Der „Comparable Worth“-Ansatz

Als Reaktion auf die Bereinigungen des Gender Pay Gaps scheint ein neues Instrument entwickelt worden zu sein, welches nachweisen soll, dass Frauen diskriminiert werden. Dazu sollen nicht die Anforderungen des Marktes in Vordergrund stehen, sondern die konkreten Belastungen des Jobs.

Aus einem Text dazu:

Die Instrumente zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung basieren auf den Erkenntnissen der diskriminierungskritischen Arbeitswissenschaft (z.B. Rohmert, Rutenfranz 1975; Krell, Winter 2011) die die Bedeutung der Arbeitsbewertung und der dazu verwendeten Verfahren in den Fokus des Interesses rücken. Diese Verfahren, die sich in Tarifverträgen und betrieblichen Vereinbarungen finden und für einen Großteil der Verdienste in Deutschland verantwortlich sind, müssen nicht automatisch diskriminierungsfrei gestaltet sein. Vielmehr lassen sich im Rahmen des CWAnsatzes verschiedene Mechanismen innerhalb der Arbeitsbewertungsverfahren identifizieren, die die Unterbewertung weiblicher Erwerbsarbeit (d.h. evaluative Diskriminierungen) institutionell festigen und dazu beitragen können, dass solche Ungleichbehandlungen aufgrund des Geschlechts Einzug in die Lohnstruktur erhalten und sich dort festsetzen. Entscheidend sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Kriterien, die per Verfahren zur Bewertung zur Verfügung stehen. Diese Kriterien bestimmen darüber, welche der Anforderungen und Belastungen, die im Rahmen der Ausübung einer Tätigkeit entstehen, tatsächlich in die Bewertung mit aufgenommen werden können und dementsprechend auch bezahlt werden. Sofern beispielsweise die benannten Kriterien eher geeignet sind, die Anforderungen und Belastungen zu bewerten, die im Zusammenhang mit Berufen auftreten, die in der Mehrzahl von Männern ausgeübt werden, kann darin ein wesentliches Diskriminierungspotenzial liegen. Vielfach werden beispielsweise psycho-soziale Anforderungen und Belastungen, die in der Regel häufiger im Zusammenhang mit weiblich dominierten Berufen auftreten, per Verfahren ausgespart und lediglich die jeweilige Qualifikation und Führungsverantwortung berücksichtigt. Zudem kann auch eine fehlende eindeutige Definition der Kriterien zur institutionellen Verfestigung der Unterbewertung von „Frauenberufen“ führen. Immer dann, wenn nicht eindeutig definiert ist, was z.B. unter dem Kriterium der Verantwortung zu verstehen ist, können Geschlechterstereotype und Statusannahmen Einzug in die Bewertung erhalten und zu vergeschlechtlichten Bewertungen führen. Z.B. wenn Verantwortung nur mit Führungsverantwortung gleichgesetzt wird und die Verantwortung für das Wohlergeben anderer Menschen (wie z.B. in Betreuungsberufen) unbedacht bleibt. Diese von der diskriminierungskritischen Arbeitswissenschaft aufgedeckten und hier beispielhaft aufgeführten institutionellen „Einfallstore“ für vergeschlechtlichte Arbeitsbewertungen haben dazu beigetragen, dass Verfahren entwickelt worden sind, die möglichst frei von Diskriminierungspotenzialen sind und es erlauben, auch inhaltlich unterschiedliche Tätigkeiten geschlechtsneutral zu vergleichen. Ein Beispiel dafür ist ABAKABA, die Analytische Bewertung von Arbeitstätigkeiten nach den Schweizer Arbeitswissenschaftlern Katz und Baitsch (Katz/Baitsch 1996). Anhand solcher Verfahren können Unterbewertungen weiblicher Erwerbsarbeit identifiziert werden. Das geschieht, indem weiblich dominierte Berufe aufgrund ihrer Anforderungen und Belastungen per geschlechtsneutralem Verfahren und im Vergleich mit männlich dominierten Berufen neubewertet werden und die aktuellen Verdienste mit diesen Neubewertungen verglichen werden.

Anhand eines solchen Vergleichs lässt sich erkennen, inwieweit gleichwertige Berufe von Frauen und Männern (un-)gleich bezahlt werden. Empirisch zeigen sich in der vom CW-Ansatz inspirierten Forschung „Einfallstore“ für Unterbewertungen weiblicher Erwerbsarbeit. Analysen haben ergeben, dass sowohl innerhalb der Arbeitsbewertungsverfahren in einzelnen
Tarifverträgen, als auch innerhalb der Verfahren in einzelnen betrieblichen Vereinbarungen zahlreiche evaluative Diskriminierungspotenziale (z.B. Krell, Carl, Krehnke 2000; Jochmann-Döll, Tondorf 2013) bestehen.
Mit Hilfe der entwickelten geschlechtsneutralen Verfahren konnten zudem Unterbewertungen ausgewählter „Frauenberufe“ nachgewiesen werden. Stefaniak et al. (2002) belegen eine solche Unterbewertung z.B. für die Tätigkeit der Hochschulsekretärin oder des Hochschulsekretärs, während Krell, Carl und Krehnke (2000) Unterbewertungen und Unterbezahlungen z.B. für die Tätigkeiten der Altenpfleger_innen oder der DiplomBibliothekar_innen im öffentlichen Dienst aufzeigen.

Das klingt im Grundsatz gut, aber liegt außerhalb jeder Markbewertungen. „Anforderungen und Belastungen“ sind so ungemein vage Kriterien, dass sie letztendlich von vorneherein einer Objektivität nicht zugänglich sind. Wie ist zB das Arbeiten in einem Abwasserkanal mit der Betreuung von Kindern bezüglich seiner „Anforderungen und Belastungen“ zu vergleichen und wie ein Fernfahrer, der immer eine Woche auf Tour ist mit einer Bürokraft?

zur Methode:

Die Generierung des CW-Index basiert auf den Verfahren, die zur geschlechtsneutralen Bewertung von Arbeit in verschiedenen Länderkontexten entwickelt worden sind. Insbesondere lehnt sich der CW-Index an den sogenannten Paarvergleich an. Dieser „(…) beruht auf Verfahren zur Bewertung von Arbeitsplätzen, die als diskriminierungsfrei anerkannt sind, wie z.B. das Schweizer Verfahren ABAKABA oder das britische Verfahren NJC10“ (Tondorf, Jochmann-Döll 2014: 36). Der Paarvergleich wurde 2010 10 NJC = Arbeitsbewertungssystem für die lokalen Behörden im Vereinigten Königreich, das von einem nationalen, von Arbeitgebern und Gewerkschaften gemeinsam besetzten Ausschuss (National Joint Council) entwickelt wurde. für den deutschen Arbeitsmarkt zu Prüfzwecken konzipiert. 2014 wurde das Instrument überarbeitet. Zur Generierung des CW-Index wird die aktuelle Version des Paarvergleichs verwendet, der hier zunächst vorgestellt wird. Mit dem Paarvergleich kann festgestellt werden, inwieweit verschiedene, inhaltlich unterschiedliche Tätigkeiten gleichwertig sind, in Bezug auf die damit verbundenen Anforderungen und Belastungen. Zu diesem Zweck findet im Paarvergleich eine Neubewertung der Berufe mit einem geschlechtsneutralen Arbeitsbewertungsverfahren statt. Bei dieser Neubewertung werden insgesamt 4 Kriterien berücksichtigt: Wissen und Können, psycho-soziale Kompetenzen, Verantwortung sowie physische Anforderungen. Jedes dieser 4 Kriterien wird anhand einzelner Unterpunkte analytisch bewertet

Und die Punkte sind:

1. Wissen und Können
1.1 Fachkenntnisse und Fertigkeiten (F400) Welche Art von Ausbildung ist für die Ausübung Ihrer Tätigkeit in der Regel erforderlich?
(F401) Reicht zur Ausübung Ihrer Tätigkeit eine eher kurze Einweisung oder ist dazu eine längere
Einarbeitung erforderlich?
1.2 Fachbezogenen Zusatzqualifikationen (F402) Und ist zur Ausübung der Tätigkeit üblicherweise der Besuch von besonderen Lehrgängen oder
Kursen erforderlich?
1.3 Fachübergreifende Kenntnisse und
Fertigkeiten
(F403) Ich lese Ihnen nun verschiedene Kenntnisgebiete vor. Bitte sagen Sie zu jedem Gebiet, ob Sie
bei Ihrer derzeitigen Tätigkeit diese Kenntnisse benötigen und wenn ja, ob Grundkenntnisse oder
Fachkenntnisse?
(F403_01) Rechtkenntnisse
(F403_02) Projektmanagement
(F403_03) medizinischer oder pflegerischer Bereich
(F403_04) Mathematik, Fachrechnen, Statistik
(F403_05) Deutsch, schriftlicher Ausdruck, Rechtschreibung
(F403_06) PC Anwendungsprogramme
(F403_07) Technische Kenntnisse
(F403_08) kaufmännische bzw. betriebswirtschaftliche Kenntnisse
(F403_10) Sprachen außer Deutsch
1.4 Vorausgesetzte fachliche Erfahrung in der
Praxis
(F401) Reicht zur Ausübung Ihrer Tätigkeit eine eher kurze Einweisung oder ist dazu eine längere
Einarbeitung erforderlich?
1.5 Planen und Organisieren (F700_02) Wie häufig kommt es vor, dass Sie Ihre eigene Arbeit selbst planen und einteilen können?
(F411_09) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie verschiedenartige Arbeiten oder Vorgänge
gleichzeitig im Auge behalten müssen?
1.6 Bewältigung von Arbeitsunterbrechungen (F411_06) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bei der Arbeit gestört werden?
1.7 Ununterbrochene Aufmerksamkeit und
Konzentration
(F411_11) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass auch schon ein kleiner Fehler oder eine
geringe Unaufmerksamkeit größere finanzielle Verluste zur Folge haben könnte?
2. Psychosoziale Kompetenzen
2.1 Kommunikationsfähigkeit (F327_06) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit anderen Personen beruflich kommunizieren
müssen?
2.2 Kooperationsfähigkeit ./.
2.3 Einfühlungs- und Überzeugungsvermögen (F327_05) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie andere überzeugen und Kompromisse
aushandeln müssen?

Kriterien im Paarvergleich zur
Feststellung der Gleichwertigkeit von
Tätigkeiten
Fragen BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung
2.4 Belastende psychosoziale Bedingungen (F410) Fühlen Sie sich den Anforderungen durch die Arbeitsmenge bzw. das Arbeitspensum in der
Regel gewachsen, eher überfordert oder eher unterfordert?
(F411_01) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie unter starkem Termin- und Leistungsdruck
arbeiten müssen?
(F411_02) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Ihnen die Arbeitsdurchführung bis in alle
Einzelheiten vorgeschrieben ist?
(F411_08) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Dinge von Ihnen verlangt werden, die Sie
nicht gelernt haben oder nicht beherrschen?
(F411_12) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bis an die Grenzen Ihrer Leistungsfähigkeit
gehen müssen?
(F411_13) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie sehr schnell arbeiten müssen?
(F700_4) Wie häufig kommt es vor, dass Ihre Tätigkeit Sie in Situationen bringt, die Sie gefühlsmäßig
belasten?
3. Verantwortung
3.1 Geld und Sachwerte ./.
3.2 Gesundheit/ Wohlbefinden anderer (F327_04) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie Verantwortung für andere Personen
übernehmen müssen?
3.3 Arbeit anderer/ Führung (F301) Haben Sie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, für die Sie der/die direkte Vorgesetzte sind?
(F302) Und wie viele sind das?
3.4 Umwelt ./.
4. Physische Anforderungen
4.1 Körperkraft (F600_03) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie Lasten von mehr als 20 kg (bei männlichen
Zpn)/ 10 kg (bei weiblichen Zielpersonen) heben und tragen?
4.2 Bewegungspräzision (F600_01) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie im Stehen arbeiten?
(F600_07a) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit den Händen Arbeiten ausführen, die
hohe Geschicklichkeit, schnelle Bewegungsabfolgen oder größere Kräfte erfordern?
4.3 Arbeitszeitliche Bedingungen (F209) Liegt Ihre Arbeitszeit normalerweise zwischen 7 und 19 Uhr?
(F209_1) Arbeiten Sie in Schichtarbeit oder haben Sie andere versetzte Arbeitszeiten?
4.4 Umgebungsbedingungen (F600_04) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bei Rauch, Staub oder unter Gasen,
Dämpfen arbeiten?
(F600_05) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie unter Kälte, Hitze, Nässe, Feuchtigkeit
oder Zugluft arbeiten?
(F600_06) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit Öl, Fett, Schmutz, Dreck arbeiten?
(F600_07b) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie in gebückter, hockender, kniender oder
liegender Stellung arbeiten, Arbeiten über Kopf?
(F600_08) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie starken Erschütterungen, Stößen und
Schwingungen ausgesetzt sind, die man im Körper spürt?
(F600_09) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bei grellem Licht oder schlechter oder zu
schwacher Beleuchtung arbeiten?
(F600_10) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit gefährlichen Stoffen umgehen?
(F600_12) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie unter Lärm arbeiten?
(F600_13) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie Umgang haben mit Mikroorganismen wie
Krankheitserregern, Bakterien, Schimmelpilzen oder Viren?

 

Anhand dieser Fragen ist meiner Meinung nach ein Vergleich nicht möglich. Es fehlen viele, viele Punkte, die eine Berufswahl beeinflussen. Nicht zuletzt die Arbeitszeiten im Sinne des Stundenaufwandes.  Und auch die Differenzierung nach Fachwissen scheint mir kaum wirklich abgefragt zu werden.

Eine gute und eine schlechte Grundschullehrerin beispielsweise verdient gleich viel. Ein guter oder schlechter Jurist oder Ingenieur hingegen, die bei großen Firmen anfangen, kann eben deutlich mehr verdienen, weil sein sehr spezielles Fachwissen sich auswirken kann.

Und natürlich ist die Studie auch sehr subjektiv: Nehmen wir 411_12
Wenn eine Lehrerin anführt, dass sie mitunter die Schule sehr stressig findet, weil die Kinder sie nicht ernst nehmen und sie sie nicht in Griff bekommt, dann sagt das wenig über den Lohn aus, den sie erhalten sollte.
Schon gar nicht stellt es eine Vergleichbarkeit her, wenn ein Profirechtsanwalt oder ein sehr guter Ingenieur sagt, dass er die Herausforderung liebt, den Stress als positiv empfindet und seine Arbeit seine Berufung ist und er mit seinen Herausforderungen wächst.

Dazu kommt noch ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern:

The uncorrected multivariate effect size for observed scores was D = 1.49 (with 95% CI from 1.45 to 1.53), corresponding to an overlap of 29%. Correcting for score unreliability yielded D = 1.72, corresponding to an overlap of 24%. The multivariate effect for latent variables was D = 2.71 (with 95% CI from 2.66 to 2.76); this is an extremely large effect, corresponding to an overlap of only 10% between the male and female distributions (assuming normality). On the basis of univariate d’s (Table 2), it might be hypothesized that global sex differences are overwhelmingly determined by the large effect size on factor I, or Sensitivity (d = −2.29). Thus, we recomputed the multivariate effect size for latent variables excluding Sensitivity; the remaining d’s ranged from −.89 to +.54. The resulting effect was D = 1.71 (with 95% CI from 1.66 to 1.75), still an extremely large difference implying an overlap of 24% between the male and female distributions (the corresponding effect size for observed scores, corrected for unreliability, was D = 1.07, implying a 42% overlap). In other words, the large value of D could not be explained away by the difference in Sensitivity, as removing the latter caused the overlap between males and females to increase by only 14%. While Sensitivity certainly contributed to the overall effect size, the large magnitude of global sex differences was primarily driven by the other personality factors and the pattern of correlations among them. It should be noted that Sensitivity is not a marginal aspect of personality; in the 16PF questionnaire, Sensitivity differentiates people who are sensitive, aesthetic, sentimental, intuitive, and tender-minded from those who are utilitarian, objective, unsentimental, and tough-minded. This factor overlaps considerably with “feminine openness/closedness”, identified by Costa and colleagues [49] as a cross-culturally stable dimension of sex differences in personality.

Sensitivity hat einen enorm hohen Wert für Geschlechterunterschiede. Was bei einer entsprechend subjektiven Bewertung gerade bei Berufen mit hohem Anteil an entweder Frauen oder Männern das Ergebnis wieder stark verschieben kann.

Aus der Darstellung weiter:

Für die einzelnen Berufsgruppen auf dieser Ebene wird der CW-Index berechnet, indem die jeweiligen Antworten der Befragten in den einzelnen Berufen zu berufsspezifischen Mittelwerten zusammengefasst werden. Da der CW-Index somit auf der subjektiven Einschätzung der Befragten beruht, sind im weiteren Projektverlauf verschiedene Validierungsschritte geplant, um für den Einfluss individueller Merkmale zu kontrollieren und so die Validität des CW-Index zu gewährleisten. In diesem Beitrag werden zunächst in einem ersten Schritt die berufsspezifischen´CW-Index-Mittelwerte berechnet. Anhand der Mittelwerte lässt sich erkennen, welche Berufe sich hinsichtlich ihrer Anforderungen und Belastungen gleichen. Berufe die einen gleichen CW-Index haben, sind als gleichwertig zu bezeichnen.

Vollkommen unklar ist für mich wie die Bewertung erfolgt. Wie wirkt es sich aus, wenn jemand schwer heben muss im Vergleich dazu, dass jemand häufig mit anderen kommunizieren muss (was auch immer das abfragt. Eine Kindergärtnerin kommuniziert sicher mit anderen, ein Rechtsanwalt auch, beide aktivieren dabei ganz andere Fähigkeiten.

Kurz um: Mir scheint die Methode von vorneherein nicht geeignet. Sie spielt vor, dass man tatsächlich die Vergleichbarkeit der Berufe ermittelt und sie damit objektiv vergleichbar macht und so Lohnungleichheiten ermitteln kann. Aber selbst der einfachste Job der Welt kann, wenn er besondere Fähigkeiten erfordert, die sonst keiner hat, hoch bezahlt sein. Und die vorgegebenen Kriterien erfüllen aus meiner Sicht die Anforderungen für einen Vergleich der Jobs nicht.

Vielleicht findet ja jemand noch etwas dazu, wie die einzelnen Faktoren dann bewertet werden. Mir erscheint ein Vergleich von Tätigkeiten anhand dieses Schemas nicht möglich. Aber aus feministischer Sicht ist das wahrscheinlich auch gar nicht erforderlich. Subjektiv ist da eh gut und das Ergebnis muss stimmen. Hier kann man denke ich nahezu jedes Ergebnis begründen.

Dazu auch aus einer neueren Studie:

Ein weiterer wichtiger Punkt der Generierung des „CW-Index“ bezieht sich auf die Gewichtung der einzelnen Anforderungs- und Belastungsarten. In den bereits entwickelten Verfahren zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung (s. Kapitel 3.1) werden die einzelnen Dimensionen (Wissen und Können, psychosoziale Aspekte, Verantwortung sowie physische Aspekte) jeweils unterschiedlich gewichtet.
Diese Gewichtung hat Auswirkungen auf das Endergebnis der Bewertung, indem einzelne Dimensionen stärker und andere schwächer in die Bewertung eingehen:

Eine solche Bewertung und Entlohnung müsste immer tätigkeitsbezogen und nicht ausschließlich berufsgruppenbezogen sein. Allerdings kann sie für die Überprüfung betrieblicher Entgeltstrukturen erste Anhaltspunkte liefern.    Wie der Tabelle zu entnehmen ist, gibt es Unterschiede zwischen den Verfahren. Während „ABAKABA“ bestimmte Korridore der Gewichtung empfiehlt, legen die anderen Verfahren exakte Gewichtungen fest. Diese variieren teilweise stark. Beispielweise sieht das „EVALFRI“-Verfahren eine vergleichsweise sehr hohe Gewichtung des Bereichs „Wissen und Können“ vor, während der „Paarvergleich“ die anderen Bereiche stärker berücksichtigt.

Grundsätzlich gibt es keine wissenschaftliche Begründung, mit der die Gewichtung exakt festgelegt werden kann (Ranftl et al. 2004: 34), vielmehr handelt es sich dabei um eine theoretisch hergeleitete, diskriminierungskritische Entscheidung.

Vor dem Hintergrund einer geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung sollte darauf geachtet werden, dass nicht die Bereiche hoch gewichtet werden, die „typisch“ sind für männlich dominierte Tätigkeiten und die Bereiche niedrig gewichtet werden, die relevant sind für weiblich dominierte Tätigkeiten. Denn darin besteht auch innerhalb dieser Verfahren die Gefahr, „Frauenberufe“ geringer zu bewerten als „Männerberufe“ (Krell/Winter 2011). Durch die Gewichtung können dementsprechend auch „althergebrachte“ Bewertungen und Strukturen aufrechterhalten werden. Die hohe Gewichtung des Bereichs „Wissen und Können“ im „EVALFRI“-Verfahren birgt diese Gefahr in sich (Ranftl et al. 2004: 54) und entspricht zudem größtenteils (bis auf den physischen Bereich) nicht den „ABAKABA“- Empfehlungen. Aus diesem Grund orientiert sich die Gewichtung des „CWIndex“ an der Gewichtung des „Paarvergleichs“.27 Das ist auch insofern stringent, als dass der „Paarvergleich“ die Grundlage der Generierung des Index darstellt.28 Dennoch werden die Ergebnisse am Ende des Forschungsberichts (s. Kapitel 5.2) in dieser Hinsicht noch einmal kritisch beleuchtet.

Meine Damen und Herren: Feministische Wissenschaft.

Sie schreiben ernsthaft in ihre Studie, dass die Gewichtung ihrer ermittelten Daten eine freie Entscheidung ist, bei der damn darauf achten soll, dass man Bereiche nicht hoch gewichtet, die eher in männlich dominierten Tätigkeiten auftauchen.

Zur Klarstellung: Hier soll „erforscht“ werden, ob Frauen und Männer gleichwertig entlohnt werden. Das Instrument dazu ist sicherzustellen, dass in einer freien Bewertung Männerberufe nicht ein zu hohes Gewicht bekommen, weil dann der höhere Durchschnittslohn gerechtfertigt wäre.

Für mich einfach unglaublich. Falls ich es falsch verstehe bitte Hinweise in den Kommentaren.

52 Gedanken zu “Der „Comparable Worth“-Ansatz

  1. „4.1 Körperkraft (F600_03) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie Lasten von mehr als 20 kg (bei männlichen
    Zpn)/ 10 kg (bei weiblichen Zielpersonen) heben und tragen?“

    Zielperson? Ist das nicht Stasisprech?

    • Interessant ist doch, dass man es für eine angeblich gleichwertige Leistung definiert, wenn Frauen die Hälfte der Last übernehmen, also tatsächlich eben nur die Hälfte leistet.

      Und da kommen wir dann zu einfachen marktwirtschaftlichen Grundregeln:
      Wenn ich Arbeitgeber bin und bei meinem angebotenen Job nur leichte Tragelasten bis 10kg anfallen, dann habe ich einen Markt von ziemlich vielen potentiellen Arbeitnehmern (nämlich Männer und Frauen), die diese Tätigkeit übernehmen können. Es können sich also fast alle auf diesen Job bewerben, so dass aufgrund der großen Auswahl (Angebot) der Arbeitgeber auch keinen hohen Lohn bezahlen muss, da die hohe Konkurrenz der möglichen Arbeitnehmer sich gegenseitig den Preis drücken.
      Bin ich hingegen ein Arbeitgeber und habe einen Job mit hohen Tragelasten anzubieten, so ist der Markt meiner potenziellen Arbeitnehmer geringer und ich muss dem Arbeitnehmer halt mehr bezahlen, weil die tauglichen Arbeitnehmer ansonsten auch nur die Jobs mit den geringeren Tragelasten suchen würden. Denn wieso sollte der taugliche Arbeitnehmer ansonsten so bescheuert sein, einen Job mit 20kg Tragelast zu übernehmen, wenn er bei einem Job mit 10kg Tragelast das gleiche verdienen könnte.

      • „Interessant ist doch, dass man es für eine angeblich gleichwertige Leistung definiert, wenn Frauen die Hälfte der Last übernehmen, also tatsächlich eben nur die Hälfte leistet.“

        Ich kann zwar den Ansatz verstehen. Ein durchschnittlicher Mann hebt aufgrund seiner naturgemäß höheren Muskelmasse 10 Kilo mit deutlich weniger Aufwand. Er muss sich weniger „anstrengen“. Dennoch ist diese Frage berechtigt. Wie will man jetzt eine Vergleichbarkeit herstellen? Nach welchem „Schlüssel“ wird hier austariert? Warum sollen nicht 30 Kilo beim Mann nicht 10 Kilo bei der Frau entsprechen? Und während man hier wenigstens noch objektiv nachprüfbare Parameter hat (Muskelmasse im Vergleich Mann/Frau), wie soll man das bei anderen Arten von Stress aufschlüsseln? Zum Beispiel finde ich, möglicherweise aufgrund meines Geschlechts, eine Stunde Kindergeschrei wesentlich nervtötender als so manche Frau drei Stunden „Kinderstress“. Wie soll man soetwas „messen“?

        • Das interessiert aber im Ergebnis nicht, daher ist es weiterhin fragwürdig warum man 20 kg bei Männern und 10 kg bei Frauen ansetzt. Insbesondere dann wenn die gleichen Leute verlautbaren lassen, dass es keine Geschlechter gibt.

          • Richtig. Glaube wir meinen das gleiche. Wie wird bei Transgender verfahren? Zählt das biologische Geschlecht oder das Geschlecht mit dem man sich gerade identifiziert? Man weiss es nicht, man weiss es nicht.

        • Auch die Rechnung mit der Muskelmasse ist simply Bullshit. Denn sonst müßte man auch die Kalorien u.s.w. der insgesamt aufgenommenen Nahrung mitberücksichtigen und von Lohn abziehen.
          Wer für schlappe 1000€ netto die doppelte Anzahl an Steaks verdrücken muß, ist bei ansonsten etwa gleichem Lohn ja unerträglich diskriminiert.
          Wenn in die eine Richtung so gerechnet wird, muß das auch andersrum vollzogen werden.
          Eine ganze Monatsrente darauf, daß sich die „Forscher“ mit Zangen, Haken und Ösen dagegen wehren, solche Differenzierungen symmetrisch und konsequent auszuführen.

          • Stimmt. Es besteht dann immer die Frage, bis zu welcher – ich sag mal – „Komplexitätstiefe“ man die Sache betrachten will. Jede gezogene Grenze ist willkürlich und subjektiv.

  2. Interessant auch, dass sie nicht einmal die eigenen Daten verstehen:
    Tabelle 3 auf Seite 42:
    833 Fahrer schwerer Lastkraftwagen und Busse 21 12,27 5
    731 Präzisionshandwerker und kunsthandwerkliche Berufe 21 14,36 36
    431 Bürokräfte im Finanz- und Rechnungswesen und in der Statistik 21 16,97 83

    832 Kraftfahrzeugführer 19 9,31 25
    932 Hilfsarbeiter bei der Herstellung von Waren 19 11,79 57

    512 Köche 25 11,74 58
    321 Medizinische und pharmazeutische Fachberufe 25 15,65 91

    Alles Fälle, wo in Berufen mit einem höhen Frauenanteil z.T. erheblich besser bezahlt wird.

    Und wie oben schon erwähnt, finden weder tägliche Arbeitszeit noch Überstunden irgendwelche Berücksichtigung.

    Um es mal hart auszudrücken:

    3 Weibchen stellen politisch-sozialistisch irgendwelche Zusammenhänge her (die sie wahrscheinlich selbst nicht verstehen), vergleichen nicht mal Äpfel mit Birnen, sondern eher Fallobst und Meteoriteneinschläge, und stellen Behauptungen auf, die von ihren eigenen Daten widerlegt werden.

    Ich hoffe nur, die Studie wird nicht all zu oft ausgedruckt, damit nicht zu viele Bäume unschuldig sterben müssen.

  3. Das ist ein typischer Fall einer Studie, bei der man ein bestimmtes Ergebnis will.
    Da werden halt die Kriterien und Gewichtungen gerade so festgelegt (z.B. Wissen und Können nur niedrig gewichtet), dass dabei herauskommt, dass Frauen diskriminiert wären.

    • Sach den Trotteln von der Hans-Böckler Stiftung (eine Verdi-Stiftung), dass die Gewerkschaft doch endlich mal aufhören soll Tarifverträge mit unterschiedlichen Gehaltsklassen nach Geschlecht auszuhandeln.

      Selbst WENN das stimmen würde wären die ja dran schuld. Dass DIE jetzt meckern ist an dreistigkeit kaum zu überbieten.

  4. „Aber selbst der einfachste Job der Welt kann, wenn er besondere Fähigkeiten erfordert, die sonst keiner hat, hoch bezahlt sein.“

    Hierzu mal ein Beispiel: Früher gab es in Nordamerika den Erwerbszweig der „Chicken Sexer“: das waren Leute, die kurze Zeit nach dem Schlüpfen der Küken diese Biester in weiblich vs. männlich geteilt haben – einfach nach Gefühl.

    Ein seltenes Talent, bei dem der Mitarbeiter in sehr kurzer Zeit Hunderte von Küken irgendwie nach Gefühl sortiert hat. Eigentlich ein ziemlich einfacher Job – wird mit einer einzigen Bewegung des Unterarms ausgeführt. Aber doch hochbegehrt von den Farmern, weil es nur wenige Leute mit eben dieser Begabung gab.

    • Habe da mal ’ne Doku zu gesehen und ein wenig „Fachkenntnis“ war schon vonnöten, allerdings sehr wenig.
      Da es eher auf das Geschick bei schnellen Bewegungen mit sensiblem Material ankam, waren junge asiatische Männer ( Männer vermutlich wegen etwas höherer Disziplin ) die Gewinner im Einstellungswettbewerb.

  5. Das ist mal wieder unter aller Sau. Allein der Bias (wir suchen nur nach „Diskriminierung“ von Frauen) macht die gesamte „Studie“ komplett unbrauchbar. Und natürlich wird in bester feministischer Tradition auf subjektive Gefühle abgestellt (Das im Job heillos überforderte Pipimädchen muss natürlich mehr verdienen als der erfahrene und taffe Kollege). Und damit auch auf keinen Fall was schiefgeht, wird auch noch frei gewichtet. Ja ne, ist klar. Warum nicht gleich „ich hab Titten, gebt mir Geld“?

    Letzte Woche versuchte ja auch schon Frau Schrupp in der Zeit zu erklären, warum die (bei Frauen eher ausgeprägte) Beschäftigung mit Klatsch, Tratsch und dem Privatleben der Kollegen ein wertvoller Beitrag im Büroalltag ist, der selbstverständlich auch entlohnt werden sollte.

    • Bei Krankenpflege im klinischen Bereich hat dat Antje da übrigens gar nicht so unrecht, sagen ( auch männliche ) Angehörige der entsprechend damit kommunizierenden Berufsfelder.
      Streng nach Controlling herumhüpfende Krankenschwesterntruppen bergen für den Patienten ein signifikant höheres Risiko, als jene, die hinter dem Stationszimmer noch den verqualmten Raum mit der vor sich hin schnarchenden Kaffeemaschine haben. Inwieweit das nun an der Tatsache liegt, daß es sich um typische Frauenjobs handelt, und ob sich das bei größtenteils männlicher Pflegebelegschaft umkehren würde, ist logischerweise ungeklärt ( ich neige zu der Annahme, daß das „Qualm-, Sauf-u. Kommunikationszentrum“ wahrscheinlich auch dann die besseren „Ausfallwerte“ liefern würde).

      • Die Pflege ist ja auch eine völlig andere Baustelle. Da ist es mehr als sinnvoll, etwas über die persönlichen Lebensumstände der Patienten zu wissen. Denke da an meinen Papi. Der war Arzt und machte viele Hausbesuche. Darunter so manchen nach der Devise: Der/die hat zwar nix Ernsthaftes. Aber wenn ich nicht komme, besucht die niemand.

  6. Ja, was wäre denn die Konsequenz des „Comparable Worth“-Ansatzes?

    A) Frauen im öffentlichen Dienst verdienen zu wenig. Also: Gehälter für Frauen im öffentlichen Dienst erhöhen, öffentlicher Dienst wird für berufstätige Frauen noch attraktiver, Teilzeit wird bei Frauen im öffentlichen Dienst noch attraktiver, öffentlicher Dienst wird immer teurer, Steuern müssen erhöht werden, um den öffentlichen Dienst zu finanzieren

    B) Frauen in der freien Wirtschaft verdienen zu wenig. Also: Per Gesetz müssen Frauen in der freien Wirtschaft höher bezahlt werden, Firmen mit gleichbleibenden Frauenanteil erleiden Gewinneinbußen, können weniger investieren, weniger Rücklagen bilden, sind weniger konkurrenzfähig, andere Firmen reduzieren ihren Anteil von Frauen bei den Mitarbeitern so weit wie möglich, darum müssen per Gesetz Frauenquoten eingeführt werden, Quoten-Frauen verdienen zwar besser, arbeiten aber weniger gut, womöglich auch nur in Teilzeit, wodurch auch diese Firmen Wettbewerbs-Nachteile erleiden.

    Diese ganze Diskussion finde ich eigentlich gut, denn sie pointiert eine wichtige Frage: Wonach bemisst man den Wert einer Arbeit? Und mit „Wert“ ist hier etwas gemeint, wofür andere Leute aufkommen und geradestehen müssen.

    Und bis heute scheint es hierfür ein einziges tragfähiges Maß zu geben: das Verhältnis von Angebot und Nachfrage sowie die anschließende Bewährung am freien Markt, bei der sich herausstellt, ob dieses Verhältnis angemessen war.

      • Ganz recht, aber Du mußt die Angelegenheit zu Ende denken. Also wir haben da:

        (1) Frauen in der freien Wirtschaft widerfährt Ungerechtigkeit insofern, als sie zu niedrig bezahlt werden.

        (2) Konsequenz: Sie müssen mehr Geld kriegen.

        (3) Konsequenz: Die private Firma erleidet Wettbewerbs-Nachteile, kann also z. B. keine weiteren Arbeitsplätze schaffen, kann nicht weiter investieren (wovon Arbeitnehmer anderer Firmen profitieren würden), die private Firma geht vielleicht sogar pleite, wodurch Arbeitsplätze vernichtet werden.

        Wer nun sagt „der Markt ist moralisch blind, deswegen muss mit Gesetzen nachgeholfen werden“, der muß auch (3) mit berücksichtigen, denn von (3) sind lauter Leute betroffen, die nichts dafür können, ob weitere Arbeitsplätze geschaffen werden oder nicht, ob investiert wird oder nicht, ob sie mit der betreffenden Firma pleite gehen oder nicht.

        Die Frage ist also nicht einfach: ist (1) wahr und folgt (2) wirklich aus (1). Sondern die Frage ist eben auch: Ist (2) soviel wert, daß wir (3) dafür in Kauf nehmen können oder gar müssen? Denn (2) führt zu Ungerechtigkeit gegenüber Leuten, die überhaupt nichts dafür können, wie nun Frauen in der freien Wirtschaft bezahlt werden oder nicht.

        Kurz: (2) ist genau so schuldig wie (1). Also warum sollten wir (2) gegenüber (1) den Vorzug geben?

    • Zu B):
      Es ist absehbar, daß man, bedingt duch den ellenlangen Rattenschwanz an Folgeproblemen, -diskriminierungen u.s.w. satt und reichlich „Experten“, Koordinatoren, Verwalter etc.pp. mit fetten Bezügen in möglw. neu zu erfindenden Institutionen unterbringen kann ( Gendercontrolling-&valuationscreening-servicemanagement&-investigions, … oder so … )

      Was im BIP natürlich reichlich hübschere Spuren hinterlässt, als wenn die infrage kommenden Jungakademiker alle Taxifahrer oder Kartonzerreisser werden, gell?
      Wer zahlt’s? Die echten Arbeiter natürlich, wer sonst?

    • @Jochen @Christian

      Generell: ich habe schon seit Jahren angekündigt, dass das kommen wird.

      1. Der Punkt B von Jochen ist m.E. eine Fehleinschätzung, bzw. sekundär.
      Dieser Punkt kann nur verändert werden, wenn die Tarifverträge und die Eingruppierungen durch die Tarifvertragsparteien, nämlich Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, erfolgen.
      Dass letztere keinen Bock darauf haben, die Gleichstellung von willkürlich hergestellten Paarvergleichen zu finanzieren ist naheliegend, sie sind zweitens keinem politischen Druck aus dem eigenen Lager ausgesetzt.

      Daher liegt auf der Hand, es ist Punkt A, nämlich primär der ÖD gemeint.
      Konkret: die Firmen und die Behörden im Besitz und Betrieb durch Gemeinden, Bundesländern und dem Bund.
      In dem Fall sind diese identisch mit „Arbeitgebern“.
      Das ist der Clou.

      D.h. der Staatsfeminismus hat damit ein Einfallstor geschaffen, massive Lohnerhöhungen im ÖD durchzusetzen – für Frauen und gegen Männer.

      Gegen Männer
      a. da diese durch Steuern die Lohnerhöhungen bezahlen werden müssen und
      b. weil bereits das Vorbild GB (Vergleich Krankenschwestern und Müllmänner – kein Scheiß) gezeigt hat, es werden männliche Berufsbilder finanziell gezielt abgewertet.

      Wie offen das mittlerweile erfolgt, zeigt das Beispiel der BBC, wo eine Auslandskorrespondentin aus China allen Ernstes die gleiche Bezahlung forderte wie ihr Kollege aus den USA. Sie wollte in erster Linie nicht mehr Geld verdienen, sondern, dass ihr Kollege weniger erhält. Am besten also alle gleich entlohnt werden.
      Diese Vorstellungen von „Gleichheit“ sind nicht nur ein Witz, weil sie die Hälfte seiner Arbeitszeit investieren musste (so viel zur „Gerechtigkeit“), sondern Staatsfeminismus ist zu 100%
      kompatibel mit dem neoliberalen Regime.

      Es wird „Gleichheit“ der Geschlechter propagiert, aber das Resultat wird sein: auf einem niedrigeren Niveau. Wenn die Mehrzahl der Erwerbstätigen Männer sind, die die überwältigende Zahl der Arbeitsstunden ableisten, worauf soll es denn hinauslaufen, wenn man Frauen besser und Männer schlechter bezahlt?
      Braucht jemand einen Taschenrechner oder reichen zwei Finger?

      2. Der Fragebogen ist ein Witz – nicht erst dessen Auswertung.
      Er hat einige heitere Auslassungen bspw. „3. Verantwortung (für) 3.1 Geld und Sachwerte ./.“ oder „3.4 Umwelt ./.“, die ausgesprochen vielsagend sind.
      Welches Geschlecht wird diese Tätigkeiten wohl dominant verrichten?

      Auch Klassiker an Fragen für die Erforschung der Qualität eines Arbeitsplatzes wie: „Erfordert ihre Tätigkeit Nachtarbeit?“ fehlen.
      Oder: „Besteht die Möglichkeit, soziale Beziehungen zu ihren Kollegen (überhaupt!) herstellen zu können?“
      Oder „Gibt es an ihrem Arbeitsplatz körperliche Abwechslung bzw. existiert überhaupt Bewegungsfreiheit?“
      Oder: „Können Sie regelmäßig und ungestört Pausen machen?“

      Entweder haben diese „Wissenschaftler“ keinerlei Ahnung oder es ist alles bewusst herausgeschrieben worden. Ich tendiere zu einer Mischung von beidem.

      Als Beispiel: stellt euch einfach einen Kranführer vor und die heitere Frage an ihn:
      „2.1 Kommunikationsfähigkeit (F327_06) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit anderen Personen beruflich kommunizieren müssen?“
      Hat er ein Glück, dass er nicht muss!
      Weil er gar nicht kann.
      Aus einem Mangel an sozialen Kontakten und Kommunikation wird ein Bonus und aus dem Privileg ein Malus!
      So läuft das mit „Feministischer Wissenschaft“.

      Der Fragebogen ist bewusst auf das Ziel hin konstruiert, Frauen besser zu entlohnen als Männer. Die „Gewichtung“ ist demgegenüber nur eine Scharlatanerie der zweiten Ordnung.
      Dass der DGB so weit heruntergekommen ist, diesen Dreck mitzumachen, das tut mir in der Seele weh.

  7. Na den Spuk gibt es ja schon länger im Sinne von: „Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“.
    Und selbstverständlich ist alles, was eine Frau macht, immer gleichwertig.

  8. Ich finde die Studie sehr interessant – nicht in ihren Ergebnissen, aber als Anschauungsmaterial. Da mir, ähem, ziemlich viel dazu eingefallen ist, hab ich den Kommentar in vier Punkte unterteilt.

    1. KRITERIEN DER BEZAHLUNG Mit dem Gerede von „Anforderungen und Belastungen“ schafft es die gewerkschaftliche (!) Stiftung, DEN wesentlichen Aspekt der Erwerbsarbeit auszublenden: Andere bezahlen uns nicht dafür, dass uns irgendetwas Mühe macht, sondern dafür, dass unsere Arbeit für sie einen Nutzen hat.

    Die Mühe ist lediglich indirekt wichtig. Wenn eine Arbeit z.B. körperlich sehr anstrengend oder sehr gefährlich sind, werden weniger Menschen bereit sein, sie zu erledigen. Bei gleichbleibender Nachfrage sinkt also das Angebot, und die Arbeit wird teurer.

    Wenn es aber gar eine Nachfrage gibt, ist eine Arbeit auch bei großer Mühe wertlos. Wenn sich z.B. jemand darauf spezialisierte, mit einem sehr feinen Pinsel Barockgedichte auf Ganseblümchenblütenblätter zu schreiben oder Pullover aus Spaghetti zu stricken, dann würde sicherlich sehr viel Mühe und Könnerschaft dazu gehören – es wäre trotzdem vermutlich nichts wert, weil niemand ein Interesse daran hätte.

    Die Kriterien der „Studie“ sind also seltsam selbstbezogen und egozentrisch. Als hätte alles, was wir machen, in sich schon immer einen Wert, und als wäre die Gesellschaft es uns schuldig, diesen Wert zu erkennen und uns entsprechend zu entlohnen. Das wird auch in der putzigen Unterscheidung deutlich, die Männern hier eine doppelt so hohe Tragelast zumutet wie Frauen. Wie wäre das wohl, wenn eine Familie umziehen würde, das Umzugsunternehmen aber nur die Hälfte ihrer Sachen brächte.
    „Das ist ganz normal so. Schließlich hat unsere MöbelpackerINNENtruppe den Job erledigt.“
    „Aber – äh – wir brauchen doch unser Bett. Und der Schreibtisch wäre auch wichtig…“
    „Wollen Sie etwa ein EINFALLSTOR FÜR DISKRIMINIERUNG sein??“

    Tatsächlich ist aber, beispielsweise, der Stress, den eine Arbeit verursacht, kein Gütekriterium, sondern manchmal gar ein Zeichen für schlechte Arbeit. Vermutlich kennt jeder Lehrkräfte, die in jeder ihrer Klassen unnötige, anhaltende Konflikte initiieren und beständig Kleinkriege führen. Natürlich verursacht das erheblichen Stress, aber die Arbeit ist doch deswegen nicht mehr wert als die Arbeit von Kollegen, die ein gutes, Verhältnis zu ihren Klassen haben.

    2. MARKT Auch die Güte einer Ausbildung hat nur indirekt Wirkung auf den Wert einer Arbeit: Je länger, schwieriger oder komplexer die Ausbildung ist, die man für eine Arbeit benötigt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Angebot an Arbeitskräften relativ gering ist und der Preis der Arbeit steigt.

    Nun hat aber, z.B., crumar ja schon mehrfach vorgerechnet, dass der Anteil von Frauen mit einem Studienabschluss seit Jahrzehnten erheblich gestiegen ist, dass diese Frauen sich aber auf ein relativ enges Segment in den Geistes- und Sozialwissenschaften konzentrieren. Auch eine schwierige, komplexe Ausbildung aber ist nicht ertragreich, wenn das Angebot an Arbeitskräften die Nachfrage übersteigt.

    Wenn Menschen auf dem Markt so positioniert sind, dass sie aus dem mitgebrachten Kapital nur wenig Ertrag gewinnen, dann suchen sie sich normalerweise eine andere Marktposition. Eine entscheidende Frage müsste also sein, warum Frauen das nicht tun – oder nicht in dem für Veränderungen erforderlichen Maße.

    3. FAMILIE Eine naheliegende Antwort: Weil sie es oft nicht müssen. Weiterhin erwarten sowohl Männer als auch Frauen von Männern, mehr zu verdienen und zur Not eine Familie auch selbst ernähren zu können. ( https://man-tau.com/2013/10/09/was-frauen-wollen-und-manner-wollen-sollen/ ). Männer orientieren sich also ganz anders an den Markterfordernissen als Frauen. Wenn die Studie diese Orientierung am Markt bewusst auslässt, kaschiert sie also schon in ihrer Anlage einen möglichen Grund für wesentliche Unterschiede.

    Deutlich wird damit auch, dass die Position auf dem Arbeitsmarkt ohne die Position in der Familie gar nicht vernünftig zu analysieren ist. Eben hier verfestigen Politik und staatliche Institutionen aber ja die Vorstellung, dass Kinder zur Mutter gehören und dass Väter zur finanziellen Versorgung da wären. Das gilt besonders für Parteien, die sich selbst für „fortschrittlich“ halten. ( https://man-tau.com/2018/06/19/gruene-abstammungsrecht/ ).

    Eigentlich ist es recht einfach. Wenn eine Frau sich nicht in die Lage versetzt, ggfs. die Familie auch für eine Weile allein ernähren zu können – dann setzt sie den Partner unweigerlich unter Druck, die klassische männliche Funktion des Versorgers zu übernehmen. Eine solche Frau ist also das weibliche Pendant zu einem Mann, der erwartet, dass seine Frau zu Hause bleibt, Kinder betreut, ihn bekocht und seine Hemden bügelt. Während sie aber solche konservativen Männerbilder mit gutem Gründen ablehnt, unterstützt diese Politik die äquivalenten konservativen Frauenbilder: Wenn Frauen nicht genug verdienten, wären daran nur diskriminierende Strukturen schuld.

    Wer gegen Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen vorgibt, sich aber zugleich gegen die Gleichberechtigung von Vätern und Müttern sperrt, ist offensichtlich nicht ehrlich. Die Studie macht viele, viele Worte, um diesen einfachen Zusammenhang zu verschleiern.

    Tatsächlich haben auch nur wenige Frauen etwas vom Ansatz der Böckler-Stiftung. In seiner Selbstbezogenheit spiegelt er das Anspruchsdenken einer winzigen Gruppe von Frauen nämlich von Frauen aus einem traditionellen gehobenen Bürgertum, die von ihren Ehemännern erwarten können, ihnen die Welt angenehm einzurichten. Hier soll nun der Staat die Rolle übernehmen: Nicht etwa Frauen hätten ihre Entscheidungen nach dem Markt zu richten – sondern sie müssten ihre Entscheidungen ganz frei treffen können, und dann hätte der Markt sich darauf einzustellen. Nur ein winziger Bruchteil der Frauen ist in einer so starken Position, solche Ansprüche tatsächlich durchsetzen zu können.

    4. SOZIALE GERECHTIGKEIT Die wesentlichen Probleme sozialer Gerechtigkeit ergeben sich heute daraus, dass die Position von Arbeitnehmern auf dem Markt gegenüber der von Arbeitgebern enorm schwach geworden ist – auch aufgrund politischer Entscheidungen. Eine Gewerkschaft müsste diese Situation analysieren, ihre Folgen beschreiben und, falls nötig, mögliche Änderungen skizzieren.

    Stattdessen Gerechtigkeitsfragen zu konstruieren, die Marktlogiken ganz ignorieren und die lediglich Frauen gegen Männer ausspielen – das ist eigentlich eine gewerkschaftsfeindliche Propaganda. Es ist verrückt, dass solch eine Propaganda von einer gewerkschaftlichen Stiftung selbst betrieben wird.

      • @Lucas

        Das Problem ist nicht die Böckler-Stiftung alleine, sondern auch die dahinter stehende Fraktion an „linken“ Feministinnen via Rosa-Luxemburg-Stiftung unter der Führung von Frigga Haug.

        Deren Ideologie wird geleitet von der Vorstellung, man müsse gezielt Erwerbsarbeit abwerten, um die nach ihrem Verständnis „Sorgearbeit“ (care-Arbeit) aufzuwerten.
        Nach ihrem Verständnis ist es a. unbezahlte und b. (daher) Frauenarbeit.

        Der erste Fehler steckt darin, dass die „unbezahlte“ Arbeit der Frauen der männlichen Erwerbsarbeit bedarf, um sie für diese care-Arbeit freizustellen. Der zweite Fehler besteht darin, dass sie sich (schon wieder!) auf Studien stützen, die die nach Geschlechtern getrennten Tätigkeiten zwar konstatieren, aber selbstverständlich nicht erfassen.

        In (wenn ich mich richtig erinnere) einer kanadischen Studie zur „Sorge um die Eltern“ wurden ERST alle Tätigkeiten erfasst, die die beiden Geschlechter verrichten und dann wurde der Zeitaufwand gemessen.
        Wenn also Männer den Rasen gemäht haben, schweren Einkauf erledigten oder Arbeit am Haus erledigten, wurde das erfasst und – ein Wunder! – beide Geschlechter verrichteten die gleiche „Sorgearbeit“.

        Die deutsch-feministische Variante ist, einen Fragebogen zu erstellen, der vorgeblich „Hausarbeit“ misst, aber tatsächlich ist es „Hausfrauen>/b>arbeit“.
        D.h. sie beklagen die Geschlechtertrennung der Tätigkeiten und messen dann ausschließlich den weiblichen Anteil; nur so kommt man von einem „gap“ zum nächsten…

        Die damit verbundene Idee, Frauen wären schlechter bezahlt, weil Frauen generell weniger „Wert geschätzt“ würden. Demzufolge sei die mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung Motiv für die schlechtere Bezahlung.
        Dass gynozentrische Wertschätzung sich dahinter verbergen könnte, die Frauen die 25 miesesten und gefährlichsten Jobs zu ersparen – Schwamm drüber.

        Wenn du schreibst: „Die Kriterien der „Studie“ sind also seltsam selbstbezogen und egozentrisch. Als hätte alles, was wir machen, in sich schon immer einen Wert, und als wäre die Gesellschaft es uns schuldig, diesen Wert zu erkennen und uns entsprechend zu entlohnen.“, dann triffst du den Nagel auf den Kopf.
        Wenn eine Frau etwas tut, dann hat das einen Wert und verdient unsere unbedingte Wertschätzung, wobei sich der Wert ihrer Tätigkeit nach dem bemisst, was sie subjektiv als solchen Wert empfindet.

        Aus diesem Denken spricht sowohl das Geschlecht, als auch die soziale Schicht, die sich permanent auf der SOLL-Seite der Gesellschaft befinden und befunden haben – daher stammt die Selbstbezogenheit und der Egozentrismus.
        Irgendwer (bitte hier ein Geschlecht einsetzen) wird das schon bezahlen.

        Mal ein Beispiel aus meinem Single-Haushalt, der mit gaaaaaanz viel unbezahlter Arbeit zu tun hat (und dabei putze ich immer nackt für mich 😦 ): wenn ich die Wohnung in zwei Stunden pro Woche sauber bekomme, verrichte ich 2 Stunden unbezahlte Hausarbeit. Unbezahlt!
        Brauche ich vier Stunden pro Woche, habe ich nicht doppelt so viel geleistet, sondern die Hälfte der Arbeitszeit vergeudet.
        Ob ich subjektiv empfinde, ich hätte den doppelten Wert produziert ist völlig unerheblich.
        Wenn eine Frau vier Jahre gender-studies studierte, ist ihre Qualifikation nicht genau so viel wert wie ein Ingenieursstudium, sondern im Grund
        wertlos und die vier Jahre verschwendete Lebenszeit.
        Ob Feministinnen empfinden, hier handelte es sich um eine vergleichbare Qualifikation ist völlig unerheblich.

        Die knallharte Erkenntnis des Arbeitsamts, diese Frauen studieren an den Erfordernissen des Arbeitsmarkts vorbei, ist der zarten Seele der bürgerlichen Frau aber nicht zumutbar.
        Ebenso wenig die Idee, es gäbe gesellschaftliche Anforderungen, die diktieren, ob eine Arbeit einen Wert, weil sie einen gesellschaftlichen Nutzen hat und daher nachgefragt wird oder nicht eher der Selbstverwirklichung dient, für deren Realisierung die Gesellschaft nicht zuständig ist.

        Dieses Ausklammern von Anforderungen der (kapitalistischen) Gesellschaft, von Nutzen, Konkurrenz, Leistung, Entfremdung, Verwertbarkeit der eigenen Arbeitskraft – genau davor sollte die bürgerliche Frau geschützt werden.
        Die besondere „Wertschätzung“ der bürgerlichen Frau bestand eben darin für sie zu entscheiden, das wäre unzumutbar und der bürgerliche Feminismus reproduziert diese Ideologie wieder, wieder und wieder.

        Ein solcher Feminismus braucht vom Neoliberalismus auch nicht „gekapert“ zu werden, er bietet sich von seinen ideologischen Grundvoraussetzungen geradezu selber an.

      • @Lucas Schoppe und @crumar:
        Wie gewohnt sehr gute Texte von Euch! Die helfen mir jedes Mal, die Gründe für mein Unbehagen mit den vorgebrachten Argumenten artikulieren und schärfen zu können. An dieser Stelle und stellvertretend für viele andere Kommentare von Euch mal ein herzliches ernstgemeintes Dankeschön! Das darf ich gleich ausweiten an die anderen Kommentatoren dieses Blogs, die signal-to-noise-ratio genau wie das Diskussionsniveau ist (üblicherweise) außergewöhnlich hoch hier!
        So, genug geschleimt ;-).

        @crumar betont ja schon seit längerem die Lebenswelt der bürgerlichen Frau in der Industriegesellschaft als Grundlage bzw. Idealbild der feministischen Positionen und Politik. Angestrebt wird ja die Ersetzung der Abhängigkeit der bürgerlichen Frau von ihrem bürgerlichen Ehemann (durch seine Erwerbstätigkeit bzw. wohl noch eher seine Alimentation als Beamter) durch die ‚Unabhängigkeit‘ der Frau durch eigene Erwerbstätigkeit bzw. ihre Alimentierung durch den Staat.

        Nach meiner eigenen Erfahrung ist dieser Standpunkt völlig richtig:
        (1) Meine Großeltern in der Arbeiterschicht haben beide SEHR hart gearbeitet: Die Männer im Stahlwerk bzw. unter Tage (zu Beginn 12h-Schichten, 6d/Woche) und ihre Ehefrauen im Haushalt (ohne Waschmaschine!) und bei der Kinderbetreuung, beide Ehepartner und arbeitsfähige Kinder in der Nebenerwerbslandwirtschaft mit Kartoffel- und Gemüseanbau, Obstbäumen und -sträuchern, sowie (Anfang bis späte Mitte des 20.Jh.) Milchkuh, Ziege und Hühner (außerdem Bienen bis zum Tod meines Großvaters in den 80ern). Dazu Reparaturen im Haus und darum herum, die selbstverständlich alle selbst erledigt wurden(!), von den Männern üblicherweise.

        Da fällt einfach SO VIEL ARBEIT an, dass solche Diskussionen ‚Hat jetzt er oder sie mehr gearbeitet oder wer macht die anstrengendern Aufgaben‘ und ähnlicher Blödsinn für die beiden völlig undenkbar waren. Die waren beide froh, dass der Ehepartner mitarbeitete und beide zusammen ihren Lebensunterhalt und den der Kinder bestreiten konnten.

        Wenn jemand meine Oma (egal welche) gefragt hätte, ob ihr Ehemann sie unterdrücke, wäre der erst ausgelacht worden und hätte dann ob der Frechheit dieser Frage und ihrer Dankbarkeit für seine harte Arbeit für die Familie „a rechte Watsch’n rechts wia lings“ verabreicht bekommen.

        (2) Hingegen war das bürgerliche Leben ein leichteres (ich versuche, nur ein WENIG zynisch zu sein, wohl wissend, dass auch in der Mittelschicht manchmal ernsthaft gearbeitet werden mußte): der Mann ging um halb zehn aus dem Haus in die Gesellschaft ins Büro zu seinem mit erheblichem Sozialprestige verbundenen Beruf, der gleichzeitig praktisch nie körperlich anstrengend war und nebenher bei weitem genügend Einkommen für die Familie generierte, die sich (insbesondere vor dem 1. WK) gern auchmal Hausangestellt leistete.

        Wenn der Mann abends um sechs zurückkam, hatte er oft genug schon die Tageszeitung gelesen. Nach dem Abendessen mit den Kindern Hausmusik, Bibelstunde oder Theater, Oper, Konzert, Samstags Sport (z.B. Tennis mit Balljungen(sic!)) und Sonntags Kirche.

        Seine Ehefrau hingegen hatte während dieses Tages Hausarbeit (oft mit Unterstützung durch Hausangestellte, Wäsche gab man zur Wäscherei(!)) und Kinderbetreuung/Erziehung zu leisten. Das DIE sich nicht gleichwertig zu ihrem Mann (und damit allen Männern, denn mit denen aus der Arbeiterschicht hatte man ja nie sozial zu tun) VORKAM, kann ich sogar gut verstehen! Die Erwerbsarbeit ihres Mannes sah sie als ‚Selbstverwirklichung‘ an (war ja mit Sozialprestige und Selbstdefinition (Arzt, Professor, Ministerialdirektor) verbunden), nicht als ‚Tätigkeit, die man nicht machen würde, wenn man dafür nicht bezahlt würde‘. Wertschätzung erwartet man für den eigenen Aufwand den man für eine Sache betrieben hat bzw. die eigene Pein, die man dafür erleiden mußte, nicht für den tatsächlichen Wertgehalt der Arbeit (@Lucas Schoppe’s wichtiger Punkt). Wie oft haben wir’s alle schon gehört: „Aber ich hab‘ mit doch SOO VIIEL Mühe gegeben!!“.

        Wenn man nun seine eigene Arbeit für die Familie geringer einschätzt als die des Ehemannes, kommt einem die tatsächlich privilegierte Position als Bürgerfrau (gegenüber der woa hart arbeitenden Arbeiterfrau) dann plötzlich als „Abhängigkeitsverhältnis“ bzw. „Unterdrückung“ vor. Und man gründet ‚Women’s Liberation‘ Clubs und will das Wahlrecht (vom Wahlrecht für die ungewaschene Masse war bei den Suffragetten ja auch nicht die Rede….).

        Der komplette Feminismus will nmA die Privilegien der bürgerlichen Frau früherer Zeiten herstellen als Leistung des Staates. Und wer erarbeitet die Transferleistungen an Gleichstellungsbeauftragte, Soziologinnen und Hengameh Yaghoobifaras?

        Männer und bulgarischen Putzfrauen, natürlich.

          • Danke, @Fiete.
            Brannte mir seit Monaten unter den Nägeln, aber als im-Slalom-Mitleser und äußerst sporadischer Einzelpost-Poster (aus Gründen meines Zeitmanagements) hat sich erst heute Gelegenheit ergeben…. ;-).

            Wie ihr gemerkt habt, kommt die Leistung des Mittelschicht-Ehemannes (NICHT der Mittelschicht-Ehefrau) zu schlecht weg bei mir. Diese Verhältnisse waren eher im viktorianischen England üblich. Es ging mir aber um eine bewußte Überspitzung, um mein Argument klarer zu machen.

            Letztlich ist Feminismus wohl ein Symptom der Dekadenz.

        • @CountZero

          Danke für dein Lob und gerne zurück für deinen eigenen Beitrag!
          Damit zu einem oder zwei Punkten, die ich an dem bürgerlichen Feminismus völlig irre finde.

          1. Wenn du hier aus deiner Familiengeschichte erzählst: „Meine Großeltern in der Arbeiterschicht haben beide SEHR hart gearbeitet“, dann wird das die Erfahrung vieler Männer auf diesem Blog gewesen sein. Entweder die Großeltern haben sich einen (sozialen) Aufstieg erarbeitet oder es ihren Kindern ermöglicht oder diese ihren Kindern.
          Ob dieser gelungen ist oder die Kinder ihn als gelungen empfanden steht auf einem anderen Blatt.

          Egal, wie man es dreht und wendet, die Erfahrungen dieser Generation waren die der absoluten Mehrheit der Bevölkerung.
          Die oft gehörte feministische Litanei, Frauen wären „zuhause eingesperrt“, „aus der Öffentlichkeit verdrängt“ worden, trifft weder für Frauen aus Arbeiter-, noch für solche aus Bauernfamilien zu.
          Dass diese außer Haus arbeiten mussten war ja kaum zu übersehen.
          Die „Empfindung“ einer solchen Unterdrückung blieb Frauen einer bestimmten sozialen Schicht vorbehalten.
          Was im Nachhinein als bodenlose Unterdrückung empfunden worden ist, diente aber dem bürgerlichen Mann gerade dazu, der holden Frau zu ersparen und war auch Distinktionsmerkmal gegenüber den sozial niedriger gestellten Männer, die das nicht vermochten (also ihre Frauen vor solchen Zumutungen zu „retten“).
          D.h., was der bürgerliche Feminismus leistet, ist eine ganze Geschichte „der Frauen“ aus ihrer eigenen, einer bürgerlichen Perspektive umzuschreiben.
          Die absolute Minderheit aller Frauen diktiert der absoluten Mehrheit eine Brille aufzusetzen, durch der sie ihre eigene Geschichte zu sehen haben, die mit ihren eigenen, tatsächlichen Erfahrungen nichts zu tun hat.
          Und sie haben sich damit durchgesetzt!

          2. Du schreibst: „Die Erwerbsarbeit ihres Mannes sah sie als ‚Selbstverwirklichung‘ an (war ja mit Sozialprestige und Selbstdefinition (Arzt, Professor, Ministerialdirektor) verbunden), nicht als ‚Tätigkeit, die man nicht machen würde, wenn man dafür nicht bezahlt würde‘. Wertschätzung erwartet man für den eigenen Aufwand den man für eine Sache betrieben hat bzw. die eigene Pein, die man dafür erleiden mußte, nicht für den tatsächlichen Wertgehalt der Arbeit.“

          Das muss man in zwei Teile aufteilen und insofern fair sein, auch „Erwerbsarbeit ihres Mannes sah sie als ‚Selbstverwirklichung‘ an“ wurde von Feministinnen bereits in den 80ern kritisiert. Der weibliche Neid auf die ökonomische Potenz und Autonomie der Männer ließ sehr daran zu wünschen übrig sich vorzustellen, zu welchem Preis das erfolgte, bzw. es ist bis heute nicht wirklich angekommen, mit welchen Effekten Männer zu kämpfen haben.
          Einer dieser Effekte ist in dem Doppelcharakter von „disposibility“ aufgehoben, nämlich „Verfügbarkeit“ und zugleich „Entsorgbarkeit“.
          Beide Bedeutungen sind entschieden Anti-individuell, sie betonen Austauschbarkeit – man könnte fast sagen, die „Maske der Männlichkeit“ sei ein Produkt einer (gesellschaftlichen) Standardisierung solcher Individuen. 😉
          Die männliche Beschwörungsformel an und für Frauen ist, IHR seit das eben NICHT.
          Ihr seid das nicht, weil wir verhindert haben, dass ihr jemals damit konfrontiert werdet, verfügbar und austauschbar zu sein – ihr seit die „heilen Individuen“, die wir niemals sein werden.
          Also unser Sehnsuchtsort in „Frau“ aufgehoben.
          Für alles andere haben Männer die Metapher der Insel entwickelt, die Frauen ebenfalls nicht begriffen haben.

          Der weitere Punkt ist, die Funktionsrollen in einer tayloristisch/fordistischen Aufteilung von Tätigkeiten ist nicht spannend – der Sachbearbeiter für rückwirkende Vertragsänderungen in einer Versicherung ist nicht wirklich der Sehnsuchtsort von weiblicher „Selbstverwirklichung“.
          Auch nicht die x-te Spezialisierung von „Ärztin“.
          Von daher verweist: „Wertschätzung erwartet man für den eigenen Aufwand den man für eine Sache betrieben hat bzw. die eigene Pein, die man dafür erleiden mußte“ auf den Zustand einer prä-industriellen, unentfremdeten Tätigkeit, in dem es keine Rolle spielte, ob die handgefaltete Rose auf der Torte nicht besser maschinell oder durch Chinesen erfolgen sollte.
          Dass man „wertschätzt“ oder „wertzuschätzten“ gelernt hat, einen ganzen „Manufactum“ Katalog herunter zu beten, um den weiblichen Aufwand „wertschätzen“ zu können, verweist wiederum auf einen Mann, der jenseits meines marxistischen MGTOW-Horizonts existieren muss. 🙂

          Zieht man das komplette vorgenannte ab, hat man einen häuslichen Parasiten an der Backe von dem ich hoffe, er bläst wenigstens besser als Adrian.
          Offfennnnsiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiive!

        • @crumar:
          Thx!
          Zu Deinen
          Punkt 1: ja, vollständige Zustimmung! Insbesondere die letzten beiden Absätze.

          Punkt 2: (Selbstverwirklichung vs. Funktionstätigkeiten als gerade nichtindividualisierbar):
          Das sind hochinteressante Aspekte, zu denen meine Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen ist.

          Zunächst ist die Idee des ‚Individuums‘ mit individueller Handlungsfreiheit, der Würde jedes einzelnen und Verantwortung(!)für individuelle Handlungen ja eine Idee des ‚Westens‘. Das Idealbild anderer Kulturen (insbesondere der fernöstlichenim Konfuzianismus) hingegen besteht gerade in der Auflösung des Individuums in seiner sozialen Rolle.
          Die fernöstliche Idee der ‚Harmonie‘ zwischen allem bedeutet gerade die Unterdrückung individueller Unterschiedein der Ausfüllung der sozialen Rolle. Daher spielen dort ritualisiert ausgeführte Handlungen wie z.B. die Teezeremonieuvam. eine so große Rolle.

          So. Nun wird natürlich auch in der westlichen Welt signalisiert, dass der, der Dir gerade gegenübertritt, dieses in einer gesellschaftlichen Rolle tut und nicht als Individuum, üblicherweise durch eine Uniformierung (sic!:-)): weiße Kittel der Ärzte, Roben der Richter und Staatsanwälte, Anzüge der Büromenschen (früher auch: der Lehrer), Blaumänner der Handwerker oder Uniformen der Polizei. Damit wird signalisiert, dass in der folgenden Interaktion die persönlichen Präferenzen des Uniformierten keine Rolle spielen werden, sondern die zu regelnde Sache gelöst wird egal, ob ich oder jemand anders das uniformierte Gegenüberwäre. (Daher bin ich auch entschieden gegen Kopftuch als Lehrerin oder (schauder) Richterin.) Deine Maske der Männlichkeit maskiert eben die individuellen Eigenschaften des Mannes mit seiner Maske der Funktion. Damit sind auch die Erwartungen an den Uniformierten/Maskierten klar: er steht mir als Klempner, Kellner oder Priester gegenüber, und die Erwartungen, die ich haben kann, sind Erwartungen an seine Rolle.

          Das ist aber grundsätzlich unterschiedlich zur weiblichen Psychologie, die (nach allem, was ich weiß) gerade auf die Anerkennung individueller Unterschiede, also dass, was die Persönlichkeit ausmacht, ausgerichtet ist. Was ja in einer Gesellschaft wie z.B. der viktorianischen, wo die sozialen Räume von (bürgerlichen) Männern und Frauen so
          weit getrennt waren, dass sie sich kaum noch überlappten, gerade gesucht ist. Wie Du schriebst: „Ihr seid das[austauschbar] nicht, weil wir verhindert haben, dass ihr jemals damit konfrontiert werdet, verfügbar und austauschbar zu sein (…).“ Auf Schoppe’s Blog gab’s dazu ja den interessanten Beitrag ‚Männer in Röcken‘).

          Punkt 3 bzw. „der weitere Punkt“ ;-):
          „[Wertschätzung für den eigenen Aufwand verweist] auf den Zustand einer prä-industriellen, unentfremdeten Tätigkeit,(…)“
          Ja, sehe ich auch so, wobei man auch in vorindustriellen Gesellschaften bzw. in der Nebenerwerbslandwirtschaft meiner Großeltern von oben ordentlich und effizient arbeiten muß, um anerkannt zu werden. Ich denke eher, der hauptsächliche Unterschied zwischen einer vormodernen und einer Industriegesellschaft ist der, dass das Mitglied der vormodernen Gesellschaft im Besitz des kompletten kulturellen Erbes der Gesellschaft war, während niemand gleichzeitig alles über Metallgießerei, Pferdezucht und Ottomotoren und Web-Design wissen kann, um dort überall zu funktionieren.

          Ich zitiere dazu mal etwas länger aus Joseph Campbell: ‚Myths to live by‘, Kap.’The separation of east and west‘, von dem auch im wesentlichen der erste Absatz unter Punkt 2 entnommen ist, weil es mich aktuell auch mit meiner Auseinandersetzung mit den Begriffen Kultur, kulturelle Unterschiede, Kulturrelativismus und ‚Diversity‘ stark beschäftigt:
          „It is not easy for Westerners to realize that the ideas recently developed in the West, his selfhood, his rights, and his freedom, have no meaning whatsoever in the Orient. They had no meaning for primitive man.“

          „In the earlier, primitive societies of food-collecting hunters, foragers and fishers, (…) nomadic social units were neither large nor compolex. The only divisions of labour were in terms of age and sex, with every man, woman and even youngster pretty much in control of the entire cultural heritage. Every adult in such a context could – in terms at least of the local cultural model – become a total human being.

          Das habe ich auch in einem Südpazifik-Aufenthalt genau so erfahren. Dh. dort geht beides gleichzeitig: Individuum zu sein und seine kulturelle Rolle auszufüllen (weil jeder die Rolle kann und sie zu seiner Identität gehört: Kochen z.B. im Südpazifik ist Männersache: das ist viiiel zu harte Arbeit für Frauen… ;-)).

          So, jetzt mach‘ ich aber Schluß, sonst stelle ich noch Leszeks Nimbus als Monsterbeitragsposter in Frage…. ;-).

  9. Aus dem Fazit der Studie:

    „Zusammenfassend sind die bisherigen Analysen zur „Bereinigung“ des
    Gender Pay Gaps nicht in der Lage die gleichstellungspolitische Bedeutung
    der Arbeitsbewertung zu berücksichtigen und gesellschaftliche Abwertungen
    weiblich dominierter Berufe aufzudecken. Dieser bestehende blinde
    Fleck in der Ursachenanalyse kann mit dem „Comparable Worth“-Index
    und weiteren Analysen sichtbar gemacht werden.“

    OK, dieses Phänomen der gesellschaftlichen Abwertung „weiblich“ konnotierter Berufe ist durchaus bekannt, aber gleichzeitig auch sehr schwammig und schwer zu greifen. Unklar bleibt, ob Sarah Lillemeier diese nur greifbar machen möchte (um etwas fundierter über den Scheiß, Frau sein zu müssen jammern zu können), ob sie öffentliche Streicheleinheiten für frau fordert (also so wie heutzutage ja Mädchen schon schwer gelobt werden wenn sie ne gerade Wurst kacken können) oder ob sie den Ansatz eines monetären Ausgleichs im Hinterkopf hat.

    Was ja – von der Realitätsferne dieses Ansatzes mal abgesehen – durchaus den Effekt haben könnte, dass Männer (wieder) diese Berufsfelder besetzen.

    Eigentlich kann es Sarah Lillemeier drehen und wenden wie sie will, die Rolle der Frau bei der Fortpflanzung wird frau immer wie ein Mühlstein um den Hals hängen, solange frau dadurch eine realistische Ausstiegsoption aus dem Erwerbsleben hat.

    Daher sind solche Palaver-Studien auch nur Heuchelei. Es gibt für das Anliegen von Sarah und Co. nur den Weg, den Frauen männliche Erwerbsbiographien aufzuzwingen und die Kinderbetreuung zu institutionalisieren. Das trauen sie sich aber halt nicht zu sagen/schreiben.

  10. Sollte der Comparable Worth-Ansatz tatsächlich vermehrt in Stellung gebracht werden, sähe ich das durchaus als positive Entwicklung: Einerseits handelte es sich um ein stillschweigendes Eingeständnis, dass das Postulat einer Gender Pay Gap doch nicht so eine großartige Idee war (wenn man sich jetzt nach einem Ersatz umsehen muss), und andererseits drückte es doch ziemliche Verzweiflung aus, wenn man nun seine Hoffnungen an ein noch unwissenschaftlicheres und lächerlicheres Konzept als das der GPG zu knüpfen begänne. Das wirkt gerade wie eine erste Defensivbewegung, nachdem man die Dürftigkeit der eigenen Argumentation erkannt hat – aber mitunter sehe ich das gerade zu überschwänglch…

    • Die sind doch schon seit einiger Zeit auf dem Rückzug, das hier ist doch nur eine Verteidigungsstellung, die sie auch nur sehr kurz halten können.

  11. Das Ding leidet unter dem „MMPI-II-Syndrome“. In einer geschlossenen Klapse im Minnesota der 40er Jahre war das Ding echt praktisch zur Generierung von Anfangsverdachten zur Erleichterung der Auswahlarbeit bei Unterbringung, weiteren Untersuchungen und entsprechenden Behandlungen von Patienten.
    Heute wird er von familiengerichtlichen Gutachter u.a. in D. genutzt, um eine exakte Diagnose des Gesamtpersönlichkeit ( qualitativ u. quantitativ ) von Eltern für Gerichtsentscheidungen vorzutäuschen, was auch sehr praktisch ist, da man jeden Scheiß willkürlich unterstellen kann, kein Jurist ( und auch die meisten „Gegengutachter“ nicht ) kann den Kram auch nur ansatzweise nachvollziehen, resp. die Fachlichkeit o. gar Sicherheit der Interpretationen einschätzen.

    Zum Compare-to-what?-Test:
    Wenn man zwei zur Kalibrierung exakt passend definierte Jobs unter ganz bestimmten ( abgestimmten ) Laborbedingungen „misst“ ( hust … ) kann man im Schnitt verblüffenderweise zu entsprechend passenden Ergebnissen kommen.

    Aber schon bei spontanen Vergleichsversuch ( sagen wir mal ) nach Zuschicken der Fragebögen ( oder unter Anleitung praktischerweise durch den Auswerter selbst ) an einen Aufhalter ( guess what that is 🙂 ) und einer Fachkraft für Humanfußpflege und Gender
    dürfte es problemlos möglich sein ein Ergebnis von locker 2:8 ( Diskriminierungswert, quantitativ ) in die jeweils gewünschte Richtung herzustellen.
    Obwohl diese beiden Jobs für jeden Deppen per Daumenpeilung schon ausreichend eindeutig zu bewerten sind. Zwangsläufig kann da nur eine „Diskriminierung“ des Aufhalters bei rauskommen, egal wie man es dreht oder wendet. Ich gehe jede Wette ein, daß man, nach Abarbeitung des Abrakadabrahokuspokuscomparemülls, da auch das ungefähre Gegenteil reinwurschteln kann.

    Kurz: Bullshit, Junkscience

  12. Das Ergebnis wird niedrigere Löhne für alle werden, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen dass das im Sinn der Verantwortlichen dieser Studie ist/war, die hier mal wieder mit allen Mitteln versuchen Frauen als diskriminiert darzustellen.

    Sobald eine Erzieherin oder Altenpflegerin pro Stunde annähernd so viel kostet wie sie selbst zu betreuen, werden die Menschen ihre Angehörigen wieder vermehrt selbst betreuen.

    • „dass das im Sinn der Verantwortlichen “

      Es ist ja keine neue These, dass das exakt im Sinne derer liegt, die den Feminismus finanzieren.

    • Mann, wenn Du solche Aussagen hier postest, riskierst Du für uns alle die Höchststrafe: eine Widerlegung von Leszek in Form eines 79-Seiten-Traktats! Bis Du irre, Mann?! 😛

      Mein erster Eindruck war genau wie Deiner: eine Vulgärform der marxistischen Arbeitswerttheorie. Hab‘ dann aber im Internet etliche Texte zu dieser Werttheorie gefunden und (ein)gesehen: das hat mit Marx praktisch nichts zu tun.

      Z. B. ist für Marx eine zentrale Größe der Tauschwert der resultierenden Ware. Wie Schoppe aber oben gezeigt hat, wird dieser Tauschwert im „comparable worth“-Ansatz fast vollständig ausgeblendet, weil fast ausschließlich auf „Anforderungen und Belastungen“ fokussiert wird, die auch dann bestehen sollen, wenn gar keine entsprechende Ware zustande kommt, oder wenn ihr Tauschwert denkbar gering ist.

      Nee, hier müssen wir den ollen Marx entlasten: den „comparable worth“-Ansatz hat er nicht verbockt.

      • @Jochen Schmidt: :up 😀
        So wie ich Marx verstanden habe, unterscheidet er zwischen wahrem Wert eines Arbeitsproduktes und Marktwert. Dabei entsteht der wahre Wert (Arbeitswert) als Summe der Reproduktionskosten des Produktes: Kosten der Eingangsmaterialien, Abschreibungskosten der Maschinen und Fabriken und Lohnkosten für den Arbeiter (diese bei Marx immer am Existenzminimum).

        Der wahre Wert plus den Mehrwert(aufschlag) ergibt dann den Marktwert. (Marx geht davon aus, dass es einen Markt für das Produkt gibt und das man bei einem gegebenen Stand der Technik nicht billiger produzieren kann als den so ermittelten Marktwert.)

        Dabei ist im wahren Wert aber (praktisch) NIRGENDWO berücksichtigt, wieviel Pein oder Unannehmlichkeiten der Arbeiter bei seiner Arbeit in Kauf nehmen muß (‚über Kopf‘-Tätigkeiten), (allerdings wohl schon, wie teuer die Ausbildung des Arbeiters für seine ausgeübte Tätigkeit war). Das jedoch ist das zentrale Ziel des „comparable worth“-Ansatzes: DESSEN ‚wahrer Wert‘ entsteht aus der subjektiven Pein, die die Arbeiterin in ihr Produkt gesteckt hat.

        Schließlich will man ja zeigen, dass die Altenpflegerin im Vergleich zum Fließbandarbeiter VIEL ZU WENIG verdient…

  13. Herzallerliebst finde ich ja diesen Absatz:

    Geschichtlich ist es immer wieder vorgekommen,
    dass sich ehemalige „Männerberufe“ zu „Frauenberufen“ gewandelt
    haben und umgekehrt. Dabei ist in der Regel eine Feminisierung der
    Berufe mit Abwertung und eine Maskulinisierung mit Aufwertung verbunden
    gewesen,

    Gab es da nicht kürzlich einige Diskussionen, daß Leute scharenweise davon gerannt sind, weil irgendwelche Frauen einen Code of Conduct eingeführt haben, der zu Zank und Zickereien führte (u.a. GitHub)?

    Wie wäre es, wenn man Ursache und Wirkung einfach mal umdreht? Frauen ruinieren einen Berufszweig, die entsprechenden Unternehmen machen Verluste und die einst hohen Gehälter können nicht mehr gezahlt werden – die Löhne sinken bei Neueinstellungen (Quotenweibchen sind davon besonders betroffen, weil derzeit bevorzugt und führen zu noch mehr Unfrieden, womit der Kreislauf von vorne beginnt).

    Oder: Im Zuge der Frauenquote werden immer mehr Frauen eingestellt, die Teilzeit arbeiten, dadurch weniger Geld verdienen und als Folge sinken die Durchschnittslöhne.

    Oder: die vielen Frauen sind in den Job gezwungen worden trotz mangelnden Interesses, die Leistung ist eben dementspechend, Männer dürfen das ausbaden, da bleiben die Löhne mindestens unverändert, aber den Low-Performern (hier: Quoten-Weibchen) kann eben nicht soviel Geld gezahlt werden. Dementsprechend sinken die Löhne im Schnitt ebenfalls.

    Es gibt bestimmt noch mehr Ursachen – aber „Status“ ist m.E. nur eine von vielen Möglichkeiten und vielleicht auch die unwahrscheinlichste.

    Die ganze Studie ist doch zurechtgebogen und -gelogen….

    • Eine Generation äußerst erfolgreicher Frauen findet keine geeigneten Männer, die sie heiraten würden, und das liegt an deren Mangel an Abschlüssen und hohen Einkommen, behauptet eine akademische Studie in den USA.

      Für Frauen bedeutet Heirat oft „einen höhergestellten Partner Heiraten“, aber während ihr persönliches Vermögen gestiegen ist, haben sich ihre Erwartungen nicht angepasst.

      In der Studie heißt es: „Unverheiratete Frauen suchen im Durchschnitt einen Mann, der ein etwa 66% höheres Einkommen und mit einer 49% höheren Wahrscheinlichkeit einen Hochschulabschluss hat, als das, was auf dem Partnermarkt verfügbar ist“.

      https://genderama.blogspot.com/2018/07/bild-prangert-weie-manner-sollen-die.html

      Männer haben diese Gehaltserwartungen nicht bei der Partnerwahl. Deswegen sind Frauen auch bereit den gleichen Beruf für weniger Geld auszuüben und deswegen führt eine Feminisierung eines Berufs häufig zu einer Senkung des Gehalts. Aber mal die „Geldgeilheit“ von Frauen, um es Mal überspitzt zu formulieren, offen mit in die Diskussion einzubringen, soll tunlichst vermieden werden. Dann wäre ja auch das ganze Rumgejammere über diese schlimme sexuelle Objektifizierung ziemlich heuchlerisch.

      • Wer ein hohes Gehalt fordert, fordert auch, mit einem anspruchsvollen Maßstab gemessen zu werden.

        Frauen sind nicht nur zu schüchtern für hohe Löhne. Sie haben auch keinen Bock auf Stress ohne Not.

      • @Matze

        Der Kommentar unter dem Artikel ist Gold wert: „I couldn’t help but notice how few times I’ve ever heard it referred to as „marrying down“, when a man marries someone that has less earning power or education than him. Curious. Since men have done for centuries, what women are refusing to do now that they are on equal or better footing than men educationally and financially, one would have to think that women feel entitled to their traditional benefits of finding a man that earns more than them, but also entitled to the feminist benefits to earn as much as or more that men do. Seems like women want to have their cake and eat it, too, while men get the crumbs, and have to do the dirty crap of keeping a society actually running: soldiering, building roads and bridges, constructing buildings. When women finally figure out what they want, they can get back to me. Or not; I’ve been too busy doing stuff that I actually enjoy to care; skydiving, traveling, etc. So much easier after going MGTOW.“

        🙂

      • Mal ohne Scheiß: ich hab‘ mal für eine Laborleiterin gearbeitet – war schon Mitte 50 – , die sich bei mir nach Feierabend darüber beklagt hat, daß sie keinen Mann abbekommen hat. Sie sei ja nicht hübsch genug gewesen. Dabei war sie schon mit unter 30 Jahren Abteilungsleiterin in einem Chemie-Konzern.

        Und nun verstand sie die Welt nicht mehr. Viel Erfolg, viele Kollegen, aber keinen Mann. Weil – nicht hübsch genug, was denn sonst.

        Natürlich hatte es mit ihrem Aussehen nichts zu tun. Sie sah durchschnittlich aus, viele Männer hätten gesagt: „eigentlich ganz hübsch“.

        Ja, sehr traurig. War eine nette, kluge Frau. Und hat die Welt nicht mehr verstanden.

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