Toleranz vs. (bremsende) Regeln vorgeben

In die Debatte um die Anschaffung von „Burkinis“ für den Schwimmunterricht an Schulen mischt sich ein Verein ein, der bereits seit längeren Schwimmunterricht gibt:

Ich weiß, wovon ich rede. Seit zweieinhalb Jahren arbeite ich im Rahmen des Vereins LieberLesen e. V. mit muslimischen Mädchen, die seit 2015 in einer Flüchtlingsunterkunft in einer hochgradig repressiven Parallelgesellschaft leben. Vor zwei Jahren hatten wir die Mittel eingeworben, um einer Gruppe von Mädchen Schwimmunterricht erteilen zu können. Unsere Position war eindeutig: Schwimmunterricht nur im normalen einteiligen Badeanzug. Den würde der Verein den Mädchen spendieren. Vor Beginn des Schwimmunterrichts wurden die Eltern zusammengerufen, das Foto einer 13-jährigen Altersgenossin im schwarzen Badeanzug hing im Großformat an der Wand; eine Kollegin aus Syrien half beim Übersetzen und Argumentieren: darüber, wie wichtig Schwimmen gerade für Mädchen ist; darüber, dass die Art der Badebekleidung weder von Mohammed noch im Koran vorgeschrieben ist; darüber, dass Verhüllungsvorschriften für Frauen nicht religiös fundiert sind und auch nicht vom Islam eingeführt wurden, sondern 2000 Jahre vor dem Erscheinen von Mohammed zur Zementierung einer patriarchalen Männerherrschaft im Orient erfunden wurden, um Frauen unsichtbar, unbeweglich und schwach zu machen.

Wir haben den Eltern klargemacht, dass ihre Töchter nur dann am Schwimmunterricht teilnehmen dürfen, wenn sie, die Eltern, unterschreiben, dass sie mit dem Tragen eines normalen einteiligen Badeanzugs einverstanden sind. Alle Eltern haben unterschrieben; alle Mädchen haben Schwimmunterricht erhalten, alle Mädchen haben sich nach anfänglichen Schwierigkeiten daran gewöhnt, dass in der Schwimmhalle auch Jungen zugegen sind, alle Mädchen haben das Seepferdchen und das Bronzeabzeichen gemacht, alle Mädchen sind wilde Wasserratten geworden und scheren sich nicht darum, was sie anhaben und wer in der weiteren Umgebung des Schwimmbades anwesend ist. Warum können unsere verantwortlichen Instanzen – Politik, Verwaltungen, Schulen – nicht den Mumm aufbringen, bei uns herrschende Regeln und Selbstverständlichkeiten von den Menschen zu verlangen, die bei uns Schutz suchen, und die wir ernähren.

Das ist ja ein Phänomen, welches man häufiger antrifft. Wer Leuten nicht die Möglichkeit gibt, dass sie es auf ihre Weise machen können, sondern die Art und Weise vorgibt, der gibt erst gar nicht die Möglichkeit zu einer Diskussion und damit auch nicht die Gelegenheit zum Virtue Signalling.

Es ist insbesondere ein guter Weg ein Race to the Bottom zu verhindern, bei der die extremsten die Bedingungen vorgeben und andere meinen, ihnen folgen zu müssen, weil alles andere sie schlecht aussehen lassen würde.

Wenn man eben beim Schwimmunterricht keinen Burkini tragen darf und auch noch angeführt wird, dass man die Gegenargumente dazu hat, dass dieser Erforderlich ist, dann mögen ein paar Extreme ihre Kinder vielleicht nicht anmelden, die weniger extremen fühlen sich aber gleichzeitig nicht schlechter, weil ihnen der Weg dahin ja abgeschnitten ist.

Jemanden die Entscheidung abzunehmen kann als Befreiung empfunden werden, weil man dann die eigene Botschaft weniger kontrollieren muss.

Ein klassisches Beispiel sind Kinder, denen man die Wahl überlässt, ob sie zum Umgang zum Vater gehen, und die das Gefühl haben, dass sie der (traurigen) Mutter signalisieren müssen, dass sie sie lieber haben als den Vater und da gar nicht hin wollen. Dem Kind zu sagen, dass die Eltern/das Gericht es für es entschieden haben und das so gemacht werden muss kann dann eine Befreiung sein.

Ein anderes Beispiel wäre ein Flirt, bei dem der Mann aktiv wird und die Frau das Gefühl hat, dass es „einfach so passiert ist“

Im modernen Feminismus fehlt dieses Regulativ in gewisser Weise. Keiner darf dort sagen, dass gewisse Anfeindungen oder Anprangerungen zu weit gehen. Es gibt niemanden, der sagt, dass es genug ist und das der normale Schwimmanzug reicht und der Burkini zuviel ist . Deswegen entwickelt sich dort immer ein Race to the Bottom, in der jeder noch eine nur von ihm gefundene Diskriminierung nachlegen will.

Der Preis des Verlobungsrings steht in einem Verhältnis zur Schönheit der Partner

Männer haben also für eine schöne Frau mehr ausgegeben und das gerade, wenn sie selbst nicht so gut aussahen.

Und schöne Frauen wollen auch teurere Verlobungsringe.

Interessant wäre, ob sie es einkommensbereinigt haben oder ob schönere Frauen sich schlicht finanzstärkerer Partner haben, von denen sie dann teurere Ringe erwarten.

vgl auch:Der Verlobungsring als Costly Signal

 

Justin Trudeau wird der Belästigung beschuldigt, meint aber er habe da nichts Nachteiliges in Erinnerung

Der kanadische Premierminister hatte angekündigt, dass er eine Null-Toleranz-Haltung bei sexueller Belästigung hat. Wem etwas vorgeworfen wird, der muss gehen. Jetzt hat es ihn wohl selbst erwischt:

Canadian Prime Minister Justin Trudeau has denied allegations that he groped a reporter at a festival in 2000.

The event in Creston, British Columbia, was held to raise money for an avalanche safety charity with which Mr Trudeau was involved.

Days afterwards, an unsigned editorial appeared in a local paper accusing him of „groping“ a young female reporter.

The prime minister said he did not recall any „negative interactions“ at the event.

Speaking to reporters in Regina, Saskatchewan while on a three-city Canada Day tour, Mr Trudeau said he remembered the day in Creston well.

„I had a good day that day,“ he said. „I don’t remember any negative interactions that day at all.“

The editorial and its allegations resurfaced after a blogger posted an image of the article on Twitter in June.

Published in the Creston Valley Advance newspaper, the piece accused Mr Trudeau of „inappropriately handling“ the reporter, who felt „blatantly disrespected“ by the actions, which were not described.

According to the editorial, Mr Trudeau apologised for his behaviour and said: „If I had known you were reporting for a national paper, I never would have been so forward.“

Mr Trudeau was a 28-year-old teacher at the time of the event. He became involved with the charity Avalanche Foundation after his brother Michel died in an avalanche in 1998.

CBC News made contact with the woman who was the subject of the editorial, who reportedly said she did not want to be associated with the story, contacted about it in future or have her name used in connection with it.

CBC spoke to Valerie Bourne, the publisher of the paper at the time, and the paper’s then-editor, Brian Bell, both of whom believe the reporter.

Neither Ms Bourne nor Mr Bell authored the piece, with Ms Bourne telling the site she believes the woman wrote the editorial herself.

Da steckt einiges drin:

  • Der alte Satz, dass männliche Feministen früher oder später selbst eine Anschuldigung wegen sexueller Belästigung gegen sich haben werden
  • Die Frage, ob Trudeau nun nicht selbst konsequent sein müsste und schlicht auf den Vorhalt hin, dass es so wahr, sein Amt niederlegen müsste und damit die Frage eines Glaubwürdigkeitsverlusts.

Es wäre ja ganz interessant, wenn Trudeau über ernste Anschuldigungen zu der Einsicht gelangen würde, dass die feministischen Theorien doch ihre Tücken haben.

 

Leiden von Frauen zählen mehr als Leiden von Männern

Weibliche Journalisten werden weniger retweetet?

Ein Studie sorgt gerade auf Twitter für Aufruhr, an der sich das Patriarchat und seine Macht mal wieder zu bestätigen scheint.

Der Guardian schreibt gar:

Männliche Journlisten ignorieren ihre weiblichen Kollegen auf Twitter, wie eine Studie zeigt

Ignorieren! Da zeigt sich mal wie schlimm diese vermutlich weißen und heterosexuellen Mistkerle sind.

Es handelt sich um diese Studie:

Given both the historical legacy and the contemporary awareness about gender inequity in journalism and politics as well as the increasing importance of Twitter in political communication, this article considers whether the platform makes some of the existing gender bias against women in political journalism even worse. Using a framework that characterizes journalists’ Twitter behavior in terms of the dimensions of their peer-to-peer relationships and a comprehensive sample of permanently credentialed journalists for the U.S. Congress, substantial evidence of gender bias beyond existing inequities emerges. Most alarming is that male journalists amplify and engage male peers almost exclusively, while female journalists tend to engage most with each other. The significant support for claims of gender asymmetry as well as evidence of gender silos are findings that not only underscore the importance of further research but also suggest overarching consequences for the structure of contemporary political communication.

Quelle:   Twitter Makes It Worse: Political Journalists, Gendered Echo Chambers, and the Amplification of Gender Bias

Der obige zweite markierte Satz aus dem Abstract ist ja schon interessant formuliert:

„Männliche Journalisten vervielfachen und intereragieren mit  männliche Kollegen fast ausschließlich, während weibliche Journalisten  größtenteils mit sich anderen weiblichen Journalisten interagieren“

Also beide Geschlechter scheinen nach diesem Satz mehr miteinander als mit dem anderen Geschlecht zu machen, aber bei Männer ist es anscheinend eher etwas, was man vorwerfen kann.

Die Situation wird wie folgt beleuchtet:

As seen in Britain, Sweden, the United States, and elsewhere, women continue to be relegated to lifestyle or soft news beats (North 2016a). To establish expertise in “hard news,” women have to fight to be considered “one of the boys/blokes,” a challenge that is even harder for mothers (Nilsson 2010; North 2016b). Journalists are more likely to use more male sources; Armstrong (2004) found that male sources and subjects appeared at twice the rate of women, though reducing byline disparities may enable greater inclusion of female sources. Across the globe, there are simply more men than women producing news (Global Media Monitoring Project 2015). Today, in the United States, female journalists do not just face byline and representation disparity, but they also are more likely to burn out than men (Reinardy 2009), feel less job and financial security (Lucht 2016), and are awarded Pulitzer Prizes less frequently (Volz and Lee 2013). Such gendered inequalities are far from unique to the United States. The majority of high-profile journalists and editors in most countries are male, and women face a range of gender-specific challenges (e.g., Franks 2013).

Also Männer produzieren mehr Nachrichten, Frauen erleiden eher einen Burn-Out, fühlen sich so als hätten sie eine geringere Job- und Geldsicherheit und erhalten weniger Publitzerpreise.

Die Studie will dann folgende Fragen klären:

Research Question 1 (RQ1): Is there gender asymmetry in the way that beltway journalists legitimate each other on Twitter?

Research Question 2 (RQ2): Is there gender asymmetry in the way that beltway journalists engage with other beltway journalists on Twitter?

Research Question 3 (RQ3): Is there gender asymmetry in the way that beltway journalists amplify other beltway journalists on Twitter?

Was fehlt ist die aus meiner Sicht für einen Forscher interessanteste Frage: Woran liegt es? Was machen Frauen oder Männer anders? Welche Faktoren führen etwa einzelnen bei Frauen dazu, dass sie vom Schnitt abweichen und welche bei Männern? Liegen vielleicht Unterschiede im Verhalten vor, die bei beiden Geschlechtern zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, sich aber im Schnitt häufiger bei Frauen oder Männern führen?

Diese scheinen aber leider nicht ausdrücklich gefragt zu sein. Dennoch wurden in der Auswertung Unterschiede gefunden:

Twitter measures were compared by gender using a standard difference-of-means test. We approach our analysis in three key ways to examine whether beltway journalists differ by gender: how they are legitimated, engaged, and amplified. To look at these dynamics in a more descriptive way, we looked at the gender dynamics of the top twenty-five power users (see Table 1).

Hier die Tabelle:

Männliche Journalisten und weibliche Journalisten Twitter

Männliche Journalisten und weibliche Journalisten Twitter

Wenn ich das richtig verstehe, dann geht es darum, wie viele Männer und Frauen jeweils in einer bestimmten Kategorie waren, wenn man dort die „Besten“ betrachtet.

Wenn man schaut, wer die meisten eigenen Tweets abgesetzt hat, dann waren es 22 Männer und 3 Frauen.

Wenn man schaut, wem Journalisten die meisten Antworten auf einen Tweet schreiben, dann waren es 21 Männer und 4 Frauen. Männliche Journalisten haben hingegen nur Männern geantwortet und weibliche Journalisten haben 3 Männern und 22 Frauen geantwortet .

Unter den 25, denen die meisten Journalisten folgen, waren 22 Männer und 3 Frauen.

Und bei den meisten Retweets von anderen Journalisten waren es 20 Männer und 5 Frauen.

Frauen sind also in allen Bereichen im Schnitt wesentlich weniger vertreten. Es werden aber auch noch andere interessante Bereiche ausgewertet:

By legitimation, we mean the account characteristics of beltway journalists that signal cultural capital on Twitter (Barnard 2014)—indicators of a journalists’ legitimacy as a member of the in-group. We considered four key characteristics by gender: verification status, journalists’ follower count, journalists’ mention counts by other journalists, and journalists’ original tweets.

First, we considered verification status, which we found to be statistically significant: Male political journalists are slightly more likely to be verified than female journalists, with the little blue check mark of authenticity conferring legitimacy in a way suggestive of gender bias.

Second, we considered the possible impact of a journalists’ number of total followers. We find male journalists are followed at roughly twice the rate of women; male journalists were, on average, followed by 20,181.31 total accounts, while female journalists were, on average, followed by 11,609.53 total accounts (8,517.786; p < .001, x−). If journalists are making an assessment about which of their peers is worth paying attention to on Twitter, this huge gender asymmetry in aggregate followers may well have a disproportionate impact in the perceived legitimacy of their peers.

Third, we looked at how often a journalist was mentioned by another journalist. We argue that mention counts provide an important marker of cultural capital on the platform. On average, these mention patterns by gender of journalists do not differ in a significant way (see Table 2), a hopeful sign: Male and female journalists are giving “shout outs” in a way that does not suggest gender bias.

Hier die  Tabelle 2:

Journalisten Follower etc

Journalisten Follower etc

Männer haben damit erheblich mehr Follower, sie tweeten erheblich mehr, sie schreiben mehr eigene Tweets, sie werden im geringen Umfang mehr erwähnt. Gerade wenn man bedenkt, dass sie wesentlich mehr twittern, dann werden sie für ihren Aufwand sogar weniger oft erwähnt.

Fourth, we looked at original tweets. For journalists assessing the cultural capital of a peer journalist on Twitter, a key factor may be whether a journalist is tweeting interesting content. These original tweets (as opposed to retweets or replies) constitute 28.6 percent of all of the tweets in our sample and, thus, play an important role in overall dynamics. We note that, on average, male journalists craft more original tweets than female journalists: Men tweeted 115.993 original tweets, while women tweeted 83.838 tweets (p < .001) during the eight-week period studied; in aggregate, male beltway journalists do more original tweeting than female beltway journalists (see Table 2).

Women may be at a disadvantage in terms of influence among their male peers because they simply do not craft as many original tweets. Among the top twenty-five most prolific original tweeters (see Table 1), only three are women. One is Greta Van Susteren, who has been an anchor for CNN, Fox, and MSNBC, suggesting women may be less likely to compose high numbers of original tweets unless they reach a high level of prominence in the field.

Die letzte Schlußfolgerung könnte man natürlich auch anders herum anstellen: Frauen, die das gleiche Verhalten wie Männer zeigen und ebenfalls viel eigene Inhalte produzieren, kommen auch eher nach oben. Aber das wäre dann ja etwas aktives, wo Frauen selbst etwas machen müssten.

Taken together, these measures are imperfect but useful ways of assessing the extent to which legitimation is affected by gender, and we learn that there is significant gender asymmetry when it comes to aggregate follower patterns and original tweet count. There are indications that women face an upward battle in terms of how their peers recognize them as significant players on the platform.

Oder: Sie tweeten wesentlich weniger und deswegen haben sie weniger Follower und werden deswegen auch weniger wahrgenommen.

Schließlich wurden noch weitere Daten ausgewertet:

Männliche und weibliche Journalisten twitter

Männliche und weibliche Journalisten twitter

Wie man hier gut sieht folgen Männer und Frauen nahezu der gleichen Prozentzahl von Männern und Frauen.  Nur das Männer auch mehr Leuten folgen, mehr Antworten etc.

Es ist natürlich auch viel Wahrscheinlicher, dass man mit jemanden diskutiert, der mehr eigene Inhalte hat. Und wenn Männer allgemein wesentlich mehr Antworten, dann könnte die höhere Zahl auch schlicht daran liegen, dass die Männer eher auf die Kommentare zu ihren Tweets antworten und dort eher eine Diskussion entsteht. 22.700 Replies von Männern zu 2.000 Replies bei Frauen, dass ist unglaublich viel mehr.

Und natürlich: Auf diese Weise netzwerkt man auch: Wenn jemand immer wieder die eigenen Tweets retweetet, dann wird man auch diesen eher retweeten. Wenn man mit jemanden häufiger diskutiert hat, dann nimmt man ihn auch eher wahr. Und natürlich macht es auch schlicht mehr Spass jemanden zu folgen, der mit weiteren Tweets weitere Informationen bringt oder seine Gedanken erläutert.

Auch nicht einbezogen ist der „Mansplaining-Faktor“: Während man einem Mann nahezu alles erklären kann und er dann üblicherweise in der Sache antworten wird, etwa was er da anders sieht, ist eine Antwort: „Mansplaine hier nicht rum“ eben schlicht ein Abbruch der Diskussion statt der Beginn einer solchen.

 

Maedeh Hojabri, Religion, Tanzverbote im Iran

Im Iran scheint mir einiges an Proteststimmung vorhanden zu sein, und diese scheint ganz überwiegend von jungen Frauen getragen zu werden, die freier leben wollen. Nach dem einige schon ihr Kopftuch abgesetzt haben und dafür verhaftet worden sind wurde jetzt auch eine Frau verhaftet, weil sie auf Instagram Videos von sich beim Tanz hochgeladen hat.

Es ist natürlich schwer zu sagen, aber es scheint dort zu gären. Es wäre ein Feminismus hinter den ich mich voll und ganz stelle.

 

Mutterschutz und Schwangerschaft als gute Zeit

David schreibt in einem Artikel, in dem es um künstliche Gebärmuttern ging zu der Schwangerschaft,  Elternzeit etc:

Nie im Leben würden Frauen diesen Job abgeben! Frauen sind selten glücklicher als während der Schwangerschaft.

Ich kann so ein Exemplar derzeit zuhause bewundern und abgesehen von den Geburtsschmerzen scheint das ein Traumjob zu sein.

Interessanterweise ist sich meine Frau dieser Privilegien vollauf bewusst und kann es selbst kaum glauben, wie man als Frau fürs Kinderkriegen gepampert wird.

Es dürfen keinerlei Nachteile entstehen, Vorteile dafür umso mehr.

Großzügiger Kündigungsschutz, unglaubliche 14 Wochen Mutterschutz bei vollem Lohnausgleich (für diese 3,5 Monate wird sogar noch zusätzlich Urlaub angerechnet), frühzeitige Befreiung von „schweren“ Arbeiten und Arbeitszeiten, so dass z.B. keine Arztdienste mehr gemacht werden müssen.
Die extra vergüteten Dienste + Zulagen werden aber selbstverständlich vollkommen ausgeglichen, auch wenn sie nicht gemacht werden! Auch bei den in Deutschland extrem großzügig gehandhabten „Berufsverboten“, die quasi auf Wunsch auch schon in frühen Schwangerschaftsstadien attestiert werden und selbstverständlich auch trotz völliger Untätigkeit voll bezahlt (+Dienstzulagen) werden.
Meine Frau hat ihre Schwangerschaft erst gemeldet, als sie nicht mehr zu übersehen war, einfach nur weil sie normal arbeiten wollte und das für unglaublich dekadenten Kappes hält.
Gerade erfährt sie, auch noch eine „Schwangerschaftsbeilage“ von 400€ fürs Gebären zu bekommen.
Nach der Geburt dann Elternzeit (durchschnittliche Inanspruchnahme in D sind 11,7 (!) Monate, Frauen lassen sich da also nicht viel nehmen, auch nicht vom Mann) und bis zum Kindesalter von 8 Jahren Anspruch auf 3 volle Jahre Erziehungszeit mit Kündigungsschutz pro Kind (kann willkürlich gewählt werden in dieser Zeit). Meist auch noch Anspruch auf Teilzeit (höherer Nettostundenlohn).

So lange man nicht an diese Privilegien geht und sie sogar noch weiter ausbaut, wird sich an der klassischen Rollenverteilung ganz gewiss nichts ändern. Was Frauen ja auch nicht wollen, und wenn dann nur vorgeblich.

Die Darstellung ist interessant, weil man in feministischen Artikeln zu Gehaltsunterschied und Karriere häufig den Eindruck hat, dass es nirgendwo schöner ist für eine Frau als in einem Büro und sie da nur durch das Patriarchat heraus gedrängt wird, also die Zeit mit dem Kind anscheinend keinerlei Anziehung für sie hat, die dazu führt, dass sie einer solchen Aufteilung von sich aus gerne zustimmt. Es erscheint als reine Last, einen Kampf um das Büro, den sie wegen der Geschlechterrollen verliert.

Auch ich kenne es eher, dass Frauen sich auf die Zeit mit dem Kind freuen, es zwar natürlich auch als stressig ansehen, aber eher überlegen, ob sie nicht etwas länger machen sollen, man soll ja auch nicht zu früh wieder anfangen.

Wie sind eure Erfahrungen?

Selbermach Samstag 195 (07.07.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

Da sich die Urlaubszeit nährt gilt der Hinweis auf den Gastartikel noch einmal um so mehr. Wer schon immer mal was schreiben wollte: Jetzt wäre eine gute Zeit dafür!

Weibliches Signalling mit Sexappeal oder mit Tugend

Crumar schrieb in einem Kommentar:

Auch die Verschleierung der jungen, konservativen islamischen Frauen ist zweitens nichts anderes als virtue signalling.
Sie bekunden selbstverständlich ihren sexual market value mit diesem Signal, auch wenn das ein anderes als das gewohnte Signal ist.
Ob eine Frau mit „hoppla-meine-Möpse-fallen-raus“ Männer zum lechzen bringen willst oder mit „seht-her-ich-bin-eine-Jungfrau“ ist für die Funktion, nämlich die Absicht „lechzen“ zu produzieren Wurst.

Wenn ihr bitte akzeptiert, dass es linke und rechte PC gibt, dann haben wir es in Zukunft einfacher mit der Detailanalyse.

Ich schrieb dazu:

Vollkommen richtig, es ist virtue signalling in beiden Fällen.
Das eine ist sexueller, das andere anständiger, weil beide Gesellschaften andere Schwerpunkte setzen.
Gerade wenn es eine starke Unterteilung in „Frauen zum Spass haben, aber niemals heiraten“ und „Frauen zum Heiraten“ gibt, dann macht es Sinn sich, wenn man in die zweite Kategorie fallen will, deutlich dieser Gruppe zuzuordnen.
In unserer Gruppe wäre „ich suche eine Frau zum Spass haben und wenn dann alles gut klappt wird darauf eine dauerhafte Partnerschaft“ eher vorherrschend, so dass das Virtue signalling darauf ausgerichtet wird.

Crumar führte dazu noch aus:

Wir haben ebenfalls ein transaktionales Modell, aber werfen weitaus mehr wechselseitig abzuverlangende Eigenschaften und Einstellungen in die Waagschale als das bei den traditionellen Partnerschaften der Fall ist.
Gelungener partnerschaftlicher Sex gehört u.E. zu den Kriterien für das Gelingen einer dauerhaften Partnerschaft.

Uns kommt daher das Geschäft „exklusiver Zugang zur weiblichen Sexualität ohne Vorerfahrung im Eintausch gegen den männlichen Vollversorger“ bescheuert vor.
Aus der weiblich-feministischen Perspektive wird ständig die repressive islamisch-konservative Sexualmoral betont, insofern sie sich sich gegen Frauen richtet, denen abverlangt wird, ohne sexuelle Vorerfahrungen in die Ehe zu gehen (dass das real ist, wage ich zu bezweifeln).

Aus der männlichen Perspektive jedoch sind die Fragen relevant, warum er sich auf diesen Handel einlassen sollte, wenn a. die Kosten für Sex fallen, weil er – mehr oder weniger – frei verfügbar und es b. nicht absehbar ist, ob überhaupt eine gelungene Sexualität in der Ehe existieren wird.
Alle Charakteristika eines „bad deal“.

Wenn man einen rein ökonomischen Blick auf diesen deal richtet, kommt man schnell darauf, dass ein Geschlecht ein solides Interesse daran hat, gegen die verdorbenen Werte westlicher Gesellschaften zu sein.
Denn unter diesen Umständen ist „seht-her-ich-bin-eine-Jungfrau“ wertlos.
Das „seht-her-ich-bin-eine-Jungfrau“ als virtue signal und also Distinktionsmerkmal gegenüber anderen Frauen, als eigenständiger Wert auf dem Sexual- und Heiratsmarkt funktioniert nur, wenn man eine Kultur produziert und reproduziert, in der dieses einen Wert besitzt.

Ergänzen möchte ich noch, dass die Frage des „Kein Sex vor der Ehe“ natürlich wegen der „Vatersicherheit“, also der Frage, inwiefern man tatsächlich der Vater späterer Kinder ist, interessant war.

Das Problem entschärfte sich natürlich mit der Entwicklung der modernen Verhütung, was Männern und Frauen mehr sexuelle Möglichkeiten gab. Es ist insofern eine zu erwartende Folge einer solchen Entwicklung, dass man, wenn man folgenlosen Sex haben kann, weitaus früher mehr ausprobieren kann, ohne sich zu binden und gleichzeitig die Zeit einer festen Bindung im Sinne einer Heirat nach hinten verlagert werden kann (was gleichzeitig den Vorteil mit sich bringt, dass man bis zur Heirat üblicherweise die Möglichkeit hat festzustellen, ob sie schwanger war von einem anderen Mann, mit dem sie vor der Beziehung Sex hatte, weil man ja Sex mit Verhütung mit ihr hat. Insofern hat man dann theoretisch sogar eine genauere Information als derjenige, der nach der Heirat mit ihr schläft, vorher aber weitaus weniger Möglichkeiten des Kennenlernens hatte)

In konservativeren Gesellschaften dauert insofern die Umstellung noch an. Diverse „Umgehungspraktiken“ wie etwa Oral- und Analsex werden ebenso im Gebrauch sein wie ein Vortäuschen von Tugendhaftigkeit nach außen zur Wahrung des Gesichts.

Mit gefällt (natürlich) das Modell wesentlich besser. Ich würde gar nicht verstehen, warum man da mit den modernen Möglichkeiten warten sollte und ich finde auch nichts untugendhaftes daran, seine Sexualität im normalen Umfang auszuleben und in der Hinsicht Erfahrungen zu sammeln.

Aber das ist sicherlich eine Kulturfrage. Wo mich ein Kopftuch abschreckt mag es für andere als Signal funktionieren. Meine Vermutung ist, dass es heute dann auch bei vielen weniger für tatsächliche Enthaltsamkeit steht, eher für eine verborgenere und eine Beziehung voraussetzend Sexualität, die eine längere Anlaufzeit benötigt. Bei anderen mag es auch nur als rein kulturelles Zeichen der Zugehörigkeit funktionieren.

 

Leistungen bei sehr hohem IQ