Anteil an Frauen und Männern in bestimmten Berufen (Schweiz)

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„Warum die Männerbewegung nichts erreicht“

Auf Geschlechterallerlei ist ein Beitrag erschienen, in dem es darum geht, was die Männerbewegung zurückhält:

Geht ein Mann auf die Straße und demonstriert gegen Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen, die Männern widerfahren? Nein, geht zur Arbeit, um Geld für die Familie zu verdienen und seine Karriere nicht durch zwielichtige Aktionen („ich muss mal zur Männerdemo, brauche kurzfristig einen Tag Urlaub“) zu gefährden.

Die allerwenigsten Frauen gehen allerdings auch zu einer „Frauendemo“. Sie gehen allenfalls zu einer Demo für höhere Löhne und die Organisatoren versichern dort, dass sie Lohngleichheit für Frauen und eine Beseitigung des Gender Pay Gaps natürlich ebenso anstreben.
Dafür, dass der Gehaltunterschied zwischen Männern und Frauen so enorm sein soll (23%!) zeigt sich erstaunlich wenig Widerstand, es gibt kaum Demos, es gibt keine „Frauenstreiks“ etc.

Ja, richtig, er kennt ein paar Fälle, wo Kumpels und Kollegen Probleme haben. Durch Scheidung, durch den Kampf ums Kind, durch hohe Unterhaltszahlungen. Aber es droht keine Gefahr, schließlich ist seine Familie intakt, die Ehe funktionert. Es ist derzeit nicht vorstellbar, dass sich das Ändern könnte.

Das Problem, dass die meisten „Männerprobleme“ nur einen kleineren Teil der Männer betreffen, nämlich die, die sich trennen, ist in der Tat etwas, was dazu führt, dass das Thema weit weniger präsent ist. Die Leute erleben es dann auch weniger als etwas, was gegen sie als Männer gerichtet ist, sondern als etwas, was sie mit zB ihrer Frau aushandeln müssen etc. Es fehlt insofern die Erkenntnis, dass die Regeln für Männer sehr ungünstig sind.

Und was sollte er überhaupt der eigenen Frau erzählen, wohin er geht, falls er doch zur Demo ginge? Dass er jetzt dafür eintritt, dass es mehr Gerechtigkeit geben soll im Trennungsfall? Das würde ja bedeuten, dass er ihre Möglichkeiten als Frau beschneiden will! Er müsste erstmal glaubwürdig klar machen, dass er das quasi aus Solidaritätsgründen tut und er selbst nicht glaubt, je in eine solche Verlegenheit zu kommen. Nein, nein, sie lieben sich doch. Sich für so etwas engagieren wäre ja die Unterstellung, dass er davon ausginge, die Liebste würde sich in eine Furie verwandeln, wenn …

Die meisten Frauen gehen allerdings auch nicht auf eine Demo, in der sie anführen, dass sie in einer Rape Culture leben, dass Männer sie unterdrücken etc. Und die, die das machen, haben ja teilweise sogar Partner, die sie darin unterstützen.

In der Tat kommt aber wohl der gleiche Effekt zum Tragen, aus dem heraus keine Eheverträge gemacht werden. Man möchte das Gefühl vermeiden, dass es sich auch gegen die eigene Frau richtet. Und man befürchtet, dass diese es als Angriff auf sich sieht.

Und im Scheidungsfall ihrer besten Freundin ist es ja auch gerechtfertigt, dass er blutet. Hat er sie doch betrogen, das Schwein, wie sie immer sagt. Wo hingegen sie immer ihren netten Kollegen Meyer bemitleidet, dem seine Ex ja so übel mitspielt. Und so eine wird sie ja nicht werden, falls … dafür kennt man sich doch viel zu gut.

Ich denke es ist den meisten Männern schon bewußt, dass da eine große Gefahr vorhanden ist und auch viele Frauen würden das durchaus zugestehen. Allerdings ist das Problem sicherlich auch, dass keiner eine Ahnung hat, wie genau die Regelungen eigentlich aussehen. Insofern kann man auch schlecht darüber reden. Auch die Männer können üblicherweise nicht benennen, was eigentlich genau ungerecht an den Regelungen ist, wenn sie nicht selbst entsprechende Erfahrungen gemacht haben.

Hingegen sind Aussagen wie „Frauen verdienen 23% weniger“ eben einfach und gut zu merken.

Überhaupt, „Männerbewegung“ … das klingt schon schw … ähhh … verweichlicht. Männer, die im Rudel Schutz suchen müssen und fordern, dass etwas für sie geändert wird. Männer, die es alleine nicht gebacken bekommen. Die die Härten des Lebens nicht ohne Beistand aushalten können.

Ja, diese Wirkung hat es denke ich auf viele. Ich hatte irgendwo auch schon einmal angesprochen, dass ich gerade diesen Umstand, dass man sich damit als schwach und benachteiligt darstellt, für ein Hindernis halte, weil damit Aktivisten eben leicht in Lächerliche zu ziehen sind. „Ihr Armen, werdet ihr von Frauen unterdrückt und könnt euch nicht gegen sie wehren?“

Und „Maskulinisten“? Das sind doch die verschrobenen Leute in komischen Klamotten, meist auch etwas Nazi (sagen jedenfalls die Zeitungen) und oft auch ohne Frau – warum wohl?

Ja, auch das ist sicherlich richtig. Die wenigsten würden sich als Maskulisten bezeichnen wollen, wenn sie denn den Begriff überhaupt kennen. Sie sehen auch keinen Grund dazu, weil sie viele Nachteile eben auch nicht sehen oder eben als Teil ihres Lebens akzeptieren.

Und so stellen sich Männer selbst ein Bein. Der dem Mann innewohnende Wettbewerbsgedanke hindert sie daran, sich zu solidarisieren. Jeder ist sich selbst der nächste, Betroffene kämpfen alleine vor den Gerichten. Jeder sieht zu, dass er selbst gut über die Runden kommt, sollen die anderen schauen, wo sie bleiben. Nur der Fitteste gewinnt.

In der Tat eine sehr männliche Art so etwas anzugehen. An dem eigenen Problem arbeiten, sich selbst dafür verantwortlich machen, den Eindruck von Schwäche vermeiden. Eben mehr Einsatz zeigen.
Allerdings sollten ja inzwischen genug von Unterhalt und Sorgerecht betroffen sein. Hier muss man sicherlich schauen, wie man daraus eine Gruppe formt. Ich denke das Internetseiten und Blogs da erste Kontakte darstellen können, ebenso aber eher antifeministische Gegenbewegungen, die sich gegen den gegenwärtigen intersektionalen Feminismus stellen und dessen einfache Einteilung in Gut und Böse leid sind.

Es den Frauen gleich zu tun, die protestierten, macht die Männerbewegung unausgesprochen zu einer weibischen Kopie. So etwas tun Männer nicht. So einen Mann will Frau auch nicht. Das paßt alles nicht ins Bild.

Zumal es eben auch weniger Männer betrifft und selbst von denen, die sich scheiden lassen ja viele auch vernünftige Trennungen erleben, die nicht hochstreitig sind und bei denen sich beide einigermaßen fair verhalten.

Warum sollten also Politiker und Parteien sich für Männer engagieren, die sich mit der Situation abfinden und gar nicht aufbegehren? Offensichtlich ist es dann nicht wahlentscheidend, wie Parteien zu den Anliegen von Männern stehen. Dagegen könnte es als frauenfeindlich und rückwärtsgewandt gesehen werden, wenn sie es trotzdem tun. Und das kostet garantiert weibliche Wählerstimmen.

Ähnliches hatte ich in meinem Rant zu den Aktiven und den Bloggenden auch schon mal aufgegriffen:

Wisst ihr, was Leute anzieht? Wenn schon viele Leute dabei sind und man immer wieder darauf stößt.

Wisst ihr, wonach Politiker den Einfluss einer Gruppe beurteilen? Danach, wie viel Aufmerksamkeit sie generieren können.

In den beiden Bereichen versagt ihr, wenn ihr das Internet nicht nutzt. Wenn ihr so tolle praktische Arbeit macht, dann müsst ihr eben auch die Zähne auseinander bekommen. Wenn ihr 300 Mitglieder habt, dann wissen die, wenn ihr nichts erzählt, vielleicht von eurer Arbeit. Wenn ihr euch damit beschäftigt, eine Social Media Präsenz aufzubauen, und über Twitter, Facebook und eine Internetseite von euren Taten redet (und zumindest 50 eurer Mitglieder sich ebenfalls einen Twitter- und Facebookaccount und eine Internetseite zulegen, sich darum bemühen, Interessierte auf sich aufmerksam zu machen und dann eure Beiträge verlinken, dann wissen es 10.000.

#Aufschrei wurde unter anderem deswegen ein Phänomen, weil eine kleine Anzahl von Feministinnen sehr viele Tweets geschrieben hat, um die Sache ins Laufen zu bringen und weil sie entsprechend mit Multiplikatoren vernetzt waren. Feministinnen können Forderungen durchsetzen, weil sie mit einem Shitstorm drohen können, der ein höhes Potential an Leuten mobilisiert und von einigen sehr aktiven zusätzlich geschürt werden wird. Auf Shitstormniveau muss man sich dazu gar nicht bewegen, aber wenn deutlich wird, dass man jemand ist, bei dem 10.000 Leute angepisst sind, wenn etwas sexistisches offengelegt wird, dann überlegt man eben als Politiker eher, ob man dieser Gruppe zuarbeitet und spricht ihr Bedeutung zu. Wenn man weiß, dass allenfalls 100 Vereinsmitglieder was davon erfahren und dann eine Email von deren Vorstand kommt, dann kann man das weitaus eher ignorieren.

Ich halte insofern daran fest, dass Öffentlichkeitsarbeit und der Versuch, Leute auf das Thema aufmerksam zu machen und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen, sowie das Aufbauen von „Followern“ bzw einer gewissen Reichweite ein wichtiges Ziel bleiben muss.

Männer, wir werden nicht weiterkommen, wenn wir uns nicht zuerst aus unseren Gedankenfallen befreien. Und dann geht es darum, vehement einzufordern, was der Geschlechtergerechtigkeit auch aus Sicht der Männer zuwiderläuft.

Es ist eine interessante Frage, wie man das am besten macht. Gerade das „vehemente“ könnte ja viele andere Männer nach dem oben gesagten abschrecken, weil sie eben nicht als radikal wahrgenommen werden wollen.

Ich könnte mir vorstellen, dass gerade die weniger radikalen Themen, bei denen man bestehende Ungerechtigkeiten aufzeigen kann, eher dazu führen, dass Männer sich dazu äußern als wenn man die große Diskriminierung des Mannes ausruft.

Vielleicht macht es auch eine Mischung der verschiedenen Arten, so dass für jeden etwas dabei ist.

Was sagt ihr dazu?