Die Wirkung von Appellen zur Hilfe anderer Gruppe vs die Betonung, dass andere bereits Teil der Gruppe sind

Ich lese gerade „Everybody Lies“, ein sehr interessantes Buch, welches hier auch schon mal Thema war, indem es um die Auswertung großer Daten , die gerade durch die Digitalisierung und das Internet, etwa Suchanfragen bei Google, zur Verfügung stehen.

Es hat viele interessante Stellen, diese hier beispielsweise, die ich hier aus einem Artikel zitiere, die aber auch so ins Buch gewandert zu sein scheint.

In the days following the San Bernardino attack, for every American concerned with “Islamophobia”, another was searching for “kill Muslims”. While hate searches were approximately 20% of all searches about Muslims before the attack, more than half of all search volume about Muslims became hateful in the hours that followed it. And this minute-by-minute search data can tell us how difficult it can be to calm this rage.

Four days after the shooting, President Obama gave a prime-time address to the country. He wanted to reassure Americans that the government could both stop terrorism and, perhaps more importantly, quiet this dangerous Islamophobia. Obama appealed to our better angels, speaking of the importance of inclusion and tolerance. The rhetoric was powerful and moving. The Los Angeles Times praised Obama for “[warning] against allowing fear to cloud our judgment”. The New York Times called the speech both “tough” and “calming”. The website ThinkProgress praised it as “a necessary tool of good governance, geared towards saving the lives of Muslim Americans”. Obama’s speech, in other words, was judged a major success. But was it?

Er hat also an das „Gute“ im Menschen appelliert und angeführt, dass man tolerant sein müsse und Inklusion betreiben müsse. Also im wesentlichen die Reden, die man auch gerade im Rahmen der Flüchtlingskrise kennt und die auch sonst im intersektionalen Bereich stark prägend sind.

Zum Erfolg:

Google search data suggests otherwise. Together with Evan Soltas, then at Princeton, I examined the data. In his speech, the president said: “It is the responsibility of all Americans – of every faith – to reject discrimination.” But searches calling Muslims “terrorists”, “bad”, “violent”, and “evil” doubled during and shortly after the speech. President Obama also said: “It is our responsibility to reject religious tests on who we admit into this country.” But negative searches about Syrian refugees, a mostly Muslim group then desperately looking for a safe haven, rose 60%, while searches asking how to help Syrian refugees dropped 35%. Obama asked Americans to “not forget that freedom is more powerful than fear”. Yet searches for “kill Muslims” tripled during his speech. In fact, just about every negative search we could think to test regarding Muslims shot up during and after Obama’s speech, and just about every positive search we could think to test declined.

Man sieht, dass die Rede eher den gegenteiligen Effekt hatte: Die Leute verhielten sich eher feindselig gegenüber der Auffoderung, meiner Vermutung nach, weil sie es als Aufforderung zu etwas, was ihnen nicht gefiel ansahen,  so dass sie nach Gründen suchten, mit denen sie es ablehnen konnten oder eben die eigene Gruppenidentität und das Gegeneinander der Gruppen hervorgehoben haben, damit sie ebenfalls Gründe für ihre eigene Haltung haben-

In other words, Obama seemed to say all the right things. But new data from the internet, offering digital truth serum, suggested that the speech actually backfired in its main goal. Instead of calming the angry mob, as everybody thought he was doing, the internet data tells us that Obama actually inflamed it. Sometimes we need internet data to correct our instinct to pat ourselves on the back.

Und das ist eben auch ein Effekt, der gerade dann entsteht, wenn man andere Leuten Opfer abverlangt, die anderen zu Gute kommen und diese keinen Grund dafür sehen. Nach außen hin mag man in solchen Fällen dann vielleicht Virtue Signalling betreiben und die Rede gut finden. Aber im Internet und auch ansonsten muss man das nicht, man kann seine Angst, dass hier eine feindliche Outgroup auf eigene Kosten stärker gemacht wird, ausleben.

(….)

The final – and, I think, most powerful – value in this data is its ability to lead us from problems to solutions. With more understanding, we might find ways to reduce the world’s supply of nasty attitudes. Let’s return to Obama’s speech about Islamophobia. Recall that every time he argued that people should respect Muslims more, the people he was trying to reach became more enraged. Google searches, however, reveal that there was one line that did trigger the type of response Obama might have wanted. He said: “Muslim Americans are our friends and our neighbours, our co-workers, our sports heroes and, yes, they are our men and women in uniform, who are willing to die in defence of our country.”

Also ein Appell bzw. eine Erinnerung daran, dass die betreffende Gruppe bereits Teil der In-Group ist und als solche produktiv ist. Also das genaue Gegenteil, was viele intersektionale Theorien machen, die darauf abstellen, dass sich in der Tat feindliche Gruppen in einem Nullsummenspiel gegenüberstehen und Beschuldigungen erheben. Die darauf abstellen, dass man die weißen heterosexuellen, männlichen etc Personen, die einen Großteil der In-Group bilden, angreifen darf, sie nicht diskriminieren darf, sie etwas abgeben müssen, sie die bösen sind. Statt dessen der Hinweis: Pauschalisiert nicht, die meisten sind ganz normale Teile unserer Gruppe, die hart arbeiten und genauso sind wie ihr.

After this line, for the first time in more than a year, the top Googled noun after “Muslim” was not “terrorists”, “extremists”, or “refugees”. It was “athletes”, followed by “soldiers”.” And, in fact, “athletes” kept the top spot for a full day afterwards. When we lecture angry people, the search data implies that their fury can grow. But subtly provoking people’s curiosity, giving new information, and offering new images of the group that is stoking their rage may turn their thoughts in different, more positive directions.

Die Leute können eben dieses Argument weitaus schwerer ablehnen, weil da die Gruppenbildung nicht mehr so einfach ist. Wer für das Land kämpft, wer die eigene Mannschaft zum Sieg bringt oder für das Land in Wettkämpfen auftritt, der hat einen anderen Status als Leute, denen man vorwerfen kann, dass sie einen umbringen wollen.

Obama spent little time insisting on the value of tolerance. Instead, he focused overwhelmingly on provoking people’s curiosity and changing their perceptions of Muslim Americans. Many of the slaves from Africa were Muslim, Obama told us; Thomas Jefferson and John Adams had their own copies of the Koran; a Muslim American designed skyscrapers in Chicago. Obama again spoke of Muslim athletes and armed service members, but also talked of Muslim police officers and firefighters, teachers and doctors. And my analysis of the Google searches suggests this speech was more successful than the previous one. Many of the hateful, rageful searches against Muslims dropped in the hours afterwards.

Also wieder ein stärkerer Appell an das „Wir-Gefühl“, an den Umstand, dass die Leute bereits Teil der eigenen Gruppe sind und produktiv dazu gehören. (das wird bei Flüchtlingen schwieriger, weil viele davon eben kaum deutsch sprechen und keine Ausbildung haben und von Sozialhilfeleistungen leben werden müssen). Es zeigt aus meiner Sicht aber, wie wichtig es sein kann, zu schauen, ob man Forderungen zu eigenen Anstrengungen zugunsten Dritter erhebt oder eben darstellen kann, dass die Gruppe bereits produktiver Teil der eigenen Gruppe ist. Es könnte auch darlegen, dass Parolen wie „Wir schaffen das“ eher Rassismus beflügeln, weil die Leute keinen Grund sehen es zu schaffen.

Und auch Aufforderungen seine Privilegien zugunsten anderer abzulegen wird eher die Gräben vertiefen statt zu einer Verbesserung zu führen. Im Geschlechterbereich ist ein Appell an die Gemeinschaft und die Ingroup ja ohne weiteres möglich. Dort gibt es allerdings insoweit auch keinen Hass, der ja eher von den radikalen Kreisen beschworen wird. Die meisten Menschen kommen gut mit dem anderen Geschlecht aus und finden den Umgang mit ihm sehr reizvoll. Hier künstliche Gräben zu errichten schadet dem eher.

25 Gedanken zu “Die Wirkung von Appellen zur Hilfe anderer Gruppe vs die Betonung, dass andere bereits Teil der Gruppe sind

  1. Jemand hätte Obamas Töchter abschlachten sollen und dann Michael und ihm nach 24 Stunden die Wut darüber verbitten.

    Man muss ja kein Friedensnobelpreisträger sein um schon vorher zu wissen, dass das zu noch mehr Wut führt.

    • Der gleiche genocidal maniac übrigens, der ja bei dem kleinen Verbrecher im Hoodie keine NewYorker Sekunde brauchte um klar zu machen, das könnte sein Transsohn sein.

    • @PDLC

      Wo waren noch einmal die kaukasischen Leichenberge in deinem Phantasma eines Rassenkrieges und Genozids?
      Das frage ich die Feministinnen übrigens auch immer – wo sind eigentlich die Leichenberge in diesem „war on women“?
      Ich finde, rechte und feministische Ideologen haben so viel gemeinsam…

      • Für genau derartig denkbefreite Einwürfe habe ich die Defnition verlinkt.
        Ein Genozid muss nicht mit Leichenbergen durchgeführt werden um einer zu sein.

    • „Der Westen als Babieklappe für die anderen beiden Rassen.
      1a Genozid.“

      Na, auf Dich haben wir hier alle gewartet, wie auf den Messias.

      ENDLICH einer, der uns die Welt erklärt – in einfachen, klaren Worten.
      Ansprechend für Menschen mit einem IQ < 75

  2. Das muss der Dank dafür sein, dass, wie wir ja letztens hier lernten, die menschliche Lebenserwartung jeden Tag um neun Stunden steigt.
    Außer natürlich für den weißen Mann im Westen, dessen darf natürlich herabgesenkt werden.
    Die oben genannten 15% dürften in etwa vor 20 Jahren noch hingehauen haben.

  3. Die meisten Menschen können eben leere Parolen nicht ausstehen. Vor allem dann nicht, wenn jene, die sie verbreiten sich selbst in gepanzerten Limousinen fortbewegen und auf Schritt und Tritt von Bodyguards begleitet werden. Währendessen darf das einfache Volk die kulturelle Bereicherung aus nächster Nähe bestauen. In Tedford und Rotherham wurden nicht die Töchter von Politikern oder einflussreicher Journalisten von arabischen Banden vergewaltigt. Wäre das der Fall gewesen, hätte die Polizei sicher genauer hingeschaut.

    Das dies alles einie Menge Frust erzeugt der sich irgendwann entlädt sollte nicht verwundern. Und man muss kein Experte sein um zu ahnen welche Gruppe es abbekommt. Kleiner Tipp: Die Mehrheit im Land ist es sicher nicht.

  4. Also bei mir funktionieren beide Reden nicht. Denn auch Feministen sind unsere Nachbarn und Kollegen. Scientologen sind unsere Nachbarn und Kollegen. Postmodernisten sind unsere Nachbarn und Kollegen. Nazis sind unsere Nachbarn und Kollegen.

    • @adrian

      Es klappt dann, wenn du es dann mit positiven Leuten aus deiner Umgebung oder bestimmten bekannteren Persönlichkeiten verbinden kannst, die du als positiv wahrnimmst. Und unproblematische Moslems gibt es ja sehr viele. Ebenso wie Schwarze, Weiße und Männer.
      Bei Postmodernisten oder Nazis mag das schwieriger sein und deswegen nicht klappen

      • Ein Moslem ist dann immer noch der Anhänger einer absurden Ideologie mit nicht belegten Aussagen über die Welt und einer fragwürdigen bis gefährlichen Weltanschauung.

          • Christentum und Islam in Sachen Gewaltpotential vergleichen ist absurd. Der Islam erhebt einen pädophilen Massenmörder zum Vorbild. Jesus ist dagegen, trotz seiner Fehler, um einiges unproblematischer.

          • Kommen auch konkrete Beispiele. Ich bin kein Christ, aber der Gott des alten Testaments ist mir um einiges sympatischer. Der des neuen wirkt wie eine weichgespülte für den Massenmarkt gefertigte Variante.
            Ein guter Gott macht in einer Welt voller Völkermord kaum sind oder?

          • „Jesus ist Gott (Heilige Dreifaltigkeit). Und Gott ist ein ziemliches Arschloch. Im neuen und im alten Testament.“

            Ob Gott ein Arschloch ist, kann ich nicht beurteilen. Er passt in den Reigen vieler Götter seiner Zeit.
            Wir haben vielleicht mit ihm mehr Probleme, weil die christliche Morallehre sich vom Verhalten ihres Oberwächters (Schöpfers) stellenweise fundamental unterscheidet.
            Deshalb habe ich schon vor Jahrzehnten – als ein Klassenkamerad MICH ÜBERZEUGTEM CHRISTENHASSER als den ersten echten Christen, dem er begegnet sei, bezeichnete – die Religion von der Ethik getrennt. Mit der Ethik kann ich gut leben, die Religion gibt mir nichts.

            Das Christentum ist deutlich von verschiedenen Strömungen der griechischen Philosophie mit geprägt worden (auch wenn jene Philosophen mit berechtigter Verachtung auf die christlichen Küchenphilosophen herabblickten), aber bedingungslose Nächstenliebe kenne ich von denen nicht. Das war neu – und von kaum zu unterschätzendem Wert für die Welt des 21. Jahrhunderts.

          • „Ein guter Gott macht in einer Welt voller Völkermord kaum sind oder?“

            Meinst Du, es würde die Menschheit noch geben, wenn sie als Fundament den Gott des alten Testaments hätte?
            Auge um Auge?
            Zahn um Zahn?

          • „Meinst Du, es würde die Menschheit noch geben, wenn sie als Fundament den Gott des alten Testaments hätte?
            Auge um Auge?
            Zahn um Zahn?“

            Warum nicht?

            Als Rechtsprinzip (!) hat es in der Weltgeschichte einiges dümmeres gegeben, das meiste davon erheblich eskaliernder als „Aug um Auge, Zahn um Zahn“.

            Wer getötet hat, der wird seinerseits getötet, und zwar in einem RECHTSSTAATLICHEN AKT.
            Und mit diesem rechtsstaatlichen Akt ist die vergeltung dann auch abgeschlossen – ganz im Gegensatz z.B. zu Blutrache-traditionen, die sich endlos und eskalierend immer weiter hin-und herziehen und Opfer um Opfer einfordern.

            Wir lehnen heute die Todesstrafe ab, okay, Aber im hier an einigen Stellen so hochgelobten römischen Reich war es bisweilen üblich, die gesamte Sippschaft mitzubestrafen und deren Andenken zu zerstören. Nix nur Aug um Auge.
            Auch der gute Mohamed hat gerne als Racheaktion gegen irgendwelchen Verrat gleich einen ganzen Stamm dahingemetzelt, und damit eben keinesfals die Mosaische Tradition geachtet.

            Aug um Auge ist historisch zuerst mal die Begrenzung eines ausufernden, eskalierenden Rachedenkens.Das sich historisch auch noch sehr viel länger gehalten hat, teilweise bis heute.

          • „Wer getötet hat, der wird seinerseits getötet, und zwar in einem RECHTSSTAATLICHEN AKT.
            Und mit diesem rechtsstaatlichen Akt ist die vergeltung dann auch abgeschlossen – ganz im Gegensatz z.B. zu Blutrache-traditionen, die sich endlos und eskalierend immer weiter hin-und herziehen und Opfer um Opfer einfordern.“

            Auge um Auge, Zahn um Zahn begann/endete ja nicht bei der Todesstrafe. Es verlangte äquivalente Strafen für jeden Schaden, den Jemand erlitt. Dass diese Blutrachegesellschaften alle nicht weiterkamen, lag nicht zuletzt daran, dass es keine objektive Bewertung eines Schadens gab. Besonders bei Unfällen wurde die Rache praktisch immer als unangemessen empfunden – und zum Ausgleich selbst wieder gerächt.
            Es ist mir unvorstellbar, dass in den frühmittelalterlichen zersplitterten Stammesgesellschaften ein Konsens auf Deiner Basis funktioniert hätte. Erst der religiöse Überbau ermöglichte ein Gewaltprimat eines Staatsgebildes.
            Zugegeben, die Römer hatten eine entsprechende Kultur etabliert, die vielleicht auf dem Racheprinzip bei gleichzeitigem Strafprimat des Staates hätte überstehen können.
            Doch Rom ist untergegangen. Und die Germanen waren kulturell noch 1.000 Jahre hinter den Römern.

            „Auch der gute Mohamed hat gerne als Racheaktion gegen irgendwelchen Verrat gleich einen ganzen Stamm dahingemetzelt, und damit eben keinesfals die Mosaische Tradition geachtet.“

            Ich kenne mich mit dem Islam und Mohammeds Leben nicht ausreichend gut aus, um sicher mitdiskutieren zu können. Was ich gelernt habe ist, dass der Koran sehr ambivalent war und – je nach Sure – Krieg oder Frieden propagierte. Armenhilfe und Gastrecht jedenfalls sollen dort weit strenger eingefordert werden. Mehr noch als bei der Bibel scheint der Koran von der Auslegung abhängig zu sein.

          • Eine Gesellschaft gemäßigter Moslems wird ganz anders aussehen, als eine Gesellschaft gemäßigter Christen. Die kulturellen Grundlagen sind zu verschieden.

  5. Wäre Mal interessant wie die Reaktionen wären, wenn ein weißer Mann Amok läuft, und irgendein öffentliche Person dann genau so eine Rede darüber hält.

  6. „Kaukasier“, ja ja ….
    Hey, nach wessen Definitionshoheit wurde dieser supidupi Terminus eigentlich zum Nonplusultra erklärt?
    ( Ich habe den auf der Pornoplattform meines Unvertrauens zum ersten Mal gelesen, unter „IR“, wenn ich mich recht erinnere )
    Kann das ma wer ordentlich herleiten?

  7. Das Beispiel illustriert einen relativ logischen Vorgang: Man braucht Menschen nicht zu erzählen, sie sollen etwas neben sich dulden, wenn sie den Eindruck (!) haben, dass ihnen nicht die gleiche Behandlung zu Teil wird.
    Das wirkt in etwa wie als wenn eine Mutter einem Kind etwas verbietet und das Kind empfindet das Verbot als äußerst drakonisch und ungerechtfertigt, weil es auch sonst in vielen Belangen bei der Mutter abblitzt ohne verständlichen Grund.
    In der Situation provoziert ein Verbot nur das Gegenteil, weil bei dem Sanktionierten der Eindruck entsteht, es wird einseitig bewertet, es wird nur er bestraft und soll etwas für die Gemeinschaft tun. Derjenige, der sonst im Gesamtkontext immer kürzer treten muss als die anderen, vom dem wird das Gleiche nochmals verlangt während bei anderen dieselbe Aufforderung ausbleibt bzw. auch die Einforderung dessen.
    Bei solch einer praktisch herrschenden Einseitigkeit braucht man eigentlich nicht zu erwarten, dass derjenige in die Hände klatschen wird, der schon sonst – faktisch oder gefühlt – kürzer treten „darf“ ( = von dem das eingefordert wird),
    Simpel ausgedrückt: Was hat er davon? Praktisch macht er nur Verlust. Und andere machen Gewinn.
    So etwas kann man nicht auf Dauer immer nur von einer Fraktion erwarten, es sei denn, man legt es darauf an, Ärger provozieren zu wollen.

    Anders ist wiederum der Appell in einer Situation, wo einige Individuen von einer bestimmten Gruppe Mist gebaut haben, wenn man dem Rest, der nicht dazu gehört, nicht abverlangt, dass sie wieder irgendein Opfer bringen sollen. Sondern, wenn man, stattdessen, darauf hinweist „die sind zwar Teil einer anderen Gruppe als die meisten von euch, aber der Rest dieser Gruppe, der keinen Mist baut, der arbeitet an ganz ähnlichen Zielen wie ihr – an dem lauft ihr jeden Tag vorbei und denkt gar nicht darüber nach, ob ihr vor ihm Angst haben wollt oder nicht“.
    Das ist vielmehr wie ein Rückvergewisserung „diese Gruppe besteht nicht aus Bestien mit Teufelshörnern, sie sind auch nur Menschen wie ihr, die in Ruhe leben wollen“ und zieht vielmehr an einer ganz anderen Stelle die Linie: Nämlich dort zwischen Unruhestiftern und Leuten, die anderen Leuten Schaden zufügen, und Menschen, die in Ruhe leben wollen und solchen Dreck keinesfalls begrüßen. – Etwas, was man in allen in sich geschlossenen Gruppierungen findet, die nach zivilgesellschaftlichen Regeln funktionieren. Sozusagen – das Muster ist übertragbar, es erstreckt sich nicht nur auf irgendeine Untergruppierung, sondern auf die ganze Gesellschaft.

    Im Übrigen, überhaupt die Variante, wenn man irgendeinem gesellschaftlich unliebsamen Phänomen zuleibe rücken will. Holt man alle mit ins Boot, erhöht das strategisch den Druck auf diejenigen, die sich mutwillig nicht an die Regeln der Gemeinschaft halten oder sie gar zerstören wollen. Außer ihnen selbst steht dann moralisch keiner hinter ihnen, besorgt ihnen Material oder gewährt ihnen Unterschlupf.
    Anders als wenn man jede Gruppe nur gegen jede andere Gruppe aufhetzt und manche Individuen der einen Gruppe die zerstörerischen Aktionen ihrer Radikalen eventuell sogar noch gutheißen, weil sie sich in irgendetwas vom Verhalten der anderen Seite in ihrem grundlegenden Empfinden bestätigt fühlen.

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