Selbermach Mittwoch 163 (16.05.2018)

Wie geht es euch im Wonnemonat Mai?

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80 Gedanken zu “Selbermach Mittwoch 163 (16.05.2018)

        • @Matze @only_me

          Es ist euch aber schon klar, dass die derzeitige Privatisierung der Zensur im Internet in den real-existierenden *kapitalistischen* Staaten stattfindet?
          Dass wir den Demokratieabbau und die Einschränkung der Freiheitsrechte im real-existierenden *Kapitalismus* beklagen?
          Dass sowohl in GB, in den USA, als auch in Deutschland *konservative* Kräfte das Land regieren?

          Ich frage mich wirklich, was diese gesammelten Memes erstens anderes bedeuten sollen, als eine *Scheinwelt* zu konstruieren und zu „kritisieren“; denn wir leben in keinem sozialistischen Staat, daher kritisieren diese Memes ein Phantasma.
          Zweitens kommt es mir so vor, als würde der Gegenstand der Kritik *zugleich* verfehlt UND als alternativlos charakterisiert.
          Was ich als denkfaul empfinde.

          Die Finanzkrise ab 2009 und deren Nachwirkungen kam ganz ohne Beteiligung eines Sozialisten, Kommunisten, Marxisten, Anarchisten zustande.
          Selbiges gilt für die Kriege im Nahen Osten – die vollzogenen und versuchten regime changes und deren Folgen, die wir dann u.a. als Flüchtlingskrise erlebt haben.
          Alles „proudly presented“ von politischen Kräften, die mit „Sozialismus“ null, niente, nada etwas am Hut hatten und haben.
          Was sollen solche Memes bringen?
          Man kann sagen, es handelt sich um Projektionen, denn mit Recht kann man die geschilderten Folgen der Krisen dem „REAL CAPITALISM“ anlasten, der gleichzeitig als unantastbar gelten soll.
          Was ein lustiger Gedankenspagat ist und – wie gesagt – denkfaul.

          • @crumar,

            a) wieso verlierst du eigentlich immer 100% deines Humors, der ja sonst durchaus vorhanden ist, sobald es um Kommunismus geht?
            b) die CDU ist so konservativ wie die SPD links ist.
            c) ich bin weit entfernt davon, ein Anhänger des ungebremsten Kapitalismus zu sein. Die Missstände, die wir derzeit in Deutschland haben, liegen – soweit meine bescheidenen Einsichten das zusammenreimen können – sehr viel weniger in politischen Philosophien als in stinknormaler Korruption begründet.
            d) es wäre interessant rauszuschälen, warum es sehr viel schwieriger ist, über Rechtsextreme Witze zu machen als über Linksextreme. Ich vermute, dass das eng damit verwandt ist, dass Linksextreme es – im Gegensatz zu Rechtsextremen – immer irgendwie vermeiden konnten, den „abgrundtief böse“ Stempel abzukriegen. Wer nicht eo ipso als Abschaum gilt, ist stattdessen dann leichter Zielscheibe von Spott. Da bleiben einem die Scherze nicht im Hals stecken. Auch irgendwie fair.

          • @only_me

            Keine Ahnung. Warum verlieren Männer ihren Humor, nur weil man 90% von ihnen ausrotten möchte?
            Natürlich kann ich dem Irren begegnen, der mich aus dem Helikopter werfen will, er kann keinen fliegen. Er ist ein weiterer Narzisst.
            Ich könnte ihm in der Tat begegnen, wenn man mich mit Faschismus bedroht, hat er meine 12er Schrotflinte im Maul und ich mache aus der Wand hinter ihm einen Pollock.
            Aber – es ist lustig – niemand würde mich für einen feministischen Spaßvogel halten. Weil – in dieser lustigen Welt – kein Mensch den feministisch angekündigten Genozid ernst nehmen würde.
            Derjenige jedoch, der den „Witz“ über Marxisten als Bedrohung empfindet und signalisiert, adäquat zu reagieren durchaus.
            „Auch irgendwie fair.“ – wie gesagt: Ich belle nicht gut, aber ich beiße wesentlich besser.

          • @crumar
            Ja, mich wundert das auch manchmal. Ich meine auf Linke zu schimpfen ist eine Sache da diese in der APO genügend Schwachsinn verzapfen aber Sozialismus????
            Es gibt auf der Welt genau 2 Staaten die irgendwie Sozialistisch sind, das ist Kuba und Nordkorea.
            Warum also gegen den Sozialismus wettern der nun GAR NIX für die aktuelle Lage kann???
            Weder die Grünen noch die Linke hat in Deutschland viel zu sagen und wer die SPD als sozialistisch sieht, der weiß vermutlich gar nicht was es ist. Sozialismus scheint tatsächlich so eine art Fetisch zu sein. Was den Linken der „Nazi“ ist, ist den Rechten der „Sozialismus“.
            Man sieht mal wieder daran – weder Links noch Antilinks noch Rechts noch Antirechts ist gut. Kalte, emotionslose Logik ist das einzige was einen in der Sache weiterbringt. Leider ist die Mehrheit der Menschen geistig auf dem Weg vom Reptil zum Affen stehengeblieben und suhlt sich in ihren Emotionen.

          • Wer sagt denn wo das Sozialismus oder Kommunismus etwas für die aktuelle Situation kann?

            Es geht bei diesen Memes überhaupt nicht darum irgendetwas die Schuld zu geben, sondern darum das jeder praktische Kommunismus oder jedes System das sich als solches verstanden hat oder dem im allgemeinem Verständnis nahe kam, den Bach runter ging und dass das immer wieder ignoriert und trotzdem als eine gute Idee verkauft wird, die man doch nur mal versuchen müsste. Aber dieses Mal richtig 😉

          • „Es gibt auf der Welt genau 2 Staaten die irgendwie Sozialistisch sind, das ist Kuba und Nordkorea.“

            Kuba ist feudalistisch mit deutlicher Tendenz zum Kapitalismus. Und Nord-Korea ist eine absolutistische Monarchie reinsten Wassers in dritter Generation.

          • @PuS

            „Sozialismus scheint tatsächlich so eine art Fetisch zu sein. Was den Linken der „Nazi“ ist, ist den Rechten der „Sozialismus“.“

            Ja, ich weiß noch nicht mal, was das eigentlich ist, wenn in den USA darüber geredet wird. Sie sagen „Sozialismus“, aber im Grunde meinen sie ordinäre Sozialdemokratie.
            Wer hat Angst vor dem großen, bösen Wolf Sozialdemokratie?
            Bestimmt, wenn ich aufgehört habe zu lachen.

            „Man sieht mal wieder daran – weder Links noch Antilinks noch Rechts noch Antirechts ist gut. Kalte, emotionslose Logik ist das einzige was einen in der Sache weiterbringt.
            Sozialismus scheint tatsächlich so eine art Fetisch zu sein.“

            Zum letzten zuerst: Sehe ich auch so, denn gegen welche, durch „Sozialismus“ induzierten Probleme, stehen wir denn gegenüber?
            Sie tun so, als würden sie noch immer im „kalten Kriegs-Modus“ operieren können – das ist seit 28 Jahren gelaufen.
            „Russland“ als das große, böse Imperium aufzubauen ist in meinen Augen der Retro-Modus, in dem sie gerne verbleiben oder zu dem sie gerne zurück kehren möchten.
            Das ist erbärmlicher Quatsch.

            Von daher „Links noch Antilinks noch Rechts noch Antirechts“ ist in meinen Augen der Versuch, ein Retro-Universum zu errichten, in dem diese „guten alten Koordinatensysteme“ gelten, während das was eigentlich „Links“ oder „Rechts“ ausgemacht hat überhaupt keine Rolle mehr spielt.
            Die heute *links spielen* sind nicht mehr links.
            Die versuchen nur ein Spielfeld aufzubauen, in dem, was sie selber geworden sind als alternativlos „links“ zu gelten hat.
            Trump muss sich rechtfertigen für seine russischen Kontakte, als würde es die Sowjetunion noch geben; die Hysterie ist die der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts.
            Können wir über diese Idiotie eigentlich nicht einfach nur lachen?!

            „Das jeder praktische Kommunismus oder jedes System das sich als solches verstanden hat oder dem im allgemeinem Verständnis nahe kam, den Bach runter ging und dass das immer wieder ignoriert und trotzdem als eine gute Idee verkauft wird, die man doch nur mal versuchen müsste. Aber dieses Mal richtig.“

            Es gab für jeden gescheiterten Versuch eine Menge Gründe – für den Versuch und für das Scheitern.
            Aber das ist eben nicht das Problem der *Jetztzeit*.
            Alle wissen, der derzeitige (Finanz-) Kapitalismus hat keine Zukunft und das ist das gesellschaftliche System, das unser Leben – konkret – bestimmt.
            Die Frage ist daher nicht, *ob* die nächste Finanzkrise kommt, sondern *wann und wo*.
            Im europäischen Kontext tippe ich immer noch auf Italien als Auslöser, doch das ist annähernd irrelevant.
            Relevant ist, was das Kapital diktiert und das ist die große Utopie, von G zu G´ zu kommen, ohne den Umweg über W zu gehen, der Traum von der „Dienstleistungsgesellschaft“, der seit Jahrzehnten so viele Idioten – und vor allem Idiotinnen – hinter sich versammelt hat.

            Es ist daher mir egal, wie wir eine zukünftige Gesellschaft nennen, in der wir die Idioten und Idiotinnen loswerden – Hauptsache wir werden sie los.

    • Lucas Glover ist beileibe kein Nobody der Profi-Golfszene. Der 38-Jährige gewann 2009 die US Open, kassierte in seiner Karriere mehr als 20 Millionen Dollar. Seiner Ehefrau reicht das offenbar nicht.“

      „Mandje! Mandje! Timpe Te!
      Buttje! Buttje in de See!
      Mine Fru, de Ilsebill,
      Will nich so, as ick wol will.“

      „Wenn er eine schlechte Runde spielt, beginnt Krista einen Streit und sagt, er sei ein Loser und Weichei, er solle alle feuern und besser gewinnen. Sonst würden sie und ihre Kinder ihn verlassen“, zitierte der „Miami Herald“ aus einem Vernehmungsprotokoll des 1,88 Meter großen Sportlers mit der Polizei.

      Ah-ja, gleich mal die Kinder als Drohmittel benutzen.. sie weiß, egal wie scheiße sie ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit bekommt sie bei einer Trennung das Sorgerecht, sein Haus und mindestens die Hälfte von dem was ER verdient hat.

  1. http://genderama.blogspot.ch/2018/05/feministische-expertin-eltern-sollen.html

    Wer hat Lust zu wetten, dass der Leser unter 7. Leszek war?

    Schon interessant, wie deutsche, „linke“ „Männerrechtler“ instinktiv zu den gleichen Verle̱u̱mdungen und Propagandamethoden greifen, wie ihre postmodernistischen Zöglinge…

    Unter

    https://allesevolution.wordpress.com/2017/05/11/leszek-zu-teilwahrheiten-und-fehler-des-poststrukturalismus/

    hat Leszek geschrieben : „Im Zuge jener einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus, aus der die postmoderne Political Correctness hervorging“

    Auf Genderama steht : „im Zuge einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption und Interpretation des französischen Poststrukturalismus entstanden ist und dabei unter anderem auch Aspekte aus dem Werk von Jacques Derrida instrumentalisiert wurden“

    Das erste Google-Ergebnis, wenn man diesen Textfetzen eingibt, ist Leszek bei alles evolution.

    Anhänger von Peterson sind eben doch alles Nazis, nicht wahr?

    • „Wer hat Lust zu wetten, dass der Leser unter 7. Leszek war?“

      Da stecken Sätze drin, die Leszek hier schon wörtlich gebracht hat. Da kannst du keine lohnenswerten Wettquoten erwarten.

    • Und hier ist übrigens meine Antwort an die Person, die heute auf Genderama http://genderama.blogspot.de/2018/05/us-bildungsministerium-untersucht.html meinen Leserbrief zu Jordan Peterson kritisiert hat: Antwort auf Genderama-Post zu Jordan Peterson: Mein ursprünglicher Leserbrief war länger gewesen und ist auf Arnes Vorschlag hin mit meinem Einverständnis gekürzt worden. Offenbar war diese Kürzung leider doch keine so gute Idee, da ein wichtiger Teil des Argumentationskontextes damit unter den Tisch gefallen ist. Dann gehe ich im Folgenden mal darauf ein, was der Jordan-Peterson-Fan in seinem Leserbrief so erzählt, (das meiste davon ist m.E. falsch.) „Der Autor sagt einerseits, Peterson sei kein Antisemit, um ihm dann genau das zu unterstellen.“ Ich habe gesagt, dass Jordan Petersons irrationale Verschwörungstheorie auf inhaltlicher Ebene gewisse Parallelen zu bestimmten antisemitischen Verschwörungstheorien aufweist und das ist nunmal Fakt. Ich habe Jordan Peterson aber keine antisemitische Intention unterstellt, da ich bislang nicht den Eindruck habe, dass er antisemitisch motiviert ist. Die Struktur von Jordan Petersons irrationaler Verschwörungstheorie ähnelt dem klassisch-antisemitischen Wahnkonstrukt von der jüdisch-marxistischen Verschwörung, welches auch von den Vertretern der antisemitischen rechten Anti-Kulturmaxismus-Ideologie verwendet wird, allerdings zu deutlich als dass man dies übersehen könnte. In meinem Originalbeitrag hatte ich dazu in den gekürzten Passagen Folgendes ausgeführt: Jordan Petersons irrationale rechte Verschwörungstheorie über sogenannte „postmoderne Neo-Marxisten“ unterscheidet sich von der (falschen und wissenschaftlich und moralisch völlig diskreditierten) rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie ja primär darin, dass bei Jordan Peterson nicht die Denker der Frankfurter Schule als Sündenböcke im Zentrum stehen, sondern die Denker des klassischen französischen Poststrukturalismus und dabei insbesondere Jacques Derrida, der von Jordan Peterson am meisten gehasst wird. Von den französischen Poststrukturalisten wird Derrida am meisten von Jordan Peterson verleumdet, an zweiter Stelle dann Michel Foucault. (Foucault war allerdings nicht-jüdischer Herkunft.) Ein besonders übles Video von Jordan Peterson, in dem er über Derrida und Foucault herzieht und ihre Positionen falsch darstellt, findet sich z.B. hier: [youtube=https://www.youtube.com/watch?v=NBFSDd_5tiE&w=676&h=381] Der französischen Poststrukturalismus wird von Jordan Peterson stets fälschlich als Neomarxismus dargestellt – eine offenkundige Propagandalüge, mit der Jordan Peterson natürlich in diskursstrategischer Hinsicht antikommunistisch sozialisierte Konservative manipulieren und mobilisieren will – und im Zentrum seiner Dämonisierung der französischen Poststrukturalisten steht nunmal mit Jacques Derrida ein Philosoph jüdischer Herkunft. Dieser sei der gefährlichste Mensch im 20. Jahrhundert nach Hitler, Stalin und Mao gewesen und habe wesentlich die anti-westliche Philosophie entwickelt, die nun von den politisch korrekten Postmodernisten verwendet werde, mit dem Ziel die westliche Zivilisation zu zerstören. “We’ve been publicly funding extremely radical, postmodern leftist thinkers who are hellbent on demolishing the fundamental substructure of Western civilization. And that’s no paranoid delusion. That’s their self-admitted goal,” he said, noting that their philosophy is heavily based in the ideas of French philosopher Jacques Derrida, “who, I think, most trenchantly formulated the anti-Western philosophy that is being pursued so assiduously by the radical left.” https://www.theepochtimes.com/jordan-peterson-explains-how-communism-came-under-the-guise-of-identity-politics_2259668.html Ich hatte in meinem Originalbeitrag auch auf einen Gastartikel von mir bei Man Tau verlinkt, in dem ich u.a. darauf eingegangen bin, dass der klassische nicht-politisch-korrekte französische Poststrukturalismus/Postmodernismus und der später in den USA entstandene politisch korrekte Poststrukturalismus/Postmodernismus unterschieden werden müssen: https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/ Insbesondere ab dem 4. Abschnitt gehe ich in dem Artikel darauf ein, dass die postmoderne Political Correctness nicht deshalb entstanden ist, weil Derrida, Foucault, Lyotard etc. dies oder das gesagt haben, sondern aufgrund einer falsch angelegten Institutionalisierung von Diskriminierungsforschung an US-amerikanischen Universitäten. „Er kritisiert, Peterson habe mit Marx und Derrida zwei Menschen jüdischer Abstammung kritisiert. Ja und?“ Ich halte bezüglich Jordan Petersons Ausführungen zu Marx und Derrida den Begriff der Propagandalüge für passender als den der Kritik, da das meiste, was er in diesem Video dazu sagt, falsch ist und offensichtlich der Dämonisierung Andersdenkender und der Propagierung falscher ideengeschichtlicher Linien dient. (Ein Beitrag von mir, in dem ich die falschen Behauptungen in dem Video ausführlich und mit Belegquellen auseinandernehme, folgt irgendwann noch an anderer Stelle, da dies jetzt zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Falls jemand dazu aber eine konkrete Frage hat bzw. wissen möchte, ob und warum eine bestimmte Aussage von Jordan Peterson in diesem Video falsch ist, kann er sie natürlich gerne stellen.) „Die Tatsache, dass die beiden jüdischer Abstammung sind, spielt bei Petersons Kritik an ihnen überhaupt keine Rolle.“ Jordan Peterson hätte ja zur Abwechslung einfach mal die Wahrheit sagen können, z.B.: – Postmodernismus/Poststrukturalismus ist kein Marxismus oder Neomarxismus. – Es gibt einen nicht-politisch-korrekten demokratischen Postmodernismus/Poststrukturalismus und es gibt einen autoritären politisch korrekten Postmodernismus/Poststrukturalismus. Zwischen beiden muss differenziert werden. – Es gibt ebenso einen demokratischen Marxismus, der Marxismus als Bestreben nach Ausweitung der Demokratie versteht und Parteidiktaturen und Verstaatlichung der Produktionsmittel ablehnt und es gibt einen autoritären undemokratischen Marxismus (meist Marxismus-Leninismus genannt), der stark etatistisch orientiert ist. Zwischen beiden muss differenziert werden. Sogenannten Neomarxisten, ich spreche jetzt von echten Neomarxisten, gehören in der Regel zum demokratischen Spektrum des Marxismus. – Es gibt auch Synthesen zwischen Postmodernismus/Poststrukturalismus und Marxismus – nur sind diese nicht die Regel. Die meisten Postmodernisten sind keine Marxisten und die meisten Marxisten sind keine Postmodernisten. Und auch Vertreter/Anhänger solcher Strömungen, bei denen sich Marxismus und Postmodernismus tatsächlich stärker verbinden, die man also berechtigt als postmoderne Marxisten oder postmoderne Neomarxisten bezeichnen kann, müssen nicht zwangsläufig politisch korrekt sein. Die meisten Postmodernisten – egal ob politisch korrekt oder nicht – sind aber nunmal keine Marxisten/Neomarxisten. – Die postmoderne Political Correctness ist in ideengeschichtlicher Hinsicht wesentlich aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen (und gerade nicht aus Marxismus oder Neomarxismus und auch mit der Frankfurter Schule hat sie nichts zu tun). Die postmoderne Political Correctness ist aber nicht entstanden, weil die französischen Poststrukturalisten im Allgemeinen oder Jacques Derrida im Besonderen eine Ideologie zur Zerstörung der westlichen Zivilisation entworfen hätten, sie ist entstanden aufgrund einer falsch angelegten Institutionalisierung von Diskriminierungsforschung an US-amerikanischen Universitäten, wie in meinem Gastartikel bei Man Tau erklärt. Die politisch korrekten US-amerikanischen Universitätsangehörigen haben sich den (ursprünglich nicht-politisch-korrekten) französischen Poststrukturalismus so zurechtgebogen und verändert, wie sie ihn eben brauchten. Aber wahrheitsorientierte, differenzierte Analysen kriegen wir von Jordan Peterson natürlich nicht zu hören, schließlich will er rechte Propaganda machen und nichts liegt Jordan Peterson ferner als Wahrheitsorientierung, Verantwortungsgefühl und differenziertes Denken. Daher heißt es bei Jordan Peterson eben: Jacques Derrida sei der gefährlichste Mensch im 20. Jahrhundert nach Hitler, Stalin und Mao gewesen und die französischen Poststrukturalisten seien Neomarxisten, die die westliche Zivilisation zerstören wollten, insbesondere Jacques Derrida, der Schlimmste von ihnen – und ähnlicher rechter Propagandamüll. Und die relative inhaltliche Nähe zu Wahnideen jüdisch-marxistischer Verschwörungen, die bei einer solchen Konstruktion zwangsläufig bis zu einem gewissen Grad mitschwingt, nimmt Jordan Peterson dabei eben in Kauf – nicht aus antisemitischer Gesinnung, sondern, weil er diese spezifische Form von Propaganda, die er betreibt, eben für pragmatisch zweckmäßig hält. Er wird erst dann damit aufhören, wenn er damit auf die Nase fällt. Ich persönlich halte Jordan Peterson allgemein für einen verantwortungslosen Lügner und Demagogen – aber für einen Antisemiten halte ich ihn nicht. „Der Autor macht sich die Identitätspolitik zu eigen, gegen die Peterson ankämpft.“ Identitätspolitik habe ich schon kritisiert, Jahre bevor Jordan Peterson bekannt geworden ist. Auch mein kürzlich bei Man Tau veröffentlichter Gastartikel enthält übrigens ausführliche kritische Analysen zu rechter und linker Identitätspolitik. Ich zitiere im letzten Abschnitt des Artikels übrigens Kritiken an Identitätspolitik von drei bekannten französischen Poststrukturalisten (Julia Kristeva, Jacques Derrida und Michel Foucault): https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/#franz654 Kristeva, Derrida und Foucault mussten ebenfalls nicht erst auf Jordan Peterson warten, um linke Identitätspolitik als schädlich zu erkennen und zu kritisieren. Freilich hören wir davon nichts von Jordan Peterson, denn das hieße ja auf Propagandalügen zu verzichten und die Positionen der französischen Poststrukturalisten wahrheitsgemäß darstellen, was aber Jordan Petersons propagandistischer Strategie zuwiderliefe. „Aus aufgeklärter Sicht – man könnte es auch „gesunder Menschenverstand“ nennen –, spielt es für den Inhalt eines Arguments keine Rolle, welche Hautfarbe, Geschlecht, Religion der Absender des Arguments hat. Selbstverständlich kann man die Aussagen von Menschen jüdischen Glaubens ganz genau so kritisieren wie die Aussagen von Menschen jedes anderen Glaubens. Das ist kein Antisemitismus.“ Ich finde es stets amüsant, wenn Jordan-Peterson-Fans mich über Banalitäten belehren wollen. Als wenn ich je die Ansicht vertreten hätte, eine Kritik an Aussagen von Personen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft sei per se antisemitisch. In einem Gastartikel von mir auf „Alles Evolution“, in dem es um die Rezeption von Jacques Derridas Kritik an der westlichen Metaphysik im US-amerikanischen politisch korrekten Postmodernismus geht, schrieb ich übrigens ausdrücklich: „Dass es leider auch antisemitische Kritiken an Derridas Philosophie gibt, bedeutet aber selbstverständlich nicht, dass jede Kritik an Derridas Philosophie antisemitisch wäre.“ Nachzulesen hier: https://allesevolution.wordpress.com/2017/05/31/ideengeschichtliche-urspruenge-des-konzepts-binaerer-oppositionen-und-dualistischer-hierarchien-in-der-postmodernen-political-correctness-gastartikel/ „Außerdem meint der Autor, Marx sei „für den politischen korrekten Postmodernismus in Wahrheit irrelevant“. Nun, das ist falsch.“ Nein, es ist richtig. Postmodernisten/Poststrukturalisten sind in der Regel keine Marxisten. Auch bei diesem Thema sollte natürlich zwischen demokratischem nicht-politisch-korrekten Postmodernismus/Poststrukturalismus und autoritären politisch korrekten Postmodernismus/Poststrukturalismus differenziert werden, denn bei den nicht-politisch-korrekten französischen Poststrukturalisten spielte Marx noch eine gewisse untergeordnete Rolle, während marxistische Einflüsse im politisch korrekten US-amerikanischen Postmodernismus weitgehend verlorengingen. Im klassischen französischen Poststrukturalismus stehen die beiden Philosophen Friedrich Nietzsche und Martin Heidegger (beide in politischer Hinsicht übrigens weit rechts stehend) sowie der Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure als philosophische Bezugspunkte im Zentrum. Die französischen Poststrukturalisten sind Nietzscheaner oder Heideggerianer oder beides. Man bezeichnet den französischen Poststrukturalismus in den Geisteswissenschaften daher auch als Links-Nietzscheanismus und Links-Heideggerianismus, also als Versuch einer linken Rezeption und Interpretation von Nietzsche und Heidegger, (welche allerdings selbst, wie gesagt, politisch rechts standen). Michel Foucault schrieb z.B.: „Ich bin einfach Nietzscheaner und versuche so weit wie möglich, was eine gewisse Anzahl von Punkten betrifft, mit Hilfe von Texten Nietzsches – aber auch mit antinietzscheanischen Thesen (die gleichwohl nietzscheanisch sind!) – herauszufinden, was man in diesem oder jenem Bereich machen kann. Ich suche nichts anderes, aber dies suche ich sehr wohl.“ (aus: Michel Foucault – Die Rückkehr der Moral, in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften 1980 – 1988, Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S. 868 f.) „Mein ganzes philosophisches Werden war durch meine Lektüre Heideggers bestimmt.“ (aus: Michel Foucault – Die Rückkehr der Moral, in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften 1980 – 1988, Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S.868) Diese primäre Orientierung an Nietzsche und Heidegger ist aber nicht nur für Michel Foucault, sondern für den gesamten französischen Poststrukturalismus typisch. Falls unser Jordan-Peterson-Fan dies nachprüfen möchte, kann ich ihm gerne einige weiterführende fundierte wissenschaftliche Fachliteratur hierzu nennen. Karl Marx wurde von den französischen Poststrukturalisten aber auch durchaus geschätzt – m.E. zu Recht – nur steht Marx als ideengeschichtlicher Einfluss für die französischen Poststrukturalisten nicht im Zentrum, sondern spielt eine untergeordnete Rolle. Nur kleine Teile der Werke der französischen Poststrukturalisten befassen sich mit Marx oder anderen marxistischen Philosophen und in diesen interpretieren die französischen Poststrukturalisten Marx in der Regel auch noch durch die Brille von Nietzsche oder Heidegger. Die französischen Poststrukturalisten sind wesentlich Anti-Hegelianer und insbesondere den hegelianischen Anteil des klassischen Marxismus, z.B. eine dialektisch orientierte Geschichtsphilosophie lehnen die französischen Poststrukturalisten völlig ab. Es gibt in den Geisteswissenschaften übrigens eine wissenschaftliche Fachdiskussion zum Ausmaß des Einflusses von Marx auf den französischen Poststrukturalismus, die ich an dieser Stelle natürlich nicht ausführlich referieren kann, aber insgesamt gibt es dazu 3 Positionen: – Einige Autoren halten den französischen Poststrukturalismus wesentlich für anti-marxistisch. – Einige Autoren sehen einen gewissen, aber stark untergeordneten Einfluss von Marx auf den französischen Poststrukturalismus. – Einige Autoren sehen einen etwas größeren, aber immer noch untergeordneten Einfluss von Marx auf den französischen Poststrukturalismus. Aber niemand in der wissenschaftlichen Fachdiskussion bezeichnet den französischen Poststrukturalismus als eine Variante des Marxismus oder Neomarxismus, denn das ist wissenschaftlich klar falsch. Im französischen Poststrukturalismus stehen nunmal Nietzsche, Heidegger und Ferdinand de Saussure (und je nach Autor noch andere Quellen) als philosophische Bezugspunkte im Zentrum und Marx spielt dort nur eine Nebenrolle. Die französischen Poststrukturalisten hatten außerdem für autoritäre, antidemokratische Marxismus-Interpretationen (wie im Marxismus-Leninismus) nichts übrig, der französische Poststrukturalismus versteht sich wesentlich als antiautoritäre Philosophie. Der autoritäre politische korrekte Postmodernismus/Poststrukturalismus entsteht hingegen in den 80er Jahren in den USA. Im Zuge der in den USA verbreiteten Institutionalisierung von Departments und Studiengängen für Diskriminierungsforschung bezüglich Frauen und verschiedener Minderheiten an den Universitäten suchen die US-amerikanischen Universitätsangehörigen in diesen Abteilungen nach einer theoretischen Grundlage. Da alle anderen linken Theorietraditionen dafür noch ungeeigneter sind als der Poststrukturalismus wird der französische Poststrukturalismus hierzu instrumentalisiert und entsprechend verändert und zurechtgebogen. Darauf bin ich in dem 4. Abschnitt in meinem Gastartikel bei Man Tau eingegangen und werde es an dieser Stelle nicht wiederholen: https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/#sozio654 Spielt Marx bereits beim französischen Poststrukturalismus nur eine untergeordnete Rolle, so verringert sich diese Rolle im politisch korrekten US-amerikanischen Postmodernismus noch einmal signifikant. Kapitalismusanalyse, Kapitalismuskritik, die Situation der Arbeiterklasse und der ökonomische Klassenkampf sind keine Themen, die die US-amerikanischen politisch korrekten Postmodernisten besonders interessieren und sie tauchen daher in der Regel bei ihnen nicht oder höchstens am Rande auf. Die einzige marxistische Strömung, die im Kontext der US-amerikanischen Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus anfangs noch eine nennenswerte Rolle spielte, ist nach meinen Kenntnissen der strukturalistische Neomarxismus von Louis Althusser, der in den 70er und 80er Jahren in den Sprach- und Literaturwissenschaften in den USA noch als eigenständige Strömung existierte, dann aber weitgehend durch rein postmodernistische und politisch korrekte postmodernistische Einflüsse verdrängt wurde. Ich fand in der Fachliteratur und bei meinen sonstigen Recherchen zum Thema aber bislang keinen Hinweis auf einen signifikanten Einfluss des strukturalistischen Neomarxismus in der Tradition von Althusser auf die Herausbildung der postmodernen Political Correctness. Der Politikwissenschaftler Mathias Hildebrandt, der in seinem, m.E. sehr lesenswerten wissenschaftlich Standardwerk zur Entstehung der postmodernen Political Correctness „Multikulturalismus und Political Correctness in den USA“ ausführlich darstellt, wie die postmoderne Political Correctness in den USA aus einer spezifischen Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus in Verbindung mit einigen US-amerikanischen Quellen entstanden ist, schreibt bezüglich der rezeptionsgeschichtlichen Quellen der postmodernen Political Correctness, die in dem Buch ausführlich dargestellt werden, an einer Stelle kurz zusammenfassend: „Der transformative Multikulturalismus hat seine Wurzeln in den politischen Erfahrungen der 60er und 70er Jahre, und seine philosophischen Grundlagen speisen sich aus Theorien, die in dieser Zeit entwickelt wurden. Von grundlegender Bedeutung sind dabei das „Black Power Movement“ und das „Ethnic Revitalization Movement“. In beiden Bewegungen wurde zum einen eine grundsätzliche Kritik der europäischen, insbesondere aber der amerikanischen Zivilisation entwickelt. Der Hauptgegner war die Kultur der White-Anglo-Saxon-Protestants (WASPs). Durch die Rezeption euro-afrikanischer Kolonialismustheorien und deren Übertragung auf die US-amerikanische Gesellschaft entstanden die Theorien des „Institutional Racism“ oder der „Structural Oppression“: Sie behaupteten die Unterdrückung all jener Minoritätenkulturen, die nicht zur WASP-Kultur gehören. Diese beiden Formen der Unterdrückungstheorie wurden im Rahmen des sich entwickelnden Multikulturalismus immer stärker mit dem Kulturbegriff der amerikanischen „Cultural Anthropology“ synthetisiert, der gewissermaßen die theoretische Grundlage des multikulturellen Kulturverständnisses lieferte. Ein weiteres wesentliches Ergebnis des „Black Power Movements“ und des „Ethnic Revitalization Movements“ war die Betonung der partikularen Identitäten der Minoritäten und der damit verbundene Aufstieg der „Identity Politics“. Der Multikulturalismus „drew from American identity politics. Its fundamental unit was the identity politics idea that in cultural affairs, the single most important way to classify people is by race, ethnicity, and gender – the kind of thinking that leads us to define one person as white male, someone else as an Asian female, a third person as a Latina lesbian, and so forth“ (Berman 1992b: 13). Unter dem Blickwinkel dieser „Identity Politics“ rezipierten amerikanische Intellektuelle im Laufe der 70erund 80er Jahre im Wesentlichen zwei europäische philosophische Quellen. Zu diesen gehören zum ersten die deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und Ludwig Wittgensein; zum zweiten der französische Strukturalismus von Ferdinand de Saussure, Claude Levis-Strauss und Roland Barthes und dem französischen Post- oder Ultrastrukturalismus von Michel Foucault, der Friedrich Nietzsche weiterführte, Jacques Lacan und Jacqes Derrida, deren Denken stark durch Martin Heidegger geprägt waren und der postmodernen Theorie Jean-Francois Lyotards, der stark auf die späte Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins zurückgriff. (…) Diese, in erster Linie europäischen Quellen postmodernen Denkens erhielten bei ihrer Rezeption eine eigentümliche amerikanische Wendung durch die Verbindung mit der „Identity Politics“ und führten zu einer typisch US-amerikanischen Ausbildung des postmodernen Diskurses in Form der „Politics of Difference“ (…). Diese Mischung aus (…) psychologischen und insbesondere postmodernen Theorien ist derart grundlegend für den amerikanischen „Multiculturalism“, das ohne diesen philosophischen Hintergrund die viel gescholtenen Phänomene der „Political Correctness“ gar nicht existieren würden, weil der multikulturellen Politik die theoretische Begründung und Rechtfertigung fehlen würde bzw. diese erst erfunden werden müsste.“ (aus: Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA, VS Verlag, 2005, S. 93 f.) Und in einer Fußnote merkt er des Weiteren an: „Nach meinen Erkenntnissen spielen die Frankfurter Schule und der Marxismus nur eine sehr untergeordnete Rolle und können nicht den Hauptkomplex des Multikulturalismus, die „Identity Politics“ erklären; Berman (1992b: 12-15) stimmt mit meiner Betonung des Einflusses des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus überein.“ (aus: Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political in den USA, VS Verlag, 2005, S. 94) Unser Jordan-Peterson-Fan hat sich offenbar nicht nur mit Postrukturalismus/Postmodernismus, sondern auch mit Marx nicht ernsthaft beschäftigt, im Folgenden daher noch ein paar kurze Anmerkungen zu den Behauptungen bezüglich Marx. „Marx selbst war kein Postmoderner – offensichtlich – aber er hat die philosophischen Grundlagen dafür geliefert.“ Das ist falsch – wie oben bereits ausführlich erklärt. „Marx‘ Prämisse „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ ist es, die schließlich in Identitätspolitik und Standpunkttheorie mündet.“ Marx Prämisse „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ ist für den politisch korrekten Postmodernismus genauso irrelevant wie das kommunistische Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Zu dem Satz „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ gibt es verschiedene Interpretationen, auf deren ausführliche Diskussion ich an dieser Stelle nicht eingehen kann, unbestritten ist aber, dass mit dem gesellschaftlichen Sein bei Marx wesentlich der Einfluss der ökonomischen Teilsystems der Gesellschaft, einschließlich der ökonomischen Klassenlage gemeint ist. Genau dies ist im politisch korrekten Postmodernismus aber nicht der entscheidende Einflussfaktor. Im politisch korrekten Postmodernismus ist die bedeutungsgenerierende Kraft kultureller Diskurse der entscheidende Einflussfaktor. Ich hatte dies in einem Beitrag auf „Alles Evolution“ zum Thema „Teilwahrheiten und Fehler des Poststrukturalismus“ einmal folgendermaßen formuliert: Die bedeutungsgenerierende Kraft kultureller Diskurse wird zum absolut zentralen Einflussfaktor auf das Erleben und Verhalten von Menschen überhöht, alle anderen soziologischen, psychologischen und biologischen Einflüsse werden massiv unterschätzt – es kommt zu einer Variante von Theorien des „Fanatismus eines Faktors“. Nachzulesen hier: https://allesevolution.wordpress.com/2017/05/11/leszek-zu-teilwahrheiten-und-fehler-des-poststrukturalismus/ Das klassisch-marxistische Basis-Überbau-Schema wird hier also quasi umgekehrt. (Im ursprünglichen nicht-politisch-korrekten französischen Poststrukturalismus ist dies z.T. noch etwas anders, doch wird die sogenannte materielle Basis z.T. noch berücksichtigt, auch wenn dieser Aspekt nicht im Zentrum steht, im politisch korrekten US-amerikanischen Postmodernismus verschwindet die materielle Basis dann weitgehend aus dem Blickfeld und der Theoriebildung. Dies ist übrigens ein wichtiger Aspekt in der marxistischen Kritik am US-amerikanischen Postmodernismus. ) „Dieser Prämisse zufolge sind die Erfahrungswelten von Bürgerlichen und Proletariern exklusiv, sie können einander nicht verstehen.“ Das ist in dieser verabsolutierten Formulierung falsch. Dabei reicht es darauf hinzuweisen, dass Marx bester Freund und wichtigster Unterstützer Friedrich Engels ein Unternehmersohn war. Wenn man den Satz „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ auf die Einflüsse der Klassenlage auf die Weltsicht bezieht, so ist dies in der Perspektive des Soziologen Karl Marx natürlich nicht im Sinne vollständiger Determination, sondern im Sinne von Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten zu verstehen. „So prägt sich bei ihnen das jeweilige Klassenbewusstsein heraus, aus dem eine jeweilige, exklusiv den Klasseninteressen dienende Politik folgt.“ Wobei man speziell beim Kapitalismus den Hintergrund von Marx soziologisch-struktureller Kapitalismusanalyse berücksichtigen muss, die den Kapitalismus im Sinne einer soziologischen Systemtheorie versteht. Wie ich es an anderer Stelle einmal formulierte: Der Marxismus vertritt eine strukturell-soziologische Sichtweise auf den Kapitalismus. Die einzelnen Unternehmen stehen im Wettbewerb zueinander und müssen sich auf dem Markt behaupten. Das dahinter stehende Prinzip lautet: Wachse oder stirb. Jeder Unternehmer ist gezwungen Profite zu erwirtschaften, um sich gegenüber seinen Konkurrenten auf dem Markt behaupten zu können. Die Ausbeutung der Arbeiter resultiert nicht aus einer „bösen Gesinnung“ der Kapitalisten, sondern daraus, dass jeder Unternehmer darauf angewiesen ist, möglichst hohe Profite zu erwirtschaften, um im Rahmen des bestehenden Konkurrenzdrucks der Unternehmen untereinander, bestehen zu können. Der Kapitalist handelt, so wie er handelt, nicht weil er „böse“, „gierig“, „antisozial“ wäre, sondern weil die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems ihm keine andere Wahl lässt als Profitmaximierung oder Abstieg – so die Perspektive der marxistischen Kapitalismusanalyse und -kritik. Solche Formen von Kapitalismuskritik, bei denen im Gegensatz dazu, die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems nicht berücksichtigt wird, sondern stattdessen nur auf bestimmte Personen oder Gruppen geschimpft wird, werden im Marxismus und im Neo-Marxismus abwertend als „verkürzte, regressive oder personalisierte Kapitalismuskritik“ bezeichnet. Und ansonsten: Marx Ansicht, dass Mitglieder herrschenden ökonomischer Klassen IM SCHNITT aufgrund ihrer spezifischen Klassenlage und Sozialisation eine Präferenz für ideologische Sichtweisen aufweisen, die ihre spezifische Machtposition legitimieren und dass die Mehrheit der Mitglieder einer herrschenden ökonomischen Klasse in der Regel nicht allein durch rationale Argumente dazu zu bewegen sind, für das Gemeinwohl schädliche Aktivitäten zu unterlassen oder sogar ihre Machtpositionen aufzugeben oder einzuschränken, dürfte historisch schwer zu widerlegen sein. Diesbezüglich hat unser Jordan-Peterson-Fan offenbar noch einen etwas zu naiven Blick auf die Welt. Marx zentraler Fehler lag m.E. darin diese Einsicht zu wenig auch auf politische Herrschaftseliten angewendet zu haben. Daher präferiere ich die libertär-soziologische (anarchistische) Position, die beides berücksichtigt. Marx anarchistischer Gegenspieler Michael Bakunin schrieb: „Dies ist die ewige Geschichte der politischen Macht, seit diese Macht in der Welt etabliert worden ist. Es erklärt auch, wie und warum die Männer, die, solange sie der Masse angehörten, überzeugteste Demokraten, leidenschaftlichste Revolutionäre waren, (…) Konservative werden, sowie sie an die Macht gelangt sind. Man betrachtet ihren Gesinnungswechsel gewöhnlich als Verrat. Das ist ein Irrtum. Der Hauptgrund ist der Wechsel der Perspektive und der Stellung. Und vergessen wir nie, daß die Stellungen und die Notwendigkeiten, die sich daraus ergeben, stets stärker sind als der Haß oder der schlechte Wille der Individuen. Ich bin von dieser Wahrheit so sehr durchdrungen, daß ich nicht davor zurückschrecke, die folgende Überzeugung zum Ausdruck zu bringen: Sollten morgen eine ausschließlich aus Arbeitern zusammengesetzte Regierung und ein ausschließlich aus Arbeitern zusammengesetztes Parlament eingesetzt werden, so würden diese Arbeiter, die heute standhafte Sozialdemokraten sind, übermorgen zu entschlossenen Aristokraten, kühnen oder schüchternen Verehrern des Autoritätsprinzips, Unterdrückern und Ausbeutern.“ (Diese anarchistische Position wurde allerdings auch von einigen marxistischen Strömungen übernommen, diejenigen nämlich, die manchmal unter den Oberbegriff „libertärer Marxismus“ zusammengefasst werden und die Gegenposition zum autoritären Marxismus-Leninismus innerhalb des Marxismus darstellen.) „Das ist dann das, was Marx mit „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen“ meint.“ Dass diese Aussage auf historischen Analysen beruht, sollte man vielleicht auch noch dazu erwähnen. „Es geht immer um Macht und Unterdrückung – einen Interessenausgleich, Kompromisse, gegenseitiges Verständnis und Annäherung kann es dagegen nicht geben.“ Das kann es auf individueller Ebene sehr wohl geben. Marx vertrat lediglich nicht die naive Ansicht, dass herrschende ökonomische Klassen mehrheitlich oder in ihrer Gesamtheit durch rationale Argumente dazu zu bewegen sind für das Gemeinwohl schädliche Aktivitäten einzustellen oder ihre Machtpositionen aufzugeben oder signifikant einzuschränken. Und damit hat Marx m.E. Recht genauso wie Bakunin mit seiner Staatskritik m.E. Recht hat. „Das ist Marx.“ Marx ist wesentlich mehr. Immerhin ist Marx ein Klassiker der Philosophie, der Soziologie, der Geschichtswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft. Und das zu Recht. Also, wir fassen kurz zusammen: Karl Marx wird von unserem Jordan-Peterson-Fan abgelehnt, weil Marx eine weitgehend zutreffende und realistische Darstellung der ökonomischen Klassenbeziehungen in seiner Zeit sowie in vorherigen historischen Abschnitten geliefert hat. „Und was ist Postmodernismus? Genau diese Idee, lediglich erweitert auch auf andere Gesellschaftsbereiche:“ Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit Jordan-Peterson-Fans irgendwelche Behauptungen über den Poststrukturalismus/Postmodernismus in die Welt posaunen, ohne jemals (wenigstens etwas) unter Bezugnahme auf verlässliche Quellen (also nicht auf Hicks und schon gar nicht auf Peterson) dazu recherchiert zu haben. Der klassische französische Poststrukturalismus/Postmodernismus kann wesentlich durch zwei Aspekte definiert werden: 1. handelt es sich um eine auf einer linken Interpretation von Nietzsche und Heidegger beruhende Philosophie der Differenz. Auf den Poststrukturalismus/Postmodernismus als Differenzphilosophie bin ich in dem 3. Abschnitt meines Gastartikels bei Man Tau eingegangen und werde es an dieser Stelle nicht wiederholen: https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/#linke654 Mit dem Aspekt der Differenzphilosophie hängt übrigens auch das Interesse der französischen Poststrukturalisten für kritische Analysen von gesellschaftlichen Ausschlüssen und Ausgrenzungen zusammen. 2. handelt es sich beim französischen Poststrukturalismus/Postmodernismus um eine auf einer bestimmten Interpretation der Theorien des Sprachwissenschaftlers Ferdinand de Saussure beruhende Sprachphilosophie. Auf diesen Aspekt wird z.B. in dem folgenden (nicht unkritischen) Youtube-Video des Philosophen Christian Weilmeier eingegangen: [youtube=https://www.youtube.com/watch?v=oYtNcSS5hQg&w=676&h=381] Der Machtbegriff im französischen Poststrukturalismus, der wesentlich von Michel Foucault geprägt wurde, ist außerdem nicht von Marx, sondern von Nietzsche abgeleitet, Foucault verwendet eine bestimmte Interpretation von Nietzsches Machtbegriff, Foucault ist nämlich Nietzscheaner. Foucaults Machtbegriff ist deskriptiv, nicht normativ ausgerichtet, auch bei Foucault gibt es nämlich einen Ansatz für eine Ethik der zivilisierten Diskussion (was sowohl von autoritären politisch korrekten Postmoderisten als auch von rechten PC-Kritikern wie Jordan Peterson regelmäßig ignoriert wird.) Des Weiteren hat Foucault seinen Machtbegriff gerade nicht schematisch verstanden. In dem folgenden Zitat hierzu erwähnt der Nietzscheaner Michel Foucault übrigens kurz Karl Marx (Foucault ist aber trotzdem Nietzscheaner und kein Marxist): „Ich glaube – jedenfalls ist das der Sinn der Analysen, die ich vornehme (…), dass wir Machtbeziehungen nicht schematisch betrachten dürfen, auf der einen Seite jene, die Macht haben, und auf der anderen jene, die keine haben. (…) Dieser Dualismus findet sich bei Marx niemals, wohl aber bei reaktionären und rassistischen Denkern wie Gobineau, (…). Die Machtbeziehungen sind überall. Allein schon die Tatsache, dass Sie Studentin sind, versetzt sie in eine bestimmte Machtposition. Andererseits bin ich als Professor gleichfalls in einer Machtposition. Ich bin in einer Machtposition, weil ich keine Frau bin, sondern ein Mann. Und als Frau sind sie gleichfalls in einer Machtposition, nicht in derselben, aber wir sind beide gleichermaßen in einer Machtposition. (…) Interessant ist (…) wie die Maschen der Macht in einer Gruppe, einer Klasse, einer Gesellschaft funktionieren, das heißt, wo sie jeweils im Netz der Macht lokalisiert sind und wie sie Macht ausüben, sichern und weitergeben.“ (aus: Michel Foucault – Die Maschen der Macht, Vortrag 1976, in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften, Vierter Band 1980 – 1984, Suhrkamp, 2005, S. 244) Macht und Diskriminierung sollten Foucault zufolge also nicht schematisch, sondern ergebnisoffen und kontextbezogen analysiert werden. Wie eine tatsächlich wissenschaftliche Ungleichheits- und Diskriminierungsforschung jenseits der postmodernen Political Correctness aussehen könnte, die diesen Grundsatz ernst nimmt, darüber hatte ich mir u.a. in dem folgenden Beitrag ein paar Gedanken gemacht: https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/12/23/gastartikel-leszek-darueber-wie-eine-echte-ungleichheits-und-diskriminierungsforschung-aussehen-kann/ Dass dies im US-amerikanischen politisch korrekten Postmodernismus nicht so aufgegriffen und konzeptualisiert wurde, wie es Foucault gemeint hat, liegt primär daran, dass der politisch korrekte Postmodernismus in den USA sich, wie gesagt, im Zuge einer falsch angelegten Institutionalisierung von Diskriminierungsforschung herausgebildet hat, bei der die US-amerikanischen Universitätsangehörigen in den spezifischen Abteilungen zur Diskriminierungsforschung bezüglich Frauen oder bestimmten Minderheiten eben eine theoretische Grundlage benötigten und sich daher ihren eigenen Postmodernismus zurechtgebastelt haben. „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Geschlechterkämpfen“ – mit den jeweiligen Konsequenzen; „Die Geschichte aller Gesellschaft ist die Geschichte von Rassenkämpfen“. Das ist so nicht zutreffend. Kein überzeugter Postmodernist – egal ob politisch korrekt oder nicht – würde Sätze unterschreiben wie „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Geschlechterkämpfen“ oder „Die Geschichte aller Gesellschaft ist die Geschichte von Rassenkämpfen“ – denn solche Formulierungen beinhalten aus postmodernistischer Perspektive eine tendenzielle Verabsolutierung einer bestimmten Form sozialen Konflikts, die sowohl im nicht-politisch korrekten als auch im politisch korrekten Postmodernismus/Poststrukturalismus abgelehnt wird. Wenn Max sagt „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen“, so beinhaltet dies ja zumindest tendenziell die Ansicht, dass der ökonomische Klassenkampf in historischer und gegenwärtiger Perspektive die relativ wichtigste Form gesellschaftlicher Konflikte darstellt. Postmodernisten lehnen es hingegen – m.E. übrigens zu Recht – ab, einer bestimmten Form sozialen Konflikts eine so herausragende Bedeutung gegenüber allen anderen Formen sozialer Konflikte beizumessen, dass Geschichte und Gegenwart primär aus dieser einen Perspektive betrachtet werden sollten. Ich selbst lege großen Wert auf die Perspektive des ökonomischen Klassenkampfes, aber auch ich lehne es ab, andere Formen des sozialen Konflikts dabei auszuklammern. Die Perspektive „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Geschlechterkämpfen“ gab es allerdings tatsächlich quasi als theoretische Grundlage im klassischen Radikalfeminismus (der noch nicht postmodernisiert war). Dass klassische Radikalfeministinnen hier offensichtlich eine bestimmte Strukturlogik aus der marxistischen Theorie übernommen haben, macht den klassischen Radikalfeminismus allerdings selbstverständlich nicht marxistisch, im Gegenteil. Was marxistisch ist und was nicht, bestimmt sich nach INHALTEN und nicht nach Strukturähnlichkeiten von Aussagen. Ein Kampf der Geschlechter ist aus marxistischer Perspektive für die Frauen und Männer der Arbeiterklasse eine Katastrophe, da dadurch die Klassensolidarität gespalten wird und nur die herrschende Kapitalistenklasse einen Vorteil davon hat. Zur Ablehnung der Verabsolutierung einer bestimmten Form sozialer Konflikte innerhalb der Entwicklung linker Anti-Diskriminierungstheorien hatte ich in der Vergangenheit mal einen Beitrag geschrieben: https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/12/19/gastartikel-leszek-ueber-intersektionalitaet/ „Und so wie Frauen, Schwarze und Muslims systematisch durch Männer, Weiße und Christen unterdrückt und ausgebeutet werden, lässt sich das auch auf Dicke, Behinderte, Trans- und Intergeschlechtliche und so fort anwenden. Das ist ziemlich genau die Marx’sche Analyse, lediglich auf andere Gesellschaftsbereiche angewandt.“ Erstens ist das natürlich nicht marxistisch, da sich, was marxistisch ist und was nicht nach INHALTEN definiert und nicht nach Strukturähnlichkeiten von Aussagen. Zweitens ist dies faktisch sogar antimarxistisch, da durch politisch korrekte Identitätspolitik die Klassensolidarität bzw. Widerstandspotentiale in der Bevölkerung gegen den Kapitalismus und gegen das Agieren ökonomischer und politischer Herrschaftseliten gespalten werden, darauf war ich u.a. in folgendem Artikel eingegangen: https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/11/02/gastartikel-nutzt-die-postmoderne-political-correctness-den-neoliberalen-oekonomischen-herrschaftseliten/ Drittens werden die einseitigen dualistischen Schematismen (Gruppe X ist diskriminiert, Gruppe Y ist privilegiert) des politisch korrekten Postmodernismus – die ich häufig kritisiert habe – meist auf theoretischer Ebene auch nicht unter Bezugnahme auf eine Übertragung einer Strukturlogik innerhalb der marxistischen Theorie auf andere Bereiche legitimiert, wie dies die (nicht-postmodernen) klassischen Radikalfeministinnen taten. Im politisch korrekten Postmodernismus werden die einseitigen dualistischen Schematismen dagegen in der Regel durch eine Übertragung von Jacques Derridas Kritik der westlichen Metaphysik auf Anti-Diskriminierungsthemen theoretisch legitimiert. Darauf war ich z.B. in dem weiter oben bereits verlinkten Gastartikel von mir auf „Alles Evolution“ zur Rezeption von Derridas Kritik der westlichen Metaphysik im politisch korrekten Postmodernismus eingegangen: https://allesevolution.wordpress.com/2017/05/31/ideengeschichtliche-urspruenge-des-konzepts-binaerer-oppositionen-und-dualistischer-hierarchien-in-der-postmodernen-political-correctness-gastartikel/ Natürlich ignorieren die autoritären politisch korrekten Postmoderisten dabei vollständig, dass Jacques Derrida ein überzeugter Kontextualist war, der der Ansicht war, dass immer wieder aufs Neue geprüft werden muss, ob sich die Verhältnisse innerhalb eines bestimmten sozialen und kulturellen Kontextes inzwischen gewandelt haben und die autoritären politisch korrekten Postmoderisten ignorieren, dass Derrida (genau wie die meisten anderen französischen Poststrukturalisten) keine neuen Ausschlüsse produzieren wollte. Die Unsinnspropaganda, dass jede Form von Konzeptualisierung von sozialen Konflikten im Kontext einer diskriminierten/unterdrückten Gruppe einerseits und einer privilegierten/unterdrückenden Gruppe andererseits – egal worum es inhaltlich überhaupt geht – „marxistisch“ sei, karikiere ich häufiger mit folgendem Beispiel: Ich las einmal einen Artikel von einem Autor der Neuen Rechten, in dem dieser von einer „herrschenden politischen Klasse“ sprach, er schien der Ansicht zu sein, dass die Neue Rechte von dieser „herrschenden politischen Klasse“ diskriminiert und ausgegrenzt werde. Ist dieser neurechte Autor also nun ein Marxist? Und falls diese Sichtweise unter Anhängern der Neuen Rechten verbreitet wäre (und das ist sie m.E.), ist die Neue Rechte in Deutschland nun also eine Strömung des Marxismus? Natürlich nicht, denn jede ernsthafte Definition von Marxismus muss sich auf Inhalte beziehen und nicht auf irgendeine Strukturähnlichkeit von Aussagen. Ansonsten wäre kein sinnvolles Sprechen über Marxismus mehr möglich. Im Marxismus gibt es ein rationales Kriterium zur Definition und Unterscheidung der von Marxisten gemeinten ökonomischen Klassen, nämlich die Stellung zu den Produktionsmitteln. Nehmen wir an, der erwähnte neurechte Autor hätte, bevor er die oben genannte Formulierung verwendete, eine marxistische Schrift gelesen und wäre dadurch zu seiner Formulierung von der „herrschenden politischen Klasse“, von der seiner Ansicht nach die Neue Rechte ausgegrenzt werde, inspiriert worden? Würde er dadurch nun zum Marxisten? Natürlich auch dann nicht, es ist völlig wurscht, was ihn zu dieser Formulierung inspiriert hat. Was Marxismus ist und was nicht, kann nur nach inhaltlichen Kriterien definiert werden. Strukturähnlichkeiten von Aussagen finden sich in allen möglichen politischen Richtungen. Ließe sich denn wenigstens sagen, dass Karl Marx für diesen neu-rechten Autor ein zentraler Theoretiker wäre, wenn seine Überzeugung von der „herrschenden politischen Klasse“, von der seiner Ansicht nach die Neue Rechte ausgegrenzt werde, durch das Lesen einer marxistischen Schrift inspiriert worden wäre? Nein, natürlich auch das nicht. Wenn alles, was er von Marx übernommen hat die Idee zu einer bestimmten strukturellen Konzeptualisierung eines völlig anderen sozialen Konflikts ist und er in inhaltlicher Hinsicht ansonsten mit Marx nichts zu tun hat, dann ist Marx für ihn definitiv kein wichtiger Autor. „Ist das gefährlich? Selbstverständlich! Denn natürlich sind die Lebenswelten der Menschen nicht so exklusiv wie dargestellt! Es ist möglich, sich mit Leuten anderer Hintergründe auszutauschen, sie ernstzunehmen, von ihnen zu lernen und Kompromisse herzustellen! Jeder Mann kennt eine Frau, mit der er sich besser versteht als mit vielen Männern. Ich, der ich aus einem protestantischen Arbeitermilieu stamme, habe im Laufe der Zeit sehr spannende und bereichernde Gespräche mit katholischen Unternehmersöhnen gehabt. Ich zähle auch Juden und Araber zu meinen guten Freunden. Wenn das nicht möglich wäre, dann wäre Demokratie nicht möglich!“ Na, dann wird es unseren Jordan-Peterson-Fan ja sicherlich freuen, dass gerade die beiden von Jordan Peterson am meisten gehassten Poststrukturalisten, Jacques Derrida und Michel Foucault beide jeweils einen Ansatz für eine Ethik der zivilisierten Diskussion entwickelt haben. Textpassagen hierzu von Derrida und Foucault wurden von mir an anderer Stelle bereits zitiert, sie werden an dieser Stelle z.T. wiederholt. Jacques Derrida hat im Nachwort eines seiner Bücher („Limited Inc.“) anhand der Analyse einer Diskussion mit dem Philosophen John R. Searle sowie der Analyse eines Textes des Postmodernismus-Kritikers Jürgen Habermas, die Jacques Derrida beide scharf kritisiert hatten, einen Ansatz für eine Ethik der zivilisierten Diskussion entwickelt („Unterwegs zu einer Ethik der Diskussion“). Derrida beschreibt seine Positionen zur Ethik einer zivilisierten Diskussion zwar im konkreten Zusammenhang mit den Debatten mit seinen beiden Kritikern, aber seine allgemeinen Vorstellungen hierzu ließen sich relativ leicht aus seinen Formulierungen rekonstruieren und könnten auch im Sinne allgemeiner Grundätze umformuliert werden. Ein paar Zitate zum Thema „Ethik der Diskussion“ von Jacques Derrida: „Gibt es einen schwerwiegenderen „performativen Widerspruch“ als den, der darin besteht, vorgeblich rational die Thesen des anderen zu erörtern, ohne die geringste Anstrengung zu unternehmen, sie zur Kenntnis zu nehmen, sie zu lesen oder zu hören? (aus: Jacques Derrida – Unterwegs zu einer Ethik der Diskussion, in: Jaques Derrida – Limited Inc., Passagen Verlag, 2001, S. 259) „Solche Vorgehensweisen erstaunen mich noch, und ich kann meinen Augen kaum glauben, in meiner unbelehrbaren Naivität, in meinem Vertrauen, dass ich trotz allem der Ethik der Diskussion (der Moral, wenn nicht dem Moralismus), den akademischen Spielregeln und denen der Universität und der Publikation entgegenbringe.“ (ebd. S. 258) „Nachdem ich so die Frage, die Sie mir in diesen präzisen Ausdrücken stellen, mit „nein“ beantwortet habe, würde ich versuchen, so weit wie möglich eine Unterscheidung zu treffen zwischen einerseits dem, was ich den Kern der theoretischen Struktur genannt habe (den ich, wie Sie wissen, sogar bis zu einem gewissen Punkt unterschreiben konnte und bei dem ich gezeigt habe, dass er bis auf einige „assumptions“ mit manchen meiner Aussagen übereinstimmte, da er den anspruchsvollsten Anforderungen der traditionellen Philosophie entsprach), und andererseits bestimmten Aspekten der Praxis John R. Searles in seiner Art zu diskutieren, zu argumentieren, zu polemisieren, in seiner Rhetorik und in den Formen seiner Teilnahme am soziokulturellen Leben, kurz in den Modalitäten seiner Umsetzung des sogenannten theoretischen Kerns. Ja, also da mißbillige ich manchmal die Politik dieser Praxis, jedenfalls einige ihrer Momente: den Autor zu beschimpfen anstatt ihn (…) zu kritisieren, beim anderen einen „betrüblichen Hang Dinge zu sagen, die offensichtlich falsch sind“ und tausend „Vermengungen“ zu beklagen, während man nicht nur nichts von ihm aufmerksam gelesen hat (…) und in Zeitungsartikeln vor allem aus Klatsch Argumente zu beziehen (…), dieser Stil, zumindest der Stil dieser Manifestation da (…) scheint mir wirklich eine ganze Politik zu implizieren. Diese Gesten implizieren eine Politik (Sie werden sie repressiv nennen), aber niemand hat das Recht, und ich werde es mir niemals nehmen, zu verallgemeinern und zu sagen, dass dies die Politik von Searle im allgemeinen oder das dies die Theorie ist, die er im allgemeinen vertritt. (…) In unserem Milieu werden Beschimpfungen und mißbräuchliche Analogie zu leichtfertig gehandhabt. Ich habe zu viele Beispiele im Kopf. Desgleichen werde ich mich hüten, das Urteil, dass mir diese oder jene sozio-akademische Umsetzung dieser Arbeit zu erfordern scheint, auf die ganze Arbeit Searles auszuweiten, der ein Recht auf Respekt hat, auch wenn man ihn diskutiert oder kritisiert. Noch mehr werde ich mich davor hüten, die gleichen Schlussfolgerungen auf die gesamte Theorie der Sprechakte (Searle ist ja lediglich einer ihrer Vertreter) auszuweiten. Selbst wenn diese Umsetzung dem „theoretischen Kern“ nie ganz äußerlich ist, selbst wenn eine konsequente Umsetzung diese Entgleisungen oder diese Aggressionen verbieten müsste, kann man sich doch vorstellen, dass andere Autoren als Searle diesen selben theoretischen Kern anders und ohne diese Gewalt, die Sie als „repressiv“ bezeichnen, umsetzen. Ich schließe es nicht aus. Man darf nicht vergessen, dass dieser oder jener Artikel von John R. Searle nur ein untergeordneter Teil in einem sehr determinierten Kontext ist, der wieder in zahlreiche andere, weitere und überdeterminierte Kontexte eingeschrieben ist.“ (ebd. S. 215 f.) Michel Foucaults Vorstellungen zur Ethik einer zivilisierten Diskussion finden sich in einem Interview mit Michel Foucault mit dem Titel „Polemik, Politik und Problematisierungen“. Foucaults Text ist allgemeiner formuliert als der Text von Derrida und m.E. sehr gut geeignet als Grundlage für Kritik an politisch korrekten Diskursstrategien. Allerdings stimme ich persönlich Foucaults vollständiger Ablehnung von Polemik nicht zu. Ich halte polemische Stilmittel für bestimmte Kontexte für legitim, insbesondere kann Polemik m.E. als Reaktion auf Individuen, die selbst stark polemisch agieren, manchmal sinnvoll sein (z.B. halte ich Polemik gegenüber einem extremen Polemiker wie Jordan Peterson für legitim). Foucault war hier anderer Ansicht und wendet sich prinzipiell gegen Polemik. Obwohl ich bei diesem Aspekt anderer Meinung bin, halte ich Foucaults Text für sehr lesenswert, ja sogar für einen der besten Texte zum Thema „Ethik der Diskussion“. Michel Foucault: „Ich diskutiere gern, und auf Fragen, die man mir stellt, bemühe ich mich zu antworten. Ich nehme nicht gern (…) an Polemiken teil. Wenn ich ein Buch aufschlage, in dem der Autor einen Gegner als „pubertären Linksradikalen“ taxiert, schlage ich es gleich wieder zu. Diese Verhaltensweisen sind nicht die meinen; ich gehöre der Welt derjenigen, die derlei verwenden, nicht an. An diesem Unterschied halte ich als etwas Wesentlichem fest: Es geht darin um eine ganze Moral, diejenige, die die Suche nach der Wahrheit und die Beziehung zum anderen betrifft. Im ernsthaften Spiel von Fragen und Antworten, in der Arbeit wechselseitiger Erhellung, sind die Rechte eines jeden gewissermaßen Teil der Diskussion. Sie sind allein an die Situation des Dialogs gebunden. Derjenige, der fragt, macht nur Gebrauch von dem ihm gegebenen Recht: nicht überzeugt zu sein, einen Widerspruch wahrzunehmen, zusätzliche Informationen zu benötigen, unterschiedliche Postulate geltend zu machen, einen Fehler in der Gedankenführung aufzudecken. Und derjenige, der antwortet, verfügt genauso wenig über ein über die Diskussion selbst hinausgehendes Recht; er ist durch die Logik seines eigenen Diskurses an das, was er zuvor gesagt hat, und durch das Akzeptieren des Dialogs an die Befragung durch den anderen gebunden. Fragen und Antworten gehören zu einem Spiel – zu einem sowohl angenehmen als auch schwierigen Spiel -, bei dem jeder der beiden Partner sich darum bemüht, nur von den Rechten Gebrauch zu machen, die ihm durch den anderen und durch die akzeptierte Form des Dialogs gegeben werden. Der Polemiker dagegen tritt vor, gepanzert mit Vorrechten, die er von vornherein innehat und die er niemals in Frage stellen lässt. Er besitzt von Grund auf die Rechte, die ihn zur Kriegsführung autorisieren und die aus diesem Kampf ein gerechtes Unternehmen machen; er hat zum gegenüber nicht einen Partner in der Suche nach der Wahrheit, sondern einen Gegner, einen Feind, der Unrecht hat, der schädlich ist und dessen Existenz bereits eine Bedrohung darstellt. Das Spiel besteht für ihn folglich nicht darin, ihn als Subjekt anzuerkennen, das das Recht hat, auch das Wort zu ergreifen, sondern ihn als Gesprächspartner jedes möglichen Dialogs zu annullieren, und sein letztes Ziel wird es nicht sein, sich so gut er vermag einer schwierigen Wahrheit zu nähern, sondern die gerechte Sache triumphieren zu lassen, deren offenkundiger Träger er von Beginn an ist. Der Polemiker stützt sich auf eine Legitimität, von der sein Gegner per definitionem ausgeschlossen ist. Eines Tages wird man vielleicht die ausführliche Geschichte der Polemik als parasitärer Figur der Diskussion und Hindernis für die Suche nach der Wahrheit schreiben müssen. Sehr schematisch gesehen, scheint es mir, dass man heute darin das Vorhandensein dreier Modelle erkennen könnte: ein religiöses Modell, ein gerichtliches Modell, ein politisches Modell. Wie in der Häresiologie macht es sich die Polemik zur Aufgabe, die Stelle des unberührbaren Dogmas, das fundamentale und notwendige Prinzip zu bestimmen, das der Gegner vernachlässigt, ignoriert oder überschritten hat; und an dieser Vernachlässigung klagt sie das moralische Vergehen an; an der Wurzel des Irrtums entdeckt sie die Leidenschaft, den Wunsch und das Interesse, eine ganze Reihe von Schwächen und uneingestehbaren Bindungen, die ihn schuldig werden lassen. Wie in der Praxis des Gerichts eröffnet die Polemik nicht die Möglichkeit einer gleichen Diskussion; sie leitet einen Prozess ein; sie hat es nicht mit einem Gesprächspartner zu tun, sondern behandelt einen Verdächtigen; sie sammelt die Beweise für seine Schuld, und mit der Benennung des von ihm begangenen Verstoßes spricht sie das Urteil aus und führt die Verdammung herbei. Jedenfalls befindet man sich damit nicht in der Ordnung einer gemeinschaftlich durchgeführten Untersuchung; der Polemiker sagt die Wahrheit in der Form des Urteils und gemäß der Autorität, die er sich selbst zugebilligt hat. Das mächtigste Modell heute ist indes das politische Modell. Die Polemik legt Bündnisse fest, rekrutiert Parteigänger, führt Interessen oder Meinungen zusammen, repräsentiert eine Partei; sie konstituiert den anderen als einen Feind, der entgegengesetzte Interessen vertritt und gegen den man so lange kämpfen muss, bis ihm, besiegt, nichts anderes mehr übrig bleibt als sich zu unterwerfen oder unterzugehen. Selbstverständlich ist die Reaktivierung dieser politischen, gerichtlichen oder religiösen Praktiken in der Polemik nichts mehr als Theater. Man gestikuliert: Anathemata, Exkommunikationen, Verdammungen, Schlachten, Siege und Niederlagen sind schließlich nur Redeweisen. Und doch sind sie in der Ordnung des Diskurses auch Tätigkeitsweisen, die nicht ohne Folge sind. Es gibt Sterilisierungswirkungen: Hat man je eine neue Idee aus einer Polemik hervorgehen sehen? Und wie sollte es auch anders sein können, wenn die Gesprächspartner dazu angestachelt werden, nicht etwa voranzugehen und immer mehr zu wagen bei dem, was sie sagen, sondern sich unaufhörlich auf das gute Recht zurückziehen, das sie einfordern, auf ihre Legitimität, die sie verteidigen müssen und auf die Behauptung ihrer Unschuld. Es kommt noch schlimmer: In dieser Komödie mimt man den Krieg, die Schlacht, die Vernichtung oder die bedingungslose Kapitulation; man lässt all das von seinem Todestrieb durch, was man nur kann. Nun ist es aber ziemlich gefährlich, glauben zu machen, der Zugang zur Wahrheit könne auf derartigen Wegen erfolgen und auf diese Weise, und sei es in bloß symbolischer Form, die wirklichen politischen Praktiken bestätigen, die sich dadurch autorisieren lassen könnten. Stellen wir uns einen Augenblick lang vor, dass in einer Polemik einer der beiden Gegner durch die Wirkung eines Zauberstabs die Macht erhält, auf den Anderen die ganze Macht auszuüben, die er ausüben möchte. Es ist sicher überflüssig, sich das auszumalen: Man braucht sich nur anzusehen, wie in der UDSSR vor gar nicht so langer Zeit, die Auseinandersetzungen über die Linguistik oder die Genetik abgelaufen sind. Waren das verirrte Abweichungen von dem, was eine richtige Diskussion sein soll? Nein, sondern in Lebensgröße die Konsequenzen aus einer polemischen Haltung, deren Wirkungen gewöhnlich außer Kraft gesetzt bleiben.“ (aus: Michel Foucault – Polemik, Politik und Problematisierungen. Gespräch mit P. Rabinow, Mai 1984, in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften 1980 – 1988, Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S. 724 f.) „Genau das will uns die Marx’sche Lehre, und in ihrer Fortsetzung der Postmodernismus, aber weismachen:“ Zwar wird eine Position der Ablehnung einer rationalen Diskussion im libertären Marxismus, im Neomarxismus und im marxistischen Humanismus in der Regel nicht vertreten und im nicht-politisch korrekten Poststrukturalismus/Postmodernismus auch nicht – sondern nur im politisch korrekten Postmodernismus, der in den USA entstanden ist und von dort aus dann nach Europa kam, aber Jordan-Peterson-Fans behaupten ja gerne dies und das, ohne sich mit einer Sache ernsthaft beschäftigt zu haben. Und des Weiteren hat Karl Marx eine weitgehend zutreffende Analyse der ökonomischen Klassenbeziehungen seiner Zeit geleistet, (die uns auch heute noch etwas zu sagen hat), während der politische korrekte Postmodernismus eine falsche und unwissenschaftliche Konzeptualisierung von Diskriminierungsthemen praktiziert – ein gravierender Unterschied. „Die Unterstellung, es handele sich bei Petersons Aussagen um eine „irrationale Verschwörungstheorie“, ist schlicht falsch.“ Nein, es ist zutreffend. Jordan Peterson ist m.E. ein Lügner und Demagoge, bei dem Wahrheitsorientierung, Verantwortungsgefühl und differenziertes Denken weitgehend fehlen und der eine falsche und dumme rechte Verschwörungstheorie vertritt. Mir geht es um die Unterstützung und Etablierung einer Kritik an der postmodernen Political Correctness aus politisch linker Perspektive. Ich vertrete die Ansicht, dass es unter anderem Aufgabe linker PC-Kritik sein sollte, alle klassischen freiheitlich-linken Theorietraditionen GEGEN die postmoderne Political Correctness zu wenden, die postmoderne PC also ausgehend von den theoretischen Grundlagen aller klassischen freiheitlich-linken Theorietraditionen zu kritisieren sowie Einflüsse der postmodernen PC, die leider bis zu einem gewissen Grad in irgendwelche klassische freiheitlich-linke Theorietraditionen eingedrungen sind (obwohl sie mit diesen faktisch theoretisch nicht kompatibel sind) vollständig aus diesen zu entfernen. Zu den klassischen freiheitlich-linken Theorietraditionen, die m.E. GEGEN die postmoderne PC gewendet werden sollten, zähle ich u.a. den egalitären Liberalismus, die Diskursethik, den libertärer Marxismus, den Neomarxismus und den marxistischen Humanismus, die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, den Sozial- Anarchismus und den Individual-Anarchismus, den linken Kommunitarismus sowie den klassischen nicht-politisch korrekten französischen Poststrukturalismus/Postmodernismus. Einerseits vertrete ich die Ansicht, dass es unter anderem Aufgabe linker PC-Kritik sein sollte, die genannten klassischen freiheitlich-linken Theorietraditionen GEGEN die postmoderne Political Correctness bzw. GEGEN den politisch korrekten Postmodernismus in Stellung zu bringen, des Weiteren vertrete ich die Ansicht, dass es ebenfalls Aufgabe linker PC-Kritik sein sollte, die genannten klassischen freiheitlich-linken Theorietraditionen gegen Lügen, Verleumdungen, Falschbeschuldigungen und unberechtigte Kritiken seitens rechter Ideologen und Demagogen argumentativ zu verteidigen. Daher darf es meiner Ansicht nach weder Kooperationen mit dem politisch korrekten Postmodernismus geben noch Kooperationen und Querfronten mit rechten Demagogen wie Jordan Peterson oder noch schlimmer, mit den widerlichen rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologen. Aus Perspektive linker PC-Kritik, wie ich sie verstehe, gilt bezüglich des politisch korrekten Postmodernismus das Gleiche wie bezüglich Jordan Peterson: Sie müssen auf der politischen und ideologischen Ebene (mittels der besseren Argumente, versteht sich) geschlagen werden, damit Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit siegen können!
      • Na also gut, okay, ich seh es jetzt ein,
        der Peterson hat da mit dem Neomarxismus echt nicht recht
        und beim Derrida auch nicht oder beim Foucault
        ich geb es zu, Peace, Friede, Du hast gewonnen,
        und können wir jetzt bitte
        wieder über was Anderes reden?

    • @toxic

      Na klar war das Leszek.
      Und der nette Mensch, der den Leserbrief geschrieben hat, kotete wie folgt in die Zeilen:

      „Außerdem meint der Autor, Marx sei „für den politischen korrekten Postmodernismus in Wahrheit irrelevant“. Nun, das ist falsch. Marx selbst war kein Postmoderner – offensichtlich – aber er hat die philosophischen Grundlagen dafür geliefert. Marx‘ Prämisse „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ ist es, die schließlich in Identitätspolitik und Standpunkttheorie mündet.“

      Marx wurde – ebenso wie Adorno, Habermas und Marcuse, exakt NULL mal zitiert von bspw. Judith Butler, aber – in einer weit, weit entfernten Galaxie ist die Tatsache, dass man NICHT zitiert worden ist quasi das Gütesiegel dafür, man wäre dadurch gemeint (nicht zitiert worden zu sein).
      Womit das *Gegenteil* vom von der Realität real wäre.
      Auf diesem Niveau bewegt sich dieser lustige Leserbrief.

      Ich habe keine Ahnung, wie das *ökonomische*, das *materielle Sein*, welches das Bewusstsein bestimmt auf Hautfarbe oder Geschlecht zurückzuführen ist, während es Marx im Besitz der Produktionsmittel einer Gesellschaft ansiedelte.
      Es sei denn, der Leserbriefschreiber kann vermitteln, „Hautfarbe“ und „Geschlecht“ wären *Produktionsmittel*, was Marx verblüffen würde.
      Er wäre auch verblüfft, als Gewährleister einer Theorie zu gelten, in dem der „Besitz“ einer von „weiß“ abweichenden Hautfarbe den exklusiven Zugang zu einer „colour of knowledge“ führen könnte.
      Oder ein von „männlich“ abweichendes Geschlecht ermöglichte dieses.
      Weil „Produktionsmittel“ weder ein Geschlecht, noch eine Hautfarbe haben.

      Von daher sind die „philosophischen Grundlagen“, die Marx geliefert haben soll für „Identitätspolitik“ und „Standpunkttheorie“ eventuell der Erfindungshöhe zu verdanken, der den Leser veranlasst hat, diesen Brief zu schreiben.
      Oder anders herum: Er ist der ganz gewöhnliche Lügner, Heuchler und Scharlatan, für den ich ihn halte.

        • „Alter, Leszek, gehst Du eigentlich arbeiten?“

          Du meinst, weil er Kommentare in Buchlänge schreibt? 7671 Wörter! Ich glaube, das ist auch für Leszek rekordverdächtig 🙂

          • Ja.

            Ich empfinde solche Kommentare als Zumutung, gerade in dem Format. Wer den Bildungsgrad eines Leszek’s aufweist, muss in der Lage sein, seine Gedanken prägnant zusammenzufassen. Zumindestens hat meine alma mater mir das so beigebracht.

          • Für das Format kann ich nichts.
            Als ich den Beitrag abschickte, waren die Absätze noch drin.
            Keine Ahnung, warum sie verschwunden sind.

            Und für einen fundierte Antwort bezüglich des Themas ist das m.E. die angemessene Länge.

          • @Kendra M:

            »Ich empfinde solche Kommentare als Zumutung, gerade in dem Format.«

            Also ich kann Leszek verstehen. Gegen feministischen Dilettantismus wird hier angeschrieben, dass die Schwarte kracht, aber sobald es darum geht, irgendwie das »Feindbild Linke« zu pflegen, ist plötzlich keine Behauptung mehr zu dumm und kein Argument mehr zu schlecht recherchiert, um nicht hier als Kommentar (oder in diesem Fall als Leserbrief) hinausgespammt zu werden.

            Sofern es sich nicht ohnehin bloß um das muntere »Trigger-einen-Linken«-Spielchen unserer intellektuellen Krabbelgruppe handelt.

            Aber falls es nicht vorher jemand tut, bereite ich Leszeks Kommentar übers Wochenende für »Geschlechterallerlei« auf.

          • @ Djadmoros

            Danke.
            Ich sorge mal dafür, dass dir eine Text-Version mit Absätzen und korrigierten Flüchtigkeitsfehlern zugesendet wird.
            Dann kannst du den Text irgendwann einstellen, wenn du mal Zeit und Lust hast.

          • @djadmoros

            Ich bin ja immer dabei wenn es darum geht gegen feministischen Dilettantismus anzuschreiben, aber das ist wirklich ein ausgesprochen langer Kommentar, den ich auch nicht lesen würde, wenn es gegen Feminismus ginge.

            Das ist glaube ich mehr wie ich hier in den letzten 3 Wochen geschrieben habe.
            ^^

      • Leszek schrieb:
        „Er ist der ganz gewöhnliche Lügner, Heuchler und Scharlatan, für den ich ihn halte.“

        Du bist wirklich der Ansicht, Peterson sei unehrlich?

        Also im Sinne dessen, dass er selber nicht glaubt, dass das was er sagt, nach seiner Einschätzung korrekt ist und er absichtlich die Unwahrheit erzählt, um politische oder persönliche Ziele zu erreichen?

        • @ CountZero

          „Du bist wirklich der Ansicht, Peterson sei unehrlich?“

          Ja, ich halte ihn für einen narzisstischen Charismatiker mit einem vulgär-pragmatischen Wahrheitsverständnis, nach dem Motto: „Wahr ist, was meiner Sache nützt, solange es ihr nützt.“

          • Okay, Danke für die Antwort!

            Dann haben wir beide hier einen Konsens über den Dissens unserer Ansichten ;-).

          • Ich lese gerade 12 Rules for Life von Peterson. Deiner Einschätzung kann ich nicht zustimmen.
            Würdest Du Dich mit Peterson über systemische Probleme unterhalten, stelltet ihr bestimmt baldig fest gegenseitig offene Türen einzurennen.
            Peterson ist aber kein Systemkrtiker sondern versucht, nach seinem besten Gewissen, für INDIVIDUEN pragmatische und hilfreiche Lösungsansätze zu finden.
            Hatte erst mit einer Freundin die Diskussion über Massentierhaltung und ob man Fleisch essen dürfe bzw. inwiefern Fleischesser mit ihrer Kaufentscheidung die Massentierhaltung bestätigen. Da werden zwei Dinge vermischt: das systemische Problem (Massentierhaltung) und der pragmatische individuelle Umgang mit dem systemischen Problem (Fleischkonsum eines Individuums).

            Peterson ist in seiner Psychotherapie sehr nahe am systemischen Ansatz. Bei einem beliebigem Problem gibt es vier Handlungsmöglichkeiten: suffer by it, leave it, change it und love it. Suffer by it wäre dann zum Beispiel die Depression und Therapiemöglichkeit wäre eine der drei anderen Möglichkeiten zu wählen.
            In den überwiegenden Fällen ist „change it“ einfach keine realistische Möglichkeit. Wer unter Hartz IV leidet wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein „change it“ an dem leidverursachendem System leisten können. Folglich bleibt „leave it“ und „love it“. „leave it“ würde bedeuten Deutschland und damit seine Familie zu verlassen und auf alle positiven Dinge unseres Systems wie Krankenkasse zu verzichten, also bleibt der letzte Punkt „love it“ auf deutsche wäre das wohl „akzeptieren lernen/Frieden schließen“.

            Genau an dieser Stelle verrennst Du Dich mit deiner Peterson Kritik. Peterson sieht in seiner Praxis Leute die unter Systemen leiden, wie dem Wirtschaftssystem. Diese Personen in Ihrer, wahrscheinlich korrekten Systemkritik, zu bestärken würde bedeuten sie beim „suffer by it“ zu unterstützen. Stattdessen arbeitet er Richtung „love it“ oder „leave it“. Das ist jedoch nicht im allergeringsten eine Ablehnung der Systemkritik sondern nur „wass muss das muss“ „Hilft ja nix“ „auf den Hosenboden setzen“. Denn der Auftrag von Peterson ist es der Person zu helfen mit dem System auf individueller Ebene zurechtzukommen. In diesem Sinne ist „clean your room“ einfach ein „lerne das System zu akzeptieren statt daran zu leiden“ und sobald Du als Individuum zurecht kommst wirst Du vielleicht (Peterson sagt sehr oft maybe) mal ein wenig Einfluss auf das System nehmen können.

          • @ NutellaSalz

            „… der Auftrag von Peterson ist es der Person zu helfen mit dem System auf individueller Ebene zurechtzukommen.“

            Sehe ich auch so. Man muß berücksichtigen, daß bei Peterson sich als eine Art Therapeut oder auch Coach sieht. Eben nicht als systematischer Theoretiker. Sein Ansatz ist: pragmatische Hilfe(-Stellung) auf der Basis wissenschaftlicher Forschung (medizinisch, psychologisch, soziologisch).

            Ist doch klar, daß er da in der (reinen) Theorie nur holzschnittartig operiert. Und eben auch oft daneben liegt.

          • Re: Nutella „Offene Türen einrennen“
            Was ich wirklich gerne mal sehen würde, wäre ein gemeinsames Gespräch mit Jordan Peteron und Richard Wolff über das Thema Ungleichheit/Inequality.

        • @ El_Mocho

          „Auf Adorno beruft sich Butler häufiger. Bzw. zitiert ihn.“

          Aber nicht in ihren Schriften, die prägend für den Gender/Queer-Feminismus waren. Ein paar Adorno-Zitate finden sich erst viel später in ihrem Buch zur Ethik. Und auch dort übernimmt sie keineswegs die Ethik von Adorno.

  2. Ich habe grade ein hochinteressante Figur entdeckt: Maryse Holder.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Maryse_Holder

    Eine Französin, die im Alter von sieben Jahren mit ihrem Vater in die USA kam. Dort studierte sie bei der Postmodernismus-Ikone Paul de Man und wurde Feministin. Nachdem sie im Rahmen einer Massentlassung ihren Job verloren hatte, ging sie nach Mexiko, wo sie 1977 ermordet wurde.

    “After being dismissed as a professor at City University in a mass firing, due to New York city fiscal problems, Holder decided to pursue a life exploring sexual adventure in Mexico. While in Mexico, she wrote a series of letters describing her experiences to Edith Jones, a friend in New York City, from which she hoped to „wring a masterpiece from my life.“[2] Following Holder’s brutal murder in Mexico under mysterious circumstances, the letters became the basis for the book Give Sorrow Words: Maryse Holder’s Letters from Mexico.”

    https://en.wikipedia.org/wiki/Give_Sorrow_Words

    “During the course of two long trips to Mexico from 1975 to 1977, she wrote a series of letter to Edith Jones, a friend in New York City. In these letters she describes her experiences, including her many sexual adventures, in what she called her „vacation from feminism.“

    Also eine Feministin, die scharf auf mexikanische Machos ist, dabei an den Falschen gerät und umgebracht wird.

    Kennt die jemand?

      • Sie scheint auch außer dieser Briefsammlung nichts veröffentlicht zu haben; konnte jedenfalls nichts finden. Aber der Gedanke einer Feministin, die Urlaub vom Feminismus macht und nach Mexiko fährt, um sich von richtigen Kerlen mal so richtig durchvögeln zu lassen, ist schon bemerkenswert.
        Offenbar ist der ganze Feminismus durch ein recht oberflächliches Phänomen, unter dem der alte Mensch schnell wieder hervorkommt.

    • Hab vor Jahren das Buch gelesen, auf Deutsch: „Ich atme mit dem Herzen“, gibt´s noch antiquarisch.
      Ganz interessantes Zeugnis eines verzweifelten Menschen.

  3. „Wie die stellvertretende Leiterin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Hannack, dem Deutschlandfunk sagte, gibt es DGB-weit nur elf Personen, die Auskunft über den Verdienst von Kollegen gefordert haben. Alle elf seien Männer gewesen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen. Präsident Alexander Zumkeller sagte ebenfalls dem Deutschlandfunk, bei Firmen bis 500 Mitarbeitern habe es gar keine Anfrage gegeben. Bei größeren Unternehmen seien es vereinzelte Fälle.“
    http://www.deutschlandfunk.de/entgelttransparenzgesetz-nur-wenige-anfragen-gestellt.2850.de.html?drn:news_id=883098

    Heißt das etwa, dass das Gesetz schlecht ist oder Frauen einfach uninteressiert sind bzw. kein Problem sehen? Selbstverständlich nicht:
    „DGB-Vizechefin Hannack kritisierte, Arbeitnehmerinnen gingen gerade in kleineren Betrieben immer noch ein Risiko ein, wenn sie eine entsprechende Anfrage stellten.“

    Schön auch immer wieder, wenn „gleich“ und „vergleichbar“ synonym benutzt werden, um die gewollte Botschaft zu suggerieren:
    „Ziel ist es, dass die Arbeitgeber angehalten werden, für gleiche Jobs auch gleiches Gehalt zu zahlen. Statistiken zufolge verdienen viele Frauen weniger als Männer in vergleichbaren Positionen“.

    • Interessant in dem Zitat mit der „Begründung“, warum das wohl so wenige (und vor allem kaum Frauen) täten: Mitarbeiterinnen (man beachte: ohne Binnen-I) wären dann immer noch von Repressalien bedroht. Das ist mir schon direkt beim Lesen des Artikels über den Link von Arne ins Auge gesprungen.

      Fast als würden Chefs natürlich mal wieder nur bei Frauen wettern und mit Kündigung drohen, wenn die sich erdreisten, ihre Rechte einzufordern. Wenn Männer das tun, kriegen sie natürlich direkt den Best-Buddy-Handshake und werden gefragt, ob sie zur Gehaltsangleichung denn vielleicht auch noch eine Beförderung und einen Firmenwagen dazu haben möchten. Willkommen im Femi-Lala-Land!

      Dass das offensichtliche Desinteresse von Arbeitnehmern an dem Gesetz damit zusammenhängen könnte, dass die in dem Gesetz klar geäußerte Gegenüberstellung Männer / Frauen in der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen einfach keine Rolle spielt, das kann nicht sein, weil es schlicht nicht sein darf. Dass das damit adressierte „Problem“ schlicht nichts anderes ist, als ein bis ins Lächerliche aufgepumpter Popanz, der seine Herkunft aus einer für die alltägliche Realität völlig nichtssagenden Gegenüberstellung aller Frauen mit allen Männern bezieht, was jeder nicht vollkommen durchideologisierte Mensch schnell als offensichtliche „Unstatistik“ erkennt, das will man nicht hinnehmen.

      Ich habe schon bei Inkrafttreten des Gesetzes gesagt: es wird am Gender-Wage-Gap nichts ändern, weil da einfach nichts ist, was dadurch geändert werden könnte. Das wird aber nicht dazu führen, dass Ideologen aller Orten und leider auch besonders in Berlin endlich mal ihre Ideologie hinterfragen. Es wird nur dazu führen, dass wir wohl in den nächsten zwei bis drei Jahren mit den ersten Verschärfungen des Gesetzes rechnen können. In den Worten der zitierten Dame schwingt da für mich schon so ein gewisses Bestreben mit. Mal sehen, ob mir die Zukunft Recht geben wird…

      • „Ich habe schon bei Inkrafttreten des Gesetzes gesagt: es wird am Gender-Wage-Gap nichts ändern, weil da einfach nichts ist, was dadurch geändert werden könnte“

        Genau, sage ich auch: Die lex Schwesig kann das GPG nicht wesentlich verändern (zumindest in der 2016er Version). Und zwar aus strukturellen Gründen: Die Firmen benutzen vielfach spezielle, auf ihren Bereich zugeschnittene lohnrelevante Merkmale zur Bestimmung von Löhnen. Durch die lex Schwesig wird das noch mehr werden. Diese Merkmale können in der Verdienststrukturerhebung (VSE) des Statistischen Bundesamts prinzipiell nicht berücksichtigt werden, d.h. an diesen Daten ändert sich nichts, und damit auch nicht am Rechenergebnis, dem „bereinigten GPG“.

        „warum das wohl so wenige (und vor allem kaum Frauen) täten“

        Wenn man die Verfahren zur Berechnung des GPGs verstanden hat (wozu Feministinnen offensichtlich nicht in der Lage sind), dann ist klar, daß das sehr kleine bereinigte GPG besagt, daß ungleiche Bezahlungen für ähnliche Tätigkeiten ziemlich selten sein müssen. Andernfalls würden die Rechenverfahren zu einem viel größeren bereinigten GPG führen, das ist ja gerade der Sinn dieser Verfahren.

      • Angenommen, man hat ein Paar:
        Mann arbeitet 25 Stunden die Woche, bei 4,3 Wochen im Monat also 109 Stunden im Monat.
        Frau arbeitet 16 Stunden die Woche, also 115 Stunden im Monat
        Zusätzlich leistet die Frau 10.5 Stunden Care Arbeit pro Woche.
        Mann verdient 20,71/h, also 2252 im Monat
        Frau verdient 16,26/h, das sind 1120 im Monat. Es wären die 1874 im Monat, wenn sie die Care Arbeit bezahlt kriegte.
        Es bleiben Netto:
        1541 für den Mann
        901 für die Frau

        Jetzt kommt aber noch Unterhalt und Kindergeld.

        Berechnet man das mit, hat die Frau 1431 im Monat netto und der Mann noch 1193 im Monat netto.

        Bezogen auf die Arbeitsstunden von 25 bzw. 26.5 Stunden (also inkl „care arbeit“) hat der Mann einen Stundenlohn von 10,97 und die Frau einen von 12,41.

        Das ist ein Wage Gap von 13% zugunsten der Frau.

        Mal sehen, ob ich das alles im Gelichstellungsbericht finde…

        Seite 95:

        Wenn man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammennimmt, arbeiten Frauen über 18 Jahre mehr als Männer, nämlich durchschnittlich 45,5 Stunden pro Woche (davon etwa 16 Stunden Erwerbsarbeit), während Männer im Schnitt auf 44,5 Stunden kommen (davon etwa 25 Stunden Erwerbsarbeit)

        Den Rest mag jemand anderes suchen.

        • „Frau arbeitet 16 Stunden die Woche, also 115 Stunden im Monat
          Zusätzlich leistet die Frau 10.5 Stunden Care Arbeit pro Woche.“

          16 x 4.3 sind natürlich nur 69. Erst inkl care sinds 115…

        • Das ist Quatsch.
          Bitte fallt nicht darauf herein!
          Die Frage ist, wie „bezahlte und unbezahlte Arbeit“ nach Geschlecht definiert wird. Die Ausgangsfrage muss *von einem Individuum heraus* erfolgen und das Geschlecht muss irrelevant sein.

      • Da fehlt noch der Text:

        Womit wir dann auch wieder bei den Anreizen durch Trennung sind. Und bei meinem Vorschlag der Abschaffung jeglichen Barunterhalts.

        • „Und bei meinem Vorschlag der Abschaffung jeglichen Barunterhalts.“

          Mein Reden.

          Nachehelicher Unterhalt dürfte in summa so ziemlich das größte staatliche Betrugssystem der deutschen Nachkriegsgeschichte sein.
          Wir hatten mal im Elternforum eine Aufrechnung, die belegte, dass eine Frau auch ohne Kindesunterhalt bei einem gut verdienenden Ex mehr als die Hälfte seines Netto-Einkommens abgreift – ganz offiziell.
          Wie die Hütchenspieler vernebeln die Roben dabei allerdings einzelnde Posten der Zahlungen, so dass es am Ende aussieht, als würde die Frau „nur“ die 3/7 seines Einkommens erhalten, die ihr (angeblich) zustünden.

  4. Gestern lief die neue Folge von PussyTerror TV von Carolin Kebekus (am 17.05.), s. https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr2/audio-neue-staffel-von-pussy-terror-startet-100.html http://www.daserste.de/unterhaltung/comedy-satire/comedy-satire/index.html https://www1.wdr.de/fernsehen/pussy-terror-tv/index.html (ich finde die Sendung nicht in der Mediathek).

    Kebekus ist ja hochbezahlte Feminismus-Aktivistin, insofern überrascht es nicht, daß ein Hauptthema der Sendung Feminismus-Propaganda war. Kurz nach Beginn der Sendung bejubelte Kebekus die metoo-Kampagne so ungefähr als die wichtigste soziale Bewegung seit Menschengedenken.

    Anschließend kam sie auf Männer zu sprechen, die sich von metoo und dem Feminismus bedroht fühlten, also allen Ernstes, wie kann man so beknackt sein. Als ob Horden von marodierenden Feministinnen herumlaufen würden und die armen Männer einschüchtern würden. Exakt bekomme ich ihre Sottisen gegen metoo-Kritiker nicht mehr hin, sie baute jedenfalls einen riesigen Strohmann von dummen Männern auf, die die Segnungen des Feminismus und den hohen Wert der metoo-Kampagne noch immer nicht verstanden haben und die einfach nur dumm herumjammern.

    Den Männern spendierte sie abschließend noch den Hashtag #mimimitoo (der übrigens leicht nach hinten losgehen kann, wenn man das so versteht, daß metoo eine mimimi-Kampagne ist). Das Publikum applaudierte wie üblich, aber wer schon zu einer WDR-Show geht, ist vermutlich weltanschaulich mit dem WDR kompatibel.

    Später kam dann noch ein vorproduziertes Video, in der Kebekus und eine Freundin zwei ziemlich dumme Tussen spielen. die nicht wissen, was Feminismus ist, auf ihren Smartphones versuchen, erklärende Wikipedia-Seiten zu lesen, und eine Reihe von eher dümmlichen Wissensbrocken zu besten geben. Viel Klamauk [zur Erinnerung: wir sind in einer Comedy-Show, und Kebekus mag es bekanntlich gerne etwas derber], der auch hier wie üblich beklatscht wurde.

    Nun die Deutschlehrerfrage: was wollte uns der Künstler damit sagen? Eventuell gar nichts, nur 3 Minuten Sendezeit vollmachen. Bei mir ist als Hauptbotschaft des Videos hängengeblieben, jeden als strunzdumm hinzustellen, der immer noch nicht kapiert hat, was Feminismus ist und welchen Fortschritt für die Menschheit er bedeutet. Die beiden Figuren wirken genau deswegen lächerlich, weil sie das nicht wissen, ohne diese unterstellte Dummheit funktioniert der ganze derbe Klamauk nicht.

    • #mimimitoo

      Feministin: Männer müssen mehr über ihre Gefühle reden und sollte öfter weinen, aber wenn sie es tun und es geht dabei um sie selbst oder Männer, dann werden wir völlig schamlos die übelste Beschämung anwenden um diesen Männer klar zu machen das ihre Gefühle lächerlich sind.

      #JedesMal

  5. „Wir müssen mehr verdienen wie die Männer“

    Jeder Mann sollte Feminist werden, dann kann er gemeinsam mit anderen Feministinnen daran arbeiten das es Frauen einfach in allen Bereich besser geht wie Männer – für die Gleichberechtigung.

    Eine Perversion!

    • „Verhandelt euch den Arsch ab, wir müssen mehr Geld verdienen als die Frauen. Seid ein gutes finanzielles Vorbild für eure Söhne.“

      Roche sieht die Welt als Nullsummenspiel zwischen Männer und Frauen.

  6. http://www.fernuni-hagen.de/arbeiten/arbeitsplatz/recht/personalundarbeit/gleichbehandlung/frauenfoerdergesetz.shtml

    Gefunden in 0,41 Sekunden. Man könnte denen das jetzt zeigen, aber das man als Mann, weil man ein Mann ist, bei gleicher Qualifikation einen Job nicht bekommt, ist ja keine Diskriminierung und das diese Regelung umgekehrt nur in Ausnahmen gilt, auch wenn das Geschlechtsverhältnis völlig umgekehrt ist, natürlich auch nicht. Und das ist auch ganz einfach zu erklären, denn Männer können als Männer nicht diskriminiert werden.

  7. Wer wissen will, was eine Frau wirklich interessiert, der hat es diese Tage einfach.
    Er braucht nur zwei Stichwörter: „Harry“ und „Meghan.
    Wobei das Wort „Harry“ dabei eher zweitrangig ist.
    Die nächsten Stunden sehen sich 3 Mrd. Frauen mit weißem Brautkleid und vergleichen sich in Gedanken mit einer Meghan, die tausende Kilometer entfernt in einem anderen Land – und vor allem in einer anderen, unerreichbaren sozialen Schicht – lebt und der sie mit 99,99999% nie begegnen werden.

    https://www.google.com/search?q=hochzeit+harry+meghan&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b

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