Was Filme mit „SJW-Einfluss“ von der Story her schlechter machen könnte

Ich möchte einfach mal eine These vorstellen, mal sehen, was ihr davon haltet:

SJWs oder Leute mit ihrem Gedankengut nehmen alles als Machtkampf zwischen Gruppen dar, wobei die Personen in beiden Gruppen im wesentlichen durch soziale Machteinflüsse geprägt sind.

Dabei ist das Ziel nicht, dass sich eine Person wirklich verbessert, es sollen vielmehr die schädlichen Einflüsse der Gesellschaft wegfallen.

Zudem wird stark darauf abgestellt, dass man Personen als marginalisierten Gruppen als starke Vorbilder etabliert, gerade wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Und jeder Vorhalt, dass die Person an sich selbst arbeiten muss wäre in gewisser Weise eine Abschwächung der Botschaft, evtl sogar ein Victimblaming.

Das lädt dazu ein, dass man als Heldin eine Mary Sue, also eine Person, die schon überall gut ist oder der alles gleich gelingt einsetzt, deren Potential sich erst entfalten muss, wenn sie die Gelegenheit bekommt.

Und es fördert Figuren, bei denen man keine besondere Charakterentwicklung braucht, denn der Charakter in dem Sinne ist ja „Starke Frau“.

Das würde für mich sowohl Rey als auch Figuren wie Amilyn Holdo, die Admiralin mit den lila Haaren, in Star Wars erklären:

Rey ist für viele eine klassische Mary Sue, die kein langes Training wie Luke braucht und auch sofort Raumschiffe fliegen kann.

Holdo wird nicht wirklich eingeführt, sie hat keine wirkliche Entwicklung, der Clou ist, dass man ihr als Frau hätte vertrauen sollen, weil sie einen geheimen Plan hat. Ein gutes Drehbuch hätte aus ihr einiges machen können, hätte darstellen können, dass sie ein guter Admiral ist, indem erst einmal etwas gezeigt wird, was ihr gelingt, dann daran arbeiten können, warum sie das niemanden verrät, hätte sie mehr interagieren und menschlicher erscheinen lassen können, aber sie sollte zugleich eine starke Frau sein und die Botschaft transportieren, dass man Frauen nicht unterschätzen kann.

Ein anderes Beispiel könnte auch Ghostbusters sein. Da haben sie eine kurze Übungsszene in einer Gasse und in dem Tunnel und danach kämpfen sie so:

Ich meine es gab keine Szene wo festgestellt worden wäre, dass sie schon immer ein Waffen- und Nahkampfexperte war. Sie entwickelt die Fähigkeiten aus dem Nichts, einfach weil sie eine starke Frau ist, die Geister bekämpft.

Die Fähigkeiten kommen aus dem Nichts, weil sie ein Bild transportieren sollen.

Zum Vergleich die männlichen Ghostbuster:

Ängstlich, unsicher, in eine Lage geworfen, in der sie sich überfordert fühlen, die Personen agieren in Übereinstimmung mit ihrem über den Film entwickelten Charakter und bleiben wesentlich menschlicher, weil sie eben Figuren eines Films sind und nicht dazu da ein Botschaft an andere zu senden.

Wer aber die Botschaft über die Figur stellt, der macht häufig schlechtere Filme.

70 Gedanken zu “Was Filme mit „SJW-Einfluss“ von der Story her schlechter machen könnte

  1. Von SJWs gemachte Filme sind eben Propaganda und keine Kunst. Deshalb sind sie auch meistens so schlecht, denn selbst die beste Propaganda, kann kaum einen mittelmäßigen Film in Sachen künsterlerischen Wert schlagen. Sie ist zu sehr von der politischen Botschaft beschränkt.

  2. Sarah Connor in den beiden Terminator Filmen ist ja ein guter Vergleich.
    Die wächst an ihrer Aufgabe. Die zahlt selber einen Preis dafür und lässt den Preis sogar zahlen (John hatte ja keine schöne Kindheit, ist in meinen Augen durchaus Kritik an Alleinerziehenden).
    Und selbst der Terminator selber macht mehr Entwicklung durch als die notorische Mundatmerin in Star Wars.

    Nie vergessen, SJW haben mehr Angst vor Minorities als alle anderen!

    • Die zahlt selber einen Preis dafür und lässt den Preis sogar zahlen (John hatte ja keine schöne Kindheit, ist in meinen Augen durchaus Kritik an Alleinerziehenden).

      Mag sein, dass darin ein Stück Kritik liegt. In erster Linie zahlt er aber den Preis.
      Wie hätte es wohl ausgesehen, wenn Sarah Connor eine Tochter gehabt hätte?

  3. Das Beschränkende bei SJW-Filmen, sind die SJW, die man unmöglich mit etwas zufriedenstellen kann. Man kann zweifelsohne Filme über starke Minderheiten oder starke Frauen machen, aber das beinhaltet, soll es sich der Realität wenigstens annähern, auch Schwächen der Person, Entwicklungsschritte (wie Christian ja schon richtig bemerkt hat), Hilfe von außen usw. die ganze Palette menschlicher Verhaltensweisen. Da bei SJW aber jeder Aspekt optimiert sein soll, nichts hetero-normativ, nichts klischeehaft, nichts schwach, nichts unausgeglichen sein darf, kann dabei nur ein lächerlich comic-haft verzerrtes Bild herauskommen, bei dem man sich fremdschämt, wenn man es anschaut.

    Wie ein Künstler auf die Idee kommen kann, diese Spinner ernst zu nehmen, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Die Arbeit kann doch keinerlei Freude bereiten mit diesen notorischen Spaßbremsen.

    • “ die SJW, die man unmöglich mit etwas zufriedenstellen kann.“
      gut gesagt, und es ist auch logisch. Wenn es nämlich nichts mehr gibt, auf das die SJW quasi „sauer“ sind geben sie ja ihre Existenzberechtigung auf. Dann wären sie wie jeder andere eben auch, oder (in deren Augen schlimmer) die Mehrheit. Es muss immer jemand, etwas geben was bekämpft werden muss, immer wieder etwas neues (er)finden, etc.

  4. Ich glaube, das Problem ist nicht nur, dass der SJW-Einfluss die Filme schlechter werden lässt, sondern das Problem ist vielmehr, er wird die ganze Industrie ruinieren.

    Es geht nicht mehr um die objektive Qualität des Films, sondern die „progressive Botschaft“, die Existenz von „diversity“ in der Besetzung und die von „starken Frauen“.
    Das sind aber politische Kriterien (im weitesten Sinne) und keine filmischen.
    Gepaart mit dem radikalen Subjektivismus von SJW sind m.E. viele Filmkritiker heute gar nicht mehr in der Lage zu erklären, warum oder ob es sich um einen objektiv guten oder schlechten Film handelt.
    Die Verteidigungslinie der SJW-Filmkritik (s. letzter Star Wars) läuft entlang der ihnen wichtigen Personen – dabei ging es nicht um deren schauspielerische Leistungen oder die Plausibilität der Charaktere, sondern diese waren bloß Repräsentanten der „Botschaft“.
    Jede Kritik aus dem Publikum wird demzufolge re-interpretiert, aus bekannten Gründen (weiß, männlich, heterosexuell) Kritik am Film zu üben, Sachkritik fällt vor diese Selbst-Immunisierung gegenüber Kritik flach.
    Das konnte man an Hand der Bewertungen auf den Bewertungsportalen nachvollziehen, auf denen die Bewertungen der Filmkritik nichts mehr mit denen des Publikums zu tun hatten.
    Als die Kritikerinnen dies zur Kenntnis nehmen mussten, setze jedoch keine Hinterfragung der eigenen Haltung ein, sondern es erfolgte eine ausgiebige Publikumsbeschimpfung.

    Erst wenn diese Filme permanent an der Kasse floppen, kann auf Dauer eine Einsicht stattfinden und die Star Wars-Fans haben nicht umsonst einen Boykott von „Han Solo“ initiiert.

    Um in D gar nicht erst in diese Verlegenheit des kommerziellen Scheiterns zu kommen, läuft der derzeitige Angriff (Pro Quote Film) auf Macht und Verteilung von Ressourcen natürlich bei ARD/ZDF und der staatlichen Filmförderung. Ebenso, wie es Schweden bereits vorexerziert hat. Da 70% der deutschen Filme keine 10.000 Zuschauer erreichen, dafür aber mit über einer halben Million Euro pro Film subventioniert werden, ist der Kampf um das größte Stück der Torte, bzw. „die Hälfte des Himmels“ eröffnet.
    Da schön seit längerem der Kampf um die „Repräsentanz“ bei Filmpreisen läuft, werden wir ein selbst geschaffenes Universum bewundern können, in dem es Quotenpreise für Quotenfilme geben wird, die von der SJW-Kritik in den Himmel gelobt werden.
    Die aber kein Publikum haben werden, selbst wenn die Zweitverwertung im ÖR erfolgt.
    Was aber egal ist, da der Zufluss der Gelder gar nicht vom Interesse des Publikums gesteuert wird.

    Wusstet ihr übrigens, dass 75% aller in D von Frauen gedrehten Filme in genau einem Genre stattfinden, nämlich „Drama“? Und 50% aller erfolgreichen Filme in D Komödien sind?

  5. Disney macht halt klassisch Prinzessinen-Filme. Und Rey aus Star Wars ist ganz offensichtlich Aschenputtel — nur ohne Love-Story. In Märchen um Prinzessinen, von Aschenputtel über Schneewittchen bis Rapunzel gibt es schlicht auch keine Entwicklung für die Prinzessin, und auch keine Herausforderung.
    Vermutlich ist das einfach das prototypische weibliche Narrativ: Sei jung und hübsch und lass nicht jeden ran, dann kommt der Prinz von ganz alleine. Von daher sehe ich die neuen SW-Filme einfach als Zielgruppen-Shift, weg von Männern, hin zu Frauen. Disney hat aus SW eben einen klassischen Disney-Film gemacht. Damit da aber ein rundes Ding draus wird, braucht es noch eine Love-Story mit Prinzen: Wenn Disney es gar durchzieht, gibt es als Grande Finale in Episode 9 eine romantische Hochzeit auf einem Schloss.

    • Zustimmung, obwohl du weggelassen hast, dass Aschenputtel fleissig, gewisseenhaft, pflichtbewusst, opferbereit und liebevoll ist.

      Das war früher mal wichtig für eine weibliche Heldin.

      Was die Heldin z.B. in „Die 7 Schwäne“ durchmacht, ist der Hammer. Damit kannste heutigen Prinzessinen nicht mehr kommen…

      • Aber Lucasfilm ist zwar im Besitz von Disney, aber künstlerisch läuft das eigenständig. Das Problem ist, dass Lucasfilm von feministischen SJW geführt wird.

  6. Ein Held im klassischen Sinne ist ein Human Doing. Frauen sind Human Beings.

    Peterson erzählt, ihre Studien haben gezeigt, dass es eine Korrelation zwischen „SJW“ und „Frau“ gibt, die NICHT verschwindet, wenn man gegen weibliche Big Five Eigenschaften kontrolliert.(youtube.com/watch?v=jA96Kf30TQU)

    Colttaine argumentiert überzeugend, dass – während die männliche PowerFantasy ist, die Welt zu retten, indem mann das Richtige TUT (und dafür i.d.R erst rausfinden muss, was das Richtige ist) – die Power Fantasy in Frauenfilmen ist, dass Sie die Gute ist, EGAL was sie tut. (youtube.com/watch?v=x5KlGljHT8g)

    Viele Frauen heute sind bereits empört, wenn jemand sagt „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ sei eine Regel, die auch für Frauen gelte, denn das lege Frauen n o c h eine unbewältigbare Verantwortung auf.

    Paglia sagt: Wenn Zivilisation den Frauen überlassen worden wäre, würden wir noch in Strohhütten leben.

    Anthropologie oder Soziologie könnten eine Fachrichtung gebrauchen, die aus evolutionärer Perspektive erforscht, warum das alles so ist und welche Folgen diese Unterschiede für eine auf das Gleichheitsprinzip gebaute Gesellschaft haben muss. „Genderstudies“ wäre ein guter Name für so eine Fachrichtung.

    • „Peterson erzählt, ihre Studien haben gezeigt, dass es eine Korrelation zwischen „SJW“ und „Frau“ gibt, die NICHT verschwindet, wenn man gegen weibliche Big Five Eigenschaften kontrolliert.“

      Hmmm, das erzähle ich schon seit Jahren 😁

    • @ only_me

      „Peterson erzählt, ihre Studien haben gezeigt, (…)“

      Wo finde ich denn diese „Studien“ von Peterson und seinem Team zur Persönlichkeitspsychologie von extremen politisch korrekten postmodernen Linken?

      Und wie wurde versucht Repräsentativität herzustellen?

      Da ich selbst zufällig Teil einer bestimmten Strömung der Linken bin, kann ich dir versichern: Es ist z.B. gar nicht so einfach uns libertäre Sozialisten in psychologischer Hinsicht zu erforschen, denn der durchschnittliche libertäre Sozialist würde jede Teilnahme an einer solchen Untersuchung verweigern, wenn er den Verdacht hätte, dass es um den Versuch einer Diskreditierung seiner Bewegung ginge.

      Übrig blieben dann Personen, die in der Regel nicht repräsentaiv sind, was zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen würde.

      Bei Anhängern anderer linker Strömungen ist das ähnlich.

      Nun sind extreme politisch korrekte postmoderne Linke hinsichtlich ihres Denkens und Urteilens zwar deutlich beschränkter als Anhänger vieler anderer linker Strömungen, aber dass das primitive Schwarz-Weiß-Denken von extremen politisch korrekten postmodernen Linken damit korreliert, dass sie im Schnitt so naiv sind, sich von Persönlichkeitspsychologen untersuchen zu lassen, wenn sie ahnen, worum es geht, das bezweifle ich.

      Also: Wie hat Peterson bei seinen „Studien“ versucht Repräsentativität herzustellen?

        • @ only_Me

          „du bezeichnest dich selbst als „SJW“?“

          Nein, ich bezeichne mich als traditioneller libertärer Sozialist.
          (Und das ist etwas sehr anderes als extreme politisch korrekte postmoderne Linke.)

          „Und es ist Zufall, dass du zum Linken geworden bist?“

          Die Erforschung des Zusammenhangs von Persönlichkeit und politischen Einstellungen ist schon länger ein Teilgebiet der Persönlichkeitspsychologie, ich besitze auch ein Buch zu diesem Thema.

          Ich möchte eben nur gerne wissen, wie unser „moderner Sokrates“ und „Zivilisationsretter“ denn nun versucht hat Repräsentativität bei seinen oben genannten „Studien“ herzustellen. Von diesem nicht unwichtigen Faktor hängt nämlich u.a. ab, ob seine Ergebnisse etwas taugen oder nicht. (Ich setze „Studien“ hier vorerst mal lieber in Anführungszeichen, solange ich sie noch nicht gelesen habe, da ich Jordan Petersons eigenwilliges Verständnis von Wahrheit ja kenne.)

          Also, an alle Jordan Peterson-Fans, die hier mitlesen:

          Wo finde ich die „Studien“ von Peterson zur Persönlichkeitspsychologie von extremen politisch korrekten postmodernen Linken, über die er spricht?

          Und wie hat Peterson in diesen „Studien“ versucht Repräsentativität herzustellen?

          • Peterson hat hier doch überhaupt keine Fans abseits von Chriss. Und auch da vermulich nur, weil er Kommentare generiert.

            MGTOW are Weasels war doch schon ein ausreichendes Todesurteil.
            Es scheint nur verschiedene Gründe zu geben, warum er hier keine Fans hat.

      • „Es ist z.B. gar nicht so einfach uns libertäre Sozialisten in psychologischer Hinsicht zu erforschen, denn der durchschnittliche libertäre Sozialist würde jede Teilnahme an einer solchen Untersuchung verweigern, wenn er den Verdacht hätte, dass es um den Versuch einer Diskreditierung seiner Bewegung ginge.“

        Wie soll er das wissen? dazu müsste er ja davon ausgehen, dass aus seiner Persönlichkeit etwas negatives über die Bewegung hergeleitet werden kann.

      • Es ist z.B. gar nicht so einfach uns libertäre Sozialisten in psychologischer Hinsicht zu erforschen, denn der durchschnittliche libertäre Sozialist würde jede Teilnahme an einer solchen Untersuchung verweigern, wenn er den Verdacht hätte, dass es um den Versuch einer Diskreditierung seiner Bewegung ginge.

        Übrig blieben dann Personen, die in der Regel nicht repräsentaiv sind, was zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen würde.

        Bei Anhängern anderer linker Strömungen ist das ähnlich.

        Ja, das ist gar nicht so einfach. Wenn es sich genau überlegt, kann man eigentlich nur zu folgendem Schluss kommen: Eine psychologische Untersuchung von Menschen ist immer mit einem in der Regel gar nicht so kleinen Fehler behaftet, der sich einfach daraus ergibt dass das Untersuchungssubjekt eben ein Subjekt ist und kein Objekt. Eigentlich kann man Menschen gar nicht objektiv psychologisch untersuchen, und jede wissenschaftlich-psychologische Studie ist verfälscht. D.h. wir müssen uns über den Wissenschaftsbegriff Gedanken machen. So wie es aussieht, kann es demnach keine objektive Wissenschaft geben.
        Eine erschütternde Erkenntnis, wenngleich mir so war als hätte ich das schonmal wo gehört. Welche Kollegen waren dass nochmal, die dauernd postulieren „Es gibt keine Wahrheit, objektive wissenschaft ist cis-schmiss-hetero-schmetero normativ, alles ist subjektiv, wer an objektive Wahrheit glaubt ist ein patriarchaler Unterdrücker“? Es liegt mir auf der Zunge, aber ich komme jetzt partout nicht drauf…

        • @ pingpong

          Also ich bin, was philosophische Wahrheitstheorien angeht, Anhänger einer Variante der Korrespondenztheorie der Wahrheit.
          (Die meisten Wissenschaftler, egal ob Naturwissenschaftler, Sozialwissenschaftler oder Geisteswissenschaftler vertreten eine Variante der Korrespondenztheorie der Wahrheit).

          Jordan Peterson ist hingegen Anhänger einer anderen Wahrheitstheorie, nämlich einer Variante der pragmatischen Wahrheitstheorie.
          Es handelt sich aber nicht um die klassische pragmatische Wahrheitstheorie im Sinne von William James oder John Dewey, sondern um ein neuere Version der pragmatischen Wahrheitstheorie, die Jordan Peterson selbst erfunden hat. Jordan Petersons Wahrheitsbegiff ist folgendermaßen aufgebaut:

          1. Stufe: Wahr ist, was sich im Handeln bewährt.

          2. Stufe: Wahr ist, was sich hinsichtlich evolutionärer Probleme (Überleben und Fortpflanzung) bewährt („darwinistischer Pragmatismus“).

          Dies möchte Jordan Peterson aber nicht im sozialdarwinistischen oder egoistischen Sinne verstanden wissen, sondern er setzt an die oberste Stelle seine persönlichen moralischen Auffassungen.

          3. Stufe: Die höchsten Wahrheiten sind moralische Wahrheiten.

          Etwas verkürzt, aber zutreffend lässt sich Jordan Petersons pragmatischer (oder besser vulgär-pragmatischer) Wahrheitsbegriff folgendermaßen auf den Punkt bringen:

          Wahr ist, was der gesellschaftlichen Verwirklichung der moralischen Vorstellungen von Jordan Peterson dienlich ist.

          Ein solcher Wahrheitsbegriff ist natürlich sehr bequem, insbesondere, wenn es um politische Propaganda geht, denn nun ist jede Aussage automatisch „wahr“, wenn sie geeignet ist, die „gute Sache“ von Jordan Peterson zu fördern.

          Ein kritisches Video zu Jordan Petersons Neu-Interpretation (oder besser Zerstörung) des Wahrheitsbegriffs findet sich u.a. hier:

          Ein Vergleich zwischen Jordan Petersons vulgär-pragmatischem Wahrheitsbegriff und dem vulgär-poststrukturalistischen Wahrheitsbegriff der politisch korrekten Postmodernisten folgt noch in einem kommenden Artikel von mir. (Beide Wahrheitsbegriffe sind sich ähnlich und haben ähnliche Konsequenzen auf dem Feld der politischen Propaganda.)

          Freu dich drauf. 🙂

          • Es ist schon geil, wie oft da zwei die kein Deutsch können, sich auf deutsche Philosophen berufen, über True und False streiten, in einer Sprache die der Wahrhaftigkeit entbehrt und nur ein lächerliches Ersatzwörtchen namens Truthiness hat, gestiftet von einem einem Latenight Komiker.

          • Um den bullshittenden Widerling einzuordnen finde ich das Video hier ja noch viel besser.

            Wer so antwortet und sich Christ nennt, der hat ein extremes mentales Problem.

            Oder um es mit Pratchett zu sagen, der hat sich entschlossen an den Briefträger zu glauben, weil das so schön einfach ist.

          • @ Sandale

            „Hast du auch in die Kritik von ander Seite geschaut?“

            Ja, diesen Text hatte ich tatsächlich schonmal gelesen.
            Die Kritik überschneidet sich in einigen Punkten übrigens mit der von linken Kritiken an Jordan Peterson.

            Ich greife mal einen m.E. zentralen Satz raus:

            „However, the more sophisticated reader cannot help but notice that Peterson does not follow his own rules, particularly the three which relate to speaking precisely, telling the truth, and getting one’s own house in order before trying to fix the world.“

            Auf den ersten Aspekt, die z.T. unpräzise Sprache von Jordan Peterson hatte auch Nathan Robinson von der linken Zeitschrift „Current Affairs“ hingewiesen.

            Und dass Peterson sich an „Tell the Tuth“ nicht hält, ist tatsächlich auffällig, dürfte aber mit seinem eigentümlichen Wahrheitsbegriff
            zusammenhängen.

            Da Jordan Peterson mit Wahrheit ja nicht

            „Übereinstimmung mit der Wirklichkeit“

            meint, sondern

            „Nützlichkeit für die gesellschaftliche Verwirklichung der eigenen Moralauffassungen“,

            erscheint Jordan Peterson für Personen mit einem klassischen Wahrheitsverständnis als wahrheitswidrig agierende Person, aber seinem persönlichen vulgär-pragmatischen Wahrheitsverständnis nach, sind seine zahlreichen Propagandalügen ja „wahr“, solange sie sich im Sinne seiner Sache bewähren.

            „Tell the Truth“ bedeutet bei Jordan Peterson eben nicht

            „Versuche Aussagen zu machen, die mit den Tatsachen in der Wirklichkeit übereinstimmen“

            sondern

            „Versuche Aussagen zu machen, die die „gute Sache“ von Jordan Peterson voranbringen.“

            Wenn ein Jordan-Peterson-Jünger also beurteilen möchte, ob eine Aussage, Behauptung, Hypothese, Theorie etc. wahr ist oder falsch, dann muss er sich stets fragen:

            „Ist diese Aussage, Behauptung, Hypothese, Theorie etc. dazu geeignet, um die gesellschaftliche Verwirklichung der moralischen Vorstellungen von Jordan Peterson zu fördern?“

            Wenn er begründet zu der Auffassung gelangt, dass dies der Fall ist, dann ist die Aussage, Behauptung, Hypothese, Theorie etc. wahr, ansonsten ist sie falsch. Oder etwas relationaler ausgedrückt: Der Wahrheitswert einer Aussage, Behauptung, Hypothese, Theorie etc. ist umso größer, je mehr sie dazu geeignet erscheint, die gesellschaftliche Verwirklichung der moralischen Vorstellungen von Jordan Peterson zu fördern.

            Die Beurteilung eine Sache als wahr oder falsch setzt für den Jordan-Peterson-Jünger also zweierlei voraus:

            – Eine Kenntnis der moralischen Vorstellungen von Jordan Peterson

            und

            – Eine begründete Einschätzung, ob eine bestimmte Aussage, Behauptung, Hypothese, Theorie etc. innerhalb eines jeweiligen (zeitlichen, räumlichen, soziokulturellen etc.) Kontextes dazu geeignet ist, um die gesellschaftliche Verwirklichung der moralischen Auffassungen von Jordan Peterson zu fördern.

            Dieselbe Aussage, Behauptung, Hypothese, Theorie etc. kann gemäß dieses Wahrheitsbegriffs, je nach Kontext, wahr oder falsch sein, auch wenn sich hinsichtlich der Tatsachen bezüglich der Sache nichts geändert hat.

            Nehmen wir Jordan Petersons Propagandalüge, Foucault und Derrida seien Neomarxisten gewesen.

            Gemessen an einem tatsächlich wissenschaftlichen, also korrespondenztheoretischen Wahrheitsbegriff, ist diese Aussage falsch, da die politischen und philosophischen Positionen von Foucault und Derrida nicht mit den in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften allgemein anerkannten Definitionen von Neomarxismus vereinbar sind.

            Gemäß der subjektiven Verortungen von Foucault und Derrida selbst ist die Behauptung, diese seien Neomarxisten gewesen, ebenfalls falsch.

            Michel Foucault:

            „(…) Ich bin niemals Marxist gewesen (…).“

            (aus: Michel Foucault – Strukturalismus und Poststrukturalismus, (1983), in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften 1980 – 1988, Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S. 527 – 528)

            Jacques Derrida (mit Bezug auf ein Zitat von Marx):

            „Sicher ist, dass ich kein Marxist bin. So sagte, wie wir uns erinnern, vor langer Zeit jemand, dessen geistreichen Scherz Engels überliefert. Muss man sich noch auf Marx berufen, um zu sagen: „Ich bin kein Marxist?“ “

            (aus: Jacques Derrida – Marx Gespenster (1993), Suhrkamp, 2016, S. 125)

            Gemäß Jordan Peterson vulgär-pragmatischem Wahrheitsbegriff ist diese Behauptung aber „wahr“, solange er in einem Kontext agiert, in dem die eigene „gute Sache“ mittels dieser faktischen Propagandalüge seiner Ansicht nach vorangebracht werden kann, (weil in diesem Kontext z.B. ein pauschales „Feindbild Marxist“ verbreitet ist).

            Ändern sich nun die Bedingungen oder agiert Jordan Peterson nun in einem anderen Kontext, wo die faktisch falsche Behauptung Foucault und Derrida seien Neomarxisten gewesen, für ihn nach hinten los geht, dann würde diese Behauptung auf einmal auch gemäß Jordan Petersons Wahrheitsbegriff falsch – aber nicht aufgrund verbesserter Kenntnisse bezüglich des Themas, sondern, weil in diesem veränderten Kontext nun die „gute Sache“ von Jordan Peterson durch diese Behauptung beeinträchtigt würde.

            Sein vulgär-pragmatischer Wahrheitsbegriff ermöglicht es Jordan Peterson also faktische Propagandalügen in die Welt zu setzen und sich dabei gleichzeitig als Verkörperung von Wahrheit und Verantwortung zu inszenieren, ohne dass für ihn selbst dabei ein Widerspruch auftritt.

            Der dritte in dem Artikel genannte Aspekt, das „Set your house in perfect order, before you criticise the world“ ist m.E. eine der übelsten Hohlphrasen, die Jordan Peterson bisher losgelassen hat.
            Natürlich hält er sich selbst nicht daran, ansonsten würde sich das Ausmaß seiner kritischen Äußerungen dramatisch reduzieren.

            Schädlich ist dieser Slogan m.E. vor allem, weil er den Wert einer Kritik von völlig sachfremden Aspekten abhängig zu machen versucht. Nicht die fundierte und um Objektivität bemühte Recherche und die Qualität der Argumente, Begründungen und Belege werden hier zum zentralen Kriterium für den Wert einer Kritik erhoben, sondern, ob jemand in seinem Haus aufgeräumt hat.

            Ich bin Gegner von Schul-Hausaufgaben, aber wenn ich zur Qualität von Kritiken einen konservativen Slogan formulieren sollte, dann würde er lauten. „Do your homework, before you criticise the world“ – und damit meine ich nicht Schul-Hausaufgaben (die ich ablehne), sondern ernsthafte Recherche bezüglich der zu kritisierenden Sache.

          • Da würde mich ja mal interessieren ob wir Hausaufgaben aus dem selben Grund ablehnen, meiner ist immer gewesen, dass sich die Hausaufgabe der Überprüfbarkeit des Lehrers entzieht, also zB jemand mit großem Bruder vereinfacht gesagt einen extremen Vorteil haben kann.
            Oder man dem Lehrer je nach Haushalt einen FAZ Artikel oder ähnliches unterjubeln kann, was in einem Pralinehaushalt weniger möglich ist.

            Analog könnte man auch sagen, produzier erst einmal einen StarWars/Ghostbusterfilm, bevor du ihn kritisieren darfst.

            Da hat Peterson mit seiner Petersonreligion natürlich als Kritiker einen guten Stand. 😉

      • @Leszek

        Die Studie bezieht sich auf die Doktorarbeit seiner Schülerin zur PC und das Video hier ist ein Interview über die Thematik mit den beiden:

        „Dr. Jordan B. Peterson and PhD student Christine Brophy have been researching political affiliation, personality and political correctness. They talk to Lauren Southern of TheRebel.media about their findings.“

        • @ Crumar

          Danke, habe den Text gefunden. Es handelt sich um eine Online-Befragung.

          „All study components were completed over the Internet via online survey software (Qualtrics & mTurk). The questionnaires took approximately 1.5 hours to complete, and were be filled in all at one time.“

          „The (…) sample consisted of 162 males and 170 females. Ages ranged from 19 to 83, with the mean age being 34.78 years. 84.3 % were white, 5.7% black, 6.3% Latin American, 2.7% Chinese, 2.7% Southeast Asian, 0.9% Aboriginal, 1.5% Filipino, 0.9% Japanese, 0.9% South Asian, 0.6% Arabic, and 0.3% other.“

          Dass es um den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Einstellung zur Political Correctness ging, geht aus den gestellten Fragen deutlich hervor, war den meisten Teilnehmern also bewusst.

          • @Leszek

            Ich hatte das Video ja schon einmal hier zitiert und Peterson vorgeworfen, seine Aussage, es wäre von der Linken in der Tradition der Frankfurter Schule bestritten worden, es gäbe keinen linken Autoritarismus sei nicht nur falsch, sondern gerade von einem Vertreter der Frankfurter Schule, nämlich Erich Fromm, stammt die sozialpsychologische Studie „Arbeiter und Angestellte am Vorabend des Dritten Reiches“.
            Auch wenn man berücksichtigt, dass diese überhaupt erst 1980 erscheinen konnte, hätte er immerhin 38 Jahre Zeit gehabt, diese zur Kenntnis zu nehmen.
            Fairerweise habe ich keine Ahnung, ob diese ins Englische übersetzt worden ist, ein Fachartikel wird jedoch ganz bestimmt im angelsächsischen Kontext erschienen sein.

  7. Mit die besten weiblichen Charaktere für meinen ganz persönlichen Geschmack sind Pratchetts Hexen.

    Einer der bekacktesten Charaktere ist die neue Lara Croft – geschrieben von seiner Tochter.
    Das Spiel ist recht nett, aber die Story ist ein Diversityfremdschämfest vom feinsten. (2013, also bevor GG)

  8. Generell habe ich den Eindruck, dass sich die selbsternannten „Progressiven“ in jeder Beziehung einfach weniger Mühe geben. Weil sie sind ja per Definition „die Guten“. Sieht man z.B. bei den vielen einfältigen Pro – Feminismus – Artikeln, die meistens außer Gefühlen und Ad Hominem Angriffen wenig zu bieten haben. Und auch bei feministischen Männern, der regelmäßig durch besonders schlechtes Verhalten auffallen. Oder Hillary Clintons „Wählt mich, weil Frau“ Wahlkampf.

    Also wozu die „starke Frau“ u.ä. Charaktere im Film sorgfältig entwickeln, wenn doch die bloße Anwesenheit schon diese großartige Message für eine tolle neue Welt rüberbringt?

  9. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob eine – meist politische – Botschaft transportiert werden soll oder nicht. Die meisten Filme sieht man sich als Zuschauer an, weil man unterhalten werden möchte. Natürlich akzeptiert man als Zuschauer, dass gerade bei Fantasyelementen der Realismus nachrangig ist.

    Trotzdem müssen Charaktere kongruent entworfen sein. Niemand würde z. B. einen Zauberer ernst nehmen, der gleichzeitig ein herausragender Bogenschütze ist und z. B. einen im Weg liegenden Felsen durch reine Muskelkraft, statt durch Magie zertrümmert.

    Hinzu kommt, dass Männer und Frauen tatsächlich unterschiedlich betrachtet werden. Allerdings nicht so, wie gerne behauptet. Protagonisten wachsen in ihren Geschichten an Rückschlägen.

    Hätte z. B. Anthony Stark seinen Iron Man Anzug gebaut, wenn er nicht vorher gefangen worden wäre? Es beginnt damit, dass sein Konvoi angegriffen und er selbst lebensgefährlich verwundet wird. Vorher noch ein Lebemann und Partygänger, jetzt ein Todgeweihter. Dank seines Genies als Waffeningenieur kann er die Energiequelle für den ihn rettenden Magneten stark verkleinern, einen ersten rudimentären Kampfanzug aus Waffenteilen bauen und so entkommen.

    Hätte das mit einer Iron Women auch funktioniert? Theoretisch ja. Aber hätte die Heldin ebenso lebensgefährlich verletzt werden können, ohne die Geschichte emotional in eine ungünstige Richtung zu lenken?

    Einen etwas älteren, jedoch lesenswerten Artikel zur Charakterentwicklung gibt es bei AVM:
    https://www.avoiceformen.com/miscellaneous/the-bechdel-test-or-how-i-learned-to-stop-worrying-about-it-and-love-character-development/

    Hauptsächlich geht es darum, dass der Bechdel-Test die Charakterentwicklung massiv behindert, wenn man glaubwürdige Charaktere haben möchte. Aber er arbeitet auch gut die Unterschiede zwischen den Geschlechtern aus und warum deshalb typische Männerrollen mit Frauen schwierig sind.

    Umgekehrt gilt aber das Gleiche. Man stelle sich z. B. „Natürlich Blond“ mit einem Mann als Protagonisten vor. Wer will den so was sehen?

  10. Es gibt bei diesen Debatten noch eine Sache, die speziell für Schauspielerinnen problematisch ist: Diese Debatten haben einen reduzierenden Einfluss auf die Rollenvielfalt bei Frauen. Zwar wird von SJW-Feministinnen immer verlangt, dass es mehr weibliche Hauptrollen geben soll. Allerdings sind sie ja ansonsten immer damit beschäftigt eine lange Liste darüber zu erstellen, was an den bereits vorhandenen Frauenrollen so alles sexistisch ist und daher gestrichen gehört. Man stelle sich einfach mal vor, man würde jetzt anhand des Kriterienkatalogs der SJWs Frauenrollen in Game of Thrones streichen. Da würde kaum noch etwas übrig bleiben.
    Da es wiederum gleichzeitig eine solchen Kriterienkatalog bei Männern nicht gibt, haben die Männer in der Branche damit ironischerweise ausgerechnet wegen der SJWs einen erheblichen Vorteil gegenüer ihren Kolleginnen.
    Eine Filmszene mit der man das in meinen Augen gut veranschaulichen kann kommt in dem ersten Sherlock Holmes mit Robert Downey jr. vor: Dort trifft Holmes ja auf eine Diebin in die er verliebt ist. Diese betäubt ihn in einer Szene mit einem in Wein untergebrachten Schlafmittel. Am nächsten Tag wird er dann von einem Zimmermädchen vorgefunden, wie er komplett nackt ans Bett gefesselt ist. Das Ganze ist kreiert als eine lustige Szene. Wie würde dieselbe Szene wohl in umgedrehter Geschlechterkonstellation wahrgenommen werden? Insbesondere in gewissen Kreisen die ständig Frauenrollen auf Sexismus untersuchen.

  11. Vor 50 Jahren nannte man das Agitprop-Theater und es war auf einer Linie durchgehend moralisch, ideologisch und langweilig. In den heutigen Tatortfilmen u. ä. setzt sich das Schema fort, ebenso moralisch, ideologisch und langweilig.

  12. Dass politisch engagierte Kunst nicht gut sein könne, weil sie „zu sehr von der politischen Botschaft beschränkt“ (Henrik) sei, ist ein häufiger Einwand. Er ist auch oft schlüssig – von Günter Grass z.B. gibt es Texte, die unter ihrer gewichtigen politischen Botschaft völlig uninteressant und unlesbar werden („Die Rättin“ ist das schlechteste Buch, das ich je gelesen habe, glaube ich).

    Aber es gibt nun einmal auch eine Menge Gegenbeispiele. Anti-Rassismus-Filme wie „In der Hitze der Nacht“ oder „Rat mal, wer zum Essen kommt“ schon aus den 60ern, Filme gegen die Todesstrafe wie „Dead Man Walking“, Filme über die Bedeutung einer freien Presse wie „Die Unbestechlichen“ oder jetzt gerade „Spotlight“ – daraus ließe sich eine ewig lange Lioste von Filmen machen, die politisch engagiert UND mitreißend sind. „Panzerkreuzer Potemkin“ gilt sogar bis heute bei vielen Filmkritikern als einer der besten Filme, wenn nicht gar als DER beste Film aller Zeiten – obwohl er ein Propagandafilm war.

    Grandios finde ich auch, natürlich, Orwells Roman 1984, der ebenfalls ziemlich gut verfilmt wurde – während die politische Absicht klar ist. Eigentlich eine Romeo-und-Julia-Geschichte vor einem sehr düsteren sozialen Hintergrund. Auch in der Literatur ließe sich eine ewig lange Liste engagierter Kunst erstellen, die zugleich qualitativ richtig gut ist.

    Wenn Filme, die von der heutigen postmodernen identitären Politik beeinflusst sind, so schlecht werden – dann liegt das vor allem an der Primitivität dieser Politik. „Ghostbusters“ finde ich da ein sehr treffendes Beispiel. Im Original waren die männlichen Helden zunächst egoistische, unreife Deppen, die dann im Laufe des Filmes zu verantwortungsfähigen Erwachsenen wurden. Die Frau (S. Weaver) hingegen war und blieb ein Ideal – Motiv und Ziel für die männliche Entwicklung.

    Es hätte also durchaus auch aus feministischer Perspektive gute Gründe gegeben, diese Nutzung der Frau als Projektionsfigur zu kritisieren. Das allerdings kollidierte mit der Gewohnheit postmoderner Identitätspolitik, Frauen ihrerseits als Projektionsfiguren eines idealen Menschseins zu benutzen.
    Anstatt also eine der männlichen ähnliche weibliche Entwicklung zu skizzieren, zeigt der Film Frauen, die von Anfang an toll sind – während die Männer egoistische Deppen sind und bleiben. Die Frauen müssen und dürfen sich gar nicht entwickeln, sie müssen nur verstehen, WIE toll sie sind, weil ihnen eine bösartige Gesellschaft dieses Wissen ja irgendwie austreibt.

    https://man-tau.com/2016/08/14/ghostbusters-wozu-ein-desaster-gut-sein-kann/

    Das Problem ist hier also nicht, dass ein Film eine politische Botschaft hat – sondern dass diese Botschaft so primitiv ist. Es gibt keine inneren Widersprüche, und daher ist auch keine Entwicklung nötig. Der Konflikt besteht nur zwischen dem Immer-Schon-Guten und dem Ewig-Schlechten, und das ist auch noch so akkurat zugeordnet, dass jeder Depp nach fünf Minuten weiß, worum es geht.

    Wenn dann solch ein schlechter Film hochverdient scharf kritisiert wird, kann derselbe projektive Mechanismus greifen: Den Kritikern wird dann eben die Politisierung und das primitive Schwarz-Weiß-Denken untergeschoben, das den Film selbst prägt.

    Der letzte Star Wars ist ein ähnliches Beispiel – hier ist überhaupt keine Entwicklung und eigentlich auch überhaupt keine Geschichte erkennbar.

    Ganz anders übrigens Mad Max – Fury Road. Der Film hat eine enorme Dynamik und wurde politisch erst interessant, weil politisch korrekte Journalisten und Aktivisten sich einen Widerstand von Männerrechtlern erfanden, den es gar nicht gab. So groß ist dort das Bedürfnis nach Männern, die angeblich Angst vor starken Frauen hätten. https://man-tau.com/2015/05/17/wie-ich-einmal-den-neuen-mad-max-film-nicht-boykottierte/

    Das ist der wesentliche Grund, warum eine postmoderne Identitätspolitik jeden erdenklichen Film ruinieren muss, der sich von ihr inspirieren lässt: Die krasse Gegenüberstellung von Reinheit und Verkommenheit lässt keine Entwicklung zu. Es gibt keine Auseinandersetzung mit einem (wie auch immer fantastisch verzerrten) sozialen Umfeld, in der die Helden wachsen würden – weil sie ja immer schon gut und die Gesellschaft irgendwie immer schon schlecht ist. Es gibt keine Geschichten, sondern nur Lektionen.

    Das hängt eng zusammen mit einem zweiten Punkt – nämlich, dass diese Art der Politik eine enorme Angst produziert, irgendetwas falsch zu machen. Gute Geschichten aber leben ja gerade davon, dass etwas gewagt wird, dass Ideen durchgespielt werden, auf die man nicht immer ohnehin schon selbst gekommen wäre. Wer aber beständig beflissen damit beschäftigt ist, sich aufmerksam durch die vielen beweglichen Fettnäpfchen einer postmodernen Identitätspolitik hindurch zu schlängeln, wird niemals eine klare und verständliche Geschichte zu Stande bekommen. (Bei Star Wars wurde dann ja auch sicherheitshalber gleich ganz darauf verzichtet.)

    • „Die krasse Gegenüberstellung von Reinheit und Verkommenheit lässt keine Entwicklung zu.“

      Da hast Du, Lucas absolut das Kernproblem herausgestellt und erklärt, was diese Filme so langweilig werden lässt …. jedenfalls, was die Geschichte anbelangt. Ansonsten gibt es Schlachtplatte, kalt angemacht und mit heissen Laser serviert 🙂

      Den Film kann man in 10 Jahren vermutlich nicht mehr ertragen, weil die Charaktere ähnlich lächerlich wirken, wie zB „Flash Gordan“ aus Zeiten vor „Star Wars“.

  13. „Wer aber die Botschaft über die Figur stellt, der macht häufig schlechtere Filme.“

    Ich weiß nicht, ob SJWs wirklich schlechtere Filme machen, oder schlechtere Bücher schreiben. Sie machen halt *andere* Filme. Und gemäß *ihren* Maßstäben sind diese anderen Filme besser als die traditionellen Filme aus Hollywood.

    Man kann das jetzt belächeln und sagen: SJWs täten gut daran, sich bei ihren Filmen oder Büchern am Geschmack des Massenpublikums zu orientieren – aber in der Geschichte der populären Kunst hat es immer wieder Produkte, z. B. Filme, gegeben, die vom Massenpublikum abgelehnt worden sind, bei denen die betreffenden Künstler aber protestiert und geschimpft haben wegen diese Ablehnung.

    Praktisch der gesamte neue deutsche Film der 1960er bis 1980er Jahre ist an der Kinokasse gescheitert. Wie haben die Regisseure damals reagiert? Das Publikum und die Kritiker beschimpft. Die klassischen Filme von Ingmar Bergmann sind seinerzeit teilweise positiv aufgenommen worden – *heute* wären sie ohne Publikum. Ebenso die Filme von Fellini.

    Die Frage ist: Was macht einen guten Film aus? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Hollywood interessiert sich nur für die populistische Antwort. Die SJWs geben eine andere Antwort – aber warum soll die jetzt schlechter sein? Und warum soll die Antwort des Sozialistischen Realismus‘ nicht noch besser sein? Nur mal als Beispiel: Über Jahrhunderte hinweg hat man praktisch die gesamte Kunst in den Dienst der Religion gestellt – eine Kunst um der Menschen oder um des Lebens willen war nicht etwa verboten, sondern schlicht unbegreiflich.

    Die SJW wollen Filme und Bücher in den Dienst der Political Correctness stellen. Mir gefällt das nicht, dem Publikum auch nicht. Na und?

    Was macht einen guten Film aus? Auf einer persönlichen Ebene kann man da sicher eine Entscheidung fällen. Aber für die Allgemeinheit gibt es hierfür keine tragfähige Antwort.

    Ein anderer Punkt ist natürlich die Finanzierung, was oben schon angesprochen worden ist:

    https://allesevolution.wordpress.com/2018/08/20/was-filme-mit-sjw-einfluss-von-der-story-her-schlechter-machen-koennte/#comment-354736

    Mit welchem Recht kann man verlangen, dass die Allgemeinheit Filme finanziert, die (fast) niemand ansehen mag?

    • „Die SJW wollen Filme und Bücher in den Dienst der Political Correctness stellen. Mir gefällt das nicht, dem Publikum auch nicht. Na und?“

      Aus einer künstlerischen Warte hast du natürlich recht, jeder kann als Film machen, was er will und es ist sein finanzielles Risiko, wenn das nicht ankommt. und natürlich muss man auch was neues ausprobieren bzw es kann auch vollkommen okay sein, einen Film zu machen, der nur einer bestimmten Gruppe gefällt.

      Aber das hier sind ja Hollywoodblockbuster, bei denen die dahinterstehenden Firmen Gewinne machen wollen. Für solche Botschaften oder solche Filme sind normalerweise eher Independentfilme zuständig, die vergleichsweise billig produziert werden.

      Man kann gut anführen, dass Filme allgemein darunter leiden, dass sie zu sehr bestimmte Märkte ansprechen müssen und zu sehr auf reine Showeffekte vertrauen. Aber besonders interessant ist das natürlich gerade bei solchen Produktionen wie Star Wars, bei dem die Rechte für ein paar Milliarden gekauft worden sind. Da geht es um langfristigen Profit und die wiedererstarkung einer Marke, die für unglaubliche Einnahmen stehen kann.

      Bei solchen Filmen ist die Frage durchaus berechtigt, warum man nicht auf Charaktere und Stories setzt.
      Gerade auch dann, wenn man bedenkt, dass Star wars auch ein großer Markt für Merchandise ist.

      Welche neue Star wars figur soll sich denn hier verkaufen? Und wer kauft sonst actionfiguren?

      Aus meiner Sicht müßte man sogar fragen: Warum setzt ihr eure Botschaft so schlecht um? Es gibt hier ja ansätze cooler Charaktere. Aber sie werden vollkommen verheizt.
      Warum nicht wirklch eine coole weibliche Figur?
      Aber in Rey kann man sich kaum hineinversetzen, weil sie etwas unnahbar ist und man nicht wirklich was mit ihr verbindet oder mitfühlt.
      Captain Phasma ist vollkommen sinnleer. Sie macht nichts vernünftiges, sie stirbt eigentlich pausenlos und taucht ohne Grund auf. Warum nicht da etwas mehr in den Charakter gehen, sie mal erfolgreich und cool sein lassen, die Bösen nicht nur witzfigur sein lassen? Die Figur wird vollkommen verschenkt, sie ist nutzlos
      Und die Admiralin ist auch verschenkt: Wer würde mit ihr als starke Frau spielen wollen? Sie ist nicht cool, sie hindert einen charismatischen Helden und steht ansonsten langweilig rum bis zum Ende

      und die Männer auch:
      Po damoren ist ein cooler Charakter mit hohem Identifikationspotential. Aber man jagt ihn in einen nutzlosen Konflikt und schwächt ihn als Figur
      Und Fin: Wie cool wäre es, wenn man da seinen Konflikt mit den anderen Startroopern ausgebaut hätte, wenn er ein harter Stormtrooper wäre, der umlernen muss, bei dem man seinen Widersacher und seine früheren Kumpel kennenlernt, die an das Imperium glauben und bei denen verschiedene Auffassung und freundschaften gegeneinander stehen. Hätte man ihm nicht einen Moment mit Phasma geben können, in dem beide cool sind und der ihre gemeinsame vergangenheit beleuchtet? Könnte Finn nicht etwas menschlicher sein oder man mehr sehen, dass er durch eine Gehirnwäsche gelaufen ist, die er schwer überwindet? Ging wahrscheinlich auch nicht, er ist einfach „schwarzer Held“ der keine negativen Seiten hat, keine wirklichen Ecken und Kanten, nicht.

      Es ist verständlich, warum das Interesse an Star wars zurückgeht. Und natürlich kann man fragen, warum das so ist. Die Studios müssen es sogar.

      • Vielleicht ist’s auch Ausdruck eines ganz anderen Konflikts.
        Altes Hollywood, durch Kathleen repräsentiert, versaut absichtlich eine Marke, die die Chinesen sich teuer erkauft haben.

          • Der entsprechenden Southpark Folge nach zu urteilen ja. 🙂
            Und neue Disneyländer scheinen auch dort zu entstehen.
            Ebenfalls ist Disney homophob, als Anpassung an den Markt.
            Und es ist zumindest mal auffällig, dass die bei dem Thema kaum Flak bekommen von unseren SJW Freunden, oder?

      • Ja, volle Zustimmung.

        Dass sich SJW nun ausgerechnet auf solche Produktionen stützen (und z. B. nicht auf Independent- oder gar Trash-Produktionen), hat wohl zum einen mit ihrer eigenen Hybris zu tun, aber offenbar auch mit einer bestimmten Mentalität jener Leute, die bei solchen Produktionen wesentlichen Entscheidungen treffen.

      • Das Schlimste an Finn ist ja eigentlich, dass er einfach überhaupt nicht wie ein von Kindheit an trainierter Soldat ist, sondern von Anfang an als Feigling, Deserteur und Comic Relief eingebracht wurde. Und als er sich endlich entscheidet ein Held zu sein und sich für den Widerstand opfern will, wird er daran gehindert mit einem „Sowas machen wir hier nicht“. Gilt natürlich nicht für Admiral Ballkleid, die sich episch und heroisch opfern darf.
        Kennt jemand noch den Film „Soldier“ (deutscher Titel „Star Force Soldier“) mit Kurt Russell? Mittelmäßiger Actionstreifen von 1998 der so ein bisschen untergegangen ist, aber der ist ein ganz gutes Beispiel für einen von Kindheit an erzogenen Soldaten.

        • „Das Schlimste an Finn ist ja eigentlich, dass er einfach überhaupt nicht wie ein von Kindheit an trainierter Soldat ist, sondern von Anfang an als Feigling, Deserteur und Comic Relief eingebracht wurde“

          Seine eigentliche Storie ist nicht stimmig. Er scheint ja elitesoldat gewesen zu sein, bei dem die Gehirnwäsche nicht geklappt hat. Alle anderen sind fanatisch loyal. Wenn er Elitesoldat wäre, dann müsste er sich aber komplett anders benehmen. So wirkt er wie jemand, der aus einer anderen Welt kommt und alles staunend wahrnimmt, wie ein kleines Kind, welches keine Ahnung hat, was da eigentlich gerade passiert.

          Die Grundidee des Charakters ist sehr gut. Man hätte da auch einiges daraus machen können. Ich wüsste wirklich gerne, was da schief gegangen ist, dass man die eigentliche Idee so vernachlässigt und alle sich daraus ergebenen Geschichten, die einem mal einen wunderbaren Ausflug in die Welt eines Stormtroppers ermöglicht hätten

      • Ach so – noch ein Punkt: Daß die SJW so wenig auf die Dynamik und Entwicklung von Figuren setzen, auch so wenig auf Ambivalenz, auf Inkonsequenz, die droht das bereits Erreichte wieder zu verspielen, das hat auch mit einer gewissen Drehbuch-Schule in Hollywood zu tun, die sehr stark auf mythische Archetypen setzt.

        Das sind die Apostel von Christopher Vogler:

        https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Vogler

        Vogler hat die gesamte klassische Hollywood-Dramaturgie revolutioniert (in einem ganz neutralen Sinne), weil er propagiert hat: Filme sind nicht deshalb erfolgreich, weil sie eine bestimmte Dramaturgie vorführen und bestimmte Figuren mit Stärken und Schwächen, die Dynamik und Entwicklung entfalten – sondern Filme sind erfolgreich, weil sie bestimmte Archetypen präsentieren, wie sie auch von vielen Figuren der klassischen Mythologie verkörpert werden.

        Und hier gibt’s das jetzt nicht mehr: die Entwicklung der Figur, ihr Auf und Ab, ihre Erfolge und Rückschläge. Dies alles wird ersetzt durch den Archetypus, der sich seiner selbst noch nicht bewußt ist (anfangs) und den Archetypus, der sich seiner selbst bewußt wird (kurz vor dem Höhepunkt bis zum Ende).

        Und genau hieran knüpfen die SJW mit ihrer PC-Figuren-Zeichnung an: Die lesbische schwarze Wonderwoman-Heldin ist von Anfang an der Archetypus der guten strahlenden Göttin – nur daß sie sich dessen zu Anfang noch nicht bewußt ist und sich im Laufe der Geschichte erst zu diesem Selbst-Bewußtsein durchkämpfen muß …

      • „Aber besonders interessant ist das natürlich gerade bei solchen Produktionen wie Star Wars, bei dem die Rechte für ein paar Milliarden gekauft worden sind. Da geht es um langfristigen Profit und die wiedererstarkung einer Marke, die für unglaubliche Einnahmen stehen kann.“
        Hier kommt in meinen Augen derselbe Effekt zum Tragen wie bei der Wahlkampange von Hillary Clinton: Die aktuelle feministische Welle hat es geschafft als laute Minderheit größer zu wirken als sie es eigentlich ist. Und speziell Menschen aus der Elite der Gesellschaft, die zum einfachen Volk keinen Kontakt haben, fallen darauf besonders stark herein und sehen hier deshalb eine große Menge potentieller Wähler bzw. Kunden und registrieren jedesmal zu spät, dass sie die Größe der aktuellen feministischen Bewegung maßlos überschätzt haben.

    • Mit welchem Recht kann man verlangen, dass die Allgemeinheit Filme finanziert, die (fast) niemand ansehen mag?

      Mit gar keinem.

      Skin in the game ist quasi für alle SJW ein Fremdwort. Sollen sie ihre Filme doch selber finanzieren und produzieren. Die jammern und wollen dann ihre Wünsche, so überzogen sie auch sind, umgesetzt haben. Nicht: Jammern und umsetzen. Das wäre ja noch irgendwo ok. Nein, MACHEN soll es jemand anders. Die haben ihren Beitrag schon geleistet, indem sie die vermeintliche Ungerechtigkeit AUFGEZEIGT haben. Sich selber die Hände schmutzig machen um etwas gegen die vermeintliche Ungerechtigkeit zu tun – Fehlanzeige. Das könnte ja in Arbeit ausarten, da muss man sich exponieren, da brauchts skin in the game. Am Ende kommt man durch wiederholten Kontakt mit der Realität (muss unbedingt vermieden werden!) sogar drauf, dass die vermeintliche Ungerechtigkeit eben genau das ist: vermeintlich. Und dass man viel Zeit in heiße Luft investiert hat. Nein nein, da wird lieber vom Sofa aus auf twitter ein shitstorm organisiert.
      Erbärmlich.

  14. Kann man sehr einfach zusammenfassen: SJWs haben keine Ahnung davon, Geschichten zu erzählen, Charaktere zu entwickeln. Das haben wiederum diejenigen, die im kreativen Business arbeiten oder privat darin tätig sind.
    SJWs wollen eine Botschaft mit dem Holzhammer durchboxen („vermitteln“ ist schon das falsche Wort, denn dabei kann ja immer noch ein Ergebnis herauskommen, was da heißt „Botschaft wurde nich angenommen“), ähnlich wie das Agitprop-Leute als ihre Aufgabe tun sollen. Ihre Botschaft würde ehrlicher und gezielter daherkommen, wenn sie diese einfach auf ein großes Holzbrett in leuchtender Farbe, großen Buchstaben und mit markigen Sprüchen überall hinhängen würden. (Ähnlich wie in „Sie leben“. 😉 ) Jedenfalls wäre das wie weit ihre Kreativität ernsthaft gehen würde, ohne dabei durch inhaltliche Lücken aufzufallen. Aber wahrscheinlich ist das den Damen vom Dienst zu sehr an irgendwelche altbackene Kommunistenpropaganda angelehnt, bei der die intelligenten Geister gleich wissen, dass sie dankend abwinken können…

    Ach ja – das beste Vorbild für junge Mädchen und Frauen bleibt immer noch Heather Mason aus Silent Hill 3.
    Gesundes Selbstbewusstsein, freche Schnauze, und als sie mitkriegt, dass sie der Sache nicht entrinnen kann, in der sie hineingeraten ist, nimmt sie ihr Schicksal an, verbrät reihenweise Monstern eine und schmeißt am Ende auch noch den Teufel aus ihrem Körper ‚raus.
    Als irgendsoeine Radikal-Religiöse, die sie aus ihrer früheren Existenz kennt, ihren (Adoptiv-)Vater ermorden lässt, denkt sie nicht einen Moment lang darüber nach, ob sie ihr das Fell über die Ohren ziehen soll dafür – wegen: „ich bin doch ein Mädchen und so und Mädchen tun das nicht“ -, nein, sie macht es einfach. Ganz wie selbstverständlich.

    Aber Silent Hill kam ja (die ersten vier Teile) aus Japan, nicht aus den USA… Da ging das ohne Herumgesnobbe.

  15. „Es ist verständlich, warum das Interesse an Star wars zurückgeht. Und natürlich kann man fragen, warum das so ist. Die Studios müssen es sogar.“

    In dieser Hinsicht finde ich Richard Meyers Videos auf Youtube (Diversity & Comics) interessant, obwohl ich an Comics selbst dieser Tage eher ein geringes Interesse habe, im Vergleich zu etwa Filmen. Doch es besteht beispielsweise die Verbindung Marvel- Disney, und bestimmte Trends in der gesamten Unterhaltungsindustrie sind erkennbar.

    Eine von Meyers Lieblingsphrasen ist „SJWs don’t human very well“, also was hier ähnlich schon geäußert wurde, die ideologischen Grenzen bzw. Fixierungen von SJWs wirken sich entsprechend auf ihre Werke aus, die Gefühlsbandbreite, emotionalen Kampf, Identifikationspotential für „normale „Leute“ etc. vermissen lassen.
    So wie ich Meyer verstehe, läuft die Comic-Industrie mit ihren Einstellungspraktiken und entsprechenden Produkten signifikant quasie einem Phantompublikum hinterher, welches allenfalls die ersten Ausgaben einer Serie kauft, dann aber abspringt und lieber online Kulturkampf betreibt.
    Ein anderer Aspekt denn Meyer gelegentlich hervorhebt ist, dass Comics eigentlich schon seit jeher eine gewisse Diversität besaßen, er selbst natürlich auch kein Problem mit Frauen oder homosexuellen Helden, etc. ansich hat.

    So könnte man dass vielleicht auch marktwirtschaftlich erklären. Rein oberflächlich werden wenig Leute sagen, sie hätten ein Problem mit Diversität, einem schwarzen Sturmtruppler etc, aber für einige wenige ist das der Aspekt schlechthin, und die schreien sehr laut. Wie kommt das in der Marktforschung an?
    Wenn dann noch die Autoren eine ähnliche Einstellung haben, dauert es vielleicht einige Zeit mehr, aber letztendlich kann man nicht auf Dauer versuchen Produkte abzusetzen, auf die keiner Bock hat.

  16. Problem ist das SJWs es eigentlich egal ist ob ein Film gut oder schlecht ist. Selbst wenn es haufenweise negative Kritik gibt, ist das für sie auch nur ein Zeichen wie wichtig solche Filme sind.

  17. Ich glaube nicht unbedingt, dass das Problem Politik/Message in der Kunst ist. Sowohl für liberale Positionen (12 Angry Men, Star Trek z.B.) als auch für konservative (24, Death Wish, z.B.) fallen wohl jedem Beispiele ein, die (eher) gelungen sind.
    Das Problem ist imho eher das, was die „Very Special Episodes“ (https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/VerySpecialEpisode) haben: jeder weiss EXAKT wie sie weitergehen. „Gewalt ist keine Lösung“, „Wir sind doch alle Menschen!“ „Drugs Are Bad, mkay?“.

    Jeder, der nicht die letzten Jahre unter einem Stein gelebt hat, erkennt die Message und – egal ob er zustimmt, widerspricht oder indifferent ist – denkt sich: ja, kenn ich, kommt gleich was neues, oder bleibt es bei Platidüden?

    „All Female“-Neuverfilmungen wie Ghostbusters, oder castings von Ikonischen Rollen wie James Bond
    sind auf eine Art faul, wie es Simpsons mal mit https://www.youtube.com/watch?v=fnRt_JEoBRU sehr schön auf den Punkt gebracht hat.

    „Sogar Mädchen können Jedis sein!“ – ach echt? Was ein Bruch mit der Tradition! Wo doch selbst Yoda betont hat, dass es hauptsächlich eine Frage der Größe ist…

    „Frauen können total Monster Bekämpfen“ – Weil mit einem coolen Mech der Alien Queen den Kopf abzureisen, nachdem man ihr Nest niedergebrannt hatte zu subtil war, und es irgendwie keiner mitbekommen hatte…

    Ich glaube gar nicht mal, dass es bei Star Wars die fehlende Charakterentwicklung ist. Bei Luke gibt’s im ersten Teil auch nur einen klitzekleine Szene, in der er mit dem Laserschwert rumfuchtelt, aber seine Piloten- und Schützenskills, mit denen er neben der Elite der Rebellen steht, hat er wohl durch das beschiessen von Ratten auf der Farm gelernt…

    Das Problem ist imho, dass Star Wars „durch“ ist.
    Star Wars ist die „Reise des Helden“ in einem hübsch anzusehenden Szenario. Aber das ist es auch schon.
    Nachdem man das nun immer und immer wieder wiederholt hat, ist halt die Luft raus.
    Und – wie oben gesagt – „oh, der Protagonist ist eine Frau!“ ist nichts halt nichts neues. Das Thema ist genau so lange durch.

    Es ist einfach nur ein Akt der Faulheit, und – wie Ghostbusters gezeigt hat – aber einer, der sich einerseits gut zum Marketing eignet, und andererseits die Immunisierung gegen Kritik direkt mitliefert, falls man es versaut.
    Passt also perfekt in eine Industrie, die sich auf Mittelmäßigkeit, Massengeschmack und Wiederholung von alten Mustern lebt.

    • ^Genau dies.

      Hollywood melkt jede Geldkuh trocken. Star Wars war nie sonderlich originell: Heldische Heldenhelden vs. schurkische Schurkenschurken. Ab und an ein Hauch von Ambivalenz (Han Solo und Lando Calrissian), der aber wenig später unspannend aufgelöst wurde. Nach icksfacher Wiederholung ist das Ganze ausgelaugt wie ein fünf Stunden gekauter Kaugummi. Die SJWs können da gar nicht mehr so sehr viel schrotten.

      So seltsam es klingen mag: Cineastisch betrachtet ist die italienische Low-Budget-Space-Opera „Star Crash“ gelungener als die Star-Wars-Filme:

        • Sie war in der Originaltrilogie auf ihre Art ein sehr sympathischer Charakter (wie die meisten). Wieso viele so begeistert von ihr in den neueren Filmen sind, kann ich nicht nachvollziehen. Sie kommt kaum vor und tut in den Szenen in welchen sie auftaucht nicht wirklich viel. Im Grunde werden wir nur daran erinnert, dass sie noch lebt (was im nachhinein etwas bitter ironisches hat). Wenn jemand nur die neuen Filme kennt, wird er definitiv nicht die Begeisterung um sie verstehen, Bryan Cranston hat in dem Godzillafilm einen viel größeren Eindruck hinterlassen.

          • Hm, hm… das Gesicht, das Gehabe hat mich irgendwie nie angesprochen. Ist einfach nicht mein Frauengeschmack.

            Bei der Figur Leia habe ich den Eindruck, sie versucht zugleich emanzipierte Frau UND verwöhnte Prinzessin zu sein und schafft beides nicht.

      • „Star Wars war nie sonderlich originell: Heldische Heldenhelden vs. schurkische Schurkenschurken.“

        Eine Variation zu dem Thema: „Good America against the bad world“
        Nur dass die „Bad World“ diesmal das ganze Universum ist.

        Ich glaub, ich hab bis heute noch keine einzige der 6, 7, 8(?) Folgen ganz gesehen. Und ich war bestimmt guten Willens, hab aber bis jetzt irgendwann jeden Anlauf, mir die Story anzutun, gelangweilt abgebrochen.
        Vermutlich war genau Deine Beschreibung der Charaktere der Grund.

        • Mit 18/19 war ich sogar ein regelrechter Fan davon. 😉 Das lag aber eher daran, dass ich damals ALLES cool fand, was irgendwie im Zusammenhang mit Weltraum/Raumschiffen/Aliens stand. In gewisser Hinsicht hat Star Wars mich dazu animiert, Astrophysik zu studieren — ich hatte gehört, dass es momentan keine freien Arbeitsstellen als Jedi oder Kopfgeldjäger gäbe.

          Im Hinterkopf dachte ich allerdings ständig: „Wenn der Film doch bloß nicht so… doof wäre.“ Ich fand das Weltraumsetting prima, aber dass Schauspieler, Dialoge und Handlung eher dünnflüssige Grütze waren, merkte ich insgeheim dennoch.

          • Zur Aufwertung Deiner leicht frustriert klingenden Resummees zu den guten alten Spacecowboyfilmen empfehle ich die intelligenteste aller dieser Weltraumimperiumsverherrlichungsfolgen:
            Spaceballs!

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