Ansprüche nach dem Entgelttransparenzgesetz: Bisher nur von Männern geltend gemacht

Rechts, Links und die Frage wie anstrengend politische Haltungen sind

Sophie Passmann schreibt über die Anstrengungen einer linken politischen Einstellung:

Ich bringe es leider nicht übers Herz, konservativ zu sein. Würde ich das schaffen, wäre mein Leben sehr viel einfacher, denn mir wäre allein schon die Parteimitgliedschaft bei der SPD erspart geblieben und damit auch unendlich viel Kummer im letzten Jahr.  Dabei habe ich in meinem Leben immer wieder ernsthafte Versuche unternommen, konservativ zu werden, allein aus arbeitsökonomischen Gründen. Wer konservativ ist, spart sich nämlich langfristig den anstrengenden Versuch, die Gesellschaft verändern zu wollen

Als Liberaler stehe ich ja irgendwie zwischen diesen beiden Lagern, finde dieses Schwarz-Weiß-Malen aber wenig durchdacht und selbstbeweihräuchernd. Denn Konservative wollen ja durchaus auch die Gesellschaft verändern, sie zB weniger Links und konservativer machen.

Rechts = leicht

Konservative leben den beneidenswerten Geisteszustand der Zufriedenheit. Sie schauen sich um auf dem Schlachtfeld der Postmoderne und denken sich: „Nett hier! Genau so soll das bitte für die nächsten 100 Jahre bleiben!“ Der Kern dieser niedlichen politischen Haltung ist es, die Sachen wirklich prima zu finden, wie sie sind. Veränderungen, die wirklich nicht vermeidbar sind, packen sie watteartig in gemächliche Politik, sodass der Wandel fast gar nicht wehtut.

Nimmt man als Rechts beispielsweise die AFD dann könnten ja die Linken eigentlich ganz erleichtert sein. Sie wollen gar keine Veränderungen, es kann also gar nicht schlimmer werden, es bleibt höchstens so.

Links = anstrengend

Linkssein ist im Gegensatz dazu ein unheimlich anstrengender Geisteszustand, denn man blickt auf die Welt um einen herum mit dem Wissen, dass sich mit der richtigen Politik vieles zum Besseren wandeln könnte. Diese Einsicht ist der erste Schritt ins Verderben, denn spätestens ab dann ist Zufriedenheit eigentlich unmöglich. Die Einsicht, Herr über die eigenen Lebensumstände zu sein, ist eine Arbeitsanweisung, die man als Linker fast nicht ignorieren kann.Diese Rastlosigkeit ist im Kern gut, kann aber schnell zu politischem Burn-out führen, denn am Ende ist es fast egal, wie schnell der Wandel passiert, die Linken wissen, dass er noch schneller ginge. Wie tief die Zerrüttung werden kann, die daraus resultiert, lässt sich im Moment wunderbar bei der SPD ablesen. Keine andere Partei ist in den letzten Jahren so gut darin gewesen, die eigenen politischen Errungenschaften rein aus schlechtem Gewissen komplett zu ignorieren. Was von außen aussieht wie arbeitsame Bescheidenheit, ist in Wahrheit Selbsthass.

Das kann man natürlich leicht umdrehen: Die Linken haben es einfach, sie können ignorieren, was klappt und mit ihrem einfachen Weltbild einfach einen Sündenbock bestimmen, der sich ändern muss, sei es der Kapitalist oder neuerdings der weiße, heterosexuelle Mann. Eine enorm einfache Sicht, in der man nicht mehr nachdenken muss, allenfalls darüber wie man möglichst viel Virtue Signalling betreiben kann. Da sie sich in einem ewigen Kampf wähnen brauchen sie keine Erfolge, der Weg reicht.

Wäre ähnlich schlicht wie die Sicht oben, eben auf ein Klischee linker und bürgerlicher Politik bezogen.

Sozialdemokratischer geht immer

Denn egal wie groß die Steuerentlastung und wie hoch der Mindestlohn ist, der da durchgesetzt wurde, es geht immer noch sozialdemokratischer.

Es geht auch immer noch konservativer.

 

Stellen Sie sich vor, die Union hätte als kleinerer Koalitionspartner ein Kernprojekt wie den Mindestlohn quasi im Alleingang durchgedrückt. Jens Spahn und Andi Scheuer hätten bis heute einen Tennisarm, weil sie sich den ganzen Tag lang gegenseitig auf die Schulter klopfen müssten. Die SPD wiederum führt seit der Einführung des Mindestlohns die leidenschaftliche Debatte, ob der Mindestlohn hoch genug ist. Diese Debatte ist langfristig natürlich wertvoll, denn sie ist der Antrieb für noch gerechtere Politik. Während die Union quasi besoffen durch eine Legislatur nach der nächsten taumelt, stolpert die SPD hinterher, von Selbstzweifeln zerfressen. Was von außen dann aussieht wie eine Sinnkrise, ist eigentlich nur berechtigter Zweifel an der eigenen Methode.

Wer ist eigentlich die letzen Legislaturperioden mit der CDU in der Koalition gewesen? Und das es in der CDU nicht gärt, dass ihre Wählerschaft sich nicht teilweise einer anderen Partei zugewandt hat, dass kann man ja auch nicht sagen. Merkel schirmt es eben gegenwärtig noch ab.

Die SPD hadert nicht mit dem eigenen Sinn, sie ist nur getrieben von der panischen Angst, nicht eine Sekunde die eigenen Erfolge feiern zu dürfen. Wer wissen möchte, was genau an der sozialdemokratischen Politik in welchen Details komplett falsch gelaufen ist, muss keinen Kommentar eines SPD-kritischen Journalisten lesen, ein Besuch auf einem SPD-Parteitag reicht völlig. Das ist deprimierend und traurig, und am Ende ist es auch nicht zielführend. Es wäre wirklich so viel einfacher, konservativ zu sein. Aber ich bringe es einfach nicht übers Herz.

Es scheint mir recht einfach bei der SPD zu sein: Einfach weiblicher werden, eine Nahles an die Spitze, endlich eine Frau! Und ansonsten weitaus eher alles so lassen wollen, denn die Politik ist ja gegenwärtig in vielen Bereichen eher links.

Linke und bürgerliche Parteien so einfach abzugrenzen ist mehr ein sich selbst auf die Schulter klopfen: Wir haben es eben schwerer, die anderen haben es einfach. Nur dass das Gras eben immer grüner auf der anderen Seite ist.