Rechts, Links und die Frage wie anstrengend politische Haltungen sind

Sophie Passmann schreibt über die Anstrengungen einer linken politischen Einstellung:

Ich bringe es leider nicht übers Herz, konservativ zu sein. Würde ich das schaffen, wäre mein Leben sehr viel einfacher, denn mir wäre allein schon die Parteimitgliedschaft bei der SPD erspart geblieben und damit auch unendlich viel Kummer im letzten Jahr.  Dabei habe ich in meinem Leben immer wieder ernsthafte Versuche unternommen, konservativ zu werden, allein aus arbeitsökonomischen Gründen. Wer konservativ ist, spart sich nämlich langfristig den anstrengenden Versuch, die Gesellschaft verändern zu wollen

Als Liberaler stehe ich ja irgendwie zwischen diesen beiden Lagern, finde dieses Schwarz-Weiß-Malen aber wenig durchdacht und selbstbeweihräuchernd. Denn Konservative wollen ja durchaus auch die Gesellschaft verändern, sie zB weniger Links und konservativer machen.

Rechts = leicht

Konservative leben den beneidenswerten Geisteszustand der Zufriedenheit. Sie schauen sich um auf dem Schlachtfeld der Postmoderne und denken sich: „Nett hier! Genau so soll das bitte für die nächsten 100 Jahre bleiben!“ Der Kern dieser niedlichen politischen Haltung ist es, die Sachen wirklich prima zu finden, wie sie sind. Veränderungen, die wirklich nicht vermeidbar sind, packen sie watteartig in gemächliche Politik, sodass der Wandel fast gar nicht wehtut.

Nimmt man als Rechts beispielsweise die AFD dann könnten ja die Linken eigentlich ganz erleichtert sein. Sie wollen gar keine Veränderungen, es kann also gar nicht schlimmer werden, es bleibt höchstens so.

Links = anstrengend

Linkssein ist im Gegensatz dazu ein unheimlich anstrengender Geisteszustand, denn man blickt auf die Welt um einen herum mit dem Wissen, dass sich mit der richtigen Politik vieles zum Besseren wandeln könnte. Diese Einsicht ist der erste Schritt ins Verderben, denn spätestens ab dann ist Zufriedenheit eigentlich unmöglich. Die Einsicht, Herr über die eigenen Lebensumstände zu sein, ist eine Arbeitsanweisung, die man als Linker fast nicht ignorieren kann.Diese Rastlosigkeit ist im Kern gut, kann aber schnell zu politischem Burn-out führen, denn am Ende ist es fast egal, wie schnell der Wandel passiert, die Linken wissen, dass er noch schneller ginge. Wie tief die Zerrüttung werden kann, die daraus resultiert, lässt sich im Moment wunderbar bei der SPD ablesen. Keine andere Partei ist in den letzten Jahren so gut darin gewesen, die eigenen politischen Errungenschaften rein aus schlechtem Gewissen komplett zu ignorieren. Was von außen aussieht wie arbeitsame Bescheidenheit, ist in Wahrheit Selbsthass.

Das kann man natürlich leicht umdrehen: Die Linken haben es einfach, sie können ignorieren, was klappt und mit ihrem einfachen Weltbild einfach einen Sündenbock bestimmen, der sich ändern muss, sei es der Kapitalist oder neuerdings der weiße, heterosexuelle Mann. Eine enorm einfache Sicht, in der man nicht mehr nachdenken muss, allenfalls darüber wie man möglichst viel Virtue Signalling betreiben kann. Da sie sich in einem ewigen Kampf wähnen brauchen sie keine Erfolge, der Weg reicht.

Wäre ähnlich schlicht wie die Sicht oben, eben auf ein Klischee linker und bürgerlicher Politik bezogen.

Sozialdemokratischer geht immer

Denn egal wie groß die Steuerentlastung und wie hoch der Mindestlohn ist, der da durchgesetzt wurde, es geht immer noch sozialdemokratischer.

Es geht auch immer noch konservativer.

 

Stellen Sie sich vor, die Union hätte als kleinerer Koalitionspartner ein Kernprojekt wie den Mindestlohn quasi im Alleingang durchgedrückt. Jens Spahn und Andi Scheuer hätten bis heute einen Tennisarm, weil sie sich den ganzen Tag lang gegenseitig auf die Schulter klopfen müssten. Die SPD wiederum führt seit der Einführung des Mindestlohns die leidenschaftliche Debatte, ob der Mindestlohn hoch genug ist. Diese Debatte ist langfristig natürlich wertvoll, denn sie ist der Antrieb für noch gerechtere Politik. Während die Union quasi besoffen durch eine Legislatur nach der nächsten taumelt, stolpert die SPD hinterher, von Selbstzweifeln zerfressen. Was von außen dann aussieht wie eine Sinnkrise, ist eigentlich nur berechtigter Zweifel an der eigenen Methode.

Wer ist eigentlich die letzen Legislaturperioden mit der CDU in der Koalition gewesen? Und das es in der CDU nicht gärt, dass ihre Wählerschaft sich nicht teilweise einer anderen Partei zugewandt hat, dass kann man ja auch nicht sagen. Merkel schirmt es eben gegenwärtig noch ab.

Die SPD hadert nicht mit dem eigenen Sinn, sie ist nur getrieben von der panischen Angst, nicht eine Sekunde die eigenen Erfolge feiern zu dürfen. Wer wissen möchte, was genau an der sozialdemokratischen Politik in welchen Details komplett falsch gelaufen ist, muss keinen Kommentar eines SPD-kritischen Journalisten lesen, ein Besuch auf einem SPD-Parteitag reicht völlig. Das ist deprimierend und traurig, und am Ende ist es auch nicht zielführend. Es wäre wirklich so viel einfacher, konservativ zu sein. Aber ich bringe es einfach nicht übers Herz.

Es scheint mir recht einfach bei der SPD zu sein: Einfach weiblicher werden, eine Nahles an die Spitze, endlich eine Frau! Und ansonsten weitaus eher alles so lassen wollen, denn die Politik ist ja gegenwärtig in vielen Bereichen eher links.

Linke und bürgerliche Parteien so einfach abzugrenzen ist mehr ein sich selbst auf die Schulter klopfen: Wir haben es eben schwerer, die anderen haben es einfach. Nur dass das Gras eben immer grüner auf der anderen Seite ist.

121 Gedanken zu “Rechts, Links und die Frage wie anstrengend politische Haltungen sind

  1. Jaja, das Wissen, wie man die Welt besser machen kann, ist schon anstrengend.
    Jeden Morgen aufzuwachen, jeden Abend ins Bett zu gehen, mit dem Gedanken „Wieso hat Gott mich nicht gefragt? Ich weiß das doch!“, das ist schon anstrengend.

    Wäre ich Psychologe, würde ich mich fragen, was sie davon hat.

  2. Hab den Quatsch nur angelesen. Huch ich bin Opfer weil ich links bin, huch. Und nach dem Satz bin ich raus.
    „Linkssein ist im Gegensatz dazu ein unheimlich anstrengender Geisteszustand, denn man blickt auf die Welt um einen herum mit dem Wissen, dass sich mit der richtigen Politik vieles zum Besseren wandeln könnte.“
    Denn das Problem ist, sie glauben sie kennen richtige Politik. Nein, sie ist keine Linke, sie ist doof! Sie hat nicht mal links und rechts kapiert.

    • @Kai

      Ja, es ist blöd – sie feiert einen „Wandel“, etwas „zum Besseren“ zu verändern, ohne ein Ziel vorzugeben, an dem sich dies zu messen hätte.
      Als wäre „Wandel“ per se gut oder links.
      Das „alles so bleibt, wie es ist“, würde den Kampf gegen Klima*wandel* damit zu einem konservativen Anliegen machen.

      • Ja, es ist blöd – sie feiert einen „Wandel“, etwas „zum Besseren“ zu verändern, ohne ein Ziel vorzugeben, an dem sich dies zu messen hätte.
        Als wäre „Wandel“ per se gut oder links.

        Aber aber aber… Progressiv ist doch gut! Hat mir meine Kindergartentan, äh, Kinderbetreuungsperson, so erklärt!!

        • @pingpong

          Es ist so schade, dass es die alten „Titanic“-Redakteure nicht mehr gibt, sondern die Polit-Clowns das Kommando übernommen haben.

          „Progressiv“ als eingedeutschtes US-„progressive“ wird verwendet seit: „The progressive era, which began in the 1890s and ran through the 1920s, started as a series of local political movements, made up of individuals frustrated by some of the nastier byproducts of the Industrial Revolution: poor working conditions, corrupt political machines, and an increasing concentration of wealth.
          Like many modern-day progressives, the reforms they pursued were populist in nature and aimed to help ordinary people.
          (…)
          Presidents Teddy Roosevelt, a Republican, Taft, a Republican, and Wilson, a Democrat, were all progressive leaders. They fought for a meritocratic civil service system, child labor laws, eight-hour workdays, workers compensation and women’s suffrage. Each of these reforms likely still appeals to modern liberal progressives, but many are valued just as much by blue-collar Republicans.“
          http://www.latimes.com/opinion/opinion-la/la-ol-rudolph-progressive-trump-sanders-20171211-story.html

          Die politische Zuordnung, wonach die Demokraten in den USA automatisch und durchgängig „progressive“ gewesen wären, ist demnach nicht korrekt.
          Ebenso, „progressive“, reformerische Maßnahmen wären automatisch Ausdruck eines „linken“ Bewusstseins.
          Das „fortschrittliche“ am „progressiven“ bemaß sich am „they fought for“, also an den *politischen Zielen* dieser angestrebten Reformen, die bestehende gesellschaftliche Ungerechtigkeiten überwinden oder einschränken wollten.

          Sich das Label „progressiv“ anzuheften, ohne klar den *Bezug* auf gesellschaftliche Umstände und politische *Ziele* zu benennen, ist unpolitische Selbstbeweihräucherung. Henscheid und andere hätten dies berechtigt „Dummdeutsch“ genannt.

          „DUMMDEUTSCH nannten sich in den 1980er Jahren zwei Wörtersammlungen, die bissige Sprachkritik betrieben. Ziel der beiden Bände war es, die „schleichende Verhunzung“ der Sprache, das „verbale Imponiergewurstel“ und das „Verschleierungsdeutsch“ in Politik und anderen Bereichen offenzulegen. Die deutsche Sprache der vorangegangenen Jahre habe sich demnach dadurch ausgezeichnet, dass sie markant „dumme“, also überflüssige, unlogische oder verschleiernde Wörter und Floskeln generiert habe, und zwar sowohl in Form von Neuverwendung als auch von Neuprägung.“ Wikipedia, Hervorhebung von mir

  3. Man kann es kurz fassen: Jeder, der behauptet, er oder seine Partei könnten die Welt besser machen, ist ein Betrüger, ein Volksverführer, ein Scharlatan, ein Rattenfänger von Hameln.

    • Und was bitteschön sollte dann das Motiv sein, um sich politisch zu engagieren, wenn man nicht glaubt, dass man irgendwas verbessern kann? Es muss ja nicht gleich die ganze Welt sein. So im Kleinen etwas verbessern verbessert ja auch die Welt so ein klein wenig.
      Das war wieder mal ein Reflex von wikimannia ohne nachzudenken. Welt + verbessern hat dermassen getriggert, so dass das Denkorgan abschaltete.

        • Das Zeug am Laufen zu halten erfordert ständig Korrekturen. Schön, wenn das zu Verbesserungen führt. Ist aber leider nicht immer vorhersehbar. Die Phrasen „Stillstand ist Rückschritt“, oder „Was von allein läuft, läuft bergab“ haben schon ihre Berechtigung.

          • Mir sind Politiker lieber, denen bewusst ist, dass die Auswirkungen ihrer Eingriffe sehr häufig nicht vorhersehbar sind, und deswegen „Es wird nicht schlimmer“ als „das ist ziemlich gut“ wahrnehmen, als solche, die davon überzeugt sind, dass ihre radikalen Änderungspläne selbstverständlich Utopia herbeiführen werden.

          • @only: Mir sind Politiker lieber, denen bewusst ist, dass die Auswirkungen ihrer Eingriffe sehr häufig nicht vorhersehbar sind

            Finde ich gut!

            und deswegen „Es wird nicht schlimmer“ als „das ist ziemlich gut“ wahrnehmen

            Warum ist die Einschränkung auf „es wird nicht schlimmer“ besser als z.b. eine ergebnisoffene, flexible Haltung, welche sowohl Nach- als auch Vorteile eines Eingriffs im Blick hat? Dann könnte man nicht nur unvorhergesehene negative Ergebnisse abwehren, sondern auch unvorhergesehene positive Ergebnisse verstärken oder weiter ausbauen.

          • @pingpong

            es ging mir um den Kontrast zur „Ich will und kann alles besser machen“ Uschi.

            Deswegen der Komparativ anstelle des Superlativs: „…sind mir lieber…“

            Wenn Asophie nicht mal in der Lage ist, die negativen Auswirkungen ihrer Ideologie auch nur wahrzunehmen, ist das der erste Programmpunkt.
            Dass dann eine evolutionäre statt revolutionäre (wie Schoppe es unten ausdrückt) Politik der eigentlich wünschenswerte Zustand ist, kommt danach.

          • @only: Ja verstehe, Zustimmung!

            Wenn Asophie nicht mal in der Lage ist, die negativen Auswirkungen ihrer Ideologie auch nur wahrzunehmen, ist das der erste Programmpunkt.

            Die Entkoppelung von Ursache und Wirkung, z.b. Politiker treffen Entscheidungen, deren Konsequenzen sie aber selber NICHT tragen müssen, ist m.M.n. ein großes Problem unserer Zeit.

          • @pingpong

            „skin in the game“ entwickelt sich grad zum Schlagwort. Das wird anscheinend weltweit als Defizit wahrgenommen.

          • „Die Entkoppelung von Ursache und Wirkung, z.b. Politiker treffen Entscheidungen, deren Konsequenzen sie aber selber NICHT tragen müssen, ist m.M.n. ein großes Problem unserer Zeit.“

            Das war es schon immer. Ein viel größeres Problem ist m.M.n. dass kaum noch einer die Eier hat, klare Worte zu finden, oder mutige Entscheidungen zu treffen und stattdessen auf die Befindlichkeiten aller möglichen Weicheier Rücksicht genommen wird. Bei jeder Aussage wird krampfhaft gesucht, ob sich nicht ein Anlass zur Empörung bietet. Die „freie“ Presse trägt ihren Teil dazu bei.

          • @only: „skin in the game“ entwickelt sich grad zum Schlagwort. Das wird anscheinend weltweit als Defizit wahrgenommen.

            Sehr schön, mehr skin in the game kann nicht schade. Nassim Taleb ist zwar ein ziemlicher Rabauke, schreibt aber durchaus interessante Sachen.

      • Es ist immer dasselbe, die Mittelmäßigen und Idioten rotten sich zu sammen und beschließen, dass der Intelligente dumm ist. Es ist immer und immer wieder dasselbe! Auf die Idee, dass man sich politisch auch engagieren kann, um einfach ein Land „am Laufen zu halten“, kommen diese geistigen Limbo-Tänzer nicht. Ein anderes Motiv, sich politisch zu engagieren, ist, dass sich dort nicht die Dummen ausbreiten und alles engagieren. Während Sie noch mit ihrem linken Hochvakuum hantieren, habe ich einen Gedanken schon zu Ende gedacht!!! Dumme aller Länder, vereinigt Euch!

        • „Dumme aller Länder, vereinigt Euch!“

          Ist das jetzt die Essenz aus dem Vorherigen?
          Ich versteh nicht ganz, worauf Du hinauswillst.

  4. „Diese Debatte ist langfristig natürlich wertvoll, denn sie ist der Antrieb für noch gerechtere Politik.“
    Ja wir mache die Politk hundert mal gerechter als gerecht wir machen sie gerechterererererererer

    Beispiel Mindestlohn:
    in augen der SPD ist gerechter = höher
    Dann erhöhen wir solange bis er bei mindestens 12.50€/h für Hilfstätigkeiten ist, dass sich der Facharbeiter dann die Frage stellt warum er nach 3 Jahren Ausbildung + Weiterbildung nen anstrengenden Job für 20-25€/h (=42.000-52.000 € jahres brutto) macht, wenn man fürs Schule abbrechen und ne Hilfstätigkeit mindestens die hälfte bekommt?
    Und der Arbeitgeber fragt sich warum er jemandem 12.50 €/h fürs hof kehren/rasenmähen u.ä. zahlen soll wenn es für 1000€ nen Roboter gibt der das genausogut machen kann.

    • Auf was ich raus will:
      „Gerechter“ gibt es nicht.
      und ob etwas Gerecht ist, ist immer immer eine sache des Blickwinkels
      Auch Ungleichheit kann gerecht sein.

      • Rein rechnerisch müssen unsere Nachkommen die Rente von allen bezahlen die unter 11 Euro die Stunde verdienen.
        Das ist keine moralische Frage zwischen unterschiedlichen Arbeitnehmern ob der Mindestlohn höher sein muss. Es ist eine moralische Frage zwischen der Gesellschaft und Betrieben die von der Gesellschaft leben.
        Jede Beschäftigung einer Arbeitskraft unter 11 Euro ist de facto eine Subvention unser Nachkommen des Unternehmens. Denn die müssen später die zu geringen Zahlungen in die Sozialsysteme auffangen.
        Übrigens sind die Löhne von Facharbeitern zu niedrig, wenn diese nur knapp über den für eine Rente notwendigen Mindestlohn liegen. Nicht andersrum. Wenn ein LKW-Fahrer nur 100 Euro mehr als ein Hartz IV Empfänger bekommt ist nicht etwa Hartz IV zu hoch sondern das Gehalt des LKW Fahres zu niedrig bzw. die Rendite des Unternehmens zu hoch. Der Reichtum ist ja da. Eine gerechtere Bezahlung für alle wäre möglich.

        TLDR: Ein Mindestlohn unter 11 Euro ist Ungerechtigkeit an der nächsten Generation

          • @ NutellaSalz

            Ich behaupte 8.84€ sind absolut gerechtfertigt als Mindestlohn.
            Denn nicht die Löhne sind zu niedrig sondern die Steuern, Abgaben und Gebühren sind zu hoch.
            Wenn der Staat den Menschen weniger wegnehmen würde, könnten, Miete, Nebenkosten, Mobilität usw. viel günstiger sein und die Menschen hätten auch noch was übrig um selbst für ihre Rente zu sorgen.

          • „Wenn der Staat den Menschen weniger wegnehmen würde, könnten, Miete, Nebenkosten, Mobilität usw. viel günstiger sein und die Menschen hätten auch noch was übrig um selbst für ihre Rente zu sorgen.“

            Das ist weitgehend Quatsch.
            Bezüglich des Rentensystems gebe ich Dir recht, das war schon bei seiner Gründung als „Generationenvertrag“ falsch gewebt (gewoben).
            Ansonsten kommen die Abgaben letztlich wieder der Allgemeinheit zugute und werden nicht mehr, wie noch vor 100 Jahren, zur Subventionierung eines Geburtsadels verwendet.

            Senkt man diese Abgaben an den Staat, müsste man sie privat auf andere Weise erbringen, oder die Leistungen würden wegfallen.
            Das beste Beispiel sind die USA, wo die Abgaben an den Staat verhältnismäßig niedrig sind, dafür aber auch die meisten öffentlichen Einrichtungen in einem augenfällig maroden Zustand.

        • Wenn du den Mindestlohn einfach raufhaust ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Wert der Tätigkeit gehen langfristig auch die Lebenserhaltungskosten hoch (da höhere Produktionskosten auf den Verbraucher abgewälzt werden) oder es werden eben weniger Leute angstellt. Dadurch werden die Renten ebenfalls wachsen müssen. Was widerum dazu führt, dass die jetzt arbeitenden mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen und die höheren Rentensätze der vorherigen Generationen bedienen zu können.
          Es ist eben nicht so eifnach.

          • Das ist aber ein Problem der Automatisierung. Man wird zunehmend weniger Lohnarbeiter brauchen.
            Lohnarbeit als Geldquelle wird nicht mehr lange funktionieren. Jedoch sollte in jedem Falle bis dahin die Leute anständig bezahlt werden die Lohnarbeiter sind.
            Es wurde auch vor der Mindestlohneinführung prophezeit es würde dadurch stumpf alles teurer werden. Eine dumme Aussage, in Anbetracht dessen, dass wir eine Exportwirtschaft in Deutschland haben und für den allegrößtenteil der Wirtschaft ein Mindestlohn von 11 Euro ohnehin unter den Löhnen aller Angestellten lag.
            Ferner sollte man Binnenwirtschaft nicht mit globaler verwechseln. Die meisten Jobs mit Mindestlohn sind binnenwirtschaftlich. Es ist völlig egal wieviel ein Friseur, eine Putzkraft oder ein Gärter in Thailand kostet.
            Vielleicht mal einfacher gesagt:

            Sollte ein Betrieb genug Liquidität besitzen um allen angestelleten einen Lohn zu zahlen der eine Rente ermöglicht und wird dies von dem Betrieb nicht gezahlt, ist der Betrieb asozial gegenüber der Gesellschaft von der er lebt.

          • „Das ist aber ein Problem der Automatisierung. Man wird zunehmend weniger Lohnarbeiter brauchen.“

            Das hat man vor ca. 40 Jahren mit Einführung computergesteuerter Maschinen auch schon gesagt. Heute haben wir mehr Jobs als je zuvor. Auch Industrie 4.0 wird eher Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, als Jobkiller. Also sollten wir mit dem Geldverschenken lieber noch warten.

          • Industrialsierung und Automatisierung sind zwei unterschiedliche Phänomene.
            Vergleichbar mit Telefonen und Internet für den Informationsaustausch.
            Nur mal spaßeshalber: Nehmen wir mal an die Lohnarbeit reicht nicht für alle, obwohl alle dolle tüchtig und gebildet sind. Was dann? Wie verteilt man das Geld? Was macht man mit denen die man nicht braucht?

          • Dieses Szenario wird nie eintreten. In keiner menschlichen Population werden all gleich fleißig und gleich gebildet sein.

    • Die ganze Debatte um den Mindestlohn, speziell um dessen Höhe, geht völlig am Problem vorbei. Das erzählt dir nur niemand, weil beide Regierungsparteien das eigentliche Problem bewusst geschaffen haben, und mindestens zwei der Opposiitionsparteien es aus ideologischen Gründen gutheißen.

      Das Kernproblem ist nicht die Höhe des Mindestlohns, sondern der wuchernde Niedriglohnsektor, speziell im Bereich der geringfügigen Beschäftigung, vulgo Minijob oder 450€-Job.

      Diese Beschäftigungssituationen sind für den Arbeitgeber wunderbar, weil mit weniger Bürokratie bei den Sozialabgaben verbunden, leicht kündbar, und relativ flexibel.

      Seit Jahren sind diese Beschäftigungsverhältnisse dabei, weite Bereiche zu ersetzen, in denen früher Normalarbeitsverhältnisse die Regel waren. In vielen Supermarktfilialen, Tankstellen, aber auch Gastronomie und Handelsgewerbe ist der Minijob mittlerweile die Regel. Insbesondere für die „Nebenzeiten“ mit geringerem Kundenaufkommen.

      Erhöhe ich jetzt den Mindestlohn, wird deswegen kein Minijobber mehr verdienen – stattdessen setzt man halt die Stunden runter und stellt noch eine weitere Minijobkraft an, oder spart sich die ganz und setzt auf Arbeitsverdichtung. Muss halt der Kassenwicht zusätzlich noch Regale einräumen, wenn grad kein Betrieb ist.

      Hier geht die politische Vorstellung von der Arbeitswelt diametral an gelebtem betriebswirtschaftlichem Handeln vorbei. Und das soll kein Arbeitgeber-Bashing sein, für viele ist das Ausnutzen der Minijob-Regelungen der einzige Weg, wirtschaftlich zu überleben. Hat auch viel mit der Teils perversen Anspruchshaltung der Kundschaft zu tun: der REWE hier um die Ecke hat regulär bis 24 Uhr geöffnet – da schleichen dann zwar nur noch ca. 30 Kunden in der Stunde durch den Laden, aber wehe, man reduziert wieder auf humanere 21 oder 22 Uhr, das wird nicht hingenommen. Ohne Minijobber, die flexibel währen der laufenden Öffnungszeiten putzen, aber auch mal Kasse machen usw. wäre eine solche Öffnungszeitenpolitik nicht möglich.

  5. „Das kann man natürlich leicht umdrehen: Die Linken haben es einfach, sie können ignorieren, was klappt und mit ihrem einfachen Weltbild… “
    Von einfach kann da gar keine Rede sein. Die Behauptung, dass in einem variablen, teils sogar chaotischem, System als das sich unsere natürliche, soziale und wirtschaftliche Umwelt darstellt, irgend etwas Bestehendes für immer „klappen“ würde ist recht einfältig. Tatsächlich besteht die Notwendigkeit alles ständig zu hinterfragen und es auch den Gegebenheiten anzupassen.
    Schon die Formulierung „klappt“ ist doch recht dümmlich. Was klappt denn? Zieht das „klappen“ etwas nach sich, was eventuell nicht klappt? Ist das klappen im lokalem Raum auf einen globalen Maßstab einfach übertragbar? Klappt das auch morgen noch?

    • Das skizziert doch gerade die beiden Positionen:

      Die eine Seite prüft nicht hinreichend, ob Pläne überhaupt umsetzbar sind und ob das bestehende nicht aus guten Grund besteht (siehe etwa das ignorieren der Biologie zugunsten eines sozialkonstruktivismus)
      Die andere Seite hält evtl zu lange an etwas fest, was evtl an Veränderungen angepasst werden muss und versucht das gute daran zu bewahren und auszubauen.

      Sozusagen der Unterschied zwischen Verbrennungsmotoren verdammen und die Umstellung auf Strom verlangen und dem Gedanken, dass Stromautos noch nicht entwickelt genug sind und daher den Verbrennungsmotor weiter zu erforschen.

      Auch hier wird der vernünftige weg in der Mitte und nicht in der Extremposition liegen

  6. Woher sollte Sophie Passmann eigentlich wissen, wie es ist, links zu sein? Die ist doch in der SPD, oder? Das ist so, als würde ein Darsteller billiger Pornos darüber klagen, wie anstrengend und undankbar es ist, anspruchsvolle Filme zu machen, die den Menschen etwas abverlangen, anstatt einfach nur simpel an basale Bedürfnisse zu appellieren.

    (Mag sein, dass dieser Vergleich schief ist, aber ich habe lange daran gefeilt, damit Du, @ Christian, es endlich auch auf diese Liste hier schaffst.
    http://bkramer.blogsport.eu/2018/01/16/antifeministische-vereine-blogs-und-sonstiges/
    Jetzt kann Herr Krämer mit Fug und Recht behaupten, bei Alles Evolution würden emanzipatorische Politikerinnen mit Pornodarsteller*innen verglichen.)

    Natürlich will jemand, der in die Politik geht, irgendetwas bewegen, sonst würde er oder sie es ja nicht machen. Aber das Links-Sein, das Passmann vorschwebt, bedeutet einfach nur: Ich stelle mir vor, wie die Welt schöner wäre – dann appelliere ich an andere, sie endlich zu verändern – und leide telegen darunter, dass sie nicht ist, wie ich sie mir vorstelle.

    Es ist tatsächlich viel schwerer, sich damit auseinanderzusetzen, wie auch nur kleine Bereiche der Welt eigentlich funktionieren – um dann entscheiden zu können, welche dieser Funktionen beibehalten werden müssen, welche veränderbar sind und wie Veränderungen möglich werden. Eine evolutionäre Politik, die einmal Kennzeichen der SPD war, verbindet also immer konservative mit progressiven Elementen – weil anders Veränderungen gar nicht möglich sind.

    Frau Passmann aber kann sich z.B. vorstellen, wie schön es wäre, wenn die SPD einmal wieder Erfolge feiern könnte – und dann feststellen, das eigentliche Problem der SPD bestehe in dem Gefühl, nicht „die eigenen Erfolge feiern zu dürfen“. Dass es tatsächlich etwas komplizierter ist, dass es ganz andere Gründe dafür gibt, warum die Partie über die Hälfte ihrer Mitglieder verloren hat und in Landtagswahlen bald auf ca. 10% runterkommt – das kann sie bei ihrer Klage galant übersehen.

    Wer sich aber gar nicht weiter damit beschäftigt, wie denn nun eigentlich das Bestehende funktioniert, der kann sich das nur leisten, weil andere ihm zuarbeiten. Es ist tatsächlich eine elitäre Position. Das hat mit „linker“ Politik gar nichts zu tun.

    Ich kenne den Einwand, dass ganz genau das aber doch links sei, ich würde nur ein „True-Scotsman“-Argument verwenden, definieren, was EIGENTLICH links ist und die real existierende Linke einfach davon ausschließen, etc. In diesem Fall nicht. Wenn eine Maus verkündet, dass sie ein Löwe wäre – und jemand erklärt ihr, sie sei tatsächlich nur eine Maus – dann hilft es der Maus nichts, entschlossen „True Scotsman“ zu schreien.

    (Und jetzt kann Herr Krämer schreiben, auf Alles Evolution würden emanzipatorische Politikerinnen nicht nur mit Pornodarsteller*innen verglichen, sondern auch als „Mäuschen“ bezeichnet.)

    • Hättest du nicht noch mit reinbringen können, dass aus SPD-Kreisen keine Widerworte zu erwarten sind, weil alle männlichen Mitglieder angesichts #metoo und Gleichstellungsbeauftragten wie zu Stein erstarrt sind?
      Dann könnte Herr Krämer auch noch scheiben, dass auf AllesEvolution progressive Frauen mit Gorgonen verglichen werden.

      • Ja, was ist denn nun eigentlich „links“?
        Und wo steht geschrieben, dass X tatsächlich links ist?

        Für den Anfang, guggstu hier
        https://en.wikipedia.org/wiki/Left-wing_politics

        Fürs weitere wäre es hilfreich die Beiträge von leszek, crumar, djadmoros usw. zu lesen, die könnten zur Beantwortung deiner Fragen mitunter recht hilfreich sein (bei leszek musst du allerdings aufpassen, den kann man mit „Kulturmarxismus“ aufs Ärgste triggern… 😉 ).
        Das Thema ist halt ein bisschen schwierig, deshalb sind die Beiträge meist auch etwas länger, und wenn du ein simples Kochrezept „X ist links wenn A,B,C“ suchst, wirst du mit aller Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden.

        • Die Wikipedia ist in der Tat sehr aufschlussreich:

          „It typically involves a concern for those in society whom its adherents perceive as disadvantaged relative to others (prioritarianism) as well as a belief that there are unjustified inequalities that need to be reduced or abolished“

          Das widerspricht sich in keinster Weise mit modernem Feminismus oder Identitätspolitik oder dem, was Ihr Blog-Linken hier als „nicht links“ anprangert.

          • Weiterlesen Adrian!
            Dann nachdenken.
            Dann posten.

            Hinweis: Da steht „relativ zu anderen als benachteiligt wahrgenommen (!perceive!) wird“
            Ob diese Wahrnehmung (!) stimmt ist eine Frage die in einer sachlichen Diskussion geklärt werden muss.
            Ebenso, ob eine Ungleichheit ungerechtfertigt (unjustified) ist.

            Ich glaube, „disadvantage“ und „inequality“ ist für dich so ähnlich triggernd wie „Kulturmarxismus“ für Leszek. Da übernimmt die Gewalt der Emotionen das Ruder und das Hirn hat Sendepause…

          • „Ob diese Wahrnehmung (!) stimmt ist eine Frage die in einer sachlichen Diskussion geklärt werden muss.“

            Gut, dann kläre sie. Ich bin nicht Teil Eures Clubs und muss mich daran nicht beteiligen.

          • Musst du eh nicht, damit entlarven sich allerdings deine ursprünglichen Fragen

            Ja, was ist denn nun eigentlich „links“?
            Und wo steht geschrieben, dass X tatsächlich links ist?

            eher von plumpem Linken-Bashing motiviert, als vom Drang nach Erkenntnisgewinn.

          • Der Fairness halber sollte man sagen, dass Wikipedia schon vor Jahren den regressiven Linken (also Marxisten) zum Opfer viel.

    • „Eine evolutionäre Politik, die einmal Kennzeichen der SPD war, verbindet also immer konservative mit progressiven Elementen – weil anders Veränderungen gar nicht möglich sind.“

      Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Und es zeigt nebenbei auch, daß die Entgegensetzung von Links und Konservativ völlig schief ist. Linke Politik hat etwas mit Sozialen Verhältnissen zu tun – Konservative Politik hat etwas mit historisch gewachsenen Verhältnissen zu tun.

      Beides *kann* im Widerstreit miteinander stehen – muß es aber nicht. Bspw. war die Innenpolitik der DDR in den 1970er und 80er Jahren konservativ, nicht progressiv. Und trotzdem nicht rechts.

      • “ Linke Politik hat etwas mit Sozialen Verhältnissen zu tun – Konservative Politik hat etwas mit historisch gewachsenen Verhältnissen zu tun.“

        Ich bin in meiner politisch aktiven Zeit – also in den 80ern und 90ern – auch auf die Frage nach der Begriffsdefinition gestoßen, weil man den typischen CDU-Anhänger, der in seinem Betrieb die modernsten Maschinen zwecks Kostenreduktion betreibt, mit „konservativ“ nicht wirklich korrekt beschreibt, den linken Politiker, der zwecks Erhalts eines Arbeitsplatzes auf einer E-Lok einen Heizer weiter beschäftigt, nicht wirklich als „progressiv“.
        Ich unterscheide lieber zwischen wertekonservativ, zu denen ich mich selbst zähle
        und strukturkonservativ, was den typischen CDU-Wähler ausmacht.
        Wertkonservative Ziele sind Zuverlässigkeit, Umweltschutz, Streben nach Gleichberechtigung.
        Strukturkonservative Ziele sind die Erhaltung einer Klassengesellschaft, die z.B. im dreigliedrigen Schulsystem ihren Ausdruck fand und findet.

  7. Ein großteil der Mittelschicht-Linke (zu der auch Paßmann zählt) geht doch letztendlich nur den Weg des geringsten Widerstandes bis sie mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert wird. Ab dem Punkt werden sie genauso egoistisch wie andere auch. Sozialwohnungen? Ja bitte, aber nur nicht dort wo ich wohne. Bei Füchtlingen ist die Haltung oft sehr ähnlich.

    Und viele andere Linke Forderungen sind doch auch egoistisch. Eine Frauenquote für Top-Jobs interessiert die Kassiererin bei ALDI/LIDL oder sonstwo nicht die Bohne. Denn sie hat ja nichts davon. Aber für eine Frau aus der Mittelschicht die Karriere machen will ist die Frauenquote doch sehr Willkommen, bedeutet dies doch größere Aufstiegschancen.

    • Nachtrag: Vor einer Woche war im Guardian ein Artikel darueber das weiße Jungs aus der Unterschicht mit die geringsten Chance haben ein Studium zu beginnen. Interesse der britischen Politik deren Chancen zu verbessern? Null!

      Eine gerechtere Gesellschaft bedeutet meiner Meinung Nach das Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Chancen zum Aufstieg haben und Rasse, Geschlecht oder soziale Herkunft sollten keine Rolle spielen. Von diesem Ideal sind wir sehr weit entfernt und ob Quoten dies verbessern würden halte ich für zweifelhaft.

      • @Anon

        Genau hier ist mein Ansatzpunkt zu sagen, die EFFEKTE dieser „linken Politik“ deuten darauf hin, es handelt sich eben nicht um eine linke, sondern um eine rechte Politik.
        Ein linkes Kernargument für *Gerechtigkeit* ist, Menschen sollten unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Chancen haben und Rasse, Geschlecht oder soziale Herkunft dürften dabei keine Rolle spielen.

        Wenn die empirische Realität hingegen ist, „weiße Jungs aus der Unterschicht (haben) mit die geringsten Chance ein Studium zu beginnen“ und niemand – auch keine linke Partei – interessiert sich für diesen Befund, dann hat sich *vorher* etwas an linken Überzeugungen geändert, es hat sich an der Vorstellung von *Gerechtigkeit* selbst etwas geändert.

        Wonach es sich also um *keinen ungerechten* Zustand handelt, wenn die mit der *falschen* Hautfarbe, dem *falschen* Geschlecht, der *falschen* sozialen Herkunft diskriminiert werden.
        Damit wird nicht nur das linke Kernargument Gerechtigkeit preisgegeben, insofern es sich auf ALLE Menschen bezieht, sondern diese *selektive* Gerechtigkeitsvorstellung ist erkennbar rechts.

        • Bravo crumar!

          Man sollte Frau Passmann zwingen jeden Morgen, Mittag und Abend 15 Minuten über diese 3 kurzen Absätze nachzudenken.

          • Das ostentative Nicht-Verstehen von Ironie zum Zwecke der Konstruktion eines Strohmannes ist hingegen eine typisch Adriansche Position 🙂

          • Der Humor speist sich aus der Tatsache, dass linke Politik eine Geschichte des Zwangs ist.
            Aber ja, das waren natürlich auch keine richtigen Linken…

          • @pingpong @Adrian

            Erst einmal vielen Dank für dein Lob!

            Dann zu Adrian: Du stehst jeden morgen auf, weil man dich perspektivisch um X-Uhr zwingt mit der Arbeit zu beginnen, deine Pausen werden dir diktiert und das Arbeitsende auch.
            All das, weil man dir einen üblen „Vertrag“ aufgezwungen hat, der dich mit täglich X-Stunden verpflichtet Arbeit zu verrichten, ob du dazu Lust hast oder nicht.
            Der Weg zur Arbeit und zurück ist gepflastert mit Zwängen, die man notdürftig als „Straßenverkehrordnung“ kaschiert hat etc. pp.

            Es ist völlig unerheblich, ob du diese Zwänge als solche empfindest, sie existieren und ich befürchte, jede Gesellschaft benötigt diese, damit die Gesellschaft funktioniert.
            *Jede* Sozialordnung ist letztlich eine dem Individuum aufgezwungene Sozialordnung, womit ich nicht sagen möchte, jeder Zwang gegenüber einem Individuum sei einfach so hinzunehmen, zum Wohle der Funktion der Gesellschaft.
            Ob eine Gesellschaft möglich ist, die nach dem individuellen „Lustprinzip“ funktioniert würde ich für fraglich halten, kann man aber diskutieren.

        • „es handelt sich eben nicht um eine linke, sondern um eine rechte Politik.“

          Reine Neugierde: Was sind denn die rechten Prinzipien, die diese Art von Ungerechtigkeit zu einer rechten Politik machen? Es ist rechte Politik, Menschen ungerecht zu behandeln?

          • Ich hab‘ auch bei dieser Formulierung gestockt, ebenso beim folgenden „… insofern es sich auf ALLE Menschen bezieht, sondern diese *selektive* Gerechtigkeitsvorstellung ist erkennbar rechts.“

            Ich würde aber doch sagen: Was die historische Praxis anbelangt, ist das korrekt. Du findest vielleicht keinen explizit rechten Theoretiker, der sagt: „Chancengleichheit für alle Bürgerlichen, Wohlständigen, Reichen und Super-Reichen – aber bitte nicht für Arbeiter und schon gar nicht für sozial Schwache.“

            Aber die Praxis war doch weitgehend so, daß in der Politik für die Allgemeinheit die sozial Schwachen usw. nicht berücksichtigt wurden – bestenfalls bei den Wohtätigkeitsveranstaltungen. Ich denke schon, daß man da sagen kann: An ihren Taten sollt ihr sie (also Politiker, Publizisten, Industrie- und Handelsvertreter usw.) erkennen.

            Eine genaue historische Analyse mit entsprechenden Belegen ist auf jeden Fall wünschenswert – aber ich würde diese Verallgemeinerung crumars zumindest tendenziell anerkennen.

            Und für Spezies wie mich natürlich: ein glasklares Kriterium dafür, wann genau etwas „links“ und wann etwas „rechts“ ist.

          • Jonathan Haidt zufolge unterscheiden sich Linke und Rechte (zumindest im englischsprachigen Raum) darin, was sie für fair halten.
            Die Linke steht da eher für Gleichstellung und die Rechte eher für Gleichberechtigung.

            Das wird auch einem spezifischen Detail von crumars Definition deutlich: „Menschen sollten unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Chancen haben und[…] soziale Herkunft [darf] dabei keine Rolle spielen“

            Wenn nun aber Intelligenz zum Großteil erblich ist und die Prägung durchs Elternhaus/Milieu im Kindesalter sehr wichtig ist, dann wird es schon sehr sehr schwierig mit der Chancengleichheit.

            Wie soll man das lösen ohne Gleichstellungsmaßnahmen?

          • @only_me @Jochen

            Es war historisch so, das die Menschen mit der *falschen* Hautfarbe, dem *falschen* Geschlecht, der *falschen* sozialen Herkunft diskriminiert worden sind, weil die biologischen Marker eine wunderbar tautologische Argumentation erzeugte, die es wiederum ermöglichte, deren soziale Lage zu rechtfertigen.
            Wenn Schwarze als Gruppe weniger intelligent sind (nicht ganz so neue These der alt-right) als Weiße, dann ergibt sich ihre soziale Lage aus der mangelnden Intelligenz, denn es ist nicht anzunehmen, das sie die qualifizierten Posten erlangen werden, die sie aus ihrer sozialen Lage herauskommen lässt.
            Damit ist der Verbleib in einer inferioren sozialen Position angeboren, quasi „natürlich“ und das ist das – sich wiederholende – rechte Argumentationsmuster.
            In der eine Hierarchie, die sich vollends der biologischen Natur verdankt, in eine gesellschaftliche Natur verwandelt, die ebenso natürlich ist.
            Wenn sie jedoch natürlich ist und angeboren, warum sollte man sie verändern? Die Frage ist vielmehr, ob man sie überhaupt – gegen die Natur – verändern kann.
            Da umgekehrt die weiße Hautfarbe Kennzeichen höherer Intelligenz ist, sind Weiße zur Führung über alle Nicht-Weißen (biologisch) auserkoren.
            Natural born Elite.
            Diese bürgerliche Elitetheorie ist immer eine biologistisch basierte Elitetheorie.

            Ich wiederhole mit anderen Gruppen:

            „Wenn Männer als Gruppe weniger intelligent sind als Frauen, dann ergibt sich ihre soziale Lage aus der mangelnden Intelligenz, denn es ist nicht anzunehmen, das sie die qualifizierten Posten erlangen werden, die sie aus ihrer sozialen Lage herauskommen lässt.
            Damit ist der Verbleib in einer inferioren sozialen Position angeboren, quasi „natürlich“. Wenn die männliche Unterlegenheit jedoch natürlich ist und angeboren, warum sollte man sie verändern?
            Die Frage ist vielmehr, ob man sie überhaupt – gegen die Natur – verändern kann. Da umgekehrt die Weiblichkeit Kennzeichen höherer Intelligenz ist, sind Frauen zur Führung über Männer auserkoren.“

            So hat sich eine rechte, biologistische Elitetheorie in den „progressiven“ Feminismus verwandelt, den wir alle kennen.
            Und mit diesem erklärt sich m.E. auch die Apathie gegenüber dem Befund, dass gerade weiße Jungen aus der Arbeiterklasse besonders diskriminiert sind.
            Sie sind – nach dieser Theorie – an ihrem Schicksal selber schuld.

          • @crumar,

            ist das, was du da schilderst, in dem Sinne rechts, wie die Annahme von Blank Slate links ist?

            Oder ist das deiner Meinung nach wirklich der „echte“ rechte Standpunkt?

          • @only_me

            „Menschen sollten unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Chancen haben und[…] soziale Herkunft [darf] dabei keine Rolle spielen
            Wenn nun aber Intelligenz zum Großteil erblich ist und die Prägung durchs Elternhaus/Milieu im Kindesalter sehr wichtig ist, dann wird es schon sehr sehr schwierig mit der Chancengleichheit.“

            Das Problem mit der Intelligenz ist, sie ist das Resultat der elterlichen (und grosselterlichen Gene) erstens und sie lässt sich auch nicht nach n1+n2 / 2 berechnen.
            Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder einen gleich hohen oder höheren IQ wie die Eltern haben ist ebenso groß wie die, einen gleich großen oder geringeren IQ zu haben.
            Zudem haben die IQ-Tests (der SAT-Test ist so einer) sich nicht als das erhoffte Prognoseinstrument bezüglich des weiteren Lebenswegs erwiesen, als die sie immer verkauft worden sind.

            Gerade der SAT-Test – als heilige Kuh – leidet unter der Vorstellung seiner Erfinder Intelligenz zu messen, die „innate“ sei.
            Und jetzt gib bei google einmal „SAT prep (course)“ ein.
            Wieso gibt jemand Geld für die Vorbereitung auf einen Test aus, wenn er ernsthaft davon überzeugt ist, seine Intelligenz sei angeboren?
            Wieso werden solche Kurse überhaupt angeboten, wenn das Resultat des Tests doch von vorne herein feststehen müsste?

            Meiner Meinung nach betrügt die soziale Schicht (ungeachtet der Hautfarbe), die solche Ansichten hat sich durchgängig selbst.
            Die SAT-Ergebnisse korrelieren nahezu perfekt mit dem Einkommen des Elternhauses (ungeachtet der Hautfarbe), währenddessen die Lieblingsbetrachtungsweise der US-Amerikaner wiederum ist, die reine „Rassenbrille“ aufzusetzen.

            Bei diesem Idiotenspiel, das die sozialen Verhältnisse ausklammert macht die US-„Linke“ mit (aus diversen, meistens idiotischen Gründen).
            Die Frage, wer finanziell in der Lage ist, speziell solche „prep courses“ zu besuchen fällt völlig unter den Tisch.
            Womit denjenigen, die die finanziellen Mittel nicht haben, das erfolgreiche Abschneiden in diesem Test wahrscheinlicher zu machen, mit größerer Wahrscheinlichkeit bescheinigt bekommen, „von Natur aus“ weniger intelligent zu sein und umgekehrt.

            Es ist die identische Tautologie, basierend auf einer schrägen Hypothese, die ich oben skizziert habe.

          • @crumar

            Ich bin nicht sicher… sagst du grad:
            a) Intelligenz ist gar nicht erblich
            b) Intelligenz ist gar nicht wichtig
            c) Es gibt gar keine Intelligenz, weil man kristalline Intelligenz durch Büffeln simulieren kann
            d) Weil neben Intelligenz noch andere Faktoren den Erfolg im Leben beeinflussen (wie conscientiousness und Glück), kann man Intelligenz auch ganz aus den Betrachtungen streichen

            Das wären alles ganz schön dumme Sätze, aber es fällt mir echt schwer, in deiner Antwort etwas anderes zu lesen.

            Das Kind bekommt von seinem Elternhaus zum einen Anlagen mit, sowie ein Umfeld, in dem diese Anlagen verkümmern oder entfaltet werden können.

            Das ist eine Binse.

            Dass ein reiches Elternhaus für _beides_ eine bessere Wahrscheinlichkeit gibt als ein armes ebenfalls.

            Ein Kind z.B ohne Vater HAT schlechtere Chancen als ein gleichbegabtes Kind mit Vater.
            Weder Staat noch Gesellschaft noch sonstwer kann daran was ändern.
            Ein Kind mit psychopatischem Vater HAT schlechtere Chancen als ein gleichbegabtes Kind mit gesundem Vater.
            Weder Staat noch Gesellschaft noch sonstwer kann daran was ändern.
            Ein Kind mit depressiver Mutter HAT schlechtere Chancen als ein gleichbegabtes Kind mit gesunder Mutter.
            Weder Staat noch Gesellschaft noch sonstwer kann daran was ändern.
            Ein Kind, dessen Eltern einen IQ von 85 und 90 haben, HAT schlechtere Chancen als ein Kind, dessen Eltern einen IQ von 115 und 120 haben.
            Weder Staat noch Gesellschaft noch sonstwer kann daran was ändern.

            Ich verstehe nicht, was daran kontrovers sein soll.

            Darauf hinzuweisen, dass hier nichts deterministisch ist, sondern wir nur Wahrscheinlichkeiten betrachten, ist doch kein Argument.

            Wenn es 20 Faktoren gibt, die Erfolg z.B. im SAT beeinflussen, und für 17 von den Faktoren hast in einem Upper Class Haushalt bessere Karten, natürlich hast du dann eine satte Korrelation zwischen Klasse und SAT.

            Damit hast aber NICHT gezeigt, dass diese 17 Faktoren änderbar sind.
            Und da Intelligenz und Persönlichkeit auf jeden Fall zu den 17 Faktoren gehören, ist klar, dass echte Chancengleichheit nicht drin ist.

            Es sei denn, du schaffst die Upper Class ab.

          • Wenn man sich die Details anschaut, dann sind Crumars Bedenken schon gerechtfertigt. Denn es gibt keine allgemeingültige Definition von Intelligenz. Oder wie es meine IQ 150 Freundin sagte: „Intelligenz ist, was ein Test misst“. Und auf der anderen Seite steht dann natürlich die Frage, wie gut der Test ist?

            Eine andere Psychologen-Freundin von mir verdient jedenfalls ihr Geld mit IQ-Testungen um den Eltern offizielle Bescheinigungen der Hochbegabung (und sei es nur in einem Bereich) ihrer Kinder zu verschaffen. Und das ist ein riesen Markt im Bildungsbürgertum. Und wenn ich mir dann ansehe, dass diese „hochbegabten Intelligenzbolzen“ mit einem vielfachen meines Lern- und Interesseaufwands für die Schule noch Schwierigkeiten beim Abitur haben, dann muss ich entweder jenseits jeden Maßstabs sein (mein einziger Test in der Grundschule wurde nie bekannt gemacht), oder dieser ganze Kram taugt doch nicht allzuviel…

          • @only_me

            Hmmm…
            „Ich bin nicht sicher… sagst du grad:
            a) Intelligenz ist gar nicht erblich
            b) Intelligenz ist gar nicht wichtig
            c) Es gibt gar keine Intelligenz, weil man kristalline Intelligenz durch Büffeln simulieren kann
            d) Weil neben Intelligenz noch andere Faktoren den Erfolg im Leben beeinflussen (wie conscientiousness und Glück), kann man Intelligenz auch ganz aus den Betrachtungen streichen“

            Erstens ist Intelligenz das, was als Intelligenz definiert und gemessen werden kann – das machen in der Regel Psychologen und nicht Biologen. Zweitens ist Intelligenz vererbbar, aber nicht mechanisch (n1+n2 / 2), sondern mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Drittens kann man durch Training von IQ-Tests die Resultate bei IQ-Tests verbessern. Damit wäre jedoch die Idee, IQ sei ausschließlich „innate“ selber ein „blank slate“. Viertens ist der prognostische Wert von IQ-Tests, wie der SAT-Test einer ist, selbst für den Studienerfolg (nachgewiesen) ausgesprochen bescheiden, ganz zu schweigen für die Berufskarriere. Zähle ich Punkt 1-4 unter besonderer Berücksichtigung von „Prognose“ zusammen frage ich mich tatsächlich, was der Fokus auf den IQ bringen soll, wenn er das nicht leistet.

            „Das Kind bekommt von seinem Elternhaus zum einen Anlagen mit, sowie ein Umfeld, in dem diese Anlagen verkümmern oder entfaltet werden können. Das ist eine Binse.
            Dass ein reiches Elternhaus für _beides_ eine bessere Wahrscheinlichkeit gibt als ein armes ebenfalls.“
            Du erhöhst auch die Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit geringerem IQ, befindet er sich in einem wohlhabenderen Elternhaus gegenüber einem mit höherem IQ in einem weniger wohlhabenden. All das sind keine biologischen Faktoren und haben auch nichts mit Rasse zu tun, was der springende Punkt ist.
            Weil ich ja ein linker Bösewicht bin, warum nicht den Kindern aus wohlhabenden Elternhäusern abverlangen, gemeinsam mit Kindern aus armen Elternhäusern z.B. die Schulaufgaben zu machen?
            Irgendwie scheint innergesellschaftliche Solidarität eine komplette Überforderung geworden zu sein oder der reinste Kommunismus…

            Folgende Argumente von dir zusammengefasst: „Ein Kind z.B ohne Vater, mit psychopatischem Vater, mit depressiver Mutter HAT schlechtere Chancen als ein gleichbegabtes Kind mit gesunder Mutter.“
            All das sind zweifellos Nachteile, die haben aber nichts mit dem IQ des Kindes zu tun und würde auch ein wohlhabendes Kind mit hohem IQ treffen. Was du jedoch machst, ist eine *Kumulation von Nachteilen* aufzuzeigen, die durchaus schichtspezifisch auftreten können, ohne aber explizit zu sagen, dass es sich so verhält.

            Es ist nicht möglich, den Trend zu „alleinerziehenden Müttern“ und die besonderen Nachteile, die sich damit für Jungen ergeben zu stoppen, aber man kann und MUSS das gesellschaftlich konterkarieren, gerade weil es absehbar ist.
            Nicht hilfreich ist die Herstellung von Geschlechterbiotopen, in denen Jungen vom ersten bis zum zwölften Lebensjahr privat, im Kindergarten, in der Grundschule ausschließlich mit Frauen konfrontiert sind. Das als „kann man gesellschaftlich nicht ändern“ zu bezeichnen halte ich für falsch.
            Ansonsten haben Mädchen jede Form von Förderunterricht erfahren, wieso sollte das nicht auch für schichtspezifische Nachteile generell und für Jungen besonders gelten?
            Um so mehr Jungen unter solchen Bedingungen aufwachsen MÜSSEN, desto dringender ist es an uns, Antworten zu liefern – oder wir lassen diese Jungen bewusst über die Klinge springen.

            „Ein Kind, dessen Eltern einen IQ von 85 und 90 haben, HAT schlechtere Chancen als ein Kind, dessen Eltern einen IQ von 115 und 120 haben. Weder Staat noch Gesellschaft noch sonstwer kann daran was ändern.“
            Der durchschnittliche IQ 100, 68% der Bevölkerung verteilen sich in einer Standardabweichung (von +-15 IQ-Punkten) zwischen diesem Durchschnitt. Es gibt keine Garantie dafür, dass deine Partnerin und du – beide IQ von 115 und 120 – Nachwuchs generiert, die ebenso intelligent oder intelligenter wären. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist ebenso hoch, wie die, dass eure Kinder nur durchschnittlich intelligent sind.
            Schlechte Nachrichten, sorry.
            Wäre es anders, würde man über die Generationen einen gleichbleibenden oder steigenden IQ in so gebildeten Dynastien nachweisen können. Die gibt es aber nicht. Gleiches gilt für die Kindern mit Eltern eines IQ zwischen 85 und 90 im negativen Bereich. Das „dumbing down“ in den USA bspw. liegt nicht an den Genen, die SAT-Ergebnisse sinken seit Jahrzehnten; völlig unabhängig von der „Rasse“.

            „Wenn es 20 Faktoren gibt, die Erfolg z.B. im SAT beeinflussen, und für 17 von den Faktoren hast in einem Upper Class Haushalt bessere Karten, natürlich hast du dann eine satte Korrelation zwischen Klasse und SAT.“
            Nun, dann haben wir also – nach deiner eigenen Aussage – 17 von 20 Faktoren vorliegen, die eben NICHT biologisch determiniert sind.
            Da stellt sich für mich die gesellschaftlich relevante Frage, wie wir es ganz durchschnittlichen Kindern (mit einem IQ von 100 +-15) ermöglichen, das beste aus ihren Chancen zu machen, unabhängig von ihrem Elternhaus.
            Nicht missverstehen: Mir wäre eine begabte Klempnerin wesentlich sympathischer als ein unbegabter Kunstwissenschaftler, nur ist die Zusammensetzung dieser beiden nach Geschlecht unwahrscheinlich. Ebenso unwahrscheinlich, dass der Kunstwissenschaftler aus einer Arbeiterfamilie stammt und die Klempnerin aus einem Professorenhaushalt.
            Das ist aber keine Frage der individuellen Begabung, sondern unserer Gewöhnung, bei der Frage nach „Chancengleichheit“ zu heucheln was das Zeug hält.
            So lange Margarete Stokowski Kolumnen für SPON schreiben darf, halte ich die Frage der „Chancengleichheit“ auf der Basis von „Intelligenz“ für eine Farce. QED! 🙂

          • „Ein Kind, dessen Eltern einen IQ von 85 und 90 haben, HAT schlechtere Chancen als ein Kind, dessen Eltern einen IQ von 115 und 120 haben. Weder Staat noch Gesellschaft noch sonstwer kann daran was ändern.“

            Das ist so definitiv falsch. Das menschliche Gehirn ist kein Computer, der mit einer werkseitig definierten Ausstattung an Prozessoren und Speicherchips ausgestattet ist. Die eigentliche Verdrahtung beginnt erst in den ersten Lebensjahren. Und wenn ein Kind dann gut gefordert wird, hat ein Kind „minderbemittelter“ Eltern mit Sicherheit nur wenig geringere Chancen, als ein Kind hochintelligenter Eltern.
            Genau da liegt nämlich das Problem. Wenig intelligente Eltern fördern ihre Kinder auch nur wenig, was zu einer schlechten Verdrahtung führt, ergo zu einem niedrigen IQ.
            Hier ist es unzulässig, vom Ergebnis auf die Ursache zu schließen.

          • @crumar @lh

            ich muss mal zu meinem Verständnis eurer Position zwei Fragen stellen:

            a) „crumar ist intelligenter als M. Stokowski“
            Hat dieser Satz eine Bedeutung oder ist er im wittgensteinschen Sinne sinnlos? (Würdet ihr womöglich sogar sagen, er sei wahr?)

            b) Angenommen, crumar und M.Stokowski würden mit, ihnen jeweils vergleichbaren, Partnern je ein Kind bekommen, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass crumars Kind intelligenter ist als das von Frau Stokowski größer als 0.5.
            Ist dieser Satz sinnlos, wahr oder falsch?

            Ich bräuchte darauf einfache Antworten, um eure vorigen Beiträge einschätzen zu können. Danke.

          • „a) „crumar ist intelligenter als M. Stokowski“
            Hat dieser Satz eine Bedeutung oder ist er im wittgensteinschen Sinne sinnlos? (Würdet ihr womöglich sogar sagen, er sei wahr?)“

            In diesem speziellen Fall ist er definitiv wahr 😉
            Rein linguistisch hat der Satz eine Bedeutung, aber sein Wahrheitsgehalt lässt sich sehr wahrscheinlich nicht verifizieren, oder falsifizieren. Damit wäre er also sinnlos.

            „b) Angenommen, crumar und M.Stokowski würden mit, ihnen jeweils vergleichbaren, Partnern je ein Kind bekommen, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass crumars Kind intelligenter ist als das von Frau Stokowski größer als 0.5.“

            Nach den gängigen Messmethoden wahrscheinlich ja. Das liegt aber daran, dass Stokowski ihr KInd wohl eher mit vorgefertigten Wahrheiten füttern würde, während crumar es zum eigenständigen Denken anregt. Damit – und nur damit – hätte sein Kind einen Wettbewerbsvorteil bei einem IQ-Test.

          • „Du meinst es gibt keine einfach nur auf der Biologie beruhende Intelligenz?“

            Wenn überhaupt, dann in weit engeren Grenzen, als uns die IQ-Tests suggerieren wollen.
            Wäre es nicht so langfristig, würde ich – ethische Fragen mal beiseite – nahezu jede Wette eingehen, ein beliebiges Kind von Eltern mit Haupt- oder gar Sonderschulabschluss durchs Abitur zu bringen.

          • @Christian @only_me @Carnofis

            Das Problem an der Entwicklung von Intelligenz ist ausgesprochen komplex, gerade wenn man es mit der Biologie verknüpft.

            Im Folgenden zu Fragen, die die absolute Mehrheit der Gesellschaft betreffen:
            Sehr auffällig bspw. sind die differierenden schulischen Leistungen und Ergebnisse von IQ-Tests von Jungen und Mädchen vor und nach der Pubertät.
            Alleine, dass da erkennbar ein biologisch (!) induzierter Entwicklungsschub einsetzt deutet für mich darauf hin, es handelt sich um einen mehrstufigen Prozess. Was dann aber bedeutet, Intelligenz kann nicht mit der Geburt feststehen. Womit sich die Frage nach der deterministischen „Festverdrahtung“ der Intelligenz mit der elterlichen Herkunft auch von selbst (negativ) beantwortet.
            Dass es wiederum Entwicklungs*schranken* gibt, die biologisch bedingt sind, glaube ich sehr wohl.
            Aus einem Ausgangs-IQ von 90 wird nicht einer von über 130 werden können; die Frage ist jedoch für 98% der Bevölkerung sowieso irrelevant und daher für diese spannender, was man gesellschaftlich zwischen Geburt und (Post-)Pubertät leisten kann, um das vorhandene Potential optimal zu fördern.

            „Das liegt aber daran, dass Stokowski ihr KInd wohl eher mit vorgefertigten Wahrheiten füttern würde, während crumar es zum eigenständigen Denken anregt. Damit – und nur damit – hätte sein Kind einen Wettbewerbsvorteil bei einem IQ-Test.“

            Das ist sehr nett von dir, aber ist das wirklich zutreffend?
            Viele IQ-Tests sind Tests auf Allgemeinbildung (vor ein paar Jahren auf SPON bspw. überaus deutlich) – wogegen nichts spricht.
            Diese setzen in erster Linie Faktenwissen und ein breit gefächertes Interesse voraus und das hat mit eigenständigem Denken nur auf Umwegen etwas zu tun.
            Der Flynn-Effekt hat m.E. auch nichts mit „Intelligenz“ zu tun, sondern mit der Tatsache, dass man medial inzwischen mit Aufforderungen zur Absolvierung von „IQ-Tests“ geradezu bombardiert wird.
            Es tritt ein Gewöhnungseffekt ein was solche Aufgaben betrifft – 100 Fragen zur Erkennung von Mustern in Zahlenreihen und irgendwann ist das Repertoire durch. Die IQ-Tests testen dann die Fähigkeit zum Bestehen von IQ-Tests.

            Natürlich wäre es wesentlich besser, dies in der experimentell zu erproben. Wie wäre das IQ-ranking meiner Kinder mit Margarete Stokowski (künstliche Befruchtung), Natalie Portman (IQ 140) und Sasha Grey bspw.?
            Wären die Kinder von Natalie Portman wesentlich intelligenter als die von Stokowski?
            Wieder eine von crumars interessanten Theorien, die sich so schwer in die Praxis umsetzen lassen!
            Sasha Grey übrigens zu Kontrollzwecken und weil wissenschaftliche Praxis auch Spaß machen muss! 🙂

          • „worauf stützt du deine Aussagen, dass Intelligenz nichts mit Anlagen zu tun hat?“

            DAS will ich damit gar nicht gesagt haben.
            Ich behaupte nur, dass wir den Einfluss der Anlagen auf die Intelligenz überhaupt nicht sicher bewerten können.
            Das fängt damit an, dass wir über die INTRINSISCHE Intelligenz der Eltern schon nichts wissen.
            Und – crumar erwähnt es zurecht – Intelligenz ist kein statisches Produkt, das wie ein Computer fest mit der Geburt ausgeliefert wird.
            Ein Kind hochintelligenter Eltern verblödet irreparabel, wenn es von ihnen nicht angemessen gefördert und gefordert wird.
            Dagegen ist das Kind „dummer“ Eltern problemlos zu geistigen Höhenflügen befähigt, wenn es entsprechend zeitig gefördert wird.

            Ob und welchen Einfluss die Biologie/Gene auf die intrinsische Intelligenz eines Kindes hat, lässt sich bis heute nicht messen – wahrscheinlich auch in Zukunft nicht.

          • Ein Kind hochintelligenter Eltern verblödet irreparabel, wenn es von ihnen nicht angemessen gefördert und gefordert wird.
            Dagegen ist das Kind „dummer“ Eltern problemlos zu geistigen Höhenflügen befähigt, wenn es entsprechend zeitig gefördert wird“

            Ob die Eltern intelligent sind wäre ja nicht Mal das aufschlagende. Sondern ob das Kind die Genkombination für hohe Intelligenz geerbt hat. Die kann ein Kind auch vom dummen Eltern erhalten.
            Ein dummes Kind wird aber eben auch bei hoher Förderung nicht intelligent

          • @Only_me:

            a) „crumar ist intelligenter als M. Stokowski“

            Ich kann das aus dem, was ich über beide weiß, nicht beurteilen. Und sollte der Unterschied zwischen beider Intelligenz nicht wirklich signifikant sein, sehe ich auch nicht, dass irgendein menschliches Instrumentarium das beurteilen könnte. Intelligenz ist einfach ein sehr abstraktes Konzept.

            b) Angenommen, crumar und M.Stokowski würden mit, ihnen jeweils vergleichbaren, Partnern je ein Kind bekommen, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass crumars Kind intelligenter ist als das von Frau Stokowski größer als 0.5.

            Keine Ahnung. Aber jedenfalls werden die Kinder aus einer gaußkurvigen Streuung stammen, so dass 1 oder 2 Kinder überhaupt keine Aussage über die Kurve an sich zulassen. Aber vermutlich gibt es einen vererbten Teil, ja.

        • Gut dass ich den Morgenkaffe schon ausgetrunken haben, sonst waere schon wieder eine neue Tastaur faellig 😉
          […]Ein linkes Kernargument für *Gerechtigkeit* ist, Menschen sollten unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Chancen haben und Rasse, Geschlecht oder soziale Herkunft dürften dabei keine Rolle spielen.[…]
          Das mag vor ueber 200 Jahren in Paris mal richtig gewesen sein, heutzutage ist das ein rechtes, konservatives Argument fuer Gerechtigkeit. Ihr Linken seid schon geschickt bei der Verschleierung…

        • Du wirst dich jetzt nicht damit rausreden, dass das nicht „echte Linke“ waren.
          Affirmative Action usw. sind sehr linke Konzepte. Oder, von mir aus auch „realexistierende linke“ Konzepte.

        • @Crumar
          „die EFFEKTE dieser „linken Politik“ deuten darauf hin, es handelt sich eben nicht um eine linke, sondern um eine rechte Politik.“

          Zu den Hauptzielen des (deutschen) Nationalsozialismus, gerne mit der Bezeichnung „Faschismus“ belegt, gehörte der aufbau eines großdeutschen Reiches, das von einer nach rassischen Gesichtspunkten definierten deutschen „Rasse“ dominiert werden sollte. Die EFFEKTE der Politik der Nazis führte zu einer völligen Zerschlagung dieses großdeutschen Reiches, nicht nur wurden eroberte Gebiete wieder abgetreten, sondern auch frühere Teile Deutschlands z.B Polen zugeschlagen, der Kernbereich des verkleinerten früheren Deutschland wurde zuerst in vier Besatzungszonen, später in ein Westdeutschland und ein (auch noch Kommunistisches !eineinself!) Ostdeutschland gespalten.
          Nach Maßgabe deiner Argumentation anhand der „Effekte“ handelte es sich also um eine anti-nationalsozialistische Politik. im Grunde waren die Nazis alles antifaschisten.

          Mit dieser „Argumentation“ verweigerst du dich der schlichten Möglichkeit, dass eine bestimmte Politik auch mal nicht wie intendiert funktionieren könnte.

          Auf den von dir so geliebten Sozialismus angewandt, wird daraus: Sämtliche bislang auf der Welt ausprobierten sozialistischen Experimente haben bislang nicht das prphezeite sozialisische Paradies hervorgebracht (eine ziemlich euphemistische Bezeichnng für desaströses, mörderisches scheitern). Daraus folgt für dich nicht, das irgendetwas mit den Theorien kaputt sein könnte, sondern ganz im Gegenteil, dass das alles eben nicht der „wirkliche“ echte reine wahre sozialismus gewesen sein kann, weil die efekte nicht so waren, wie sie hätten sein sollen, und das wir deshalb immer weitere solche sozialistischen Experimente brauchen.
          Mit der messlatte der „“Effekte“ wirst du niemals, niemals, niemals ein sozialistisches experiment als tatsächlich gescheiteret akzeptieren. Never ever kann das irgendwie am Sozialismus liegen, unmöglich ! Es liegt immer nur daran, dass noch niemand den wahren Sozialismus ausprobiert hat, und ale bisherigen waren eben nicht „richtige“ sozialisten.

          Das ist eine der dreistesten direkten „no true scotsman“ argumentationen, die ich seit langem explizit gehört habe.

          Ich kann grad gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muss.

          • @ maddes8cht

            „Ich kann grad gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muss.“

            Dann musst du eben ein bißchen toleranter werden.

            Eine demokratische Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sich Anhänger verschiedener politischer Auffassungen, die trotz aller sonstigen Meinungsverschiedenheiten das gemeinsame Merkmal miteinander teilen, dass sie demokratisch-menschenrechtliche Auffassungen haben, sich zumindest trotz aller sonstigen Meinungsunterschiede gegenseitig als Personen mit demokratisch-menschenrechtlichen Einstellungen anerkennen.

            Und übrigens kann auch eine emanzipatorische soziale Bewegung, die Personen unterschiedlicher politischer Auffassungen beinhaltet, nur auf einer solchen Grundlage funktionieren.

            Ich würde daher die Empfehlung aussprechen, dass du versuchst zu lernen damit zu leben, dass es auch demokratische Sozialisten und demokratische Marxisten gibt – und dass es solche auch in der Männerrechtsbewegung gibt.

            Ich bin übrigens Anarchist, kein Marxist.
            Man bezeichnet den Anarchismus auch mit dem Begriff „libertärer Sozialismus“.

            Meine Genossen haben das Scheitern des sogenannten real existierenden Sozialismus (in Wahrheit Staatskapitalismus) vorausgesagt.
            Meine Genossen haben von Anfang an – und das m.E. völlig zu Recht – darauf bestanden, dass echter/wahrer Sozialismus niemals eine Verstaatlichung der Produktionsmittel, eine Parteidiktatur oder eine Kombination dieser beiden Faktoren beinhalten darf, weil dies zwangsläufig in die Katastrophe führt.

            Aus anarchisticher Perspektive führen politische und wirtschaftliche Machtkonzentrationen stets in die Katastrophe, egal in welchem politischen System. Daher vertreten wir die Position strenger demokratischer Kontrolle aller politischen und ökonomischen Machtpositionen.
            Für einen Anarchisten ist es unvorstellbar ein System, in dem die Produktionsmittel verstaatlicht sind, eine Parteidiktatur oder eine Kombination von beidem als sozialistisch anzuerkennen.

            Viele Anarchisten sind von Anhängern des sogenannten real existierenden Sozialismus (in Wahrheit Staatskapitalismus) verfolgt, eingesperrt, gefoltert und ermordet worden, weil sie sich geweigert haben diese Systeme als sozialistisch anzuerkennen.

            Und jetzt sollen wir auf einmal – nur weil dir das als Liberaler so passt – solche abscheulichen autoritären und totalitären Systeme als wahren/echten Sozialismus bezeichnen, obwohl wir Anarchisten mit unseren Analysen und Prognosen bezüglich dieser Systeme völlig richtg lagen und die entsprechenden autoritären staats“sozialistischen“ (in Wahrheit staatskapitalistischen) Ideen und Systeme von Anfang an bekämpft haben?
            Darauf kannst du lange warten.

            Crumar ist übrigens demokratischer Marxist, falls dir das noch nicht aufgefallen sein sollte. Er vertritt keine Parteidiktatur und keine Verstaatlichung der Produktionsmittel, daher gibt es für mich als Anarchist diesbezüglich auch nichts zu kritisieren.

            Und es gibt übrigens auch marxistische Strömungen, die relativ Anarchismus-nah sind. Wir Anarchisten bezeichnen sie manchmal mit dem Begriff „libertärer Marxismus“. An diesen habe ich als Anarchist erst Recht diesbezüglich nichts zu kritisieren.

          • „Dann musst du eben ein bißchen toleranter werden.“

            Danke für die Portion an nachsichtigem Paternalismus, aber danke, brauche ich nicht. Ich habe mich mit dem Zitat explizit gegen die meiner Meinung drastische „no true scotsmen“ Argumentation gewendet, nicht gegen Crumar als Person, den ich dessen ungeachtet in vieler Hinsicht für seine oft scharfsinnige Sicht schätze.

            Insofern:
            „Eine demokratische Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sich Anhänger verschiedener politischer Auffassungen, die trotz aller sonstigen Meinungsverschiedenheiten das gemeinsame Merkmal miteinander teilen, dass sie demokratisch-menschenrechtliche Auffassungen haben, sich zumindest trotz aller sonstigen Meinungsunterschiede gegenseitig als Personen mit demokratisch-menschenrechtlichen Einstellungen anerkennen.“
            Nehme ich voll für mich in Anspruch.

            Angesichts einer Argumentation das „Kotzen“ zu kriegen, empfinde ich durchaus nicht als ad-hominem Atacke, denn ich sage da nichts über den anderen, sondern über meine Reaktion. Aber warum fallen mir grade deine unsäglich unsachlichen ad-hominem attacken gegen Jordan Peterson ein?
            Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen, Laszek.
            Nur auf einer solchen Grundlage kann nämlich eine liberale oder auch eine emanzipatorische soziale Bewegung funktionieren, die Personenn unterschiedlicher Auffassungen (nicht nur politischer – bei Peterson bspw kommt eine explizit therapeutische Auffassung hinzu) beinhaltet.

            Zum Rest Deiner Ausführungen reduziere ich die Zitate auf exemplarisches:
            „Viele Anarchisten sind von Anhängern des sogenannten real existierenden Sozialismus (in Wahrheit Staatskapitalismus) verfolgt, eingesperrt, gefoltert und ermordet worden, weil sie sich geweigert haben diese Systeme als sozialistisch anzuerkennen.“

            Die selbstzerfleischungsorgien unterschiedlicher „linker“ Strömungen sind mir bekannt und geradezu legendär. Die Opfer habne mein Mitgefühl – wobei ein beharrlicher Zweifel in mir nagt, ob es wirklich so viel anders geween wäre, nur eben mit umgekehrten Personenkonstelationen, hätten sich jeweils andere Ströumngen durchgeetzt.
            Die Fähigkeit, „sich zumindest trotz aller sonstigen Meinungsunterschiede gegenseitig als Personen mit demokratisch-menschenrechtlichen Einstellungen anerkennen“ zu können, scheint hier besonders mangelhaft ausgeprägt (bis nicht vorhanden) zu sein.

            Unabhängig von diesem Zweifel bleibt die viel wichtigere Frage, warum sich überall auf der Welt bei allen sozialistischen Experimenten regelmäßig die von dir so kritisierten Formen des „real existierenden Sozialismus“ durchgesetzt haben, jeweils mit ihren mörderischen Konsequenzen. Könnte es nicht sein, dass ein Anarchistisches Konzept eben nicht funktionieren will, und durchaus eine innere Logik darin liegt, das am Ende regelmäßig eine Parteidiktatur dabei heraus kommt?
            Ab wann kann eine (auch anarchistische) Utopie als gescheitert angesehen werden?
            Es hat niemals irgendwo funktioniert, eine solche aufzubauen, regelmäßig steht am Ende die Katastrophe, evtl, verzögert bzw. verstärkt durch eine periode totalitärer Parteidiktatur.

            „Aus anarchisticher Perspektive führen politische und wirtschaftliche Machtkonzentrationen stets in die Katastrophe, egal in welchem politischen System. Daher vertreten wir die Position strenger demokratischer Kontrolle aller politischen und ökonomischen Machtpositionen.
            Für einen Anarchisten ist es unvorstellbar ein System, in dem die Produktionsmittel verstaatlicht sind, eine Parteidiktatur oder eine Kombination von beidem als sozialistisch anzuerkennen.“

            Das klingt aber schön.
            Okay, für „strenge demokratische Kontrolle“ bin ich immer zu haben, wobei ich als Libraler den Begriff „streng“ möglicherwese weniger benutzen und vielleicht auch anders gewichten möchte.
            Dass Verstaatlichungen kontraproduktiv sind, ist wohl das, wo wir am ehesten übereinstimmen – was allerdings zu der Feststellung führt, dass nicht verstaatlichte Gebilde dann auch keiner unmittelbaren staatlichen und damit auch keiner demokratischen Kontrolle mehr unterliegen können. Gesetzliche Regelungen können dann interne demokratische Strukturen vorgeben, aber jedenfalls kein hineinregieren in internes von Außen.
            Die Idee der „strengen“ denmokratischen Kontrolle beißt sich da mit der liberalen Vorstellung eines möglichst schlanken Staates, was die Möglichkeiten des staatlichen Paternalismus durchaus einschränkt.
            Ansonsten stimme ich vom Wortlaut als Liberaler diesem Statement zu, soweit sie wichtige liberale Grundsätze nicht verletzen.
            Ansonsten ist mir der so gerne als „neoliberalismus“ bezeichnete und überwiegend als „wirtschaftsliberalismus“ (eher: wirtschaftsnaher Liberalismus) zu charakterisierende durchaus zuwieder. ich bin „klassischer“ Liberaler, und „liberale“ bürgerliche Freiheiten, freiräume oder allgemein: Bürgerrechte sind der zentrale Teil meines Liberalismus.

      • ich denke du hast völlig recht. Ein Großteil dessen, was als linke Positionen verkauft wird, dient einfach nur dazu, denen, die sie vertreten Vorteile zu verschaffen. Frauenquote bestes Beispiel.

        Eine Politik, die versuchen würde, allen gleiche Chancen und gleiche Teilhabe zu ermöglichen, müsste eben auch den von Linken als diskriminiert bezeichneten Gruppen Verzicht zumuten, z.B. Frauen, Migranten usw., die z.Z. ohne jede Legitimation bevorzugt werden.

        • @El_Mocho

          Eine der großartigsten feministischen „Leistungen“ der Verschleierung und Umdeutung von Realität war es, „Frauen“ als Gruppe neben Minderheiten zu platzieren.
          Frauen bilden jedoch tatsächlich die *Mehrheit* der Gesellschaft; sie werden keine Minderheit, wenn sie noch so sehr unterdrückt werden würden.
          Aber auch eine Minderheit ist nicht per se diskriminiert, wenn sie Nachteile hat und es gibt Minderheiten in Deutschland (Vietnamesen bspw.), die ausgesprochen erfolgreich sind.
          Es wäre damit erklärungsbedürftig, warum der „strukturelle Rassismus“ gegen eine Minderheit erfolgreich agiert, gegen eine andere jedoch nicht.
          Es wäre eine sehr merkwürdige „Struktur“.

          Was ich damit sagen will, „als diskriminiert bezeichnet“ trifft es sehr gut, weil sich diese „Bezeichnung“ ooft aus Stereotypen und Vorurteilen speist und die hiesige Rinke sieht Stereotype und Vorurteile nur beim politischen Gegner.
          Dem ist aber leider nicht so.

        • Stop, was nun, gleiche Chancen oder gleiche Teilhabe?
          „Exquality of opportunity“ ist klassicher Liberalismus, „equalitiy of outcome“, also gleiche Teilhabe, ist Kommunismus.

          • @Benjy

            „Equality of opportunity“ ist klassischer Liberalismus, „equalitiy of outcome“, also gleiche Teilhabe, ist Kommunismus.“
            Eigentlich stimmt beides m.E. nicht. Sorry!

            Marx hat zur kommunistischen Gesellschaft (wenig genug) geschrieben:

            „In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ Marx – Kritik des Gothaer Programms

            Bitte hier die Einschränkungen betrachten, die jeweils durch „nachdem die…“ ausgedrückt worden sind.
            Er lässt (ebenda) keinen Zweifel daran, wie sich die Mittel zur Verteilung an die Individuen in einer Gesellschaft – also eine „gerechte Verteilung“ – eigentlich bestimmen:

            „Nehmen wir zunächst das Wort „Arbeitsertrag“ im Sinne des Produkts der Arbeit, so ist der genossenschaftliche Arbeitsertrag das gesellschaftliche Gesamtprodukt.

            Davon ist nun abzuziehen:
            Erstens: Deckung zum Ersatz der verbrauchten Produktionsmittel.
            Zweitens: zusätzlicher Teil für Ausdehnung der Produktion.
            Drittens: Reserve- oder Assekuranzfonds gegen Mißfälle, Störungen durch Naturereignisse etc.

            Diese Abzüge vom „unverkürzten Arbeitsertrag“ sind eine ökonomische Notwendigkeit, und ihre Größe ist zu bestimmen nach vorhandenen Mitteln und Kräften, zum Teil durch Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber sie sind in keiner Weise aus der Gerechtigkeit kalkulierbar.

            Bleibt der andere Teil des Gesamtprodukts, bestimmt, als Konsumtionsmittel zu dienen. Bevor es zur individuellen Teilung kommt, geht hiervon wieder ab:
            Erstens: die allgemeine, nicht direkt zur Produktion gehörigen Verwaltungskosten.
            Dieser Teil wird von vornherein aufs bedeutenste beschränkt im Vergleich zur jetzigen Gesellschaft und vermindert sich im selben Maß, als die neue Gesellschaft sich entwickelt.
            Zweitens: was zur gemeinschaftlichen Befriedigung von Bedürfnissen bestimmt ist, wie Schulen, Gesundheitsvorrichtungen etc.

            Dieser Teil wächst von vornherein bedeutend im Vergleich zur jetzigen Gesellschaft und nimmt im selben Maß zu, wie die neue Gesellschaft sich entwickelt.
            Drittens: Fonds für Arbeitsunfähige etc., kurz, für, was heute zur sog. offiziellen Armenpflege gehört.

            Erst jetzt kommen wir zu der „Verteilung“, die das Programm, unter Lassalleschem Einfluß, bornierterweise allein ins Auge faßt, nämlich an den Teil der Konsumtionsmittel, der unter die individuellen Produzenten der Genossenschaft verteilt wird.

            Der „unverkürzte Arbeitsertrag“ hat sich unterderhand bereits in den „verkürzten“ verwandelt, obgleich, was dem Produzenten in seiner Eigenschaft als Privatindividuum entgeht, ihm direkt oder indirekt in seiner Eigenschaft als Gesellschaftsglied zugut kommt.“

            Es ist nachvollziehbar, was Marx als „Urheber des Kommunismus“ ideell zugeschrieben worden ist, mit seinen tatsächlichen Überlegungen nichts zu tun hat. Aus Marx den Vater des „bedingungslosen Grundeinkommens“ oder eines „equality of outcome“ zu machen ist rundweg falsch.

            Zu den Fallstricken der „equality of opportunity“ hat bereits Anatole France 1894 sarkastisch angemerkt: „[…] unter der majestätischen Gleichheit des Gesetzes, das Reichen wie Armen verbietet, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen.“ – *formale* Gleichheit vor dem Gesetz ist eben *nicht* Garant für gleiche Chancen.
            Wenn die OECD bemängelt, Bildung und Bildungszugänge seien in Deutschland abhängig von dem sozialen Staus des Elternhauses ist genau das gemeint. Formal sind alle Bildungsabschlüsse für alle gleichermaßen erreichbar, was im oben genannten Beispiel aus GB jedoch (merkwürdigerweise) *weiße* *Jungen* aus der *Arbeiterklasse* nicht nutzen.
            Womit wir – konträr zur bürgerlich-feministischen Ideologie – ein „outcome“ der „equality of opportunity“ erreicht haben, in der die nominal doppelt privilegierten (weiß, männlich) diejenigen sind, die benachteiligt werden.
            Was uns wiederum – mit Blick auf Anatole France – wenig überrascht.

            Aus diesem Grund erfinden bürgerliche Feministinnen „strukturelle Diskriminierungen“ von Frauen, die die bloß *formale* Gleichberechtigung mit dem eigentlichen Ziel konterkarieren, die „patriarchale Herrschaft“ zu sichern.
            Weil die „formale Gleichberechtigung“ erkennbar Frauen *begünstigt*, statt sie zu diskriminieren. D.h. es wird eine Meta-Ebene von „Herrschaft“ eingerichtet, die ideologisch *gegen die empirischen Befunde* die „Theorie“ absichert. Zugleich ist die „majestätische Gleichheit des Gesetzes“ durchaus gewährleistet, wenn es eben *weißen* und *männlichen Mitbürgern* verboten ist unter Brücken zu schlafen. „Das Patriarchat schadet auch Männern“.
            S. „nützliche Idiotinnen des Kapitals“.

            Noch einmal Marx, um den Blickwinkel des bürgerlichen Feminismus zu verstehen: „Erst jetzt kommen wir zu der „Verteilung“, die das Programm, unter Lassalleschem Einfluß, bornierterweise allein ins Auge faßt, nämlich an den Teil der Konsumtionsmittel, der unter die individuellen Produzenten der Genossenschaft verteilt wird.“

            Bei Lassalle gab es immerhin den „individuellen Produzenten“, der tatsächlich produktiv tätig ist, im Feminismus hat dieser einfach nur das Geschlecht „Frau“. Der eine „gleichberechtigte Teilhabe“ zusteht, einfach nur, weil sie biologisch existiert – s. „Hälfte des Familieneinkommens“.
            Der Spezialfall *bürgerlicher Feminismus* hat daher weder mit Marx, noch mit Lassalle etwas zu tun und auch nicht mit der Entgegensetzung von „equality of oppurtunity“ und „equality of outcome“.

            Sondern diese Ideologie geht beiden *voraus*, nachdem (bürgerlichen) Frauen – ohne weitere gesellschaftliche Kosten zu betrachten – die Hälfte von ALLEM *von vorneherein* zusteht.
            Es geht dem bürgerlichen Feminismus zweitens nicht um das Marxsche: „Davon ist nun abzuziehen“, weil sie direkter TEIL von „Davon ist nun abzuziehen“ SIND.
            Das ist die KOSTENSEITE eines so beschriebenen Systems.

            Nämlich (Hervorhebung von mir):
            – „Bevor es zur individuellen Teilung kommt, geht hiervon wieder ab:
            Erstens: die allgemeine, nicht direkt zur Produktion gehörigen VERWALTUNGSKOSTEN.“
            – „Zweitens: was zur gemeinschaftlichen Befriedigung von Bedürfnissen bestimmt ist, wie SCHULEN, GESUNDHEITSVORRICHTUNGEN etc.“
            – „Drittens: Fonds für Arbeitsunfähige etc., kurz, für, was heute zur sog. offiziellen ARMENPFLEGE gehört.“

            Die Perspektive des bürgerlichen Feminismus ist die der (akademisch gebildeten) bürgerlichen Frauen, die in solchen Staatsapparaten gelandet sind. Aus *dieser* Perspektive muss man die bizarren Ideen des bürgerlichen Feminismus begreifen.
            Sie sind und waren nie für die *Einnahmeseite*, die Seite der Produktivität zuständig. Es ist aus deren bornierter Ideologie selbstverständlich, eine „care-Arbeit“ zu erfinden und nicht zu fragen, wer bisher dafür sorgte, durch Erwerbsarbeit *sicherzustellen*, dass diese „care-Arbeit“ so beklagenswert „unentgeltlich“ verrichtet werden konnte.
            Die Freistellung von Erwerbsarbeit (männlich) ist in deren Logik nicht das eigentliche Problem, sondern dass IN der Freistellung DAVON (weiblich) die Arbeit verrichtet worden ist. Man muss sich nur in die Logik hinein begeben, um sie zu verstehen.

            Dass hier das „Privileg“ der Erwerbsarbeit männlich „codiert“ ist, also auch die *Einnahmeseite*, deckt sich mit der Erfahrung der bürgerlichen Feministin, die Basis der eigenen Arbeit (s.o. = *Kosten*) würde durch „Andere“ finanziert.
            Dieses Geld ist – auf mystische Art und Weise – in deren Augen schon immer da gewesen und muss nun nur noch „gerecht“ verteilt werden (s. Kosten).

            Ich schließe: Egal, welche unterschiedlichen Ansichten Männer jemals zu Verhältnis von „equality of opportunity“ zum „equality of outcome“ gehabt haben, der bürgerliche Feminismus hat mit diesen Überlegungen *nichts* zu tun.
            Wer die Theorie des bürgerlichen Feminismus wirklich verstehen will, muss dieses Verhältnis aus der materiellen und sozialen Lage bürgerlicher Feministinnen heraus verstehen.

    • „Und viele andere Linke Forderungen sind doch auch egoistisch. Eine Frauenquote für Top-Jobs interessiert die Kassiererin bei ALDI/LIDL oder sonstwo nicht die Bohne.“

      Weshalb solche Forderungen weniger mit „links“ zu tun haben, als mit einem ausufernden neoliberalen Hedonismus, dem sich die Linken irgendwann in den 80ern zunehmend anbiederten, in dem Glauben, ganz besonders gerecht zu sein.

      „Denn sie hat ja nichts davon. Aber für eine Frau aus der Mittelschicht die Karriere machen will ist die Frauenquote doch sehr Willkommen, bedeutet dies doch größere Aufstiegschancen.“

      Genau das ist auch der Hintergrund. Ein wachsender Tross sozial degenerierter Wohlstandstussies möchte versorgt sein, ohne sich die Hände schmutzig machen zu müssen.
      Mit linken Arbeiterfrauen haben die noch weniger zu tun, als eine Millionärin, die als Unternehmerin jeden Tag ihren Mittelstandsbetrieb am Laufen hält, damit ihre Mitarbeiter ihre Familien ernähren können.

      • Das sind aber nicht nur die neoliberalen Linken der SPD, sondern eben auch viele Millenials, die sich als Links bezeichnen. Ich bin immernoch fasziniert davon, dass ein klassicher Punk, wie man sie aus den 80ern kennt, 2016 entschieden hat das es „links“ ist eine Kandidatin zu unterstützen, die Wallstreet- und Big-Bank-Money für den Wahlkampf bekommt.

        • „Das sind aber nicht nur die neoliberalen Linken der SPD, …“

          Bist Du sicher, dass die Linken in der SPD – so es sie gibt – sich als neoliberal bezeichnen würden?
          Ich bin mir nicht sicher, in den letzten 15 Jahren einen Linken der SPD irgendwo und irgendwann mal in den Medien gesehen zu haben.
          Spätestens seit Schröder ist Neoliberalität in der SPD Programm. Linke, wie Oskar Lafontaine der 80er haben schon lange nichts mehr dort zu melden.

  8. Seit wann ist denn die „Anstrengung“ einer Geisteshaltung ein vernünftiges Kriterium zur Bewertung von politischen Bewegungen?

  9. Apropos „die eigenen politischen Errungenschaften“ und „die eigenen Erfolge“: Mal historisch betrachtet – der deutsche Sozialstaat, den es mal gegeben hat, der war nicht sozial-demokratisch. Nee, der war katholisch. Ist schwer zu glauben, ist aber Tatsache. Der deutsche Sozialstaat ging zurück auf konservative Katholiken.

    Es ist z.B. auch interessant, sich mal anzuschauen, was die Republikaner in der Geschichte der USA so alles gefordert haben. Nicht nur die Abschaffung der Sklaverei, auch bspw. die Verstaatlichung *aller* irgendwie öffentlich genutzten Güter und Leistungen, also z. B. Wasser- und Stromversorgung, Müllabfuhr, Stadtreinigung, öffentlicher Nahverkehr, Universitäten, und und und.

    Der Grund hierfür ist leicht zu finden – „Konservative leben den beneidenswerten Geisteszustand der Zufriedenheit.“ Sophie Passmann klärt auf.

    Und noch ein Punkt: ein fast schon klassischer Vorwurf gegen die SPD lautet: Sie tut alles, um zu vermeiden, daß sie Verantwortung für die Bürger übernehmen, also handeln muß. Woran das liegt? „Linkssein ist im Gegensatz dazu ein unheimlich anstrengender Geisteszustand …“

    • Ich bin mir eigentlich sehr sicher, dass die Wurzeln des deutschen Sozialstaates preußisch-protestantisch sind. Kirche hat schon immer Wohlfahrt betrieben, aber ein ins Gesetz gegossener Sozialstaat gab es erst unter protestantisch-preußischer Ägide.

  10. Ihr interpretiert viel zu viel in ihre Aussagen hinein. Was sie sagen wollte ist ganz simpel:
    Natürlich könnte ich so dumm sein wie meine politischen Gegner, aber dafür bin ich zu moralisch einwandfrei und intelligent.

    • Wenn es nur das wäre.

      Lucas hat oben einen wichtigen Punkt erwähnt: Wer sich aber gar nicht weiter damit beschäftigt, wie denn nun eigentlich das Bestehende funktioniert, der kann sich das nur leisten, weil andere ihm zuarbeiten. Es ist tatsächlich eine elitäre Position. Das hat mit „linker“ Politik gar nichts zu tun.

      Die Frau ist m.M.n. unwillig bzw. unfähig über ihren eigenen Bauchnabel hinaus zu denken. Um Politik geht es in ihrem Beitrag im Grunde gar nicht, sie jammert darüber wie schwer es FÜR SIE ist unter dem Vorwand einer politischen Stellungnahme. Reinster Kulturnarzissmus, die ist wohl ideologisch verloren.

        • Wenn du dich dafür interessieren würdest was linke Politik ist, könntest du mitreden.

          Aber gut getrollt Löwe, Ehre wem Ehre gebührt! 😉

          • Die Linke hat das Problem, dass sie die natürliche Heimat für diese Narzissten sowie für Neidgetriebene ist.

            Die Rechten müssen eine Lösung dafür finden, dass sich Rassisten naturgemäß bei ihnen tummeln. Die Linke muss eine Lösung für die Asophies der Welt finden.

            Zu sagen „Das sind keine echten Linken“ ist eine Ausrede und kein Lösungsansatz.

          • „Zu sagen „Das sind keine echten Linken“ ist eine Ausrede und kein Lösungsansatz.“

            Eine Ausrede ist es nicht.
            Vielleicht eher ein Eingeständnis, dass es derzeit – zumindest in der SPD – keine echten Linken gibt.

            Linke Politik ist – ich hatte es schon vor einigen Wochen dargelegt – dass ich als Arbeiterkind heute mein Auskommen als Ingenieur habe, in einer strukturkonservativen Ständegesellschaft undenkbar.
            Es war die Politik Willi Brandts, die den Arbeiterkindern die Türen in höhere Gesellschafts- und Einkommensschichten öffnete.

            Und es war allerdings die Politik Helmut Schmidts, diese Türen langsam aber konsequent wieder zu schließen (Einführung von BAFöG auf Volldarlehensbasis, Studiengebühren).

          • @ only_me

            „Die Rechten müssen eine Lösung dafür finden, dass sich Rassisten naturgemäß bei ihnen tummeln. Die Linke muss eine Lösung für die Asophies der Welt finden.“

            Ob dem wirklich so ist?
            So wie links der Rasse- und Rassismusbegriff entglitten sind, scheint das dort doch ein Sammelbecken für einen erstaunlich ‚bunten‘ Rassismus geworden zu sein.

          • Wenn du dich wirklich für feminismus interessieren würdest, dann wüsstest du, dass es bei feminismus einfach nur um gleichberechtigung geht, und erst, wenn du das akzeptiert hast, kannst du wieder zum Thema Feminismus mitreden.

            Gut getrollt

          • Für mich gilt eher:
            Den feminismus betrachte ich weniger anhand einer irgendwie gearteten „Wörterbuchdefinition“, die durchaus ähnlich ehrenwert klingen wie etwaige Wörterbuchdefinitionen des Sozialismus/Kommunismus, sondern eben ganz genau anhand der desaströsen EFFEKTE.

            Die EFFEKTE sind nicht ein irgendwie gearteter Unfall, anhand dessen man nachträglich bestimmen könnte, ach nee, diese Politik lassen wir jetzt nicht mehr als feministisch/sozialistisch gelten weil hat nicht funktioniert (und deshalb probieren wir GENAU DAS SELBE gleich noch mal, in der Hoffnung, dass es diesmal funktioniert, weil wir sind ja die guten (TM) ).
            Die EFFEKTE sind das Kernmerkmal, anhand dessen die Wirkung und legitimität einer Politik zu bestimmen ist.
            Eine nachhaltig und immer und immer wieder gescheiterte Politik immer und immer nochmal neu aufzulegen, weil die bisherigen implementierungen irgendwie keine echten xyz scotsmen waren, wiederspricht diesem Prinzip und ist schlicht Verantwortungslos.

      • Da bist du schon auf einem PUA-Blog, weißt aber immernoch nicht das Frauen Worte wie Zaubersprüche benutzten.
        Hier ist kein rationaler Gedankengang zu beobachten, dass ist schlichtweg Virtue Signaling und Opferpunkte kassieren.

    • Ja, ich fand die Position auch reichlich naiv. Auch das ob man konservativ oder ehr links ist, ehr auf einer Werteintscheidung besteht, wie man auch an den psychologischen „Big Five“ erkennen kann. Auch haben Konservative eine höhere Präferenz für Ordnung. Was Vor- und Nachteile hat sprich Trade-Offs. Ob das eine oder das andere „besser“ ist, ist dann nicht immer ganz eindeutig.

      Daneben gibt es dann noch Tatsachenfragestellungen. Bei denen kann man im Prinzip zu einem Ergebniss kommen (zumindest wenn man die Scientific method nicht für Unsinn hält), nämlich welches Modell die Wirklichkeit besser beschreibt zB. welches Modell beschreibt die Berufwahl von Männern und Frauen besser (bzw. wir groß evo. Effekte und Sozialeffekte sind).

      Mich wundert es aber nicht das die Frau Passmann so gefeiert wird in manchen Kreisen und wahrscheinlich sogar als Vordenkerin bald gilt…

        • Im Grunde ist es ein „Populistischer Text“ (auch wenn mir das Wort populistisch nicht gefällt), wenn man hier den „populus“ als das links-grüne Medien Umfeld definieren würde, mit klassischem gut & böse Motiv.

  11. Mich erschüttert immer wieder welche Vollpfosten mediale Resonanz erfahren. Der Autorin ist nicht einmal politisches Denken geläufig, sondern nur politisiertes Fühlen. Dieses abstrakte Gutmenschentum, das selektiv Unterdrückte sieht braucht keine analytische oder empirische Basis. Es ist lediglich eine Maske, die man sich aufsetzt, um im Karneval der Eitelkeiten nicht erkannt zu werden. Der Autorin scheint diese Maske unbequem zu werden, weswegen sie anfängt zu jammern über die missliche Realität.

    • Ja, das ist mir auch erst in der krassen Form aufgefallen, als ich vielen der „Top-Medienschaffern“ auf Twitter folge.
      Und in dem Text war gar keine politische Analyse und damit „reproduziert Sie bei mir“ das Stereotyp wie Frauen über Politik denken bzw. wie sie Politik machen, nämlich „politisches Fühlen“.

  12. Der im Blogpost besprochene Artikel is anscheinend dieser hier:

    https://daily.spiegel.de/meinung/sophie-passmann-uebers-linkssein-furchtbar-anstrengend-a-80846 Passmann übers Linkssein – Es ist so anstrengend

    Komischerweise finde ich kein Datum – eventuell haben die Texte auf SPIEGEL DAILY ja auch nur eine Haltbarkeit von einem Tag.

    Auf die Gefahr hin, in eine ad hominem-Attacke zu verfallen, würde ich trotzdem empfehlen, sich ein Bild von der Autorin zu machen, um den Artikel richtig einzuschätzen. Laut https://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Passmann ist sie vor allem bewandert im Poetry Slam, also der Fähigkeit, scheinbar sinntragende Satzfragmente rhythmisch auszustoßen und den Zuhörern die Illusion zu vermitteln, etwas wichtiges mitgeteilt zu bekommen, was aber durch Wortschwallüberflutung systematisch verunmöglicht wird – in der Erinnerung bleibt der Rhythmus, und dafür gibt es Applaus. Ihre Textsammlung „Monologe angehender Psychopathen“ wurde preisgekrönt. Ein Studium der Politikwissenschaft, in dem man ganze Bücher konzentriert lesen muß, wurde immerhin begonnen.

    Sie wird hier als ernstzunehmender Philosoph kritisiert, nach meinem Eindruck ist sie aber nur ein Poetry-Slammer. Genauso wie bei Kebekus und ihrer neuen PussyTerror-Show geht es nur um die Show, bestenfalls um das Anheizen von Animositäten. Geistiger Tiefgang würde stören. (Das gilt übrigens analog für diverse männliche Medienstars, das Geschlecht der beiden spielt nur eine sekundäre Rolle.)

    Ihre wirkliche Qualifikation besteht darin, sich in der Medien-Kaste hochgearbeitet oder einfach Glück gehabt zu haben und jetzt eine mediale Machtposition zu haben.

    • Der Artikel scheint vom 15. Mai zu sein, jedenfalls hat sie ihn da beworben.

      Interessant in dem Twitter-Thread die Bemerkung angesichts einer Zustimmungsrate von „nur“ 88%. mittlerweile liegt sie übrigens <50% 🙂

    • Aha – danke für den Link.

      Die Darstellung als Poetry-Slammer und Comedian bringt insbesondere die ganz erhebliche Wahrscheinlichkeit ins spiel, das der Text im Wesentlichen vor selbstironie und sarkasmus trieft, also Satire ist.

      Poe’s Law hat wieder mal zugeschlagen.
      Ohne den ausdrücklichen Hinweis, dass hier eine Komödiantin schreibt, ist nicht zu erkennen, dass es sich um Satire handelt. Christian, das wäre eigentlich wichtig gewesen – oder wolltest du das bewusst erst später „enthüllen“?

  13. Den Punkt der Weltverbesserung verstehe ich, es ist tatsächlich unmöglich zufrieden zu sein, wenn man erstmal einige Sachen durchschaut hat und wenn einem das Gemeinwohl am Herzen liegt, das ist aber bei allen politischen Strömungen so, man geht nicht in die Politik, wenn man keinen Verbesserungsbedarf sieht (na gut, abgesehen von den klassischen Karrieristen und den Geheimdienstlern, für die das ihr Job ist).

    Man treibt sich übrigens auch nicht in Foren, wie diesem hier, herum, wenn man rundum zufrieden ist 😉

    Das ist das Manko der Zivilisation, Leute die in der Frühzeit in einem Stamm oder Dorf direkt etwas bewirken konnten, wenn ihnen was nicht passte, müssen heute ihr ganzes Leben einer Parteikarriere widmen und auf einem irren Abstraktionsniveau arbeiten. Die meisten (etwa mich) schreckt das ab überhaupt nennenswert politisch aktiv zu werden. Manche tun sich das an.

    Das Vernünftigste wäre immer noch, man überlässt die Entscheidungen dem Souverän direkt, dann fiele viel der Parteiintrigen, Abhängigkeiten und unseligen Kompromisse weg und man könnte das Thema, welches man verbessern will, sehr viel direkter und ohne dauerhafte Bindung an einen Parteimoloch angehen.

    Von daher habe ich für Politikergejammer nicht wirklich viel Verständnis.

  14. Also erstens wird man ja nicht konservativ, indem man das „versucht“. Ich erlebe das gerade an mir selbst, da ich mich in diese Richtung bewege. Aber ich habe mir das nicht ausgesucht, es sind ganz einfach die Hirngespinste der sog. Progressiven, die mich dahin treiben.

    Den Linken geht es nur um Veränderung um der Veränderung willen, erwas das ich gelinde gesagt fragwürdig finde. Ein prima Beispiel ist die Bildungspolitik. Deutschland ist international dermaßen abgehängt, und das ist alles die Schuld des linken „Fortschritts“. Schreiben nach Gehör, keine Leistungsfeststellungdurch Benotung, mehr Inklusion, Verhätschelung statt Faktenvermittlung.
    Und, typisch für links, werden keine Fehler zugegeben und korrigiert. Im Gegenteil, da muß man eben „noch mehr tun“.

    Ich beobachte das alles sehr genau, weil ich demnächstein paar Blogeinträge zu genau diesem Thema schreiben möchte, links (progressiv) und rechts (konservativ).
    Ich denke sogar, konservativ zu sein ist anstrengender, die haben nämlich Regeln, an die sie sich halten. Die linken finden für alles, was ihnen nicht oasst, eine Ausnahme. Das Paradebeispiel dafür ist der Hashtag #ausnahmslos , der das Wort ausnahmslos zu einer Farce gemacht hat.

    • @George

      „Ein prima Beispiel ist die Bildungspolitik.“

      Finde ich auch. Als die Finnen begannen, über eine Modernisierung des Bildungssystems nachzudenken, fingen sie an, sich mit dem deutschen als Vorbild zu beschäftigen.
      Es war aber das Bildungssystem der DDR, nicht der BRD.
      Nun könnte man noch einmal über links und „links“ als Vorbild nachdenken.
      Man kann es aber auch lassen.
      Nachdem die Finnen also das Bildungssystem der DDR nach der Reform von 1968 übernahmen und dieses wiederum modernisierten, waren sie ausgesprochen erfolgreich in PISA-Tests.

      Was – konsequent inkonsequent – dazu führte, die *Finnen* als Vorbild zu sehen, während auffällig vermieden worden ist, das Vorbild der Vorbilder als Vorbild zu sehen.
      Das kann durchaus damit zu tun haben, dass „Schreiben nach Gehör, keine Leistungsfeststellungdurch Benotung, mehr Inklusion, Verhätschelung statt Faktenvermittlung“ von *einem links* kommt und das ANDERE LINKS mit diesem Schwachsinn nichts zu tun hat und haben will.

      Ich, als das ANDERE LINKS, hätte bspw. nichts dagegen, das *eine links* ständig in den Arsch zu treten und daran zu erinnern, was unsere Funktion in Sachen „Wissen ist Macht“ einmal war.

      • Ich glaube, wenn Du mal rein nach den Fakten, die selbstgeworfenen Nebelkerzen und die Strohmaenner Deiner ‚Kameraden‘ ignorierend, die Forderungen der Konservativen gegen die Forderungen der Linken/Gruenen/SPD abwaegst, dann wirst Du zum Ergebnis kommen, dass Du zu ueber 50% konservative Positionen vertrittst. Dann wird bei Dir die gleiche Reaktion einsetzten, wie bei der Spiegel-Tussi: „Verdammt, die Konservativen haben recht, und ich bring’s nicht ueber’s Herz Links zu verlassen“. Muahahahaha

  15. Pingback: Das Universum will Dich töten – 42 – luisman's blog

  16. Bei Anstrengung und Versagern muss ich immer an das hier denken:
    [audio src="http://ernieputto.de/lebowski/sound/nihilist.mp3" /]

    Bunny: Uli ist alles egal, der ist Nihilist.
    Dude: Äh…das ist bestimmt verdammt anstrengend.

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