Selbermach Samstag 187 (12.05.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

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Polytheismus, Monotheismus und der allmächtige, einzige Gott

In dem hier bereits erwähnten Buch „Evolution of God“  gab es auch noch eine andere interessante Darstellung, nämlich zu den Vorteilen des Polytheismus und des Monotheismus, also des Glaubens an viele Götter und des Glaubens an einen Gott.

Beim Polytheismus hat man den Vorteil, dass man wesentlich leichter andere Völker in seine eigene Kultur einbringen kann. Wenn es eh viele Götter gibt, dann sind die ausländischen Götter eben nur ein paar Götter mehr. Gerade da die Götter meist eh bestimme Eigenschaften hatten, die überall vorkommen, zB der Kriegsgott, der Gott der Weisheit, der Gott der Liebe, lies sich leicht darstellen, dass ein bestimmter Gott des anderen Volkes entweder eine bestimmte Funktion in der Menge der Götter übernimmt oder mit einem der bestehenden Götter identisch sind. Oder die Götter konnten ebenfalls Bündnisse schließen, evtl musste man nur eine Vorgeschichte anpassen, nach der sie lange verlorene Brüder waren oder was auch immer. Zumindest irgendeine Funktion für einen Gott mehr ließ sich durchaus finden.

Das hingegen ist beim Monotheismus deutlich schwieriger, da der Gott ja üblicherweise einen Alleinvertretungsanspruch als einziger Gott hat. Es ging noch, wenn ein Volk nur an einen Gott als seinen Gott glaubt, aber dafür durchaus anerkennt, dass es andere Götter gibt, die die Götter anderer Völker sind. Dann konnte man sich dem siegreichen Gott anschließen, der ja über den Sieg deutlich gemacht hatte, dass er der mächtigere Gott ist. In diesem Fall fungiert der jeweilige Gott eben wie ein menschlicher König, auch hier kann er einem besseren König Platz machen oder zur Not leicht in einen Polytheismus umgewandelt werden, indem die beiden Götter Platz haben. Häufig sind aber auch Legenden, bei dem der eine Gott den anderen verschlingt und sich somit einverleibt und damit auch teilweise der andere Gott ist, was die Verehrung erleichtert und den anderen Gott eben aus dem Rennen nimmt.

Ein Vorteil nur eines Gottes ist allerdings, dass er oft eine Herrschaft über ein Volk einfacher macht. Ein Herrscher, der sich auf den Willen der Götter des Volkes beruft muss zunächst erst einmal alle Priester der jeweiligen Götter auf seine Seite bringen. Das kann teuer sein, wenn die Priester sich ihre Zustimmung abkaufen lassen oder anderweitige Zugeständnisse wollen. Ein Abweichler, der sich dagegen ausspricht beispielsweise den Krieg gegen ein bestimmtes Volk zu starten, kann zu einem deutlichen Problem werden, wenn der Krieg dann verloren geht. Denn er hat dann den „wahren Willen“ der Götter mitgeteilt. Mit einem Gott hingegen ist die Sache klarer. Gerade dann, wenn der Herrscher selbst das Wort des Gottes verkünden kann oder eben nur einen Oberpriester auf seine Seite bringen muss. Wenn er den Haupttempel des einen Gottes kontrolliert, dann kann er sich immer zuverlässig auf das Wort Gottes verlassen und sich damit eine höhere Autorität geben. „Deus vult“ war nicht umsonst das Motto der Kreuzzüge.

Weitere interessante Handlungsmöglichkeiten aber auch theologische Probleme, bereitet einem ein Monotheismus mit einem allmächtigen Gott. 

In dem Buch ist gut dargestellt, dass der Gott der Bibel am Anfang keineswegs allmächtig war, eher ein Gott unter vielen, der sich als Kriegsgott nach oben kämpfen musste und seinem auserwählten Volk einige Siege brachte. Erst im Verlauf der Bibel wurde er zum einzigen Gott, neben dem es keine anderen Götter gibt, und der allmächtig war.

Allerdings stellt einen ein allmächtiger Gott vor ein Problem, wenn man die Schlacht nicht gewinnt, wenn es dem Volk schlecht geht, wenn es Übel in der Welt gibt. Es bringt einen zu einem bekannten Problem, der hier bereits aufgezeigten Theodizee

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:

Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,

Oder er kann es und will es nicht:

Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,

Oder er will es nicht und kann es nicht:

Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,

Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:

Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

Die Antwort in der Theologie der Bibel sind viellfach: Gott straft die Menschen, weil sie noch nicht genug an ihn glauben, weil sie nicht nach seinen Vorschriften leben oder er prüft sie oder er hat einen größeren Plan, bei dem diese Zwischenschritte eben notwendig sind.

Ein allmächtiger Gott erlaubt dabei auch eine noch größere „innere Disziplin“: Wenn es einem schlecht geht, dann weil noch zu viele Sünder, Ungläubige etc unter einem sind. Alles wird besser werden, wenn man sich noch mehr an seine Gebote hält, noch mehr Buße tut, noch radikaler gegen Ungläubige in den eigenen Reihen vorgeht. Denn Gott als allmächtiger könnte ja alles ändern, man muss also seiner nicht würdig sein, sonst würde er es ja machen. Sprich: Es eröffnet ein Race to the bottom dahingehend, dass man die Vorschriften immer noch verschärft und immer mehr nach dem Sündenbock in den eigenen Reihen sucht. Es eröffnet damit noch mehr die Möglichkeiten des Fanatismus, weil zumindest innerhalb des Glaubens die Option, dass ein anderer Gott stärker ist, nicht mehr existiert. Und jeder, der diesen Glauben äußert, kann gleich wieder als Grund dafür angeführt werden, warum einem Gott nicht hilft.