Selbermach Mittwoch 161 (02.05.2018)

Seid ihr gut in den Mai gekommen?

Advertisements

Religionen und das Bedürfnis nach einem belohnenden und strafenden Gott

Ich las neulich einen für mich interessanten Gedanken zur Entwicklung von Religionen. Der Autor des Buches stellte dort fest, dass viele Religionen von Eingeborenen kein Konzept eines Paradieses haben und Götter auch weit weniger als Strafende und Belohnende sehen, sondern weitaus eher als Wesen, die sehr menschlich waren und eigene Interessen hatten.

In einigen dieser Religionen kam es wohl eher darauf an, wie man gestorben ist als auf das gute oder schlechte Leben. Wer ertrank, der wurde zu einem Lebewesen des Meeres, wer im Dschungel starb wurde eben Teil des Dschungels, etwa ein Jaguar oder etwas anderes.

Der Autor führte das darauf zurück, dass man gerade in kleineren Gruppengemeinschaften vieles weitaus schlechter verbergen konnte. Wer dem Nachbarn ein Werkzeug stahl, der musste es verstecken und konnte es dann kaum Nutzen, weil dann klar gewesen wäre, dass er der Dieb war. Es bestand damit ein geringerer Vorteil darin an eine höhere Instanz zu verweisen, die das eigene Leben in Hinblick auf solche Taten bewertet.

Mit größeren Gruppen hingegen hatten Religionen, die eine übergeordnete, alles überwachende Gewalt, die einen kontrolliert und bewertet und die einem Nachteile zufügt, einen Startvorteil.

Griechische und römische Götter mögen vereinzelt Menschen geholfen haben und waren „bestechlich“ durch Opfergaben etc, aber der Hades der Griechen war für alle gleich, die Chance in den Olymp zu kommen minimal, wenn man nicht eh ein Halbgott war. Auch hier gab es wohl schon erste Vorstellungen vom Paradies, für besonders verdiente Personen, aber nicht für die breite Masse. Strafen erfolgten eher im Diesseits, nicht im Jenseits, abgesehen von den wenigen, die auch dort eine besondere Strafe erhielten (das ewige Stein den Berg hinauf rollen). Und auch bei den Wikingern kam es weitaus eher darauf an, ob man als Krieger würdig war, gemordet, geplündert und vergewaltigt zu haben, war in der Hinsicht nicht schädlich für einen Platz in Walhalla. Hauptsache man war brauchbar für den Endkampf gegen die Eisriesen.

Um so anonymer und friedlicher und vernetzter eine Gesellschaft wurde (friedlich dabei evtl nur im Inneren, mit der Outgroup mag es anders sein) um so höher ist die Wirksamkeit einer Religion, die Regeln des guten Verhaltens vorgibt und Belohnungen oder Strafen in Aussicht stellt.

Interessanterweise ist das im übrigen auch ein Phänomen, welches in der kulthaften Ideologie des  Feminismus eine Rolle spielen könnte. Jede Verhalten wird in den Kontext der Verbesserung der Welt gestellt und alles private für politisch erklärt. Damit ersetzt die Gemeinschaft den Gott, der über alles wacht.