Jens Jessen und der bedrohte Mann

Gerade sorgt Jens Jessen für erhebliche Schlagzeilen, weil er den Feminismus in einem Artikel kritisiert, der aber leider hinter einer Paywall ist.

Stokowski fasst ihn wie folg zusammen:

Ein halbes Jahr nach dem Beginn der Weinstein- und #MeToo-Diskussion ist es so weit gekommen, dass alle Männer elendig geknechtete Wesen sind. Das ist der „Zeit“-Titelgeschichte „Der bedrohte Mann“ von Jens Jessen zu entnehmen, der festgestellt hat, dass es für ihn als Mann nur ein einziges Schicksal gibt: Er ist schuldig und macht alles komplett falsch.

Das scheint auch die gängige Theorie im Feminismus zu sein: Der Mann ist privilegiert und muss diese Privilegierung aktiv angehen und quasi Buße tun.

Stokowski zitiert weiterhin:

„Das System der feministischen Rhetorik folgt dem Schema des bolschewistischen Schauprozesses, nur dass die Klassenzugehörigkeit durch die Geschlechtszugehörigkeit ersetzt ist. So oder so steht die Schuldigkeit schon durch Herkunft fest.“

Auch das scheint mir durchaus zutreffend zu sein:, vielleicht mit der Einschränkung, dass es nicht per se der Mann ist, sondern die „Strukturen“ der „patriarchalen Gesellschaft“ oder welches Konstrukt man da auch immer gerade verwenden will, nach der die Frau passiver Spielball dieser ist und die Nachteile hat, wobei auch Vorteile Nachteile sind, und der Mann alle Vorteile sind, wobei Nachteile entweder doch Vorteile sind oder eben Ansporn für den Mann sein sollten, dass er das Patriarchat bekämpft.

Weiter wird dort zitiert:

„Der Feminismus hat damit eine Grenze überschritten, die den Bezirk der Menschlichkeit von der offenen Barbarei trennte. Nur sehr Tapfere erkennen darin eine heilsame Lektion, die es allen Männern erlaubt, die Diskriminierungserfahrung der Muslime zu machen: Was einige getan haben, wird allen zur Last gelegt. Jeder Muslim ein potenzieller Terrorist, jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger. Aber worauf wollen die Aktivistinnen der #MeToo-Bewegung mit ihrem neuen feministischen Volkssturm hinaus, diesem Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen?“

Natürlich müsste man hier den ganzen Text lesen, aber die Haftung für die Gruppe ist ein wesentliches Element des modernen Feminismus und in der Hinsicht verwendet er das gleiche Argument wie auch Rechte bezüglich des Islams oder bezüglich Ausländern: Einige tun schlimmes, also ist die ganze Gruppe schuldig und zu verdammen.

ich habe den Text von Jesse noch nicht gelesen. Kann jemand was dazu sagen?

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157 Gedanken zu “Jens Jessen und der bedrohte Mann

  1. Wir haben ja schon einiges dazu, eine Reihe von Beiträgen von Arne. ManInTheMiddle hat gerade einen umfassenden Überblick über Jessens Text bereitgestellt:
    http://maninthmiddle.blogspot.de/2018/04/pseudo-debatten-in-der-wagenburg.html

    Bei man tau hätte ich schon was geschrieben, zu Jessens Text selbst und zu den Reaktionen : https://man-tau.com/2018/04/06/zeit-bedrohter-mann/

    Ich hatte dort gerade noch einen Kommentar hinterlassen, der hier, gerade zu Stokowskis Text, auch passt. Also:

    Was die ZEIT da gemacht hat, mag kalkuliert gewesen sein, aber ich gehe auch davon aus, dass die Heftigkeit und Schärfe der Reaktionen das Kalkül übersteigt. Was Stokowski, immerhin im SPIEGEL, oder Patricia Hecht in der taz oder andere schreiben – das übersteigt in der Verrohtheit der Sprache, dem Desinteresse am sachlichen Gehalt und der Zwanghaftigkeit der persönlichen Angriffe m.E. alle kalkulierte mediale Konfrontation. Der SPIEGEL bebildert natürlich auch noch mit einem großen Foto von Jessen, damit auch bloß alle wissen, welcher Typ so ein „ehrloser Jammerer“ ist, der da den Nullpunkt der Debatte herbeigeschrieben hat.

    Das ist keine Konfrontation mehr, das ist Ausdruck der Geilheit auf eine diskursive Vernichtung. Bei allen Verstiegenheiten von Jessens Text sind diese Reaktionen krankhaft überzogen – vor allem, wenn sie mit den Verstiegenheiten von feministischer Seite verglichen werden. Gerade eben erst hat ja z.B Stevie Schmiedel von Pinksstinks das Aufwachsen von Mädchen im heutigen Deutschland mit dem Holocaust parallel gesetzt – aber das ist eine ganz normale Rhetorik, über die sich außer ein paar Bloggern niemand aufregt. https://patriarchat.wordpress.com/2018/04/05/alles-evolution-stevie-schmiedel-von-pinksstinks-ueber-frauen-die-sich-in-fantasiewelten-fluechten-und-das-schreckliche-patriarchat/

    Es geht Typen wie Stokowski, Hecht und anderen hier m.E. um ein Exempel. Klarzustellen, dass jemand, der sich außerhalb der Blogs und in einer angesehen Zeitung wie der ZEIT offen gegen den heutigen Feminismus stellt, mit jeglicher diskursiver Gewalt zu rechnen hat. Es schützt auch nicht, gute Argumente zu haben – die inhaltliche Ebene des Textes wird ja eh nicht zur Kenntnis genommen. Es wäre auch ein Irrtum zu denken, Jessen hätte sich besser schützten können, wenn er weniger polemisch und angreifbar formuliert hätte. Die Reaktion steht so oder so in keiner Relation zu seinen eigenen Verstiegenheiten.

    Das zeigte Zweierlei. Intellektuell, moralisch und politisch sind Links-Identitäre wie Stokowski und Hecht und andere erledigt – sie haben nichts zu bieten, und auf dieser Ebene können sie nicht antworten.

    Zweitens aber: Sie besetzen diskursive Machtpositionen, und sie würden lieber über Leichen gehen, als die zu räumen. Etwas anderes als das Ausspielen von Diskursmacht ist von ihnen aber nicht mehr zu erwarten.

      • @Michael Baleanu:

        »Mann kann nur hoffen, dass es nicht erneut zu der Situation vor gut 6000 Jahren kommen wird, wo sich nur 1 von 17 Männer fortpflanzten«

        Spannender Artikel! Der Erklärungsansatz ist freilich ziemlich kryptisch und abstrakt:

        »The effect may be male-specific, for example, if competition is through a male-driven conquest. A historical example might be the Mongol expansions (…) Likely, the effect we observe is due to a combination of culturally driven increased male variance in offspring number within demes and an increased male-specific variance among demes, perhaps enhanced by increased sex-biased migration patterns … and male-specific cultural inheritance of fitness.«

        Könnte heißen: mehr Krieg –> mehr (a) tote und (b) daheim abwesende Männer. Möglicherweise sind im Zuge der Bevölkerungsverdichtung nach der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht politisch-militärisch dermaßen die Fetzen geflogen, dass am Ende dieser Epoche die Machtmonopole der ersten Staaten daraus hervorgegangen sind – mit der kleinen Zahl überlebender Männer an der Spitze.

        • @djad
          Ein feministisches Narrativ!
          Die gute alte Zeit mit Jagen und Sammeln und dann der Zivilisationsfall, das Patriarchat.

          Der Vergleich Kern-DNA zu Mitochondrien-DNA, der dem zugrunde liegt ist nicht statthaft und darin begründet, dass Mito-DNA viel besser rekombinieren kann als Kern-DNA und daher nicht so divers ist. Das hat gar nichts mit dem Schicksal von Mann- und Frau-Teilpopulationen zu tun und ist der Pointe wegen so hininterpretiert worden.

          Biologie, die reiner Sexismus ist.

          • Und @crumar hat ja auch die völlig tendiziöse und männerfeindliche Aussage ausgemacht und gezeigt, wie sie unter Wahrung von Objektivität heissen müssen:

            „Das ist eine Fehlinterpretation der Ausgangsbasis.
            Nicht einer von 17 Männern „pflanzte sich fort“, sondern 1 von 17 der Kinder dieser Männer – im Sinne von aller Männer – *überlebte*.“

            Das Entscheidene ist die Behauptung, dass es nachweisbar sei, dass Frauen keiner solchen Auslese oder Verminderung unterlagen. Und das ist eben weil Äpfel mit Birnen verglichen wurden.

      • @Michael

        Das ist eine Fehlinterpretation der Ausgangsbasis.
        Nicht einer von 17 Männern „pflanzte sich fort“, sondern 1 von 17 der Kinder dieser Männer – im Sinne von aller Männer – *überlebte*.

        Die Ursachen im Atlantikum: „Wegen eines jetzt zumindest für die nördliche Hemisphäre allgemein anerkannten scharfen Kälterückfalls zw. 6.300 – 6.100 v. Chr. (in den Alpen Misox-Schwankung; engl. „8.2 ka cold-event“) rechnen manche die Zeit davor noch zur vorangehenden Frühwärmezeit (Boreal), andere setzen ein „frühes“ Atlantikum an, und korrelieren dies mit der Firbas-Pollenzone VI.“

        Vorher jedoch: „Die höheren Temperaturen führten zum starken Rückgang der Gletscher. Das Abschmelzen besonders der nordamerikanischen Gletscher führte zu einem rasanten Anstieg des Meeresspiegels. Dies wiederum hatte vermutlich ca. 6.700 v. Chr. den Überlauf des Mittelmeers in das vorher (120 m ?) tiefer gelegene Schwarze Meer zur Folge.“
        Ich nehme an, dies ist die Herkunft des Mythos der „Sintflut“.

        Die rasanten Umweltveränderungen auf der Grundlage von heftigen Temperaturschwankungen in diesem Zeitalter führten dazu, dass weniger Nachkommen überlebten.
        Über die Geschlechterverhältnisse in dieser Zeit sagt das wenig bis gar nichts aus.

        • @crumar:

          »Nicht einer von 17 Männern „pflanzte sich fort“, sondern 1 von 17 der Kinder dieser Männer – im Sinne von aller Männer – *überlebte*«

          Vielleicht stehe ich ja nur auf dem Schlauch – aber warum resultiert ein unspezifischer Anstieg der Kindersterblichkeit in einem spezifischen Rückgang des Y-Chromosoms?

          Und liegt der Denkfehler bei Michael oder in dem von ihm referenzierten Artikel?

          • @djad

            Weil Kindersterblichkeit erstens auch eine Selektion ist. Wenn durch bestimmte Merkmalskombinationen ein Nachkomme geeigneter ist, sich verändernden Umweltbedingungen anzupassen, dann setzt sich diese durch. Das Risiko der Sterblichkeit bei der Geburt ist zweitens für Jungen höher als bei Mädchen.
            Insofern gab es keinen „unspezifischer Anstieg der Kindersterblichkeit“.
            Schwächeres Immunsystem = Pech gehabt.

            Dann schau mal auf die verlinkte Studie (PDF) Seite 462 linke Abbildung unten – auf der x-Achse eingezeichnet Population vor x-Jahren.
            Den Einbruch sehe ich ziemlich präzise mit dem Atlantikum und dessen klimatischen Veränderungen einhergehend.
            Von daher sehe ich keinen Bedarf in Mutmaßungen über gesellschaftliche Zustände, für diese es keine Beweise gibt (Matriarchat o.ä.) und stütze mich auf Erklärungen, die im Einklang mit der mangelhaften Naturbeherrschung der Menschen zu dieser Zeit stehen.

          • @Peter

            „Korrekter wäre diese These doch als: 1 von 17 der *männlichen* Kinder konnte sich fortpflanzen. Beim weiblichen Nachwuchs ist zwar auch ein Knick im Graphen, aber deutlich schwächer ausgeprägt.“
            Das ist die bessere Formulierung.

            „Wieso traf es dann also fast ausschließlich männliche Menschen?“
            Meine Erklärung bezieht sich auf die Grundgegebenheiten der höheren Säuglingssterblichkeit von Jungen, dem prozentual höheren Anteil von Frühgeburten (+Komplikationen bei der Geburt) und der dadurch hervorgerufenen schwächeren Immunabwehr.
            Nächster biologischer Grund ist der höhere energetische Grundbedarf von männlichen Säuglingen und Kindern durch Körper- und Gehirngröße.
            Das sind bei genereller Nahrungsmittelknappheit biologische Nachteile, wenn es um das überleben von bspw. länger anhaltenden Hungerkatastrophen geht.

            Zur Toba-Katastrophentheorie kann ich nur anführen, dass die menschliche Population damals (also vor über 70.000 Jahren) ohnehin viel geringer war, so dass Nahrungsmittelkonkurrenz u.U. keine große Rolle spielte.
            Evtl. gab es im Atlantikum dann jedoch „kriegerische“ Auseinandersetzungen um die verbliebenen Ressourcen, was aber nur eine Mutmaßung ist.

        • Crumar,

          „Nicht einer von 17 Männern „pflanzte sich fort“, sondern 1 von 17 der Kinder dieser Männer – im Sinne von aller Männer – *überlebte*.“

          Korrekter wäre diese These doch als: 1 von 17 der *männlichen* Kinder konnte sich fortpflanzen. Beim weiblichen Nachwuchs ist zwar auch ein Knick im Graphen, aber deutlich schwächer ausgeprägt.

          Schnelle klimatische Änderungen auf globaler Ebene sind m.E. eine plausible Erklärung für genetische Flaschenhälse. Allerdings waren andere Vorkommnisse dieser Art (z.B. das Toba-Ereignis) nicht derart geschlechtsselektiv.

          Wieso traf es dann also fast ausschließlich männliche Menschen?

          Gegen kulturelle Ursachen (Krieg etc) spricht allerdings die globale Nachweisbarkeit zur gleichen Zeit. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die damals voneinander isolierten Habitate gleichzeitig eine derartige kulturelle Krise erlebten.

          Als Alternative zur „Starben vor Erreichen der Geschlechtsreife“ wäre auch noch eine Unfruchtbarkeit denkbar. Dann hätten die Jungs wenigstens ihren Spaß gehabt, auch wenn nix bei rauskam. Das wäre allerdings biologisch sehr viel komplizierter vorzustellen, also auch nicht sehr plausibel…
          Die Ursachenforschung bleibt spannend – wenn das Rätsel denn jemals gelöst werden kann.

          • Crumar,

            „Meine Erklärung bezieht sich auf die Grundgegebenheiten der höheren Säuglingssterblichkeit von Jungen, dem prozentual höheren Anteil von Frühgeburten (+Komplikationen bei der Geburt) und der dadurch hervorgerufenen schwächeren Immunabwehr. Nächster biologischer Grund ist der höhere energetische Grundbedarf von männlichen Säuglingen und Kindern durch Körper- und Gehirngröße.
            Das sind bei genereller Nahrungsmittelknappheit biologische Nachteile, wenn es um das überleben von bspw. länger anhaltenden Hungerkatastrophen geht.“

            Ja, das trifft schon zu. Ich würde es allerdings nicht so hoch gewichten (Vielleicht eher 1:5 in summa) um damit den extrem hohen Unterschied von 1:17 erklären zu können. Eine derart asymmetrische Säuglingssterblichkeit ist neuzeitlich nicht dokumentiert, selbst in längeren Krisenzeiten nicht.

            Eventuell eine Kombination aus hoher Säuglingssterblichkeit und extrem blutigen Kämpfen um knappe Ressourcen? Aber selbst dann passt die Relation irgendwie nicht. Zumal die Habitate damals nicht wirklich vernetzt waren, es also innerhalb der sozialen Strukturen zu diesen gekommen sein musste…

    • „Das ist keine Konfrontation mehr, das ist Ausdruck der Geilheit auf eine diskursive Vernichtung.“

      Was mich auch so verblüfft: daß Stokowski, Hecht usw. so gar nicht auf die Idee kommen, daß sie mit ihrer Reaktion wesentliche Aussagen von Jessen bestätigen. Es kümmert sie überhaupt nicht, daß sie Jessen Belege für einige seiner Vorwürfe im Artikel liefern.

      • Was mich auch so verblüfft: daß Stokowski, Hecht usw. so gar nicht auf die Idee kommen, daß sie mit ihrer Reaktion wesentliche Aussagen von Jessen bestätigen.

        Also verblüffen tut mich das schon lange nicht mehr. Feministen haben nahezu absolute Narrenfreiheit in den meisten Mainstreammedien. Journalisten sind offensichtlich kein auch nur annähernd repräsentatives Abbild der Gesellschaft bezüglich politischer Einstellung im Allgemeinen und Feminismus im besonderen.
        Wie ist es möglich, dass Hohlköpfe wie Stokowski oder Laurie Penny – um mal zwei Vertreterinnen dieser Ideologie exemplarisch zu nennen – als grosse Vordenkerinnen durchgehen? Das geht nur, weil sich ein repressives Meinungsklima etablieren konnte und Feminismus als sakrosant gilt. Wer fundamentale Kritik äussert, der wird medial an den Pranger gestellt und fertig gemacht. So wie Jessen jetzt gerade.
        Jahrzehnte feministischer Hetzpropaganda zeigen Wirkung. Ein beträchtlicher Teil des Publikums ist mittlerweile gehirngewaschen. Der Kritiker ist ein Apostat und wird wie ein solcher behandelt.

        Stokowski erinnert mich an Freisler.

        Sie sind ja … ein schäbiger Lump!!

        • „Ein beträchtlicher Teil des Publikums ist mittlerweile gehirngewaschen.“

          Den Eindruck hatte ich insb. bei folgendem Tweet:

          „Wenn wir Journalisten anfangen, den Wutausbruch als journalistische Form akzeptieren, haben wir ein Problem. #JensJessen @DIEZEIT“

          Was offenbar auf Jessens Text gemünzt ist, aber offenbar nicht auf die Tobsuchtsanfälle von Stocko. et al. Aber ein Tobsuchtsanfall ist ja auch etwas anderes als ein Wutausbruch.

          Der Volständigkeit halber: Jessen hat seinen Text selber nicht als Wutausbruch bezeichnet, es ist eine scharfe Kritik, die ohne wuttypische Entgleisungen auskommt.
          Als Wutausbruch wurde der Text von der Zeit-Redaktion etikettiert, um ihn von vorneherein zu diskrediteren, und als Clickbait natürlich.

    • @Lucas:

      »Etwas anderes als das Ausspielen von Diskursmacht ist von ihnen aber nicht mehr zu erwarten.«

      Das sehe ich exakt genauso – es bedeutet aber auch, dass die Unzivilität des feministischen Diskursverhaltens damit deutlicher sichtbar wird. Wer die Waffe zieht, kann sich nicht mehr einfach so als friedlicher Bürger darstellen, sondern riskiert, als Bandit wahrgenommen zu werden. Für den Übergang zur Taktik der rhetorischen Vernichtung zahlt der Feminismus somit den Preis, sich als Aggressor zu outen. Das mag kurzfristig noch ein taktischer Sieg sein – mittelfristig wird das meines Erachtens die Erosion des feministischen Rückhalts in der »Mitte der Bevölkerung« vorantreiben.

      Es gibt die Aggressionen des »gerechten Zorns« und die Aggressionen der Panik – den ersten Topos haben die Feministinnen seit Jahrzehnten so plattgetreten, dass er sich für ihre aktuelle Reaktion nicht mehr als Entschuldigung eignet. Der Charakter einer Panikreaktion ist somit offensichtlich.

    • „umfassenden Überblick über Jessens Text“

      Ich habe mir übrigens erlaubt, meinen Blogpost an einer Stelle nachträglich zu erweitern, und zwar ganz am Anfang der Zusammenfassung von Jessens Text. Das Tückische an dem Text ist, daß die Begriffe „die Männer“ oder „Schweigen / Ausschluß von Debatten“ nicht klar definiert sind. Es gibt 2 Interpretationen:
      (a) allgemein ungangsspachlich
      (b) die Männer in der feministischen Filterblase (ZEIT-Redaktion o.ä.)

      Je nachdem, welche Definition man wählt, ändert sich die Bewertung des Textes völlig. Bei (a) sind die Thesen mehr oder weniger unhaltbar, bei (b) sind die Thesen offensichtlich erfüllt, der Text ist dann aber nur eine innerfeministische Nabelschau und nicht für die allgemeine Bevölkerung gedacht bzw. für die verständlich.
      Ich hatte ursprünglich (a) unterstellt und nur als Kritikpunkt 4 genannt, daß er vermutlich (b) meint.
      Ich bin inzwischen der Meinung, daß (b) die richtige Interpretation ist.

      Meine gesamte Einordnung, daß diese Debatte eine Pseudo-Debatte und mit etwas Distanz betrachtet nur ein kurzzeitiger Aufreger zwecks Beschäftigungstherapie ist, ändert sich nicht.

      • „Ich bin inzwischen der Meinung, daß (b) die richtige Interpretation ist.“

        (a) müsste schon deshalb falsch sein, weil Männer sich möglicherweise in den Medien nicht zu Wort melden KÖNNEN (mal von den lila Pudeln abgesehen), weil sie keine Plattform erhalten. Dagegen sind sie in den Leserbriefspalten sehr wohl präsent und geben durchaus fundiert kontra.
        Dies zu ignorieren kann nur bedeuten, dass Jessen sich auf (b) beschränkt.
        Und die Beobachtung ist längst auch hier verfasst worden, dass die gesamte Feminismusbewegung in einer Filterbubble stattfindet und außerhalb davon so gut wie keinen Widerhall findet.

        Was sie nicht weniger gefährlich macht.

  2. „vielleicht mit der Einschränkung, dass es nicht per se der Mann ist, sondern die „Strukturen“ der „patriarchalen Gesellschaft““

    Nicht ganz. Man bewundere doch die männerfeindliche Atmosphäre, die überall verbreitet wird:
    „#MeToo
    Die alltäglichen Übergriffe“
    https://www.zdf.de/politik/frontal-21/videos/metoo-112.html

    Wir haben genau das gleiche Muster, wie bei häuslicher Gewalt:
    – Es werden Lebenserfahrungen der Frauen addiert um sie dann als Momentbedrohung der Frauen darzustellen, und damit übertreiben zu können.
    – Es werden nur Erfahrungen der Frauen gesammelt (Falschbeschuldigungen? Du Frauenfeind!): Damit wird suggeriert, dass nur der Mann Täter und Frau Opfer sei.

    Man hat diese Strategie erfolgreich bei häuslicher Gewalt angewandt, nun wird es auch bei #metoo angewandt.

    Es fragt offensichtlich keiner, wie diese Behauptungen zu verstehen sind:
    „Drei von vier Frauen wurden schon mal sexuell belästigt.“
    und
    „Jede zweite Frau wird am Arbeitsplatz sexuell belästigt.“
    https://www.zdf.de/assets/manuskript-metoo-100~original

    Das sind Lebenserfahrungen! Sie werden aber so dargestellt, als ob jetzt, in diesem Augenblick, jede 2. oder 3 von 4 Frauen sexuell belästigt werden würden.

    Es wäre genau so, als ob der ADAC die Lebens-Unfallerfahrungen von Frauen und Männer sammeln würde, um dann zu behaupten, das 100% aller Männer und nur 50% der Frauen einen Unfall während der Fahrt und nur 50% der Männer und 100% der Frauen einen Unfall beim Einparken haben, also suggerieren würden, das passiert jetzt, jede Sekunde. Und jetzt kann jeder sich irgendeine blöde Diskriminierung des einen oder des anderen Geschlechts aus solchen sinn- und verstandbefreiten Zahlen ausdenken.

    Die Männerwelt scheint echt nichts gelernt zu haben, wie ihre strukturelle Benachteiligung funktioniert.

    Diese Frontal21-Reportage erinnert mich persönlich stark an die Art eines „Jud-Süss“-Filmes.

  3. Also, ich muß ja gestehen, daß ich diese „Mediendiskursstrategie“ der Femivorplapperer eigentlich ziemlich genial finde! Ganze zwei Aussagen im Speicher, weil das reicht, um eine ganze Existenz als Meinungsexperte aufzubauen und zu sichern:
    A – Männer sind Schweine!
    B – Behauptet so’n Schwein, ich hätte gesagt „Männer sind Schweine“, dann ist er ein ganz dummes, lächerliches Dreckschwein.

    Kann man offenbar supigut von leben ….

    • Äh .. wo?
      Aber bis Chrissy das leider löschen muß, nehmt doch einfach so lange den hier:
      „Der bedrohte Mann

      Von Jens Jessen

      Seit einem halben Jahr tobt die #MeToo-Debatte. Es geht dabei längst nicht mehr um Gleichberechtigung, sondern um den Triumph eines totalitären Feminismus, findet JENS JESSEN
      »Heute ist alles, was Männer tun, sagen, fühlen oder denken, falsch – weil sie dem falschen Geschlecht angehören«

      » Vorwürfe unsittlichen Betragens kosten Professoren den Lehrstuhl, sie bringen Künstler um das Recht, ihre Werke zu zeigen«

      Die Botschaft der #MeToo-Debatte ist in der Film- und Medienbranche angekommen. Und viel spricht dafür, dass sie auch die restliche Welt verändern wird, in der Übergriffe, Missbräuche und Gewaltakte üblich waren. Man reibt sich die Augen, dass erst so spät sichtbar geworden sein soll, was Frauen zu leiden hatten – als habe nie zuvor jemand von einer »Besetzungscouch« gehört oder vom Ausspruch des W. C. Fields, dass alle Hollywoodkarrieren entweder mit Prostitution begönnen oder endeten.

      Aber ist die Botschaft des Protests auch bei jenen Männern angekommen, die sich gar nichts vorzuwerfen haben – außer ihrer Zugehörigkeit zum verfluchten Geschlecht? Glaubt man den Frauen, die sich in Zeitungen, Talkshows und sozialen Medien unentwegt äußern, wird der Ertrag der Debatte bislang als höchst unbefriedigend eingeschätzt. Die Männer, so der Befund, lassen sich nicht erreichen, jedenfalls nicht in der angesprochenen Gesamtheit. Denn: Sie schweigen. »Zu hören sind sie jedenfalls nicht«, schreibt meine Kollegin Ursula März in der ZEIT. »Ob bewusst oder unbewusst, dürfte eines der Motive schierer Selbstschutz sein.« Die Männer ridikülisierten mögliche Konsequenzen aus dem Protest als »Beweis einer heraufziehenden Tugenddiktatur«, hielt Iris Radisch in der ZEIT fest. Die Männer, kurzum, verhalten sich in ihren Reaktionen auf die #MeToo-Debatte genauso ignorant und selbstsüchtig (bestenfalls lauernd), wie sie in den Leidensberichten beschrieben sind. »In ihrem Schweigen liegt etwas bedrohlich Zähneknirschendes« (März).

      Der Eindruck trügt. Die Männer, von einigen schuppigen Dinosauriern des Machotums abgesehen, teilen die Empörung der Frauen sehr wohl, fühlen sich aber zu Unrecht in Kollektivhaftung genommen und zugleich absichtsvoll – und keineswegs durch eigene »Verdruckstheit« (März) – von der Debatte ausgeschlossen. Diese Debatte hat sich, kaum begonnen, in rasender Geschwindigkeit vom Anlass – den üblen Umtrieben der Weinsteins und Wedels, die auch von Männern verurteilt werden – entfernt und ein rhetorisches Hexenlabyrinth erschaffen, in dem selbst der Gutwilligste scheitert.

      Das Labyrinth ist so beschaffen, dass jedes männliche Entgegenkommen in einer Sackgasse endet. Die Männer beklagen die Zustände in den Büros und Filmstudios – und bekommen von den Frauen zu hören, sie hätten kein Recht zur Solidarisierung, denn sie gehörten dem Geschlecht der Täter an. Die Männer missbilligen die ungerechte Bezahlung ihrer Kolleginnen – und müssen sich anhören, sie seien unglaubwürdig, weil Nutznießer des Lohnsystems (»Deshalb bist du ein Täter, auch wenn du keiner bist, weil du vom System profitierst«, schreibt die Journalistin Mareike Nieberding auf ZEIT ONLINE). Die Männer ärgern sich über fiese Rüpel, welche Frauen bedrängen oder beiseiteschubsen, machen aber den Fehler, dies für ein Zeichen von schlechter Erziehung zu halten – und müssen sich deshalb vorhalten lassen, den wahren Charakter ihrer Herrschaft zu verschleiern.

      Kurzum: Die Männer haben nach anfänglichem Aufbegehren – kaum mehr als ein Schluckauf – erkennen müssen, dass ihnen keine Reaktion bleibt, mit der sie sich nicht selbst ins Unrecht setzen. War es das Ziel von #MeToo, den allgemeinen Geschlechterkampf zu eröffnen und diesen prompt mit der Einschüchterung des Gegners zu beginnen, kann die Debatte nur ein Erfolg genannt werden. Der Vorwurf mangelnder Gesprächsbereitschaft wäre dann nichts als Hohn. Die Wortführerinnen der Debatte haben eine Argumentationsstruktur geschaffen, die einem alten Trick beim Mühle-Spiel gleicht: Mit jedem Zug setzt sich der Gegner selber matt. Wenn die Männer schweigen, dann ducken sie sich feige weg oder haben ihre Verantwortung nicht erkannt. Stimmen die Männer zu, maßen sie sich einen (verlogenen) Rollenwechsel an, der ihnen nicht zusteht. Widersprechen die Männer aber, offenbaren sie bloß, dass sie ihre Machtposition nicht freiwillig räumen – ganz abgesehen davon, dass jede Art von männlicher Erläuterung nach Belieben als »Mansplaining« (also männlich-autoritäres Dozieren) herabgesetzt wird.

      Und wenn die Männer sagen wollten, was ihnen die Sprache verschlagen hat? Dass ihnen die öffentliche Darstellung des eigenen Geschlechts als unfair und als eine Art moralisches Willkürregiment vorkommt? Dann wird man ihnen vorwerfen, sie unterstellten nun die Gewalt, die von ihnen selbst ausgehe, den Frauen, kaum dass diese sich einmal wehrten. »Victim blaming« lautet der feministische Fachausdruck dafür. Vielleicht rät man ihnen auch, nicht so larmoyant zu sein. Das System der feministischen Rhetorik folgt dem Schema des bolschewistischen Schauprozesses, nur dass die Klassenzugehörigkeit durch die Geschlechtszugehörigkeit ersetzt ist. So oder so steht die Schuldigkeit schon durch Herkunft fest. Ein Bürgerlicher war in der Sowjetunion stets Klassenfeind, ganz unabhängig davon, was er selbst sagte oder tat. Dieses war nämlich objektiv falsch, weil er der falschen Klasse angehörte, seine subjektive Einstellung änderte daran nichts.

      Und so ist auch heute alles, was Männer tun, sagen, fühlen oder denken, falsch – weil sie dem falschen Geschlecht angehören. Männern darf man alles nachsagen, bloß weil sie Männer sind: Sie sind machtbesessen, geldgierig, egomanisch, wichtigtuerisch, sexistisch, fies. Als Männer sind sie Ursache jeglichen Weltproblems, und zwar schlicht, weil sie die Welt, in der diese Probleme entstanden sind, einst beherrscht haben. Oder waren es etwa Frauen, die den Weltkrieg erfunden haben? Na bitte.

      Für einen trügerischen Moment haben wohl ein paar Naive (darunter ich) gedacht, es gehe tatsächlich um das Abstellen grober Missstände und das Ende von Gewalt gegen Frauen. Zu spät haben sie die Ausweitung der Kampfzone, die ideologische Totalität des neuen Feminismus erkannt. Daher die hilflosen Reaktionen – die Männer wussten wirklich nicht, wie sie jenen Frauen entgegenkommen sollten, die von den trüben Figuren eines Weinstein oder Wedel die direkte Linie zogen zu den »frauenfeindlichen« Aktgemälden der alten Kunst: In einer Protest-Performance wurden schon Bilder halb nackter Nymphen aus englischen Museen getragen.

      Die Männer verstanden auch nicht, wie sehr die breitbeinige Sitzhaltung von Proleten in der S-Bahn (»Manspreading«, auch ein zentraler Vorwurf) das moralische Schuldkonto selbst schüchterner Intellektueller belastet. Oder warum männliche Niedertracht sich sogar in experimenteller Lyrik wiederfindet, wie Studentinnen einer Berliner Hochschule behaupten: Deren Wut erregt hatte ein fast 70 Jahre altes Gedicht an der Hochschulfassade, in dem der Dichter Eugen Gomringer einer Aufzählung von »Alleen und Blumen und Frauen« einen »Bewunderer« hinzufügte. Das Gedicht wird jetzt entfernt – weil sexistisch und frauenfeindlich.

      Manche Männer protestierten in ihrer Verblendung gegen Zensur, gegen den Rückfall in anachronistische Prüderie, gegen die Misslektüre literarischer Texte. Sie hatten nicht verstanden, dass die Frauen, die Gedichte über »Alleen und Blumen und Frauen« oder Gemälde nackter Nymphen entfernt sehen wollen, weder prüde sind noch etwas gegen Kunst haben. Sie haben etwas gegen Männer – und die Allgegenwart männlicher Perspektiven. Noch in der schüchternsten männlichen Lebensäußerung sehen sie den Keim zu Sexismus und Machtmissbrauch. Was der Schlimmste und Sittenloseste unter den Männern getan hat, das haben sie alle getan. »Wir müssen eine feministische Terrorgruppe gründen und die alten weißen Männer aus dem Weg schaffen«, erklärte die Schriftstellerin Mirna Funk im digitalen Frauenmagazin Edition F (der Passus wurde später entfernt).

      Man mag solche Anwandlungen für kindische Wallungen aus dem Internet halten – doch die offen zur Schau getragene Feindseligkeit kommt in Mode. Für die neuen Feministinnen gibt es keine schuldlosen Männer, auch wenn eingeräumt wird, dass nicht alle »sexualisierte Gewalt« auch praktisch ausüben. Der Lehrsatz lautet: »Es sind nicht alle Männer, aber: Es sind Männer«, und er stammt von der Publizistin Anne Wizorek. Sie war die Erfinderin des Hashtags #aufschrei, einer Empörungswelle im Internet, die den FDP-Spitzenpolitiker Rainer Brüderle 2013 sein Amt kostete. Brüderles Verbrechen: Er hatte einer Reporterin ein Jahr zuvor in alkoholisiertem Zustand ein schlüpfriges Kompliment gemacht. (Nicht zu verwechseln mit dem britischen Medizin-Nobelpreisträger Tim Hunt, den ein ähnliches Schicksal ereilte: Er musste 2015 nach einem läppischen Witz über »heulende Frauen im Labor« – die Missetat wurde alsbald von Feministinnen über Twitter verbreitet – seine Professur abgeben und wurde aus allen Ehrenämtern gejagt.)

      Was sich an Hass hinter einem Hashtag anstaut, findet seinen Weg unverzüglich in die breite Öffentlichkeit. Die Autorinnen solcher Botschaften mögen eine recht überschaubare Szene repräsentieren – doch entfalten ihre Kampagnen erhebliche Wirkung. Hinter dem Hashtag #teamginalisa versammelten sich 2016 Unterstützerinnen einer Angeklagten, die in Berlin vor Gericht stand: Gina-Lisa Lohfink hatte fälschlich behauptet, von zwei Männern vergewaltigt worden zu sein, die Anklage lautete daher: »falsche Verdächtigung«. Doch in einigen Massenmedien wurde der Straftatbestand umgedreht und so getan, als sei ein Vergewaltigungsprozess im Gange. Vor dem Amtsgericht demonstrierte eine aufgebrachte Menge, selbst die damalige SPD-Familienministerin Manuela Schwesig solidarisierte sich im #teamginalisa mit der Frau, die alsbald rechtskräftig verurteilt wurde. Der Fall galt vielfach sogar als Paradebeispiel für die Überfälligkeit einer Sexualstrafrechtsreform, die dann auch überstürzt durchgepeitscht wurde (»Nein heißt nein«, die Leser werden sich erinnern). Die Tatsache, dass eine Frau die Täterin ist, übersteigt inzwischen offenbar die Vorstellungskraft der meisten. Böse können nur Männer sein.

      In der unterstellten Kollektivverantwortung aller Männer für die Untaten jedes einzelnen liegt etwas, das sehr wohl sprachlos machen kann. Der Feminismus hat damit eine Grenze überschritten, die den Bezirk der Menschlichkeit von der offenen Barbarei trennte. Nur sehr Tapfere erkennen darin eine heilsame Lektion, die es allen Männern erlaubt, die Diskriminierungserfahrung der Muslime zu machen: Was einige getan haben, wird allen zur Last gelegt. Jeder Muslim ein potenzieller Terrorist, jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger.

      Aber worauf wollen die Aktivistinnen der #MeToo-Bewegung mit ihrem neuen feministischen Volkssturm hinaus, diesem Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen?

      Die Journalistin Judith Liere schreibt im stern: »Ich hab in Bars immer den Daumen über die Flaschenöffnung gehalten, damit mir keiner K.-o.-Tropfen ins Bier schüttet.« Spontan möchte man fragen: In welchen Bars verkehren Sie bloß? Kennen Sie die Männer dort? Aber die Frage verfehlt den Sinn der Aussage. Denn diese soll für jede Bar gelten und jeden Ort, an dem Männer sind. Es gibt keinen unbekannten Mann; für seine finsteren Absichten ist jeder bekannt. Jeder muss sich fragen lassen: »Warst du das vielleicht, der die Brünette mit dem bauchfreien Top ungefragt von hinten angetanzt hat? Oder warst du das, der einer Kollegin auf dem Team-Event die Hand auf den Rücken gelegt hat und (sic!) sie sich darunter hinweggewunden hat wie eine Schlangenfrau?« (Mareike Nieberding auf ZEIT Online).

      Man muss einen Mann längst nicht mehr individuell in Augenschein nehmen oder einer Tat überführen. Er steht unter Generalverdacht. Das ist keine Kleinigkeit. Philosophisch gesprochen, wird damit die Conditio humana gekündigt, die allen Menschen ein gleiches Maß an Menschlichkeit zumisst. Wenn für Männer keine Unschuldsvermutung gilt, werden sie – nicht nur in der feministischen Theorie – zu Menschen zweiter Klasse. Männer haben keinen Anspruch auf Gerechtigkeit, das wird in den sozialen Netzwerken des Internets demonstriert, die mehr und mehr die öffentliche Meinung prägen. Das uralte, fast vergessene Instrument der sozialen Ächtung wurde wieder ausgegraben und entrostet; und siehe da, es glänzt und schneidet scharf wie vor zweihundert Jahren. Die Vorwürfe unsittlichen Betragens kosten Professoren, ja Nobelpreisträgern den Lehrstuhl, sie bringen Künstler um das Recht, ihre Werke zu zeigen – in jedem Fall aber beschädigen sie deren Ruf, selbst wenn es sich um anonyme Denunziation handelt.

      Vor zwei Jahren wurde Nate Parkers Film The Birth of a Nation als sicherer Oscar-Anwärter gehandelt, bis im Netz eine Anklage wegen Vergewaltigung aus den College-Tagen des Regisseurs hervorgekramt wurde. Unerheblich, dass er damals vom Gericht freigesprochen worden war – seine Oscar-Chancen lösten sich auf. (Das erinnert an den Fall Kachelmann: Bis heute muss der 2001 freigesprochene Wettermoderator gegen die in feministischen Kreisen weiter geschürte Unterstellung kämpfen, er sei ein Vergewaltiger.)

      Im Herbst wurde in Hamburg eine Ausstellung des bekannten Modefotografen Bruce Weber abgesagt, obgleich die Vorwürfe der homosexuellen Belästigung alles andere als bestätigt waren. Das schreckte den Intendanten kaum: »Bruce Weber hat uns gegenüber seine Unschuld beteuert, aber wir sind ja nicht dabei gewesen.« Was den Intendanten dagegen schreckte, war die Aussicht auf öffentliche Reaktionen: »Wenn so Vorwürfe im Raum stehen, dann können Sie nichts machen, das ist ein Automatismus, dann wird die Kunst in den Hintergrund gedrängt.«

      Um die vielfach bezeugten Verfehlungen der großen Stars – Kevin Spacey, Roman Polanski und zuletzt Dieter Wedel – geht es hier ausdrücklich nicht: In diesen Fällen sind eine Menge Zeugen, Vorwürfe und Tatbestände bekannt, jeder Fan kann sich selbst ein Urteil bilden, sogar im Netz.

      Bedrohlich hingegen eine Sammelanklage im stern, die zwar keine Namen nannte, aber durch Datierung den Rückschluss auf Identitäten erlaubte: Welcher Chefredakteur, welcher Politiker amtierte wann und wo? Die einschüchternde Wirkung der Anklage steigerte sich noch, indem sich die Autorin selbst als eine präsentierte, die immer noch derart eingeschüchtert ist, dass sie nicht offen zu sprechen vermag: »Kolleginnen rieten mir später, die kleine Grenzverletzung lieber nicht an die große Glocke zu hängen, meistens bleibe das Etikett ja doch an der Frau kleben«, schreibt die stern-Autorin Ulrike Posche.

      So ist die Frau auf jeden Fall Opfer: wenn schon nicht Opfer eines eindeutig sexuellen Übergriffes, so doch das einer sexistischen Atmosphäre. Nach diesem Muster vermeidet die Netzempörung notorisch die Frage nach strafrechtlicher Relevanz oder dem tatsächlichen Gewicht der angezeigten Vorfälle. Selbst wenn sie juristisch als unerheblich oder erfunden gelten müssen oder wegen Anonymität der Anklage unglaubwürdig sind, raubt das den Beschuldigungen im Netz nicht die Durchschlagskraft. Man hat nichts recherchiert. Man nennt weder Ross noch Reiter. Man klagt auch nicht vor Gericht, sondern wirft mit diffusen Vorwürfen vor einer diffusen Öffentlichkeit um sich – und trifft alle Männer. Selbst das Dubiose des Verfahrens wird zum Argument für die Sache der Anklägerinnen: Ist es nicht schrecklich, dass wir uns erst jetzt an die Öffentlichkeit trauen? Und uns noch immer scheuen, Namen zu nennen?

      Die Frauen, die endlich befreit #MeToo twittern, mögen die Chance anonymer Anklage als Triumph feiern (»Überwindung der Sprachlosigkeit«), sind sich aber vielleicht nicht im Klaren darüber, was die Männer daraus lernen. Die begreifen vor allem: Wir können jederzeit denunziert werden, auch ohne den kleinsten Vorfall. Wenn nur eine Anklägerin unerkannt und aus dem Off spricht und ihre Behauptung zugleich das Urteil ist, gegen das es keine Berufung gibt, wird die Wahrheitsfrage unerheblich.

      Das hat allerdings eine fatale Rückwirkung auf die Glaubwürdigkeit auch berechtigter Anklagen. Die könnten ja ebenfalls frei erfunden sein. Die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge verschwimmt, wenn es kein objektives, allgemeiner Vernunft zugängliches Verfahren der Prüfung gibt, sondern alles zu einer Frage der parteilichen Perspektive erklärt wird – der männlichen oder der weiblichen.

      Aber auch dazu hat sich die avancierte feministische Theorie etwas einfallen lassen. Sie sagt: Logik und Vernunft sind auch bloß parteilich. Auch die Annahme einer allen Menschen gemeinsamen Rationalität ist nichts als eine männliche Erfindung. Nichts als »das sture Festhalten an einer Vernunftauffassung, von der Georg Simmel schon vor hundert Jahren sagte, dass sie den Fehler begehe, ›die männliche Wesensäußerung in die Sphäre einer überspezifischen neutralen Sachlichkeit und Gültigkeit‹ zu heben« (schreibt Iris Radisch in der ZEIT).

      Wissen die Feministinnen nicht, dass sie damit ein uraltes Vorurteil wiederbeleben, das Männern einst dazu diente, weibliche Intelligenz herunterzustufen? Aber auf jeden Fall geht so die kostbarste Errungenschaft des abendländischen Rationalismus zugrunde, welcher Gleichheit und Menschenrechte auf die allgemeine Akzeptanz von Vernunft und Logik gründete. Es erlischt auch jedes Gespräch, weil es keinen Austausch überindividuell geltender Argumente mehr gibt, die jeder nachzuvollziehen vermöchte, unabhängig von Herkunft, Klasse und Geschlecht. Die Männer hätten dann tatsächlich allen Grund zu schweigen (oder nur mit ihresgleichen zu reden).

      Die verhängnisvollste Konsequenz: Auch jeder Anspruch auf Gleichberechtigung erlischt. Gleichberechtigung beruht auf Gegenseitigkeit – der gegenseitigen Akzeptanz eines gemeinsamen Dritten. Dieses Dritte muss jenseits der offenkundigen Unterschiede des Geschlechts, der Rasse, der kulturellen Besonderheit liegen. Das war bisher die Instanz der Vernunft, auf die sich jeder berufen konnte. (Übrigens die philosophische Entsprechung dessen, was theologisch die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen genannt wird, aber ich werde hier selbstverständlich nicht den tödlichen Fehler machen, christlich zu argumentieren.)

      Glauben die Frauen, die den Vernunftgrund des abendländischen Humanismus kündigen, für alle Frauen zu sprechen? Wahrscheinlich. »Das Patriarchat umgibt uns förmlich wie die Matrix aus dem gleichnamigen Film« (Anne Wizorek). Ihre Ideologie zwingt sie dazu, die Geschlechter über jede Individualität hinweg absolut zu setzen: Männer als Besitzer der Macht, Frauen als deren Opfer. Nachrichten von konkreten Übergriffen zeigen »nur die Spitze des Eisbergs. Der Eisberg selbst ist das System. Hierarchisch. Machtgesteuert. Geldgesteuert. Männlich dominiert« (die Regisseurin Crescentia Dünßer auf Facebook). Und wenn ausnahmsweise (was zugegeben wird) auch mal Frauen ihre Macht missbrauchen, dann tun sie das immer noch »innerhalb der traditionell männlichen Koordinaten«. Und wie die Kommunisten an den unaufhaltsamen Sieg der Arbeiterklasse glaubten, glauben die Feministinnen an den Sieg des weiblichen Geschlechts über seinen Erbfeind, den Mann. »Deswegen bäumen sich ja die alten weißen Männer gerade noch einmal auf. Wie ein Tier kurz vorm Tode. Sie spüren sehr wohl, dass die Zeit für sie gekommen ist« (Mirna Funk).

      Zu den feindseligen Machenschaften im Sinne eines letzten Aufbäumens rechnen natürlich auch Beiträge wie mein vorliegender, der Autor gibt sich da keinen Illusionen hin. Bereits der Umgang mit der #aufschrei-Debatte wurde als moralischer Lackmustest gesehen: »Nun war sehr schnell zu erkennen, wer Sexismus lediglich für einen Scherz hält und sexualisierte Gewalt verharmlost«, schreibt Anne Wizorek in ihrem Buch Weil ein #Aufschrei nicht reicht. In den USA wird von Aktivistinnen schon mit dem Gedanken gespielt, Kritik an Auswüchsen der #MeToo-Debatte ihrerseits zu einer Abart des »sexual harassment« zu erklären, zur sexuellen Belästigung zweiter Ordnung sozusagen. Damit wäre jedes Mitdiskutieren von Männern, sofern sie nicht der Parteilinie folgen, ein Übergriff – vielleicht sogar strafwürdig. Muss man sich da über schweigende Männer wundern?

      So ist nach marxistisch-leninistischem Vorbild ein sich selbst immunisierendes System entstanden. Auch durch die Aussicht auf ein Ende der realen Missstände lässt es sich nicht irritieren. Der Kampf wäre ja keineswegs gewonnen, wenn sich das männliche Verhalten gegenüber Frauen zivilisierte. Auch die kommunistischen Parteien hielten es für Augenwischerei, wenn sich die Lage der Arbeiterklasse durch Reformen verbesserte. Nicht die Befreiung der Arbeiter von drückenden Verhältnissen war das Ziel, sondern der Sieg der Partei.

      So geht es auch heute nicht um die Gleichberechtigung der Frauen, sondern um den ideologischen Triumph des totalitären Feminismus. Das ist, um es zart zu sagen, ein bisschen traurig. Und es wird uns auf dem Weg zu Gleichberechtigung, Gleichbezahlung und sexueller Selbstbestimmung, den Frauen und Männer gemeinsam gehen müssen, sicher nicht voranbringen.

      In der nächsten Ausgabe widerspricht an dieser Stelle Bernd Ulrich: Die Emanzipation des Mannes hat gerade erst begonnen.“

      • Tatsächlich gut geschrieben, auch wenn ich nicht in allen Details zustimme.

        Im Prinzip passiert gerade das, was ich vorhergesagt hatte: die modernen Feministinnen demaskieren sich mit ihrer abgehobenen Radikalität selbst, sobald sie den Mund aufmachen und der Wahnsinn fängt an, sich herumzusprechen. Statt Erfolge für ihre Sache, werden sie am Ende Verluste einstecken müssen.

        Nichts anderes bedeutet es, wenn eine solche Gegenrede in einer sich „progressiv“ wähnenden ZEIT abgedruckt wird.

        • „Statt Erfolge für ihre Sache, werden sie am Ende Verluste einstecken müssen.“

          Nicht nur sie.
          Da sie sich anmaßen, für ALLE Frauen zu sprechen, wird ihre schrille Kakophonie auch allen Frauen vorgeworfen.
          Man nimmt den Stuss einer Stokowski immer weniger ernst, aber auch seriöse Einlassungen einer „normalen“ Frau.
          Ich kann’s nicht oft genug wiederholen: der Feminismus fliegt in absehbarer Zeit den Frauen um die Ohren, nicht den Männern.

          • Da sie sich anmaßen, für ALLE Frauen
            Ist das eine Anmaßung, man muss davon ausgehen, daß es tatsächlich so ist, da keinerlei Widerspruch zu vernehmen ist, von ganz zarten weinigen versuchen abgesehen.
            Man sollte nicht unterschätzen, daß diese von einer Minderheit der Frauen ausgehenden Exzesse an Hass und Verachtung Männern gegenüber gar nicht denkbar wären, wenn dieser Hass und diese Verachtung nicht in der Mehrheit der Frauen schon latent vorhanden wären.
            Ich denke es wäre ausgeschlossen, daß sich eine dem Feminismus spiegelbildlich ähnliche Haltung von Männer- Frauen gegenüber bei der Masse der Männer, solcher stillschweigender Duldung oder Zustimmung erfreuen dürfte.
            Das muss ganz einfach ganz tiefliegende verhaltensbiologische Ursachen haben. Aber vielleicht gelingt es dem Feminismus dies ja endlich bei den Männer aufzubrechen und eine Gegenreaktion zu provozieren. Dann wäre der Feminismus nicht das erste Kapitel der „Befreiung“ der Frau, sondern das letzte ihrer Herrschaft.

          • „Vielleicht wird der arme Mann aber auch nur endgültig mundtot gemacht und es traut sich niemand mehr.“

            Zu dem Thema ist er es schon, da passiert nicht mehr viel.

            Ansonsten mach ich mir da wenig Sorgen. An den wirtschaftlich und gesellschaftlich relevanten Verhältnissen hat das feministische Störfeuer sehr wenig geändert.
            Auch weiterhin werden Firmen in allererster LInie von Männern gegründet und geleitet. 80% der Wirtschaftsleistung wird von Männern erbracht. Und daran wird sich allenfalls dann was ändern, wenn Frauen GEZWUNGEN sind, sich mehr im Erwerbsleben einzubringen. Ein Engagement in die Richtung ist aber gerade aus den Reihen des Feminismus nicht zu erwarten.

  4. Die Frauen sollen ihre Weiblichkeit bewahren; und die Männer ihre Männlichkeit. Es kann eine Gleichberechtigung der Frau geben auch ohne Feminismus. Wir brauchen eine öko-konservative Verhaltensweise. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).

  5. Wichtig wäre es jetzt nachzulegen. Wenn zeitnah z. B. in der FAZ ein ähnlicher Artikel wie der von Jessen veröffentlicht würde, das würde was bringen.

    • „Ein Geschlecht ist nicht vergleichbar mit einer religiösen Ideologie.“

      Es geht um den Rückschluss auf die Gruppe beim Blick auf das Verhalten eines einzelnen ihrer Mitglieder.
      Natürlich ist das vergleichbar.

          • „Religionen haben schließlich grundlegende Texte und Praktiken, die für alle Gläubigen gelten.“

            Das hat mit der Sache eben NICHTS zu tun.
            Hier werden alle Vertreter der Gruppe „MANN“ in Generalhaftung genommen für Verfehlungen einer kleinen Minderheit aus dieser Gruppe.

            Für das Prinzip „Erbsünde“ ist es irrelevant, ob das Mitglied Teil einer realen oder einer fiktiven Gruppe ist. Es funktioniert in jedem Fall.

          • Das Prinzip ist Blödsinn. Man kann ein Geschlecht nicht mit einer Ideologie/Weltanschauung vergleichen. Wer sich als Moslem bezeichnet, bezeichnet sich damit als Anhänger der Religion Islam. Und damit bezeichnet er sich als Anhänger des Propheten Mohammed und all seiner Lehren, explizit oder implizit.

          • Ja. das ist nur bei Juden anders. Aber die Antisemiten wollen Moslems hier mit den Juden gleichstellen. Das ist ihre Lehre aus dem Intersektionalismus.

        • Niemand muss Moslem sein, Mann oder Frau ist man aber, egal ob man will oder nicht. Das ist der Unterschied.

          Die werden aber in die Religion hinein geboren und sich davon loszusagen ist in vielen muslimischen Ländern verboten und gefährlich. Kurzum: Es ist nicht die freie Wahl so wie man in eine Partei oder einen Verein eintritt und wieder austritt, grad so wie man will ohne schwerwiegende Konsequenzen zu befürchten.

          • Wer sich als Moslem identifiziert, tut dies durch Einhaltung der fünf Säulen des Islam:

            Das Glaubensbekenntnis – mindestens einmal öffentlich ausgesprochen, idealerweise aber jeden Freitag.
            Das Gebet – fünfmal täglich, Wudu davor nicht vergessen, sonst gilt es nicht
            Das Fasten – während des Monats Ramadan
            Die soziale Pflichtabgabe – der Zakat, 2,5% des liquiden Vermögens einmal im Jahr.
            Die Pilgerfahrt nach Mekka – mindestens einmal im Leben

            Also nach den (unstrittigen) Regeln des Islam erfordert die Identifikation einigen Aufwand. Wer ihn nicht treibt, ist schlicht kein Moslem und schlimmstenfalls ein Heuchler, der den Islam zu seinen niederen Zwecken als Aushängeschild missbraucht.

            Die Realität: Die wenigsten treiben diesen Aufwand und nutzen das Etikett Musel nur wegen dem Gefühl, einer Gemeinschaft anzugehören. Oder sie haben das Etikett einfach per Geburt angeheftet bekommen und machen sich darüber keinen Kopf.

          • „Die Realität: Die wenigsten treiben diesen Aufwand und nutzen das Etikett Musel nur wegen dem Gefühl, einer Gemeinschaft anzugehören.“

            Das ist nicht mein Problem. Wer sich als Kommunist bezeichnet muss damit rechen, das ich ihn an den kommunistischen Lehren und er kommunistischen Praxis messe. Egal, ob er an all diese glaubt, oder nicht. Gleiches gilt für Feministen, Nazis, Scientologen etc.

      • Das funktioniert aber trotzdem nicht, weil eine Gruppe biologisch und eine ideologisch definiert ist. Paradebeispiel von Äpfeln und Brinen.

    • „Der Vergleich mit Muslimen ist der einzige Schwachpunkt an Jessens Artikel.“
      Fakt!
      Der Vergleich ist dem Zeitgeist geschuldet und sollte wohl Empathie triggern.

        • Die Moslem-Analogie soll einfach nur den sich selbst kasteienden Männerhass der Männer blossstellen. Jessen suggeriert, dass so eine selbstverleugnende Art analog der des Feminismus funktionieren würde. Hier spielt er auf das antiweisse „Critical Race“-Dogma an, das er sonst gar nicht nennt, wie er alles nicht-deutsche vermeidet. Ist eben ein schlimmer Nationalist, der Jenssen — schreibt fast nur über deutsche Verhältnisse!

  6. Danke für den Text. Habe ihn sicherheitshalber mal offline gebunkert.

    allerdings verstehe ich nicht, wieso selbst Jessen von einer „Debatte“ spricht. In einer Debatte werden auf Augenhöhe Argumente ausgetauscht und beide Seiten kommen zu Wort. Davon ist hier nicht die Spur zu erkennen.

    Das ist eine Kampagne, die aber außerhalb der idiotischen Berliner Medienfilterblase kaum verfängt. In meinem persönlichen Umfeld verdreht jedenfalls jede Frau nur genervt die Augen.

  7. Die Reaktionen auf Jessens Text sollte man positiv sehen.

    Ist wie mit der AfD. Die profitiert davon, wenn aller darüber reden, wie furchtbar sie ist.

  8. „Aber worauf wollen die Aktivistinnen der #MeToo-Bewegung mit ihrem neuen feministischen Volkssturm hinaus, diesem Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen?“

    Interessante Frage. Nimmt man die Thematik ernst, dann müsste man annehmen, dass die Zielsetzung die konsequente und größtmögliche Trennung der Lebenswelten von Mann und Frau ist. Mit der Sexualfeindlichkeit und der Angst der Frau als Treiber um die Geschlechter auseinanderzubringen.

    Insofern könnte man tatsächlich vermuten, dass der „Diskurs“ (eher: weiblicher Monolog mit ein paar reaktiven Fragmenten des Mannes) von männerhassenden Lesben geführt wird, die bei jedem Kontakt mit einem Dreibein in der Aussenwelt nur „töten, töten, töten“ denken.

    Aber am Ende ist es doch nur Unterhaltung, der spielerische Teil von „panem et circenses“. Ein Energieableiter der harmlosen Art. Wie wäre es mit einer musikalisch untermalten Variante?

    • „Aber am Ende ist es doch nur Unterhaltung, der spielerische Teil von „panem et circenses“. Ein Energieableiter der harmlosen Art.“

      Nein, am Ende ist es genau dies: Diskriminierung von männlichen Personen. Wie sich das konkret gestaltet, und was das für einzelne dieser Personen bedeutet (z. B. für falschbeschuldigte Männer, z. B. für geschiedene Väter), dafür findest Du viele Beispiele bei Arne, bei Schoppe und hier im Board sowieso.

      Harmlos ist das bestimmt nicht, spielerisch ebenso wenig.

      • Da wirfst Du m.E. zuviel in einen Topf. Die Rechtlosigkeit der Väter ist ein wichtiges und ernstes Thema. Hat aber herzlich wenig mit dem medialen Laber-Feminismus zu tun über den wir uns hier auslassen.

        Vielmehr ist die Asymmetrie in der Triade Vater-Mutter-Kind eine Entwicklung aus der Moderne und im wesentlichen dem jeweiligen gesellschaftlichen Ansatz zur Steuerung der Verfügbarkeit der Männer als disposible Masse geschuldet.

        Die Dämonisierung und zunehmend auch Kriminalisierung der männlichen Sexualität ist ebenfalls älter als jeder feministischer Hirnfurz und wird lediglich naheliegenderweise von Feministas hingebungsvoll gepflegt. Ist halt ein perfekter Trigger um Frauen zu aktivieren.

        • Seltsame Replik. Kann man bspw. sagen, Antisemitismus sei keine Komponente der Reichskristallnacht gewesen, weil Antisemitismus „älter“ als jeder nationalsozialistische „Hirnfurz“ ist und lediglich naheliegender Weise von den damaligen Nazis „hingebungsvoll gepflegt“ wurde?

          Ich würde das nicht sagen. Allgemeiner, ich würde auch nicht sagen: Antisemitismus sei keine Komponente des (deutschen) Nationalsozialismus‘, weil er ja „älter“ als dieser Nationalismus ist.

          Es mag ja sein, daß die „Dämonisierung und zunehmend auch Kriminalisierung der männlichen Sexualität“ älter als der Feminismus ist – daraus folgt aber nicht, daß diese Dämonisierung und zunehmend auch Kriminalisierung keine Komponente des Feminismus bildet. Es folgt insbes. nicht, daß sie keine Komponente der #MeToo-Kampagne bildet.

          Also warum kann ich diese Dämonisierung und zunehmend auch Kriminalisierung der männlichen Sexualität nicht in einen „Topf“ mit der #MeToo-Kampagne „werfen“? Und auch nicht mit dem modernen Feminismus in einen Topf werfen? Etwa weil ich die Redewendung „in denselben Topf werfen“ mißverstehe?

          Schon die Bezeichnung „Laber-Feminismus“ scheint mir unangemessen. Sie nimmt die „Thematik'“ eben nicht „ernst“. Die wahren Opfer von #MeToo sind nicht an Gelaber verstorben.

          • Jochen Schmidt,

            ich bin eigentlich gar kein Freund von Nazi-Vergleichen, weil die immer jämmerlich hinken und aus meiner Sicht völlig unangemessen sind. Das hat immer was von „mit Kanonen auf Spatzen schießen“

            Aber zu der Aussage:

            „Ich würde das nicht sagen. Allgemeiner, ich würde auch nicht sagen: Antisemitismus sei keine Komponente des (deutschen) Nationalsozialismus‘, weil er ja „älter“ als dieser Nationalismus ist.“

            folgendes:

            Die zentrale Fragestellung ist: Was möchtest Du betrachten/analysieren/verstehen? Wenn Du den Nationalsozialismus betrachten möchtest, wirst Du definitiv den Antisemitismus nicht ausblenden/negieren können.

            Wenn Du aber den Antisemitismus betrachten/analysieren/verstehen möchtest, dann wäre eine Fokussierung auf den Nationalsozialismus fatal, da eben der Antisemitismus keine Erfindung der Nazis war und demzufolge auch nicht mit ihrem Flucht nach Neuschwabenland (kleiner Gag) nicht einfach mit verschwand.

            „Etwa weil ich die Redewendung „in denselben Topf werfen“ mißverstehe?“

            Ja, weil die Dämonisierung und Kriminalisierung männlicher Sexualität eben tieferliegende gesellschaftliche Phänomene sind und der „Feminismus“ sich dieser nur bedient und sie plakatiert.

            „Schon die Bezeichnung „Laber-Feminismus“ scheint mir unangemessen. Sie nimmt die „Thematik’“ eben nicht „ernst“. “

            Als Laber-Feminismus hatte ich die gescripteten künstlichen Diskurse in den Massenmedien bezeichnet. Diese sind übrigens auch Versuch der Massenmedien, den „social media“ Plattformen die Themensteuerung und Diskurshoheit wieder abzunehmen.

            Eine echte Herausforderung in Zeiten, wo der POTUS auf dem Lokus via iPhone und Twitter der Menschheit schnell mal den dritten Weltkrieg ankündigt (und einen Tag später dann schreibt „War doch nicht so gemeint, Leut, was regt ihr Euch so auf…“)

            Wir leben wahrlich in interessanten Zeiten.

            Und – gebe ich offen zu – da ist der „Feminismus“ für mich ein oft erheiterndes und nur selten ernstes U-Thema.

            Aber ich lese ja hier und auch anderswo (Schoppe u.a.), dass andere das Thema sehr verbissen und ernst nehmen. Das respektiere ich schon, also möge sich bitte niemand von meinen Kommentaren auf den Schlips getreten fühlen. Auch wenn ich so manche Hysterie in der Manospherenblase ähnlich erheiternd finde wie feministische Hirnfürze… 😉

  9. Etwas OT: Wir diskutieren hier über Jessen, den Feminismus mit seinen intellektuellen Leuchtfeuern wie Stokowski, während sich die Lage in Syrien offenbar gefährlich zuspitzt und eine direkte Konfrontation der NATO mit Russland nicht mehr völlig ausgeschlossen ist.
    Ich bin in der Regel nicht der Pessimist, der den grossen Clash ankündigt, aber so langsam macht mir das doch Sorgen.
    Aber mit von der Leyen als Verteidigungsministerin ist wohl jede Sorge unbegründet. Es werden an der Front bestimmt genügend Kitaplätze bereit gestellt, um die work-life-balance zu gewähleisten. Und Militäruniformen für Schwangere gibt es auch. Es ist also für jeden Fall vorgesorgt.

    • @Pjotr

      Der letzte Tarifkampf der IGM fand das Interesse von wie vielen Medien?
      Die IG Metall hat 2,3 Millionen Mitglieder, was beherrschte die Debatte in dieser Zeit in den Medien? Die orchestrierte #metoo-Kampagne.
      Vielleicht 2000 soziale Aktivistinnen weltweit und 100 in den hiesigen Medien haben es geschafft, die soziale Realität auszublenden und eine eigene Agenda durchzusetzen, in der das Anliegen von 2,3 Millionen weniger Aufmerksamkeit erheischt als ihr eigenes.
      Das ist doch unbezahlbar.
      Dito verhält es sich m.E. mit der von dir aufgeworfenen Frage.

    • Geht mir ähnlich. Ich dachte ja bis vor kurzem, dass eher USA und Nordkorea aufeinander losgehen werden. Stattdessen scheint es noch schlimmer zu kommen. Russland, Europa und USA. Mache mir auch Sorgen. Wie sich das entwickeln wird, weiss natürlich niemand. Aber ich weiss, dass in erster Linie Männer den Preis für einen derartigen Konflikt zahlen werden.

  10. Die große Widerlegung von Jessen kündigt sich an:

    Schon 20 Retweets und 100 Likes, unsere Feministas sind gut organisiert!
    Dem Tweet nach zu urteilen beschreibt Bernd Ulrich seine feministische Erweckungsgeschichte, wie er zu einem guten Feministen wurde und das Patriarchat, an dessen Existenz er auch ganz fest glaubt, in sich überwand.

    @alle: kann wer eine Zusammenfassung schreiben?

    @Djad:
    Du bist doch der Experte für den Kampfbegriff Patriarchat. Kannst Du nicht bitte mal einen kompakten (!!) Text von 1 – 2 Seiten über diesen Kampfbegriff schreiben, die wichtigsten Begriffsverschiebungen und Instrumentierungen für Falschaussagen auflisten, und ca. 5 – 10 weiterführende Referenzen, und das ganze z.B. auf geschlechterallerlei zwecks Referenzierung bereitstellen?
    Die würden wir dann alle fleißig verlinken, als Kommentar zum Glaubensbekenntnis von Bernd Ulrich.

    • Ich weiß ja nicht, wo er mit dem Titel hinwill. Aber es auf den „bösen Harvey“ zu schieben halte ich auch für einen sehr schweren Fehler in der Debatte. Wenn ich den Platz bei der Zeit hätte, ich würde eine Verteidigung von Weinstein schreiben.

      • Das bezieht sich wahrscheinlich Jessens Umgang mit Wienstein:
        Diese Debatte hat sich, kaum begonnen, in rasender Geschwindigkeit vom Anlass – den üblen Umtrieben der Weinsteins und Wedels, die auch von Männern verurteilt werden – entfernt und ein rhetorisches Hexenlabyrinth erschaffen, in dem selbst der Gutwilligste scheitert.

        Zu spät haben sie die Ausweitung der Kampfzone, die ideologische Totalität des neuen Feminismus erkannt. Daher die hilflosen Reaktionen – die Männer wussten wirklich nicht, wie sie jenen Frauen entgegenkommen sollten, die von den trüben Figuren eines Weinstein oder Wedel die direkte Linie zogen zu den »frauenfeindlichen« Aktgemälden der alten Kunst: In einer Protest-Performance wurden schon Bilder halb nackter Nymphen aus englischen Museen getragen.

        Um die vielfach bezeugten Verfehlungen der großen Stars – Kevin Spacey, Roman Polanski und zuletzt Dieter Wedel [Weinstein kann man hier ergänzen] – geht es hier ausdrücklich nicht: In diesen Fällen sind eine Menge Zeugen, Vorwürfe und Tatbestände bekannt, jeder Fan kann sich selbst ein Urteil bilden, sogar im Netz.

        • Ulrich wird es wahrscheinlich auch nicht darum gehen. Aber der Fehler in Bezug auf Weinstein scheint mir auch hier in unseren Kreisen weit verbreitet: Viele sind offenbar froh, dem feministischen Vorwurf ein „aber ich bin gar nicht so“ entgegen halten zu können und sich so wegzuducken. Aber an der Stelle geht es gar nicht darum, ob einem von uns ein Vorwurf gemacht werden kann, sondern es geht um eine Neuverhandlung von Grenzen männlicher Sexualität. Es sollen Grenzen gezogen werden, die bislang (wie Jessen am Anfang deutlich macht) da nicht waren. Noch deutlicher: die männliche Sexualität soll noch weiter eingeschränkt werden. Und so gut wie alle Männer in der Debatte akzeptieren anscheinend lieber die enger werden Grenzen als sich einem feministischen Vorwurf ausgesetzt zu sehen. Wie erbärmlich! Ich würde keinen Millimeter hergeben.

          • „Viele sind offenbar froh, dem feministischen Vorwurf ein „aber ich bin gar nicht so“ entgegen halten zu können und sich so wegzuducken.“

            Ach, ich weiß nicht.

            Mein Gedanke war eher: Wenn sie können, erwarten Männer Sex für Gefälligkeiten und wenn sie können, bieten Frauen Sex für Gefälligkeiten.
            Es ist ein Deal auf Gegenseitigkeit.
            Ich bin sicher, dass ein gerüttelt Maß der weiblichen Top-Stars Hollywoods seine Karriere ähnlich gestartet hat.
            Es ist wohl auch kein Zufall, dass nur die unbekannten/erloschenen Sternchen sich über die Weinsteins der Welt empören.

            Zumindest ein – unbekannt großer – Teil der #metoo-Debatte ist verlogen.

            Jedenfalls ziehe ich mir den Schuh nicht an, den man mir dort anpassen möchte.

    • Also Jens Jessen beklagt sich das man Männer für alles die Schuld gibt und Bernd Ulrich findet das lächerlich und meint das Männer die Schuld für alles schlechte übernehmen sollen?

  11. Dann sind wir mal gespannt, was der grüne Bernd von der ZEIT über seine Mannwerdung und sein Mannsein zum Besten gibt. Wer mal Büroleiter der grünen Partei, die sich die feministische Partei nennt, war, der kann nicht alle Latten am Zaun haben und weil er jetzt stellvertretender Chefredakteur der ZEIT ist, ist dieses periodische Druckwerk ebenfalls dort angekommen wo Latten dringend gesucht werden. Ein feministisches Schmierenblatt, dessen Zensuranwendung gegenüber denen, die kommentierend auf die Wirklichkeit hinweisen, legendär ist und deren oberste Vertreter gerne zweimal wählen, weil ihnen das ja in dieser feministisch-genderistischen Demokratie, wie sie sich diese malen, zusteht.

    • „… deren oberste Vertreter gerne zweimal wählen, weil ihnen das ja in dieser feministisch-genderistischen Demokratie, wie sie sich diese malen, zusteht.“

      Nur so als Frage: Das hab‘ ich jetzt nicht verstanden mit dem „zweimal wählen“ …?

      • War es nicht der liebe Giovanni von der ZEIT, der bei der verangenen Europawahl im Sinne einer elitären Selbstüberhöhung glaubte zweimal wählen zu müssen, einmal hier und einmal in Italien und mit großen Unschuldsgesten so tat, als sei dies für einen Überflieger wie ihn klassenrechtsmäßig selbstverständliches Recht?

  12. das Imperium schlägt zurück:

    http://www.zeit.de/2018/16/metoo-debatte-maenner-feminismus-jens-jessen-replik
    Mann irrt
    Von Bernd Ulrich
    11. April 2018, 16:53 Uhr Editiert am 11. April 2018, 16:57 Uhr DIE ZEIT Nr. 16/2018, 12. April 2018
    Exklusiv für Abonnenten
    DIE ZEIT 16/2018
    „Wen die moralische Zumutung des Feminismus stört, der sollte über sein Bild von Männlichkeit nachdenken, findet Bernd Ulrich. Eine Entgegnung auf die Titelgeschichte „Schäm dich, Mann!“ von Jens Jessen “

    Zunächst eine kleine Denksportaufgabe:
    a. Bernd Ulrich behauptet „Der Mann“ als solcher irrt.
    b. Bernd Ulrich ist [vermutlich] ein Mann.
    Was folgt daraus?
    Bernd Ulrich irrt.

    War mir vorher klar.

    Unter „moralischer Zumutung des Feminismus“ versteht er sicherlich die Verfassungswidrigkeit des Frauenstatuts der Grünen …

    • Hier noch der offene Anfang des Textes (der Rest ist hinter der Bezahlschranke):

      Die Frage ist in der Tat interessant und etwas beunruhigend, warum so viele Männer zur #MeToo-Debatte schweigen, auch solche, die sonst wenig Hemmungen haben, zu zahllosen Themen ihren Beitrag zu leisten, also Männer wie Jens Jessen oder ich. Meine eigene Antwort darauf lautete während des vergangenen halben Jahres, also seit Beginn einer neuerlichen breiten Diskussion über männliche Gewalt, dass ich dazu nichts zu sagen habe. Männer mit anzugreifen wäre mir opportunistisch vorgekommen, Männer zu verteidigen, dazu hatte ich ebenso wenig Lust wie auf einen Aufruf zu Mäßigung und Differenzierung. Und warum kann man nicht einfach mal nur zuhören und dem inneren Unbehagen nachlauschen?

      Man beachte die Passage „warum so viele Männer zur #MeToo-Debatte schweigen“.

      Genau wie bei Jessen eine völlig unklare Defintion des Begriffs „die Männer“. Auch hier scheint wieder mal „der Mann im radikalfeministischen Biotop ZEIT-Redaktion“ gemeint zu sein. Daß diese Sorte Mann generell irrt, kann als Konsens gelten.

      • „seit Beginn einer neuerlichen breiten Diskussion über männliche Gewalt“

        Jupp, über weibliche Gewalt wollen sie ja auch nicht sprechen.

      • Und warum kann man nicht einfach mal nur zuhören und dem inneren Unbehagen nachlauschen?

        Das ist ihm unbenommen, und ich würde es ihm auch bei der Lektüre von Jens Jessen empfehlen.

  13. #MeToo-Debatte: Mann irrt
    Wen die moralische Zumutung des Feminismus stört, der sollte über sein Bild von Männlichkeit nachdenken, findet Bernd Ulrich. Eine Entgegnung auf die Titelgeschichte „Schäm dich, Mann!“ von Jens Jessen
    Von Bernd Ulrich
    11. April 2018, 16:53 Uhr Editiert am 11. April 2018, 16:57 Uhr DIE ZEIT Nr. 16/2018, 12. April 2018
    Exklusiv für Abonnenten
    DIE ZEIT 16/2018
    #MeToo-Debatte: Mann irrt
    Macht es uns Männer nicht freier, freiwillig in die Verantwortung für das Patriarchat einzutreten, als ständig zu schreien: „Ich war’s nicht, Weinstein ist es gewesen!“?, fragt Bernd Ulrich © Doreen Borsutzki für DIE ZEIT

    Die Frage ist in der Tat interessant und etwas beunruhigend, warum so viele Männer zur #MeToo-Debatte schweigen, auch solche, die sonst wenig Hemmungen haben, zu zahllosen Themen ihren Beitrag zu leisten, also Männer wie Jens Jessen oder ich. Meine eigene Antwort darauf lautete während des vergangenen halben Jahres, also seit Beginn einer neuerlichen breiten Diskussion über männliche Gewalt, dass ich dazu nichts zu sagen habe. Männer mit anzugreifen wäre mir opportunistisch vorgekommen, Männer zu verteidigen, dazu hatte ich ebenso wenig Lust wie auf einen Aufruf zu Mäßigung und Differenzierung. Und warum kann man nicht einfach mal nur zuhören und dem inneren Unbehagen nachlauschen?

    Privat habe ich durchaus mit Männern über all das geredet und festgestellt, dass viele ihr Leben gewissermaßen rückwärts gescrollt haben, um zu überprüfen, ob da womöglich irgendwann irgendwas nicht in Ordnung war, zumindest aus heutiger Sicht. Keine angenehme Übung.

    Insofern kann es gut sein, dass ich mir einfach keine Blöße geben wollte und deshalb schwieg. Daher bin ich Jens Jessen dankbar, denn er hat sich in seinem Text mutwillig so viele Blößen gegeben, dass meine darin locker Platz haben, ohne weiter aufzufallen. Darüber wird dann also zu reden sein, über seine und meine Wut, die Verletzungen, die Ungeduld, die Ängste und all das.

    Allerdings hat Jens Jessen seine Gefühle, namentlich seine Wut, mit recht vielen Argumenten umstellt, genauer gesagt hat er alle seine ideologischen Flugzeugträger losgeschickt, um das feministische Imperium zu attackieren. „Bolschewistischer Schauprozess“, „Hexenlabyrinth“, „feministischer Volkssturm“, „Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der politisch Minderwertigen“, „Aufkündigung der Conditio humana“, „offene Barbarei“, „ideologischer Triumph des totalitären Feminismus“.

    Nun ja. Das muss dann wohl alles erst mal abgetragen werden, bevor über das wirklich Wichtige gesprochen werden kann.

    Jessen macht in seinem Text exakt das, was er „den“ Feministinnen vorwirft. So wie jene alle Männer angeblich in einen Topf werfen und zum Schlechteren hin homogenisieren, so veranstaltet er es mit den Feministinnen. Meines Wissens sind es nicht so arg viele Frauen, die eine Terrorgruppe gründen möchten, um sich an alten weißen Männern wie Jens Jessen und mir zu rächen. Selbstverständlich finden sich in jeder Bewegung Überspitzungen und Übertreibungen, wie könnte es anders sein. Beim Feminismus ist hier allerdings eine gewisse Vorsicht gegenüber dem eigenen männlichen Maß geboten. Schließlich wurde Alice Schwarzers Kampf gegen häusliche Gewalt in den Siebzigern von vielen ebenso als übertrieben empfunden und hingestellt wie 1983 die Forderung der Grünen Petra Kelly im Bundestag, Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe zu stellen, was dann erst 1997 wirklich geschah. Ob es sich also bei denen, die zu weit gehen, um Durchgedrehte handelt oder um eine Avantgarde, ist nicht immer so leicht auszumachen.

    Zudem ist die publizistische Beschäftigung mit angeblichen oder tatsächlichen feministischen Übertreibungen mittlerweile zu einem Geschäftsmodell geworden, bei dem Kolumnisten regelmäßig den ganzen Globus abscannen, um vielleicht in den USA, in Schweden oder in Deutschland etwas zu finden, das als Gender-Wahn angeprangert werden könnte. Ein publizistisches Perpetuum mobile von Empörung und Gegenempörung hat sich da etabliert, das den Verdacht nahelegt, dass die allfälligen feministischen Übertreibungen in der Öffentlichkeit etwas übertrieben rüberkommen.

    Natürlich wohnt jedem Ismus eine totalitäre Drift inne; das gilt sogar für den sich diesbezüglich immer so unschuldig fühlenden Liberalismus, wie Patrick J. Deneen in seinem Buch Why Liberalism Failed kürzlich eindrucksvoll gezeigt hat. Schwer zu glauben ist, dass diese Drift den gesamten Feminismus ergriffen haben soll. Da führt Jens Jessen ein Argument ins Feld, das mich verwundert: In der unterstellten Kollektivverantwortung aller Männer für die Untaten jedes Einzelnen habe der Feminismus eine Grenze überschritten, die den Bezirk der Menschlichkeit von der offenen Barbarei trenne, schreibt er. Gewiss, man kann eine Kollektivverantwortung als Mann zurückweisen, so sie denn erhoben wird, aber wieso gleich Barbarei? Schließlich gehört es, nur als Beispiel, zum Kernbestand der deutschen Erinnerungskultur, dass man als Deutscher mit Blick auf den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg in eine Verantwortung für Taten eintritt, die man nicht selbst begangen hat. Als Politik-Journalist der ZEIT streite ich mich immer wieder mit Alexander Gauland darüber, ob dieses In-die-Verantwortung-Treten den Deutschen jegliches gesunde Selbstbewusstsein nimmt, wie er glaubt – oder ob es eine Befreiung darstellt, was ich glaube.

    Nun soll hier nichts verglichen, sondern nur ein Denkraum eröffnet werden: Macht es uns nicht freier, ist es nicht erwachsener und auch weniger stressig, freiwillig in die Verantwortung für das Patriarchat einzutreten, als ständig alle Vorhaltungen zurückzuweisen und zu schreien: „Ich war’s nicht, Weinstein ist es gewesen!“? Jens Jessen sehnt sich in seinem Text unübersehbar nach einer Gemeinschaft der wenigen vernünftigen Feministinnen mit den vielen vernünftigen und anständigen Männern gegen die wirklich bösen Buben in dieser ganzen Mann-Frau-Sache. Ich teile diese Sehnsucht, weiß aber zugleich, es ist das Kind in mir, das so denkt.

    Und wenn Frauen zuweilen in den Moralismus abdriften, so könnte es auch daran liegen, dass Männer nach wie vor die allermeisten Machträume besetzt halten. Wen die moralische Zumutung des Feminismus wirklich stört, der sollte Macht teilen. Dann lässt sie von allein nach.

    Jens Jessen führt ein weiteres Argument in die ideologische Schlacht. Feministinnen nähmen eine Art Klassenstandpunkt ein und sprächen dem Mann als Klassengegner die Fähigkeit und die Legitimation ab, überhaupt valide Aussagen zum Thema zu machen. Damit werde jeder ins Gefängnis seiner Identitäten gesperrt; der Bezug auf ein gemeinsames Drittes, die Vernunft sowie die allgemeinen und eben nicht spezifischen Menschenrechte seien dann faktisch suspendiert. Da hat Jessen recht, diese Gefahr besteht. Die umgekehrte aber auch: Wer sich allein auf die Vernunft und die allgemeine Menschlichkeit beruft, wer die existenziellen Unterschiede in ethnischer, sexueller und sozialer Sicht ignoriert, der verfehlt die Wirklichkeit und degradiert die Vernunft zum Werkzeug bestehender Machtverhältnisse. Er schafft ein abstraktes, künstliches Individuum, einen ideologischen Homunkulus. Genau darin liegt dann auch die eben erwähnte totalitäre Drift des Liberalismus. Ja, wir sind alle Menschen, aber niemand von uns ist dieser schiere Mensch, jeder ist auch noch etwas Bestimmtes, zum Beispiel weiß, Mann und Autor einer Wochenzeitung mit zwei Millionen Lesern, in der man über die Unterdrückung des Mannes schreiben darf.

    Es gibt etwas wirklich Irritierendes und auch Empörendes am Text von Jens Jessen. Er versucht die Unterdrückung von Frauen zu historisieren und zu marginalisieren. „Die Männer, von einigen schuppigen Dinosauriern des Machotums abgesehen, teilen die Empörung der Frauen (über Weinstein et cetera, Anm. des Autors) sehr wohl.“ – „Die Botschaft der #MeToo-Debatte ist in der Film- und Medienbranche angekommen.“ Damit soll wohl gesagt sein, sexualisierte Gewalt sei auf dem Rückzug, nur mehr etwas, das aus einer tiefen Vergangenheit gelegentlich und vorläufig noch in unsere lichte Gegenwart ragt.

    Wie kann er da so sicher sein? Noch auf dem Höhepunkt der Debatte erschien in der Financial Times ein ausführlicher investigativer Bericht über das regelmäßig in London stattfindende Presidents Club Charity Dinner. Darin wird geschildert, wie ein paar Hundert mächtige und reiche Männer (men only) aus Wirtschaft, Medien und Politik sich von Dutzenden jungen Frauen in kurzen Röcken bedienen lassen, sie systematisch betrunken machen und dann sexuell bedrängen. Dort jedenfalls scheint die #MeToo-Debatte noch nicht angekommen zu sein. Genauso wenig wie bei Teilen der deutschen Polizei, in Krankenhäusern oder Restaurantküchen, wie betroffene Frauen gerade in der SZ am Wochenende erzählten.

    Um es persönlicher zu sagen: Mein Eindruck in letzter Zeit war eher, dass es mehr männliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen gibt, auch in liberalen und gebildeten Kreisen, als ich es mir jahrelang einzureden versuchte. Ich habe viel rumgefragt, nicht zuletzt angestoßen von der #MeToo-Debatte, und bin dann oft aus allen Wolken gefallen. Eine Bundesministerin sagte mir, angesprochen auf das Thema Misogynie in der Politik: „Oh, das lässt sich nicht so kurz abhandeln, darüber sollten wir mal einen ganzen Abend reden.“

    Jens Jessen zitiert Judith Liere, eine Kollegin vom stern, mit folgenden Worten: „Ich hab in Bars immer den Daumen über die Flaschenöffnung gehalten, damit mir keiner K.-o.-Tropfen ins Bier schüttet.“ Jessen entgegnet darauf: „Spontan möchte man fragen: In welchen Bars verkehren Sie? Kennen Sie die Männer dort?“ Das, lieber Jens, sind wirklich die falschen Fragen. Naheliegender wäre doch die Erkundigung: Was, um Himmels willen, ist Ihnen von Männern schon alles widerfahren, dass Sie so vorsichtig sind? Es kann dann allerdings passieren, dass die Antwort einem die Kollektivschamröte ins Gesicht treibt.

    Sosehr sich Jens Jessen bemüht, die Unterdrückung der Frau zu vergestrigen, zu marginalisieren und aufs Handfeste wie Vergewaltigung oder Lohn-Ungleichheit zu reduzieren, so sehr strengt er sich an, die neue umfassende Unterdrückung des Mannes durch den Feminismus zu belegen. Seine Suche nach Beispielen treibt ihn nach Cambridge, Berlin und Hollywood, sie führt zurück ins Jahr 2013 zum Fall Brüderle und ins Jahr 2011 zum Kachelmann-Prozess. Man braucht offenbar sehr viele Orte und Jahre, um auf genügend Beispiele zu kommen.
    Die Verhexung des weiblichen Körpers

    Auf die Zahl kommt es aber gar nicht an, sondern auf das Trauma, das jeder einzelne Fall bei Männern auslösen kann: Heutzutage vermag jede Frau jeden Mann in gewaltige Schwierigkeiten zu bringen, wenn sie ihn der sexuellen Nötigung oder Belästigung bezichtigt, selbst wenn es keinerlei Beweise gibt. Erstmals in der Geschichte der Menschheit kann nun also dem Mann etwas widerfahren, das doch bislang nur den Frauen vorbestimmt war: Er kann wegen seines Geschlechts diskriminiert und angegriffen werden, er ist unter Umständen schutzlos der Niedertracht von Frauen ausgeliefert. Das ist da, wo es wirklich geschieht, furchtbar, vor allem aber ist es eine Weltneuheit: Diskriminierung jetzt auch für Männer!

    Eines jedoch wird dabei gern vergessen, und auch Jens Jessen unterschlägt es: Dass Männer ohne Beweise wegen sexueller Nötigung oder Schlimmerem ins soziale Abseits geraten können, ist lediglich die Kehrseite eines anderen, weit häufigeren Tatbestands, dass nämlich Frauen sexuelle Nötigung oder Schlimmeres erleben und der Mann anschließend straffrei ausgeht, weil es in der Natur der Sache liegt, dass es meistens keine Beweise gibt. Es handelt sich hier also keineswegs um eine totalitäre Attacke des Feminismus, sondern um ein tragisches Dilemma, das Frauen schon immer getroffen hat und Männer neuerdings treffen kann. Immerhin: Das Privileg, beim nächtlichen Nachhauseweg nicht angstvoll über die Schulter blicken zu müssen, das bleibt uns ja.

    Nun, da die Gefühle von ihrer ideologischen Rüstung hoffentlich befreit sind, können endlich die wahren Kräfte verhandelt werden: Verletzungen, Kränkungen, Wut und Angst.

    Jens Jessen beklagt in seinem Text, der Mann werde vom feministischen Diskurs in Doublebind-Situationen gebracht, sehe sich also beispielsweise der Feigheit bezichtigt, wenn er nichts zur Geschlechterdebatte sage, oder der ungehörigen Einmischung, wenn doch. Tiefer noch geht ein anderer Doublebind: Wir sollen schon noch irgendwie männlich sein, damit wir jedenfalls für heterosexuell geneigte Frauen attraktiv sind – dürfen es aber nicht sein, weil alles Männliche jederzeit auch illegitim oder unpassend sein kann.

    Das ist wahr und nicht so ganz leicht – allerdings immer noch leichter, als es für Frauen ist, zugleich natürlich (auch natürlich essend) und stets schlank zu sein und reizend. Die Verhexung des weiblichen Körpers durch Mode, Film, Pornografie und eben den männlichen Blick ist da schon von anderem Kaliber als unser „männlich = anziehend = böse“. Tröstet uns das? Nein. Etwas anderes könnte uns trösten: Paradoxe Anforderungen stellen keine speziell gegen uns gerichtete Zumutung dar, sie finden sich überall in unserem Leben, man könnte es auch Zivilisation nennen. Joseph Kardinal Ratzinger hat einmal geschrieben, das Christentum sei eine „Ansammlung von Paradoxien, die durch den Glauben zusammengehalten werden“.

    Die Antwort auf paradoxe Anforderungen könnte also lauten: Finesse, Versuch und Irrtum, Humor, dann und wann Blamage, oder gemeinsamer Kampf gegen Klischees. Aber jedenfalls nicht: das Leben anschreien.

    Die Sache geht indes noch tiefer, und hier kommt die Ungeduld ins Spiel. Die Anforderungen des Feminismus an uns sind schließlich nicht bloß paradox, sondern auch unendlich, ja unersättlich. Dazu etwas aus meinem Leben: Das zweite Sachbuch (nach Pareys Vogelbuch), das mir in die Hände fiel, war Der kleine Unterschied und seine großen Folgen von Alice Schwarzer. Damals, Mitte der siebziger Jahre, war das ein feministischer Meteoriteneinschlag in die deutsche Öffentlichkeit – aber auch in meine Pubertät. Schwarzer beschrieb anhand von Protokollen sexualisierte Gewalt, und ich war geschockt. Noch bevor ich überhaupt eine Sexualität hatte, wurde sie mir moralisch verleidet, jedenfalls empfand ich das damals so. Mein erster Kontakt mit dem Feminismus war also Schmerz. Auf der anderen Seite setzte der Kleine Unterschied das, was ich von klein auf im weiteren Umfeld erlebt hatte, endlich in einen Kontext. Seinerzeit war häusliche Gewalt eben noch gang und gäbe, eine skandalöse Normalität.

    Das Ringen darum, ein anständiger Mann oder so etwas wie ein Feminist zu sein, begleitet mich also von Anfang an. Irgendwann jedoch, vielleicht vor zehn Jahren, wurde ich der Sache müde, hatte das Bedürfnis, diese Front zu schließen. Wahrscheinlich dachte ich, die Gleichberechtigung sei, jedenfalls in Deutschland, weitgehend durchgekämpft, was jetzt noch kommen könne, dürften allenfalls noch Feinheiten sein, Übertreibungen gar (siehe oben). Aus heutiger Sicht scheint mir das eine absichtsvoll geschönte Sicht auf den Stand der Geschlechterkämpfe gewesen zu sein. Erschwerend hinzu kam die Veteranen-Falle: Ich verstand damals nicht, warum junge Feministinnen oft mit derselben Vehemenz um den Rest der noch nicht erkämpften Rechte stritten wie ihre Vorgängerinnen, als es noch um Vergewaltigung in der Ehe ging, um Abtreibung und ähnlich existenzielle Dinge. Es brauchte eine Weile, bis ich mich auf den im Grunde sehr simplen Gedanken bringen ließ, dass es für die jungen Frauen egal ist, ob früher alles schlimmer war, dass sie Profiteurinnen von Kämpfen sind, die andere vor ihnen ausfochten. Sie sahen und sehen schlicht nicht ein, warum sie überhaupt noch irgendeinen Nachteil für ihr Geschlecht in Kauf nehmen sollten. Und sei er noch so klein.

    Nur, warum sperrte sich etwas in mir gegen die Unendlichkeit des feministischen Projekts? Es lag an einem Bild in meinem Kopf: Hase und Igelinnen könnte man es nennen. Da der Feminismus stetig voranschreitet, muss der Mann (also ich) ständig dazulernen und sich den neuen Anforderungen anpassen, und wenn er das geschafft hat, bekommt er nicht etwa ein feministisches Seepferdchen verliehen, sondern kriegt wieder neue Anforderungen gestellt. Sie sind all hier!
    Was bleibt von unserer Männlichkeit übrig?

    Gehen wir von dieser permanenten Kränkung aus noch einen Schritt weiter: Wenn der Feminismus uns immer neue Anpassungen abverlangt, was bleibt dann eigentlich noch von unserer Männlichkeit übrig? Ab wie vielen Abstrichen ist da nichts mehr? Ich vermute, dass hier die wichtigste Quelle männlicher Wut liegt, mindestens meiner, vielleicht auch der von Jens Jessen.

    Nur, wie kommt man da raus, ohne sich entweder in Schweigen zu hüllen und nach Schleichwegen am Gender-Thema vorbei zu suchen – oder seine papiernen Flugzeugträger gegen den gar schröcklichen Feminismus loszuschicken? Das hängt letztlich davon ab, wie wir unsere Männlichkeit begreifen. Wenn sie eine Art Natur darstellt, eine animalische Substanz, dann führen immer weitere Abstriche am Ende dazu, dass sie einzugehen droht wie der Steppenwolf in der Hundehütte. Dann helfen tatsächlich nur Flucht oder Notwehr.

    An dieser Stelle habe ich angefangen, darüber nachzudenken, wie meine heterosexuelle Männlichkeit eigentlich entstanden ist. Irgendetwas in der Richtung war schon auch von Anfang an da, das will ich gar nicht in Abrede stellen; es kam allerdings noch einiges hinzu, man könnte es Zurichtung nennen. Ich erinnere mich an Reden von Härte, die mir von Großtanten gehalten wurden, an Schulhofschlägereien, an panische Angst davor, für ein Mädchen gehalten zu werden, oder gar davor, schwul zu sein oder dafür gehalten zu werden, an schwule Bedürfnisse, die mich zutiefst verunsicherten, an Scham und Sich-Verstecken wegen einer körperlichen Devianz. Und die Mädchen, sie waren das obskure Geschlecht, jahrelang bloßes Sehnsuchtsobjekt, schwer zugänglich auch später noch, weil sie eingehüllt waren in meine Wünsche.

    Sagen wir so: Nach meiner Erinnerung war die Mannwerdung nicht nur ein Spaziergang auf dem Naturlehrpfad, sie war auch ein Spießrutenlauf. Vielleicht ist das bei anderen ganz anders, hoffentlich haben es die jungen Männer da heute besser, aber so war es.

    Sicher kann man sich, was den Fortschritt bei der Mannwerdung angeht, jedoch nicht sein. Die 31-jährige britische Feministin und Publizistin Laurie Penny schrieb dazu in ihrem Buch Unsagbare Dinge: „Jungen Männern wird beigebracht, sie lebten in einer Welt der ökonomischen und sexuellen Möglichkeiten, und wenn sie wütend sind oder sich fürchten, wenn sie sich von widersprüchlichen Erwartungen bedrängt oder bedroht fühlen, unter dem Druck, männlich zu handeln, Geld zu machen, Dominanz zu demonstrieren, viele hübsche Frauen zu ficken und dabei ein anständiges menschliches Wesen zu bleiben, dann sei ihre Pein der Fehler von Frauen oder Minderheiten.“ (Diese Darstellung kommt mir etwas zu drastisch vor, gerade dafür muss man Penny und den radikalen Feministinnen allerdings danken: Sie machen Dinge sichtbar, vielleicht auch durch Übertreibung.)

    Der unschlagbare Vorteil daran jedenfalls, dass Männlichkeit nicht nur gegeben ist, sondern auch gemacht, nicht nur Substanz, sondern auch Projekt, liegt natürlich darin, dass wir es in der Hand haben. Wir können an unserer Männlichkeit arbeiten, und „der“ Feminismus leistet seinen Beitrag dazu, er bestimmt uns nicht, sondern beeinflusst unsere Selbstbestimmung. Man kann ihn auch zurückweisen und muss das dürfen, aber man bringt sich damit um viele Möglichkeiten und Ideen.

    Männlichkeit so zu meditieren, das schafft Raum für Neugier auf sich selbst, auf die nächsten Metamorphosen des Mannseins. Daraus erwächst noch ein anderer Kollateralnutzen, der mir wichtig erscheint. Diese Gesellschaft, die ohnehin dabei ist, viele Kapillaren zu schließen, hat sich in letzter Zeit eine gewisse Grundgenervtheit angewöhnt gegenüber sexuellen Minderheiten, die angeblich zu viel Aufmerksamkeit beanspruchen – LGBQT und was noch alles für Buchstaben. Sie sollen, so wird ihnen signalisiert, die Toleranz der Mehrheit doch bitte nicht überbeanspruchen. Schwule, Lesben und Transpersonen sind aber nicht irgendwelche Aliens oder Mutanten, es sind Menschen, bei denen die Zurichtung und Vereinheitlichung von Sexualität von vornherein nicht möglich war oder nicht geklappt hat, sie sind die freien Radikale unserer eigenen Sexualität. Toleranzanstrengungen sind insofern gar nicht nötig, Neugier reicht.

    Wir Männer sind wirklich ein verdammt spannendes Geschlecht, mal sehen, was noch draus wird.

    • Guter Text. Gefällt mir 🙂

      „Macht es uns Männer nicht freier, freiwillig in die Verantwortung für das Patriarchat einzutreten, als ständig zu schreien: „Ich war’s nicht, Weinstein ist es gewesen!“?“

      Ist exakt der Punkt. Wer es aktiv annimmt, hat die Gestaltungshoheit. Vor allem die, wie mann selber es ausgestaltet. Und überlässt den Frauen das lamentieren.

      „Und wenn Frauen zuweilen in den Moralismus abdriften, so könnte es auch daran liegen, dass Männer nach wie vor die allermeisten Machträume besetzt halten. Wen die moralische Zumutung des Feminismus wirklich stört, der sollte Macht teilen. Dann lässt sie von allein nach.“

      Klingt logisch, wird aber nur bedingt funktionieren. Frauen sind ja nicht blöd. Die lassen sich schon noch Schlupflöcher um mit Moralismus ihre eigenen Schandtaten zu verteidigen oder zu maskieren 😉

      Ja, hier zum Beispiel:

      „Noch auf dem Höhepunkt der Debatte erschien in der Financial Times ein ausführlicher investigativer Bericht über das regelmäßig in London stattfindende Presidents Club Charity Dinner. Darin wird geschildert, wie ein paar Hundert mächtige und reiche Männer (men only) aus Wirtschaft, Medien und Politik sich von Dutzenden jungen Frauen in kurzen Röcken bedienen lassen, sie systematisch betrunken machen und dann sexuell bedrängen. Dort jedenfalls scheint die #MeToo-Debatte noch nicht angekommen zu sein.“

      Weder haben die Jungs die jungen Frauen mit der Waffe zum Tragen kurzer Röcke gezwungen, noch dazu, dort das Häschen zu spielen, noch wurde ihnen gewaltsam Alkohol eingeflößt. Kurzum: Mann engagiert hübsche Deko mit Touch-Option, die bretzeln sich extra auf dafür und danach maulen die darüber rum. Hat einfach was von „Ich fasse eine rotglühende Herdplatte an und jammer nacher darüber dass ich mir die Finger verbrannt habe“ Moralismus trotz Eigenschuld eben…

      „Tiefer noch geht ein anderer Doublebind: Wir sollen schon noch irgendwie männlich sein, damit wir jedenfalls für heterosexuell geneigte Frauen attraktiv sind – dürfen es aber nicht sein, weil alles Männliche jederzeit auch illegitim oder unpassend sein kann.“

      Stimmt schon

      „allerdings immer noch leichter, als es für Frauen ist, zugleich natürlich (auch natürlich essend) und stets schlank zu sein und reizend. Die Verhexung des weiblichen Körpers durch Mode, Film, Pornografie und eben den männlichen Blick ist da schon von anderem Kaliber “

      Nunja, schlechte Analogie, da dieser Druck halt eben auch von Frauen ausgeht. Männer sind nicht soo wählerisch beim ficken, dass eine falsche Handtasche zu den Pumps gleich Erektionsstörungen und Libidoverlust auslöst.

      „Die Anforderungen des Feminismus an uns sind schließlich nicht bloß paradox, sondern auch unendlich, ja unersättlich.“

      Ja, prinzipbedingt.

      „Da der Feminismus stetig voranschreitet, muss der Mann (also ich) ständig dazulernen und sich den neuen Anforderungen anpassen, und wenn er das geschafft hat, bekommt er nicht etwa ein feministisches Seepferdchen verliehen, sondern kriegt wieder neue Anforderungen gestellt. Sie sind all hier!
      Was bleibt von unserer Männlichkeit übrig?

      Gehen wir von dieser permanenten Kränkung aus noch einen Schritt weiter: Wenn der Feminismus uns immer neue Anpassungen abverlangt, was bleibt dann eigentlich noch von unserer Männlichkeit übrig? Ab wie vielen Abstrichen ist da nichts mehr? Ich vermute, dass hier die wichtigste Quelle männlicher Wut liegt, mindestens meiner, vielleicht auch der von Jens Jessen.

      Nur, wie kommt man da raus, ohne sich entweder in Schweigen zu hüllen und nach Schleichwegen am Gender-Thema vorbei zu suchen – oder seine papiernen Flugzeugträger gegen den gar schröcklichen Feminismus loszuschicken? Das hängt letztlich davon ab, wie wir unsere Männlichkeit begreifen. Wenn sie eine Art Natur darstellt, eine animalische Substanz, dann führen immer weitere Abstriche am Ende dazu, dass sie einzugehen droht wie der Steppenwolf in der Hundehütte. Dann helfen tatsächlich nur Flucht oder Notwehr.“

      „Der unschlagbare Vorteil daran jedenfalls, dass Männlichkeit nicht nur gegeben ist, sondern auch gemacht, nicht nur Substanz, sondern auch Projekt, liegt natürlich darin, dass wir es in der Hand haben. Wir können an unserer Männlichkeit arbeiten, und „der“ Feminismus leistet seinen Beitrag dazu, er bestimmt uns nicht, sondern beeinflusst unsere Selbstbestimmung. Man kann ihn auch zurückweisen und muss das dürfen, aber man bringt sich damit um viele Möglichkeiten und Ideen.“

      Das ist MGTOW pur.

      „Wir Männer sind wirklich ein verdammt spannendes Geschlecht“

      Schon immer gewesen. Und wie uns die Frauen auch darum beneiden, so wie sie feststecken in ihrer langweiligen rosasüßen, nach Fisch riechenden, Konsens-Soße. Dieser Neid produziert den meisten Hass, nicht irgendwelche missglückten Anmachversuche.

      Gesamtwertung: Besser als der Jessen-Text 😉

        • Hihi, finde ich umgekehrt ja auch. Viele Reaktionen würde ich als argwöhnisch und verkrampft attributieren. Aber das ist ja ein spannender Aspekt dabei: Wie unterschiedlich Texte interpretiert werden können.

          • @Peter, du interprestierst nicht, du instrumentalisierst.

            „Wer es aktiv annimmt, hat die Gestaltungshoheit. Vor allem die, wie mann selber es ausgestaltet. Und überlässt den Frauen das lamentieren.“

            Wenn man mit dem Lamentieren vorausschreitet, dann schon. Der Feminismus meint solche Herzschrittmacher wie Ulrich zu brauchen, weil diese sexistischen Männer ja nur auf einen von ihnen hören würden.

            „Das ist MGTOW pur.“

            Natürlich will Ulrich wie manche von denen sowas wie eine Geschlechterapartheit. Nur die Begründung dafür ist eine völlig verschiedene, Ulrich will die Unterwerfung unter den Feminismus, Mgtows die Flucht vom Planeten des Feminismus.

          • du sollst dich ganz auf die anderen verlassen. Und das Hirn abgeben. Das will Ulrich schliesslich!

            Wenn das nicht „Unterwerung ist, dann macht „Unterwerfung“ keinen Sinn.

      • AMOGing ist sicherlich eine funktionierende Lösung der Problemstellung aus der Debatte. Aber ein „schau her wie viel besser ich die Herausforderungen des Mannseins löse“ ist auch ziemlich billig.

    • „Seinerzeit war häusliche Gewalt eben noch gang und gäbe, eine skandalöse Normalität“

      Gibt es dazu eigentlich vertrauenswürdige Daten?

      Über die Reduzierung der von Kindern im häuslichen Umfeld erlittenen Gewalt (sowie über den stetigen Rückgang von Jugendgewalt) las ich bereits, aber wie sehr haben sich heterosexuelle Partnerschaften gewandelt? Wann wurde Männern die körperliche Züchtigung ihrer Ehefrauen überhaupt konkret verboten?

      • „Wann wurde Männern die körperliche Züchtigung ihrer Ehefrauen überhaupt konkret verboten?“

        Interessante Frage.
        Ich weiß aus mittelalterlichen Berichten, dass Männer ein Züchtigungsrecht hatten.
        An dieser Stelle hört die überzeugte Feministin auf zu lesen, weil der aufsteigende Zorn ihr die Sicht und den Verstand vernebelt.

        Was nämlich auch galt und was man lesen konnte war, dass der mittelalterliche Mann für die Taten seiner Frau – übrigens mindestens noch bis Ende des 19. Jahrhunderts – haftete, was ihn also auch berechtigte, sie ggf. auch gewaltsam an teuren oder gefährlichen Taten zu hindern, bzw. sie nach Vollbringung zu bestrafen.
        Und er war keineswegs frei in seinem Züchtigungsrecht. Er durfte nur angemessen und maßvoll züchtigen. Verdrosch er seine Frau, weil ihm der Sinn danach stand, war sie durchaus berechtigt, ihn zu verklagen und Sühne zu verlangen. Maßvoll heißt, dass die Züchtigung nicht zu schweren (was auch immer man darunter verstehen mag) oder entstellenden Verletzungen führen durfte.

      • Ich denke damit, dass das Züchtigungsrecht des Mannes direkt mit der Strafunmündigkeit der Frau verbunden war.
        Zeitlich variiert das somit von Land zu Land.

        • Best I could find:

          „Züchtigungsrecht bei Eheleuten

          Das 1794 erlassene Preußische Landrecht (ALR) gab dem Ehemann das „Recht der mäßigen Züchtigung“ seiner Ehefrau. Es wurde 1812 per Edikt abgeschafft[1].

          Nach dem bayerischen Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis von 1758 bestand ebenfalls ein Züchtigungsrecht des Ehemanns. Der Mann hatte in der Ehe das Recht, die Ehefrau „nötigenfalls mit Mäßigkeit“ zu züchtigen, um seine Stellung und Rechte durchzusetzen.[2] Dieses wurde seit Erlass des BGB von 1896 von den Gerichten nicht mehr angewendet, aber erst 1947 offiziell aufgehoben.“

          http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/1557033

          Ich versteh dabei nun aber überhaupt nicht was gemeint sein soll mit „wurde von den Gerichten nicht mehr angewendet“, any ideas?

          Jedenfalls: Bernd Ulrich ist nun schon Baujahr 1960 und konstatiert dennoch, dass in seiner Jugend (er wird sich wohl insbesondere auf die 70er beziehen) häusliche Gewalt (mit Frauen als Opfern wird gemeint sein) noch „skandalöse Normalität“ gewesen sei. Ab Mitte der 70er wurden (nicht flächendeckend) körperliche Züchtigungen durch Lehrpersonal untersagt, das deutet dann ja schon einen allgemeinen Mentalitätswandel an.

          Zum eigentlichen Thema fallen mir außerdem ja nur zwei Meilensteine ein: die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe (1997) und das Gewaltschutzgesetz (2002). Und natürlich auch – als Negativbeispiel – die Änderung in Russland:

          „Einmal pro Jahr Frau oder Kind zu schlagen, soll zur Ordnungswidrigkeit herabgesetzt werden, die mit einem Bußgeld zwischen 85 und 470 Euro bestraft wird.“

          http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/russland-haeusliche-gewalt-entkriminalisierung-parlament

          • „Ich versteh dabei nun aber überhaupt nicht was gemeint sein soll mit „wurde von den Gerichten nicht mehr angewendet“, any ideas?“

            Hatten wir gerade vor einer Woche im Zusammenhang mit dem angeblichen Recht des Ehemannes, einer Frau die Erwerbstätigkeit noch bis in die 70er zu verbieten.
            Es gibt mehrere Gesetze, die noch im StGB oder BGB schlummern und dennoch faktisch nicht mehr angewandt werden.
            Ich hatte als Beispiel den „Kranzgeld-§ 1300 BGB“ genannt. 1997 abgeschafft, wurde er realiter seit den 60er Jahren kaum mehr und nach 1980 überhaupt nicht mehr angewandt.

            Ich denke, ähnlich wird des mit einem „Recht auf Züchtigung der Ehefrau“ gehalten worden sein. Das Recht wurde als unzeitgemäß abgelehnt und war wahrscheinlich schlicht nicht mehr einklagbar, bzw. zu vertreten, wenn die Frau den Ehemann wegen Gewalttätigkeit anklagte.

          • Ein noch akutes Beispiel in Gegenrichtung ist der §235 StGB, der nur in wenigen Ausnahmefällen UND Anzeige durch bestimmte Personengruppen beachtet und nahezu ausschließlich gegen Männer angewandt wird.
            Wenn bspw. Semi ihre Kinder zum Zwecke des Elternentzugs verschleppen würde, bliebe das für sie praktisch garantiert folgenlos.

          • „Ein noch akutes Beispiel in Gegenrichtung ist der §235 StGB, der nur in wenigen Ausnahmefällen UND Anzeige durch bestimmte Personengruppen beachtet und nahezu ausschließlich gegen Männer angewandt wird.“

            Da könnte ich noch den § 169 StGB ergänzend hinzufügen.

            Aber das sind Gesetze, die von der Justiz vorsätzlich und vorteilsgewährend nicht anwendet werden. Das hat nichts mit den anderen genannten Beispielen zu tun, die schlicht überholt und/oder mittlerweile sittenwidrig sind/wären/waren.

          • „Das Recht wurde als unzeitgemäß abgelehnt und war wahrscheinlich schlicht nicht mehr einklagbar, bzw. zu vertreten, wenn die Frau den Ehemann wegen Gewalttätigkeit anklagte.“

            Na, und wie sollte eine Frau bis 1947 dann überhaupt je auf die Idee gekommen sein ihren Ehemann wegen Gewalttätigkeit verklagen zu wollen – wenn diesem doch formal sogar ein Recht auf Züchtigung zugesprochen wurde?

          • „Na, und wie sollte eine Frau bis 1947 dann überhaupt je auf die Idee gekommen sein ihren Ehemann wegen Gewalttätigkeit verklagen zu wollen – wenn diesem doch formal sogar ein Recht auf Züchtigung zugesprochen wurde?“

            Ich habe keine Ahnung, wie das in der Praxis gehändelt wurde. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Richter schlicht auf das Willkürverbot verwiesen. Und wenn dann noch Körperverletzung hinzukam, haben sie ihn auch schon vor 1947 drangekriegt.

          • „Na, und wie sollte eine Frau bis 1947 dann überhaupt je auf die Idee gekommen sein ihren Ehemann wegen Gewalttätigkeit verklagen zu wollen – wenn diesem doch formal sogar ein Recht auf Züchtigung zugesprochen wurde?“
            Stimmt! Wie hätte eine Frau auch darauf kommen können, daß derartige Regelungen immer auf einen bestimmten Umfang und bestimmte Bedingungen abgestimmt sind?
            Übrigens seit es eine weibliche Juristenschwemme gibt, geraten die Grundsätze von Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit immer mehr in Vergessenheit.
            Und nu rate mal warum …

          • Quizfrage: das Gewaltschutzgesetz wurde der Öffentlichkeit bekanntgemacht mit dem griffigen Spruch:… ?

          • Ja / Formal in den 50ern (glaub ich) / das (umgekehrte) Recht auf gewaltfreie Erziehung besteht m.W.n. aber erst seit diesem Jahrtausend.

            Der Spruch zum Gewaltschutzgesetz nun lautet: „wer schlägt, geht“. Und damit ist natürlich nicht gemeint: ins Gefängnis – sondern nur eine temporäre Wegweisung aus gemeinsam-genutztem Wohnraum. Häufig oder gar meist folgt daraufhin sicher nichtmal eine Anzeige. Und wir reden hier möglicherweise über eine (fast) dreistellige jährliche Anzahl derartiger Vorfälle im gesamten Bundesgebiet.

          • @ Semi:
            „das (umgekehrte) Recht auf gewaltfreie Erziehung besteht m.W.n. aber erst seit diesem Jahrtausend.“
            Die UNkrk wurde von D. 1992 unterzeichnet, allerdings unter ( Auslands-)Vorbehalt gestellt bis ungefähr Mai-Juni 2010. Das BVerfG erklärte dieselbe feststellend ( leider kein Datum zur Hand ) zum Bestandteil des GG ( wehalb der „Kinderrechte in’s Grundgesetz“-Müll eine durchsichtiger Zynismus ist ) und stellte sie in den Rang eines „einfachen“ Bundesgesetzes ( also Höhe BGB,StGB etc. ), welches vorrangig vor den entsprechenden Rechten adulter Personen zu beachten ist.

            Würdest Du hier aufmerksam mitlesen, anstatt nur den Bullshitgenerator auf Hochtouren zu halten wüßtest Du das.

          • @ Semi:
            „Der Spruch zum Gewaltschutzgesetz nun lautet: „wer schlägt, geht“. Und damit ist natürlich nicht gemeint: ins Gefängnis – sondern nur eine temporäre Wegweisung aus gemeinsam-genutztem Wohnraum. Häufig oder gar meist folgt daraufhin sicher nichtmal eine Anzeige. Und wir reden hier möglicherweise über eine (fast) dreistellige jährliche Anzahl derartiger Vorfälle im gesamten Bundesgebiet.“

            Noch flachere Blödpolemik haste gerade nich zu bieten?
            Die Sprüche zum „Gewaltschutzgesetz“ sind auch bloß dumme Sprüche, egal von welchem PR-Spinner sie ersonnen und verkauft wurden.
            Dienstanweisung an Polizisten ist, Männer bei Vorwurf aus der eigenen Wohnung rauszuschmeißen, Frauen jedoch nicht. ( Soll in den letzten Jahren angebl. etwas aufgeweicht worden sein ).
            Daß Frauen genau so viel häusliche Gewalt gegen Männer begehen, wie umgekehrt, weißt Du, sofern Du lesen gelernt hast. Daß zwei Drittel bis dreiviertel aller häuslichen Gewalt gegen Kinder von den Müttern begangen wird, habe ich auch erst vor ein paar Tagen hier wieder geschrieben.
            Daß es Dir nicht reicht, daß jemand, der vielleicht angebl. ein Kaugummi geklaut haben soll, NICHT lebenslang auf reinen Verdacht in U-Haft verschwindet ( Verfahren bräuchte man dann ja nicht mehr ), überrascht an dieser Stelle sicherlich niemanden mehr. Kannst ja gern die Neoviktorianistische Partei Deutschlands ( NPD II ) gründen und entsprechend Anträge stellen. Dergl. daß eine bestenfalls angebl. Ohrfeige zum Offizialdelikt erklärt wird ( gegen Kinder ist sie das übrigens, soweit mir bekannt ).
            Ansonsten beschwere Dich bei den Frauen, die keine Anzeige erstatten, wenn Du Deine Geschlechtsgenossinnen so wenig leiden magst. Übrigens zeigen Männer derartige Delikte noch reichlich seltener an.

            Ach, Gans am Rande:
            Topic des Threads war der Artikel von Jessen zum totalitären Feminismus. Aber dazu fiel Dir gerade nix ein, stimmt’s?

      • Ich bin mir sicher das stimmt, damals hat man ja noch erkannt, dass ein Mann Autorität über die Frau hat, und damit auch Disziplinierungsmittel benötigen. (Auf Fürsorgepflicht folgt ZWINGEND Autorität)

        Der Skandal ist nicht dass das passiert ist, der Skandal ist dass WEITERHIN Fürsorgepflicht, aber ohne Autorität existiert. Und das wir so tun als wären Männer und Frauen gleich.

  14. „Macht es uns Männer nicht freier, freiwillig in die Verantwortung für das Patriarchat einzutreten, als ständig zu schreien: „Ich war’s nicht, Weinstein ist es gewesen!“?, fragt Bernd Ulrich“

    Ulrich fordert die Männer auf zu ihrer angeblichen Kollektivschuld zu stehen und für das Unrechtsregime „Patriachat“ Busse zu tun!

    So primitiv einfach ist die Botschaft von Ulrich. Genauso wie die moralische Äquivalenz, die Ulrich aufstellt:

    „Jessen macht in seinem Text exakt das, was er „den“ Feministinnen vorwirft.“

    Das ist falsch. Denn Jessen greift nicht *die Frauen* an, was er tu müsste, wenn er wie Feministinnen die Männer angriffe. Er greift die männerhassenden Frauen an, die sich als Feministinnen bezeichnen. Wie alle Feministen unterstellt auch Ulrich Jessen Frauen zu meinen, wenn er Feministinnen meint. Damit die Identität Frau die Feministinnen vor Kritik schützt, etwa einer faschistischen Weltanschauung der Weiblichen Überlegenheit zu huldigen.

    „Ein publizistisches Perpetuum mobile von Empörung und Gegenempörung hat sich da etabliert ..“

    Auch hier bedient sich der Ulrich einer Unwahrheit, um eine Äquivalenz der Meinungen herzustellen. Damit tut er Jenssen ab, als sei sein Text vom Fliessband und so häufig wie der Dreck der feministischen Entgegnungen von Stokowski und Cie. Doch was Jenssen schrieb ist einmalig und verhält sich zu Stokowski wie 1:1.000.000.

    „Gewiss, man kann eine Kollektivverantwortung als Mann zurückweisen, so sie denn erhoben wird, aber wieso gleich Barbarei? Schließlich gehört es, nur als Beispiel, zum Kernbestand der deutschen Erinnerungskultur, dass man als Deutscher mit Blick auf den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg in eine Verantwortung für Taten eintritt, die man nicht selbst begangen hat.“

    Und hier ist Ulrich dann schon bei der These der Kollektivschuld der Deutschen für den Holocaust angekommen, sein Aufsatz hat noch gar nicht richtig angefangen. Und diese will er nun gleichstellen mit der Kollektivschuld der Männer. Er setzt nämlich die „Erinnerungskultur“ mit der „Barbarei“ des Feminismus im Sinne Jessens gleich. Die Erinnerung an den Holocaust ist also vergleichbar schlimm wie der Feminismus. Ulrich kann sich natürlich damit rausreden, dass er je den Feminismus für gut hält, so gut wie auch die Erinnerungskultur ist, damit aber setzt er den Holocaust mit dem „Unrecht des Patriarchats an den Frauen“ gleich.

    Wenn das keine Absicht war, dann hat sich Ulrich hier selbst in eine Zwickmühle begeben. Nicht dass Holocaust-Relativierungen unter Feministinnen oder progressiven Linken selten wären, eine solche dumme Zwickmühle ohne Rückzugsmöglichkeit wollte er sicher nicht produzieren. Der Witz ist, dass Jessen in seinem Stück die Strategie Zwickmühlen für anderen aufzubauen, Standardtaktik des Feminismus ist. Wer anderen eine Grube gräbt ….

    Ulrich benutzt den Begriff der „Verantwortung“, die man als „Deutscher“ „eintritt“, also *bewusst* wählt. Das scheint der Annahme einer Kollektivschuld zu widersprechen. Es wird der besagten „Kollektivverantwortung“ gerecht, die eine persönliche Sache wäre und zu der man nicht verpflichtet sein kann. Denn sie müsste aus freien Stücken erfolgen. Nun ist schon durch den ersten Satz seines Aufsatzes klar, dass Ulrich eine unbedigte Verantwortung für das „Patriarchat“ verlangt und ein Anhänger von verpflichtender Kollektivhaftung und der damit verbundenen Schuld, an einem „Patriarchat“ ist. Und damit müsste er entweder bigott sein oder auch die Kollektivschuld beim Holocaust postulieren. Da er aber die Kollektivschuld beim Holocaust abstreitet, muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, in bigotter Weise Frauenverfolgung durch das Patriachat mit dem Naziterror gegen die Juden zu vergleichen.

    • „Nun soll hier nichts verglichen, sondern nur ein Denkraum eröffnet werden: …“

      Das bekannte „Man wird doch noch mal sagen müssen“ auf links — ein „Denkraum“.

      „… Damit werde jeder ins Gefängnis seiner Identitäten gesperrt; der Bezug auf ein gemeinsames Drittes, die Vernunft sowie die allgemeinen und eben nicht spezifischen Menschenrechte seien dann faktisch suspendiert. Da hat Jessen recht, diese Gefahr besteht.“

      Die „Gefahr besteht“ nicht, wie Ulrich beschwichtigt, sondern das ist die logische Konsequenz des Feminismus mit seinem radialen Subjektivismus, der sich allenthalben abzeichnet, wofür Ulrich natürlich keine Erklärung anbietet ausser, dass man diesem Subjektivismus glauben und folgen sollte.

      Und wenig originell und notorisch verschwörungstheoretisch totalitär und erz-feministisch behauptet Ulrich, dass die Vernunft ohnehin nur der „herrschenden Machtverhältnissen“ dient:

      „Wer sich allein auf die Vernunft und die allgemeine Menschlichkeit beruft, wer die existenziellen Unterschiede in ethnischer, sexueller und sozialer Sicht ignoriert, der verfehlt die Wirklichkeit und degradiert die Vernunft zum Werkzeug bestehender Machtverhältnisse.“

      Er hofft wohl darauf, dass die Länge des Satzes Verwirrung stiftet. Der Volkssturm der Feministinnen kommt hier natürlich nicht mehr mit, hat sich an diese zentrale Frage nicht herangetraut. Aber auch Ulrich gelingt das Kunststück nicht, die These von der „patriarchalen Vernunft“ zum Schein zu verleugnen. Der Versuch ist einfach erbärmlich misslungen, die Verleumdung der Vernunft als „Werkzeug bestehender Machtverhältnisse“. Denn nur „Vernunft und allgemeine Menschlichkeit“ machen überhaupt fähig zu einem Verständnis der Wirklichkeit und keine ideologisch vorgegebene dogmatische Weltanschauung, die den Hass auf ein Geschlecht zelebriert.

      • „Wer sich allein auf die Vernunft und die allgemeine Menschlichkeit beruft, wer die existenziellen Unterschiede in ethnischer, sexueller und sozialer Sicht ignoriert, der verfehlt die Wirklichkeit und degradiert die Vernunft zum Werkzeug bestehender Machtverhältnisse.“

        Oh Mann, hat der das wirklich geschrieben?

        Es war der Sieg der Vernunft, der erst der Barbarei der Hexenverfolgung und danach der Willkürherrschaft von Monarchen ein Ende setzte. ALLE mir bekannten Diktaturen fundieren auf einer vernunftfreien Basis.
        Vernunft ist das einzige, was bestehende Machtverhältnisse infrage stellt. Wenn Ulrich die Axt an diese Pflanze der Aufklärung setzen will, dann man Gute Nacht.

        • Leute wie Ulrich glauben an eine kollektive Vernunft, a la Hegelscher „Weltgeist“, an ein metaphysisches Telos, an ein Ziel, die die Geschichte hätte. Die Menschen sind nur die Schachfiguren, die der Strom der Weltgeschichte rücksichtslos wegwischt und nach Bedarf einsetzt. Der Mensch denkt, aber Gott lenkt. Der Mensch selbst ist gar nicht zur Vernunft fähig, sie gerinnt ihm alsgleich zum Herrschaftsinstrument. Daher gehen die Feministen auch alsgleich dazu über die Herrschaft an sich zu ziehen, sie wissen ja schon, dass es nur eine Rechtfertigung durch eine metaphysische, kollektivistisch gedachte „Vernunft“ gibt, wie der der Weiblichkeit. Die, wenn sie einmal erst herrscht, die Welt von allen ihren Leiden erlösen wird.

          • „Der Mensch selbst ist gar nicht zur Vernunft fähig, sie gerinnt ihm alsgleich zum Herrschaftsinstrument.“

            In einem gewissen Sinne stimmt es sogar. Vernunft gebiert Wissen – und Wissen ist Macht.
            Ob ich Bier brauen kann, oder die Menschen glauben mach, dass in meinem Labyrinth ein Monster haust, ich kann meinen Wissensvorsprung nutzen, Menschen zu kontrollieren und/oder zu steuern.
            Ein Wissensvorsprung ohne Nutzung der daraus resultierenden Macht ist unvorstellbar.

          • @carnofis
            Vernunft = Verstand & Ethik
            Die Schwäche der Vernunft kommt, wenn die Ethik oder der Verstand schwächelt. Daher kann ein hochentwickelter Verstand mühelos mit Niedertracht einhergehen.

    • Hier gibt Ulrich nun die Realität von Männerdiskriminierung zu, was für einen Feministen relativ bemerkenswert ist. Aber natürlich wird das als ausgleichende Gerechtigkeit gefeiert:

      „Heutzutage vermag jede Frau jeden Mann in gewaltige Schwierigkeiten zu bringen, wenn sie ihn der sexuellen Nötigung oder Belästigung bezichtigt, selbst wenn es keinerlei Beweise gibt. Erstmals in der Geschichte der Menschheit kann nun also dem Mann etwas widerfahren, das doch bislang nur den Frauen vorbestimmt war: Er kann wegen seines Geschlechts diskriminiert und angegriffen werden, er ist unter Umständen schutzlos der Niedertracht von Frauen ausgeliefert. Das ist da, wo es wirklich geschieht, furchtbar, vor allem aber ist es eine Weltneuheit: Diskriminierung jetzt auch für Männer!“

      „bislang nur den Frauen *vorbestimmt* war“ — und nicht etwa „vorbehalten war“. Das Teleologische, Ewige des „Patriarchats“-Begriffs Ulrichs kommt heraus.

      „Eines jedoch wird dabei gern vergessen, und auch Jens Jessen unterschlägt es: Dass Männer ohne Beweise wegen sexueller Nötigung oder Schlimmerem ins soziale Abseits geraten können, ist lediglich die Kehrseite eines anderen, weit häufigeren Tatbestands, dass nämlich Frauen sexuelle Nötigung oder Schlimmeres erleben und der Mann anschließend straffrei ausgeht, weil es in der Natur der Sache liegt, dass es meistens keine Beweise gibt. Es handelt sich hier also keineswegs um eine totalitäre Attacke des Feminismus, sondern um ein tragisches Dilemma, das Frauen schon immer getroffen hat und Männer neuerdings treffen kann. Immerhin: Das Privileg, beim nächtlichen Nachhauseweg nicht angstvoll über die Schulter blicken zu müssen, das bleibt uns ja.“

      Das ist kein „tragisches Dilemma“, welches Frauen „schon immer“ getroffen hätte. Und es trifft Männer auch nicht erst neuerdings, wie ausgerechnet die Geschichte der Frau des Pharaoh in der Bibel beweist. Aber das sind für Ulrich vermutlich auch nur die Lügen des ewigen Patriarchats.

      Ganz ernsthaft klingen dann, fast beiläufig, aus dem abschwellenden Feminismusgesang diese Delusionen Ulrichs heraus, die ihn als schlichten magischen Denker charakterisieren:

      „Die Verhexung des weiblichen Körpers durch Mode, Film, Pornografie und eben den männlichen Blick ist da schon von anderem Kaliber als unser „männlich = anziehend = böse“. …“

      „Verhexung“ durch den „magischen Blick“. Das ist ganz unironisch. Wie auch das Zitieren des Papstes im Sinne von Ulrichs wahrhaftig katholisch sein müssenden Feminismusses:

      „Joseph Kardinal Ratzinger hat einmal geschrieben, das Christentum sei eine „Ansammlung von Paradoxien, die durch den Glauben zusammengehalten werden“.“

      „Die Antwort auf paradoxe Anforderungen könnte also lauten: Finesse, Versuch und Irrtum, Humor, dann und wann Blamage, oder gemeinsamer Kampf gegen Klischees. Aber jedenfalls nicht: das Leben anschreien.“

      Das Leben! Für die Christen ist ihr Gott und nochmehr Prophet „das Leben“ schlechthin. Wer das Dogma in Frage stellt, dient der Finsternis, dem Tod.

      Und trotzdem erinnert sich Ulrich:

      „Mein erster Kontakt mit dem Feminismus war also Schmerz.“ — und nicht Erleuchtung oder Erlösung oder sowas typisch Christliches.

      Der Schmerz ist bei Ulrich einer permanenten Selbstkasteiung gewichen. Die „permanenten Kränkungen“ des Feminismus verlangten den Männern „immer neue Anpassungen“ ab, was dem Autor introspektiv als „die wichtigste Quelle (/seiner eigenen/) „männlicher Wut“ erscheint und somit auch der „Wut“ Jessens.

      Diese Zeile sagt eigentlich alles über Ulrich, aber nichts über Jessen.

      Zum Schluss verleugnet Ulrich sich und seinem ganzen Aufsatz fundamental, indem er dem Feminismus eine Freiwilligkeit andichet:

      „„der“ Feminismus leistet seinen Beitrag dazu, er bestimmt uns nicht, sondern beeinflusst unsere Selbstbestimmung. Man kann ihn auch zurückweisen und muss das dürfen, aber man bringt sich damit um viele Möglichkeiten und Ideen.“

      um damit ins endgültig Esoterische und NewAge-hafte wegzugleiten:

      „Männlichkeit so zu meditieren, das schafft Raum für Neugier auf sich selbst, auf die nächsten Metamorphosen des Mannseins.“

      Die nächste Metamorphose des Feminismus wird bestimmt auch nur wieder diese Kröte gebären, die auch Ulrich hier wieder sattsam gezeigt hat.

      „Wir Männer sind wirklich ein verdammt spannendes Geschlecht, mal sehen, was noch draus wird.“

      Welch eine Zuversicht in die Zukunft…..

      • „Mein erster Kontakt mit dem Feminismus war also Schmerz.“

        Mein erster Kontakt mit dem Feminismus war auch Schmerz. Diese Art Schmerz, die man erfährt, wenn man beim Biss in ein Stück Schokolade feststellt, dass man die Alu-Folie noch nicht komplett entfernt hatte.

        Eine Soz-Päd-Studentin wollte mir allen Ernstes klarmachen, dass die Atomraketen, die uns damals (80er) bewegten (Pershing II, NATO-Doppelbeschluss) bei ihrer Entwicklung erigierten Penissen nachempfunden worden waren.
        Ähnliches solle für Kirchtürme gegolten haben.

        • Da habe ich auch ein schönes ( eher ziemlich häßliches ) Beispiel:
          Vor ein paar Jahrzehnten tauchte eine gute alte und eigentlich sehr vertraute Freundin ( ’ne Exe von mir, mit der ich fast ein Jahrzehnt mehr oder weniger durchgängig zusammen war ) bei mir auf und wollte meinen Geburtsatg mit mir feiern. War auch ’ne richtig nette Party, mit Maibowle, Grill, Freunden und Bekannten und was noch so dazu gehört….
          Danach wollte sie bei mir übernachten ( sie in meinem Luxusbett, ich auf einer ollen Matratze auf dem Fußboden ) und mutierte zum paranoiden Nervenbündel, wurde immer schlimmer ( versteckte sich ernsthaft hinter einen Dagobert-Duck-Buch und schwitzte und zitterte und stotterte unverständliche Wort- u. Satzfragmente ).
          Nächsten Morgen war sie dermaßen gestört, daß ich sie nicht auf den ÖPNV-Bus an der Hauptstrasse warten ließ, sondern einen Bekannten aus der Falle klingelte, der sie dann zum Bahnhof der nächstgrößeren Stadt chauffierte, sicherheitshalber.
          Nachdem sich ihre Schnappatmung wieder etwas beruhigt hatte – so gut 2-3 Wochen später – bekam ich dann einen derbe wütenden Brief von ihr, aus dem nix geringeres hervorging, als daß ich sie bereits brutal vergewaltigt hätte und zweifelsfrei klar wäre, daß ich genau das immer noch als einziges Ziel verfolgen würde, weshalb ich ein unverbesserliches Dreckschwein wäre ( … und überhaupt und sowieso, … ).
          ( Sie wohnte schon einige Jahre in der Frauenhausszene und murmelte regelmäßig gebetsmühlenhaft das Mantra: „WIR sind ja NICHT gegen Männer, aber FÜR Frauen“ )

      • „„Mein erster Kontakt mit dem Feminismus war also Schmerz.“ — und nicht Erleuchtung oder Erlösung oder sowas typisch Christliches.“

        Du übersiehst an der Stelle aber, dass die dabei erzählte „Legende“ eben doch eine typisch christliche ist:
        Durch das Kreuz zur Erlösung !
        „Wenn das Samenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht.“

        Ohne die Erfahrung von Leid und Schmerz gibt es keine Erlösung oder Erleuchtung. Das IST 100% klassisch chrictliches Gedankengut.

        • @maddes
          Absolut richtig!
          Wollte eigentlich nur betonen, dass dem Ulrich das mit dem Schmerz als allererstes einfällt und wie der dadurch zu einem zentralen Anliegen wird. Das ist auch typisch christlich zu bezeichnen, obwohl nur spezielle Sekten so ticken und daher fasse ich diesen selbstgeisselnden Linksprogressivismus als Ausdrucksform sektiererischer christlicher Apokalyptik auf. Ich kann gar nicht genug betonen, wie spannend diese Idee ist, da ja ganz klar ist, dass die Betroffenen selbst diese Beziehung weit von sich weisen und sie als zutiefst absurd empfinden würden. Sicher sind diese Leute dahingehend tiefgreifend kulturell geprägt, ohne es zu reflektieren. Ironischerweise wäre das genau ein solches tiefgreifendes „kulturelles Konstrukt“, dessen Existenz sie andauernd postulieren.

        • „Ohne die Erfahrung von Leid und Schmerz gibt es keine Erlösung oder Erleuchtung. Das IST 100% klassisch chrictliches Gedankengut.“

          Vielleicht sollte man für die heilige Kirche des Feminismus wieder das Flagellantentum einrichten.
          Dann dürfen sie sich zur allgemeinen Gaudi öffentlich auspeitschen.
          Das würde dann auch eben diese Öffentlichkeit dazu anregen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Die Folge kann nur eine Restauration der Aufklärung sein.

      • „Immerhin: Das Privileg, beim nächtlichen Nachhauseweg nicht angstvoll über die Schulter blicken zu müssen, das bleibt uns ja.“
        DAS ist mal wieder eine blitzsaubere Bullshitargumentation!
        Ich kenne die Zahlen nicht, aber ich gehe BLIND jede Wette darauf ein, daß mehr Männer auf irgendwelchen „Nachhausewegen“ überfallen werden, als Frauen!
        Und wer zwingt die Frauen also paranoid zu werden?
        Wer, wenn nicht solche feministischen Lügen?
        Und nein, es ist kein Privileg feminister Allies, keine Dauerpanik zu schieben!
        Wenn überhaupt ist ein Privileg der Vernunft und die ist grundsätzlich geschlechtsnetral!

        Man könnte dazu das Analogon aufstellen:
        „Frauen werden diskriminiert, indem Radmuttern an KFZ so stark angezogen werden, daß sie sie nicht gelöst kriegen, wenn ein Reifen platt ist“.
        Klar, nur daß eine Frau innerhalb weniger Minuten einen Mann angehalten kriegt, der das gern übernimmt, während kaum eine Frau anhält, wenn da ein Mann steht, der noch nicht mal ein Radkreuz im Kofferraum hat …..

  15. Fazit der Ulrich-Replik auf Jessen:

    Ulrich beharrt auf der Kollektivsünde des verdammten Geschlechts und fordert zum geistigen Erwachen auf, der patriarchalen Vernunft Herr zu werden.

    Es ist die mit grossem Abstand beste feministische Replik auf Jessen. Es bestätigt in seiner Auseinandersetzung mit der Kernthese Jessens eben diese, nämlich die der grundsätzlichen Vernunftfeindschaft und Glaubensergebenheit des Feminismus.

    • Die Instumentalisierung des Holocaust für den Feminismus durch die „Zeit“ findet ausgerechnet zu diesem Tag der sogenannten „Erinnerungskultur“ statt:

      Wie die „Zeit“, so „Haaretz“:

      „for this kind of hatred, it doesn’t matter that it’s the evening of #YomHashoah.“

  16. Pingback: Koalitionskrach in Sicht – website-marketing24dotcom

  17. „Vergleicht Bernd Ulrich in seiner Antwort / @DIEZEIT auf Jens #Jessen das Patriarchat mit dem Holocaust? *liest Vergleich* „Nun soll hier nichts verglichen, sondern nur ein Denkraum eröffnet werden: […]“ Mal gespannt, ob das der Satz ist, der hängenbleibt.“

    Diesen „Denkraum“ haben die Linken wie Ulrich doch schon längst eröffnet, mit ihrer Vergleichssucht alles Israelischen mit dem NS oder dem dog-whistling, die würden von „extrem Rechten“ regiert uä.

    • Ein echtes highlight in der „Zeit“ war dieser Artikel neulich, der die Zerstöung des ganzen Planeten, Klimawandel und alles „den Männern“ andichtete. Solche Ideen haben eine jahrzehntelange Tradition und sind die Essenz der ganzen „Ökologiebewegung“ gewesen.

      Hilf, grosse Göttin Gaia! Der böse Mann richtet dich zugrunde!

  18. „Die reine Kollektividentität reichte für die Verfolgung und Ermordung und dieser Gedanke der Kollektividentität und des Kollektivmakels ist natürlich eng verbunden mit der Lageridee.“

    Jessen stellt das Offensichtliche fest, im Interview hier:

    http://verlag.zeit.de/freunde/podcast/der-bedrohte-mann/

    Ein bisschen verpeilt ist er ja, der Jens Jessen, zB als er über seinen Feminismus räsonniert 😀

  19. https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/opa-erzaehlt-vom-krieg

    „Ihr wütendes Manifest ist ein Beleg dafür, wie festgefahren das bürgerliche Milieu, dem ich Sie zurechnen würde, mittlerweile ist, wie beharrungskonsistent und beratungsresistent es sich angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen zeigt.“

    Das „bürgerliche Milieu“ ist ihr linksextremes Feindbild Schmollacks. In Verbindung mit dem Titel ist dann schon alles klar — das Milieu der Nazis, in dem Opa positiv vom Krieg erzählt. Wie „Opa“ in „Klimbim“, wenn das hier überhaupt einer der älteren Semster kennt 😀

    Frau Schollack kennt nur die Dichotomie von Gut und Böse und wie diese ihr die Gesellschaft erklärt:

    „Das verwirrt mich, denn sind es nicht aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen wollen?“

    Frau Schmollack hat aber natürlich keine wirklichen solchen Bedenken, Jessens Stück würde lediglich zeigen,

    „.. wie nötig der Aufklärungsbedarf ist darüber, was #metoo, Frauen und der Feminismus wollen.“

    Und schon die arme Alice Schwarzer hätte das „jahrzehntelang ertragen, weil sie sich für Frauenrechte einsetzte.“

    Scheinheiligkeit, dein Name ist Feminismus:

    „Aber Feministinnen und Feministen haben es nicht nötig, so tief in die Grabenkiste zu greifen, wie Sie das getan haben. Feministinnen und Feministen geht es nicht darum, eine Front aufzumachen und Frauen gegen Männer (oder andersherum) auszuspielen. Sie wollen, dass es Frauen und Männern gleichermaßen gut geht. Das ist zugegeben ein schlichter Satz. In seiner Schlichtheit ist der Satz aber wahr.“

    Weil Feminismus auch die Befreiung der Männer von ihrer eigenen toxischen Männlichkeit sein soll. Und das wollen sie ganz nüchtern und wissenschaftlich feststellen, obwohl sie die Wissenschaft als toxisch männlich verleumden….

    „Die meisten jungen Menschen, die ich kenne, verstehen Ihre Wutschrift überhaupt nicht. Ihnen kommt Ihr Text vor wie einer, bei dem Opa vom Krieg erzählt.“

    Dieser schöne Essay von Jessen wird sicher noch lange hochgehalten werden und er wird einst als ein Zeichen der Mässigung in einer total beknackten Zeit gelten.

    Im übrigen brauchen Leute wie Schmollack sich nichts von ihrem Opa erzählen lassen, sie wollen es selbst wissen, was Krieg ist. Denn sie steuern in ihrem unendlichen Hass auf den Westen zielsicher-schlafwandlerisch auf einen zu. Schon jetzt zeichnet sich durch das appeasement Russlands, des Iran und der Türkei wieder ab, dass Deutschland einer neuen Achse des Bösen angehören könnte.

    Ein Deutschland unter absoluter Herrschaft der progressiven Linken wäre ein Deutschland, welches sich zum dritten Mal gegen den Westen stellen wird.

    • Ein unterirdischer Text der Frau Schmollack. In weiten Teilen besteht ihre „Argumentation“ im pauschalen Vortrag persönlicher Eindrücke aus ihrem Leben „in linken und linksliberalen Zeitungen und Strukturen“.
      Aber sie hat natürlich auch harte Fakten zu bieten:

      „Dazu ein paar Fakten, jenseits von #metoo, aus der täglichen Welt von Frauen:
      Frauen verdienen in Deutschland bis zu 21 Prozent weniger als Männer, sie leisten den größten Teil der Sorge- und Pflegearbeit. Sie haben noch lange nicht so viel zu sagen wie Männer, obwohl das Bündnisse und Vereine wie FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte), Pro Quote, Pro Quote Film, Pro Quote Medizin und, und, und das seit Ewigkeiten fordern. Im Bundestag sind mit knapp 31 Prozent so wenig Frauen vertreten wie zum letzten Mal 1998. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter, die Zahl der Frauen, die von ihrer Rente nicht leben können, steigt stetig.“

      => Patriarchat existiert q.e.d.
      Aber alles wird gut, wie Alex ja schon zitiert hat:

      „Feministinnen und Feministen geht es nicht darum, eine Front aufzumachen und Frauen gegen Männer (oder andersherum) auszuspielen. Sie wollen, dass es Frauen und Männern gleichermaßen gut geht.“

      Und wer es wagt, das anhand empitrischer Belege in Zweifel zu ziehen, ist ein frauenhassender Nazi!

  20. Pingback: Kurz notiert – KW 15/2018 | ☨auschfrei

  21. OT zu dem Jessen-Podcast:
    Ich hatte die letzten Tage mehrfach mit https://twitter.com/search?q=jens%20jessen&src=typd nach neuen Artikeln zu Jens Jessen gesucht, in den Trefferlisten hat alleine der ZEIT-Account gefühlte 10 Mal auf den Podcast hingewiesen. Von dem Marketing können wir uns mehrere Scheiben abschneiden.

    Das fängt damit an, daß mein eigener Blogpost von vorgestern in diesen Trefferlisten nicht auftaucht, weil „Jens Jessen“ nicht im Titel auftaucht. Habe das gerade mal geändert.

    Dasselbe in Grün mit djads Kritik an Bernd Ulrich: die taucht auch nicht in den Trefferlisten auf.

    Die Frage ist allerdinghs, ob man über Twitter überhaupt erfolgreich Werbung für unsere Blogposts machen kann, bzw. ob man gegen die ganzen bezahlten „Social-Media-Redaktionen“ und deren Zeitbudget eine Chance hat.

    • Nun hab ich das gestern Abend irgendwo gefunden und find es grad nicht wieder:
      Eine Aussage von Jens Jessen, wo er sich u.a. über die maßlosen Reaktionen zu dem Artikel ärgert. Bemerkenswert allerdings und eigentlich das, worauf ich hinweisen wollte:

      Er erwähnt dort, dass der Artikel zwar unter seinem Namen veröffentlicht wurde, aber durchaus ein „Autorenkollektiv“ der Zeit daran gearbeitet hat.

      Im Zusammenhang mit der Analyse von mitm ist das ein weiterer wichtiger Beleg dafür, dass das hier ein inszeniertes Scharmützel ist, bei dem das eigentlich wichtige nicht der feminismuskritische Artikel ist, sondern die replik, die diese Feminismuskritik zerlegen soll (wobei Jessen sich und seinen guten Namen ganz im Sinne eines feministischen Allys gewissemaßen selbst opfert).
      Auch ich finde, der Jessen-Artikel ist zwar „gut geschrieben“, aber argumentativ vergleichsweise schwach (im Sinne von: die vorhandene Männerrechtsbewegung ist da auf einem ganz anderen stand und hätte erheblich gewichtigeres zu sagen).
      Angesichts des (immer mehr) durchschaubar inszenierten vorgehens überrascht einerseits die in meinen Augen noch größere argumentative Schwäche der replik Ulrichs – sie wird andererseits gerade trotz dieser Schwächen eindrucksvoll bestätigt durch die einhellige Begeisterung im Blätterwald über diese Replik.

      • „Er erwähnt dort, dass der Artikel zwar unter seinem Namen veröffentlicht wurde, aber durchaus ein „Autorenkollektiv“ der Zeit daran gearbeitet hat.“

        Das war auch aus diesem Interview bei der „Zeit“ (s. link oben). Die Illustration des gerümmten Mannes, überhaupt das Titelblatt und insbesondere die Bezeichnung „Wutausbruch“ stammen nicht von Jessen. Ich meine, er sagt auch nicht der Titel des Essays „Der bedrohte Mann“.

        „Angesichts des (immer mehr) durchschaubar inszenierten vorgehens überrascht einerseits die in meinen Augen noch größere argumentative Schwäche der replik Ulrichs“

        Jessens Stück kann keine Inszenierung sein. Die Verdammung des Feminismus als Feind der Vernunft ist viel zu vernichtend und zu wahr, als dass man hier von einem taktischen Manöver ausgehen kann. Möglicherweise ist das der Redaktion „durchgerutscht“, weil sie es schon längst nicht mehr für möglich hält, dass alte liberale Werte überhaupt noch existieren können.

        „Die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge verschwimmt wenn es kein objektives, allgemeiner Vernunft zugängliches Verfahren der Prüfung gibt, sondern alles zu einer Frage der parteilichen Perspektive erklärt wird – der männlichen oder der weiblichen.
        Aber auch dazu hat sich die avancierte feministische Theorie etwas einfallen lassen. Sie sagt, Logik und Vernunft sind auch bloss parteilich. Auch die Annahme einer allen Menschen gemeinsamen Rationalität ist nichts als eine männliche Erfindung.“

        Diese Passage ist das Herz des ganzen Stücks. Ich habe nicht viele Aufsätze gesehen, die diesen entscheidenen Punkt gemacht haben. Sowas bringt man nicht, wenn man nur ein wenig rumprovozieren will.

      • „durchaus ein „Autorenkollektiv“ der Zeit daran gearbeitet hat“

        Das sagt er in dem Podcast, irgendwo im vorderen Teil, habe keine Zeit und Lust, die 18 Minuten noch einmal abzuhören.

        Eine erste interessante Information er, daß Sabine Rückert (Stellvertretende Chefredakteurin) ihn dazu **aufgefordert** hatte, den Artikel zu schreiben, nachdem er in der Vergangenheit wiederholt einzelne Kritikpunkte in der Redaktion geäußert hatte.
        Nach meinem Verständnis haben andere Personen dann Vorabversionen dieses Textes gesehen und wie auch immer inhaltlich etwas beigesteuert, so daß als grobe Zahl ein Viertel des Textes nicht alleine von ihm stammt. Vermutlich stammen aber alle Formulierungen von ihm alleine, sonst bekommt man auch keinen konsistenten Stil hin.

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