„Wir Männer haben genug verbockt, jetzt sind andere dran“

Die Zeit veröffentlicht einen Artikel von Oskar Roehler, in dem dieser darauf hofft, dass Frauen endlich mehr machen.

Ich träume von einer Revolution; von einer behutsamen Übernahme durch einen sanften Feminismus. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein angenehmer Traum ist, aber er ist notwendig, um die Welt zu retten. Alle Gesellschaftsentwürfe der letzten Jahrhunderte sind gescheitert, männliche Eigenschaften und Strukturen haben dazu geführt, dass sich zerstörerische Systeme wie der Spätkapitalismus etabliert haben.

Gut das keine Frau jemals einen Kapitalismus unterstützt hat. Sie fliehen alle aus den kapitalistischen Ländern in möglichst unkapitalistische.

Und natürlich waren alle von Frauen bestimmten Systeme hoch erfolgreich. Die besten Gesellschaften, mit einem bequemen Leben und hohen medizinischen Standards und Wohlstand für alle wurden im wesentlichen von Frauen errichtet.

Wer würde nicht gern in einem Matriarchat leben? Niemand, außer denen, die nicht anders können? Oh, wie sexistisch

Aber dafür haben sich ja ansonsten überall feministische nicht spätkapitalistische Ländern durchgesetzt, weil sie so ein gutes Leben bieten. Also auf in diese! Ach, gibt es gar nicht. Was für ein schlechter Start.

Die Welt muss weiblich werden – mir fällt nichts anderes ein, was die Welt zum Positiven verändern könnte. Umweltschutz und Tierschutz würden dann ernst genommen, ein neues Gemeinschaftsgefühl würde entstehen und der Spätkapitalismus in seine allerletzte Phase übergehen und sich auflösen.

Noch nicht einmal die meisten Frauen wollen die Grünen an der Macht sehen. Die allermeisten Frauen wählen die CDU. Und Umweltschutz und Tierschutz sind auch bei Frauen nur dann hoch im Kurs, wenn sonst alles in Ordnung ist, wenn man also in einer Welt lebt, in der bereits der durch den Spätkapitalismus verursachte Wohlstand herrscht.

Ein sichtbarer und spürbarer Unterschied zwischen Männern und Frauen zeigt sich in der Reaktion auf Tierfilme: Meine Frau weint nicht nur jedes Mal, wenn ein verhungernder Eisbär gezeigt wird, der Anblick prägt ihr Weltbild und ihr Verhalten so stark, dass sie, anders als ich, bereit ist, sich von bequemen Gewohnheiten zu verabschieden und zum Beispiel keine Plastiktüten mehr zu benutzen. Frauen können viel asketischer und disziplinierter sein, wenn es darauf ankommt.

Aber sie können auch beliebig viele Billigschuhe und Billigmode kaufen, sie lieben genauso Urlaube in exotischen Orten und weinen bringt Eisbären gar nichts. Wenn irgendwelche Menschen in die Arktis gehen um Eisbären konkret zu helfen, dann werden die meisten Männer sein, weil es dort verdammt kalt und unzivilisiert ist und Eisbären gottverdammt gefährlich sind.

Da Frauen am meisten einkaufen, dürften sie im übrigen die meisten Plastiktüten kaufen und benutzen. Plastiktüten werden dann auch gerne für das gute Gewissen durch Wolltaschen ersetzt, aber deren Ökobilanz ist nur dann besser, wenn man sie sehr häufig einsetzt. Was dann auch die Leute nicht unbedingt machen.

Und wo wir gerade beim Plastikmüll sind: Das ist Boyan Slat:

Boyan Slat

Boyan Slat

Aus seinem Wikipediaeintrag:

Boyan Slat (* 27. Juli 1994)[1][2] ist ein niederländischer Erfinder, Unternehmer und Student des Fachbereiches Luft- und Raumfahrttechnik, der die Ozeane vom Plastikmüll befreien will. Er hat ein passives System zum Auffangen des in den Meeresströmungen treibenden Plastikmülls entwickelt. Auslöser für das Projekt war ein Urlaub im Jahr 2011 in Griechenland, in dem Slat im Alter von 16 Jahren beim Tauchen mehr Müll als Fische erblickte.[3] Seine Idee wurde mit dem Preis Best Technical Design der Technischen Universität von Delft ausgezeichnet. Er gründete The Ocean Cleanup für die weitere Entwicklung möglicher Technologien. Anfangs fand das Projekt wenig Anklang. Seit seinem Auftritt beim TEDx talk, “How the Oceans can Clean Themselves” verbreitete sich die Information und brachte tausende von Freiwilligen und zwei Millionen US-Dollar zum Aufbau einer Pilotanlage ein.[2][4] Im November 2014 gewann er den Preis Champions of the Earth des Umweltprogramms der Vereinten Nationen.[5]

“Taking care of the world’s ocean garbage problem is one of the largest environmental challenges mankind faces today”

„Sich um das Abfallproblem der Weltmeere zu kümmern ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit.“

“Not only will this first cleanup array contribute to cleaner waters and coasts but it simultaneously is an essential step towards our goal of cleaning up the Great Pacific Garbage Patch. This deployment will enable us to study the system’s efficiency and durability over time.”

„Dieses erste Reinigungssystem wird nicht nur zu saubereren Gewässern und Küsten beitragen, sondern es ist gleichzeitig auch ein unverzichtbarer Schritt zu unserem Ziel den großen Kunststoffabfallteppich des Pazifiks aufzuräumen. Diese Inbetriebsetzung wird uns ermöglichen, die zeitliche Entwicklung der Effizienz und Widerstandsfähigkeit des Systems zu erforschen.“

– Slat in einem Blogeintrag.

Eine Pilotanlage wurde bei der japanischen Insel Tsushima geplant. Ihr Betrieb wurde auf zwei Jahre angesetzt. Dort strandet je Bewohner ein Kubikmeter Kunststoff pro Jahr.

Boyan ist einer dieser widerlichen Personen des männliches Geschlechts, die natürlich nie an die Umwelt denken und vielleicht noch nicht einmal weinend vor einem Fernseher sitzen.

Er geht nur raus und macht tatsächlich Ozeane sauber. Widerlich!

So eine Revolution wird nie friedlich und ohne Unannehmlichkeiten ablaufen. Aber ich lebe schon jetzt in einer von Frauen dominierten Welt – von meiner Frau, meiner Tochter, meiner Agentin. Gegen so viel weibliche Power kommt man nicht an, da muss man mitgehen. Das muss auch die Gesellschaft tun.

Das ist ja wirklich rührend. „In meiner Welt dominieren eh schon Frauen, also müssen das alle so machen“.

Möglich also, dass es keine sanfte Übernahme wird, wahrscheinlich muss es sogar rigide zugehen, denn viele Männer werden ihren Platz wohl nicht freiwillig räumen. Aber Frauen haben ein Anrecht darauf, die Verantwortung zu übernehmen – einfach weil sie bisher nicht so viel falsch gemacht haben.

„Blut muss fließen und zwar das der Männer“ oder wie soll man das verstehen? Man denke sich den Text umgekehrt.

Und Frauen haben nicht so viel falsch gemacht ist auch herrlich. Sie waren ja schlicht auch seltener in den gleichen Positionen. Allerdings ist es ja nicht so, dass Frauen noch gar nicht in Führungspositionen waren. Und sie sind sie dort, dann machen sie eben auch nicht so viel anders als die Männer. Sie führen Kriege, sie versuchen die Umsätze ihres Unternehmens zu vermehren, sie wählen als Volk Politiker wie Hitler und sie erziehen ihre Söhne dazu, ehrenvoll für ihr Volk zu kämpfen und der Familie keine Schande zu bereiten.

Diese binäre Vorstellung der Geschlechter, Männer zerstörren, Frauen schützen und heilen, ist auch bemerkenswert naiv, eine Margret Thatcher war sicherlich aggressiver als etwa ein Helmut Schmidt.

Ich weiß natürlich nicht, ob das tatsächlich in den Frauen steckt, aber es ist an der Zeit, das herauszufinden. Wir Männer haben es lange genug probiert. Wir haben genug verbockt, die Ressourcen sind erschöpft, jetzt sind andere dran.

Auch hier wieder das Bild der Gruppe, die als quasi eine Person an der Macht war und jetzt Platz machen muss. Tatsächlich waren die wenigsten Männer an der Macht, es waren eben einige wenige Männer an der Macht und es kommen neue nach und sind bereit für neue Aufgaben. Und die Ressourcen sind nicht wegen der Männer erschöpft, die Frauen haben wunderbar mitverbraucht. Und tatsächlich werden es eher männliche Wissenschaftler sein, die neue Technologien entwickeln, die entweder umweltfreundlichere Produkte oder die Nutzung neuer Ressourcen ermöglichen.

In meinem Traum wird es ein ideologisches Zeitalter geben unter dem Postulat des Friedens, auch wenn es vielleicht nur ein Scheinfrieden ist. Möglicherweise kommt sogar eine Diktatur der Harmonie, in der jede Art von Auseinandersetzung unterdrückt wird. Aber auch das wäre nicht wirklich schlimm, verglichen mit der Gewalt, den Kriegen, der Ausbeutung, der Massentierhaltung und all dem anderen Elend, das die Männerwelt bisher hervorgebracht hat.

Wie leben in einer der friedlichsten und sichersten Zeit jemals. Nie waren weniger Menschen arm, nie war die Kindersterblichkeit geringer, nie ging es Menschen besser. Was heute Ausbeutung ist wäre der Traum vieler Menschen vor einem Jahrhundert gewesen.

Insofern eine eher gewagte These.

Kulturell, vermute ich, wird es zunächst zu einer Gleichschaltung kommen. Die sexistische und gewaltaffine Kultur, die wir heute haben, wird ersetzt werden durch politische Korrektheit; eine Wüste der Harmonie, alles Männliche in der Kunst wird eliminiert, übrig bleiben wird nur Wim Wenders. Künstler, die keine Selbstzensur ertragen, werden in die innere Emigration gehen. Aber was bedeutet das schon in Anbetracht dessen, was auf dem Spiel steht? Also gut, verzichten wir auf die Kunst, widmen wir uns dem Leben und retten wir die Welt!

Klingt irgendwie nicht nach einem Paradies, eher nach einer Hölle. Im übrigen scheint mir die Kunst das allerkleinste Problem zu sein. Wer übernimmt die dreckigen, zeitaufreibenden, stressigen, gefährlichen Jobs, die bisher die Männer gemacht haben? Wer produziert den Luxus und die Sicherheit, die die Menschen wollen? Das wären eher reale Frage.

vgl. auch:

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Netta – Toy

 

Look at me, I’m a beautiful creature
I don’t care about your modern-time preachers
Welcome boys, too much noise, I will teach you
Pam pam pa hoo, Turram pam pa hoo

Hey, I think you forgot how to play
My teddy bear’s running away
The Barbie got something to say: Hey! Hey! Hey!Hey!
My „Simon says“ leave me alone
I’m taking my Pikachu home
You’re stupid just like your smart phone

Wonder woman, don’t you ever forget
You’re divine and he’s about to regret
His baka-bakum, bak-bak bakumbai…

I’m not your toy
You stupid boy
I’ll take you down
I’ll make you watch me
Dancing with my dolls
On the MadaBaka Beat
Not your toy!

A-A-A-Ani Lo buba!
Don’t you go and play with me boy!
A-A-A-Ani Lo buba!
Don’t you go and play… Shake!
Kulului, Kulului, Ah, wedding bells ringing
Kulului, Kulului, Ah, money man bling-bling
I don’t care about your ’stefa‘, baby
Pam pam pa hoo, Turram pam pa hoo

Wonder woman, don’t you ever forget
You’re divine and he’s about to regret
His baka-bakum…bak-bak bakumbai…

I’m not your toy
You stupid boy
I’ll take you down
I’ll make you watch me
Dancing with my dolls
On the MadaBaka Beat
Not your toy

 

Zum Inhalt:

Netta Barzilai has one of the biggest voices of Eurovision 2018 and she’s using it to spread a message of social justice. While “Toy” is definitely a song of female empowerment, it’s also a song of empowerment for us all….regardless of our gender. She clucks like a chicken not merely for our amusement, but also to let the haters know it’s time to back off. As she tells wiwibloggs: “The noises are supposed to imitate the voices of a coward — a ‘chicken’. Someone who doesn’t act the way he/she feels and treats you like a toy.”

What’s the general message of the song?

The song has an important message – the awakening of female power and social justice, wrapped in a colorful, happy vibe.