„Wenn die Kinderbetreuungskosten die Hälfte meines Gehaltes ausmachen, dann kann ich auch gleich zuhause bleiben“

Ich finde diesen Tweet hier interessant:

In der Tat habe ich den Satz von Frauen schon häufiger gehört.

Er ist aus meiner Sicht falsch, weil er nicht berücksichtigt, dass man natürlich auch noch in die Rente einzahlt, Berufserfahrung ansammelt, eine Bindung zum Arbeitgeber aufgebaut wird, letztendlich beide das Kinderbetreuungsgeld zahlen, eben immer noch die Hälfte übrig bleibt etc.

Aber mir scheint auch eine Antwort naheliegend, die aber in eine andere Richtung geht als sie DasNuf wahrscheinlich vor Augen hat:

Die Mütter wollen gern die Kinder betreuen und suchen dafür eben nach einem guten Grund. Und sie nehmen wahr, dass ihr Lebensstandard durch das zusätzliche Gehalt nicht wirklich steigt, dass aber die Betreuung eines Kindes im Gegenzug durchaus gut für die Lebensqualität sein kann und wesentlich erfüllender sein kann.

Deswegen rechnen sie es auch von ihrem Gehalt ab, weil sie ja rechtfertigen wollen, dass es sich nicht lohnt, wenn sie weiter (in dem Umfang) arbeiten gehen.

In einem Frame der Unterdrückung kann es natürlich keine eigene Agenda sein, sondern nur der internalisierte Hass der Frau auf sich selbst.

13 Gedanken zu “„Wenn die Kinderbetreuungskosten die Hälfte meines Gehaltes ausmachen, dann kann ich auch gleich zuhause bleiben“

  1. Das habe ich auch schon gehört. Wenn die Kosten für die Altenpflege höher sind wie das was machen selbst in der Zeit verdienen kann, lohnt es sich nicht und da man i.d.R seine Eltern liebt, ist man auch froh über die gemeinsamen Stunden. Und bei meine Mutter hat die KK für sie in die Rentenkasse eingezahlt.

    Ich vermute das eine Gehaltssteigerung bei Erziehern und Pflegern dazu führen könnte, dass wieder mehr Menschen sich selbst kümmern – mehr Geringverdiener. Die mit dem höheren Gehalt können, wie Christian schon schreibt, weiter „Karriere“ machen und wodurch der Gehaltsunterschied noch weiter wächst.

  2. Interessant wieder mal, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Frauen über sein Gehalt als „gemeinsam“ bestimmen (und das was sozusagen ihm übrig bleiben würde verkürzen, ohne groß Worte drüber verlieren).

    • In einer Familie mit Kindern sollten die finanziellen Verhältnisse einigermaßen geklärt sein, sonst hat man ganz schnell ganz andere Probleme. Bei uns spielt „mein“ und „dein“ nur eine geringe Rolle, es bleibt genug über, die Familie ist versorgt und die Ersparnisse gehen eh für gemeinsame Sachen drauf.

  3. Kann es sein, dass es einen guten Grund gibt, wieso es zum Begriff der „Milchmädchenrechnung“ keine „männliche“ Entsprechung gibt?

    • Die Rechnung ist doch gar nicht so falsch. Angenommen sie verdient mit einem Teilzeitjob 800 Euro netto und sie zahlen über 400 Euro Gebühren. Während ihr Mann Vollzeit arbeitet und 2000 netto heimbringt. Sie erhöht mit ihrer Tätigkeit das Familieneinkommen also nur um 1/5 hat aber u.U. erheblichen Stress, Arbeit, Haushalt und Kinder gescheit unter einen Hut zu bringen. Lohnt sich das? Ich würde es nicht machen, wenn das Einkommen auch so reicht.

      So oder so ähnlich dürfte das Setting doch oft aussehen.

  4. Naja, wenn man sieht, wie das Renten- und Sozialsystem in Deutschland derzeit richtiggehend geplündert wird, dann ist das zuhause bleiben vielleicht doch nicht die schlechteste Option. Die angesammelten Rentenpunkte werden für diejenigen, welche heute deutlich unter 50 Jahre alt sind, dereinst womöglich nicht mehr viel wert sein – egal, wieviel man da über etliche Jahre hinweg eingezahlt hat. Weshalb also in ein marodes Renten- und Sozialsystem einzahlen, das wohl auf absehbare Zeit ohnehin dem Untergang geweiht ist?

    Ansonsten ist es immer dasselbe: wer sich für eine bestimmte Lebensweise entscheidet, der muss halt auch die daraus erwachsenden Folgen tragen. Wer das tatsächlich auch tut, der braucht seine Entscheidungen gegenüber niemandem zu rechtfertigen. Insofern ist der im Tweet thematisierte Spruch weder richtig noch falsch sondern höchstens irrelevant, sofern er von einem selbstbestimmten Menschen kommt.

    • Korrekt. In 20 Jahren kann der zukuenftige Rentner dann mit den Oezoguzes/Erdoganistas verhandeln, ob er als Mitglied der Koeterrasse ueberhaupt Rentenansprueche (auch KV und PV) hat. Viel Spass dabei.

      Das Netto-Gehalt ist oft eh nur die Haelfte des Bruttos. Vom Netto zahlt „die Mutter“ (die Familie) nicht nur private Betreuungskosten, sondern auch andere berufliche Aufwendungen, wie z.B. ein zusaetzliches Auto, Kleidung fuer den Beruf, Kantinenessen, ggf. Fachliteratur, Weiterbildung usw. Alles abgerechnet bleibt als Netto-Stundenlohn bei niedrigen Gehaeltern oft weniger als in einem 3. Welt-Land uebrig. Gleichzeitig sinkt die Qualitaet der Kinderbetreuung i.A., wenn sie aus 3. Hand kommt.

  5. Ach, Milchmädchenrechnungen sind eigentlich keine falschen Rechnungen, in der Geschichte geht es darum, dass ein Milchmädchen mit ihrer Milch nach hause geht und sich ausrechnet, was es damit verdienen wird, aber stolpert und die Milch verschüttet, wodurch die Rechnung hinfällig wird. Aber immerhin, selbstständige Arbeit.

    Wenn ich die Hälfte meines Einkommens _nur_ für den Kindergarten ausgeben würde, verdiene ich entweder zu wenig oder der Kindergarten ist sehr teuer. Also würde ich dann auch zu hause bleiben und Mutter geht arbeiten. Oder – wenn die auch nicht mehr verdient – hätten wir besser keine Kinder kriegen sollen…

    • „Oder – wenn die auch nicht mehr verdient – hätten wir besser keine Kinder kriegen sollen“

      Oder woanders hinziehen sollen 😉

      In diversen Länderfinanzausgleichsempfängerländern, gibt es den Kindergarten frei, im GGS. zu den Zahlerländern, etwa BaWü und Bayern. Am extremsten dürften die Kosten zudem in den Großstädten sein.

      • Das mit dem Umziehen ist natürlich auch eine Möglichkeit. Am besten kombiniert mit einem Wechsel zu einem besser bezahlten Job.

        Man muss natürlich auch Gegenrechnen, wenn man zu hause bleibt, spart man sich nicht nur das Geld für den Kindergarten, sondern auch Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit UND zum Kindergarten. Und dann kommt noch dazu, wie spaßig der Job eigentlich überhaupt ist.

  6. Analyse:
    Männer, die sagen: „Wenn die Kinderbetreuungskosten die Hälfte meines Gehalts ausmachen, dann kann ich auch gleich zuhause bleiben.“ Schon mal gehört?

    Natürlich nicht. Kein Mann verdient so wenig, dass es so hoch wäre wie Kinderbetreuungskosten.

    Den gleichen Satz schon mal von Frauen gehört? Wieso rechnen sich das Frauen in einer Partnerschaft von ihrem Gehalt ab?

    Schon oft gehört. Frauen rechnen sich das vom Netto-Gesamtgehalt beider Partner ab.
    Und gelangen so korrekt zu ihrer Einschätzung.

  7. Wo liegt der Unterschied? Das es bei Frauen 2 Gehälter sind (nämlich zusätzlich das Gehalt ihres Mannes). Und da Männer schlichtweg mehr verdienen (wir wissen warum) tut das bei Frauen auch nicht so weh.

    Done.

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