Kindesmißbrauch: Frauen als Täterinnen

Ein interessantes Interview zu Frauen als Täterinnen:

Peter Sawicki: Vor der Sendung haben wir mit Julia von Weiler gesprochen. Sie ist Psychologin und leitet den Kinderschutzverein Innocence in Danger. Die erste Frage an sie war, ob auch Frauen zu Täterinnen werden können?

Julia von Weiler: Ja, Frauen sind in der Lage, Mädchen und Jungen zu missbrauchen. Ich hab mir in Vorbereitung für dieses Interview noch mal die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums angeschaut, der Mikado-Studie, und dort berichten 46,4 Prozent der betroffenen Jungs, von einer Frau missbraucht worden zu sein, und immerhin 10,5 Prozent der betroffenen Mädchen, von einer Frau missbraucht worden zu sein. Das heißt, Frauen als Täterinnen kommen viel häufiger vor, als wir uns alle vorstellen wollen. Und die Tatsache, dass wir das so sehr verleugnen und verdrängen, diese Tatsache schützt am Ende vor allen Dingen die Täterinnen und schwächt die Opfer.

Es ist eben eher das Bild von dem Mann als Sextäter im Kopf, Frauen hingegen hält man da für wesentlich unverdächtiger.

Wobei es natürlich nicht nur auf die Prozentzahlen ankommt: Wenn der überwiegende Teil der Opfer Mädchen wären, dann wären nach dieser Statistik auch der überwiegende Teil der Täter männlich.

 

„Der erste Mythos ist, Frauen sind sexuell nicht aggressiv“

Sawicki: Wie erklären Sie sich, dass dieser Aspekt offenbar so unterschätzt wird?

von Weiler: Ich glaube, das hat mit ganz vielen Mythen zu tun. Der erste Mythos ist, Frauen sind sexuell nicht aggressiv. Und Frauen können ja nicht penetrieren. Und jede Frau ist eine potenzielle Mutter, und Mütter tun so was nicht. Wenn wir uns den Bereich Kindesmisshandlung anschauen, also schlagende Gewalt gegen Kinder oder emotionale Vernachlässigung oder psychische Gewalt gegen Kinder, dann sprechen wir sehr selbstverständlich davon, dass das natürlich auch Mütter tun. Aber wenn es um den sexuellen Gewaltaspekt geht, also um den Moment, in dem die sexuelle Handlung benutzt wird, um Macht und Dominanz auszuüben, verdrängen wir so ein bisschen, dass Frauen dazu auch sehr wohl in der Lage sein können.

Auch da ist es wieder hilfreich sich das altbewährte Bild bewußt zu machen:

 

Damore Populationen Normalverteilungen

Damore Populationen Normalverteilungen

 

Frauen und Männer unterscheiden sich selten absolut, sondern üblicherweise im Schnitt. Und deswegen gibt es eben selten Bereiche, in denen nur Männer oder Frauen eine bestimmte Eigenschaft haben bzw eine gewisse Höhe in der Ausprägung einer Eigenschaft erreichen.

 

Sawicki: Gibt es also eine Art Mutter-Mythos, der in der Öffentlichkeit vorhanden ist?

von Weiler: Ich würde sagen, ja. Es gibt eine Art Mutter-Mythos und einen Mythos der sexuell nicht aggressiven Frau, und den Mythos der nicht so Macht ausübenden Frau, wie wir sie aber eigentlich natürlich längst sehen.

Der Mythos ist in der Tat sehr lebendig und gefährlich. Natürlich üben Frauen in sehr vielen Bereichen Macht aus. Und das gerade auch in der Familie oder ihrem sozialen Umfeld.

„Frauen werden quasi nie angezeigt“

Sawicki: Kann man statistisch erfassen, wie viele Frauen verurteilte Straftäterinnen sind?

von Weiler: Ich glaube, dass das gegen null läuft. Mir ist tatsächlich aktuell kein anderer Fall außer der Fall in Staufen bekannt – was nichts heißt. Da würde sich sicher lohnen, einen Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik zu werfen. Wir wissen aber eben, dass Frauen als Täterinnen quasi nie angezeigt werden, was unter anderem damit zu tun hat, dass Betroffene ganz hohe Hürden überwinden müssen, bevor sie sich überhaupt jemandem mitteilen können. Das hat zum einen wiederum mit einem Mythos zu tun: Wenn ein Junge von einer Frau missbraucht wird, dann wird das gesellschaftlich, besonders, wenn das so ein präpubertärer Junge ist, dann wird das irgendwie subsummiert unter, ach, der wurde in die Liebe eingeführt oder irgend so ein Quatsch. Und wenn Mädchen von Frauen missbraucht werden, teilen sie das sehr häufig überhaupt gar niemandem mit, weil sie das Gefühl haben, okay, das glaubt mir jetzt spätestens keiner mehr.

Das wiederum macht natürlich auch die obige Statistik ungewisser: Wenn Frauen nie angezeigt werden, dann kann ihr Anteil bei den Jungen und Mädchen sogar größer sein und auch auf die absoluten Zahlen könnte man weit weniger vertrauen. Es wäre dann schlicht die Frage, wie hoch die Dunkelziffern wären.

Aber auch ein gutes Argument gegen die männliche Rape Cultur, in der die Gesellschaft so eingerichtet ist, dass Männer mit sexueller Gewalt durchkommen. Anscheinend kommen Frauen noch viel eher damit durch.

Und wir als Gesellschaft müssen anfangen, sehr selbstverständlich auch über dieses Thema zu sprechen, um die Türen für die Betroffenen aufzumachen, damit sie uns das mitteilen können. Wenn ich als betroffenes Mädchen oder Junge das Gefühl habe, wenn ich das jetzt erzähle, dann guckt die mich an und fragt mich, was ich mir denn sonst noch für Märchen ausgedacht habe, dann werde ich das natürlich nicht berichten. Wenn ich aber zum Beispiel in Präventionsworkshops oder in Aufklärungsworkshops sehr selbstverständlich immer höre, dass die Menschen von Männern und Frauen als Tätern und Täterinnen sprechen, die sexuelle Handlungen an Kindern vornehmen, dann entwickelt sich vielleicht so eine Art von Selbstverständnis, das es mir ermöglicht, mich dann auch jemandem mitzuteilen.

Wäre ein interessanter Wandel. Ich kann mir vorstellen, dass diverse feministische Verbände dagegen Sturm laufen würden.

„Lernen, gut hinzuhören, wenn sich Kinder an uns wenden“

Sawicki: Wie schwer ist es tatsächlich dann, dieses offensichtliche Tabuthema jetzt wirklich aufzubrechen und sozusagen auch potenzielle Straftäterinnen von außen besser zu erkennen?

von Weiler: Wichtig ist, dass wir uns selbst in die Lage versetzen, das glauben zu können. Das Gemeine ist ja, dass sexuelle Gewalt an Kindern erschüttert Urvertrauen in Menschen. Und jetzt ist eben das Urvertrauen in den Mythos Mutter erschüttert worden, und damit müssen wir jetzt klar kommen. Was wir aber gern tun, wenn unser Vertrauen erschüttert wurde, dann sagen wir, ach, das war jetzt irgendwie so ein Ausreißer, das war so ein Einzelfall, ach Quatsch, also nicht in meiner Nachbarschaft, nicht in meiner Straße, nicht in meiner Schule. Das hilft nur überhaupt nichts. Wir wissen, sexueller Missbrauch an Kindern findet täglich statt in Deutschland. Wir wissen, Männer und Frauen missbrauchen Kinder täglich in Deutschland. Und nur, weil uns das so schwer ist, hören die damit nicht auf. Das bedeutet, wir müssen uns in die Lage versetzen, diese Gedanken zu denken. Und wir müssen ansprechbar werden für Kinder in Not, und wir müssen lernen, gut hinzuhören, wenn sich Kinder an uns wenden. Und ganz besonders wichtig ist aber dann, dass wir wissen, an wen wir uns wenden können, wenn wir vermuten, ein Kind wird missbraucht.

Frauen als Täterinnen nicht kategorisch ausschließen

Sawicki: Wie kann das in der Praxis aussehen? Wie müsste man da beispielsweise bei Ermittlungen, wenn es Verdachtsfälle gibt, vielleicht anders vorgehen?

von Weiler: Man darf die Frau einfach nicht von vornherein ausschließen als Täterin oder Mittäterin.

Sawicki: Also weibliche Vertrauenspersonen im Umfeld eines Kindes potenziell.

von Weiler: Genau, darf man nicht grundsätzlich ausschließen als eine Täterin oder Mittäterin. Ich war im Mai zu Besuch im Canadian Center for Child Protection, die dort eine große Veranstaltung gemacht haben über drei Tage mit über 600 Strafverfolgern und Sozialarbeitern. Und dort hat ein Strafverfolger ganz eindrücklich erzählt von Fällen, in denen Frauen die Täterinnen waren. Und er hat gesagt, und jedes Mal aufs Neue waren wir überrascht, obwohl wir es inzwischen doch eigentlich hätten besser wissen müssen. Das bedeutet also, wenn ich vermute, ein Kind wird missbraucht, dann muss ich mir überlegen, wer könnte alles in Frage kommen als Täter oder auch Täterin. Und dann muss ich sehr offen sein in meinen Überlegungen. Ich darf natürlich nicht rumrennen und irgendwie wild irgendwelche Leute verdächtigen und sagen, jetzt sind es bestimmt immer die Mütter die ganze Zeit. Das geht auch nicht. Aber ich darf sie eben auch genauso wenig kategorisch von vornherein ausschließen.

Der gleiche Gedanke wäre dann natürlich auch im Gewaltschutz sehr interessant und dazu allgemein die Frage, wie Frauen Macht ausüben.

Sawicki: Das wollte ich gerade noch mal fragen. Sind dann Fachleute in dem Fall am meisten gefordert, da umzudenken?

von Weiler: Absolut. Ich kann von einer Nachbarin oder einer Lehrerin oder einem Lehrer nicht erwarten, dass die alle Eventualitäten in Betracht ziehen. Das wäre wirklich zu viel verlangt. Wenn sich eine solche Person dann aber, weil sie sich Sorgen macht, an das Jugendamt wendet oder an eine Beratungsstelle oder an die Strafverfolgungsbehörden, dann muss ich schon davon ausgehen dürfen bitte, dass diese Fachleute dann wissen, wie sie mit einem solchen Fall umzugehen haben, und dass diese Fachleute eben so wenige blinde Flecken wie überhaupt nur menschlich möglich an den Tag legen, und dass sie sehr offen sich anschauen, ob ein Kind in einer solchen Situation gefährdet ist – ja, nein, vielleicht – , und ob als Täter oder als Täterin, Mann und/oder Frau in Frage kommen.

Eine interessante Sicht. Was haltet ihr davon?

34 Gedanken zu “Kindesmißbrauch: Frauen als Täterinnen

  1. Durchsage von Feministinnen, den wahren Menschenfreunden: Indem Du weibliche Täterschaft thematisierst relativierst Du männliche, und das geht ja mal gar nicht. Der Mann – und nur der – ist und bleibt ein Schwein*!

    *: Nix gegen diese sympathischen Tiere.

  2. Im Prinzip sind diese Aussagen banal. Dass sie für manche Leute revolutionär sein könnten sagt alles was man über das Thema wissen muss. Für alle anderen gilt: möglichst häufig auf diese Zahlen verweisen, damit mit den positiven Vorurteilen aufgeräumt wird.
    Ach ja: Und von „Kinderschänderinnen und Kinderschändern“ sprechen.

    • Dieser Mythos ist aber nicht nur in feministischen Zirkeln verbreitet. Einen Mythos zu widerlegen, der in weiten Teilen der Gesellschaft unabhängig von politischer Orientierung sitzt, würde ich jetzt nicht unbedingt als banal bezeichnen. Mir selber waren die Zahlen jetzt so auch nicht bekannt.

      Es wirkt immer etwas herablassend, wenn man sich hinstellt und sagt „Das ist doch alles banal/ Das habe ich immer schon gewusst“

      • Es ist ein genereller Mythos einer nicht emanzipierten Gesellschaft. Trotzdem ist es banal, ganz ohne Überheblichkeit.
        Man kann es auch verpacken, dass es keine neue wissenschaftliche Erkenntnis ist. Es geht ja nicht darum mit eigenem Wissen zu protzen.

  3. „ob auch Frauen zu Täterinnen werden können?“

    Die Frage ist genau so stupide wie „ob auch Männer Opfer von Sexismus durch Frauen werden können?“

    Einerseits wird behaupten das alles sozial konstruiert ist und andersseits soll es dann biologisch unmöglich sein das Frauen schlechte dinge tun.

    • Ich hatte das so verstanden, dass es unmöglich für Frauen ist, böse Dinge zu tun, weil die Bedeutung von „böse“ sozial so konstruiert ist, dass „etwas, was ein Mann tut“ ein sine qua non ist.

      Das ist wieder das Projektions-Thema: Das Weltbild von Feministinnen IST rein sozial konstruiert und schert sich nicht um Empirie. Also gehen sie selbstverständlich davon aus, dass das für alle anderen auch gilt.

  4. Gucken wir doch einfach auf eine andere Opfergruppe, eine die garantiert nicht redet, wir also Täterinnen brauchen, die sich selbst anklagen.
    Was kommt denn raus, wenn man mal recherchiert, welches Geschlecht recht freimütig K9 in seine Fickseitenprofile schreibt.
    Denn das Beispiel erfüllt ja so ziemlich alle Tatbestände, die gerade den Kindesmissbrauch auch so ekelhaft machen, wenn aus der Hand die dich füttert auch die Hand die dich fingert wird.

  5. https://www.deutschlandfunk.de/sexualstraftaeterinnen-frauen-sind-in-der-lage-maedchen-und.1939.de.html?drn:news_id=911725

    Ganz „toll“ auch dieser Artikel mit dem gleichen Thema, der es am Ende schafft, die polizeiliche Kriminalstatistik als Beleg heranzuziehen, dass „80 – 90% der Täter männlich und 75% der Opfer weiblich sind“. Sprich, man macht ein Interview und hört der Interviewten überhaupt nicht zu, weil die Aussagen nicht ins eigene Weltbild passen.

    Aber die Denkleistung zum Thema Hellfeld und Dunkelfeld und was das Interview dazu aussagt ist vermutlich entschieden zu viel verlangt.

  6. Es gibt nur 2 Faktoren, die verhindern, dass die beiden Normalverteilungskurven der Gewaltausübung von Männern und Frauen annähernd deckungsgleich sind : sozialer Erwartungsdruck und der Mangel an Gelegenheit.

    Sozialer Erwartungsdruck : Von der Frau wird erwartet friedfertig, geduldig und ausdauernd belastbar zu sein, Gewaltausübung ist nicht vorgesehen und wird sozial dementsprechend mehr sanktioniert als bei Männern. Daher halten sich Frauen besonders zurück, wenn sie mit dem Opfer nicht alleine sind bzw. sonst in der Wahl der Mittel, in jenen Fällen, wenn sie mit dem Opfer alleine sind (möglichst keine verräterischen Langzeitspuren der Gewaltanwendung).

    Mangel an Gelegenheit : Frauen wären im Durchschnitt viel gewalttätiger, wenn sie mehr Gelegenheit dazu hätten. Die Gelegenheit konstituiert sich z.B. aus :
    – die Frau ist in einem Fall die Stärkere
    – die Frau ist zwar nicht die Stärkere aber Vergeltung ist aufgrund der Umstände ausgeschlossen
    – die Gewaltausübung ist mit keinem oder sehr geringem sozialem Stigma behaftet

    Besonders deutlich wird das in all jenen Bereichen, wo die oben genannten Punkte auch heute schon zutreffen :
    – Partnerschaft, in der die Frau die Stärkere ist
    – gelinde, sozial tolerierte Gewalt gegen Männer (Ohrfeigen und dgl.)
    – Gewaltanwendung gegen Kinder und Pflegebefohlene
    – Gewaltanwendung gegen wehrlose Pflegebedürftige

    Vielen Männern fällt es offenbar schwer, die „Heilige“ im Kopf auszublenden, und stattdessen den Menschen hinter der Frau zu sehen.

    • Inwiefern wird denn Gewaltausübung von Frauen mehr sanktioniert als bei Männern? Es wird doch eine Kapriole nach der anderen veranstaltet um weibliche Verbrechen zu relativieren. Gerade und besonders dann wenn das Opfer in irgendeiner Form unterlegen war (schlafend, ans Bett gefesselt, körperlich nicht gewachsen usw.).

      Ich verstehe schon dass da anerzogenes Vorurteil und Beobachtung im Hirn sich gegenseitig auscanceln, aber die Reaktion ist eben nicht, das was ich nicht kenne, erforsche/zerstöre ich.
      Wie unsere Primatenverwandten vorgehen würden (Orang-Utan / Schimpanse…. der Bonoboweg würde sich hier nicht anbieten). Nein der Rechtfertigungshamster wird in sein Rad losgelassen. Das Schlechteste was Nuture dem Menschen mitgegeben.

      • Inwiefern wird denn Gewaltausübung von Frauen mehr sanktioniert als bei Männern?
        Nicht juristisch, sondern sozial. Ein Mann, der die Beherrschung verliert und gewalttätig wird, handelt immer noch im Rahmen sozialer Erwartungen. (die Gesellschaft verlässt sich ja auch auf seine Fähigkeit jederzeit gewalttätig zu werden, wenn die Gesellschaft das braucht bei Militär, Polizei e.t.c).
        Eine Frau, die erwiesenermaßen (und bis dahin gelten die von dir genannten Kapriolen) gewalttätig ist und es bleibt wird mE von mehr Menschen geschnitten und von mehr Gemeinschaften ausgeschlossen, als dies umgekehrt bei Männern der Fall wäre.

        • Ein Mann, der die Beherrschung verliert und gewalttätig wird, handelt immer noch im Rahmen sozialer Erwartungen.

          Eben… Die soziale Erwartung ist, dass Männer Arschlöcher sind, eigentlich sogar unabhängig davon, ob sie gewalttätig sind/werden oder nicht.
          Frauen sind nicht so. Wenn sie prügeln oder sogar töten, dann haben sie immer einen guten, triftigen Grund dafür. Oder waren zumindest in der bedauernswerten Lage, überfordert gewesen zu sein.
          Was die juristischen Sanktionen angeht, sollte der Frauenrabatt mittlerweile allgemein bekannt sein.

        • „Inwiefern wird denn Gewaltausübung von Frauen mehr sanktioniert als bei Männern?
          Nicht juristisch, sondern sozial.“

          Das möchte ich so pauschal auch nicht stehenlassen.
          Deine Aussage mag richtig sein, wenn es um verbale Gewalt gegen Kinder geht.
          Richtet sich die Gewalt aber gegen einen Erwachsenen des anderen Geschlechts, dann ist das schlicht falsch.
          Frauen, die in der Öffentlichkeit auf Männer einprügeln und diese beschimpfen, haben kaum jemals Kritik zu befürchten und der geprügelte Mann kann nicht nur nicht darauf hoffen, Hilfe von Passanten zu erhalten, er muss sogar befürchten, dass die Frau ermuntert oder gar unterstützt wird.
          Ist die Konstellation andersherum, dann findet sich sofort jemand, der der Frau zur Hilfe eilt.

          Gewalt gegen Frauen (und Kinder) ist für Männer ein absolutes NoGo, von niemandem toleriert.

    • In der Studie wurde gar nicht ausdrücklich nach Gewalterfahrung gefragt. Die Dame von Innocence in Danger interpretiert es nur als Gewalt. (Geht es dem Verein dem Namen nach nicht eigentlich um den Schutz der Unschuld von Kindern?)

      === Zitat aus http://www.mikado-studie.de/index.php/do1.htm ===
      Als sexueller Kindesmissbrauch wurde eine sexuelle Erfahrung unter 14 Jahren mit einer mindestens fünf Jahre älteren, mindestens 14-jährigen Person gewertet.

      Um zusätzlich sexuelle Grenzverletzungen außerhalb der Missbrauchsdefinition erfassung zu können, wurde für jede bejahte sexuelle Erfahrung auf einer Skala von 1 bis 5 (sehr angenehm – angenehm – solala – unangenehm / belastend – sehr unangenehm /belastend) erfragt , wie diese Erfahrung beim ersten und beim letzten Mal empfunden wurde („Wie war diese Erfahrung (beim 1. Mal / beim letzten Mal) für Sie?“).
      === Zitat Ende ===

      Wenn man Kinder und Jugendliche mit entsprechenden Erfahrungen ausdrücklich danach fragt, ob sie sich als Gewalt- und Missbrauchsopfer sehen, ergibt sich ein ganz anderes Bild, wie ich es hier beschreibe:
      https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sexueller_Missbrauch_von_Kindern&oldid=177059343#Reaktionen_auf_sexuellen_Missbrauch
      Die beiden Studien aus Dänemark und Norwegen sind der Mikado-Studie auch dadurch überlegen, dass die Befragung mit einer sehr hohen Rücklaufquote an Schulen durchgeführt wurde.

      • Hallo
        Die Studien aus Norwegen und Schweden sind für die Betractung des KINDS mißbrauchs nur von begrenzter Aussagekraft, da dort ein höheres Schutzalter gilt.
        Des weiteren fehlt die Langzeitstudie dazu.
        Stand Forschung ist: je jünger das Opfer, desto höher ist die Warscheinlichkeit einer temporären oder permanenten psychischen Schädigung. Das ist unabhängig vom Geschlecht sowohl des Opfers als auch der Täter.
        Und wenn bei einem größeren Teil der Opfer Schäden auftreten, dann sollte man dringend was unternehmen.
        Ich möchte mich jetzt nicht über den Unterschied zwischen einfacher und informierter Zustimmung auslassen. „Gaslighting“ muss ich in dem Zusammenhang hoffentlich auch nicht erläutern.

        LG
        Mike

        • Hallo Mike,

          mir ging es eigentlich nur um die Gewaltfrage. Warum braucht man Langzeitstudien, um herauszufinden, ob etwas eine Gewalttat war?

          > Stand Forschung ist: je jünger das Opfer,
          > desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer temporären
          > oder permanenten psychischen Schädigung.

          Mein Kenntnisstand ist, dass selbst die Schädlichkeit sexueller Handlungen mit Kindern (als solcher) umstritten ist. So schreibt Malón (2015):
          == Zitat ==
          The argument of harmfulness has also been questioned (Bron-
          gersma, 1980; Ehman, 1984; Kershnar, 2001; O’Carroll, 1980),
          even by those that reject these relationships (Krivacska, Free1,
          Gibb, & Kinnear, 2001; Underwager & Wakefield, 1994). It has
          been argued that under certain circumstances these experiences
          are not only harmless, but are in fact even positive and beneficial
          for the child. When there is no violence, coercion, deception, con-
          cealment, etc., some state that the negative consequences attrib-
          uted to these events no longer exist.

          In this regard, as far as scientific research is concerned,
          we can only say that the hypothesis of damage has undeniably
          been contested and that the experts have not reached an agree-
          ment about either its presence or its intensity or even its origin
          (Clancy, 2009; Rind et al., 1998), with it being reasonable to
          conclude that at the moment science seems unable to provide a
          definitive answer.
          == Zitat Ende ==

          Warum wollen Sie besondere Anforderungen für eine gültige Zustimmung („informed consent“) zu sexuellen Handlungen stellen, wenn diese nicht schädlich sind? Und wenn Gewalt im Spiel ist, liegt ja schon mal gar keine Zustimmung vor.

          Ihr Einwand „Gaslighting“ läuft daraus hinaus, dass man gar nicht wissen kann, ob Gewalt im Spiel war, weil den Aussagen der Opfer nicht zu trauen ist, den Aussagen der Täter erst recht nicht, und es meistens keine Zeugen und keinen Videobeweis gibt.


          A. Malón (2015). Adult–child sex and the limits of liberal sexual morality. Archives of Sexual Behavior, 44(4), 1071–1083. DOI 10.1007/s10508-014-0442-8

          • Ich erlaube mir, aus der gleichen Publikation zu zitieren:

            „I have also taken the
            principal criticisms to these arguments into consideration, concluding
            that there are sufficient reasons, even of a prudential nature,
            to uphold the social rejection of sexual relationships between adults
            and minors under a certain age.“

            Das es nachgewiesenermaßen sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, die dem Kind nicht schadeten, ist kein Argument! Es ist btw auch schon lange bekannt.
            Die Anzahl an durch derartige Beziehungen geschädigten Kindern ist signifikant, auch wenn keine physische Gewalt angewendet wurde. Das ist btw auch schon lange bekannt.
            Ebenfalls schon lange bekannt ist, dass sich die auf Mißbrauch im Kindesalter zurückzuführenden psychischen Störungen lange nach dem Mißbrauch manifestieren können.

            Naturgemäß sollte man in sexuellen Fragen nicht mit Moral argumentieren, darin hat der Autor auch recht, und vieles in dieser Diskussion ist moralisch belegt.
            Aber die Faktenlage ist eindeutig dahingehend, dass eine sexuelle Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind dem Kind schweren Schaden zufügen kann (sic!) und dies in signifikantem Unfang auch tatsächlich passiert.
            Darum gehts.

  7. Der letzte Abschnitt des Interviews zeigt die unglaubliche Naivität der Psychologin. Auf die Jugendämter und Strafverfolger zu hoffen bedeutet den Bock zum Gärtner zu machen. Den „Experten“ – die diplomierten Sozialpädagogen wissen weder wie sie mit einem solchen Fall umzugehen haben, noch wollen sie es. Deren Dogma lautet Männer sind Täter – Frauen sind Opfer. Davon gibt es keine Ausnahmen. Die sind eher Komplizen als eine Hilfe.

  8. Wobei es natürlich nicht nur auf die Prozentzahlen ankommt: Wenn der überwiegende Teil der Opfer Mädchen wären, dann wären nach dieser Statistik auch der überwiegende Teil der Täter männlich.

    Nicht zwangsläufig. Dass Täter und Täterinnen immer nur das andere Geschlecht missbrauchen, ist ebenfalls ein Vorurteil.

  9. Als 12jähriger beobachtet:

    Noch einen kleinen Bruder bekommen…
    Wenn Mutter ihn gewickelt hatte, hatte sie fast regelmässig den Penis dieses Säuglings stimuliert und wenn dieser dann versteifte, zwar leise, aber triumphierend gelacht…

    Ich geh davon aus, dass sie das mit mir in meiner Säuglingszeit ebenfalls gemacht hat…

  10. Der entsprechende Abschnitt aus der Mikado-Studie ist hier:
    http://www.mikado-studie.de/index.php/103.htm
    (Nach „Wer sind die Täter“ suchen, die interne Verlinkung ist anscheinend kaputt)
    Dann muss man nicht wild herumspekulieren. 🙂
    Sehr interessant auch die Einleitung der Studie, so findet sich unter dem Punkt „Fakten“[1]
    folgendes:

    Sexueller Missbrauch wird überwiegend von Männern begangen. Legt man die amtlichen Verurteilungsstatistiken zugrunde, liegt der Anteil männlicher Täter bei etwa 98%.

    Ohne jeden Verweis auf die Ergebnisse der Studie, darüber hinaus der einzige Punkt in dem Text, wo die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) kommentarlos zitiert wird, ohne auf das Dunkelfeld hinzuweisen. Nochmal, laut dieser Studie liegt der Anteil weiblicher Täter bei 20-30% also 10-15x höher. Ich würde da mal auf bewusste Irreführung tippen. 🙂

    [1] http://www.mikado-studie.de/index.php/sexueller-missbrauch.htm

  11. Bemerkenswert ist, dass auch dieses Positivvorurteil („Frauen sind nicht aggressiv/können nicht grausam sein“) verhaltensbiologisch untermauert ist: In der Urzeit waren Frauen eher damit beschäftigt, auf die Kinder aufzupassen, während Männer jägten und kämpften — also hat sich im Laufe der Jahrhunderttausende die Vorstellung verankert, Frauen seien notwendigerweise liebevoll und einfühlsam mit Kindern.
    Wir müssen unsere biologische „Ursubstanz“ immer wieder einmal kritisch prüfen.

    • „In der Urzeit waren Frauen eher damit beschäftigt, auf die Kinder aufzupassen, während Männer jägten und kämpften“

      Woher weißt Du das?
      Es ist das Bild, das uns die Wissenschaft vermittelt. Aber richtig muss es deswegen nicht sein.
      Auch wenn ich es für wahrscheinlich halte, dass die Strukturen so waren, so bin ich mir bezüglich der Stringenz nicht so sicher.
      Waren die Männer tatsächlich oft und lange abwesend? In den wenigen noch verbliebenen, von unserer Kultur nicht beeinflussten indigenen Völkern scheinen die Männer die meiste Zeit im Dorf herumzulungern, wo sie gleichermaßen ein Auge auf die Kinder haben.

      „Wir müssen unsere biologische „Ursubstanz“ immer wieder einmal kritisch prüfen.“

      Eben.

      • Ja, es ist ein comichaft-vereinfachtes Bild, das ich in meinem Kommentar zeichnete.

        Generell vermute ich, dass es vor 100.000 Jahren bereits viele verschiedene Kulturen und Stämme gab, mit unterschiedlichen sozialen Traditionen. „Die Urmenschen“ schlechthin gab es wohl nicht.

  12. Man hat sich schon gefragt, wo hier die Besprechung zu dem Fall, der kürzlich vor Gericht war, irgendwann mal auftaucht – weil, es gehört ja mehr als nur zu dem Kern-Themengebiet, worum sich dieser Blog hier dreht…

    Erwarten würde man da jetzt nichts, dass sich da großartig etwas ändert.
    Die Öffentlichkeit – also, Medien und alles außerhalb der Fachwelt, die sich mit so etwas beschäftigen muss – wird wieder mal das große Entsetzen auffahren, Teufel und Engel ernennen, und nächste Woche ist das Thema wieder abgehakt. Die nächste Sensation kommt bestimmt…
    Nebenbei, es passt auch nicht ins allgemeine Narrativ, dass Frauen friedliebende und wohlwollende empfindsame Wesen sind, die keiner Fliege was zuleide tun.
    Gerade deswegen wird man den Fall so schnell wie möglich wieder in der Mottenkiste verschwinden lassen – auch wenn das Thema explizit nichts neues ist und in der Gewaltprävention schon lange thematisiert werden muss.
    Es steht da ein dicker Balken vor Augen und der soll bitte auch nicht wegkommen, sonst müsste man ja seine Wertordnung auf den Kopf stellen und seine eigenen Erwartungen und Vorurteile bezüglich Menschen und Typen von Menschen auf den Kopf stellen. Dazu ist eine Gesellschaft und ein System aber zu faul, welches gern andere kleinhalten und von deren Schweigen profitieren will.

    Leider nur für das geübte Auge, aber dennoch nicht zu übersehen, wer es wahrnimmt:
    Allein das Tabu, dass eine Frau auch schwere Straftaten begehen kann, die Schwierigkeit, das offen anzuerkennen, sagt sehr viel eine Gesellschaft und ein System aus – wie rückschrittlich und festgefahren es in den Bildern lang vergangener Jahrzehnte ist. Wie sehr es in Klischees und Vorurteilen gefangen ist, die es angeblich alle im Zuge einer offenen Gesellschaft abgestreift hat.

      • „Nach der Wende wurde deutlich, dass in der früheren DDR Gleichstellung nicht so ideologisch aufgeladen war wie in der BRD.“ Im Westen habe das Paradigma geherrscht, dass Männer in ihrer Macht eingeschränkt und Frauen geschützt werden müssten. Im Osten dagegen habe man Gleichberechtigung meist ganz selbstverständlich und alltäglich gelebt.
        Quelle: http://genderama.blogspot.com/2018/08/mutter-verurteilt-die-ihren-sohn-online.html

        Ich find den Teil, der dort aus einem anderen Artikel zitiert wird, sehr nett. Schöne Erkenntnis.
        Nicht nur, dass der Zustand genau so sein sollte – also „Hilfesuchende haben kein Geschlecht, sondern Probleme“ -, sondern auch etwas, was dem eigenen Verstand immer wieder auffällt: West Germany, aber auch die USA und wahrscheinlich noch ein paar andere Länder dazu, müssen erst einmal anfangen, ihre alten muffigen Bilder von Menschen aus den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten loszuwerden. Anfangen, Menschen als das zu sehen, was sie sind – eben Menschen, und nicht das Fleisch, was an ihnen klebt, oder ihre Hautfarbe.
        Wenn man nämlich nicht in diesen alten ausgelutschten Bahnen von vorvorgestern denkt, man kommt sich stets vor wie in einem Tollhaus, wo alle bekloppt geworden sind.

  13. Pingback: „Toxische Weiblichkeit“, #Metoo und Verklärung von Frauen | Alles Evolution

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