Trauriges Mädchen Theorie (Sad Girl Theory)

Über Arne bin ich auf die „Sad Girl Theory“ als neue feministische Theorie gestoßen:

Wichtigste Vertreterin ist wohl Audrey Wollen, auf deren Wikipediaseite einiges dazu ausgeführt ist:

Audrey Wollen is a feminist theorist and visual artist based in Los Angeles. Wollen uses social media, primarily Instagram,[1] where she has over 25,000 followers, as a platform for her work on Sad Girl Theory, a theory which includes the notion of sadness as a form of power, and the idea that female sadness and self-loathing might include elements of empowerment.[2] According to Wollen, this empowerment may ultimately lead to women uniting.

Auch ein interessanter Ansatz: Traurigkeit und Selbsthass als Form des Machtgewinns. Das Opfer sein Macht verleihen kann ist ja etwas, was sonstigen feministischen Theorien eher wenig entspricht.

Wollen uses her Instagram feed as an art gallery where she uses her body in her art by objectifying her own body,[3] and putting herself into famous paintings, among other methods. Wollen describes her work as a methodology of survival, a method for rethinking „looking“ and „being“.[4] Wollen is inspired by feminist philosopher Judith Butler and Butler’s theory of gender performativity. In her artwork, Wollen makes visible the performative aspects of online existence and activity and how identity is constructed. According to Wollen there is no distinct binary between „the real“ or authentic and performance, instead, the artist makes visible how performance is an inevitable aspect of online activities (as well as in „everyday life“), and how subjects are mediated through technology and language.[5]

Was für ein sinnleeres Gesülze wie es so gerne in „moderner Kunst“ verwendet wird. Und auch eine beliebte Erklärung doch einfach etwas dem Narzissmus zu frönen und Bilder von sich ins Netz zu stellen.

Aber mal schauen, was die Theorie so her gibt:

Sad Girl Theory is the proposal that the sadness of girls should be witnessed and re-historicized as an act of resistance, of political protest. Wollen states that girls being sad has been categorized as an act of passivity, and therefore, discounted from the history of activism. According to Wollen political protest doesn’t have to be external to the body and Wollen emphasizes that historically girls who have used their own anguish, their own suffering, as tools for resistance and political agency.

Auch interessant: Wir sind gar nicht passiv, wir machen Aktiv nichts! Wobei in der Tat traurige Frauen einen Impuls zum Handeln setzen können, dann eben an Männer, die für sie aktiv werden. 

 

Sad Girl Theory is based on the notion that girls’ sadness isn’t quiet, weak, shameful, or dumb: It is active, autonomous, and articulate. It’s a way of fighting back.[6][7] According to Wollen, the re-staging of girls‘ sadness and self-destruction as an act of political resistance opens up a new history of activism.[8] „Revolt“ might then be understood as something internal, personal and performed on our own bodies, emphasizing girls‘ agency. Wollen also states that the feminist struggle against patriarchal structures have yet to question patriarchal ideals and masculinist tactics of past revolutions, introducing a redefinition of what violence, activism, and autonomy can mean for girls by looking at the actions that are already so pervasive in girl-culture (self-hate, sorrow, suffering, and even suicide) and asserting them as scenes of protest.[9]

Also: Männliche Revolutionen sind eigentlich auch nur toxische Maskulinität und damit schlecht, einfach traurig sein, sich selbst hassen, leiden und Selbstmord(!) sind hingegen eine weiblichere und damit anscheinend positivere Form der Revolution, sollten aber jedenfalls anerkannt werden.

„Frage: Was haben Sie gemacht als die Nazis die Macht ergriffen haben?“

Antwort: „Ich habe protestiert, indem ich traurig war und gelitten habe!“

(Gut, natürlich besser als aktiv mitzumachen, aber echter Widerstand, echte Revolution ist es nicht gerade)

Wollen’s Sad Girl Theory can be considered as an academic response to the liberal feminist ideal that views women as the maker of their own successes. Wollen states that feminism needs to acknowledge that being a woman in a patriarchal society inevitably is difficult and related to oppression and suffering, therefor it is necessary to view the sadness of girls and women as an appropriate and informed reaction to patriarchal structures. Sad Girl Theory is a criticism to liberal ideals of womanhood that depicts „the successful feminist“ as famous, rich and happy. According to Wollen, this idea functions as a second oppression, describing women that are not happy as responsible for the failure of their own emancipation.

Dieser verdammte liberale Feminismus, der meint, dass Frauen an ihrem eigenen Erfolg arbeiten sollten.

In einem Patriarchat ist das Leben einer Frau unausweichlich schwer und mit Unterdrückung und Leiden verbunden. Wie soll man da auch erfolgreich sein?

Sad Girl Theory provided inspiration for artist and writer Johanna Hedva’s Sick Woman Theory, a project focused on chronic illness as an embodied form of political protest. Hedva claims, in response to Wollen’s work, she „was mainly concerned with the question of what happens to the sad girl when, if, she grows up.“[10]

Chronische Krankheit als eine Form des politischen Protest.

Es ist schon interessant, wie feministische Ideen sehr gut zu Passivität und Unterverantwortlichkeit der Frau passen. Die Idee, dass man was für seinen Erfolg machen muss ist schlecht.  Im Patriarchat ist leiden schon eine Form des Widerstandes. Und auf Instagram Fotos von sich posten. Etwas traurig in die Welt schauen ist schon alles, was erforderlich ist. Den Rest kann man auf das Patriarchat schieben.

 

19 Gedanken zu “Trauriges Mädchen Theorie (Sad Girl Theory)

    • Wieso?

      JEDE Feministin ist fest überzeugt davon, dass a) es Unterdrückung ist, wenn irgendein Aspekt der Welt für sie suboptimal ist und b) dass die Unterdrücker, die die Welt weniger als perfekt gestaltet haben, verdammt noch mal verpflichtet sind, das zu verbessern.

      „Ich habe das RECHT, dass mir nichts passiert!“ Ohne Wenn und Aber. Aus letzterem folgt zwangsläufig, dass jemand anderes dafür verantwortlich ist, dass ihr nichts passiert. Und das kann keine Frau sein, denn die hat ja das selbe Recht.

  1. Diese Frau steht für mich auf einer Stufe mit Mahatma Gandhi, dem Vater des gewaltfreien Widerstands. Tapfer und unerbittlich tritt sie, wie Gandi passiv aber massiv für bestimmte Rechte ein. ICH BEWUNDERE DIESE FRAU!

  2. Klingt als hätte sie verstanden, wie Borderlinerinnen ihre Mitmenschen terrorisieren und daraus eine „feministische Theorie“ gemacht.

  3. „Und auch eine beliebte Erklärung doch einfach etwas dem Narzissmus zu frönen und Bilder von sich ins Netz zu stellen.“

    Das hast Du schön erkannt.

  4. Die Masche ist doch nicht neu. Passiv aggressiv rumsitzen und darauf warten, dass der Mann (oder ein Mann) errät, wo der Schuh drückt. Und sich selbstverständlich drum kümmert.

    Na ja, wenn diese Dame die „bekannteste“ Vertreterin ist, dann verbreitet sich dieser Blödsinn hoffentlich nicht auch noch. Selbst meine 15jährige Tochter bringt es schon auf ein paar tausend follower.

  5. Hey Christian,

    ich finde deinen Einsatz ehrenwert. Wenn du noch an deiner Rechtschreibung arbeiten könnest, wäre ich dir sehr verbunden. Es gab mehrere Stellen ( u.a. „Das Opfer sein…“ vs. das Opfersein; „leiden“ vs. Leiden ), die ich dreimal lesen musste, bevor ich verstanden habe, was du meintest.

  6. Ich finde es schon erstaunlich, dass jemand mit miserabler Kunst und armseliger Theorie überhaupt wahrgenommen wird, wahrscheinlich von Leuten, die denken ‚ich bin genauso untalentiert wie sie‘, also folge ich ihr mal. So entsteht ‚white trash‘ der orientierungslosen Art. Solche Typen findet man hundertfach an Kunsthochschulen und ‚irgendwas mit Medien‘. Ist ein Luxusproblem der verwahrlosten Mittelschicht.

    • @Jochen @all

      Darf ich außerdem darauf hinweisen, dass sie die „künstlerischen Mittel“:

      „Wollen uses her Instagram feed as an art gallery where she uses her body in her art by objectifying her own body, and putting herself into famous paintings, among other methods.“

      ihres Projekts schamlos von Cindy Sherman geklaut hat?

      „Ein roter Faden, der sich durch Cindy Shermans Werk zieht, sind fotografische Selbstporträts bzw. Selbstinszenierungen in verschiedenen Kostümierungen. Bereits während ihrer Studienzeit entstanden die Serien Untitled A-D (1975) und Bus Riders (1976). Beide Serien wurden zum ersten Mal 2000 in der Tate Gallery ausgestellt. Mithilfe von Schminke, Perücken und unterschiedlichen Kleidern gab sich Sherman für jede Fotografie ein anderes Aussehen. Für Bus Riders verkleidete sie sich als Menschen verschiedenen Alters, Hautfarbe und sozialer Herkunft. Wie ein Fahrgast in einem Bus sitzt jede dieser fiktiven Personen auf einem Stuhl vor einer kahlen Wand. Selbst bei ihren frühsten Fotografien trieb sie das Rollenspiel bis ins kleinste Detail der Körperhaltung.

      Shermans bekannteste Arbeit dürfte mittlerweile die sogenannten Untitled Film Stills (1977–1980) sein. Die Serie umfasste zunächst 69 nummerierte, aber nicht einzeln betitelte Fotografien. Durch die Veröffentlichung des Werkkatalogs The Complete Film Stills durch das MoMA 2003 wurde ein weiterer originaler, bis dahin vermisster Kontaktbogen mit dem Titel Untitled Film Still #62 entdeckt und in die Serie eingeordnet. Somit umfasst die Reihe seither 70 Fotografien, in denen sich Cindy Sherman selbst als Modell in unterschiedlichen, fiktiven Filmszenen (Filmstills) inszeniert. Die Schwarzweiß-Fotografien ähneln den dramatischen, plakativen Frames von B-Movies der 40er- und 50er-Jahre und sind außerdem von dem amerikanischen Film noir und von Filmen des italienischen Neorealismus inspiriert. Cindy Sherman stellt unterschiedliche, stereotype Rollen, die sich durch den Film in der Gesellschaft verankert haben, auf ihren Untitled Film Stills dar, wobei jedes Bild eine neue Rolle zeigt.“ Wiki

      Sie ist nicht nur ein Narzisstin, sondern auch eine Plagiatorin.

      • Wundert sich jemand darüber? Was können Feministinnen denn selbst?
        Daten zusammsuchen um über den Sinn einer Impfung zu entscheiden? 😉

        Selbst MGTOW ist mittlerweile abgekupfert worden.

      • Joa, natürlich plagiiert sie. Diesen Menschen wurde jegliche Eigenständigkeit ausgetrieben, bis zu dem Punkt wo ihnen nur noch bleibt, die eigene Untätigkeit als Stärke zu redefinieren, um das Belohnungszentrum im Gehirn auszutricksen während man nutzlos vor sich hin vegetiert.

  7. Interessant! Ich habe jetzt nicht mehr die Stellenangabe im Kopf, aber ich erinnere mich, dazu was in der Ritterliteratur des Mittelalters (also… der damaligen) gelesen zu haben. Da gibt es irgendwo eine Stelle, an der die Königin irgendwas erledigt haben will (ich glaube, sie will irgendeinen Ritter tot sehen), das aber nicht direkt befehlen kann.
    Also bricht sie öffentlich vor den Rittern des Königs in Tränen aus, im Wissen, dass nun mehrere Ritter ihr von sich aus anbieten würden, zu beseitigen, was immer sie plagt. Das passiert auch (und ehe sie jetzt hinterhältig erscheint: Es ist der Held der Geschichte, der ihren Job erledigt und der Widersacher ist tatsächlich ein beseitenswürdiger Schurke).

    Nun weiß man natürlich nicht, wie historisch korrekt so eine Szene ist (es treten im Genre ja auch Riesen, Drachen und afrikanische Kopffüßler auf), aber es zeigt zumindest, dass das Prinzip von „weaponised sadness“ schon vor länger Zeit mal gedacht wurde.

  8. „Sad Girl Theory is based on the notion that girls’ sadness isn’t quiet, weak, shameful, or dumb: It is active, autonomous, and articulate.“

    Hihi, das ist keine Theorie sondern ein Phänomen: Das schmollende Mädchen (als eine Variante etwas zu erreichen). Es gibt noch die Varianten „trotzig“ und „bockig“. Wenn aus den Mädchen dann Girlies geworden sind, morpht sich das Phänomen hin zu „zickig“. als eine hormonell verstärkte Fusion aus den drei präpubertären Varianten.

    Wobei die ursprünglichen Methodiken durchaus noch erhalten bleiben, aber eher halbbewusst als Stilmittel eingesetzt werden…

    „audreywollenon a romantic vacay with my sandwich“

    Ja, mit einem Sandwich fängt es an. Dann kommen Schokolade, Pralinen und Kuchen und ruckzuck braucht es ein Weitwinkelobjektiv für die Selfies…

    😀

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