Parallele Statushierarchien und Status in Subgruppen

Ein interessanter Text behandelt parallele Statushierarchien:

A standard view of status is that it’s fundamentally zero sum: we’re all on one continuum, and what matters is our rank order. Switching into a more prestigious occupation can be good for you as an individual by raising your status, but all the people you’re now higher status then are very slightly worse off such that it’s neutral for society overall.

Status works because of consensus: if there are a hundred people in a village each one can’t think they’re the highest status villager. But it only requires local consensus: if the villagers have a model of status that goes:

  highest status villager
  > lowest status villager
  > outsiders

that’s more or less going to work fine for them. And every other village can have the same view, which means everyone can be near the top of the status hierarchy that’s salient to them.

Similarly, this works for subcultures. Consider:

  highest status birder
  > lowest status birder
  > non-birders

Or:

  highest status contra dancer
  > lowest status contra dancer
  > non-dancers

In der Tat: um so komplexer die Gesellschaft an sich und um so größer die Gruppe, um so mehr Platz besteht für eigene Subgruppen, die ihre eigene Form von Status aufbauen können. Man kann dadurch auch in verschiedensten Gruppen eine andere Form von Status haben, etwa am Arbeitsplatz eine relativ untergeordnete Position, aber in seinem Freundeskreis eine sehr hohe.

Ich hatte hier schon mal ein Beispiel dazu gebracht:

Unsere Bewertungen von sozialen Status sind nicht auf die heutige Mediengesellschaft ausgerichtet. Sie sind in vergleichsweise kleinen Gruppen von schätzungsweise um die 200 Leuten entstanden, in der sozialer Status wesentlich persönlicher ist.

Ein Beispiel wäre der Sänger einer Hinterhofrockband bei einem Konzert mit 500 Leuten in einem kleinen Saal. Bringt er die Menge zum kochen, dann steigt sein sozialer Status, weil alle Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist, er zu den Leuten spricht (singt), sie evtl. begeistert wiederholen was er sagt (mitsingen) und er Handlungen der Gruppe vorgeben kann und den Ablauf bestimmt. Die Leute versammeln sich, um ihn zu sehen, was seinen Status wachsen lässt.

Ein Politiker hingegen mag wesentlich mehr Macht haben, gleichzeitig aber ist er häufig auch erheblicher Kritik ausgesetzt, die Macht erscheint weit weniger auf den konkreten Menschen bezogen, weil deren Reaktionen wesentlich neutraler sind, er befindet sich im ständigen Konflikt mit anderen Anführern, was wiederum seinen subjektiven Status anders erscheinen lässt. Der gleiche Politiker würde wieder anders wahrgenommen werden, wenn die jeweilige Person ihn bei der konkreten Machtausübung innerhalb der Partei wahrnimmt, insbesondere wenn er dort auf Gleichgesinnte trifft, die ihn feiern.

Natürlich gibt es auch Status außerhalb der eigenen Gruppe oder schlicht größere Gruppen, in denen der Status allgemeiner ermittelt wird:

These status hierarchies aren’t the only way people view the world; even someone who spends their whole social life immersed in birding or contra dancing will still think of a senator or movie star as being pretty high status. They seem to act like an overlay on top of the global status system. For example, if I’m at a contra dance then status from my perspective might be global status + contra status while if I’m talking about EA online it might be global status + EA status. [1]

Wir erfassen eben auch Status nach gewissen Kriterien und eines der wichtigsten ist, wie viele andere Leute derjenigen Person einen hohen Status zusprechen. Das ist schon deswegen ein wichtiges Kriterium, weil es gerade wenn man auf eine unbekannte Gruppe trifft wichtig ist, deren Struktur zu erkennen und das noch mehr als heute in einer prähistorischen Steinzeit, einfach weil es dort weit eher über Leben und Tod entscheiden konnte. Insofern fällt es uns auch schwer einen hohen Status zu ignorieren und wir werden bei Leuten, die eigentlich keine Macht haben, etwa berühmten Schauspielern oder Sängern nervös und wollen von ihnen gemocht werden.

I and people I’m close to all have our status boosted by membership in these various subgroups, while another random person has, in their perspective, the status of them and their friends boosted by similar means. This is like the paradox of most people thinking they’re above-average drivers: if different drivers are going for different things (speed, safety, considerateness, …) then it’s quite possible for most drivers to be above average by their own evaluation of what counts.

Subgruppen erlauben Statusaufbau und jeder hat die Chance in seinem Bereich etwas besonderes zu sein. Eigentlich ein schöner Gedanke. Aber auch ein Anlass für einiges an Zergliederung. Und natürlich auch ein guter Grund bestimmte Gruppen, denen man angehört mit Status aufzuladen und andere abzuwerten. Dass wäre es ja auch so ungefähr, was in den intersektionalen Theorien vorgeworfen wird: Weiße HeteroMänner sehen eben nur ihre Gruppe als mit Status behaftet an und daraus entsteht dann eben ein mehr an Status. Was allerdings nur der Fall ist, wenn genug Leute diese Einschätzung teilen.

Deswegen werden eben auch die „Opfergruppen“ gleich mit Status aufgeladen und in einer Hierarchie gesetzt: Sie haben Deutungshoheit, sie stehen oben, andere dürfen nicht mitspielen, sondern nur unterstützen, allenfalls Allies sein.

In general, feeling higher status is pretty good for you: it makes you healthier, happier, and you live longer. [2] So the ability of subcultures to produce new status opportunities out of nowhere seems really valuable, and something we should try to have more of.

Es kann sehr positiv sein, aber eben nur dann wenn es nicht in einen Krieg umgedeutet wird, wessen Gruppe mehr Anspruch auf den gruppenübergreifenden Status hat.

 

24 Gedanken zu “Parallele Statushierarchien und Status in Subgruppen

  1. Zu dem Thema kann man durchaus auch Bourdieu lesen. Bei ihm läuft der Statusbegriff unter »symbolisches Kapital«, und es gibt im Prinzip so viele Statushierarchien wie soziale Felder und »Kapitalsorten«. In den »Feinen Unterschieden« (seinem Hauptwerk) hat er das am Beispiel der französischen Gesellschaft detailliert untersucht (siehe die Grafik im verlinkten französischen Wikipedia-Artikel).

    Am wichtigsten ist die Unterscheidung zwischen dem aus ökonomischem Kapital abgeleiteten Status und dem »kulturellen Kapital« der Bildungseliten und generell des Bildungsbürgertums, die zueinander in Konkurrenz stehen, wobei die Fraktionen des Bildungskapitals gerne als »Moralunternehmer« auftreten.

    Mittlerweile ein Klassiker zum Thema, der auf Bourdieu aufbaut, ist Klaus Eders Aufsatz über das »Kleinbürgertum als Schlüssel einer Klassenanalyse in fortgeschrittenen Industriegesellschaften«.

    Intersektionale Opferhierarchien sind sozusagen eine Zuspitzung und Pervertierung dieses »kleinbürgerlichen Moralunternehmertums«.

    • Wäre die Frage, was »reine Hierarchie« ist: »Coolness« wird unter Intellektuellen (oder solchen, die sich dafür halten) sicher anders definiert als unter Arbeitern – das gilt analog auch für die Definition der Geschlechtsrollen: im klassischen Proletariat ist Mut und physische Stärke ein Attribut von Männlichkeit, während sie im Kleinbürgertum entweder mit Arbeitsfleiß und Disziplin assoziiert ist (konformistische »Klassenfraktion«), oder mit der bohèmehaften Regelübertretung (nonkonformistische »Klassenfraktion«, à la Andreas Baader), und in der Oberschicht eher mit der Ausübung von Macht (à la Strauss-Kahn).

      Ansonsten gelten im Kleinbürgertum eher Tugendhierarchien: konformistische und nonkonformistische, in beiden Fällen mit Affinität zur Moral und mit der Tendenz zur »Effeminierung«, die sowohl die physische Männlichkeit der Arbeiter als auch die selbstbewußte Männlichkeit der Inhaber von Machtpositiponen als »vulgär« bzw. »unmoralisch« zurückweist.

      Dementsprechend ist auch codiert, was jeweils als coolness gilt. Die physischen Attribute der Weiblichkeit lassen sich am Besten dort aufs Podest stellen, wo von ökonomischen Einschränkungen abstrahiert werden kann, also im gehobenen Bürgertum, die der Männlichkeit dort, wo sie für die Ökonomie noch direkte Relevanz besitzen, also unter einfachen Arbeitern. Die »Biologie« kommt also – überspitzt gesagt – am ehesten in der Affäre der Dame des Hauses mit ihrem Gärtner (oder dem »sizilianischen Zementmischer«) zur Geltung. Die weibliche Hypergamie derselben Dame, die sie den »Herrn des Hauses« hat heiraten lassen, folgt eher der Norm der standesgemäßen Heirat oder dem InteressenKalkül des Versorgtseins, aus dem wiederum die »Tochter des Hauses« ausbricht, wenn sie mit dem Gärtner durchbrennen will.

      • Die »Biologie« kommt also – überspitzt gesagt – am ehesten in der Affäre der Dame des Hauses mit ihrem Gärtner (oder dem »sizilianischen Zementmischer«) zur Geltung. Die weibliche Hypergamie derselben Dame, die sie den »Herrn des Hauses« hat heiraten lassen

        Es gibt also eine physische Hypergamie und eine kognitive. Ist die zweite die dominierende und die erste die fürs Amüsement?

        • @Werlauer:

          »Es gibt also eine physische Hypergamie und eine kognitive.«

          So könnte man das wohl formulieren. Worauf ich hinauswill ist, dass wir vorsichtig damit sein sollten, biologische Erklärungen anzusetzen, wenn Erklärungen aus Interessenlage hinreichend sind. Die »physische Hypergamie« hat, wenn ich das evolutionspsychologische Argument recht verstehe, ihren Ursprung darin, möglichst »gute Gene« auszuwählen. Das sagt aber noch nichts darüber aus, wie die Versorgung der Mutter-Kind(er)-Gruppe institutionalisiert wird, insbesondere dann nicht, wenn wir den Spruch »Alpha fucks, Beta bucks« gelten lassen.

          Unter den Rahmenbedingungen der menschlichen Kultur ist »Versorgung« ein ökonomisches Kalkül, das eine bewusste Reflektion auf variable Rahmenbedingungen erfordert (»Triebsteuerung« wäre inadäquat, weil unterbestimmt), wobei hier nicht nur individuelle Interessen ins Gewicht fallen, sondern auch die Gruppeninteressen des jeweiligen Verwandtschaftsverbands, die ihrerseits in einer ganzen Reihe von Aspekten (Sozialstatus, politische Macht, Erbfolge, kollektive Arbeitskraft) variabel sein können.

          »Ist die zweite die dominierende und die erste die fürs Amüsement?«

          Ich würde sagen: tendenziell ja, wobei der Grad der Freiheit zum »Amüsement« historisch variabel ist – Verbände etwa, die eine patrilineare Erbfolge sicherstellen »müssen«, nehmen ihre Familienmitglieder und insbesondere die Frauen stärker »in die Pflicht« als Verbände, die bilaterale Erbfolge zulassen.

          Die sexuellen Freiheiten westlicher Gesellschaften wurden m. E., bevor sie seit den 1960er Jahren endgültig zum Durchbruch kamen, jahrhundertelang durch die Entwicklung der bilateralen westlichen Familienform vorbereitet. In traditionellen islamischen Milieus beispielsweise ist das auch heute noch anders, insofern der Status der Töchter wesentlich davon abhängt, der Familie des Ehegatten einen männlichen »Stammhalter« zu gebären.

          • „Worauf ich hinauswill ist, dass wir vorsichtig damit sein sollten, biologische Erklärungen anzusetzen, wenn Erklärungen aus Interessenlage hinreichend sind“

            Das eine schließt das andere nicht aus. Interessenlagen können ja schließlich Evolution bewirken

          • @djadmoros

            du schreibst ja:
            „Das sagt aber noch nichts darüber aus, wie die Versorgung der Mutter-Kind(er)-Gruppe institutionalisiert wird, insbesondere dann nicht, wenn wir den Spruch »Alpha fucks, Beta bucks« gelten lassen.
            Unter den Rahmenbedingungen der menschlichen Kultur ist »Versorgung« ein ökonomisches Kalkül, das eine bewusste Reflektion auf variable Rahmenbedingungen erfordert“

            Aber Versorgung des Kindes war schon immer wichtig. Jemanden auszusuchen, der das sicherstellt wäre evolutionär vorteilhaft. Insofern können Ressourcen eben jemanden als guten Partner erscheinen lassen, was sie dann auch logisch sind. Wobei dir Logik ja häufig gar nicht so unbedingt so logisch ist: Einen reichen Mann zu heiraten, der ansonsten nicht zu einem passt oder den man ansonsten nicht so interessant findet, führt ja nicht unbedingt zu einem glücklichen Leben

          • Seit wann ist „glückliches Leben“ ein evolutionärer Vorteil?
            Ich wittere hier kulturelle Konstrukte und HÄRESIE! 😉

          • @Christian:

            »Aber Versorgung des Kindes war schon immer wichtig. Jemanden auszusuchen, der das sicherstellt wäre evolutionär vorteilhaft.«

            Das ist richtig. Aber wie definiert die Evolution »Ressourcen«? Primär ist das natürlich Nahrung. Nehmen wir das Beispiel der Schimpansen und Bonobos. Bei den Schimpansen gibt es eine starke und aggressive Konkurrenz um die Weibchen, bei den Bonobos nicht. Die Schimpansen leben in einer ökologischen Nische der Nahrungskonkurrenz, die Bonobos in einer »Überflußgesellschaft«. Bei den Schimpansen hat die Konkurrenz um Nahrungsressourcen folglich einen hohen evolutionären Stellenwert, bei den Bonobos einen geringen. Beide Arten sind an ihre jeweilige Nische evolutionär angepasst. Bei den Schimpansen macht es Sinn, Zugang zu Nahrungsressourcen an die körperlichen und Verhaltensmerkmale zu knüpfen (Stärke und Aggressivität), bei den Bonobos nicht.

            Wie ist das nun beim Homo Sapiens? Die Nahrungsversorgung ist über die Unterscheidung von Jagen und Sammeln geschlechtsspezifisch ausdifferenziert (wobei Frauen auch Kleintiere jagen). Für die Großtierjagd ist aber nicht mehr ausschließlich Stärke und Aggressivität relevant, sondern Planung und Kooperation, also soziale und Intelligenzleistungen. Planung und (ausgehandelte) Kooperation sind nun aber Kulturleistungen, d. h. über sprachliche Kommunikation vermittelt, und sie ermöglichen eine Flexibilität, die die für evolutionäre Anpassung erforderlichen Zeitspannen unterläuft.

            Das heißt: die Anpassung des Homo sapiens an klimatisch und ökologische stark unterschiedliche Lebensumwelten mit unterschiedlicher Flora und Fauna noch im Paläolithikum erfolgt auf Basis nicht mehr evolutionärer, sondern kultureller Anpassung (unbeschadet einer genetischen Diversifizierung als Folge der kulturellen Anpassung). Anders als bei den Schimpansen und Bonobos gibt es nicht mehr nur eine ökologische Nische, an die die Verhaltensweisen der Art angepasst (bzw. anpassbar) sein müssen, sondern eben so viele, wie der Globus eben hergibt.

            Nun ist der Stärkste und Aggressivste nicht mehr notwendigerweise auch der Hellste, und wesentliche Kulturleistungen können auch von den »Betas« erbracht werden. Dass eine Unterscheidung wie »Alpha fucks und Beta bucks« überhaupt denkbar wird, hat mit dieser Auskoppelung der Versorgungsfunktion aus den biologisch signalisierten individuellen Eigenschaften zu tun, die zwar ein Endprodukt der Hominisation als eines evolutionären Vorgangs ist, aber den Mechanismen des kulturellen Lernens fortan das Feld überlässt.

            Schon in der Altsteinzeit, aber vollends mit dem Übergang zu Ackerbau und Viehzucht wird »Versorgung« daher zu einem rationalen ökonomischen Kalkül. Überspitzt gesagt: wäre die Versorgungsfunktion immer noch starr an die sexuelle Attraktion gekoppelt, wären alle Bauern/Viehzüchter fett und kinderlos und die meisten Kinder unterversorgte Halbwaisen, weil sich die Mütter mittlerweile verstorbene Krieger als Väter ausgesucht und von ihnen die Versorgung erwartet hätten. Und die »Betas« hätten gesagt: »Nicht mein Kind? Nicht mein Schnitzel!«

            Das heißt: für den evolutionären Erfolg des Homo sapiens (kulturelle Evolution nunmehr im Begriff inkludiert) war maßgeblich, die Versorgungsfunktion aus der »Biologie« auszukoppeln.

          • „Wie ist das nun beim Homo Sapiens? Die Nahrungsversorgung ist über die Unterscheidung von Jagen und Sammeln geschlechtsspezifisch ausdifferenziert (wobei Frauen auch Kleintiere jagen). Für die Großtierjagd ist aber nicht mehr ausschließlich Stärke und Aggressivität relevant, sondern Planung und Kooperation, also soziale und Intelligenzleistungen. Planung und (ausgehandelte) Kooperation sind nun aber Kulturleistungen, d. h. über sprachliche Kommunikation vermittelt, und sie ermöglichen eine Flexibilität, die die für evolutionäre Anpassung erforderlichen Zeitspannen unterläuft.“

            und du meinst fähigkeiten zur Kooperation lassen sich nicht abstrakt bestimmten und darauf selektieren? Du liest doch hier schon lange mit.
            Kooperation lässt sich mit Intelligenz, Wortgewandtheit, Ruf, den tatsächlichen Kooperationen die er real hat, der Eingebundenheit in eine statushohe Gruppe und die Bewertung seiner Freunde natürlich erfassen. Und natürlich kann man auch schlicht auf das Ergebnis abstellen: Was bringt er nach Hause, wie viele Ressourcen besorgt er real.

          • @Christian:

            »Einen reichen Mann zu heiraten, der ansonsten nicht zu einem passt oder den man ansonsten nicht so interessant findet, führt ja nicht unbedingt zu einem glücklichen Leben«

            Na, was glaubst Du denn, warum die Kulturgeschichte voll von tragischen Liebesgeschichten ist? 🙂

          • @Christian:

            »Weil Leute bestimmten Biologischen Grundsätzen folgen, die für die Steinzeit evolviert sind.«

            Die aber trotzdem in Konflikt mit kulturellen Anpassungserwartungen stehen. Sonst gäbe es ja kein Potenzial für Tragik. Nirgends wird die ambivalente Positionierung des Menschen zwischen Natur und Kultur so deutlich sichtbar wie in den Liebesdramen! Höchstens noch in den Versuchen, die Natur radikal im Zölibat zu überwinden, die mindestens in Christentum und Buddhismus eine zentrale Rolle spielen.

          • @Christian:

            »Kooperation lässt sich mit Intelligenz, Wortgewandtheit, Ruf, den tatsächlichen Kooperationen die er real hat, der Eingebundenheit in eine statushohe Gruppe und die Bewertung seiner Freunde natürlich erfassen. Und natürlich kann man auch schlicht auf das Ergebnis abstellen: Was bringt er nach Hause, wie viele Ressourcen besorgt er real.«

            Ja natürlich! Aber alles das bekommt auch der Beta hin, dazu braucht es keine Alphas mehr. Bzw. genau darum bewohnen die Betas ihre eigene Werteskala, auf die sie unabhängig von den Alphas »ranken«. Diese Differenzierung der Werteskalen ist ja gerade das Resultat des Abkoppelungsprozesses, den ich oben skizziert habe.

          • „Ja natürlich! Aber alles das bekommt auch der Beta hin, dazu braucht es keine Alphas mehr“

            Der Alpha hat ja noch andere Vorteile. Er ist meistens der Anführer einer Kooperationsgruppe und erhält aus dieser damit eine hohe Unterstützung.

            “ Bzw. genau darum bewohnen die Betas ihre eigene Werteskala, auf die sie unabhängig von den Alphas »ranken«. Diese Differenzierung der Werteskalen ist ja gerade das Resultat des Abkoppelungsprozesses, den ich oben skizziert habe.“

            Ich denke der „intelligente Beta“ hat durchaus Vorteile, gerade weil er sich häufig auf weniger riskante Sachen einlässt. Er ist insofern ein gutes Mittelmaß. Was ja auch keine schlechte Wette ist. der Beta ist quasi die sichere Geldanlage, der Alpha die Technologieaktie, die vielleicht durch die Decke geht.

          • Natürlich ist neben die Biologische inzwischen auch eine kulturelle Evolution getreten, aber es spricht einiges dafür, dass sie sich nach den Gleichen Grundsätzen vollzieht (Stichwort Meme). Nur wesentlich schneller.

          • @El_Mocho:

            »Natürlich ist neben die Biologische inzwischen auch eine kulturelle Evolution getreten, aber es spricht einiges dafür, dass sie sich nach den Gleichen Grundsätzen vollzieht«

            Gegen das Konzept einer allgemeinen Evolution habe ich auch gar keine Einwände. Es setzt freilich voraus, dass man nicht starr auf die Erwartung biologischer Mechanismen abonniert bleiben darf, weil es dann eben auch eine »protobiologische« und eine »postbiologische« Evolution gibt.

            Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Christian seinen eigenen Blogtitel »Alles Evolution« nicht konsequent ernst nimmt, insofern er in der Praxis überwiegend nach dem Prinzip »Alles biologische Evolution« argumentiert.

  2. Guter Text, aber das Beispiel ist zu biodeterministisch.

    Status ist etwas, das subjektiv ist. Hoher Status hat, wer in den jeweils wichtigen Dingen der betroffenen Gruppe gut ist. Ein Banker wird von Linken verächtlich angesehen und hat dort geringen Status. Insofern ist das Rockmusiker-vs-Politiker-Beispiel nur die halbe Wahrheit, da es hier eine falsche Messbarkeit impliziert. Also, man kann die Metrik anwenden. Ist aber irreführend.

    Das kann dann auch bedeuten, dass ein Beta in der einen Gruppe ein Alpha in der anderen sein kann. Und genau dies steht im Widerspruch zu dem hier immer wieder propergiertem universellen Ranking.

    Das ist auch der Punkt, wo der hier jetzt nicht genannte Gad Saad mit seiner Sneaky Fucker Theorie irrt. Die männlichen Linken oder Feministen sind nicht (primär) niedrigrangige Männer, die sich einschleichen, sondern sie sind nur oft niedrig in der von ihm verwendeten Metrik, nicht aber in der hier bei der Gruppe relevanten Metrik.

    • @Blub

      Ich finde ebenfalls, dass es ein „universelles ranking“ von attraktiven Statusmerkmalen eher weniger geben kann, da es ein nach gesellschaftlichen Gruppen differierendes Wertesystem gibt und diese Gruppen daher unterschiedliche Merkmale unterschiedlich *gewichten*, also ranken.

      Auf der anderen Seite ist die Auflösung in reinen Subjektivismus auch nicht angebracht. „Ein Banker wird von Linken verächtlich angesehen und hat dort geringen Status.“ – wahrscheinlich korrekt, allerdings mit einem objektiv höheren ökonomischen Status versehen als die meisten linken Männer.
      At the end of the day und zweckrational gedacht, macht ihn das unter dem Gesichtspunkt der Versorgung durchaus attraktiv.

      Dass die immer bemühten Kriterien: Beruf, Einkommen, Bildung den sozialen Status einer Person beschreiben heißt nicht, die Metrik könnte nicht auch verfeinert und auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen bezogen werden.

  3. „Ein Banker wird von Linken verächtlich angesehen und hat dort geringen Status.“

    Bei den Linken als politische Interessensgruppe ja. Gilt das aber auch für die Frauen dieser Interessensgruppe?
    Ich bin mir da nicht so sicher. Frauen reden meiner Erfahrung nach gern „Weiß“ und denken „Schwarz“.
    Oder, der Banker ist genau so lange für eine Linke der Klassenfeind, wie er für sie unerreichbar ist.
    Ist er aber erreichbar, sind ihre politischen Überzeugungen nachrangig.

    „Das kann dann auch bedeuten, dass ein Beta in der einen Gruppe ein Alpha in der anderen sein kann.“

    Das ist richtig, ändert aber nichts an den weiblichen Präferenzen. Kriegt sie den Banker nicht, dann gibt es da noch den erfolgreichen Rockmusiker, oder den erfolgreichen Kleinunternehmer.
    Es ist eben wie auf jedem Markt. Nur sind hier die Angebote immateriell. Eine „10“ hat freie Auswahl und angelt sich den Banker, oder die Selfmade-Milliardär, der Rest guckt sich unter den übrigen Angeboten um. Aber IMMER versucht eine Frau, sich einen Alpha zu fischen, wenn er in ihrer Preisklasse erreichbar ist.
    Eine genetische Programmierung hat immer Vorrang vor kulturellen Erwartungen.

  4. @Carnofis

    „Oder, der Banker ist genau so lange für eine Linke der Klassenfeind, wie er für sie unerreichbar ist.
    Ist er aber erreichbar, sind ihre politischen Überzeugungen nachrangig.“

    Das wäre dann aber DIE Linke (weiblich).
    Ich würde fast sagen, DER Linke ist ist für Korruption derzeit unempfänglich, weil es DIE Korrumpierende nicht in ausreichender Anzahl gibt. 😉

    „Es ist eben wie auf jedem Markt. Nur sind hier die Angebote immateriell. Eine „10“ hat freie Auswahl und angelt sich den Banker, oder die Selfmade-Milliardär, der Rest guckt sich unter den übrigen Angeboten um. Aber IMMER versucht eine Frau, sich einen Alpha zu fischen, wenn er in ihrer Preisklasse erreichbar ist.“

    Das ist so nicht richtig. Eine „10“ ist immer MATERIELL. Und die Moden für das, was als 10 *gilt*, ändern sich jedes Jahr. 5% aller Frauen gelten als überdurchschnittlich schön – darin ist alles zwischen 7,5-10 enthalten, aber nur für 2,5% aller Männer trifft dieses ranking zu.
    Preisfrage: Welches Geschlecht hat etwas zu gewinnen bei diesem lustigen ranking?
    Unter dem 95% aller Frauen und 97,5% aller Männer nur verlieren können.
    Lass und raten…

    Wenn „Incels“ meinen, sie wären genetisch „inferior“, sollte man sich einmal über die Dimension der männlichen „Verlierer“ in diesem System klar werden.
    80% aller Frauen stehen auf 2,5% aller Männer.
    Uhhhh, da wird „irgendwer“ verlieren bei diesem Preiskampf.
    Ebenso, wenn 80% aller Männer auf 5% aller Frauen abfahren.
    Im Zeitalter der Monogamie werden wohl 77,5% aller Frauen und 75% aller Männer sehr, sehr, sehr enttäuscht werden. Die unglaublichen Unterschiede zwischen diesen Prozentzahlen erkläre ich immer durch die unmöglich zu erfüllenden Standards des Patriarchats.

    Für all diese unbefriedigten Eierstöcke habe ich hier einen Trost:

    Für die testosterongeschwängerten Penisträger von Phallus habe ich auch einen Trost:

    Es hat nichts mit ihrer Sexualität zu tun, aber ich weiß, die Penisträger von Phallus werden das Lied mögen, weil es großartig ist. 🙂

    Subcomandante crumar

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