen haben den höchsten Frauenanteil mit 39%, dicht gefolgt von der Linken mit 36,9% – trotz intensiver „Frauenförderung“. Beide haben unter 10% der Sitze bekommen und sind damit die schwächsten Parteien im Bundestag.

Vergleichen wir mal:

Die Grünen haben 39% Frauenanteil in der Partei und 58,2% weibliche Bundestagsabgeordnete [Q9]. Bei den Linken sind es 36,8% innerhalb der Partei und 53,6% im Bundestag. Bei der SPD ist es 33,2% zu 41,8%, bei der Union 26,1% bzw. 20,3% zu 19,9% (s.o.), bei der FDP 22,6% zu 22,5% und schlussendlich bei der AfD 16% zu 10,6%.

D.h.: In drei der sieben Bundestagsparteien, sind Frauen ÜBERrepräsentiert im Vergleich zu ihrer Partei (Grüne, Linke, SPD). Bei einer Partei stimmt das Verhältnis nahezu überein (FDP). Und bei drei Parteien sind Frauen im Vergleich zum Anteil in der Partei unterrepräsentiert CDU/CSU und AfD. Wobei hier anzumerken ist, dass das Ergebnis der Union (19,9%) in etwa vergleichbar ist mit dem Frauenanteil der CSU (20,3%; obwohl selbige als einzige Frau Dorothee Bär als Abgeordnete nach Berlin schickt) und ich natürlich noch einmal darauf hinweisen muss, dass dieses Ergebnis der Union in großen Teilen durch das Wahlverhalten von Frauen herbeigeführt wurde.

Muss man also etwas am Wahlsystem ändern und in freie, gleiche und geheime Wahlen eingreifen um den Anteil von Menschen mit einem irrelevanten Geburtsmerkmal zu erhöhen, oder müssten sich Frauen vielleicht einfach mehr in Parteien engagieren. Sind wir mal ehrlich zueinander:

Wir reden hier davon, dass Mitglieder einer willkürlich gewählten Gruppe (Frauen), sich darüber echauffieren, dass die prozentuale Anzahl der Frauen im Bundestag nicht so hoch ist wie die prozentuale Anzahl der Frauen in der Bevölkerung. Sie fordern daher ein gleiches Ergebnis der Gruppe im Vergleich zur Gruppe Männer – bei weniger Eigenleistung der Gruppe. Was für eine vermessene Anspruchshaltung ist das bitte?

Der Mythos Gleichstellung

Es wird häufig formuliert, dass Gleichstellung Staatsauftrag sei und dass dies in Art 3 unseres Grundgesetzes zu finden sei. Das ist vollkommener Nonsens. Man findet den Staatsauftrag zur Gleichberechtigung in Artikel 3. Tatsächlich werden Sie das Wort „Gleichstellung“ in unserem Grundgesetz nirgendwo finden.

Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Artikel 3 unseres Grundgesetzes [Q10]

Der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung ist, dass die Gleichberechtigung für jedes Individuum gleiche Chancen und Möglichkeiten eröffnet (bei offenem Ergebnis willkürlich gewählter Vergleichsgruppen) und die Gleichstellung gleiche Ergebnisse willkürlich gewählter Vergleichsgruppen erzielt bei unterschiedlichen Chancen und Möglichkeiten.

Ein Beispiel

Das Bundesgleichstellungsgesetz [Q11] sagt in §8 Absatz 1:

„Sind Frauen in einem bestimmten Bereich […] unterrepräsentiert, hat die Dienststelle sie bei der Vergabe […] bevorzugt zu berücksichtigen. […]. Voraussetzung für die Bevorzugung ist, dass Bewerberinnen die gleiche Qualifikation aufweisen wie ihre männlichen Mitbewerber.“

Heißt: In einer Situation, in der ein Mann und eine Frau die beiden besten Bewerber sind und Frauen als Gruppe unterrepräsentiert sind, hat der Mann 0% Chance auf den Job, während die Frau diesen Job zu 100% bekommt, weil sie eine Frau ist. Das wiederspricht Art.3 (1), weil diese beiden Menschen vor dem Gesetz nicht gleichbehandelt werden. Es wiederspricht Art.3 (2), Weil sie hier nicht gleich berechtigt behandelt werden und weil ein Nachteil (für den Mann) hinzugefügt wurde – nicht wie gefordert abgebaut. Zudem wiederspricht dies noch Art.3 (3) Satz 1, da Frauen hier ja wortwörtlich bevorzugt werden.

Man spricht bei der Gleichberechtigung auch von einem Individualrecht bzw. einem Grundrecht UND Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht. Wohingegen Gleichstellung eben auf Gruppenergebnisse abzielt und damit konträr zu dem Menschenrecht auf Gleichberechtigung steht.

Was soll das bringen?

Also, nachdem wir festgestellt haben, dass die Mehrheit des Souveräns dieses Staates und die Mehrheit der Frauen als Teilmenge des Souveräns eine solche Politik ablehnt, nachdem wir festgestellt haben, dass diese Ergebnispolitik verfassungswidrig ist, müssen wir uns die Frage stellen, warum trotzdem diese Politik betrieben werden soll.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Sollten die Frauen, die hier zum Verfassungsbruch und zur Wahlmanipulation aufrufen befürchten, dass Frauen, wenn sie „unterrepräsentiert“ sind, weniger Gehör finden, dann kann ich Ihnen versichern, dass mir noch keine Feministin jemals sagen konnte, wo Frauen in Deutschland rechtlich benachteiligt sind. Wohingegen es mehrere Gesetze gibt, die Männer benachteiligen [Q12].

Demnach sind Frauen rechtlich höhergestellt, oder wie Feministen zu sagen pflegen: „privilegiert“. Und das obwohl es noch nie in der Geschichte der BRD einen Bundestag gab, der einen prozentual gleichen oder höheren Anteil Frauen im Bundestag hatte als der prozentuale Anteil der Frauen in der Bevölkerung.

Auch können wir nicht davon ausgehen, dass wir qualitativ im Bundestag besser werden, weil wir, beim aktuellen Stand der Dinge, Menschen den Vortritt lassen müssten, die sich bisher weniger engagiert haben, weniger qualifiziert sind und/oder vielleicht einfach gar nicht unbedingt wollen.

Fazit:

Es gibt meines Erachtens keine Rechtfertigung dafür in die Wahlen einzugreifen. Weder juristisch noch sachlich noch moralisch gibt es für einen solchen Vorschlag auch nur den Hauch einer Entschuldigung. Es widerspricht dem Prinzip der Gleichberechtigung und damit den Prinzipien einer freien Demokratie.

Jeder soll nach eigenem Gutdünken glücklich werden. Und wenn das bedeutet, dass unterschiedliche Ergebnisse bei willkürlichen Vergleichsgruppen entstehen, dann ist das zu akzeptieren. Aber willkürlich an irgendwelchen Ergebnissen herum zu manipulieren und damit die freie Entfaltung der Individuen einzuschränken, ist für mich als einen libertären Menschen absolut nicht akzeptabel. Daher bitte ich sie, alles in ihrer Macht Stehende zu tun um eine solche Unterwanderung freiheitlich demokratischer Prinzipien entgegenzuwirken.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Quellen:

1: https://twitter.com/katarinabarley/status/1041945845091000322 (Archiv: http://archive.is/TeBwr )

2: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-03/gleichberechtigung-frauenquote-parlamente-katarina-barley-annegret-kramp-karrenbauer (Archiv: http://archive.is/i99L6 )

3: https://www.bundeswahlleiter.de/dam/jcr/3f3d42ab-faef-4553-bdf8-ac089b7de86a/btw17_heft3.pdf

4: https://www.bundeswahlleiter.de/dam/jcr/e0d2b01f-32ff-40f0-ba9f-50b5f761bb22/btw17_heft4.pdf

5: https://www.bundestag.de/abgeordnete/

6: https://www.youtube.com/watch?time_continue=76&v=2LRvEnkh_zI

7: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-kritisiert-mangelnden-frauenanteil-in-der-cdu-a-1206394.html (Archiv: http://archive.is/avBcG)

8: http://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/140358/soziale-zusammensetzung

9: https://www.welt.de/politik/deutschland/article169078778/Diese-Fraktionen-haben-den-geringsten-Frauenanteil.html (Archiv: http://archive.is/ndByt )

10: https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01/245122

11: https://www.gesetze-im-internet.de/bgleig_2015/BJNR064300015.html

12: https://auschfrei.wordpress.com/2015/09/09/unterschiedliche-rechte/

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