Parallele Statushierarchien und Status in Subgruppen

Ein interessanter Text behandelt parallele Statushierarchien:

A standard view of status is that it’s fundamentally zero sum: we’re all on one continuum, and what matters is our rank order. Switching into a more prestigious occupation can be good for you as an individual by raising your status, but all the people you’re now higher status then are very slightly worse off such that it’s neutral for society overall.

Status works because of consensus: if there are a hundred people in a village each one can’t think they’re the highest status villager. But it only requires local consensus: if the villagers have a model of status that goes:

  highest status villager
  > lowest status villager
  > outsiders

that’s more or less going to work fine for them. And every other village can have the same view, which means everyone can be near the top of the status hierarchy that’s salient to them.

Similarly, this works for subcultures. Consider:

  highest status birder
  > lowest status birder
  > non-birders

Or:

  highest status contra dancer
  > lowest status contra dancer
  > non-dancers

In der Tat: um so komplexer die Gesellschaft an sich und um so größer die Gruppe, um so mehr Platz besteht für eigene Subgruppen, die ihre eigene Form von Status aufbauen können. Man kann dadurch auch in verschiedensten Gruppen eine andere Form von Status haben, etwa am Arbeitsplatz eine relativ untergeordnete Position, aber in seinem Freundeskreis eine sehr hohe.

Ich hatte hier schon mal ein Beispiel dazu gebracht:

Unsere Bewertungen von sozialen Status sind nicht auf die heutige Mediengesellschaft ausgerichtet. Sie sind in vergleichsweise kleinen Gruppen von schätzungsweise um die 200 Leuten entstanden, in der sozialer Status wesentlich persönlicher ist.

Ein Beispiel wäre der Sänger einer Hinterhofrockband bei einem Konzert mit 500 Leuten in einem kleinen Saal. Bringt er die Menge zum kochen, dann steigt sein sozialer Status, weil alle Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist, er zu den Leuten spricht (singt), sie evtl. begeistert wiederholen was er sagt (mitsingen) und er Handlungen der Gruppe vorgeben kann und den Ablauf bestimmt. Die Leute versammeln sich, um ihn zu sehen, was seinen Status wachsen lässt.

Ein Politiker hingegen mag wesentlich mehr Macht haben, gleichzeitig aber ist er häufig auch erheblicher Kritik ausgesetzt, die Macht erscheint weit weniger auf den konkreten Menschen bezogen, weil deren Reaktionen wesentlich neutraler sind, er befindet sich im ständigen Konflikt mit anderen Anführern, was wiederum seinen subjektiven Status anders erscheinen lässt. Der gleiche Politiker würde wieder anders wahrgenommen werden, wenn die jeweilige Person ihn bei der konkreten Machtausübung innerhalb der Partei wahrnimmt, insbesondere wenn er dort auf Gleichgesinnte trifft, die ihn feiern.

Natürlich gibt es auch Status außerhalb der eigenen Gruppe oder schlicht größere Gruppen, in denen der Status allgemeiner ermittelt wird:

These status hierarchies aren’t the only way people view the world; even someone who spends their whole social life immersed in birding or contra dancing will still think of a senator or movie star as being pretty high status. They seem to act like an overlay on top of the global status system. For example, if I’m at a contra dance then status from my perspective might be global status + contra status while if I’m talking about EA online it might be global status + EA status. [1]

Wir erfassen eben auch Status nach gewissen Kriterien und eines der wichtigsten ist, wie viele andere Leute derjenigen Person einen hohen Status zusprechen. Das ist schon deswegen ein wichtiges Kriterium, weil es gerade wenn man auf eine unbekannte Gruppe trifft wichtig ist, deren Struktur zu erkennen und das noch mehr als heute in einer prähistorischen Steinzeit, einfach weil es dort weit eher über Leben und Tod entscheiden konnte. Insofern fällt es uns auch schwer einen hohen Status zu ignorieren und wir werden bei Leuten, die eigentlich keine Macht haben, etwa berühmten Schauspielern oder Sängern nervös und wollen von ihnen gemocht werden.

I and people I’m close to all have our status boosted by membership in these various subgroups, while another random person has, in their perspective, the status of them and their friends boosted by similar means. This is like the paradox of most people thinking they’re above-average drivers: if different drivers are going for different things (speed, safety, considerateness, …) then it’s quite possible for most drivers to be above average by their own evaluation of what counts.

Subgruppen erlauben Statusaufbau und jeder hat die Chance in seinem Bereich etwas besonderes zu sein. Eigentlich ein schöner Gedanke. Aber auch ein Anlass für einiges an Zergliederung. Und natürlich auch ein guter Grund bestimmte Gruppen, denen man angehört mit Status aufzuladen und andere abzuwerten. Dass wäre es ja auch so ungefähr, was in den intersektionalen Theorien vorgeworfen wird: Weiße HeteroMänner sehen eben nur ihre Gruppe als mit Status behaftet an und daraus entsteht dann eben ein mehr an Status. Was allerdings nur der Fall ist, wenn genug Leute diese Einschätzung teilen.

Deswegen werden eben auch die „Opfergruppen“ gleich mit Status aufgeladen und in einer Hierarchie gesetzt: Sie haben Deutungshoheit, sie stehen oben, andere dürfen nicht mitspielen, sondern nur unterstützen, allenfalls Allies sein.

In general, feeling higher status is pretty good for you: it makes you healthier, happier, and you live longer. [2] So the ability of subcultures to produce new status opportunities out of nowhere seems really valuable, and something we should try to have more of.

Es kann sehr positiv sein, aber eben nur dann wenn es nicht in einen Krieg umgedeutet wird, wessen Gruppe mehr Anspruch auf den gruppenübergreifenden Status hat.