Es wird dem Grunde nach eine konservative Arbeitsteilung

Südländerin wird erst einmal ein Jahr aussetzen, es geht bei ihr wesentlich besser, weil sie im öffentlichen Dienst ist.
Aber natürlich möchte ich durchaus ein aktiver Vater sein, mich bei den Kindern einbringen etc.

Wie das genau wird: Wir werden sehen. Ich werde immer wieder mal darüber berichten. Vielleicht muss ich etwas Arbeit nach Hause verlegen, was aber möglich sein sollte.

Dem Plan nach wird Südländerin dann recht schnell wieder einsteigen. Aber vielen hat da schon das Baby und sein erhöhter Bedarf an Versorgung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch hier nehme ich gerne Tipps.

46 Gedanken zu “Es wird dem Grunde nach eine konservative Arbeitsteilung

  1. „es geht bei ihr wesentlich besser, weil sie im öffentlichen Dienst ist.“

    Nichts unterstützt die klassische Rollenverteilung so sehr, wie ein hoher Frauenanteil im öffentlichen Dienst.

  2. Wir hatten ziemliches Glück bei dem Thema: die Mutter konnte ihren IT-Job drei Jahre lang (bis zum Kindergartenalter des Ältesten) im Wesentlichen remote im Home-Office erledigen. Außerdem haben wir gelegentlich für ein Vierteljahr die Schwiegermutter aus dem Nicht-EU-Ausland eingeflogen (was freilich auch ein gewisses Konfliktpotential beinhaltete). Später habe ich dann zumindest immer wieder auch das Abholen vom Kindergarten übernommen. Ansonsten war die Mutter im Zweifelsfall für eine traditionelle Arbeitsteilung.

    Falls ihr übrigens vorhaben solltet, das Kind zweisprachig großzuziehen: bei uns hat das nicht funktioniert. Die nichtdeutsche Fremdsprache muss zu Hause sehr konsequent gesprochen werden, und da ich nicht fließend spreche, hätte alles an der Mutter gehangen – ihr allein war es (verständlicherweise) zu anstrengend. Dank Schwiegermutter war das Sprachniveau bis ins Alter von drei Jahren ungefähr gleichwertig, danach hat der Kindergarten alles weggeblasen. Funktioniert hat das nur bei denjenigen unserer Bekannten, bei denen beide Eltern »Ausländer« waren (die sprachen freilich alle auch gut genug Deutsch, um das Kind dann später auch dabei zu unterstützen).

    • @djadmoros:
      (Wg. Zweisprachigkeit): interessant! Um welche andere Sprache (neben Deutsch) handelte es sich bei Euch? Ich habe vor allem im Zusammenhang mit Spanisch/Deutsch und dem Versuch zweisprachiger Erziehung von sehr schlechten Erfahrungen gehört (bis hin zum völligen Nichtsprechen des Kindes bis zum Alter von vier Jahren, woraufhin beide Eltern konsequent und ausschließlich auf Deutsch umgestiegen sind). Ganz im Gegensatz dazu Französisch/Deutsch, wo ich nur Erfolgsgeschichten kenne (Englisch/Deutsch ebenfalls, aber da ist meine Statistik sehr klein (1)) ;-).

      • @CountZero:

        »Um welche andere Sprache (neben Deutsch) handelte es sich bei Euch?«

        Russisch. Wobei die Mutter schon damals praktisch akzentfreies Deutsch sprach und sich lieber in der »neuen« Sprache bewegte. Russisch wurde daher nur mit der Verwandtschaft oder den Freunden und Bekannten aus der »Diaspora«-Community gesprochen.

        Wobei ich nicht erwartet hätte, dass das von einer bestimmten Sprache abhängt – außer Englisch, wo man mittlerweile wohl leidliche Kenntnisse bei allen Elternteilen voraussetzen darf. Aber ich bin auch weder Entwicklungspsychologe noch Pädagoge, vielleicht ist der Prozess auch komplexer als ich dachte.

  3. Naja, bei vielen Frauen kipppt das dann ganz schnell und die wollen nur noch Gluckenmutter sein. Und Du Christian, kannst die Kohle herbeischaffen. Wobei ich dieses Modell voll unterstütze.

    • Es gibt ja nun auch nicht wenige Kinder, die brauchen Gluckenmütter. Und damit meine ich nicht nur Babys, sondern auch und gerade Anderthalbjährige.
      Ich hab‘ auch immer so salopp daher gequatscht, weil mein erste Tochter ein totales Papa&Oma-Kind ist, meine zweite Tochter hat mich dann Demut gelehrt, die hat in Todespanik gebrüllt, sobald ich mich entfernt habe. Jetzt mit 3 geht sie mutiger in die Welt.
      Kindergarteneingewöhnung über 2 Monate lang war besonders schön, weil mir ständig an den Kopf geknallt wurde: Ja naja, Du musst sie schon auch mal loslassen können (Du Glucke…)

      Himmelherrgottnochmal, ICH hätte dieses Kind supergut „mal loslassen“ können, aber SIE leider mich nicht.
      Sie hat lange Zeit wie am Spieß geschrien, wenn sie morgens wach wurde und nur ihren Vater im Bett vorfand.

      Lasst Euch überraschen, es gibt da viele Zwischentöne. Manche Kinder müssen mal ins kalte Wasser und manche Mütter müssen mal heulend vor die Tür.

    • Wir werden in der Zukunft sehen ob das Christian so möchte. Ich prognostiziere mal das er damit garnicht so unglücklich wäre, PUAs tendieren dazu ein wenig klassischer zu sein.
      Oh PUA dasein ist wohl dann auch vorbei 😀 Naja, macht nichts, die alten Blogeinträge sind ja noch da, und irgendwann möchte man sich auch mal niederlassen.

  4. @Christian:

    „Wie das genau wird: Wir werden sehen. Ich werde immer wieder mal darüber berichten. Vielleicht muss ich etwas Arbeit nach Hause verlegen, was aber möglich sein sollte.“

    Es gibt tatsächlich Firmen, die sowas wie Home-Office anbieten.
    Wäre es bei Südländerin und Dir (mit dem öffentlichen Dienst) andersrum, hättest Du natürlich bessere Karten für eine aktive Vaterrolle. Bei uns heißt das ‚alternierende Telearbeit‘.

  5. Schickes Layout! Endlich mal ein Elternblog. *GGGGGG*
    @Christian: Denk an die Elternzeit. Lass dir das nicht wegnehmen. Und zu Hause: Von Anfang an konsequent auch unangenehme Dinge wie Windel wechseln etc. übernehmen. Nicht nur um die Frau zu entlasten, sondern in eigenem Interesse. Man wird sonst allzu leicht in die „du machst das sowieso nicht richtig Ecke“ gedrängt und Jahre später wird dir dann vorgeworfen, du hättest dich nicht genug gekümmert. Egal, wie sehr du dir im Job den Arsch aufgerissen hast.
    Und wie wichtig ein Papa für das Kind ist, brauche ich ja eh nicht extra erläutern. Nimm dir Zeit. Auch wenn es manchmal furchtbar anstrengend sein wird. Zeit mit den Kindern ist unersetzlich und niemand kann dir das zurückgeben, wenn du es versäumen solltest.

    • @rano64:

      »Von Anfang an konsequent auch unangenehme Dinge wie Windel wechseln etc. übernehmen. Nicht nur um die Frau zu entlasten, sondern in eigenem Interesse. Man wird sonst allzu leicht in die „du machst das sowieso nicht richtig Ecke“ gedrängt und Jahre später wird dir dann vorgeworfen, du hättest dich nicht genug gekümmert. Egal, wie sehr du dir im Job den Arsch aufgerissen hast.«

      Subscribe!

  6. Ich habe es selbst erlebt und auch oft genug von anderen gehört, dass viele Mütter dazu neigen, die Babybetreuung mit Heimkommen des Vaters von der Arbeit umgehend an diesen abzugeben („Hier, du bist jetzt dran, ich musste schon den ganzen Tag“). Dass der Vater gerade von einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt und erstmal selbst etwas Ruhe braucht, wird überhaupt nicht realisiert. Deshalb ist es wichtig, sich die Erholungsphase von Anfang an einzufordern, wenn man sie braucht.

    • Kenne ich von meinen Eltern. Auch mit Hausarbeit. Habe meine Mutter mal wirklich gefragt, ob sie jetzt für den Papa auf die Baustelle fährt. (Tut sie nicht)

    • *lol*

      Wenn du selbst das Kind betreust, verstehst du auch warum!

      Es schlaucht unglaublich, wenn sich der ganze Tag immer nur ums Kind dreht und man nichtmal schei**en gehen kann, ohne dass es ankommt oder aus einem anderen Zimmer schreit. Nichts gegen Kindererziehung, ich mache sie gern, aber 24/7 würde ich nicht durchhalten, Frauen die das schaffen, sind zu bewundern oder in der Lage, sich entsprechende Freiräume zu schaffen.

      Ich empfehle nach wie vor Teilzeit für beide, die Perspektive ist enorm bewusstseinserweiternd und entlastet die Beziehung! Die Abwechslung machts!

  7. Ubrigens, Elternzeit und Elterngeld sind zwei verschiedene Dinge! Angenommen, du verdienst das doppelte. Dann könnte deine Frau zb 50% elternzeit nehmen und du 100% Elterngeld bei 50% Arbeitszeit. Natürlich nur als Grundidee, denn das fehlende Einkommen wird zu 2/3 ersetzt, also umso mehr du verdienst, umso besser ist es. Übrigens netto, da heisst es ggf rechtzeitig die steuerklasse ändern.

    Ansonsten das was rano64 sagt.

    Gerhard

  8. Noch als Elternzeit-Optimierung: Du hast vollen Urlaubsanspruch für jeden Monat, solange Du wenigstens einen Tag angestellt bist. Wenn Dein Kind nicht am 1. eines Monats geboren wird, kannst Du Deinen Urlaubsanspruch also optimieren, indem Du die beiden „Vätermonate“ nicht am Stück nimmst. Dadurch bist Du nie einen ganzen Monat freigestellt (Elternzeit läuft ja immer vom Geburtstag des Kindes). Und damit bekommst Du den Urlaubsanspruch für alle Monate.
    Raffiniert ist dann: Einen Monat Elternzeit, dann einen Monat Urlaub und dann den zweiten Monat Elternzeit.

  9. Ich hatte das Glück und konnte meine Arbeit so umstrukturieren und mein Kind einen Nachmittag die Woche betreuen… hat die Mutter entlastet und natürlich die Bindung zwischen mir und meinem Kind verstärkt.

  10. Man kann das null planen. Wir sind jetzt beide auf einer 75% Stelle, was fair ist. Aber ich weiss noch, wie wir das ganz anders geplant hatten (beide Vollzeit, Kita, „Kind wird sich auf unser Leben einstellen müssen“, Omas mehr einbinden) – am Ende ist da ein kleiner Mensch, der nicht danach gefragt hat, auf die Welt zu kommen, sondern der jedes Recht hat, die volle Zuwendung zu erhalten, und für den man auch Zeit opfern sollte und muss.

    (Im neoliberalen Feminismus mit 24/7 KiTa natürlich nicht gerne gehört).

  11. *Lach* So schnell werden im praktischen Leben die überkommenen Rollenmodelle, die doch eigentlich jeder wackere linke Männerrechtler aus tiefstem Herzen ablehnt und sowieso für ewiggestrig hält, übernommen. Die Hypergamie einer Frau hat ein weiteres Mal den Sieg errungen mit allen sich daraus ergebenden Folgen.

    Bitte nicht falsch verstehen, werter Christian. Ich kann Deine Handlungsweise sehr gut nachvollziehen. Im Gegensatz zu den linksliberalen Moralisierern, die stets alles Übel bei den reaktionären Rollenmodellen verorten, halte ich das für eine akzeptable Lebensweise, sofern Du glaubst, dass es Dir passt. Aber interessant ist diese Entwicklung vom progressiven Paulus zum konservativen Saulus halt schon. Immerhin ist Dir bislang jeglicher Shitstorm erspart geblieben, obwohl Du Dich in den Augen der linken Männerrechtsbewegung sozusagen der Apostasie schuldig gemacht hast. Ich hoffe für Dich, dass das auch so bleibt.

    Ein aktiver Vater zu sein, das strebt natürlich beinahe jeder frischgebackene Vater an. Die Realität wird Dich womöglich eines besseren belehren. Wir werden sehen.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Glück, auch wenn ich in dieser Hinsicht ziemlich pessimistisch bin. Hoffentlich hast Du schon mal begonnen die Trennungs-FAQ zu studieren – nur rein prophylaktisch latürnich. Dort gibt es jede Menge praxisorientierter Tips, wie man(n) verhindert, dass aus einem Familiendesaster (so es denn eintrifft) ein Familien-GAU wird. Und vergiss nicht luismans Ratschlag vom Auslandskonto.

    P.S. Für meinen Geschmack etwas gar kitschig das neue Erscheinungsbild Deines Blogs. Aber wenn’s Dir gefällt…

    • „Hoffentlich hast Du schon mal begonnen die Trennungs-FAQ zu studieren – nur rein prophylaktisch latürnich.“

      Dafür ist immer noch genug Zeit, wenn es so weit kommen sollte. Vordem wäre sie vergeudet.

      Nichtsdestotrotz ergibt sich daraus noch ein Rat: eingedenk der Brüchigkeit familialer Beziehungen sollte man JEDEN Tag mit den Zwergen genießen, als wäre es der letzte. Hatte ich damals aus demselben Grund gemacht (wobei mir die Unberechenbarkeit und Launenhaftigkeit der Mutter schon vor der Geburt des 1. Kindes vertraut war) und von diesen Erlebnissen und Erfahrungen zehre ich noch heute, die kann mir niemand mehr nehmen.

      • Zur Launenhaftigkeit der Frauen fällt mir dieser Spruch meines Mannes ein: „Weib! Ich FREUE mich, wenn Du endlich wieder schwanger bist, dann bist Du nämlich einfach nur lieb. L-I-E-B!“
        Leider hier die typische Kombi aus lustig&geil zum Eisprung und dann über Nacht prämenstruelles Monstrum.
        Ich glaube, die meisten Frauen sind schwanger und stillend ganz verträglich. (Außer die Hochschwangeren, die sind dann schon wieder so durchlässig und heulig, da muss man(n) wohl durch.)

        • Nee, wenn sie ein PMS hatte, dann war mir das nicht aufgefallen.
          Meine Ex war untergewichtig, zu faul zum Essen und – noch mehr – zu faul zum Kochen.
          Und wenn sie unterzuckerte, wurde sie zum Monster. Dann suchte sie den Streit, wo und wie sie ihn kriegen konnte.
          Und sie war eigentlich ständig unterzuckert.

          • Echt?
            Sie wollte bestimmt nur Deine geforderten überhöhten Körpernormen erfüllen…
            Hunger macht halt böse.
            So ist mein Mann. Drahtig-muskulös, frisst wie eine 7-köpfige Raupe, immer unter Strom. Aber da ich ja eine gute Frau bin, habe ich mich zur Küchenkuchengöttin gemausert. Muharhar.

          • „Sie wollte bestimmt nur Deine geforderten überhöhten Körpernormen erfüllen…“

            Wäre schön, wenn’s so einfach gewesen wäre. Aber da haben sich zwei mit denselben Problemen (massives Untergewicht) getroffen – und sie genetisch weitergegeben.
            Nur mit dem Unterschied, dass Unterzuckerung bei mir nicht auf die Laune schlug.
            Meinetwegen hätte sie lächelnd 10 kg mehr haben können, ich stehe mehr auf weibliche Formen an den richtigen Stellen 😉

          • Und wenn sie unterzuckerte, wurde sie zum Monster. Dann suchte sie den Streit, wo und wie sie ihn kriegen konnte.
            Und sie war eigentlich ständig unterzuckert.

            Du hättest ihr ab und zu mal eine Mars – Riegel zuführen sollen: Mars macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel! 🙂

      • @Carnofis
        Die Praktiker von der TFAQ sehen das allerdings anders. Wer sich dort erst einliest, wenn die Trennung in der Luft schwebt oder gar bereits vollzogen ist, ist in der Regel zu spät dran. Tatsächlich werden die letzten Weichen für die nachehelichen Verhältnisse spätestens zu Beginn der Trennung gestellt, die meisten schon lange vorher noch während der Zeit der intakten Familie. Die Trennung/Scheidung folgt in der Regel einer ziemlich strikten Choreographie, welche von Jugendamt, Anwälten und Richtern sowie gelegentlich auch noch Gutachtern bestimmt wird; Mann und Frau (insbesondere ersterer) haben beim Ablauf der Familienrechtschoreographie fast nichts mehr zu melden. Theoretisch könnten Mann und Frau sich zwar zusammentun und die staatlichen Organe und deren Helfer gemeinsam bekämpfen. Aber wenn das noch funktionierte, käme es normalerweise gar nicht erst zur Trennung.

        Immer schön daran denken: Wer heiratet, der tritt einem Vertrag mit drei Vertragspartnern (Ehemann, Ehefrau, Staat) bei. Bei der Kindszeugung ist noch nicht einmal mehr eine explizite Zustimmung zu einem solchen Dreiervertrag notwendig; er wird einem im Namen des Kindeswohls über das Familienrecht aufgezwungen. Die absolut stärkste Vertragspartei ist dabei der Staat, weil dieser die Vertragsklauseln jederzeit und ohne jegliche Rücksicht auf die anderen Vertragsparteien ändern kann.

        Ich lese bei TFAQ schon seit Jahren mehr oder weniger regelmässig mit. Vielleicht bin ich deshalb zum Zyniker geworden, was die Familie im Allgemeinen und das Familienrecht im Besonderen angeht.

        • „Die Trennung/Scheidung folgt in der Regel einer ziemlich strikten Choreographie, welche von Jugendamt, Anwälten und Richtern sowie gelegentlich auch noch Gutachtern bestimmt wird; Mann und Frau (insbesondere ersterer) haben beim Ablauf der Familienrechtschoreographie fast nichts mehr zu melden. Theoretisch könnten Mann und Frau sich zwar zusammentun und die staatlichen Organe und deren Helfer gemeinsam bekämpfen. Aber wenn das noch funktionierte, käme es normalerweise gar nicht erst zur Trennung“

          Das ist abseits extremer Fälle, bei denen § 1666 BGB in Raum steht, falsch.
          Die Parteien können sich immer einigen, die Rechtsanwälte haben auch nichts gegen eine Vergleichsbühr, die Gerichte versuchen eh meist die Eltern zu Beratungsstellen zu vermitteln oder die Sache zu vergleichen

          • Möglicherweise hast Du mich falsch verstanden. Die Choreographie der meisten Scheidungen ist sehr ähnlich. Es werden Standardschriftsätze verwendet, Standardanträge gestellt, Standardentscheidungen gefällt, sogar die Unterhaltshöhe orientiert sich am Standard der Düsseldorfer Tabelle. Der § 1666 BGB hat damit gar nichts zu tun und steht eben gerade nicht für die Standardscheidung. Rechtsanwälte, Scheidungsrichter, Gutachter und meist auch Jugendamtsmitarbeiter kennen sich aus Dutzenden vergleichbarer Scheidungsfälle; man weiss, wer sich wie verhält und was man selbst dabei zu tun hat; alles ist optimal aufeinander abgestimmt.

            Das ist logisch auch nachvollziehbar. Rechtsanwälte können nur gewinnbringend solche Fälle durchziehen, wenn sämtliche Vorgänge aufwandmässig optimiert werden. Richter und die nachgeordnete Justizbürokratie müssen die Fälle möglichst zeitsparend abwickeln, weil sie sonst noch viel stärker überlastet wären. Dies erreicht man eben mit dieser strikten Choreographie und Standardisierung. Man hat gewissermassen die Scheidungsindustrie durchrationalisiert, um nicht zu sagen automatisiert. Sobald es kein 08/15-Fall mehr ist, dann steigt der Aufwand der Rechtsanwälte/Richter stark an. Erstere haben dann kein Interesse mehr am Fall, weil sie nach bestimmten Tarifen bezahlt werden, die sich am Streitwert orientieren, und die den erhöhten Aufwand dann nicht mehr decken; schliesslich wollen Rechtsanwälte am Scheidungsfall etwas verdienen, denn sie üben ihren Beruf ja nicht aus Altruismus aus. Letztere müssen bei einem Nicht-Standardfall Überstunden schieben, um ihr Pensum bewältigen zu können. Wer tatsächlich glaubt, dass Rechtsanwälte und Richter keine eigenen Interessen verfolgen, der ist naiver als die Polizei erlaubt – von den Gutachtern und Jugendämtern ganz zu schweigen.

            Der Mandant hat bei diesem Theater in der Regel nichts zu melden. Er kann zwar etwas zum Verfahren sagen, aber das hat kaum einen nennenswerten Einfluss; falls er sich zu sehr ins Verfahrensprozedere einmischt, wird er vom eigenen Rechtsanwalt oder vom Richter zurechtgewiesen und hat bei allfälliger Renitenz mit Nachteilen im weiteren Verlauf des Verfahrens zu rechnen. Deswegen ist weitgehend vorherbestimmt, wem die Kinder zugesprochen werden, wer wem welchen Unterhalt zu bezahlen hat, wie die Besuchszeiten sind usw. usf. Wie schon gesagt: alles gehorcht einer strikten Choreographie und Standardisierung, die keinen Raum für Querulantentum zulassen. Im Grunde genommen könnte man sich das Scheidungsverfahren vor Gericht sparen; es ist vollkommen sinnlos. Schweden hat es längst abgeschafft und einen blossen Verwaltungsakt daraus gemacht. Aber es gibt sehr viele Leute, die damit in Lohn und Brot gebracht werden. Ansonsten gibt es natürlich auch noch Sorgerechtsfälle, Unterhaltsrechtsfälle, Besuchsrechtsfälle etc., bei denen die Robenträger absahnen können.

    • „So schnell werden im praktischen Leben die überkommenen Rollenmodelle, die doch eigentlich jeder wackere linke Männerrechtler aus tiefstem Herzen ablehnt und sowieso für ewiggestrig hält, übernommen“

      Ich lehne sie nicht ab. Ich möchte sie nur nicht in ihrer strikten Form und schon gar nicht als muss. Ich hätte keine Lust ein Jahr auszusetzen. Vielleicht ändert sich das nach der Erfahrung, aber momentan ist das durchaus in meinem Interesse

      • Diese Spitze war noch nicht einmal so sehr gegen Dich gerichtet sondern gegen die linken besserwisserischen Männerrechtler. Falls Du ein solcher bist, dann wohl ein gemässigter, da Du die Biologie der Geschlechter als (ehemaliger?) PUA ja durchaus anerkennst. Die traditionelle Arbeitsteilung hat sich in Jahrtausenden der menschlichen Kultur aus der bestehenden Biologie herauskristallisiert. Für mich ist trotzdem amüsant, wie Dir alle virtuell auf die Schultern klopfen und ihre antikonservativen Rollenmodelle mit keinem Wort erwähnen.

        Niemand muss in einem traditionellen Rollenmodell leben. Das ist so ein typischer Strohmann, der immer wieder genussvoll abgefackelt wird. Auch hier veranstalten linke Männerrechtler lediglich Spiegelfechtereien. Sie können dadurch von ihrem Versagen bei der Propagierung ihrer eigenen untauglichen Rollenmodelle ablenken. Es ist einfach so, dass die Biologie hier sehr stark wirkt, und um diese herum auch noch das geltende Recht gebaut wurde. Da braucht man einen äusserst starken Willen, um dagegen anzukämpfen, sofern man das überhaupt will. Ein solch starker Wille ist sehr selten. Wer jedoch sozusagen auf dem Reissbrett der Sozialklempnerei irgendwelche Rollenmodelle baut, der mag zwar intelligent und kreativ sein, wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Realität scheitern, wenn seine Rollenmodelle der Biologie widersprechen. Du hast Dich letztlich nur der Biologie und (wohl unbewusst) auch dem geltenden Familienrecht gebeugt.

        Was die TFAQ angeht: Verbittert oder gezeichnet von der herrschenden Realität? Das ist hier wohl die Frage. Offensichtlich ist es kein auschliessendes ‚oder‘ sondern ein sowohl als auch, was einiges über das deutsche Familienrecht aussagt. Der grosse Vorteil ist, dass die dortigen Tips praxisbezogen sind und nicht von irgendwelchen Träumern in ihren ideologischen Wolkenkuckucksheimen ausgebrütet wurden. Der Nutzer kann sich daraus jene auswählen, die ihm sinnvoll erscheinen und seiner Situation angepasst sind. Exakt dafür sind sie ja da.

    • „Hoffentlich hast Du schon mal begonnen die Trennungs-FAQ zu studieren – nur rein prophylaktisch latürnich. Dort gibt es jede Menge praxisorientierter Tips, wie man(n) verhindert, dass aus einem Familiendesaster (so es denn eintrifft) ein Familien-GAU wird. Und vergiss nicht luismans Ratschlag vom Auslandskonto“

      Ich glaube im Familienrecht kenne ich bessere Quellen, die nicht ganz so verbittert sind, aber danke für den Tipp

  12. Dem Plan nach wird Südländerin dann recht schnell wieder einsteigen. Aber vielen hat da schon das Baby und sein erhöhter Bedarf an Versorgung einen Strich durch die Rechnung gemacht.

    Klingt noch nicht so richtig durchdacht. Ein Baby braucht Rundum-Betreuung, wollt ihr es in die Krippe geben? Habt ihr Großeltern die einspringen? Willst du entsprechend weniger arbeiten (also beide Teilzeit)?

    Heimarbeit hielt ich auch mal für eine Option: vergiss es! Dazu schläft ein Einjähriges normalerweise nicht mehr genug, in dem Alter fangen die ersten bereits an zu sprechen und zu laufen, machen aber noch in die Hose, sind quengelig, müssen gefüttert und unterhalten werden.

    Eine schöne Zeit für Spaziergänge und erste Spielplatzbesuche, für Krabbelkurse (andere Eltern kennenlernen) und ganz allgemein die Kombination aus „Konfrontation mit dem Leben“ und „Gemeinsamkeit mit dem Kind“, sei es Hausarbeiten (die aber dreimal so lange dauern) oder Einkäufe. Das einzige was gar nicht gut geht: am Computer hocken und den Bildschirm anstarren. Wenn das Kind das ohne Protest mitmacht, ist es autistisch (unwahrscheinlich bei Mädchen :-).

  13. Südländerin wird erst einmal ein Jahr aussetzen, es geht bei ihr wesentlich besser, weil sie im öffentlichen Dienst ist.

    Das halte ich für eine Bequemlichkeitsausrede. Falls du abhängig beschäftigt bist, nutze die Möglichkeit der Elternzeit, um deinem Arbeitgeber zu beweisen, dass du auch Teilzeit nützlich sein kannst und dass das planbar ist und hänge anschließend eine Vertragsumgestaltung an. Wenn du zu lange zögerst, wird die Hürde zu groß. Erstaunlich viele Männer sind zu feige, bei ihrem Arbeitgeber nachzufragen, es ist ja auch irgendwie eine narzisstische Kränkung, auch mal entbehrt werden zu können…

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