Don Alphonse zum Wandel linker Theorien und Inhalte

Don Alphonso wechselt zur Welt und hat dazu ein Interview gegeben, in dem er auch zu den Wandel linker Theorem und uns Inhalte etwas interessantes sagt:

Als ich jung war, war links die Freiheit, einen „Stoppt Strauss“ Button zu tragen. Heute prügeln angebliche Linke eine „Merkel muss weg“-Demo zusammen. Früher war der Gewerkschaftler links, der die Sorgen und Nöte der deutschen Arbeiter in den Mittelpunkt stellte. Heute gilt als links, wer die Folgen der deutschen Wirtschaft in Afrika als Postkolonialismus verleumdet, und die Schuld in uns allen sucht. Früher war links die Freiheit, ein Plakat mit einer halbnackten Frau in der Maximilianstrasse gegen den Willen der CSU aufzuhängen. Heute hängen solche Plakate am Marienplatz: SPD und Grüne fordern ihre Entfernung. Links war früher die Möglichkeit, ohne Vorzensur in der Schülerzeitung zu schreiben. Heute ist links, andere als Kartoffel und als rassistisch zu beschimpfen und Mitarbeiter dazu zu bringen, mir Tipps zu schicken, weil man das in der Prantlhausener Zeitung (Don Alphonso meint die Süddeutsche Zeitung mit ihrem leitenden Redakteur Heribert Prantl, Anm.d.Red.) nicht mehr schreiben kann. Früher war links die Einstellung der kleinen Leute, die ein Haus und zwei Kinder bezahlen wollten. Heute ist links eine 800mg Ibuprofen zum Frühstück nehmende Singlefrau, die drei prekäre Bildschirmjobs in Berlin macht und normale Menschen hasst, die gefälligst ihr BGE (BGE = Bedingungsloses Grundeinkommen, Anm.d.Red.) zahlen sollen, das sie dann mit dem Dealer an der S-Bahn teilt. Ich bin immer noch 1992-links. Jetzt bin ich nur ein alter, weißer Mann, der versucht, zu überleben – möglichst lang, möglichst viele der Gegenseite.

Wie würdet ihr denn Wandel sehen?

 

64 Gedanken zu “Don Alphonse zum Wandel linker Theorien und Inhalte

  1. Seh ich ziemlich ähnlich. Und dieses „Links sein“ hat sich in den Inhalten nur gering geändert, in den konreten Zielen mit Sicherheit, und man hat auch das eine oder andere dazugelernt, man wird etwas milder im Alter 😉
    Und ich sehe das auch nicht als eine Art von „MeinLinksSein“ an, für mich ist es ziemlich lange her das die SPD links war, die Grünen waren es nie.

  2. Falsch daran ist, daß die Forderung nach einem BGE links sein soll. Tatsächlich wird der Vorschlag eines BGE von den Linken erbittert bekämpft, es gibt m.W. keinen namhaften linken Politiker oder Denker, der es befürwortet.

    Kein Wunder, denn ein BGE würde mit einem Schlag mehr als ein Jahrhundert marxistisches Geschwurbel und Arbeiterheroisierung wertlos machen. Und es würde die Menschen unabhängiger machen von ihrer Erwerbsarbeit, Linke und Gewerkschaften könnten die Menschen dann viel weniger leicht gängeln.

    In der Ablehnung des BGE sind sich die dem Mainstream zugehörigen Deutschen von links über FDP-liberal bis konservativ erstaunlich einig. Das spricht für das BGE.

  3. Ja, links WAR(!) die vermeintliche Freiheit.
    Was Linke nie kapieren können ist, daß Links sein, wenn es vom Ideal durch den Glaube an seine Unfehlbarkeit zur Ideologie- zur quasi religiösen Staatsdoktrin geronnen ist, IMMER AUTORITÄR, quasi- diktatorisch wird.
    Sie greifen nach der Freiheit in ALLEN Verträgen: in der Wirtschaft, in Arbeits- und Mietrecht, …. und zerstören so die Freiheit- auch in der Kultur, die Freiheit des Geistes. Sie vergiften die Freiheit des Denkens: Suhrkamp vs. Telkamp, Demos auf Buchmesse gegen die Freiheit des Wortes.
    „Die Freiheit“ selbst ist den Linken SO SEHR zuwider, dass fast alle Rechten Medien, Organe und Parteien genau diese schon im Namen führen müssen.
    (Und, Ironie der Wahrheit: „Die Freiheit“ als Partei musste aUfgeben!)
    Deswegen bleibe ich rechts.

  4. Na ja, die Passage von Don ist schön geschrieben, aber einen „Wandel linker Theorien und Inhalte“ zeigt sie eher anekdotisch auf.

    Was sich fundamental geändert hat ist tatsächlich die Vorstellung, für die *Mehrheit der Bevölkerung* dieses Landes politisch bessere Verhältnisse zu erkämpfen.
    Weder gibt es die Zielvorstellung einer besseren oder anderen Gesellschaft für diese Mehrheit, noch sind oder wären diese demokratischen Mehrheiten Adressaten und *Subjekte der Veränderung*.
    Ganz im Gegenteil, die Minderheiten können gar nicht klein genug sein, die profitieren sollen, während die demokratischen Mehrheiten beschimpft werden, der Verbesserung im Wege zu stehen.
    In dem die Mehrheiten schon deshalb falsch sind, weil sie das falsche Geschlecht und die falsche Hautfarbe haben. Was es m.E. erklärt, warum diese Pseudo-Linke medial so angesagt ist, sie führt vom Grundsatz her eine *bürgerliche Elite-Theorie* fort.
    Attraktiv ist diese Pseudo-Avantgarde für diejenigen, die per richtigem Geschlecht und richtiger Hautfarbe (also biologisch) zu den Auserwählten gehören und generell für alle, die aus den richtigen Gründen die falschen Menschen verachten dürfen möchten.
    Die nicht zufällig die Mehrheit des Landes bilden – wie gesagt, Elite-Theorie.

    Dass sich die „Auserwählten“ dann in den Medien tummeln und einen „Erziehungsauftrag“ wahrnehmen, den niemand ihnen erteilt hat, halte ich ebenfalls nicht für zufällig.

    • sie führt vom Grundsatz her eine *bürgerliche Elite-Theorie* fort

      Auch wenn ich die Einschätzung grundsätzlich teile, ist das Ergebnis von linker Herrschaft auch in dem Fall von explizit aus der Arbeiterschaft rekrutierten Führungskräften nicht notwendigerweise besser. Die DDR bevorzugte explizit und ohne Scham Vertreter aus der Arbeiterschaft in Führungspositionen. Die komplette Führungsriege bestand aus Menschen mit (Hand-)Arbeitshintergrund. Das Ergebnis war ein totalitärer Staat mit der Absicht, den Menschen bis ins Kleinste vorzuschreiben, wie sie zu handeln, zu denken und zu empfinden hätten. Und wehe, du sahst das anders…

      Governantentum und totalitäres Gedankengut ist kein Privileg des Bürgertums. Es ist nur nicht immun dagegen, auch wenn dessen Apologeten das immer wieder glauben.

      • Nun ist die DDR ja schon seit 28 Jahren Geschichte und du hast richtig gesagt, „Governantentum und totalitäres Gedankengut ist kein Privileg des Bürgertums“, was auf die aktuelle Pseudo-Linke passt wie Arsch auf Eimer.
        Nur wärst du in der DDR von eben dieser Führungsriege aus sämtlichen Ämtern gekegelt worden, wenn du die Meinung deines Gegenübers auf der Basis von Hautfarbe, Geschlecht und Alter abgewertet hättest. Das wäre als rassistisch und gegen die Prinzipien der internationalen Solidarität, als sexistisch, also gegen das Prinzip der Gleichberechtigung von Mann und Frau und als idiotisch angesehen worden, weil Alter kein Argument für oder gegen die Richtigkeit einer inhaltlichen Position ist und sein kann.
        Da diese als (quasi universelle) *Prinzipien* gesetzt worden sind, wäre es unmöglich gewesen zu verlautbaren, Sexismus sei aber in Ordnung, wenn er sich gegen Männer und Rassismus sei ok, wenn er sich gegen Weiße richtete.

        In *diesem Kontext* war eine solche Meinung „politically incorrect“, insofern es sich um Verstöße gegen diese Prinzipien handelte und wurde geahndet, das wertet die abweichende Meinung aber nicht zu einer Wahrheit auf. Ich glaube, hier besteht Einigkeit darüber, dass Ab- oder Aufwertung eines Individuums auf der Basis von biologischen Merkmalen, in die es hineingeboren inakzeptabel ist.
        Man kann und sollte sich hingegen unterhalten, in welcher Art und in welchem Umfang Sexismus und Rassismus bekämpft werden sollen oder wie diese definiert werden müssen.

        Genau das werfe ich den Pseudo-Linken, den „Rinken“ in erster Linie vor: Sie machen Denk- und Sprechweisen wieder salonfähig, von denen man dachte, sie wären auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet. Es handelt sich um ein Revival der übelsten Kolonialzeiten, in der die Unterdrücker – als Auserwählte – mit der „richtigen“ und die Ausgebeuteten mit der „falschen“ Hautfarbe versehen waren. Auch wenn die Argumentation spiegelverkehrt verläuft, die BASIS ist haargenau identisch: Mit bestimmten biologischen Merkmalen versehen gehört man kollektiv und individuell zu diesen Auserwählten / oder eben nicht. Die Biologie als lebenslanges Schicksal. Den gleichen biologistischen Determinismus findet man auch in dem Vorwurf der „toxic masculinity“, wonach Geschlecht per se vergiftet ist oder vergiftend wirkt.

        Womit die Funktion des moralischen Relativismus die Rechtfertigung der eigenen Prinzipienlosigkeit wäre und das wiederum passt sehr geschmeidig zur Wiederbelebung einer biologisch fundierten Elitetheorie.

        • Ich bin auch der Meinung, dass wir gerade erleben, wie in den Schreibstuben der aktuellen Riege der Schreibtisch-Gerechtigkeitskämpfer Rassismus wieder salonfähig gemacht wird. Worauf ich nur hinweisen wollte, ist die Ergebnisgleichheit bei den unterschiedlichen Ansätzen. Es gibt die von Dir beschriebenen Unterschiede zwischen den heutigen Linken und den Linken alter Konfession, das bestreite ich nicht. Das Ergebnis für die Menschen gleicht sich aber stark in seiner Wirkung auf die persönlichen Freiheitsgrade.

          Der Unterschied ist vermutlich ein wirtschaftlicher: Während der Sozialismus alter Prägung die gestalterische Kraft seiner Individuen so stark auf das Private beschränkte, dass die Leistungsfähigkeite der Gesellschaft unaufhaltsam austrocknete und ein Zusammenbruch systemimmanent war, erleben wir heute die „linken“ Ideen als einen Teil eines größeren „divide et impera“, das die Gesellschaft in immer kleinere Interessengruppen aufspaltet, um den Einfluss der einzelnen Gruppierungen immer sicherer beschränken zu können. Gleichzeitig scheinen im Hintergrund die Sicherheitslinien, die es in Bezug auf die wirtschaftliche Monopolbildung und die Beschränkung von wirtschaftlichen Einflussmöglichkeiten kleiner Gruppen einmal gab, immer weiter aufgeweicht zu werden. Das ist eine gefährliche Mischung. Die Innovationskraft der Wirtschaft ist aber aus meiner Sicht ungebrochen. Deshalb wird diese Entwicklung nicht von selbst erlahmen wie weiland im Ostblock. Verknüpft mit den laufenden Automatisierungsprozessen könnte bald eine schöne neue Welt daraus werden.

        • @Werlauer
          „Deshalb wird diese Entwicklung nicht von selbst erlahmen wie weiland im Ostblock.“

          Das wird durch die Identitätspolitik aber stark vorangetrieben. Grund ist, dass die Kooperativität verschwindet, wenn das Gesellschaftsspiel zum Nullsummenspiel wird. Und wir gehen mit Siebenmeilenstiefeln dorthin, die „Frauenförderung“ ist so ein Umstand, der jedem klar macht, dass es nicht mehr darauf ankommen soll, was du *sein willst*, sondern was du für andere *bist*.

          • @Werlauer @Alex teil 1

            „Grund ist, dass die Kooperativität verschwindet, wenn das Gesellschaftsspiel zum Nullsummenspiel wird.“ Was mit der „Individualisierung“ begonnen und mit der „Granularisierung“ weiter fortschreitet und das, was Lucas betont: Wenn sich Individuen nicht auf eine gemeinsame soziale Realität einigen können, die außerhalb ihrer individuellen Existenz existiert, auf die sie sich gemeinsam beziehen, dann wird ein (gesellschaftlicher) Dialog und eine Kooperation unmöglich. Es setzt eine Spaltung in immer kleinere Gruppen ein, die keine gemeinsamen Interessen formulieren, weil sie gar keine haben können.
            Es ist ein komplett sinnfreier „Tribalismus“ – nicht als Resultat, sondern als Voraussetzung.
            Wir zücken am besten alle den Gentest auf „Migrationshintergrund“ und die „POC-Farbtafel“ and the winner is:

            Dann zum „Nullsummenspiel“ an Hand der BBC: Die narzisstische Eifersucht auf Männer hat doch in erster Linie zu diversen LOHNSENKUNGSRUNDEN für MÄNNER geführt.
            Das halte ich für wenig zufällig.

            Diese Frauen „verzichten“ sogar „großzügig“ auf fette Gehaltserhöhungen, nur um Männer abzustrafen und das allgemeine Lohnniveau zu senken. Nie in der Geschichte hast du nützlichere Idiotinnen vorfinden können – hätte sich das ein Mann getraut, hätte er Klassenkeile riskiert.
            Sie sind als Frauen „auserwählt“ für solche „Spiele“, WEIL sie in ihrer narzisstischen Idiotie in einer gynozentrischen Gesellschaft sakrosankt sind.
            Ich habe mir erlaubt, die Argumente neu zu gruppieren: „Gleichzeitig scheinen im Hintergrund die Sicherheitslinien, die es in Bezug auf die wirtschaftliche Monopolbildung und die Beschränkung von wirtschaftlichen Einflussmöglichkeiten kleiner Gruppen einmal gab, immer weiter aufgeweicht zu werden. Das ist eine gefährliche Mischung.“ Sehe ich auch so.
            Faktisch *sind* GLOBAL soziale Medien Facebook und Twitter und „die Suchmaschine“ ist Google.
            Der Rest läuft unter „ferner liefen“.
            Das ist keine Monopolbildung „im Hintergrund“, sondern das sind *real existierende* Monopole – zumindest im „Wertewesten“. Nur China hat sich erlaubt, diese Entwicklung nicht „frei laufen“ zu lassen, sondern eine eigenständige Alternative zu entwickeln. Was ein dezenter Hinweis darauf ist, DASS es NATIONAL Alternativen gibt und geben kann. Die „Alternativlosigkeit“ ist das eigentliche ideologische Problem. Eine Entwicklung einfach laufen zu lassen und zu behaupten, diese sei „alternativlos“, ist der willentliche und wissentliche Verzicht auf die Gestaltung dieser Entwicklung.
            Es ist die Eingeständnis der Impotenz eigener Gestaltungsanspüche und *Ohnmacht* ist das neue Credo. „50 shades of Ohnmacht“. 😉

          • @Werlauer und @Alex

            Total off topic. Aber köööööööstlich!

            Es geht um (zum gefühlt 8567sten mal) das gestörte Selbstbewusstsein von Frauen im Zusammenhang mit ihren Karriereambitionen in einem Artikel auf SPON (Link folgt am Schluss):

            Die Überschrift ist natürlich eine Lüge „Männer halten sich für schlauer als gleich schlaue Frauen“, denn tatsächlich war das Problem: „Ein Unternehmen will einen Führungsjob neu besetzen. Die Stelle ist offen ausgeschrieben, alle Mitarbeiter sind aufgefordert, sich zu bewerben. Doch in der Personalabteilung landen schließlich nur Schreiben von Männern, weil Frauen sich den Job dann doch nicht zutrauen, obwohl sie genauso qualifiziert sind.“

            Die Überschrift hätte also *wahrheitsgemäß* lauten müssen: „Frauen halten sich für weniger schlauer als gleich schlaue Männer“.
            Das wäre aber nicht so hübsch demagogisch gewesen für den Autoren, Holger „click bait“ Dambeck.
            Problem laut Studie: „Frauen stuften ihre eigene Intelligenz nämlich im Durchschnitt niedriger ein als Männer, selbst wenn es zwischen den Befragten objektiv gar keinen Unterschied gab.“

            Der Knackpunkt ist natürlich, wie misst man „objektiv“?
            Antwort: „Die Forscherinnen nutzten dabei den sogenannten Grade Point Average (GPA), der aus Noten an der High School, aber auch an Universitäten berechnet wird.“
            Was eine weitere Lüge ist wenn zutrifft, es wären „202 Studienanfänger (!!!) im Fach Biologie befragt (worden), für wie schlau sie sich im Vergleich zu den übrigen Teilnehmern ihres Unikurses einstufen würden.“
            Wie ich schon geschrieben habe, deuten die SAT-Tests *nach* der High School OBJEKTIV nicht darauf hin, dass die High School Benotung, die junge Frauen präferiert, in irgendeiner Form „objektiv“ sein kann. Bei diesen Tests schneiden die Jungs regelmäßig (seit Jahrzehnten) besser ab als die Mädchen.
            Ein Test, der NACH der High School das Gegenteil von dem aufzeigt, was Resultat der High School ist, blamiert die Benotung letzterer.

            „Wenn man Männer und Frauen mit einem GPA von 3,3 befragt habe, hätten die Männer erklärt, sie seien schlauer als 66 Prozent der Mitstudenten aus dem Kurs. Frauen gaben nur einen Wert von 54 Prozent an.“ – was weniger verwundert wenn man sich vergegenwärtigt, dass der identische GPA eben *nicht* besagt, die Verglichenen seien *gleich* „intelligent“.
            Bei gleichen Leistungen erhalten Jungs schlechtere und bei besseren Leistungen gleiche Noten wie die Mädchen. Das ist ein Merksatz.

            Ich glaube nicht, es ist an den Mädchen vorbei gegangen, dass sie permanent bevorzugt werden.
            Ihr Selbstbewusstsein wird NICHT steigen wenn ihnen ständig suggeriert wird, sie bräuchten eine „unsichtbare Hand“, um sich *tatsächlich* auf dem identischen Leistungsniveau wie die jungen Männer zu befinden. Die Zwischenüberschrift: „Jungs suchen Wettbewerb, Mädchen meiden ihn“ verdeutlichen das Dilemma; den jungen Frauen wird dieser Wettbewerb – streng in Übereinkunft mit der bürgerlichen Ideologie – versagt. Mädchen erhalten einen Bonus basierend auf ihrer Biologie, die Jungs müssen von vorne herein gegen ein (Schul-) System kämpfen, das *bewusst* gegen sie agiert.
            Vor diesem Hintergrund die gleiche Note wie eine junge Frau zu erhalten ist eine Herausforderung und umgekehrt ein Geschenk.

            Und jetzt zu all dem Schwachsinn, den Feministinnen an jungen Frauen verbrochen haben: „Das Rollenstereotyp für Männer sehe vor, dass sie wettbewerbs- und durchsetzungsstark seien. Frauen sollten hingegen team- und harmonieorientiert handeln.“ Mit dem Rollenstereotyp der „team- und harmonieorientierten“ Frau sind gerade Feministinnen betteln und hausieren gegangen. Weil es als *Ergänzung* der „wettbewerbs- und durchsetzungsstarken“ Männer verstanden worden ist. NACHDEM Männer auf *männliche Stereotypen* festgenagelt worden sind, entdeckte der Feminismus die „diversity“ und befand, „wettbewerbs- und durchsetzungsstark“ benötige zwecks „Vielfalt“ die „team- und harmonieorientierten“ Frauen.
            Dieses weibliche „Rollenstereotyp“ ist „made by feminism“.
            Keine anonyme „Gesellschaft“ ist daran beteiligt, sondern DAS ist das Resultat der letzten zwanzig Jahre feministischer Propaganda. Die Idiotie, damit alle, wirklich alle Geschlechterstereotype wieder zu *reproduzieren* ist allein deren Werk.

            Wie zum Hohn wird nun befunden: „Deshalb vermeiden es Frauen unbewusst, ihre Stärke herauszustellen, weil es die Harmonie stören könnte“, erklärt Ekrod. Das würde vielfach dazu führen, dass Frauen ihre eigenen Stärken nicht mehr so genau kennen.“
            Die jungen Frauen vermeiden es, KONTRÄR zu dem zu agieren, was FEMINISTINNEN als „weibliche Stärke“ *befunden haben*. Das ist simpel und naheliegend.
            Analog zu der bürgerlichen Frau, der man Verantwortung für das eigene Handeln abspricht, wird dem BÜRGERLICHEN FEMINISMUS die Verantwortung für diesen Zustand ebenfalls nicht übereignet.
            Es sind „diffuse Mächte“, die dafür sorgen, dass „Frauen ihre eigenen Stärken nicht mehr so genau kennen“.
            Weil man sie um die Kenntnis ihrer wahren Stärke *betrogen* hat.
            Weil man ihnen suggeriert hat, sie müssten sich gar nicht so sehr anstrengen, sondern da sei jemand, der ihnen im Zweifelsfall zur Seite stehen würde ein Niveau zu erreichen, für das sie im Zweifelsfall nichts Adäquates tun müssten, um es *nominal* (aber nicht wirklich) zu erreichen.
            Natürlich kennen diese Frauen ihre eigenen Stärken nicht – Mami+Papi/Feminismus/Staat sind doch immer für sie da (gewesen)!

            Sie messen in der Studie im Grunde das Produkt ihrer eigenen Schande.
            Aber natürlich fällt das niemand der Beteiligten auf.
            Dieses Gesindel wird bis zum Schluss, bis zum bitteren Ende die Verantwortung für die eigenen Untaten einer mystischen Entität anlasten.
            Darauf verwette ich jeden Betrag.

          • „Männer halten sich für schlauer als gleich schlaue Frauen“

            Es wird wirklich alles unternommen um Frauen als Opfer darzustellen.

          • Mir kommt die ganze Angelegenheit vor, wie bei „Der Fischer und siine Fru“. Wir sind kurz vor „Ich will Papst werden“.

          • Crumar,

            da stellt sich aber schon die Frage nach dem tatsächlichen Einfluss und der Wirkmächtigkeit feministischer Agitprop. Inwieweit wird dies überhaupt von den Mädchen/jungen Frauen rezipiert? Zumal dieser Agitprop ja – wie Du an dem Beispiel darlegst – ein ziemlich widersprüchliches Konglomerat an Emo-Triggern.

            Und ihm steht ein mächtiger Alltagssexismus gegenüber, der im Rahmen des Konsumismus eine kultische Verehrung der Körperlichkeit der jungen Idealfrau betreibt.

            Wirklich erfolgreich (und auch da nicht überzeugend) ist doch nur der sex-hysterische Propaganda-Teil der Feministas. Aufschrei, meetoo und daraus dann sex&crime Stories destilliert, welche die Penetrationsangst der Frau triggern. Und eher verzweifelt-hilflos auf Männer eindreschen in dem vergeblichen Versuch die eigenen Minderwertigkeitskomplexe und die eigene innere Zerissenheit loszuwerden.

            Mehr ist nicht drin. Gerade auch in DE sind alte Rollenmuster extrem wirkmächtig und die scheinbare Passivität der Frau (In Wirklichkeit: schickt andere vor um ihre Ziele zu erreichen) noch ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern.

            OK, der Oberschichten-Feminismus hat die Quoten-Nummer im Programm und da auch den einen oder anderen Erfolg mit.

            Aber für den Rest bleibt doch nur ein getwittertes „Iihh, ein doofer Mann hat mir heute in der U-Bahn in den Ausschnitt geschaut, Aufschrei“

          • @Peter

            „da stellt sich aber schon die Frage nach dem tatsächlichen Einfluss und der Wirkmächtigkeit feministischer Agitprop. Inwieweit wird dies überhaupt von den Mädchen/jungen Frauen rezipiert?“

            Lass uns schauen, wie dieses Denken via Medien in den Alltag von Jungs und Mädchen hereingetragen wird. Überschrift: „Mädchen fehlt Vertrauen in Mathetalent
            Die Leistungen von Mädchen und Jungen im Mathematikunterricht entwickeln sich schon in der Grundschule auseinander.“

            Weiter: „Bis zur dritten Klasse sind Mädchen an deutschen Schulen noch ebenso interessiert an den Rechenaufgaben und ähnlich leistungsstark wie Jungen. Doch ab der vierten Klasse bleiben die Mädchen im Schnitt auf einem mittleren Niveau und zeigen nur selten Spitzenleistungen, während es weitaus mehr Jungen in die Spitzengruppe schaffen.“

            Das skizzierte Problem ist das mangelnde Interesse von Mädchen, aber nicht *irgendein* Interesse und Problem, sondern ein solches, welches verhindert, dass Mädchen es in die *Spitzengruppe* schaffen.
            Das steht da nicht zufällig.
            Wie ist denn der aktuelle Stand? „Durch Bildungsstudien empirisch belegt (!!!) sei, dass Lehrkräfte Mädchen im Mathematikunterricht besser (!!!) benoten als Jungen. Dabei bewerteten sie bewusst (!!!) nicht nur die Testleistungen und das Talent, sondern auch die Einstellung zum Unterricht und die soziale Kompetenz der Jugendlichen.“

            Was natürlich falsch herum formuliert ist, denn die sexistische *Wahrnehmung* der Jungen in Bezug auf die „Einstellung zum Unterricht und die soziale Kompetenz“ RECHTFERTIGT „Mädchen im Mathematikunterricht besser benoten als Jungen“, OBWOHL die „Testleistungen und das Talent“ nicht dafür sprechen.

            Der Artikel fährt nun fort: „Doch dieser scheinbare Vorteil gelange den Mädchen offenbar zu Nachteil:“
            Wir sinnieren hier für zwei Sekunden, ob „bewusst besser benotet“ nur ein „scheinbarer Vorteil“ sein kann. Und befinden: Nope, es ist ein objektiver Vorteil.

            Jetzt kommt die feministische Volte (bitte anschnallen):
            „Wenn sie vermuteten, dass eine gute Note eher auf die Sympathien des Lehrers oder eigenen Fleiß zurückzuführen sei, würden sie der Benotung misstrauen.“
            Was nach den vorhergehenden Ausführungen gerechtfertigt ist, da es keine Benotung für “ fachliche Kompetenz“, sondern für „Einstellung zum Unterricht und soziale Kompetenz“ ist.

            „Mechtenberg nimmt an, dass dadurch vor allem die mathematisch besonders begabten Mädchen „als Verliererinnen dastehen“. Denn auch sie würden ihre guten Noten, die sie zu Recht erhalten haben, abwerten und an ihrem Talent zweifeln.“

            Merke: Auch wenn Mädchen „bewusst besser benotet“ werden, handelt es sich um einen Prozess, in dem Mädchen letztlich als „als Verliererinnen dastehen“.
            Lerne: Auch Bevorzugung ist Benachteiligung.
            Zumindest wenn es sich um das *richtige Geschlecht* handelt.

            Sie ignoriert, dass dies den „besonders begabten Mädchen“ zwangsläufig schaden MUSS. Wenn „Lehrkräfte Mädchen (nämlich ALLE Mädchen) im Mathematikunterricht besser benoten als Jungen“, ist der *Kollateralschaden*, dass „gute Noten, die sie zu Recht erhalten haben“ ebenso fragwürdig sind, wie *alle anderen Noten*, die auf der Basis des Geschlechts und *nicht* der Leistung verteilt worden sind.

            Ihr Schluss: „Folglich brächten sie weniger Spitzenleistungen als begabte Jungen mit guten Noten.“ hat den Haken zu verschweigen, der Prozess *basiert* auf der *offenen DISKRIMINIERUNG* von JUNGEN.
            Die Mädchen haben weniger Selbstvertrauen in ihre Leistungen, weil die schulischen Benotungen nicht auf ihrer individuellen schulischen Leistung basieren, sondern einzig auf ihrem Geschlecht.
            Wer hat denn „Geschlecht“ in der Schule zum Thema gemacht?
            In welcher Ideologie ist es notwendig, dass sich definitiv mehr Mädchen in der „Spitzengruppe“ befinden müssen?
            Wer hat entscheiden, dass man notfalls für den höheren weiblichen Anteil in dieser „Spitzengruppe“ ein wenig in Sachen Benotung nachhelfen müsse?
            Sie bejammern die Folgen *ihrer eigenen Ideologie*, sind natürlich für die Folgen nicht verantwortlich und die Mitleidslenkung in Sachen Mädchen ist der perfide Versuch, die Diskriminierung der Jungen zu verleugnen.

            Nun zu dem Artikel: https://www.tagesspiegel.de/wissen/grundschule-maedchen-fehlt-vertrauen-in-mathetalent/1916400.html
            Er erschien am 2.9.2010.
            Adrian hat einmal sinngemäß gesagt, der Grad an Jungen- und Männerfeindlichkeit zeige sich daran, wie OFFEN man ihn in den Medien thematisieren kann.
            Wie wahr, wie wahr.

          • Crumar,

            die Frage war ja, inwieweit solche Jammerartikel wie der von Dir verlinkte überhaupt von Mädchen/jungen Frauen wahrgenommen wird. Oder ob nicht anderer massenmedialer Content (Beauty&Gossip) alle Aufmerksamkeit bindet.

            Auch stellt sich die Frage, inwiefern der pauschale Notenbonus für Mädchen aufgrund ihrer Funktion als soziales Schmiermittel die Jungs benachteiligt. Sicherlich ist es objektiv betrachtet schlicht unfair gegenüber den Jungs. Aber sind beide Gruppen (Jungs/Mädchen) in dieser Entwicklungsphase (9-15 Jahre) überhaupt kompetitiv zueinander? Oder sorgt nicht die Segregation dafür, dass hier eh zwei Lebenswelten nebeneinander sitzen und nur untereinander konkurriert wird?

            Allerdings kann eine solche pauschale „Besserbenotung“ tatsächlich den gleichen Effekt haben wie eine pauschale Schlechterbenotung: Die Entwertung der eigentlichen Leistung. Hier kommt es wohl auf die Skalierung an. Wenn – als übertriebenes Beispiel formuliert – alle Mädchen in Mathe immer eine 1-2 bekommen, nur weil sie Mädchen sind, dann sind tatsächlich die wirklich begabten Mädchen die gekniffenen, weil sie aus ihrer Begabung kein positives Feedback bekommen und diese daher dann auch nicht weiterentwickeln.

            Hier ist allerdings auch die prinzipiell leistungshemmende, nivellierende Konsens- und Harmoniesucht der Mädchen ein Faktor, der mit der Pubertät noch wichtiger wird. Während die Jungs dann erst richtig aufdrehen, sich individualisieren und spezialisieren, hängen die Mädchen im Krabbenkorb fest und konkurrieren mehr auf „Wer hat die schönste Maniküre“.

            Da helfen dann aber auch keine augenzwinkernden Besserbenotungen dagegen…

          • @ Peter Müller

            „Auch stellt sich die Frage, inwiefern der pauschale Notenbonus für Mädchen aufgrund ihrer Funktion als soziales Schmiermittel die Jungs benachteiligt.“

            Du hast es doch bei Arne im Blog gelesen: Der Grund dafür, daß z. B. im Gesundheitssystem oder im Rechtssystem immer weniger Männer arbeiten (als Ärzte, Richter usw.) ist der bessere Notendurchschnitt von weiblichen Abiturienten, wobei die Frauen in diesen Systemen auf eine angemessene Life-work-Balance achten.

            Und wie steht es mit der Empfehlung zum Gymnasium, wenn Jungs In Schule systematisch schlechter benotet werden?

          • Jochen,

            ob das der Grund ist, zumal die Abiturnote nur eines von mehreren Zulassungskriterien ist, ist fraglich. Die Diskussionen sind da schon etwas komplexer, z.B:

            https://www.aerzteblatt.de/archiv/59406/Arztberuf-Die-Medizin-wird-weiblich

            Zum zweiten Punkt: Diese Empfehlungen sollten idealerweise immer auf den konkreten Menschen bezogen und begründet sein und nicht in einer Einordnung einer notengestützten Klassenhierarchie. Mag in der Praxis anders sein, aber die Empfehlungen sind ja nicht (mehr) verbindlich, daher obliegt es den Eltern. Und auch hier bezweifle ich, ob diese nach dem Motto „Mein Sohn hat schlechtere Noten als die Nachbarstochter, also hat sie das Gymnasium verdient und er muss auf die Realschule“ agieren. 😉

  5. Wie ging der Spruch noch mal?

    Die postmoderne Linke kämpft gegen Rassismus, Sexismus, und Ageism, außer du bist ein alter, weißer, heterosexueller Mann. Dann halt die Fresse!

    • Ich habe meine Grundschulzeit im Schleswig-Holstein der späten 60er Jahre absolviert, einer piefig konservativen Ständegesellschaft, im Denken im 19. Jahrhundert steckengeblieben. Die Grundschule hatte in erster Linie die Aufgabe, die 3-Klassengesellschaft aufrecht zu halten. Kinder von Arbeitern sollten Arbeiter werden, Kinder von Unternehmern und Akademikern Unternehmer und Akademiker. Die Leistung der Schüler war weitgehend irrelevant, dafür drakonische Strafen zum Brechen des eigenen Willens an der Tagesordnung.
      Dann kam ich Ende ´69 ins SPD-regierte Hamburg – und erlebte förmlich einen Kulturschock.
      Lehr- und Lernmittelfreiheit, moderne Lehrmethoden, freundliche Lehrer, die sich auch der schwachen Schüler annahmen und diese motivierten, statt sie auszuselektieren …

      Damals hatte die SPD eine eigene Vorstellung von „sozial“ und eine Vision, die sie umsetzte.
      Heute überholt nicht selten dieselbe Partei die CDU rechts.

  6. Die Linke hat sich nicht fundamental geändert. Ihr Kernanliegen ist immer der Kampf gegen die kapitalistisch-liberale Ordnung, welche sich in der westlichen Welt manifestiert.
    Das erklärt auch den vorgeblichen Wandel linker Werte.
    Wenn damals der bürgerliche Alois geschockt war, weil Titten zu sehen waren, musste die Linke dafür sein. Heute ist bürgerliche Alois besorgt wegen dem Islam, also ist die Linke pro Islam.
    Der Westen hat Rassismus und den Sexismus weitgehend überwunden, ergo macht die Linke die Rassenlehre wieder hoffähig und spielt die Geschlechterkarte.

    • „Heute ist bürgerliche Alois besorgt wegen dem Islam, also ist die Linke pro Islam.“

      Ich glaube Linke finden den Islam eher deswegen so toll, weil er antiwestlich ist. Das reicht aus, dass es bei Linken ungemütlich eng in ihrer Hose wird.

    • @Adrian
      „Wenn damals der bürgerliche Alois geschockt war, weil Titten zu sehen waren, musste die Linke dafür sein. Heute ist bürgerliche Alois besorgt wegen dem Islam, also ist die Linke pro Islam.“

      Ich bin eigentlich sehr enttäuscht über die Einsicht, dass es diesen Leute zum grossen Teil wohl nie um Meinungsfreiheit und Freizügigkeit ging, sondern immer nur darum, das „System“ zu bekämpfen, egal wie, durch Fordern von Freizügigkeit oder – jetzt – Einschränken von Freizügigkeit.

      Und genau aus dem Grund sollte man auch besonders giftig gegen diese Heuchler vorgehen, die jetzt – in Griffweite zur Macht angekommen – allenthalben Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit wollen.

      • „in Griffweite zur Macht angekommen“ ??
        Sie sind an der Macht – seit Jahrzehnten bereits.Linke sitzen seit Jahrzehnten (mit) in Regierungsverantwortung
        Sie sind bestenfalls nicht ALLEIN an der Macht – wir haben keinen reinrassig sozialistischen Staat (mehr … der östliche Teil Deutschlands hatte ja einen).
        Und haben dabei vieles durchgesetzt.
        Und weil man grundsätzlich immer noch gegen „das System“ ist und zu sein hat, auch wenn man das selbst mitgebaut hat, dann bekämpft man eben das, was die frühere Generation der linken so erreicht hat.

        • „Sie sind bestenfalls nicht ALLEIN an der Macht“

          Eben, deshalb das mit dem „in Griffweite“, das sollte natürlich eine Anspielung auf „Machtergreifung“ sein.
          Es ist aber garantiert nicht so, dass jetzt alle irgendwie Linken ein undemokratisches System wollten, die meisten werden eine solche Gefahr nicht mal erwarten.

    • Einen Tacken undankbar bist du aber auch, lieber Adrian.

      In der guten alten Zeit der „sexuellen Revolution“ und der linken Emanzipationsbewegung gehörten Schwulen- und Lesbenrechte zum linken Kanon, die übrigens den „bürgerlichen Alois“ ebenfalls geschockt haben.
      Der Linken vorzuwerfen, sie wären primär „gegen das System“ oder den „Wertewesten“ ist eine wohlfeile Idee, sie waren nämlich explizit FÜR eine menschliche Gesellschaft zu der auch die FREIHEIT gehörte, zu lieben oder Sex zu haben, mit wem auch immer.

      Wenn Carnofis hier schreibt: „Ich habe meine Grundschulzeit im Schleswig-Holstein der späten 60er Jahre absolviert, einer piefig konservativen Ständegesellschaft, im Denken im 19. Jahrhundert steckengeblieben. (…) Die Leistung der Schüler war weitgehend irrelevant, dafür drakonische Strafen zum Brechen des eigenen Willens an der Tagesordnung.“

      Dann sollte klar werden, mit welchen Mitteln in dieser Zeit welche Ziele erreicht werden sollten, die völlig legitim erschienen. So sah sie aus, die „kapitalistisch-liberale Ordnung“, die du so schön verteidigst, als wäre sie jemals zeitlos gewesen.
      Dagegen zu rebellieren war und ist – aus einer menschlichen Perspektive – zutiefst GERECHTFERTIGT.

      Dass „so jemand“, wie Westerwelle und Wowereit etwas in Parteien werden konnte und gewählt worden ist, lag auch an den liberalen (!!!!!!!!) Vorstellungen, die LINKE in die deutsche Gesellschaft hereingetragen haben. Es gibt „den Westen“ übrigens nicht – oder du zeigst mir die schwulen und lesbischen Politiker in den USA, Norwegen und Italien, die identische Karrieren machen konnten.
      Auch „Der Westen hat Rassismus und den Sexismus weitgehend überwunden, ergo macht die Linke die Rassenlehre wieder hoffähig“ ist Quatsch.
      Die saublöde Minderheitenpolitik der USA *basiert* auf einer noch viel idiotischeren „Rassenlehre“ und die ist bipartisan.

      • „So sah sie aus, die „kapitalistisch-liberale Ordnung“, die du so schön verteidigst, als wäre sie jemals zeitlos gewesen.“

        Von dem Mief der Vergangenheit ist diese Ordnung aber nicht abhängig gewesen, die Gegenwart ist ja nun völlig verschieden und die Ordnung ist die gleiche geblieben…
        Und ebenso „zeitlos“ sind diejenigen, die gegen diese Ordnung kämpfen, einmal mit Freiheit, dann mit Unfreiheit. Ist dieser Punkt so schwer zu verstehen?
        Mit anderen Worten: Hochimin und sexuelle Freiheit gingen nie zusammen und letzteres war nie ernst gemeint, die „sexuelle Revolution“ war nur Vorwand und als sie mit AIDS zurückgerollt wurde, krähte auch kein Hahn nach, weil man als Kommie ohnehin immer verklemmt war.

  7. Letztlich hat sich die linke Seite nur ausspielen können. Sowohl links als auch rechts geht es um eine Veränderung des Menschen nach ihrem Sinn, die Verwandlung des Menschen in eine Drohe die ihrem Idealbild entspricht. Während die Rechten den Menschen als einem im Gleichschritt marschierenden Soldaten sehen der arbeitet, Kinder zeugt und die Fresse hält, sehen die Linken den Menschen als ein Niemand, ein Wesen, dass seien eigene Existenz verleugnet und sich darüber noch freut. Als jemand der für das Kollektiv mit einem Lächeln auf dem Gesicht stirbt wenn sie es wollen.
    Insofern sehe ich beide Seiten als gefährlich an. Die Linke hatte aber bisher diesen moralischen Überlegenheitsanspruch der ihnen die schlimmen Taten verzieh. RAF – nicht so schlimm, war ja für die gute Sache. Pol Pot – Einer der es ein kleines bisschen übertrieben hat. Stalin – ein Unfall, nicht mehr.

    Das was mich allerdings an dieser Sache stört, ist dass nun wieder die Rechten aus dem Loch gekrochen kommen und meinen, dass SIE ja jetzt die Lösung hätten und viel besser wären Dabei unterscheiden sich beide Ideologien eigentlich kaum, wenn man ganz tief gräbt. Beide glauben für eine gute Sache zu kämpfen, sowohl Rechte als auch Linke halten sich für die moralisch Überlegenen und glauben, dass sie deshalb Methoden einsetzen können welche grausam und unmenschlich sind.

    Vielleicht sollte man einfach mal aufhören Moral als Rechtfertigung zu betrachten sondern nur noch die Methoden zu bewerten. Dann würden aber außer Rechts, Links und Religion auch fast alle anderen Ideologien schlecht abschneiden und das will keiner der einer solchen Ideologie anhängt.
    Trotzdem – letztlich sollten es die Taten sein welche die dahinterliegende Idee beurteilen und nicht die Idee welche die Taten rechtfertigt.

    • Während die Rechten den Menschen als einem im Gleichschritt marschierenden Soldaten sehen der arbeitet, Kinder zeugt und die Fresse hält, sehen die Linken den Menschen als ein Niemand, ein Wesen, dass seien eigene Existenz verleugnet und sich darüber noch freut. Als jemand der für das Kollektiv mit einem Lächeln auf dem Gesicht stirbt wenn sie es wollen.
      Hmm? Ich sehe da keine Unterschiede – das ist 2x Kollektivismus. Und „jemand, der für das Kollektiv mit einem Lächeln auf dem Gesicht stirbt“ bezeichnet man auch als Soldaten.

      • “ Ich sehe da keine Unterschiede – das ist 2x Kollektivismus.“

        Ich hatte schon als Pubertierender die Vorstellung, dass die extremen Rechten im Parlament schräg hinter der Regierungsbank sitzen müssten und die extremen Linken auch. Hinter der Regierungsbank treffen die beiden Gruppierungen dann zusammen – und siehe da – man kann sie an der Nahtstelle nicht unterscheiden.
        Deshalb gelingt ja auch so leicht der Übergang von der einen zur anderen Seite.
        Horst Mahler z.B. vertrat als Anwalt mal die RAF-Terroristen und wechselte dann ins rechte Lager, als ihm die Linke wohl nicht mehr radikal genug war.

  8. Die klassische Linke vertrat die Prinzipien der französischen Revolution und der Aufklärung: Freiheit, Solidarität, Rationalität, Individualismus und Säkularismus. Sie ging von einem vertikalen Modell der ökonomischen Klassen aus. Die moderne Pseudo-Linke (regressive Linke) hat diese Prinzipien durch ein horizontales Modell der Identitäten: Geschlecht, Rasse, Religion und Gruppenzugehörigkeit ersetzt. Theoretisch vertritt sie also Positionen die alles andere als klassisch links sind. Von einer proletarischen oder nur sozialdemokratischen Bewegung hat sie sich zu einer bürgerlich elitären Bewegung gewandelt. Übernommen hat sie von der klassischen Linken lediglich Formen der Agitation und Propaganda (Agitprop). Deshalb glauben die Pseudolinken sie seien „links“. Tatsächlich gibt es derzeit keine linke Bewegung in Deutschland sondern nur postmoderne Sozialkonstruktivisten, die die Gesellschaft mit totalitären und autoritären Mitteln nach ihren Vorstellungen von „Fortschritt“ verändern wollen. Letztlich eine religiöse Sekte, die sich da Etikett „links“ und „Fortschritt“ aufgeklebt hat. Politische Betrüger!

  9. Es ist natürlich zugespitzt und wie auch beim Thema Feminismus sehe ich ein Label nicht zweingend als verloren an, nur weil es gerade von Unsympathen am lautesten besetzt wird, aber im Kern hat er da recht.
    Adrian hat es mal recht gut ausgedrückt, als er sagte, dass die heutige Linke nicht mehr das Proletariat, sondern eine neue Aristokratie ist. Das deckt sich leider mit meinen Beobachtungen: Der „linke Blick“ ist inzwischen voller Verachtung für den niedrigen Pöbel, der – weil er etwa im Straßenbau, bei der Müllabfuhr oder an der Supermarktkasse arbeitet – nicht firm in den aktuellsten Denkgespinsten darüber ist, dass Rassismus eigentlich was ganz anderes ist, als die eigentliche Definition. Zum eigenen besten des dummen Volks sollte man dem entsprechend das Wort verbieten, auf dass ihre woke Intellektuellenclique für sie das Denken und Sprechen übernehme. Daher auch gern ein paar Zensurgesetze, bzw. Antif-Fäuste in die Fresse. – Das sind nicht die Vertreter der Arbeiterschaft und kleinen Leute, das sind tatsächlich die Nachkommen der früheren Adeligen von Gottes Gnade.

    Ich habe mich lange Zeit als links gesehen, inzwischen scheint die Bezeichnung aber zunehmend Dinge zu bezeichnen, mit denen ich mich nicht gemein machen kann und will. Nein, das Buch Genesis ersetzt nicht die Naturkunde, aber das Märchen von der Rape Culture tut es auch nicht. Ich finde mich auf der Rechten auch nicht wieder, meine Positionen finde ich wild über das ganze Feld versprengt, aber in keinem Lager mehr geballt.
    Mittlerweile scheint mir die Rechts-Links-Aufteilung relativ unwichtig geworden. Repressiv-Liberal scheint mir noch die am ehesten greifende Bezeichnung für die Fronten. Ob jemand fremdes Denken verbieten will, weil er es als gottlos, unpatriotisch oder mikroaggressiv sieht, macht für mich keinen Unterschied. Ob er Schwarze benachteiligen will, weil er sie nicht als Menschen sieht, oder Weiße, weil er in ihnen eine kolonialistische Erbsünde sieht, macht für mich keinen Unterschied. Das Gruppendenken steht dem Fortschritt absolut im Wege und nur Liberalität und Toleranz (eben auch gegen das, was man nicht mag) können uns voran bringen.

    Fuck… da schreibe ich hier ewig nichts und nun wird es gleich das Wort zum Sonntag, obwohl ich mich doch mit dem ersten Satz schon zum Thema selbst geäußert hatte. 😉

    • „Fuck… da schreibe ich hier ewig nichts und nun wird es gleich das Wort zum Sonntag, obwohl ich mich doch mit dem ersten Satz schon zum Thema selbst geäußert hatte.“

      Na immerhin hast Du mir damit den – fast – selben Text erspart 😉

      Mit dem Unterschied, dass ich – etwas bockig – auf meiner Einordnung als grünen Fundi beharre, einem Lager, das bei den Grünen weitgehend verwaist zu sein scheint.
      Meine Grundwerte sind heute noch dieselben, wie in den späten 70ern: Umweltschutz, Frieden, Menschenrechte.

    • Eine Anmerkung sei gestattet: Der Säulenheilige der Linken – Karl Marx – war auch kein Fan des Pöbels. Für das „Lumpenproletariat“ hatte er auch nur Verauchtung übrig. Weil er diese Menschen als nicht zu organisiertem Handeln befähigt betrachtete. Heute ist der Pöbel allerdings auch der Handwerker, der sich nicht für Gendersternchen interessiert oder der Fabrikarbeiter, der in seiner Freizeit nicht seine Privilegien checken will, um dann reuig für eine höhere Opfergruppe zu kämpfen. So gesehen wurde die ursprüngliche Verachtung auf Teile der einstigen Kernklientel ausgedehnt, das ist richtig.

  10. Da Don Alphonso direkt das Jahr 1992 als Bezugsrahmen nennt möchte ich aus eigener Erfahrung etwas widersprechen.

    Ich habe 1991 zu studieren angefangen, fühlte mich in meiner jugendlichen Naivität natürlich links, und habe mich enthusiatisch in diversen Gruppen engagiert, u.a. AstA und in einer ökologischen Gruppe. Was dort abging war nicht sonderlich anders als der SJW-Wahnsinn heutzutage. Hat mich sehr zuverlässig kuriert.

    Der AstA war schon damals komplett feministisch durchkrebst. Insbesondere wurde Louise Pusch (das war die, die vor ein paar Jahren mit einem unterirdischen Artikel in der EMMA zum Flugzeugabsturz in den Alpen aufgefallen ist) als unfehlbare Schutzheilige verehrt, und ‚geschlechtergerechte‘ Sprache wurde versucht brutal durchzudrücken. Schaut mal in das zentrale Werk der Pusch rein, „Deutsch als Männersprache“, geschrieben in den 1980ern. Reinster feministischer Hatespeech, könnte problemlos heutzutage von einer der Netzfeministinnen kommen. Wer den Fehler gemacht hat ‚man‘ in einem Satz zu sagen wurde wie ein kleiner Schuljunge zurechtgewiesen und lächerlich gemacht.

    Ein Professor hatte zu diesem Sprachwahnsinn mal eine ironische (und objektiv harmlose) Bemerkung fallen lassen, worauf der AstA was losgetreten hatte was man heute als Shitstorm bezeichnet; das ging bis hin zu einer nur leicht verschleierten Morddrohung. Hat sich zu einem größeren Skandal entwickelt. Die AstA-Typen haben mit Schaum vorm Mund gefordert daß dieser Professor sofort entlassen werden müsse weil er mit seiner Bemerkung ‚Gefühle verletzt und die alltägliche Unterdrückungserfahrungen von Frauen ins lächerliche gezogen‘ hätte, und hatten ihre Verleumdungskampagne unbelehrbar fortgesetzt. Es war erst dann Schluss als rechtliche Schritte angedroht wurden.

    Das war nur ein Bruchteil, würde ich alles berichten was damals passiert ist würde ich den Rahmen dieses Blogs komplett sprengen.

    Das war eben auch ‚1991-links‘. Der Unterschied zu heute ist schlicht daß mit dem Internet dieser Wahnsinn viel größere und schnellere Verbreitungsmöglichkeiten findet, und daß diese Typen sich immer mehr an wichtigen Schaltstellen der Gesellschaft eingenistet haben (Susanne Baer als Beispiel). Die AstA-Typen waren schon damals die Art von Mensch die normale Menschen hassen weil sie selbst mit ihrem Leben nicht zurechtkommen.

    Niemals vergessen: „Links“ war neben dem was der Don schreibt eben auch schon immer: Stalinsche Säuberungen; Ostblock-Gesinnungsdiktatur; RAF-Terror; linke Splittergruppen die sich gegenseitig spinnefeind sind; Alice Schwarzer die in einer Fernsehdiskussion mit Esther Vilar vollkommen austickt und Esther Vilar kurze Zeit später das Land verlassen hatte nachdem sie von fanatischen Feministinnen verprügelt wurde.

    • Ja, danke, das trifft voll. Der Don schwelgt hier wirklich nur in seiner heimeligen Vorstellung von „früher war alles besser“. Vielleicht ist er ja nur ironisch drüber, absurd genug ist seine Äusserung.

      • An den Rändern war das in der Linken (und das ist wohl der AStA) auch damals so, aber nicht im Mainstream der Linken wie heute, der damals näher am Don war. Das ist m.E. der Unterschied, wo auch der Don recht hat. Aber es haben eben auch die Leute nicht recht, die SJW für total neu halten.

    • Guter Hinweis! Und auch ein Grund dieses Schwarz-Weiß-Denken abzulehnen. Es geht doch häufig um den Aufbau von Feindbildern. Ob wir hier von Juden, Schwarzen, Rechten oder was auch immer reden: Die gegnerische Gruppe wird komplett entmenschlicht. Lebensunwertes Leben. Und jeder der das macht ist faschistoid, ganz egal ob er eine braune oder eine rosa Uniform anhat. Leider überfordert dies gefühlte 80% der Bevölkerung. Selbst die gymnasiale Oberstufe schafft es nicht zu diesem Schluss zu kommen sondern trichtert den Leuten nur starr ein: Böses sind die in den braunen Uniformen.

      • „auch ein Grund dieses Schwarz-Weiß-Denken abzulehnen“

        Na schön, dass du so differenziert sein kannst auch in Braun zu denken 😀

    • Alles vollkommen richtig. Man sollte nur aufpassen, dass man mit diesen Aussagen nicht andere Bauernfänger anlockt. Rechte, Religiöse oder Marktradikale sind auch nicht besser. Letztlich kannst du jede Idee pervertieren. Auch die Religösen hatten lange Zeit einen Nimbus der moralischen Überlegenheit und waren letztlich genau das Gegenteil von dem was sie propagierten. Man muss ihnen diese moralische Überlegenheit absprechen, dieses so Tugendhafte was sie für sich beanspruchen als Populismus entlarven.

  11. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks lag das Etikett „Links“ halt nutzlos herum und wurde im folgenden dann von allerlei Spinnern in Anspruch genommen.

    Oder diesen aktiv angehängt. Die Marke „Links“ ist auf jeden Fall gründlich verbrannt. Falls die vorgebliche Thematik des früheren „Links“ mal wieder aktuell werden sollte, müssten sich die Akteure einen neuen Etiketten-Namen überlegen 😉

    • Jeder rechnete zurecht damit, dass dieses linksextreme, vom Kommunismus her kommende, Denken verschwinden würde. Das Gegenteil aber trat ein, dieses Denken wurde – wohl eher noch *wegen* des Wegfalls des Kommunismus – gesellschaftsfähig und beherrscht mittlerweile die öffentliche Meinung.

      Es würde doch niemanden mehr kratzen, wenn Angela Merkel zB den „Kapitalismus“ als „problematisch“ bezeichnen würde. Noch viel schlimmer scheint es in Frankreich zu sein.

      Dieses „Linke“ hat sich still und heimlich als praktisches Instrument für eine moderne Politik etabliert, die damit so richtig schön elitär und von oben herab sein kann und gleichzeitig so scheint als sei sie universell und hätte die Gleichheit der Menschen im Blick (wie @crumar schreibt).

  12. Links hatte früher schwarze Ränder unter den Fingernägeln und roch nach Schweiß und Feierabendbier, das in der verrauchten Kneipe oder zuhause vor der Glotze gekippt wurde.

    Die heutige Linke schwitzt nur noch auf dem Laufband, lässt sich die Fingernägel im Nailstudio maniküren und trifft sich erschöpft vom Nichtstun zum Prosecco in der hippsten Bar des Ortes.

    • Vor einigen Jahrzehnten noch war die SPD durch die Arbeiterschaft geprägt. Es ist so, wie es Carnofis andeutet, ein völlig anderes Milieu, aus dem sich heute die aktiven Parteimitglieder rekrutieren. Das färbt selbstverständlich ab.
      Zwar ist der klassische Industriearbeiter, der das Rückgrat der SPD bildete, nicht mehr in so grosser Zahl vorhanden, aber Angestellte in prekären Anstellungsverhältnissen könnten diese Lücke problemlos füllen, wenn sie sich denn mit der SPD identifizieren könnten. Das können sie aber nicht, weil die SPD mit ihrer Politik für die Bonzen mittlerweile jede Glaubwürdigkeit verloren hat. Und dann kommt der Apparatschik Schulz daher und labert von „sozialer Gerechtigkeit“, grad so, als sei er auf dem Jesuslatschentrip angelangt. Glaubt doch kein Mensch mehr, den Mist.

  13. Ich fand den Artikel von Don gut, greift er doch ein Alltagsphänomen auf: Leute die früher grün gewählt haben, wählen nun AFD. Allein, er vergiss etwas wie vielschichtig die Sache ist und wie viele Einflussgrößen es gibt:
    1. Das Alter und die persönliche Lebenssituation
    Der 20 Jahre alte Marcio, der im subventionierten Wohnheim wohnte und sich das Studium zu 80% von den Eltern, zu 10% vom Bafög und zu 10% von schwarz bezahlten Nachhilfestunden finanzierte, der wäre auch ein ganz, ganz großer Fan des bedingungslosen Grundeinkommens gewesen.
    2. Die Filterblase in der man sich befindet
    Ich komme wie der Don aus Bayern und da ist die Gesellschaft politisch schon sehr homogen. Das nimmt man nur als Bayer halt nicht war. Aber selbst die SPDler bei uns, wären wo anders eher CSUler. Schon `92 gab es hier kaum Linke der Marke Berliner Punk oder der Marke Genosse aus dem Ruhrpott. Und entgegen der Stereotype gibt es hier auch keine wirklichen Rechten der Marke Cottbus. Es klumpt sich alles schön brav mitte-rechts zusammen. Und dann gilt man schnell als Hardcore-Linker, selbst wenn man deutschlandweit eher im rechten Flügel der SPD zu veorten wäre. Ich habe mich auch lange Zeit für richtig krass links betrachtet, war rückwirkend betrachtet aber immer nur ökologisch interessiert plus maximal leicht links angehaucht.

  14. Passend dazu ein Kommentar vom Chefredakteur Johannes Richardt von Novo-Argumente:
    „Bin ich noch links?, fragt Johannes Richardt: Na klar, findet er. Aber die meisten selbsternannten „Linken“ sind es nicht. Und liberal bin ich auch!
    1998, als Rot-Grün die Bundestagswahl gewann, war ich 17 und freute mich sehr über den Wahlsieg. Solange ich denken konnte, war immer Helmut Kohl an der Macht gewesen. Endlich war er weg! Leider durfte ich noch nicht wählen, aber wenn ich gedurft hätte, hätte ich der SPD meine Stimme gegeben. Beim internen Wettbewerb zwischen Schröder und Lafontaine für die Kanzlerkandidatur hatte ich letzterem die Daumen gedrückt. Ich fühlte mich irgendwie „links“ – war für Gerechtigkeit und gegen Krieg. Dann kam das Jahr 1999 mit Lafontaines Rücktritt und vor allem dem Kosovokrieg. Beides empörte mich. Mein Denken wurde radikaler.

    So besorgte ich mir erstmals ein Schüler-Abo der taz, fing an, mich ziemlich wahllos mit linker Theorie zu beschäftigen und trat letztlich in die PDS ein – für das ländliche Nordhessen, wo ich aufwuchs, eine ziemlich außergewöhnliche politische Geste. Naomi Kleins Ratschlag aus dem globalisierungskritischen Megaseller No Logo! Folgend, entfernte ich als Zeichen meiner Konsumkritik sämtliche Markenetiketten aus meiner Kleidung. Durch die Lektüre des Schwarzbuch Kapitalismus lernte ich neben sehr vielen neuen Fremdwörtern, die ich geflissentlich in meinem Lexikon nachschlug (Akkumulation, Apologet etc.), dass der Kapitalismus oder besser die gesamte Moderne unter kapitalistischen Vorzeichen eine alles zerstörende Maschine sei und wir unwiederbringlich auf ein große Katastrophe zusteuern. Als einziger Ausweg bliebe nur radikale Systemverweigerung. Diese pessimistische Analyse hinterließ starken Eindruck bei mir, passte sie doch bestens zu meiner damals ohnehin sehr düsteren Grundstimmung.

    War ich wirklich auf der guten Seite?

    Nach dem Zivildienst begann ich im Jahr 2003 ein Studium der Soziologie, Politik und Literatur im „linken“ Marburg. Es war die Zeit der Proteste gegen die vom damaligen hessischen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch geplanten Studiengebühren. In den Seminarräumen, WG-Küchen und Kneipen, auf Demos und Kundgebungen kam ich zum ersten Mal so richtig in Berührung mit der „real existierenden Linken“. Eine gewisse Desillusionierung ließ nicht lange auf sich warten.

    Was war es, das mich damals störte? „Eine andere Welt ist möglich“, hieß es unter Bezugnahme auf den Slogan des ersten Weltsozialforums in Porto Alegre in meiner Marburger Zeit oft. Zweifelsohne. Nur wie sollte diese Welt aussehen? Und wie war sie zu erreichen? Bei meiner Suche nach Antworten merkte ich zunehmend, dass meine Ideen von einer besseren Welt mit dem, was die sogenannten Linken, mit denen ich in dieser Zeit in Kontakt kam, nicht zu vereinbaren waren. War ich wirklich auf der richtigen, der guten Seite? Zu weltfremd und dogmatisch erschienen mir die „Diskurse“, zu selbstbezogen der Protest, zu sinnentleert die Parolen und nicht zuletzt – zu wenig überzeugend die Protagonisten.“

    http://blogs.faz.net/whatsleft/2015/05/09/weltfremd-dogmatisch-und-tief-pessimistisch-191/

  15. Don Alphonso hat hier auch nur ausgedrückt, was in ähnlicher Weise recht viele klassische Linksliberale in den letzten Jahren in Blogs und seltener in der Presse zum Ausdruck gebracht haben. Das ist fast schon das Lebensgefühl einer Generation würde ich sagen.

    Möglicherweise gilt das aber nur für eine Generation Westdeutsche? 1992 war die Regierung Schmidt gerade 10 Jahre aus dem Amt, nachdem die ganzen 70er hindurch die SPD regiert hatte und damals auch tatsächlich sinnvolle und funktionierende linke Politik gemacht hatte. Linke Politik hatte Schulen gebaut und mit sozialem Wohnungsbau bezahlbare Wohnungen geschaffen. Linke Politik hatte durch Unterstützung der Gewerkschaften die Reallohnzuwächse und den Wohlstand möglich gemacht, auf den die DDR dann neidisch sein konnte.

  16. Es ist mir in den letzten Jahren (Amtszeit Merkel?) aufgefallen, dass die FAZ bei Facebook mit ihren Artikeln, Reportagen und Kommentaren seeehr nach “ links “ gerutscht ist und viele akademisch-linksliberale Positionen (s. auch Steinbrücks letztes Buch) vertritt.
    Angefangen bei einen armen Pamphlet gegen J.Peterson, starke Promotion für Feminismus bis hin zu doch sehr Flüchtlingspolitik-freundliche beiträge…

  17. Es ist irgendwo eine Entwicklung festzustellen, dass die eher traditionellen europäischen linken Themengebiete eine deutliche Verschiebung in Richtung dessen erfahren, was man vielmehr in Amerika als „links“ versteht. Minderheitenrechte, Anti-Diskriminierung, Leben nach eigenem Gut-Dünken etc..
    Mittlerweile nimmt es selbst ein Amerikaner im Durchschnitt an, dass Rassismus und Sexismus wesentlich bedeutendere Themen dabei sind, welche gesellschaftliche und ökonomische Stellung im Leben eine Person einmal einnehmen wird, obwohl durch Statistiken unterfüttert werden kann, dass immer noch Armut und soziale Herkunft der wesentlich entscheidendere Faktor sind.
    Wie erklärt man sich das?
    Man kann es so formulieren: Wenn Diskurs sich seit Jahrzehnten auf eine bestimmte Richtung fokussiert und es daneben nichts anderes mehr zu hören gibt, dann glaubt die Mehrheit der Bevölkerung – der wesentlich unkritischere Teil – irgendwann daran, was sie zu hören bekommt. Eine einseitige Position wird zur einzigen Wahrheit.
    Man kann sich bei diesem Prozess nicht erwehren, dass nicht auch das Establishment und diejenigen, die die Medienhäuser besitzen (und damit auch die Macht, öffentliche Meinung zu formen), eine Rolle dabei spielen, dass sich das „linke“ Spektrum in Übersee in der Mehrheit von den klassischen linken Themen entfernt hat, weil es, schlicht und ergreifend, genau zu ihrem Vorteil ausfällt.
    Wer hat einen Vorteil daran, dass ökonomische Verhältnisse und Arbeiterrechte aus dem Diskurs verschwinden? Derjenige, der die Arbeiter bezahlt – und insbesondere, wenn er sie an der sehr kurzen Leine hält. Amerika hat auch einen immensen Sozialabbau über die Jahrzehnte erlebt – all das galt es zu rechtfertigen und zu maskieren, damit sich unter der Oberfläche dagegen kein Protest regte.
    Wenn das noch zu den protestierenden sozialen Minderheiten dazugekommen wäre, dann hätte man endgültig den Arsch offen gehabt… Also – Diskurs an sich reißen, die Meinung in eine gewünschte Richtung lenken.
    Und da dieselben Häuser auch heute noch öffentliche Meinung formen, ist es für diese nicht schwer, mit der Zeit, die vergeht, und dem Gras, was über eine Ursprungsbewegung wachsen kann, das Bild einer Sache an sich zu reißen und ein verklärerisches, aber unwahres Bild über eben diese in der Neuzeit zu verbreiten. Wer wird dieses schließlich korrigieren? Wer wird diese öffentliche Aufmerksamkeit erlangen, dass man ihn wahrnimmt und hört?
    Genau mit diesem Faktor bekommt man Geschichte geändert. Und so scheint es auch bei den Minderheitenbewegungen ab einem gewissen individuell variablen Punkt der Fall zu sein.
    Sodass heute nur noch das Bild davon erhalten ist, was man Menschen gern darüber glauben lassen will.
    Da die wenigsten heutigen Für-Streiter über die Geschichte ihrer Bewegung oder Idee etwas wirklich authentisches wissen, auch ihr Wissen darüber vielmehr durch Medienberichte Dritter darüber speisen anstelle von Berichten von ursprünglichen Teilnehmern, geschweige denn auch deren Inspirationen und Einflüsse bekannt sind, dadurch hat man es, dass es so viele zeitgeistige „Quereinsteiger“ gibt, die lediglich das von dieser Idee oder Bewegung weiterpredigen, auch dafür kämpfen, was eben heute nur noch darüber bekannt ist oder sowieso zeitgenössische Ansichten sind, die sich auch jedes Jahr mal wieder ändern können.
    Was kommt dabei im Umkehrschluss heraus? Eigentlich genau das, was man als Bild vorfindet.
    „Links“ bedeutet nicht mehr „jeder soll sein Stück vom Kuchen abkriegen“, sondern „manche Menschen sind gleich, andere sind gleicher“. Obwohl gleichzeitig die klassischen Arbeiterprobleme als Kernthema des früheren linken Spektrums immer noch als „ungelöst“ betrachtet werden müssen, denn Sozialabbau, Abbau von Arbeiterrechten, Armut und jedem zugängliche hochqualitative Bildung ungeachtet der Herkunft sind ja immer noch Gegenstände, die immer wieder ausgefochten werden müssen. (Es hätte wohl möglich keiner etwas dagegen, sich was neues zu suchen, wo Verbesserungen erzielt werden müssen, wenn die früheren Kernthemen einigermaßen bearbeitet und gelöst wären.)

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