Wichtige Figuren in der Game Theory

Es wurden in einem Tweet die folgenden Punkte als mit die wichtigsten  Punkte aus der Spieltheorie aufgeführt, die immer wieder auftauchen. Ich bespreche sie daher hier einfach mal (auch wenn ich einige gar nicht so direkt der Spieltheorie zuordnen würde, aber es kann trotzdem interessant sein, sie zu besprechen)kooper

 1. Prisoner’s Dilemma

Wurde hier schon häufiger diskutiert:

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Beide Gefangene werden in getrennten Räumen verhört und haben keine Möglichkeit, sich zu beraten und ihr Verhalten abzustimmen. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt sechs Jahre. Wenn die Gefangenen sich entscheiden zu schweigen (Kooperation), werden beide wegen kleinerer Delikte zu je zwei Jahren Haft verurteilt. Gestehen jedoch beide die Tat (Defektion), erwartet beide eine Gefängnisstrafe, wegen der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden jedoch nicht die Höchststrafe, sondern lediglich vier Jahre Haft. Gesteht nur einer (Defektion) und der andere schweigt (Kooperation), bekommt der Geständige als Kronzeuge eine symbolische einjährige Bewährungsstrafe, der andere bekommt die Höchststrafe von sechs Jahren Haft.

Am günstigsten ist es also, wenn keiner gesteht. Da beide aber nicht wissen, was der andere macht, riskieren sie damit auch die ungünstigste Variante. Der andere gesteht, sie nicht, dann erhalten sie die Höchststrafe und der andere ist fein raus. Sie können das Risiko vermindern, wenn sie auch gestehen, dann bekommen sie entweder die mittlere oder die geringste Strafe.

Die Mafia versucht das Problem zu lösen, indem sie einen Ehrenkodex ausgibt und diesen damit unterstützt, dass Verräter umgebracht werden (was die Polízei mit Zeugenschutzprogrammen kontert)

Das Prisonersdilemma ist bei jeder Form der Zusammenarbeit wichtig und insbesondere auch dann, wenn man die Entstehung der Kooperation verstehen will, bei der das Spiel häufig nicht einmal gespielt wird, sondern mehrmals.

2. Race to the Bottom

In der Spieltheorie lässt sich ein race to the bottom als Version des Gefangenendilemmas beschreiben. Es stellt alle Handelnden insofern vor ein Dilemma, als dass es sich für den einzelnen Akteur nur dann lohnt zu kooperieren, wenn er sicher sein kann, dass alle anderen auch kooperieren; sobald ein Einzelner davon ausgeht, dass die anderen nicht kooperieren – etwa weil es keinen institutionalisierten Kooperationsdruck gibt –, ist es für ihn lohnender, ebenfalls nicht zu kooperieren und stattdessen den Abwärtswettlauf zu beschleunigen, indem er seinerseits Standards unterbietet. Anders formuliert stellt sich das Dilemma so dar: Die individuell vorteilhafter erscheinende Handlungsoption – nicht kooperieren – erzeugt am Ende ein für alle Handelnden unvorteilhafteres Ergebnis: Man trifft sich am Ende am „bottom“, beim kollektiv schlechtestmöglichen Ergebnis.

Auch Aufrüstungswettläufe zwischen Staaten oder die Ausbreitung von privatem Waffenbesitz in einer Gesellschaft lassen sich als race to the bottom beschreiben. Institutionalisierte Kooperation würde das bestmögliche Ergebnis erzielen: Ein Rüstungskontrollabkommen verhindert auf beiden Seiten ruinöse Ausgaben für Waffenarsenale, strenge Waffengesetze erzeugen eine niedrigstmögliche Zahl von Toten durch Schußwaffen. Wenn aber die einzelnen Akteure unsicher sind, ob die anderen Akteure auch kooperieren, weil es keinen institutionalisierten Druck zur Kooperation gibt, werden sie ebenfalls nicht kooperieren mit dem schlechtestmöglichen Ergebnis für alle: Die Gefahr eines nuklearen Holocaust, der Ruin ganzer Wirtschaftssysteme durch exzessive Rüstungsausgaben oder ein maximales individuelles Sicherheitsrisiko durch eine epidemische Verbreitung von Feuerwaffen

Das Race to the Bottom entsteht dabei immer, wenn sich zwei in einer Sache überbieten wollen, damit aber insgesamt die Lage immer schlechter wird. Meiner Meinung nach passt das auch gut zum intersektionalen Feminismus, der immer noch auf der Suche nach einer weiteren tieferen Ebene der Benachteiligung und des korrekteren Verhaltens ist um den anderen in politischer Korrektheit oder schlicht im Virtue Signalling überbieten zu können, damit aber gleichzeitig einen lächerlich hohen Standard des „Richtigen“ ermittelt, der so alles sexistisch, rassistisch, falsch sein lässt.

3. Free Rider Problem / Tragedy of the Commons / Collective Action

Tragik der Allmende (engl. tragedy of the commons), Tragödie des Allgemeinguts, Allmendeklemme oder Allmendeproblematik bezeichnet ein sozialwissenschaftliches und evolutionstheoretisches Modell, nach dem frei verfügbare, aber begrenzte Ressourcen nicht effizient genutzt werden und durch Übernutzung bedroht sind, was auch die Nutzer selbst bedrohen.

Das Beispiel ist eine Wiese, auf der Hirten ihre Tiere weiden lassen. Würden dies alle im vernünftigen Rahmen machen bliebe genug Zeit, das Gras nachwachsen zu lassen. Gleichzeitig hat aber jede einzelne einen Vorteil davon, dass er seine Tiere mehr Gras fressen lässt und sich die anderen zurücknehmen.

Auf eine andere Ebene übertragen geht es darum, dass Leute eine bestimmtes Ziel für die Allgemeinheit erreichen wollen (die Allmende soll von allen genutzt werden können), aber keiner die Kosten tragen möchte (jeder möchte nicht derjenige sein müssen, der sich zurückhält, sondern der, der möglichst viel mitnimmt).

Es kann beispielsweise auf das Problem übertragen werden, dass viele Frauen gerne mehr Frauen in den Spitzenpositionen sehen würden, weil sie sich davon eine Verbesserung der Stellung der Frau erhoffen, aber nur sehr wenige bereit sind, die Frau zu sein, die dafür eine 70 Stunden Woche auf sich nimmt, Kinder zurückstellt etc.

Das Trittbrettfahrerproblem oder die Free Rider Problematik geht in die gleiche Richtung: Wann immer etwas erreicht werden soll, was allen nutzt, muss es letztendlich durch bestimmte Personen umgesetzt werden. Wenn es aber umgesetzt ist, dann können es auch die Nutzen, die es nicht umgesetzt haben. Auch hier geht es also um Kostenvermeidung.

Das Problem hat natürlich jede große Gesellschaft. Die Frage, wer Trittbrettfahrer ist oder nicht wird von vielen anders interpretiert. So blicken die Armen auf die Reichen und werfen ihnen vor angesichts ihrer Leistungsfähigkeit zu wenig zu tun. Und die Reichen verweisen darauf, dass sie dank Progression der Steuer wesentlich mehr abgeben als die Armen. HartzIV Empfänger sind diesem Vorwurf ausgesetzt und die Flüchtlingsdebatte ließe sich auch wunderbar unter diesem Stichwort besprechen: Ein Wirtschaftsflüchtling, der selbst nicht arbeitet (nicht arbeiten darf), dafür aber staatliche Leistungen kassiert, ist im Verständnis vieler ein Trittbrettfahrer und Leute die zulassen, dass jemand ein Trittbrettfahrer ist, der noch nicht einmal zur eigentlichen Gruppe gehört und sich dann noch nicht einmal an die Regeln der Gruppe hält, verstoßen gegen die Gruppeninteressen.

Die Trittbrettfahrerproblematik und die Tradegy of the commons ist auch ein Grund, aus dem Heraus der Kommunismus nicht klappen wird, sowohl in der Form des Staatskommunismus als auch (oder sogar erst recht) in der Form des anarchischen Rätekommunismus:  Die Staatsform lädt dazu ein, Trittbrettfahrer zu haben und muss diese daher kontrollieren und bestrafen, sie lädt aber auch dazu ein, dass Leute sich mehr vom öffentlichen Gut nehmen als gut wäre, gerade weil alles öffentliches Gut ist und ein anderer Weg dazu nicht bereit steht.

4. Zero Sum vs. Non-Zero Sum

Ein wichtiger Unterschied gerade in der Geschlechterdebatte.

In Zero-Sum-Spielen gibt es einen festen Gewinn und es geht darum, welche Gruppe wieviel davon bekommt. Was die eine Gruppe gewinnt  muss die andere Gruppe verlieren, das Produkt ist immer Null.

Der Feminismus sieht üblicherweise das Verhältnis der Geschlechter als Nullsummenspiel an, in dem um Macht gekämpft wird. Gegenwärtig haben sie die Männer und die Frauen müssen sie ihnen wegnehmen, wenn sie selbst welche haben wollen

Ein Non-Zero-Sum Spiel ist hingegen ein Spiel, bei dem das Produkt der Zusammenarbeit größer ist als das, was ein Einzelner Gewinnen könnte.

Das ist das Modell der klassischen modernen Industriegesellschaft: Wenn ein Produkt aus den Komponetnen A und B besteht, dann kann es besser sein, wenn Gesellschaft 1 nur die Komponente A baut und Gesellschaft 2 nur die Komponente B, dafür aber beides sehr gut und mit niedrigen Kosten als das beide beide Komponeten herstellen.

Eine funktionierende Partnerschaft zwischen Mann und Frau kann für beide ein Non-Zero-Sum-Spiel sein, weil sie Arbeitsteilung betreiben.

5. Externalities / Principal Agent

Dabei geht es darum, dass in einem Spiel zum einen bestimmte Punkte der anderen Seite nicht bekannt sind, zum anderen aber auch darum, dass verschiedene Akteure eigene Interessen haben, die nicht mit den Interessen anderer übereinstimmen müssen.

Als externen Effekt (auch Externalität) bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre die unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf Unbeteiligte, also Auswirkungen, für die niemand bezahlt oder einen Ausgleich erhält.[1] Sie werden nicht in das Entscheidungskalkül des Verursachers einbezogen. Volkswirtschaftlich gesehen begründen sie eine Form von Marktversagen und können staatliche Interventionen notwendig werden lassen. Negative externe Effekte werden auch als externe oder soziale Kosten, positive als externer Nutzen oder sozialer Ertrag bezeichnet. Extern heißt dabei, dass die Effekte (Nebenwirkungen) eines Verhaltens nicht (ausreichend) im Markt berücksichtigt werden

Ein Beispiel ist Müll, der bei einem Industrieprozess anfällt und an die Umwelt abgegeben wird als negative Kosten. Diese erscheinen dem Produzenten vielleicht unvermeidbar, er muss  sie in Kauf nehmen, um den Prozess durchzuführen, während die Kosten alle tragen.

Vielleicht könnte man als Beispiel auch anführen, dass die linke Politik als negativen externen Effekt eben auch zu einem Entstehen neuer rechter Parteien und besserer Wahlergebnisse für diese geführt hat.

Die Prinzipal-Agent-Theorie geht von Wirtschaftssubjekten aus, die in ihrer Entscheidungsfindung eingeschränkt sind, etwa durch asymmetrische Informationsverteilung. Sie verfügen nur über unvollständige Informationen, wenn sie das Handeln anderer beurteilen sollen.

Ferner wird den Beteiligten Opportunismus unterstellt. In einer weiten Definition liegt eine Prinzipal-Agent-Beziehung vor, sobald das Wohlergehen einer Partei (Prinzipal) von den Handlungen einer anderen Partei (Agent) abhängig ist.[1] Nach enger Definition gibt es einen Auftraggeber (Prinzipal), der einen Auftragnehmer (Agent) im gegenseitigen Einvernehmen gegen Entlohnung mit einer Aufgabe betraut. Da die beiden unterschiedliche Ziele verfolgen können, kann es zu Konflikten kommen.

Zudem werden Risikoneigungen berücksichtigt: Prinzipiell ist auf beiden Seiten Risikoneutralität, Risikoaversion oder Risikofreude möglich. Dies hängt von den Charaktereigenschaften und der jeweiligen Situation der Akteure ab.

Der Prinzipal beauftragt den Agenten in der Hoffnung, dass dieser seine Aufgabe im Sinne des Prinzipals erledigt. Er kann jedoch das Engagement und/oder die Qualitäten seines Agenten nur mit Einschränkungen erkennen und sieht – wenn überhaupt – nur das Ergebnis von dessen Bemühungen. Demgegenüber hat der Agent einen Informationsvorsprung, da er die eigene Qualität besser kennt und das eigene Verhalten selbst festlegen und entsprechend gut beurteilen kann. Er wird diese Informationsasymmetrie zu Ungunsten des Prinzipals ausnutzen, wenn dies seinen eigenen Zwecken dienlich ist (Moral Hazard und Drückebergerei).

Wissensunterschiede spielen ohnehin eine große Rolle in der Spieletheorie.

Weiß er, dass ich weiß, dass er weiß, dass ich weiß etc. kann zu einer Vielzahl von verschiedenen Handlungsoptionen einladen.

Dieses verschiedene Wissen kann sich natürlich auch aus den jeweiligen Rollen ergeben.

Das obige Problem ist ein Problem jeder Arbeitsteilung und kann damit auch bei den Geschlechtern zutreffen. Der Handelnde kann gegenüber dem, für den er handelt einen Vorteil haben, einfach weil er eher weiß, wie er handelt.

6. Diminishing Returns

Das Ertragsgesetz (auch Gesetz des sinkenden Grenzertrags) ist ein wirtschaftswissenschaftliches Modell, das die Relation von Einsatz (Input) und Ertrag (Output) beschreibt, wenn ein Faktor verändert wird und alle anderen gleich bleiben (partielle Faktorvariation). Es wurde ursprünglich von Anne Robert Jacques Turgot für die Landwirtschaft als Bodenertragsgesetz definiert: Erhöht man auf dem gleichen Stück Boden stetig den Arbeitseinsatz, so nimmt der Ertrag zunächst schnell zu, dann nur noch langsam, dann bleibt er gleich, und schließlich nimmt er sogar wieder ab.[1] Dieses Gesetz gilt nicht nur in der landwirtschaftlichen, sondern auch in der industriellen Produktion und in anderen Bereichen.[2]

Beispiel: Wird für das Produkt X oder die Partei Y bisher kaum oder wenig geworben und nun der Werbeaufwand stark erhöht, dann wachsen die Umsätze bzw. die Stimmanteile zunächst progressiv an. Ab einem bestimmten Punkt wachsen sie nur noch degressiv, bis sie schließlich asymptotisch gegen Null tendieren. Dieser Trend lässt sich bei gleichbleibender Qualität auch durch noch so große Aufwendungen nicht mehr umkehren.

Das ist mitunter auch auf zwischenmenschlichen Beziehungen anwendbar. Um so mehr man sich kennt, um so selbstverständlicher kann etwas an der anderen Person werden, was einen vorher begeistert hat. Es tritt eine gewisse „Abstumpfung“ ein.

7. Evolutionarily Stable Strategy / Nash Equilibrium

Das Lehrbuch-Beispiel der ESS – das Habicht-Taube-Spiel:

Individuen der gleichen Population werden als ‚Habichte‘ (aggressiv, stark) und ‚Tauben‘ (friedlich, ausweichend) eingeteilt. Stößt eine Taube zu einer reinen Tauben-Population, verändert sich nichts. Das Gleiche gilt, wenn sich ein Habicht zu anderen Habichten gesellt. Es gibt aber vier besondere Fälle:

  • Eine Taube stößt zu Habichten: Da die Taube den Konflikten – zum Beispiel ums Futter – ausweicht und so Kraft und Körperverletzungen einspart, fährt sie eine erfolgreiche Strategie. Dazu kann sie mittels Drohgebärden Aggressivität vortäuschen und kräftesparend Habichten Ressourcen abluchsen.
  • Ein Habicht stößt zu Tauben: Die Tauben machen dem Neuankömmling Platz und überlassen ihm kampflos alle Ressourcen. Der Habicht ist erfolgreich.
  • Eine Taube oder ein Habicht stößt zu einer gemischten Population, in der Tauben und Habichte im korrekten Zahlenverhältnis (entspricht der ESS!) vorkommen. Für den Neuankömmling spielt es nun eine Rolle, ob er häufiger auf eine Taube oder auf einen Habicht treffen wird. Hat sich die Population auf die geeignete Mischung eingependelt, kann es ihr egal sein, ob sich der Eindringling als Taube oder als Habicht verhält.
  • Die so genannte „Bürger“-Strategie (engl./franz. bourgeois) entwickelt sich zur ESS und sie ist weitgehend immun gegenüber einer unausgewogenen Habicht-Taube-Zusammensetzung der Population. Als „Bürger“ gilt: Wenn man sich verteidigt, ist man ein Habicht; greift man jemanden an, verhält man sich wie eine Taube.

Evolutionär stabile Strategien unterstreichen noch einmal, dass es nicht einen idealen Zustand geben muss, sondern gerade dadurch dass ein bestimmter Zustand im ganzen Günstig ist, auch andere Strategien interessant werden können (Ein Habicht kann leicht in eine Taubenkolonie eindringen) und auch ein Verhältnis bestimmter Unterarten (also im Beispiel Tauben und Habichte) stabil sein kann.

18 Gedanken zu “Wichtige Figuren in der Game Theory

    • Nur auf erstem Blick oder etwas Vorsicht ist anbracht. I.a. geht Spieltheorie zu rational an die Akteure heran und keiner wird bei dem selben Spiel sich entsprechend der Theorie verhalten, wenn man es am Menschen testet. Dies gilt v.a. für Spiele mit geringen individuellen Stakes. Oder falsch modellierten Spiele, wo unsinnige Risikobetrachtungen zu falschen Payoffs im Modell führen.

      • „Nur auf erstem Blick oder etwas Vorsicht ist anbracht. I.a. geht Spieltheorie zu rational an die Akteure heran und keiner wird bei dem selben Spiel sich entsprechend der Theorie verhalten, wenn man es am Menschen testet.“

        Nun, wie alle Theorien werden auch hier nur Grenzfallbetrachtungen angestellt, die ideale Verhältnisse betrachten. In der Soziologie kann man sie empirisch überprüfen.

        Vor einiger Zeit habe ich irgendwo das Ende einer britischen Quizshow gesehen, wo das Prisoner’s Dilemma aufs Feinste bewundert werden konnte.

        Zwei Quizteilnehmer, die sich nicht kennen (im gesehenen Fall ein Mann und eine Frau) erspielen sich einen respektablen Gewinn.
        Am Ende können sie entscheiden, ob sie mit Risiko ihren Anteil verdoppeln (also den eigenen und den des Mitspielers einkassieren), alles verlieren, oder mit dem eigenen Anteil aus dem Spiel gehen.
        Die Möglichkeiten: entscheiden sich beide für „Kooperation“, nimmt jeder 50% des erspielten Gewinns mit nach Hause.
        Entscheidet sich dagegen einer gegen, der andere für „Kooperation“, gewinnt der Nicht-Kooperative alles, der Kooperative geht leer aus.
        Entscheiden sich beide Spieler für „Nicht-Kooperieren“, gehen beide leer aus.

        Die Frau strich alles ein. Und hier liegt meiner Ansicht nach die einzige Schwäche des Prisoner’s Dilemma. Es kann nicht ausreichend den psychischen Effekt mit einbeziehen, den eine Frau/Mann-Beziehung ausmacht.
        Man konnte sehen, dass der Mann nicht wollte, dass die Frau leer ausgeht. Er MUSSTE also auf „Kooperation“ spielen. Die Frau dagegen wollte MINDESTENS ihren Anteil sichern, eigentlich aber seinen mit. Deshalb spielte sie erfolgreich die Karte des armen hilfsbedürftigen Hascherls – und kassierte erfolgreich alles, indem sie ihn dazu brachte, auf „Kooperation“ zu spielen.

        Ich fragte mich danach, ob und/oder wie dieses TV-Spiel generell das Verhältnis von Frauen und Männern untereinander beeinflussen würde. Ich konnte die tiefe sichtbare Enttäuschung des Mannes nachvollziehen, hatte aber auch bei der Frau nicht das Gefühl, dass sie über ihren erfolgreichen Schachzug besonders glücklich war.

        War jedenfalls sehr interessant.

        • Spieltheorie haut nur hin, wenn der Betrachtungszeitraum mit dem Spiel endet.
          Das Gefangenendilemma und die mordende Mafia ist ein gutes Beispiel. Man muss viel mehr als die länge der Haftstrafe berechnen.
          Sich nach Spieltheorie rational zu verhalten kann man sich nur erlauben, wenn man den anderen Akteuren in einem einmaligen Spiel begegnet und Wiederbegegnungen ausgeschlossen sind.

          • Das Leben besteht aber aus lauter solchen kleinen Spielen, und häufig spielt man mit Menschen, die man nicht kennt und nie wiedersehen wird. In sofern ist die spieltheoretische Betrachtungsweise durchaus korrekt.

          • Nö.

            Die Spiele (z.B. Gefangenendilemma) kann man jederzeit mit unendlichen Wiederholungen (d.h. menschlich: man sieht sich immer zweimal) spielen.
            Diese sind auch beschreibbar, verhalten sich allerdings fundamental anders (insb. weil es nicht notwendigerweise ein Nash’sches Gleichgewicht geben muss).

            Es gibt sogar Hinweise, dass eine gute Strategie für das unendliche Gefangenendilemma (Tit-for-Tat) eine zwischenmenschlich geeignete Strategie ist.
            [ Bei Männle/ Weible sogar die PickUp Reaktion auf einen Shit-Test als „Tit for Tat“]

        • Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern beschreibt sich am besten mit dem Buch des Desperate Housewifes Teri Hatcher. Und zwar ist es das Buch „Burnt Toast“ . Eigentlich spielt der Titel auf Mutter und Kind an aber es passt.
          Es geht darum, dass Mütter nicht immer den verbrannten Toast essen sollen und ihren Kindern den guten geben. So ist es da auch. Männer sollen immer zurückstecken. Gleichberechtigung geht daher nur, wenn Überfluss da ist. Im Toast Beispiel zei gute Toast. Ist kein Übeefluss da, schauen Männer immer in die Röhre.

          • „Gleichberechtigung geht daher nur, wenn Überfluss da ist.“

            Besser gesagt die weibliche Definition von „Gleichberechtigung“, also die Besserstellung der Frau. Im Mangel gibt es dann echte Gleichberechtigung, wo sich frau gleichberechtigt mit mann um die Reiskörner im Sand prügeln darf.

            Wer gewinnt dann wohl?

          • Nein du verstehst mich falsch. Wenn genug für zwei da ist, bekommt Mann auch was ab, also gleichberechtigt. Gibts einen Mangel, hat nur die Frau was. Ich sag mal Schiffsunglück. Gibts genug Rettungsboote, darf Mann leben, wenn nicht Pech gehabt.

  1. Um z.B. Personen dazu zu bringen, ein race to the bottom Spiel erst gar nicht zu beginnen, ist meiner Einschätzung nach ein Hinweis auf die Erkenntnisse der Spieltheorie nicht ausreichend. Die Spieltheorie ist formal angelegt. Sie hat zwar ein breites Anwendungsgebiet, ist aber für sich zu abstrakt, um in den Motivations- und Erkenntnisvorgang eines Menschen direkt einzugreifen.

    Bezogen auf dem Feminismus hatte die Spieltheorie kein nennenswertes Gegengewicht aufbauen können. 1982 hat John Maynard Smith im Buch Evolution and the Theory of Games die Spieltheorie explizit auf Evolutionsbiologie angewendet. Das war vor 35 Jahren.

    Die Tatsache, dass spieltheoretische Argumente heute Bedeutung haben, liegt meiner Meinung daran, dass zum Beispiel die philosophische Sprachtheorie, welche Sprache als Konvention begreift (Nominalismus) durch Wiedereinführung und Akzeptanz von Universalien, die unabhängig von Sprache existieren, zurückgedrängt wurde. Zuerst musste die Verzweiflung über die Unlogik von Gender so groß werden, dass sich der Blick auf andere Argumente, wie zum Beispiel spieltheoretische Modelle, öffnen konnte.

    • „Bezogen auf dem Feminismus hatte die Spieltheorie kein nennenswertes Gegengewicht aufbauen können.“

      Das erscheint mir richtig und doch falsch.

      Der Feminismus hat in der Breite der Bevölkerung keine nennenswerte Relevanz erreicht, weshalb die wenigen „Spieler“ sich zwar der Theorie konform verhalten können, nach außen aber der Eindruck entstehen kann, dass die Regel nicht gilt, weil sie auf das Verhalten der Masse keinen Einfluss hat.

      Hmm, ich hoffe, ich konnte rüberbringen, was ich meinte.

      Es gibt in der Gesellschaft jede Menge „Spieler“, die sich nicht regelkonform verhalten und dennoch exakt der Spieletheorie entsprechen.
      Nehmen wir als Beispiel Trickdiebe mit dem „Enkeltrick“, vor dem schon vor 25 Jahren gewarnt wurde.

      • Ich nehme jedenfalls auch einen großen Unterschied zwischen dem Alltagsleben wahr, in dem sich Menschen fast immer nach spieltheoretischen Überlegungen verhalten, und dem öffentlichen Diskurs in den Medien, bei denen sie praktisch vollkommen von moralischen Überlegungen verdrängt werden.

        Man sagt mir, ich sollte zu gunsten einer Frau auf eine Beförderung verzichten, da Frauen durch Jahrhunderte benachteiligt wurden, aber in der Realität ist das für mich nur ein Trick, um eher an die Stelle zu kommen als ich.

  2. Es ist gut, dass dem linken Feminismus jetzt etwas entgegengesetzt wird. Die AfD ist im Aufwind. Man muss aber dem Rechtsextremismus wirkungsvoll entgegentreten. Wir brauchen eine sozial-ökologisch-konservative Einstellung, auch in der Geschlechterdebatte.

  3. Was die eine Gruppe gewinnt muss die andere Gruppe verlieren, das Produkt ist immer Null.
    Ein Produkt erhält man in einer Multiplikation: Faktor x Faktor = Produkt.

    • Daher scheint es ja auch NullSUMMENspiel zu heißen, weil das PRODUKT immer null ist 😉
      Chris, es muss natürlich heißen: Die SUMME ist immer Null.

  4. Privater Waffenbesitz ist eigentlich kein Race to the bottom. Zum einen fußt ein großer Teil des Waffenbesitzes eben nicht darauf sich gegen andere zu verteidigen, sondern dient anderen Zwecken (sei es Sport oder Jagd). Auch kann man aus der Verbreitung von Schusswaffen keine direkten Ruckschlüsse auf die Kriminalität oder fehlendes Vertrauen innerhalb der Gesellschaft treffen. Die Schweiz hat zum Beispiel mehr Schusswaffen/Einwohner als Deutschland ist aber weder unsicherer noch kann man hier ein größeres Misstrauen beobachten. Desweiteren ist das Senken der Schusswaffenkriminalität kein wirklich relevantes Ziel, sondern es müsste ja darum gehen die Kriminalität ingesamt zu reduzieren. Für das Mordopfer sollte es ziemlich egal sein ob es erstochen wird oder erschossen wird. Für die Gesellschaft ist es nur sinnvoll die Mordrate ingesamt zu reduzieren, denn nur das schafft wirklich mehr Sicherheit.

  5. Die ersten drei – Gefangenen-Dilemma, Race to the Bottom und Tragik der Allmende – sind sich in ihrem Grundproblem sehr ähnlich: Kooperation lohnt nur, wenn alle kooperieren. Warum (und wie) werden sie überhaupt unterschieden?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.