Selbermach Mittwoch 158 (11.04.2018)

Auch bedrohte Männer können sich gerne äußern

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Jens Jessen und der bedrohte Mann

Gerade sorgt Jens Jessen für erhebliche Schlagzeilen, weil er den Feminismus in einem Artikel kritisiert, der aber leider hinter einer Paywall ist.

Stokowski fasst ihn wie folg zusammen:

Ein halbes Jahr nach dem Beginn der Weinstein- und #MeToo-Diskussion ist es so weit gekommen, dass alle Männer elendig geknechtete Wesen sind. Das ist der „Zeit“-Titelgeschichte „Der bedrohte Mann“ von Jens Jessen zu entnehmen, der festgestellt hat, dass es für ihn als Mann nur ein einziges Schicksal gibt: Er ist schuldig und macht alles komplett falsch.

Das scheint auch die gängige Theorie im Feminismus zu sein: Der Mann ist privilegiert und muss diese Privilegierung aktiv angehen und quasi Buße tun.

Stokowski zitiert weiterhin:

„Das System der feministischen Rhetorik folgt dem Schema des bolschewistischen Schauprozesses, nur dass die Klassenzugehörigkeit durch die Geschlechtszugehörigkeit ersetzt ist. So oder so steht die Schuldigkeit schon durch Herkunft fest.“

Auch das scheint mir durchaus zutreffend zu sein:, vielleicht mit der Einschränkung, dass es nicht per se der Mann ist, sondern die „Strukturen“ der „patriarchalen Gesellschaft“ oder welches Konstrukt man da auch immer gerade verwenden will, nach der die Frau passiver Spielball dieser ist und die Nachteile hat, wobei auch Vorteile Nachteile sind, und der Mann alle Vorteile sind, wobei Nachteile entweder doch Vorteile sind oder eben Ansporn für den Mann sein sollten, dass er das Patriarchat bekämpft.

Weiter wird dort zitiert:

„Der Feminismus hat damit eine Grenze überschritten, die den Bezirk der Menschlichkeit von der offenen Barbarei trennte. Nur sehr Tapfere erkennen darin eine heilsame Lektion, die es allen Männern erlaubt, die Diskriminierungserfahrung der Muslime zu machen: Was einige getan haben, wird allen zur Last gelegt. Jeder Muslim ein potenzieller Terrorist, jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger. Aber worauf wollen die Aktivistinnen der #MeToo-Bewegung mit ihrem neuen feministischen Volkssturm hinaus, diesem Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen?“

Natürlich müsste man hier den ganzen Text lesen, aber die Haftung für die Gruppe ist ein wesentliches Element des modernen Feminismus und in der Hinsicht verwendet er das gleiche Argument wie auch Rechte bezüglich des Islams oder bezüglich Ausländern: Einige tun schlimmes, also ist die ganze Gruppe schuldig und zu verdammen.

ich habe den Text von Jesse noch nicht gelesen. Kann jemand was dazu sagen?