Zum Stand in den Gender Studies

Arne hat mal wieder einen interessanten Beitrag entdeckt:

Während eines Fortbildungsseminars erschien mein Programmdirektor vor unserer Klasse und verkündete stolz, dass er das gesamte Gebiet der Philosophie aufgegeben hatte, das einmal seine Berufung gewesen war. Es waren alles „rassistische alte weiße Männer“, verkündete er. Die Klasse lachte. Es war ein Lacher der Anerkennung; sie hatten diesen Slogan schon einmal gehört. In meiner Abteilung war es normal und erwartet, alle weißen männlichen Denker als unverbesserliche Rassisten und Frauenhasser zu verspotten und nicht ernst zu nehmen. Es spielte keine Rolle, wann sie gelebt hatten oder wie erleuchtet sie im Vergleich mit ihren Zeitgenossen waren. Ihre Meinungen, ihre Ideen, ihre gesamten Beiträge zum Weltwissen – alles null und nichtig. Aristoteles? Weg mit ihm. Kant? Weg mit ihm. Hume? Weg mit ihm. Es war wie eine Bücherverbrennung

Es ist so schade, dass alle dieser Ideologie verfangen sind, die nicht mehr auf Inhalte abstellen, sondern nur noch auf die richtige Gruppenzugehörigkeit der Person. Gerade wenn diese nach Geschlecht und Hautfarbe etc bestimmt wird. Man gibt einfach wertvolle Meinungen auf für nichts.

 

Mein Programmdirektor bediente hier nur sein Publikum, wurde mir klar, und die Studenten liebten es. Es bestätigte ihren Glauben. Platon und Hegel hätten genauso gut Weinstein und Spacey sein können. Weg mit ihnen.

Auch das ist schade. Er erkennt gar nicht, dass er ausi selbst auch beschädigt. Und das dabei nichts produktives herauskommen kann.

Männer sind nicht die einzigen, wohlgemerkt, die ihre Namen und Ideen in dieser Hinsicht auf dem Hackblock gefunden haben. Das passiert auch Frauen – vor allem, wenn sie weiß sind und die „falschen“ Meinungen vertreten. Den Namen der renommierten Autorin und Feministin Margaret Atwood in einem Kurs der Concordia Media Studies zu erwähnen, ist eine Einladung zur Empörung. Atwood hatte sich im Jahr 2015 die falsche Seite ausgesucht, als sie auf einem ordentlichen Verfahren für ihren Kollegen Steven Galloway bestand, nachdem er an der University of British Columbia wegen sexueller Übergriffe angeklagt worden war (fälschlicherweise, wie sich herausstellte).

Sie hatte auch auch allgemein zu MeToo kritisch geäußert und meine ich durchaus erkannt, dass fürdie Fanatismus näher an ihrem Buch ist als ein angebliches Patriarchat.

Atwood ist eine schlechte Feministin, wurde mir in einer Sitzung streng mitgeteilt. Sie ist schlecht für Frauen. Die Diskussion war vorbei. Die Autorin von „The Handmaid’s Tale“ – weg mit ihr.

Wer nicht für uns ist, ist eben gegen uns. Und wer gegen uns ist hat Unrecht

(…) Uns wurde einmal ein Artikel des Penn-State-Professors Eric Hayot ausgeteilt, mit dem Titel „Academic Writing, I Love You. Really, I Do.“. Es enthielt einige kurze Ausschnitte von Schreibtipps berühmter Persönlichkeiten, wie diesem von Kurt Vonnegut:

„Verwenden Sie keine Semikolons. Sie sind transvestitische Hermaphroditen, die absolut nichts darstellen. Sie zeigen nur, dass du auf dem College warst.“

Eine Studentin meldete sich sofort. Sie beschimpfte den Professor vor der Klasse. Vonneguts Witz sei so beleidigend, dass sie nicht verstehen könne, wie ein solcher Artikel ausgeteilt worden sei. Er war inakzeptabel, der ganze Artikel. Der Professor, das war klar, war auf diesen Angriff nicht vorbereitet. Das hätte er aber sein sollen. Kennen Sie Ihre Kohorte.

Da war er wirklich dumm. Oder hat es übersehen. Das so etwas dort nicht zu entschuldigen ist, schon gar nicht von einem weißen CIS-Mann ist ja ganz klar.

Erstaunlicherweise war dies derselbe Programmdirektor, der nur wenige Monate zuvor die gesamte Philosophie wegen ihrer Weiße und Männlichkeit abgelehnt hatte, und hier fiel er dem Klima der Ablehnung zum Opfer, das er mitgestaltet hatte. Von seiner eigenen Schlinge erhängt.

Zu seiner Verteidigung hat er versucht, diese Frage zur Diskussion zu stellen, aber die Schüler ließen ihm das nicht durchgehen. „Wir können darüber reden, oder?“ fragte er nervös, etwas zittrig, als ob er kurz davor wäre, erschossen zu werden. Er schwitzte. Die Studentin hatte ihn in der Mangel.

„Das hätten Sie uns nicht austeilen sollen“, sagte die Studentin dem Programmdirektor. Der Rest der Klasse saß in dummer Stille. Ich war platt. Und ich sah es sofort in den Augen des Professors – er würde diesen Artikel nie wieder austeilen. Vonnegut, einer der größten modernen Kritiker unserer Unmenschlichkeit – weg mit ihm. Wie mit der Würde und Autorität des Programmdirektors. So läuft es inzwischen.

Ich muss zugeben, dass ich die Begeisterung für Vonnegut aka Schriftsteller auch nicht so ganz nachvollziehen kann, aber ich habe auch nur Schlachthof Nummer 5 von ihm gelesen. Vielleicht kann ja einer hier was zu ihn sagen.

Unabhängig davon sollte man eben über alles diskutieren können und Schriftsteller eben auch historisch sehen können.

 

(…) Als es für mich an der Zeit war, ein Thema für meine eigene Diplomarbeit bei Concordia vorzuschlagen, fühlte ich mich wie Alice, die endlich im Garten der Herzkönigin ankam. Meine Forschung, die von einer kanadischen Bundesbehörde namens Social Sciences and Humanities Research Council finanziert wurde, konzentrierte sich auf eine in Montreal ansässige satirische Website namens The True North Times, die neun Kandidaten, die für die Bundestagswahl 2015 in Kanada kandidieren, demütigen wollte. Die Seite hatte die Social Media-Geschichten der Kandidaten unter die Lupe genommen und problematische Kommentare, Witze und Meinungen veröffentlicht (oft aus dem Zusammenhang gerissen). Die zentrale Frage meiner Forschung war, ob dies das politische Äquivalent einer Hexenjagd darstellte oder nicht.

Nach meiner Präsentation vor einem Gremium aus Gleichaltrigen und Professoren wurde das Wort zur Diskussion gestellt. Eine Kommilitonin fragte mich: „Wie rechtfertigst du den Begriff „Hexenjagd“?“ Ich war überrascht. Rechtfertigen? Liebe Güte! Was meinte sie mit „rechtfertigen“? Das war ein ganz gewöhnlicher Begriff, der in einer bekannten Zeit der Geschichte verwurzelt war und oft in der politischen Theorie und in Nachrichtensendungen genau so verwendet wurde, wie ich ihn benutzte. Aber weil es geschlechtsspezifische Sprache war, wurde er als unangebracht erachtet.

Ja, wenn schon ein so simpler Begriff, eine so simple Metapher zu Problemen führt, dann kann da nicht mehr viel rauskommen.

Ich bin ja gespannt, wie sich das entwickelt. Schauen die mit 40 auf ihre Studienzeit zurück und lachen selbst darüber? Dann wäre noch Hoffnung.

Mein akademischer Betreuer sah mich an, als ob die Antwort auf diese Frage wichtig wäre. Das sind die richtigen Worte, dachte ich. Keine anderen Worte vermittelten genau die Bedeutung, die ich beabsichtigte. Meine Wahl dieses Begriffs war nicht kosmetisch oder willkürlich; politische Hexenjagden waren mein zentraler theoretischer Rahmen, der die Gesamtheit meines Forschungsplans untermauerte. Muss ich meine Hexenjagd reinigen?

Meine Worte wurden mir genommen. Mein Betreuer schlug mir vor, eine Alternative zu verwenden. Kein Zweifel, er versuchte zu helfen. Aber es spielte keine Rolle. In diesem Moment fühlte sich der Rest meiner Forschung nicht so wichtig an. Es wurde gesagt: Hexenjagd, meine wesentliche Theorie, war ein beleidigender Begriff, der nicht ausgesprochen werden sollte. Ich musste aufgehalten werden. Sie kamen nicht darüber hinweg.

Auch das ist das Problem solcher Denkverbote: sie lassen keinen Raum, weil schon die Duldung bei anderen einen selbst belastet. So werden alle in Verhaltensnormen gedrängt, ein enges Korsett des richtigen Verhaltens, von einer Ideologie, die auszog um gegen zu strikte Regeln vorzugehen

Was ich hier anbiete, sind kleine Einblicke in meine Existenz an der Universität Concordia. Mein erstes Jahr an der Graduiertenschule war nicht von einem einzelnen dramatischen Ereignis geprägt. Es war eine Sequenz, ein Muster, was mir schließlich klar wurde, eine Epidemie. In fast jeder Klasse habe ich mich mit den moralischen Torwächtern des akademischen Betriebs auseinandergesetzt. Indem sie handelten oder nicht handelten, indem sie eine Arena aufrechterhielten, in der junge, unwissende Studenten dazu ermutigt wurden, sich über alle Standards von Fairness, Offenheit und intellektueller Untersuchung hinwegzusetzen, hatten die Professoren der Institution erlaubt, sich in ein Irrenhaus zu verwandeln. Ausgewählte Identitäten, Autoren, Stimmen, Worte und Gedanken waren am Tisch erlaubt, der Rest wurde ohne Frage verworfen oder ausgeschlossen, als wäre alles schon entschieden. Jedes Streben nach Wahrheit oder Dialektik der Ideen wurde schon vor dem Beginn abgeschnitten, als die Teilnehmer ihre Energie aufbrachten, um die Sprache zu kontrollieren und ihre moralische Tugend durchzusetzen. Es spielte keine Rolle, ob die Schüler, die sich beschwerten, in der Minderheit waren – alles, was es brauchte, war eine einzelne Beschwerde. Statt einer Erweiterung meines Horizonts an der Universität erlebte ich dort eine seltsame Ausdünnung, eine Verengung der bekannten Welt und der gesamten Realität zu einem einzigen, engen, eigenwilligen und fest auferlegten Satz von Wahrnehmungen und Gedanken, einer Orthodoxie, einem Glauben.

Ja, Glauben ist wohl die beste Bezeichnung. Es ist ein Dogma, eine Religion, etwas heiliges.

Die Hochschule, so scheint es mir jetzt, ist in gewisser Weise zu ihrer alten Rolle als religiösem Institut zurückgekehrt, wie in den Tagen vor Newton, einem Ort des erzwungenen Konsenses und der theologischen Reinheit. Percy Shelley wurde wegen Atheismus aus Oxford ausgewiesen, weil er es gewagt hatte, die Orthodoxie der Universität in Frage zu stellen. Nichts weist darauf hin, dass es ihm heute besser ergehen würde.

 

Man muss hoffen, das es besser wird. Irgendwann wird auffallen, dass der Kaiser nackt ist

98 Gedanken zu “Zum Stand in den Gender Studies

  1. Das ist eine Uni in Kanada, wenn ich richtig sehe. Scheint dort besonders schlimm zu sein.

    Inhlatlich muss man sich damit glaube ich nicht näher beschäftigen, kennen wir ja alles zur Genüge. Aber man sollte sich die Frage stellen, wie es soweit kommen konnte, und was man evtl. dagegen tun könnte?

    • „Aber man sollte sich die Frage stellen, wie es soweit kommen konnte,“

      M.E. entstehen, wie ich ja schon mehrfach erwähnte, postmoderne Political Correctnes und Identitätspolitik, einschließlich solcher Absurditäten und Verrücktheiten, wie sie in dem Artikel dargestellt werden, aus einem spezifischen soziologisch-strukturellen Effekt, der aus einer falsch angelegten Institutionalisierung von Abteilungen und Studiengängen resultiert, die speziell eingerichtet wurden um Diskriminierungsforschung bezüglich Frauen und bestimmter Minderheiten zu betreiben sowie deren aktuelle Situation und Geschichte zu untersuchen, (jedoch stets unter der Perspektive, dass es sich jeweils um eine diskriminierte/unterdrückte Gruppe handelt).

      Ich hatte dies kürzlich in einem Gastartikel bei Man-Tau ja folgendermaßen formuliert:

      Den wesentlichen Grund für die Entstehung der postmodernen Political Correctness in den USA aus soziologischer Perspektive stellt die verbreitete universitäre Institutionalisierung von Departments und Studiengängen zum Thema Diskriminierungsforschung bezüglich Frauen, ethnischer und anderer Minderheiten dar, die außerdem primär mit Personen mit ähnlicher politischer Weltsicht besetzt wurden/werden.

      Da der Fortbestand entsprechender universitärer Abteilungen, Studiengänge und Jobs nun davon abhängt, dass Diskriminierungsphänomene bezüglich bestimmter Gruppen dauerhaft bearbeitet werden, kommt es leider zu einem soziologisch-strukturellen Effekt, an den vorher niemand gedacht hatte:

      – Ältere Diskriminierungen dürfen nie ganz verschwinden.
      – Es müssen stets neue Diskriminierungen „entdeckt“ werden, seien sie auch noch so subtil.
      – Es müssen stets neue Maßnahmen zur Beseitigung der behaupteten Diskriminierungen entwickelt werden.

      Andernfalls droht irgendwann Verkleinerung oder Schließung der Abteilungen und Studiengänge und somit Verdienstverringerung oder Jobverlust.

      Dieser soziologisch-strukturelle Effekt bringt dann automatisch – und zwar ganz ohne die „kulturmarxistische“ oder die „postmodern-neomarxistische“ Weltverschwörung, von denen rechte Demagogen uns gerne die Ohren volljammern – Political Correctness und Identitätspolitik hervor.

      https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/#sozio654

      „und was man evtl. dagegen tun könnte?“

      Man sollte m.E. die entsprechenden Abteilungen und Studiengänge dicht machen. Ich finde es trotzdem richtig und wichtig, dass es Diskriminierunsforschung gibt, aber man muss sie m.E. sowohl in institutioneller als auch in inhaltlicher Hinsicht anders aufziehen, einige erste undogmatische Ideen hierzu meinerseits, die sich diskutieren ließen, wären:

      – Keine eigenen Abteilungen und Studiengänge bezüglich bestimmter Gruppen.

      – Versuchen mehr politische Diversität unter den Personen herzustellen, die sich im Kontext ihrer universitären Tätigkeit solchen Themen widmen.

      – Wie Diskriminierungsforschung ohne politisch korrekten Blödsinn, die tatsächlich wissenschaftlich arbeitet, inhaltlich in der Grundtendenz aussehen könnte, dazu hatte ich auf Geschlechterallerlei mal einen Kommentar verfasst, aus dem Graublau dann einen Artikel gemacht hatte:

      https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/12/23/gastartikel-leszek-darueber-wie-eine-echte-ungleichheits-und-diskriminierungsforschung-aussehen-kann/

      • „die speziell eingerichtet wurden um Diskriminierungsforschung bezüglich Frauen und bestimmter Minderheiten zu betreiben sowie deren aktuelle Situation und Geschichte zu untersuchen“

        Und was war der Grund hierfür?
        Ach ja, die Übertragung marxistischer Gesellschaftsanalyse auf andere gesellschaftliche Bereiche. Klassenkampf mit anderen Klassen. Kulturmarxismus, ick hör Dir trapsen.

        • @Adrian

          Ich habe ja Geduld, deshalb noch einmal.
          Die hiesigen gender studies wurden eingerichtet mit einem dicken Batzen Staatsknete, unter der Ägide der Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan, CDU.
          Annette Schavan war Bundesministerin für Bildung und Forschung von 2005-2013.
          Sie war und ist – wie gesagt – Mitglied der Christlich Demokratischen Union.

          Die Fragen an dich demnach:
          1. Ist oder war Annette Schavan eine für marxistische Gesellschaftsanalyse prädestinierte Politikerin? Bitte begründe deine Einschätzung.
          2. Ist oder war die rot-schwarze Koalition dafür bekannt, den Klassenkampf zu finanzieren?
          Bitte begründe deine Einschätzung.
          3. Welcher Politiker oder welche Politikerin der rot-schwarzen Koalition war oder ist für seine offene Unterstützung eines von dir so genannten Kulturmarxismus bekannt? Und welchen Einfluss hatte dieser?
          Bitte begründe deine Einschätzung.

          • Annette Schavan ist tief verwurzelt im Verbandskatholizismus. Von dort führte ihr Weg in die Politik. „Ihren Berufsweg begann sie 1980 unmittelbar nach ihrem Studium als Referentin bei der bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk. 1984 wechselte sie als Abteilungsleiterin für außerschulische Bildung zum bischöflichen Generalvikariat des Bistums Aachen. Von 1987 bis 1988 war Schavan Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union. Danach kehrte sie als Geschäftsführerin zum Cusanuswerk zurück, das sie von 1991 bis 1995 leitete. Vom Wintersemester 2009/10 bis zum Wintersemester 2013/14 lehrte sie als Honorarprofessorin Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin und wurde auf eigenen Wunsch im Hinblick auf ihre künftige Tätigkeit in Rom von der Professur entbunden. Im Wintersemester 2013/14 hatte die Honorarprofessorin eine Lehrveranstaltung angeboten, der Titel lautete Grundlagen einer christlichen Ethik.“
            https://de.wikipedia.org/wiki/Annette_Schavan

        • @ Adrian

          „Und was war der Grund hierfür?“

          Ich denke, es gibt zwei zentrale Gründe: 1. dass Mitglieder verschiedener sozialer Bewegungen in den 70er Jahren in den USA sich dafür eingesetzt hatten und 2. dass die Universitäten sich einen Imagevorteil davon erhofft hatten.

          „Ach ja, die Übertragung marxistischer Gesellschaftsanalyse auf andere gesellschaftliche Bereiche. Klassenkampf mit anderen Klassen.“

          Erstens lässt sich die marxistische Gesellschaftsanalyse nicht auf andere Bereiche „übertragen“, da sie ja ohne ökonomische Klassen, deren Verhältnis nach ihrer Stellung zu den Produktionsmitteln bestimmt wird, nicht mehr marxistisch wäre.

          Und eine theoretische Übertragung von Strukturlogiken, die sich in marxistischen Theorien finden auf einen anderen Kontext kenne ich übrigens nur aus dem klassischen Radikalfeminismus. Dieser übernahm u.a. auch die Idee von Haupt- und Nebenwidersprüchen aus bestimmten marxistischen Strömungen.

          https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/12/19/gastartikel-leszek-ueber-intersektionalitaet/

          (Im postmodernen politisch korrekten intersektionalen Gender-Feminismus wird die Idee von Haupt- und Nebenwidersprüchen abgelehnt, da sie mit Intersektionalität nicht vereinbar ist.)

          Die Intention dieser klassisch-radikalfeministischen Theoretikerinnen war anti-marxistisch. Es ging darum den Marxismus zu verdrängen und den klassischen Radikalfeminismus selbst als zentrale Theorie innerhalb der Linken zu etablieren.
          Die Wirkung des klassischen Radikalfeminismus – sowie aller extremen feministischen Stömungen – war/ist auch
          anti-marxistisch: Sie begünstigen die Spaltung der Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der Arbeiterklasse.

          Während bezüglich geschlechtsbezogener Diskriminierung in meinen Augen damals beide Geschlechter im Kontext einer geschlechterpolitisch orientierten Bewegung in einer integral-antisexistischen Perspektive hätten berücksichtigt werden müssen (wie es Warren Farrell gefordert hat), hat es des Weiteren aber nun mal reale Diskriminierungen gegenüber verschiedenen Minderheiten gegeben und dass sich zwischen den 50er und 70er Jahren in den USA mehrere soziale Bewegungen gebildet haben, die sich gegen Diskriminierung wendeten, war oft berechtigt. Ein Schwarzer oder ein Homosexueller in dieser Zeit in den USA brauchte also gewiss keine Kenntnis marxistischer Theorie um sich als Teil einer diskriminierten Gruppe zu sehen, Diskriminierungen waren real.

          „Kulturmarxismus, ick hör Dir trapsen.“

          Dass die bekloppte rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie, überall wo sie einflussreicher wird, zu einer Zunahme u.a. von Antisemitismus und Homophobie führt, sollte dir bekannt sein. Du sägst dir mit diesem Irrsinn als Schwuler nur den Ast ab, auf dem du sitzt.

          Rechte Political Correctness-Kritik besteht bekanntlich oft aus drei Komponenten:

          – Es gibt eine „neomarxistische“ Verschwörung zur Zerstörung der westlichen Zivilisation.
          – Diese gibt es, weil irgendwelche linken Denker jüdischer Herkunft dies oder das gesagt haben.
          – Political Correctness geht es um Gleichheit.

          Linke Political Correctness-Kritik lehnt diesen Unsinn ab und stellt dem eine fundierte Argumentation entgegen:

          – Postmoderne Political Correctnes ist nicht neomarxistisch, sondern ist in ideengeschichtlicher Hinsicht aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen, (der klassische französische Poststrukturalismus war nicht politisch korrekt). Die Entstehung der postmodernen Political Correctness ist nicht durch irrationale rechte Verschwörungstheorien, sondern soziologisch zu erklären, die wesentliche Ursache liegt in einer falsch angelegten Institutionalisierung von Abteilungen, Studiengängen und Kursen zum Theme Diskriminierungsforschung bezüglich Frauen und verschiedenen Minderheiten an US-amerikanischen Universitäten.

          – Die postmoderne Political Correctness ist nicht entstanden, weil irgendein linker Denker jüdischer Herkunft diese oder jene Theorie vertreten hat. Postmoderne Political Correctness entsteht aufgrund eines soziologisch-strukturellen Effekts.

          – Postmoderne Political Correctness basiert in ihren ideologischen Grundlagen und Wertehaltungen auf der Verwerfung sowohl des klassisch-linken Verständnisses von Gleichheit wie des klassisch-linken Verständnisses von Freiheit. In ideologischer Hinsicht beruht postmoderne Political Correctness also auf der Abwendung von Universalismus und Egalitarismus.

          Zu diesen Unterschieden zwischen rechter und linker PC-Kritik folgt bei Gelegenheit noch ein Text von mir.

      • @ El_Mocho, Leszek, Adrian:

        El_Mocho schreibt:
        „Aber man sollte sich die Frage stellen, wie es soweit kommen konnte,“

        Wohl wahr!

        Leszek merkt an:
        „Man sollte m.E. die entsprechenden Abteilungen und Studiengänge dicht machen.
        (…)
        Man sollte m.E. die entsprechenden Abteilungen und Studiengänge dicht machen.“

        Okay, sollte, aber ….
        Um da ganze mal zurück auf die Metaebene der VTs zu schieben ( eigentlich ja Postulate, die aus unterschiedlichen Gründen gestreut werden ), hier mal ein Artikel von „Peds Ansichten“, der sich auch ein wenig mit der Entstehung und Verbreitung relativ unhinterfragter moderner Glaubensformen befasst:
        https://peds-ansichten.de/2018/07/pussy-riot-soros-podesta-abramovic-otpor/
        der streift die Gesamtthematik auch ganz nett:
        https://peds-ansichten.de/2018/01/geschichten-ueber-sockenpuppen/

        Mir fielen dazu dann gleich noch Femen, die AAS, Correktiv! etc. ein.
        Kurz: Das mit dem „Dichtmachen“ könnte noch auf ein paar kleine Problemchen treffen.

        • Ups! Das zweite „Man sollte m.E. die entsprechenden Abteilungen und Studiengänge dicht machen.“,
          sollte eigentlich „– Keine eigenen Abteilungen und Studiengänge bezüglich bestimmter Gruppen.“ werden ….

    • „Das ist eine Uni in Kanada, wenn ich richtig sehe. Scheint dort besonders schlimm zu sein.“

      Kanada ist das Schweden Amerikas.

  2. Ich mag Vonnegut sehr, ich mag Semikola (die Satzzeichen, nicht die Kommentatorin) sehr, verstehe, dass das Zitat für heutige Zeit unglücklich formuliert ist, aber ich grinse gehässig über „Wir können darüber reden, oder?“.
    Daraus spricht so ein grundlegendes Unverständnis der Sekte, der er sich unterworfen hat. Wie ein Inquisitor, der seinen Kollegen vorschlägt, jetzt doch einfach mal eine andere Religion auszuprobieren und sehr erstaunt ist, dass die nicht mitziehen.

    Das ist auch mein einziger Trost bei dieser Verwirrung: Die Spielregeln sind so streng und dennoch so flexibel, dass niemand sicher ist, ihnen nicht selbst zum Opfer zu fallen, so dass die Revolution einen Großteil ihrer Kinder frisst, denen ich das auch von Herzen gönne.

      • Eine meiner Lieblingsgeschichten ist
        Harrison Bergeron (weil’s ja so schön ist, wenn ENDLICH alle Menschen GLEICH sind :kotz), ich habe auch die Kurzgeschichtensammlung „Welcome to the Monkey House“ und den Roman „Slaughterhouse Five“ gelesen.

        Gerade „Slaughterhouse Five“ hat mich überrascht, sein eigenes Erleben der Bombardierung Dresdens als Kriegsgefangener in einer schrägen, Science-Fiction-artigen Story.

        Der Beitrag erinnert mich wieder daran, dass ich mich Vonnegut weiter zuwenden wollte…. 😉

      • Ich mag generell seinen Stil, den galligen Humor, die grundlegend angekotzte Art und sein abgeklärtes Verständnis von Menschen, Tatsächlich Faktoren, die in seinem berühmtesten Werk „Slaugtherhouse 5“ reeelativ zurückhaltend sind. „Breakfast for Champions“ hat mir bislang am besten gefallen und ich kann mich CountZero nur unbedingt anschließen, dass „Harrison Bergeron“ DIE SF-Geschichte über PC und Konsorten schlechthin ist und derzeit erschreckend nah an die Realität kommt.
        Auch an die Kurzgeschichte „The Great Space Fuck“ musste ich in den letzten Jahren öfters denken. Da hat die Menschheit aufgegeben und selbst der US Präsident kratzt sich während Reden im Fernsehen am Sack und benutzt Kraftausdrücke, weil allen alles scheißegal ist. (Gut, Trump würde derartiges aus anderen Gründen machen, aber dennoch…)

    • „Das ist auch mein einziger Trost bei dieser Verwirrung: Die Spielregeln sind so streng und dennoch so flexibel, dass niemand sicher ist, ihnen nicht selbst zum Opfer zu fallen, so dass die Revolution einen Großteil ihrer Kinder frisst, denen ich das auch von Herzen gönne.“

      Ich bin froh, wenn gefährliche, durchgeknallte Ideologien in möglichst weit entfernten Ländern am virulentesten sind. Dann besteht die Hoffnung, dass man selbst einigermassen verschont bleibt.

  3. Kann mir jemand erklären, was konkret an „transvestitische Hermaphroditen“ und „Hexenjagd“ als problematisch angesehen wird? Abgesehen davon, dass ich selbst natürlich die Verwendung der Begriffe unbedenklich finde, verstehe ich momentan ehrlich nicht, was die Beteiligten an den Begriffen für beleidigend halten.

    • „They are transvestite hermaphrodites representing absolutely nothing.“

      Trans steht für „nichts“ oder vermutlich genauer: „stehen für nichts halbes und nichts ganzes. Wollen irgendwie alles sein und sind dadurch gar nichts“

      „Hexenjagd“ ist ein Doppelwhammie: Der Begriff erinnert zum einen auf traumatisierende Art und Weise daran, wie Frauen im Patriarchat SCHON IMMER unterdrückt, verfolgt und getötet wurden und zum anderen insinuiert er die Möglichkeit, an einer Frau könne irgendwas schlecht oder gar böse sein.

      • Hm, Trans-Hermaphroditen, also Menschen, die quasi beiden Geschlechtern angehören, sich aber im Körper des „falschen“ Geschlechts fühlen, kann es ja eigentlich nicht geben. Es ist deshalb ein sinnfreier Begriff, und das meint Vonnegut ja offenbar auch. Wie man darin einen Bezug zu, geschweige denn eine (Ab-)Wertung von, Transmenschen allgemein sehen kann, erschließt sich mir nicht.
        Und der Begriff Hexenjagd beschreibt in seiner ursprünglichen Bedeutung doch gerade, dass Frauen zu Unrecht verfolgt wurden. Wieso ist das probelmatisch. Müsste dann nicht z.B. auch „Patriarchat“ problematisch sein?
        Ich verstehe es einfach wirklich nicht. Und Begründungen scheinen in diesen Bereichen ja generell unüblich zu sein.

        • Du musst deinen normalen Logik-Chip einfach mal für 5 Minuten ausschalten. Dafür den Regler auf dem Emotions-Chip auf 11 drehen.

          • Du meinst also, die Begründung ist in etwa: „Ich habe keinerlei Vorstellung, was konkret problematisch sein könnte, aber irgendwie fühlt es sich falsch an!“ ?

          • Unter der Annahme, dass SJWs es wirklich ernst meinen (und nicht nur aus noch unverständlicheren Gründen rumtrollen), lässt sich angesichts der Empörungen und Beschwerden m.E. die These, dass Wörter in einem Argument eines SJW eine präzise oder gar verbindliche Bedeutung haben, nicht halten.

            In der Umgangssprache haben Wörter diese Art von Bedeutung ja auch nicht, insofern ist die These naheliegend.

            Dass sich „trans“ und „hermaphrodit“ sachlich widersprechen, ist eine Betrachtungsebene, die irrelevant ist.

            Was von Vonnegut in SJW Ohren ankommt, ist meines Erachtens:
            a) Semikolons sind schlecht
            b) Transvestiten sind wie Semikolons
            => Transvestiten sind schlecht.

            Da auch Graustufen zugunsten von klarem Schwarz-Weiß-Denken nach Möglichkeit zu vermeiden sind, ist auch eine abgeschwächte Interpretation wie: „Es gibt Aspekte, in denen einem Transvestit im Vergleich zu einer CIS Person etwas mangelt“ buchstäblich nicht denkbar, sondern nur Ausdruck von Gewalt.

          • „Was von Vonnegut in SJW Ohren ankommt, ist meines Erachtens:
            a) Semikolons sind schlecht
            b) Transvestiten sind wie Semikolons
            => Transvestiten sind schlecht.“

            Okay, dann haben die SJWs aber (mal wieder) den Kern der Aussage übersehen, nämlich in diesem Fall, dass es um transvestitische Hermaphroditen geht.

          • Es würde mich wundern, wenn der durchschnittliche 19-jährige SJW weiß, was ein Hermaphrodit ist.

          • „Was von Vonnegut in SJW Ohren ankommt, ist meines Erachtens:
            a) Semikolons sind schlecht
            b) Transvestiten sind wie Semikolons
            => Transvestiten sind schlecht.“

            Richtig. Und man muss kein SJW sein, um eine solche Formulierung falsch zu finden.

          • „Und man muss kein SJW sein, um eine solche Formulierung falsch zu finden.“

            Um sie moralisch falsch zu finden, muss man exakt wie ein SJW sein.

          • @Hugor, Only, Adrian:
            Es ist viel primintiver:
            „„Ich habe keinerlei Vorstellung, was konkret problematisch sein könnte, aber irgendwie fühlt es sich falsch an!“ ?“
            Das reicht schon, @Hugor.
            Es werden zwei heilige Symbolbegriffe bedient und zwar NICHT zur Verherrlichung der allgemein üblichen Konnotation in dieser Gruppe. Punkt! Steinigt ihn!

          • „Um sie moralisch falsch zu finden, muss man exakt wie ein SJW sein.“

            Dann bin ich exakt wie ein SJW.

          • Ich denke nicht dass es extrem ist. Würde jemand die angebliche Überflüssigkeut des Semikolons mit Männlichkeit vergleichen, würde ich auch das unschön finden.

          • Stilistisch plump
            Irreführende Metapher
            Moralisch falsch

            Das sind sehr unterschiedliche Dinge.

            „Ein Käfer in der Formel 1 ist wie ein Mann in einem Schwangerenkurs: deplaziert“ Habe ich kein Problem mit.
            OBWOHL da behauptet wird, dass ein Mann deplaziert, gar überflüssig sein könnte #aufschrei!

          • „Also ich denke nicht, dass Männer in Schwangerenkursen deplaziert sind.“

            Männer sind ganz normale Teilnehmer in solchen Kursen. Sie werden dort darauf vorbereitet, ihre Frauen bei der Geburt zu unterstützen.
            Ob das wirklich von Nutzen ist, kann nur die jeweilige Frau selbst beurteilen.

            Ich selbst hab auch an solchen Kursen teilgenommen.

          • In der Semikolon-Frage bin ich auch bei Adrian. Vonnegut sagt „Semikola sind wie Transvestiten, nichts richtiges und damit schlecht“ – und das ist tatsächlich falsch. An Transvestiten ist ja nichts schlecht. Es mag ein Stil sein, der auf Außenstehende verwirrend scheint, aber das ist ja kein Qualitätskriterium.

            Ich verdamme deshalb Vonnegut nicht, weil ich hier mal das „Kind seiner Zeit“-Argument bringen möchte, dass er schlicht nicht weiter darüber nachgedacht haben wird, sondern einfach eine ruppige Formulierung, die zu er Zeit kein sehr durchdachtes Thema betrifft, verwendet haben wird. Sollte man ihm nachsehen, aber richtiger macht es den Spruch dadurch nicht.

          • Nachtrag: Was für Transvestiten gilt, gilt für Hermaphroditen noch mehr. Die haben ja noch nicht einmal irgendwie daran mitgewirkt, sondern sind schlicht so geboren.

            Weil es so selten ist, denke ich, dass Vonnegut sie in dem Zitat gar nicht als real existierende Wesen gedacht hat, sondern als eine Metapher. Nur eben eine unglückliche.

      • „Hexenjagd“ ist ein Doppelwhammie: Der Begriff erinnert zum einen auf traumatisierende Art und Weise daran, wie Frauen im Patriarchat SCHON IMMER unterdrückt, verfolgt und getötet wurden und zum anderen insinuiert er die Möglichkeit, an einer Frau könne irgendwas schlecht oder gar böse sein.

        Der moderne Feminismus, sowie Sexismus gegen Männer scheint erstaunlich alt zu sein.
        Männer, die als männliche Hexen aka Hexer angeklagt, gefoltert und getötet wurden, werden mal wieder völlig ausgeblendet. 😉

      • Bei dem Begriff „Hexenjagd“ gibt es eine interessante Bbegebenheit.
        Hier wird nämlich ausnahmsweise mal ein generisches Maskulinum verwendet.
        „Hexe“ konnte traditionell auch männliche „Hexen“ meinen. Die Inquisition richtete sich auch gegen Männer.
        Wenn man also über die Zahl hingerichteter „Hexen“ liest, sollte man bedenken, dass hier auch Männer mitgemeint sind.

        • „„Hexe“ konnte traditionell auch männliche „Hexen“ meinen.“

          Das stimmt. Heute hat „Hexe“ ein eindeutig weibliches Geschlecht, was in der Zeit der Hexenverfolgung nicht der Fall war.
          Eine „Hexe“ war eine Person mit Fähigkeiten zur schwarzen Magie. Sie konnte männlich, weiblich, aber auch ein Tier sein.

          • „Sie konnte männlich, weiblich, aber auch ein Tier sein.“

            Das scheint der empörten Studentin (leider auch dem Verfasser) mit ihrem stabilen Halbwissen nicht bekannt gewesen zu sein.
            Mich (und offensichtlich Dich) hätte sie mit der albernen Attacke nicht ins Schleudern gebracht.

        • Soweit ich das in Erinnerung habe, war das regional sehr unterschiedlich.
          In Dänemark oder so mehr männliche, woanders überwiegend weibliche.

          Aber ja, das ist richtig und es weiß quasi keiner.

    • „transvestitische Hermaphroditen“

      Das ist begrifflicher Unsinn. Ein Hermaphrodit ist ein Zwitter bzw. Intersexueller mit Merkmalen beider Geschlechter. Ein Transvestit ist jemand mit Geschlecht A, der sich als Geschlecht B verkleidet. Ein Hermaphrodit ist aber weder Geschlecht A noch B, „transvestitisch“ ist hier nicht anwendbar.
      Das ganze ist sinnlose Phrasendrescherei.

        • „…erschließt sich mir ja nicht, was an Vonneguts Zitat aus „Gender“-Sicht so problematisch sein soll.“

          Meine Theorie: die intellektuelle Kapazität dieser Leute reicht so gerade dazu aus, einen Text nach Worten zu scannen, die genaue Bedeutung des Textes können und wollen sie nicht verstehen. Bestimmte Worte sind ganz einfach doppelplusungut, und damit auch der ganze Text und der Autor, und das ganze rechtfertigt sofortige persönliche Attacken, wie in dem Artikel dargestellt.

          Mein Lieblingsbeispiel hierfür sind übrigens die Begriffe „Anti-Genderismus“, „anti-Gender“ oder „pro-Gender“. Die sind ähnlich sinnlos wie „Anti-Hautfarbe“ (jeder hat irgendeine Hautfarbe, man kann nicht dagegen sein). Aber Gender ist ein doppelplusgutes Wort, das man oft ehrfurchtsvoll aussprechen sollte, dann ist man ein guter Mensch. Diese Worte werden zu Symbolen einer Ideologie, bzw. „feindlichen Worten“ der Ideologischen Gegner.

          • „Bestimmte Worte sind ganz einfach doppelplusungut, und damit auch der ganze Text und der Autor, und das ganze rechtfertigt sofortige persönliche Attacken, wie in dem Artikel dargestellt.“

            Exakt!

          • @mitm

            „Meine Theorie: die intellektuelle Kapazität dieser Leute reicht so gerade dazu aus, einen Text nach Worten zu scannen, die genaue Bedeutung des Textes können und wollen sie nicht verstehen. Bestimmte Worte sind ganz einfach doppelplusungut, und damit auch der ganze Text und der Autor, und das ganze rechtfertigt sofortige persönliche Attacken, wie in dem Artikel dargestellt.“

            Es ist auch eine ungeheure Arbeitszeitverkürzung, wenn man Literatur von doppelplusunguten Autoren gar nicht mehr lesen muss, weil die eine falsche Hautfarbe oder Meinung haben.
            Hingegen ist es für die Filmanalyse und Musikkritik dufte, wenn der cast divers ist und die Musik von gender-queeren stammt – der Film ist doppelplusgut, weil er die Botschaft einer modernen Welt enthält, die Musik ist gut, weil sie die Botschaft einer modernen Welt enthält.
            Story, Schnitt, Charakter, Stimme, Tonart, musikalische oder schauspielerische Fähigkeiten sind irrelevant.

            Meine Hoffnung: Jede AI mit einer so trainierten Mustererkennung macht Filmanalyse und Musikkritik in Mainstream-Medien in 5 Minuten überflüssig.

      • Ich glaube, das wußte Vonnegut, und meinte es auch so, um das Semikolon zu charakterisieren.
        Punkt und Komma, von beidem Etwas.
        Ein Komma, dass sich als Punkt gibt, und ein Punkt, der sich als Komma gibt. Die Travestie ist insofern sinnlos, als es beides ist, und bedeutet ein Hin-und Her-Mäandern, sich als etwas zu verkleiden, was man einerseits ist, aber andererseits nicht.
        Ich glaube, er meint, dass die Kombination von Travestie und Hermaphrodit unsinnig ist.
        Die Verkleidung als das eine, was ein Semikolon ist, und damit das verstecken, was es auch ist, ist widersprüchlich.
        Hier endet die Analogie, denn das bezieht sich auf die Funktion im Satzbau, nicht auf den Transvestit oder Hermaphrodit.
        Das kann für einen Menschen Sinn ergeben, so wie Frau sich einen Rock oder eine Jeans anzieht, odersich eine Frisur macht, die sie härter erscheinen lässt, oder sanfter.
        Aber in einem Satz ist es evtl. fraglich zu sagen, ich bin ein Punkt, aber nicht ganz, ich bin ein Komma, aber nicht ganz.
        Um zwei Hauptsätze zu trennen, gibt es den Punkt, oder aber Komma und „und“ bzw. „oder“.
        Sinn macht es vielleicht in einer Aufzählung.
        Aber er hält das nicht für literarisch sinnvoll oder schön.
        Dafür benutzt er den Zwitter-Tranvestiten als Metapher, um eine Aussage über Semikola zu machen.
        Der Rückschluss, dass er von dem Semikolon auf den Transvestiten-Zwitter schließt, um über diesen eine Aussage zu machen, finde ich fälschlich hineininterpretiert.
        Umgekehrt funktioniert die Analogie nicht, ein Zwitter ist tatsächlich beides, und fungiert eben real, und akzentuiert durch eine Travestie eine Seite dessen, was er biologisch ist.
        Das Semikolon ist weder das eine, noch das andere, von der Funktion her.
        Es ergibt den selben Sinn für einen Zwitter, sich als Frau zu verkleiden, wie für einen Mann:
        Etwas, was er biologisch nicht ist. Nämlich eine Frau.
        Es ergibt den selben Sinn für einen Zwitter, sich als Mann zu verkleiden, wie für eine Frau.
        Um in eine soziale Rolle zu schlüpfen.
        Nur dass eben der Zwitter tatsächlich teilweise beides ist, aber keines ganz.

        Vielleicht irre ich mich, aber Hermaphroditen haben einen Penis, und eine Gebärmutter, und Eierstöcke, und einen femininen Körperbau samt Brüsten, oder, können aber nicht schwanger werden.
        Können sie aber Frauen schwängern?
        Ich habe noch nicht gehört, dass es Hermaphroditen gibt ohne Penis, ohne weibliche Brüste, ohne Gebärmutter und Eierstöcke, oder?
        Bzw. ohne Penis, mit Brüsten, Vagina, Eierstöcken, Gebärmutter. Das wäre imho eine Frau.
        Bzw. mit Penis, ohne Brüste, ohne Vagina, ohne Eierstöcke, ohne Gebärmutter? Das wäre imho ein Mann.
        Ich kenne eigentllich nur die erste Variante.

    • Es muss auf jeden Fall Hermaphrodit.I.nnen heißen. Hexenjagd könnte problematisch sein, weil es Menschen, die sich nicht von Gejagtem ernähren, ausgrenzt.

  4. Der Studiengang ist nach meinem Eindruck kein Gender Studies-Studiengang, sondern irgendwas mit Medien, Literatur und vielleicht Philosophie. Im Text wird an einer Stelle „Media Studies“ erwähnt.
    Reine Gender Studies-Studiengänge sind eher selten, hier scheint es sich um einen „normalen“ Studiengang zu handeln, was die Sache umso schlimmer macht.

    Die Autorin hat einen interessanten Twitter-Account: https://twitter.com/TLNewmanMTL und eine homepage an der Uni: https://concordia.academia.edu/TerryLNewman

    Danach ist sie an der Concordia University zur Zeit Graduate Student in Communication Studies und war vorher Undergraduate Student in Sociology and Anthropology.

    Finde ich jetzt wirklich mutig, so offen die eigene Uni zu attackieren. Kann mir nicht vorstellen, daß das ohne Folgen für sie bleibt.

    Nicht ganz verstanden habe ich, ob die Studenten ihren Fanatismus erst im Studium anerzogen bekommen haben oder schon vorher hatten (oder beides). Ich tippe darauf, daß letzteres einen wesentlichen Einfluß hat. Die Uni – die letztlich ein Dienstleister ist, der seinen Kunden für teure Studiengebühren Abschlüsse verkauft – muß sich dann an die Erwartungen der Kundschaft anpassen.

    • @ mitm

      „Der Studiengang ist nach meinem Eindruck kein Gender Studies-Studiengang, sondern irgendwas mit Medien, Literatur und vielleicht Philosophie. Im Text wird an einer Stelle „Media Studies“ erwähnt.“

      Innerhalb literaturwissenschaftlicher Abteilungen in den USA sind Gender Studies-Kurse und andere politisch korrekte Kurse sehr verbreitet. Das dürfte in Kanada wohl ähnlich sein.
      Die Philosophie ist in den USA übrigens nicht besonders stark vom politisch korrekten Postmodernismus betroffen, in der US-amerikanischen Philosophie dominiert die Analytische Philosophie.

    • Die Titel ihrer Veröffentlichungen, die man auf ihrer Web-Seite finden kann, benutzen jedenfalls die Buzzwords postmoderner akademischer Schreiberei: ‚towards‘ und die Verlaufsform (‚-ing‘-Form), z.B. in
      „Towards a Theory of Virtual Sentiments“ oder „From the Impartial Spectator to the Virtual Spectator: Mapping the Deterritorialization of Affect through Internet Memes“
      welche hier ja völlig zu recht parodiert wurden.

  5. Zur Frage „Ich bin ja gespannt, wie sich das entwickelt. Schauen die mit 40 auf ihre Studienzeit zurück und lachen selbst darüber? Dann wäre noch Hoffnung.“ ein paar anekdotische Datenpunkte.

    Ich war selbst in den 90ern in Uni-AstA Kreisen aktiv, die schon damals sehr in die Richtung ideologisches SJW-Aktivistentum gingen. Wir hatten eine besonders radikale Truppe, die sich damals schon so benommen hat wie die Studenten in dem Artikel. Z.B. hatten sie mal eine üble Schmutzkampagne gegen einen Professor losgetreten, der sich mit einer ironischen Bemerkung über die geradezu peinliche Vergöttlichung von Emmy Noether in feministischen Kreisen lustig gemacht hatte.

    Ich hatte damals bei dem ganzen Mist aus jugendlicher Naivität mitgemacht, aber ein nagender Zweifel war schon immer da. Meine weitere Entwicklung: Irgendwann aufgewacht, jetzt entschiedener Gegner dieser Auswüchse. Drüber lachen tue ich nicht, eher ‚wie konnte ich nur so doof gewesen sein‘.

    Letztes Jahr hatten wir ein Treffen der alten AstA-Truppe meiner Uni. Dort hatte ich seit mehr als 20 Jahren wieder die oben erwähnte radikale Truppe gesehen. Ich hatte auch im Vorfeld bei deren Facebookseiten und Twitteraccounts reingeschaut was die dort so posten. Die haben sich nicht im geringsten geändert. Die sind immer noch genauso radikalfeministisch, inzwischen komplett Islam-apologistisch, anti-deutsch, anti-‚old white men‘ drauf, ‚diskutieren‘ bevorzugt mit Ad Hominems und Spott unter der Gürtellinie.

    • @ RW

      Deine Erfahrungen finde ich natürlich interessant.

      Das hier

      „inzwischen komplett Islam-apologistisch, anti-deutsch, anti-‚old white men‘“

      passt allerdings nicht zusammen.

      Die sogenannte antideutsche linke Strömung ist islamkritisch. Die Antideutschen sind außerdem Kritiker der postmodernen Political Correctness. Die Antideutschen haben zwar quasi ihre eigene spezifische Form von Political Correctness, aber den politisch korrekten Postmodernismus (und sogar den nicht-politisch-korrekten französischen Postmodernismus) lehnen die Antideutschen ab.

      • Stell Dich nicht dumm. Mit „anti-deutsch“ ist hier nicht die spezifisch linke Sekte genannt, die außerhalb Deinen Elfenbeinturms eh keiner kennt, sondern das klassische linke „Ich bin gegen Deutschland weil Nazi“.

      • Speziell zum Thema Islam-apologetisch gab bei dem Treffen eine kleinere Szene. Einer hat Kontakte zu Familien aus dem nahen Osten (Libanon, Iran etc.). Im Gespräch ist von ihm eine Szene am Frankfurter Flughafen berichtet worden, mit einer iranischen Studentin die ihre Eltern im Iran besucht hatte, und nach der Rückreise nach der Ankunft in Deutschland war ihre allererste Handlung das Kopftuch runterzureissen.

        Ich hatte an der Stelle als Versuchsballon um zu testen wie die Leute sich entwickelt hatten die Bemerkung fallen lassen „Und es gibt wirklich Feministinnen hierzulande die ernsthaft das Kopftuch als ‚Akt der Frauenbefreiung‘ feiern“. Von einer der Radikalen wurde mir instantan über den Mund gefahren, sofort ist der Vorwurf ‚Islamophob‘ gefallen.

        Und genau dieser Mensch der mir über den Mund gefahren ist hat bei Facebook im Zuge der derzeitigen Heimat-Diskussion entsprechende Postings, mit offenem Hass auf den Heimat-Begriff. Ob man diesen Menschen jetzt als Antideutschen nach deiner Definition bezeichnen sollte?

        • Es gibt da eine spezifische Gruppe, die als „Antideutsche“ bezeichnet wird, dazu gehören bestimmte Personen und bestimmte Publikationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Antideutsche
          Ich schätze die meint Leszek.

          Daneben sind natürlich alle radikalen Linken antideutsch oder deutschfeindlich; weil sie Nationen generell ablehnen und sich als Kosmopoliten verstehen. Jack Donovan spricht in diesem Zusammenhang von der „World Gang“, die die Linken herbeiführen wollen. Völlig illusorisch.

          • Ich denke daß wenn ich Leszek und meine AstA-Truppe zur Diskussion zusammenbringen würde, und Leszek versuchen würde diese Leute davon zu überzeugen daß sie den Islam kritisch sehen müssen, ansonsten sie keine richtigen linken Antideutschen wären, daß der Versuch nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein wird….

          • O.k., ich erkläre mal kurz, was man innerhalb der Linken als Antideutsche oder antideutsche linke Stömung bezeichnet:

            Die Antideutschen bzw. die antideutsche linke Strömung ist eine bestimmte Strömung innerhalb der Linken, für die die Analyse, Kritik und Bekämpfung von Antisemitismus sowie die Solidarität mit Israel das zentrale Thema darstellt.

            Die Antideutschen analysieren alle sozialen Phänomene unter dem Blickwinkel, ob diese aus ihrer Perspektive antisemitisch sind oder Antisemitismus begünstigen. Dies tun die Antideutschen allerdings leider oft in ähnlich einseitiger und übertriebener Weise wie z.B. politisch korrekte postmoderne Linke – mit denen die Antideutschen ideologisch verfeindet sind – wenn politisch korrekte postmoderne Linke schnell dabei sind alles pauschal und undifferenziert als sexistisch, rassistisch und homophob zu brandmarken, was von ihren Ansichten abweicht. Die Antideutschen machen das so ähnlich, nur werden bei ihnen Andersdenkende schnell pauschal und undifferenziert als antisemitisch gelabelt.

            Die Antideutschen sind aber KEINE politisch korrekten postmodernen Linken, im Gegenteil, sie sind Kritiker des politisch korrekten Postmodernismus. Die Antideutschen haben aber quasi ihre eigene Form von Political Correctness, die, wie gesagt, u.a. mit ausufernden Antisemitismusvorwürfen einhergeht.

            Die Antideutschen sind solidarisch mit Israel und israelischer Politik und zwar in unkritischer Weise. Wer diesbezüglich anderer Meinung ist, läuft schnell Gefahr sich einen Antisemitismusvorwurf seitens der Antideutschen zuzuziehen.

            Die primären ideologischen Gegner der Antideutschen innerhalb der Linken sind die Antiimperialisten (Antiimps) und die Poststrukturalisten/Postmodernisten, insbesondere die politisch korrekten Postmodernisten.

            Mit den Antiimps sind die Antideutschen ideologisch verfeindet, weil die Antiimps sich im Nahostkonflikt auf Seiten der Palästinenser positionieren und in Israel einen imperialistischen Staat sehen sowie weil manche Antiimps mit islamisch-fundamentalistischen Regimes und Gruppen sympathisieren, da sie in diesen Mitstreiter gegen den westlichen Imperialismus sehen und den verbreiteten Antisemitismus unter islamischen Fundamentalisten dabei mehr oder weniger ignorieren. Aus Sicht der Antideutschen ist die antiimperialistische linke Strömung daher antisemitisch.
            Zum Teil ist sie das auch wirklich, die Antiimps sind oft ähnlich einseitig und extrem wie die Antideutschen, nur inhaltlich eben genau umgekehrt. Für ein besonders krasses Beispiel von Verblödung auf Seiten der Antiimps, siehe z.B. hier:

            http://www.antiimperialista.org/de/node/5259

            Es gibt aber auch einen rationalen und humanistischen Antiimperialismus, wie ihn z.B. Noam Chomsky in vielen lesenswerten Büchern vertritt. Noam Chomskys Kritik am US-Imperialismus, am Kapitalismus und Neoliberalismus und an Strukturen und Prozessen westlicher Ausbeutung gegenüber nicht-westlichen Ländern ist m.E. oft richtig. (Leider ist auch Chomsky beim Thema Nahostkonflikt manchmal zu einseitig.)

            Des Weiteren sind die Antideutschen mit den Poststrukturalisten/Postmodernisten ideologisch verfeindet, insbesondere mit den politisch korrekten postmodernistischen Strömungen (wie Gender/Queer-Feminismus, Critical Whiteness, postmoderner Multikulturalismus), wegen deren oft unkritischer Haltung zum orthodoxen und islamistischen Scharia-Islam und ihrer Ignoranz gegenüber der Verbreitung von Antisemitismus unter Muslimen.

            Die Antideutschen lehnen Gender-Feminismus, Critical Whiteness und den postmodernen Multikulturalismus ab, die Antideutschen sind linke Kritiker der postmodernen Political Correctness. Diesbezüglich gibt es m.E. einige lesenswerte Texte von den Antideutschen.

            Die Antideutschen sind außerdem islamkritisch – manchmal im positiven Sinne – Islamkritik aus aufklärerisch-menschenrechtlicher Perspektive – manchmal aber auch auf irrationale Weise.

            Die Antideutschen sind pro-USA, da sie in den USA eine Schutzmacht Israels sehen und die Antideutschen haben allen Ernstes an die dumme Phrase des „Krieges gegen den Terror“ geglaubt. So haben die Antideutschen z.B. leider die imperialistischen US-amerikanischen Kriege gegen Afghanistan und den Irak befürwortet. In Wirklichkeit standen Herrschafts- und Profitinteressen hinter diesen US-amerikanischen Kriegen und als Resultat dieser Kriege wurden Islamismus und islamischer Terrorismus einflussreicher als je zuvor – ein extremer Gegenteileffekt. Bei diesem Thema war m.E. die antiimperialistische, nicht die antideutsche Position die richtige.

            Eine Teilwahrheit und Errungenschaft der Antideutschen ist m.E., dass sie wesentlich dazu beigetragen haben mehr Sensibilität für das Thema eines Antisemitismus von links innerhalb der Linken zu erzeugen, das war m.E. durchaus wichtig, erst seitdem wird linker Antisemitismus innerhalb der Linken ernsthaft kritisch analysiert.

            Eine weitere Teilwahrheit und Errungenschaft der Antideutschen findet sich m.E. in Teilen ihrer Kritik am Postmodernismus und der postmodernen Political Correctness, auch hier haben die Antideutschen wichtige Pionierarbeit innerhalb der Linken geleistet.
            Viele – aber nicht alle – ihrer pc-kritischen Schriften sind m.E. lesenswert.
            Auch einige – aber nicht alle – ihrer islamkritischen Schriften sind m.E. lesenswert.

            Hier als Beispiel ein m.E. lesenswerter Text zur Kritik an Critical Whiteness von zwei Autoren aus dem Spektrum der antideutschen Linken:

            http://www.redaktion-bahamas.org/auswahl/web67-1.html

            (Nur die Antisemitismusvorwürfe am Ende des Artikels bitte nicht einfach so glauben, das müsste man erstmal genau nachprüfen, ob es auch so stimmt, die Antideutschen sind, wie gesagt, mit Antisemitismusvorwürfen schnell dabei.)

            Und hier ein m.E. lesenswerter Artikel zur Kritik des islamischen Kopftuchs von einem Autor aus dem Spektrum der antideutschen Linken:

            Klicke, um auf Plaedoyer_fuer_die_kopftuchfreie_Schule.pdf zuzugreifen

            Und auch der folgende Artikel zur Kritik an Knutschverbot/Critical Hetness ist von einem Autor aus dem Spektrum der antideutschen Linken:

            http://www.konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/das-gelebte-nichts.html

            Es gibt davon abgesehen bezüglich der Antideutschen in meinen Augen aber auch eine ganze Reihe negativer und kritikwürdiger Aspekte und diese seien an dieser Stelle kurz zusammengefasst.

            – Die Antideutschen vertreten faktisch einen Neo-Rassismus gegen Deutsche. Das ist so ähnlich wie bei den – von den Antideutschen völlig zu Recht kritisierten – postmodernistischen Critical Whiteness-Spinnern. Vertreten die Critical Whiteness-Spinner faktisch einen Neo-Rassismus gegen Weiße, so vertreten die Antideutschen in ähnlicher Weise einen Neo-Rassismus gegen Deutsche. Amüsanterweise kritisieren die Antideutschen mit guten Argumenten den anti-weißen Neo-Rassismus der Critical Whiteness-Spinner, merken aber offenbar nicht, dass sie bezüglich Deutscher das Gleiche machen.

            – Die Antideutschen praktizieren keinen ernsthaften Anti-Nationalismus und haben mit Nationalfahnen keine grundsätzlichen Probleme. Die Antideutschen gehen z.B. mit Israel- und USA-Nationalfahnen auf Demonstrationen. „Antideutsch“ ist nämlich keineswegs gleichbedeutend mit anti-nationalistisch, die Antideutschen lehnen zwar – zu Recht – deutschen Nationalismus ab, aber sie lehnen leider nicht JEDEN Nationalismus ab.
            Nur JEDEN Nationalismus abzulehnen – und das beinhaltet auch israelischen und US-amerikanischen Nationalismus – ist aber anti-nationalistisch.

            – Die Antideutschen bejahen z.T. auch solche militärischen Aktionen der Alliierten im 2. Weltkrieg, die objektiv betrachtet Kriegsverbrechen waren, z.B. Bombardierung der Dresdner Zivilbevölkerung.

            – Die Antideutschen leugnen oder relativieren außenpolitische Aktivitäten der USA, die m.E. mit guten Gründen als imperialistisch kritisiert werden sollten, sie unterstützen z.T. imperialistische US-amerikanische Kriege. (Manche Kritiker der Antideutschen vermuten, dass die Antideutschen z.T. aus den USA finanziert werden.)

            – Die Antideutschen tendieren dazu jegliche Kritik an der Politik Israels undifferenziert als antisemitisch zu brandmarken. Statt Menschenrechtsverletzungen im Kontext des Nahostkonflikts auf beiden Seiten zu kritisieren und Konfliktdynamiken und Konflikteskalationen auf beiden Seiten kritisch zu analysieren, soll Israel von jeder Kritik abgeschirmt werden.
            Die zentralen ideologischen Gegner der Antideutschen innerhalb der Linken, die Antiimps, machen es genauso, nur umgekehrt, bei den Antiimps ist immer Israel schuld.

            – Die Antideutschen sehen elite-soziologische kritische Analysen bezüglich der Netzwerke und des Agierens ökonomischer Herrschaftseliten als „strukturell antisemitisch“ und abzulehnende „personalisierte Kapitalismuskritik“ an, die Antideutschen propagieren also eine Kapitalismuskritik, die allein auf soziologische Strukturen, nicht auf Personen bzw. nicht auf Netzwerke und Handlungen konkreter Herrschaftseliten fokussiert – dieser einseitige Ansatz würde elitesoziologisch fundierte Herrschaftskritik unmöglich machen.
            Ich bin hingegen der Ansicht, dass strukturell-soziologische Herrschaftskritik UND elite-soziologisch fundierte Herrschaftskritik BEIDE wichtig sind und zusammengedacht werden müssen. Es ist richtig, eine rein personalisierte Kapitalismuskritik, die die Strukturen des kapitalistischen Systems nicht berücksichtigt, abzulehnen – damit haben die Antideutschen Recht – aber es ist m.E. nicht richtig, nur Strukturen kritisch zu analysieren und die von diesen Strukturen geprägten und in ihrem Rahmen agierenden Netzwerk von Herrschaftseliten und deren Handeln unerforscht und unkritisiert zu lassen. Vielmehr sollten m.E. soziale Strukturen und Netzwerke von Herrschaftseliten in ihrem Zusammenhang erfasst und kritisiert werden.

            – Ein Teil der Antideutschen hat sich kapitalismus-konformen Positionen angenähert, der ökonomische Klassenkampf wird von ihnen abgelehnt, ein neoliberalismus-kompatibler Individualismus wird idealisiert. Dieser Teil der Antideutschen hat sich mehr oder weniger aus der Linken verabschiedet.

            – Die Antideutschen teilen zwar oft die (in meinen Augen richtige) libertär-sozialistische Sichtweise, dass alle Staaten abgeschafft werden sollten, sie vertreten aber die abstruse Ansicht, dass der Staat Israel bis zuletzt weiterbestehen müsse, also dass der Staat Israel erst als letzter abgeschafft werden dürfe. Dies zeigt ein mangelhaftes Verständnis der libertär-sozialistischen Staatskritik.

            Wir libertären Sozialisten sehen die Antideutschen in der Regel natürlich kritisch:

            http://www.trend.infopartisan.net/trd1209/t421209.html

            Trotzdem sollte man m.E. die oben erwähnten (in meinen Augen) Teilwahrheiten und Errungenschaften der Antideutschen natürlich auch berücksichtigen.

            Heute bezeichnen sich allerdings nicht mehr alle Gruppen bzw. Unterströmungen innerhalb der sogenannten antideutschen linken Strömung selbst mit dem Begriff „antideutsch“. Manche Antideutsche nennen sich selbst weiterhin auch so, andere nicht mehr, vertreten aber weiterhin die typischen antideutschen Positionen.

            Zu Entstehung, Geschichte, Theorie und Praxis der Antideutschen, siehe folgenden fundierten und lesenswerten Artikel:

            Patrick Hagen – Die Antideutschen und die Debatte der Linken über Israel

            http://www.trend.infopartisan.net/trd0405/t030405.html

            (Kurz zu einer Passage in diesem Text, die zu Mißverständnissen führen könnte: In ihrer Frühphase waren die Antideutschen noch an einer bestimmten Version des Multikulturalismus orientiert, das ist heute nicht mehr der Fall, die Antideutschen sind heute entschiedene Kritiker und Gegner des kulturrelativistischen Multikulturalismus, den sie für antisemitisch halten. Die heutigen Antideutschen sehen sich als Verteidiger der westlichen Zivilisation: Gegen Deutschland als Nation und Nationalstaat, aber für die westliche Zivilisation.)

            Eine kurze Selbstdarstellung von einem Theoretiker der Antideutschen findet sich außerdem hier:

            Stephan Grigat – Was heißt: antideutsch?

            http://www.cafecritique.priv.at/antideutsch.html

            (Es versteht sich von selbst, dass dieser Text zur Selbstdarstellung von einem Antideutschen nicht gerade kritisch ist.)

          • > ich erkläre mal kurz

            Leszek, wann merkst Du endlich, daß Du Deine Definition von „kurz“ dringend überdenken solltest? Deine Beiträge haben selten bis nie genügend Inhalt, um ihren Umfang auch nur im Ansatz zu rechtfertigen.

          • Leszek sollte vor allem einsehen, dass überall wo Feministinnen beteiligt sind die einzige Ordnung und Systematik „fühlt es sich für mich (die Feministin) gut an“ ist.

          • @lh,

            aber Leszek mag Haidt und seine Forschung nicht, die zeigt, dass moralische Begründungen fast immer post hoc sind.

          • Dabei hatte Adorno schon ähnliche Gedanken dazu? Wobei ich zugeben muss, diese nur via Judith Butler als Sekundärquelle zur Kenntnis genommen zu haben.

          • @ Stormking

            „Leszek, wann merkst Du endlich, daß Du Deine Definition von „kurz“ dringend überdenken solltest?“

            Der Beitrag ist kurz, gemessen an der Vielfalt der behandelten Aspekte.

            „Deine Beiträge haben selten bis nie genügend Inhalt, um ihren Umfang auch nur im Ansatz zu rechtfertigen.“

            Meine Beiträge sind oft inhaltsreich und das ist bei komplexeren Themen auch notwendig, wenn man die entsprechenden Themen in ihren wichtigsten Aspekten und Zusammenhängen verstehen will. Wer das nicht will, muss sich nicht verpflichtet fühlen, einen Beitrag von mir zu lesen.

        • @Leszek:
          Dein Beitrag ist deswegen weitgehend inhaltsarm, weil bedeutungslos zur eigentlichen Frage des Thema und des Threads. Natürlich ist er eine Art gute Einführung zu der linksradikalen Sekte der Antideutschen, aber die sind im allgemeinem Sprachgebrauch nicht mit dem Adjektiv antideutsch (deutschlandhassend) gemeint. Das würde jeder Mensch außerhalb esoterischer Politik- bzw. Elfenbeinturmkreise auch für Leute anwenden, die Deutschland hassen, z.B. auf prominente Grünenpolitiker, die entsprechende abfällige Äußerungen zu Deutschland und Deutschen getätigt haben, aber innerhalb der linken Sektiererei gerade den Feinden der Antideutschen angehören. Darüberhinaus stellt sich die Frage, ob diese Informationen zu der Sekte noch aktuell sind, da auch die linke Szene in den letzten Jahren durchgewirbelt wird und alte Kategorien bedeutungslos werden.

          • @ Blub

            „Dein Beitrag ist deswegen weitgehend inhaltsarm, weil bedeutungslos zur eigentlichen Frage des Thema und des Threads.“

            Das ist falsch. Ob ein Kommentar inhaltsarm ist, entscheidet sich in Bezug auf das Thema, um das es in dem Kommentar geht. Das Thema meines Kommentars lautet: „Was sind die Antideutschen und welche Positionen vertreten sie?“
            Der Kommentar beinhaltet hierzu viele wesentliche Informationen sowie eine Beurteilung der Antideutschen aus meiner persönlichen politischen, philosophischen und ethischen Perspektive. Bei Personen mit einer anderen Weltsicht würde die Beurteilung natürlich anders ausfallen, was aber nichts daran ändert, dass die gegebenen Informationen für das Thema wichtig sind.

            Zweitens passt der Beitrag sowohl zu den zentralen Themen dieses Blogs als auch zu dem Thema des obigen Artikels, da es in meinem Kommentar u.a. um die Darstellung einer linken Strömung geht, die political-correctness-kritisch ist. Da die Antideutschen linke Kritiker der postmodernen Political Correctness sind, sind Informationen zu den Antideutschen für jeden, der sich für das Thema „Kritik an der postmodernen Political Correctness“ interessiert – das Thema des obigen Artikels – natürlich potentiell relevant.
            Dass in einem solchen Beitrag aber auch die (in meinen Augen) kritikwürdigen Seiten der Antideutschen benannt werden, ist für eine ausgewogene Darstellung notwendig.

            Und drittens ist der Beitrag eine konkrete Reaktion auf konkrete Inhalte eines anderen Beitrags im Rahmen dieses Diskussionsstrangs.

            „Natürlich ist er eine Art gute Einführung zu der linksradikalen Sekte der Antideutschen, aber die sind im allgemeinem Sprachgebrauch nicht mit dem Adjektiv antideutsch (deutschlandhassend) gemeint.“

            Im allgemeinen Sprachgebrauch innerhalb der Linken sind mit „antideutsch“ aber nunmal die Antideutschen gemeint. Und in dem Diskussionsbeitrag, auf den ich reagiert habe, ging es um Linke, die sich gleichzeitig als islam-apologetisch, antideutsch und politisch korrekt positionieren. Das gibt es in dieser Zusammenstellung aber in der Regel nicht.

            „Das würde jeder Mensch außerhalb esoterischer Politik- bzw. Elfenbeinturmkreise auch für Leute anwenden, die Deutschland hassen, z.B. auf prominente Grünenpolitiker, die entsprechende abfällige Äußerungen zu Deutschland und Deutschen getätigt haben, aber innerhalb der linken Sektiererei gerade den Feinden der Antideutschen angehören.“

            Innerhalb der Linken ist es bekannt, dass die Antideutschen eine ganz bestimmte linke Stömung darstellen, dazu benötigt man innerhalb der Linken also kein Spezialwissen. Und falls Leute außerhalb der Linken dies nicht wissen, dann ermöglichen ihnen Infomationen hierzu eben eine präzisere Einschätzung.

            „Darüberhinaus stellt sich die Frage, ob diese Informationen zu der Sekte noch aktuell sind, da auch die linke Szene in den letzten Jahren durchgewirbelt wird und alte Kategorien bedeutungslos werden.“

            Ja, die Informationen treffen m.E. auch auf die aktuelle Situation zu.

            Und davon abgesehen gibt es in diesem Diskussionsstrang von mir übrigens noch weitere Kommentare, die ebenfalls allesamt nicht inhaltsarm sind, sondern für die jeweils angesprochenen Fragen und Themen relevante Informationen und Argumente beinhalten.

      • Bei einem der radikalsten weiss ich sicher daß er bei der Linken sehr aktiv ist. Die anderen haben schlicht durch Berufsstress und fortgeschrittenem Alter keine Zeit und Energie mehr sich gross zu engagieren wenn ich die Lage richtig einschätze, ihr Aktivismus ist hauptsächlich ‚Facebook-Maulhelden‘ und Trolling von Leuten die online die SJW-Linie kritisieren.

  6. Da hat die politische Linke ganze Arbeit geleistet. Ihren Traum, den liberalen Westen zu zerstören und durch ein repressives Drittweltland zu ersetzen, kommt sie immer näher.

  7. „Man gibt einfach wertvolle Meinungen auf für nichts“

    Man gibt die Grundlagen unserer Zivilisation auf. Und was sollte diese ersetzen? Islam? Afrika? Wer will das?

  8. Was mich doch sehr wundert, ist, warum es dort soviel schlimmer ist als hier. Oder täuscht das? Was ist in Deutschland anders, als z.B. in Schweden oder Kanada?

    Sorgt die Kälte für eine Verkümmerung des Gehirns oder haben die südlicheren Männer einfach dickere Eier und wagen auch mal zu widersprechen?

    Ich würde ausrasten, wenn ich mit solchen Idioten in einer Klasse säße. So ein Studium durchzuhalten, kann ich mir nicht vorstellen, wie flexibel muss das eigene Rückgrat dafür sein?

    • Was ist in Deutschland anders, als z.B. in Schweden oder Kanada?

      Also Kananda scheint ein harter Fall zu sein. Zum einen erinnere ich mich an ein Gesetz, welches vorsieht, dass wenn vom Mann häusliche Gewalt ausgeht, sein gesamter Besitz – Haus und Hof – an sie übergeht. Dazu gehört auch Anbrüllen: „Shout out loud at your spouse and loose your house!“*1

      Ein anderes Gesetz schreibt vor, dass man Genderisten mit ihren jeweiligen Pronomen für ihre Phantasiegeschlechter anzusprechen hat, die Strafen sind saftig, wenn man das verweigert. *2

      *1:
      http://www.dailymail.co.uk/news/article-1350761/Women-entitled-council-house-partner-shouts.html
      *2:
      https://www.cuncti.net/wissenschaft/1012-politische-sprachkorrektheit-krieg-der-sterne-in-kanada

    • „warum es dort soviel schlimmer ist als hier. Oder täuscht das?“

      Die USA und Kanada sind beides ethnisch sehr heterogene Gesellschaften, und Heterogenität (neudeutsch: „Diversität“) schafft prinzipiell zunächst einmal Probleme, hier ethnische Parallelgesellschaften. Dieses Problem ist bei uns deutlich geringer ausgeprägt.

      In den USA kommt das historische Erbe der Sklaverei dazu, das ist deren nationale Erbsünde wie bei uns der Faschismus.
      Vor wenigen Jahren war ja noch der Film „12 years a slave“ ein Riesenerfolg. Der Film läßt einen ähnlich wütend, entsetzt und ratlos zurück wie ein Besuch in einem KZ oder eine Dokumentation der Nazi-Greuel. Jeder Schwarze, der bei einer Polizeikontrolle erschossen wird, läßt das ganze Elend wieder hochkochen, reißt alte Wunden wieder auf.

  9. Es wird jetzt genau das passieren, was 1968 von links passierte. Es passiert ja schon deutlich sichtbar seit ca. fünf Jahren.

    Damals war die Gesellschaft rechtsverblödet. Heute ist sie linksverblödet. Der Mensch tendiert zu Lügensystemen und Verleugnung, egal ob von rechts oder links. Und die Linken können es heute kaum glauben, daß sie genauso intolerant und engstirnig sind wie die Rechten vor 50 Jahren.

    Genau deshalb muß gute Kritik von links kommen. Bzw. es droht natürlich eine leichte rechte Verblödung. Das ist aber kein simples Hin und Her in der Geschichte, sondern insgesamt nimmt die Verblödung natürlich ab.

    Schade, daß so viele Menschen Politik nur als Religion betreiben können und somit unfähig sind, von der anderen Seite zu lernen. Wir könnten einiges von Rechten lernen, und die wiederum von Linken.

  10. Bevor ich mich dem Diskussionsstrang hier zuwende – der nach einem kursorischen Überblick die altbekannten Auseinandersetzungen in diesem Blog wiederholt – zunächst eine ganz allgemeine Feststellung: Die Äußerung des „Programmdirektors“ entspricht vom Phänotyp einem evangelikalen Erweckungserlebnis mit anschließender „Wiedergeburt“ (born again).

    Mir fällt hierzu aus dem deutschen Pietismus der Begriff des „Bußkampfes“ ein, wie ihn als einer seiner prägenden Gestalten August Hermann Francke (1663.1727) selbst durchlebt hat. „Er lehrte, dass dann, wenn der Mensch durch Gottes Wort angerührt wird, es zu einem Bußkampf kommt. Es geschieht unter Tränen ein Gnadendurchbruch. Der Weg führt vom alten Ich zum neuen, geistlichen Menschen. Dies kann in einem Augenblick geschehen, sich aber auch als länger andauernder Prozess entfalten. Die Vernunft soll dem Glauben untertänig sein. Die Zweifel verschwinden und das neue Wesen im Menschen kann freigesetzt werden. Franckes eigene Bekehrung ist hierzu Vorbild. Im Herbst 1687 wurde ihm bewusst, dass er trotz Taufe und zahlreicher philosophischer und theologischer Studien ein bloßes biblisches Kopfwissen, aber kein wirkliches geistliches Leben besaß.“
    http://www.bible-only.org/german/handbuch/Francke_August_Hermann.html

    • „Er lehrte, dass dann, wenn der Mensch durch Gottes Wort angerührt wird, es zu einem Bußkampf kommt.“

      Endlich mal ein neuer Gedanke, abseits des üblichen Linkenbashings.

      Bei Deiner Beschreibung der Erweckung des A. H. Franckes muss ich an das Ende George Orwells „1984“ denken. Ich habe es vor etwa 40 Jahren gelesen und wenn ich mich recht entsinne, kommt in den letzten Zeilen des Buches dem Helden auch die Erleuchtung.
      Weiter sagt mir meine Erinnerung, dass er in dem Moment auch per Genickschuss ins Nirvana geschickt wird, kann mich aber auch irren.
      Muss das Buch mal in meinen Regalen wiedersuchen. Hab es schon lange nicht mehr gesehen.

    • @Friedhelm Grützner

      Einen Bußkampf des Programmdirektors anzunehmen, bedeutete doch, er würde im Augenblick des Zweifels an der Richtigkeit seiner Ablehnung weißer Philosophie ( der Moment, als ihm bewusst wird, wie sich seine Position gegen ihn selbst wendet), ihre Wahrheit einsehen, d.h. die Verbreitung hermaphroditischer Symbole – Semikolons – von nun an unterstützen . Nach der Beschreibung sieht es aber eher so aus, dass er sich dem Druck des Tribunals aus Angst beugt und daher den Artikel nie wieder Studenten vorlegen würde und nicht, weil er den Text schlecht findet. Wo ist das Erweckungserlebnis mit vorherigen Bußkampf? Ein Erweckungserlebnis hätte ihn erschüttert und er hätte den Artikel öffentlich, unter Tränen, verbrannt!

  11. @ Quellwerk
    Wieso? Er bereute doch seinen bisher falschen „Glauben“ und wandte sich der ihm bisher verschlossenen Wahrheit zu: Er „erschien … vor unserer Klasse und verkündete stolz, dass er das gesamte Gebiet der Philosophie aufgegeben hatte, das einmal seine Berufung gewesen war. Es waren alles >rassistische alte weiße Männer<". Im evangelikalen Milieu steht für den "alten weißen Mann" der Satan.

    • @ Quellwerk

      Hier noch ein Verweis auf die mir noch aus meiner Studienzeit bekannte Theologieprofessorin Eta Linnemann, die als Bultmann-Schülerin sich nach einem evangelikalen Erweckungserlebnis von all ihren bisherigen wissenschaftlichen Positionen distanzierte. „Aufsehen erregte Linnemann 1978, als sie sich, nach eigenen Angaben infolge eines Bekehrungserlebnisses im November 1977, von der historisch-kritischen Methode lossagte und darum bat, ihre bisherigen Veröffentlichungen zu vernichten.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Eta_Linnemann

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