Politische Präferenzen von Journalisten

Ein Artikel zitiert eine Umfrage zu der Frage, welcher Partei Journalisten am nächsten stehen:

Laut einer Erhebung der Freien Universität Berlin zum Thema „Politikjournalistinnen und -journalisten“ aus dem Jahr 2010 hat etwas mehr als ein Drittel keinerlei deutliche Vorlieben für eine Partei. Immerhin 26,9 Prozent sehen sich aber den Grünen nahe. Das sind fast drei Mal so viele, wie eine Präferenz für CDU oder CSU angeben, das tun nämlich nur 9,0 Prozent der Journalisten und damit nicht einmal jeder zehnt. Damit liegt die Union auch deutlich hinter der SPD, die auf 15,5 Prozent aller Befragten kommt.

Die Grafik dazu:

 

Wahl Journalisten

Wahl Journalisten

 

Die Zahlen der Bundestagswahl in der Nähe sahen so aus:

Bundestagswahl 2009

Bundestagswahl 2009

Es ist interessant, dass unter den Journalisten so viele Anhänger der Grünen sind. Und wenige Anhänger der CDU. Es mag die Statistik etwas verfälschen, dass dort die „Nichtwähler“ aufgeführt sind, die in der anderen Bewertung fehlen. Auch möglich, dass sich konservativen Parteien zuneigende eher als „Neutral“ bezeichnen, eben weil sie sich selbst eine gewisse Neutralität auferlegen wollen.

Aber natürlich wäre es auch eine Erklärung, dass eben Menschen, die gut mit Sprache umgehen können, die vielleicht die Welt verändern wollen, die kreativ sein wollen, eher in den Journalismus gehen und auch eher Grüne wählen.

Dennoch ein ziemliches Übergewicht auf der linken Seite.

Kennt jemand neuere Umfragen?

Was wäre eure Erklärung?

31 Gedanken zu “Politische Präferenzen von Journalisten

  1. Was Grüne und viele Journalisten eint, ist der starke Drang, Leute zu pädagogisieren, zu gängeln, zu bevormunden, dazu eine latente Technikfeindlichkeit, alles unterlegt mit klebrigem Moralismus. Dadurch hat eine relative kleine Partei halt auch einen überproportional großen Einfluß.

  2. Die 36% „Neutralen“ sind natürlich nicht wirklich neutral. Das sind nur die, die noch genug politischen Instinkt haben um zu wissen, dass man als seriöser Journalist nach aussen neutral bleiben sollte. Für alle anderen scheint es kein Problem zu sein, sich als Agitator zu outen.
    Konservative haben an der Uni jenseits von MINT doch nur noch Paria-Status, kein Wunder dass die kaum noch Nachwuchs haben.

    Die schwere politische Schlagseite an den Unis ist nur eine weitere Schande der jetzt autoritären Linken, die praktisch alle ihre Ideale verraten haben … und sich in ihrer wahnsinnigen Verblendung weiterhin für die Guten halten.

    Die Situation aus der heraus das Dritte Reich entstand, muss ganz ähnlich der heutigen gewesen sein.

  3. „Konservative haben an der Uni jenseits von MINT doch nur noch Paria-Status, kein Wunder dass die kaum noch Nachwuchs haben.“
    Ich glaube, dass man erst wenn man älter wird ein Konservativer wird. finde ich auch nicht verkehrt, denn man sollte erst einmal offen durch die Welt gehen und dafür stehen Konservative eher nicht. Die wenigen 18jährigen welche Konservativ waren, hatten irgendwie einen extremen Sockenschuss und waren bei Frauen absolut unattraktiv. Im Alter kehrt sich das oft um, die 45jährige Grüne ist da ebenfalls so ein Klischeebild von einem durchgeknallten Menschen.

  4. „Der deutliche Absturz des Vertrauens der Republikaner in die Medien findet allerdings vor allem zwischen 2015 und 2016 statt. Der Verdacht liegt nahe, dass hier der Wahlkampf seine Spuren hinterlassen hat. Größer als aktuell war der Unterschied 2005, damals war zwar das Vertrauen der Republikaner in die Medien noch deutlich größer, noch mehr aber das der Demokraten. Besonders gering war der Unterschied dagegen im Jahr 2000.“

    Den Part finde ich interessant.
    Seitdem ist doch das Private immer stärker politisch geworden.
    Es schwinden Rückzugsräume.

    Womit Journalisten GAR NICHT klar kamen seit 2000 ist die Stimme der Leser in Kommentarspalten.
    Jeder der zu der Zeit mal bei SPON oder ähnlichem Dreck mitkommentiert hat sollte das ja kennen.
    Deshalb kommen vielleicht auch so viele auf die absurde Idee sie stünden auf Linie mit ihren Lesern.
    Nene liebe Journalisten, ihr seid auf Linie mit den Arschleckern, die ihr euch noch in den Kommentaren leistet, mehr nicht.
    Die haben sich quasi selber ihr „Ohr an der Straße“ aus dem Rückkanal verbannt.

    https://www.nzz.ch/feuilleton/medien/journalismus-im-kampfmodus-hetzer-idioten-und-dumpfbacken-ld.82631

    • Dazu kommt dann noch verstärkend, das was unter dem schrecklichen Schlagwort „Medienkompetenz“ an Schulen ins Hirn gehämmert wird.

      Auch ins Auge springt ja, das Journalisten eine neutrale Position als eine Verstehen, aus der heraus man rechts besser bekämpfen kann.

      Was immer das heißen mag.

    • Trifft für einige Medien tatsächlich zu, aber für SPON oder Zeit stimmt das einfach nicht.
      Nahezu jede Storkowski-Kolumne wird mit überwältigender Mehrheit in den Kommentaren zerf_ckt. Ähnliches gilt für Feminismus-nahe Texte auf Zeit-Online. Deswegen liest man ja zB bei Arne auch öfter „Die Kommentare machen Mut, daß die wenigsten auf die feministische Propaganda reinfallen“. Sogar in den taz Kommentaren kann man HengaMäh beleidigen, wie man lustig ist.

      • ich weiß aber nicht, ob die Kommentare unter den Beiträgen repräsentativ sind. So sind die Kommentare in Facebook zu den feministischen Jubelartikel der ZEIT z.B. deutlich uneinheitlicher, dh. dort sind viel mehr pro Feminismus, ich schätze mal 50/50, während es bei ZEIT online 80/20 ist (femikritisch/profemi).

  5. Wenn man sich die Lebensläufe etwa von Spiegel-online Journalisten bzw. Journalistinnen anschaut, findet sich da schon ein häufiges Muster: Geistes- oder sozialwissenschaftliches Studium, von der Uni direkt zu einem Medium oder in die Politik (ohne Kenntnis der sonstigen Berufswelt), Auslandsaufenthalte nur in Europa oder USA. Da kann man schon ungestört einem ideologischen Weltbild anhängen. Wäre interesant, das mal mit Lebensläufen von Grünen zu vergleichen.

  6. Trotzdem ist die CDU/CSU stärkste Partei, was den Gedanken nahelegt, dass der Einfluss der Journalisten nicht so gross ist, wie das vielleicht angenommen wird.
    Ein grosses Fragezeichen steht hinter den „Neutralen“. Es ist gut möglich, dass sich in dieser Kategorie eine Menge CDU/CSU/FDP und einige AfD-ler verbergen. Wichtig wäre es auch, die Leserzahlen zu kennen. Es macht einen grossen Unterschied, ob man für ein lokales Käseblatt mit geringer Reichweite schreibt oder für die FAZ, die Süddeutsche oder den Spiegel.

    • @Pjotr

      Oder für die BILD-Zeitung, bzw. die Springer-Presse, die für ihre konservative Präferenz seit Jahrzehnten bekannt ist.
      Das ist der eine Punkt, der mir an der Diskussion aufstößt.
      Der andere, dass hier implizit eine *politische Quotierung* in den Medien gefordert wird.

      Bei jeder feministischen Quotenforderung – z.B. in Sachen STEM – sind wir in der Lage die richtige Frage zu stellen: Wieso hat die Beschwerdeführerin NICHT die Fächer studiert, in denen sie einen höheren Frauenanteil einfordert? Weil das in der Regel so ist.

      Schauen wir uns das journalistische Gewerbe doch an: Auf dem absteigenden Ast Dank kostenloser Internetangebote und Konkurrenz durch die sozialen Medien, mit vielen freien Mitarbeitern, immer schlechter dotierte und unsichere Stellen.
      Wer also seine Lebensplanung auf Status und Einkommen ausrichtet, ist hier eher fehl am Platz.
      Ich kann es Menschen mit konservativen Einstellungen nicht verdenken, wenn sie ihre Lebensplanung so gestalten, in diesen Medien *nicht* tätig sein zu wollen.
      Sich gegen immer schlechtere Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in diesen Medien zu entscheiden ist rational nachvollziehbar.

      Wenn man es aus dieser Warte betrachtet, macht die große Jammerei über die „linksversifften“ Medien so viel Sinn wie die feministische „Kritik“.
      Wieso entschließen sich die Kritiker nicht, die Konservativen in den Medien SELBER zu sein, an denen es ihrer Meinung nach mangelt?

      Die Konservativen Kritiker sind m.E. ebensolche Heuchler, wie es die Feministinnen sind.

        • @Sander

          Zeitungen Auflage ca.:
          Bild 1,600.000
          SZ 357.000
          FAZ 244.000
          Welt 170.000
          taz 53.000
          ND 25.000

          Bild+Welt= Springer.
          Zähl mal die eher rechts und die eher links orientierten zusammen – von marktbeherrschender Position der linken Tageszeitungen kann überhaupt keine Rede sein.

          „Insgesamt ist die Entwicklung der verkauften Auflage der Tageszeitungen in Deutschland stark rückläufig. Wurden 2004 noch täglich rund 21,7 Millionen Exemplare abgesetzt, lag die verkaufte Auflage zehn Jahre später bei weniger als 17 Millionen Exemplaren.“ statista

          • https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Druck-_und_Verlagsgesellschaft#Verlagsh%C3%A4user
            http://www.buerger-in-wut.de/blog,20,das-rote-medien-imperium

            Als Verlagsgruppe erreicht die dd_vg mit ihren Tageszeitungen eine Auflage von rund 435.000 Exemplaren, was bundesweit einem Marktanteil von 1,9 Prozent entspricht. Darüber hinaus ist die SPD über ihre Medienholding dd_vg an über 70 weiteren Zeitungen mit einer Gesamtauflage von über 6 Millionen Exemplaren beteiligt, die mehr als 12 Millionen Leser erreichen dürften.

            Mir fällt kein rechteres Blatt als die TAZ ein Crumar.
            Falls rechts als nach oben buckeln und nach unten treten definiert ist.
            Die Schwächsten, das sind in meinem Weltbild weiterhin Jungs.

          • Und das wichtigste Propagandatool ist und bleibt der Volksempfänger in Deutschland.
            Da muss man sich doch nichts vormachen.
            Ich kann nicht einmal einkaufen gehen, ohne auf die Uhr zu schauen, damit ich dem 30 Minutentakt der Erziehungs- und lückenhaften Lügenkampagnen der Funkjournalisten entgehe.

          • @Sander

            „2008 veröffentlichte die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages ein Gutachten über das Ausmaß der Beteiligung bestimmter Parteien an Medienunternehmen. Grundlage der Prüfung bildeten Rechenschaftsberichte verschiedener Parteien. Die Bestandsaufnahme ergab, dass die CDU, FDP und Die Linke ebenfalls Beteiligungen an Medienunternehmen besitzen.“

            Klicke, um auf wd-10-035-08-pdf-data.pdf zuzugreifen

            Übrigens aus dem Wikipedia-Artikel über die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft.
            Etwas anderes hätte mich auch gewundert.

            „Und das wichtigste Propagandatool ist und bleibt der Volksempfänger in Deutschland.“
            Ja klar, immer streng nach Proporz und ZDF galt nicht ohne Grund schon immer als „Staatsfernsehen“.

        • Fiskal alle rechts, sozial alle übergeschnappt.
          Meine Vermutung, annetheke kämen wir vermutlich schnell auf einen Nenner.
          Wobei ich insbesondere die Bild Zahlen für sehr gebauscht halte.
          Ähnlich wie es der Hadmut mit dem Spiegel hält.^^

  7. Trotz der oben gebrachten Einwände lässt sich ein Bias in der Berichterstattung m. E. immer wieder belegen. Hier ist ein aktuelles Beispiel mit einer Ikone des 2. Welle Feminismus. Bitte sagt mir, wann Ihr das letzte Mal einen Artikel gelesen haben, in dem die gleiche Aussage mit umgekehrten Rollen ohne journalistische Wertung in einem Artikel dargestellt wurde.

    • Im Artikel: „Quelle: KNA/epd“
      Soso.

      Die FAZ wird immer feministischer. Jetzt druckt sie schon unkommentiert die feministische Standardpropaganda der Nachrichtenagenturen ab.

  8. Ich wage mal die flache These, dass die Selbstauskunft der Journalisten ähnlch wertlos ist wie die von Frauen, wenn es um Feminismus geht.

    • „..wirkt´s extremer:“

      Basiert aber auf einer unbewiesenen Annahme, daß die „meinungslosen“ Journalisten in Wirklichkeit genauso verteilte Voreingenommenheiten aufweisen wie der Rest, oder (noch am plausibelsten) daß zumindest diese Gruppe keinen Einfluß auf das schiefe Bild hat, das die Medien insgesamt zeichnen.

      Die Basiszahlen stammen von Lünenborg (2010). Ist natürlich nicht mehr ganz taufrisch. So wie ich einige Redaktionen einschätze, ist es inzwischen noch schlimmer geworden.

      • Shit! Extrem wichtiger Punkt. Ab da sind die ja in ihrer iPhone/Shitter/Fratzenbubble sich gegenseitig extrem am hochschaukeln.

  9. Es sind meiner Meinung nach mehrere Effekte die eine solche Verteilung erklären:

    1. Selbst-Selektion. Journalisten werden in der Regel nicht wirklich gut bezahlt. Wer also Journalist werden will muss also auf Geld verzichten und das muss dann halt eben anders kompensiert werden, d.h. Journalisten müssen sehr viel Idealismus zu einem Thema oder zum Journalismus i.A. besitzen. Oder man hat auf grund seines Studiums nicht die wirkliche Auswahl und Journalist bei einer Zeitung ist dann eben eine (der wenigen) Optionen die man hat.

    2. Selektion durch Redakteure. Zum einen sind Zeitungen Tendenzbetriebe und dürfen daher auch nach politischen Präferenzen einstellen. Wenn es also auf der Leitungsebene der Zeitungen „Linke“ Journalisten bevorzugt werden werden auch mehr „Linke“ Journalisten eingestellt. Zum anderen gibt es auch die Tendenz das bevorzugt Hochschulabsolventen eingestellt werden und die haben bekanntlich ganz andere politische Vorlieben als der Rest der Bevölkerung.

  10. Laut einer Erhebung der Freien Universität Berlin zum Thema #Politikjournalistinnen und -journalisten“ aus dem Jahr 2010 ….

    Diese Quelle ist: Lünenborg (2010).

    Kennt jemand neuere Umfragen?

    Immer wieder zitiert werden 3 empirische Studien: Weischenberg (2006), Ziegler (2008), Lünenborg (2010), die selber Daten erhoben haben. (Allerdings waren das nach meinem Eindruck Journalisten und keine geschulten empirischen Sozialforscher!) Neuere empirische Studien über deuitsche Journalistinnen scheint es nicht zu geben. Berichte über diese Studien gibt es reihenweise.

    Es gibt noch eine etwas neuere empirische Studie über die Deutschschweizer Journalisten: Schlittler (2011).

    Generell sollte man die feministische Orientierung der Medien aber nicht alleine den Journalisten anlasten, weitaus wichtiger (und völlig unterschätzt) dürften die feministischen Verlegerinnen sein.

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