Steven Pinker zu Identitätspolitik

Steven Pinker hat ein neues Buch geschrieben und scheint sich da auch deutlich zu Identitätspolitik geäußert zu haben. Aus einem Interview:

Steven Pinker: Identity politics is the syndrome in which people’s beliefs and interests are assumed to be determined by their membership in groups, particularly their sex, race, sexual orientation, and disability status. Its signature is the tic of preceding a statement with “As a,” as if that bore on the cogency of what was to follow. Identity politics originated with the fact that members of certain groups really were disadvantaged by their group membership, which forged them into a coalition with common interests: Jews really did have a reason to form the Anti-Defamation League.

But when it spreads beyond the target of combatting discrimination and oppression, it is an enemy of reason and Enlightenment values, including, ironically, the pursuit of justice for oppressed groups. For one thing, reason depends on there being an objective reality and universal standards of logic. As Chekhov said, there is no national multiplication table, and there is no racial or LGBT one either.

This isn’t just a matter of keeping our science and politics in touch with reality; it gives force to the very movements for moral improvement that originally inspired identity politics. The slave trade and the Holocaust are not group-bonding myths; they objectively happened, and their evil is something that all people, regardless of their race, gender, or sexual orientation, must acknowledge and work to prevent in the future.

Even the aspect of identity politics with a grain of justification—that a man cannot truly experience what it is like to be a woman, or a white person an African American—can subvert the cause of equality and harmony if it is taken too far, because it undermines one of the greatest epiphanies of the Enlightenment: that people are equipped with a capacity for sympathetic imagination, which allows them to appreciate the suffering of sentient beings unlike them. In this regard nothing could be more asinine than outrage against “cultural appropriation”—as if it’s a bad thing, rather than a good thing, for a white writer to try to convey the experiences of a black person, or vice versa.

To be sure, empathy is not enough. But another Enlightenment principle is that people can appreciate principles of universal rights that can bridge even the gaps that empathy cannot span. Any hopes for human improvement are better served by encouraging a recognition of universal human interests than by pitting group against group in zero-sum competition.

Wer also meint, dass andere bestimmte Gedanken nicht nachvollziehen können, weil sie nicht zu einer bestimmten betroffenen Gruppe gehören, der entwertet damit Empathie als wesentliches Element für die Verständigung von Menschen untereinder und behindert die Findung universeller Rechte, die allgemein von jedem verstanden werden können zugunsten von Rechten, die nur eine bestimmte Gruppe verstehen kann.

Pinker weiter:

How high are the stakes in universities? Should we worry?

SP: Yes, for three reasons.

One is that scholars can’t hope to understand the world (particularly the social world) if some hypotheses are given a free pass and others are unmentionable. As John Stuart Mill noted, “He who knows only his own side of the case, knows little of that.” In The Blank Slate I argued that leftist politics had distorted the study of human nature, including sex, violence, gender, childrearing, personality, and intelligence.

Wer seine Seite und seine Sicht absolut setzt, dem entgehen eben wichtige Puzzleteile, aus denen sich das ganze Bild zusammen setzt. Und wer Gedankenverbote errichtet, der behindert das Denken.

The second is that people who suddenly discover forbidden facts outside the crucible of reasoned debate (which is what universities should be) can take them to dangerous conclusions, such as that differences between the sexes imply that we should discriminate against women (this kind of fallacy has fueled the alt-right movement).

Wer bestimmte Fakten aus der Diskussion aussondert, der überlässt die Einordnung dieser eben Randgruppen, die sich außerhalb des allgemeinen Diskurses bewegen und damit diese Fakten unwidersprochen mit ihren eigenen Theorien belegen können. Es bilden sich Filterblasen, deren Denken man dann auch nicht mehr korrigieren kann, weil die Fakten außerhalb dieser ja nicht diskutiert werden dürfen.

The third problem is that illiberal antics of the hard left are discrediting the rest of academia, including the large swaths of moderates and open-minded scholars who keep their politics out of their research. (Despite the highly publicized follies of academia, it’s still a more disinterested forum than alternatives like the Twittersphere, Congress, or ideologically branded think tanks.) In particular, many right-wingers tell each other that the near-consensus among scientists on human-caused climate change is a conspiracy among politically correct academics who are committed to a government takeover of the economy. This is sheer nonsense, but it can gain traction when the noisiest voices in the academy are the repressive fanatics.

Wenn in bestimmten Bereichen Zensur herrscht, dann erweckt das schnell den Eindruck, dass auch in anderen Bereichen Zensur herrscht und wenn man entdeckt hat, dass bestimmte Tabus auf falschen Fakten beruhen, dann ist man auch eher bereit in anderen Bereichen davon auszugehen, dass hier die Wahrheit verborgen wird.

 

64 Gedanken zu “Steven Pinker zu Identitätspolitik

    • Identitätspolitik wird zwar von Linken theoretisch gerechtfertigt und propagiert, aber es ist selbstverständlich neoliberal.
      Echter Sozialismus wurde schließlich auch noch nie versucht…

      • @ Adrian

        „Identitätspolitik wird zwar von Linken theoretisch gerechtfertigt und propagiert, aber es ist selbstverständlich neoliberal.“

        Siehe zum Neoliberalismus-kompatiblen Charakter von postmoderner Political Correctness und Identitätspolitik auch folgenden Beitrag von mir (aus dem Graublau auf Geschlechterallerlei einen Artikel gemacht hatte):

        https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/11/02/gastartikel-nutzt-die-postmoderne-political-correctness-den-neoliberalen-oekonomischen-herrschaftseliten/

        Zwei gute Bücher zum Thema des Zusammenhangs von postmoderner Political Correctness und Neoliberalismus sind außerdem folgende Bücher zweier linker PC-Kritiker:

        Walter Benn Michaels – The Trouble with Diversity: How We Learned to Love Identity and Ignore Inequality

        https://www.bol.de/shop/home/verknuepfung/the_trouble_with_diversity_how_we_learned_to_love_identity_and_i/walter_benn_michaels/EAN9781250099334/ID43750877.html

        und

        Robert Pfaller – Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur

        https://www.bol.de/shop/home/suchartikel/erwachsenensprache/robert_pfaller/EAN9783596298778/ID63890877.html

        „Echter Sozialismus wurde schließlich auch noch nie versucht…“

        Doch, wurde nur leider nach wenigen Jahren militärisch niedergeschlagen:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchismus_in_Spanien#Die_Revolution_von_1936

        https://de.wikipedia.org/wiki/Machnowschtschina#Geschichte_der_Machnowschtschina

          • pS. Wäre in Anbetracht der sich anscheinend bis in die Dreißiger hinein verlängernden Pubertät nicht so oder so eine Erhöhung des Wahlalters eine linke Kernforderung?

      • „– Die politisch korrekte postmoderne linke Strömung hat für die ökonomischen Herrschaftseliten den gewaltigen Vorteil, dass sie sich für Kritik der politischen Ökonomie, Kapitalismuskritik/Antikapitalismus und Klassenkampf in der Regel wenig interessiert.“

        Stimmt, die Idee, das Männer aufgrund ihres höheren durchschnittlichen Einkommens der primären, asozialen und zu bekämpfenden Schicht der Unterdrücker darstellen, wurde nie von (Kultur)Marxisten* ins Spiel gebracht und spielt bei den aktuellen Diskussionen um den Gender Pay Gap auch gar keine Rolle und wird auch nie zum politischen Thema gemacht um willkürlich weisse Männer zu feuern, oder gar Diversityquoten durchzusetzen. Auch mit dem feministischen Versuch, Männer bei der sekundären Bildung zu benachteiligen und den Unterricht auf Mädchen auszulegen, damit diese nicht mehr so viel verdienen, hat das alles gar nichts zu tun.

        Das alles ist gar nie passiert und weil es viel wichtiger ist, dass mein Selbstbild über die linke Überlegenheit keine Kratzer kriegt, auch wenn es regelmässig mit der Realität zusammenstösst, behaupten wir einfach mal, dass die Juden, ähm, ich meine natürlich die Neoliberalen daran Schuld sind. So muss ich mir wenigstens keine Gedanken darüber machen, wieso meine zutiefst emanzipatorischen, gerechten linken Utopien regelmässig in absoluter, totaler Menschenfeindlichkeit enden. Und ich muss mir auch gar keine Gedanken darüber machen, warum gerade linke Kapitalismuskritik immer wieder in akuter Männerfeindlichkeit endet und warum dafür zutiefst marxistische Terminologie verwendet wird. Denn ich brauche klare Linien, in denen immer nur die anderen Schuld sein können, denn ich bin gut und die anderen schlecht und Reflektion schmerzt.

        * «Die erste gesellschaftliche Unterdrückung ist die Unterdrückung der Frau durch den Mann.» – Friedrich Engels

        • @toxic

          Das hatten wir doch alles schon.
          Der radikale Feminismus hätte ohne plagiatorische und falsche Anleihen an marxistische Terminologie keinen Fuß auf den Boden bekommen in den 70ern.

          «Die erste gesellschaftliche Unterdrückung ist die Unterdrückung der Frau durch den Mann.» ist ein unüberlegter Spruch von Engels aus einem Werk, das ich inzwischen als sozialdemokratische Wahlpropaganda verstehe.
          Er hat das geschrieben, was (bürgerliche) Frauen gerne hören wollen.
          Engels war nicht der erste „Frauenbediener“ und nicht der letzte.

          Das wäre heute relevant, hätten nicht auch marxistisch orientierte Anthropologen ein Gegenbild entworfen, wonach es mit der „ersten Unterdrückung“ nicht so ganz stimmen kann.

          Du bekommst die innerlinke Diskussion nicht so mit, aber glaub mir, die ist existent und durchaus grausam und gründlich.

          • Du schreibst oben: „«Die erste gesellschaftliche Unterdrückung ist die Unterdrückung der Frau durch den Mann.» ist ein unüberlegter Spruch von Engels aus einem Werk, das ich inzwischen als sozialdemokratische Wahlpropaganda verstehe. Er hat das geschrieben, was (bürgerliche) Frauen gerne hören wollen. Engels war nicht der erste „Frauenbediener“ und nicht der letzte.“

            Was ich jetzt nicht so ganz verstehe: Zu Engels Zeiten haben Frauen – gleichgültig ob in England oder in Deutschland – praktisch nicht gewählt. Hat Engels also geschrieben, was bürgerliche Frauen hören wollten, damit die ihren jeweiligen Gatten vorschreiben, was diese gefälligst zu wählen haben? Oder wie war jetzt die Strategie von Engels?

      • @Adrian

        Zur Klarstellung:
        Das Problem der hiesigen Medien- und Pseudo-Linken ist m.E. dass durch sie ein US-Diskurs einfach per copy&paste importiert worden ist, der hier keinerlei Sinn macht.
        Wir haben keine Bevölkerungsblöcke wie „white“, „hispanic“, „black“, „asian“, wir haben keine „natives“, deren Land wir gestohlen haben.
        Es gab hier auch keine Sklaverei – wir haben ein anderes historisches Erbe.
        „Black lives matter“ oder POC zu importieren ist eine Farce.

        Der nächste Punkt ist, die US-Politik hat sich als sensationell erfolglos erwiesen, selbst wenn ich sie an ihren eigenen Kriterien messe: Wo bleibt die Präsidentin, die Verteidigungsministerin, der schwule Bürgermeister der Hauptstadt, der schwule Vorsitzende einer Partei, der schwule Außenminister, die lesbische Umweltministerin in den USA?
        Die Medien/Pseudo-Linke plappert eine Ideologie nach, die in all diesen Punkten systematisch versagt hat und auch für die politische Niederlage von Clinton verantwortlich ist.

        Diese PSEUDO-Linken sind nicht nur blamable Plagiatoren einer loser-Theorie, sie entwickeln auch noch eine Politik auf der Basis einer nicht existierenden Realität.
        Das unterscheidet sie von ECHTEN Linke, die sich mit den TATSÄCHLICHEN sozialen Verhältnissen auf der Basis der wirklich existierenden EMPIRISCHEN Realität auseinandersetzen, um auf dieser Basis politische Vorstellungen und Vorschläge zu entwickeln und damit gerne Erfolg hätten, weil sie demokratische Mehrheiten für diese Vorstellungen und Vorschläge finden möchten.

        Ich bin durchaus in der Lage zu begreifen, dass die Politkasper der Pseudo-Linken *derzeit* als „links“ *gelten*.
        Aber, Adrian, irgendwann ist das Kasperle-Theater vorbei, die Kinder gehen nach Hause und die Erwachsenen übernehmen wieder das Kommando.

        • Der nächste Punkt ist, die US-Politik hat sich als sensationell erfolglos erwiesen, selbst wenn ich sie an ihren eigenen Kriterien messe: Wo bleibt die Präsidentin, die Verteidigungsministerin, der schwule Bürgermeister der Hauptstadt, der schwule Vorsitzende einer Partei, der schwule Außenminister, die lesbische Umweltministerin in den USA?

          Und nicht zu vergessen: Wo bleibt der bekennende Atheist als Präsident? Sogar Obama fand es eine gute Idee, rumzufrömmeln und sich als gottesfürchtiger Mann darzustellen. Trump sagt zwar nicht, er sei Atheist, scheint aber der einzige zu sein, der sich nicht als Frömmeler darstellt. Liegt wohl daran, dass ihn ausser Dollars und goldenen WC-Schüsseln rein gar nichts interessiert.

          • @Pjotr

            „Und nicht zu vergessen: Wo bleibt der bekennende Atheist als Präsident?“ Stimmt, da hast du recht!
            Wie ich überhaupt finde, die gesamte Debatte in den USA hat eindeutig religiöse Züge, insofern sie im Tonfall religiös-fanatisch ist.
            Man merkt hier klimatisch das Drittel der Bevölkerung, das sich keiner Konfession zuzählt (ob es sich hierbei tatsächlich um Atheisten handelt weiß ich allerdings nicht).

            Auch in der #metoo-Debatte gab es früh entschieden liberale Gegenstimmen und das inquisitorische Verdammungsklima will einfach nicht so recht gedeihen, obwohl sich die hiesigen Medien doch eine solche Mühe geben! 🙂

        • „Ich bin durchaus in der Lage zu begreifen, dass die Politkasper der Pseudo-Linken *derzeit* als „links“ *gelten*.“

          Sorry, aber dieses „derzeit“ dauert nun schon mindestens 20 bis 25 Jahre an, wer jetzt noch an die Rückkehr irgendwelcher angeblich „vernünftigen“ Linken glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

          Die Wahrheit ist: Die Kinder haben Euch Alt-Linke schon längst in Altersheim abgeschoben und versaufen gerade das Erbe.

          • @ stormking80

            „Sorry, aber dieses „derzeit“ dauert nun schon mindestens 20 bis 25 Jahre an, wer jetzt noch an die Rückkehr irgendwelcher angeblich „vernünftigen“ Linken glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.“

            Doch, zu einer solchen Rückkehr wird es m.E. kommen, zwar sehr spät, aber es kommt m.E. langfristig sicherlich dazu.

            Sehr bedauerlich ist, dass ein weiterer Aufstieg der politischen Rechten in der Zwischenzeit wohl leider schwer zu vermeiden ist. Solange Linke mehrheitlich reale soziale Probleme, die eigentlich in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, nicht konstruktiv angehen, werden Rechte aller Coleur versuchen die entsprechenden Felder zu besetzen.

            Zur Rückkehr einer vernünftigen Linken kommt es, wenn die Abkehr von Teilen der Bevölkerung von der zeitgenössischen (postmodernen PC-)Linken ein gewisses Ausmaß überschritten hat. Wenn die Krise der zeitgenössischen Linken für immer größere Teile der Linken offensichtlich wird, werden auch die konstruktiven Kräfte innerhalb der Linken wieder stärker. Das oben genannte ausgezeichnete PC-kritische Buch des linken Philosophen Robert Pfaller, das gegenwärtig in fast jeder Buchhandlung erhältlich ist, ist ein erstes Symptom für diese konstruktive Tendenz. Aber es wird leider – da muss man realistisch sein – noch länger dauern, bis diese konstruktive Tendenz wieder zu einer politisch wirksamen Kraft innerhalb der zeitgenössischen Linken geworden ist.

            Gegenwärtig kann man als klassischer Linker in dieser Situation nur darauf hin arbeiten die postmoderne Political Correctness zu überwinden und zu versuchen wesentliche Grundlagen für die Theorie und Praxis einer erneuerten konstruktiven Linken zu legen – damit solche Ansätze dann verfügbar sind und aufgegriffen werden können, wenn die Krise der zeitgenössischen Linken sich zunehmend verschärft und als Reaktion darauf zunehmend nach Problemanalysen, Alternativen und Lösungsansätzen gefragt wird. Das wird langfristig m.E. passieren. Aber es braucht noch einige Zeit bis dahin.

        • „Das unterscheidet sie von ECHTEN Linke, die sich mit den TATSÄCHLICHEN sozialen Verhältnissen auf der Basis der wirklich existierenden EMPIRISCHEN Realität auseinandersetzen, um auf dieser Basis politische Vorstellungen und Vorschläge zu entwickeln und damit gerne Erfolg hätten, weil sie demokratische Mehrheiten für diese Vorstellungen und Vorschläge finden möchten.“

          welcher gegenwärtig aktive Politiker (m/w) ist denn dann deiner Meinung nach noch links?

          • @ Crumar Die werden halt verstorben sein, bis sich die Partei vom Postmodernismus befreit hat, bis dahin – da hat die Presse ja recht – werden deren vernünftige Forderungen durch die AfD vertreten.

            Und die Weidel ist auch n Tacken schärfer als die in die Jahre kommende Wagenknecht.

          • Was wären denn aus deiner Sicht die wichtigen Aufgaben der LInken, die sie lieber angehen sollten?

            Der sogenannte Hauptwiderspruch, also die Verteilungsfragen zwischen Kapital und Arbeit.

          • Das ist ja wenig konkret. Crumar meinte ja:

            „ECHTEN Linke, die sich mit den TATSÄCHLICHEN sozialen Verhältnissen auf der Basis der wirklich existierenden EMPIRISCHEN Realität auseinandersetzen, um auf dieser Basis politische Vorstellungen und Vorschläge zu entwickeln“

            Mich würde jetzt interessieren, welche empirische Realität er sieht aufgrund derer Lafontaine und Wagenknecht politische Vorstellungen entwickelt haben

          • Mich würde jetzt interessieren, welche empirische Realität er sieht aufgrund derer Lafontaine und Wagenknecht politische Vorstellungen entwickelt haben

            Lies doch mal ein Buch. Wir sind hier nicht im Nachhilfeunterricht!

          • Ist nicht für jemanden der irgendwie halbwegs wachen Verstandes die Situation im Lande verfolgt in etwa klar was Lafos und Wagenknechts Positionen sind?
            Also die echten Linken Positionen?
            KEINE Flüchtlinge!
            Kein Resettlement.
            Kein antisozialer Druck auf Arbeits und Wohnungsmark.

            News. Keine News?
            Oder haben die beiden eine neue Positin?

            Hilfe ja, aber vor Ort.

          • Das ist ja wenig konkret.

            Das ist auch ein sehr weites Feld an möglichen Maßnahmen. Aber das Problem lässt sich genau so am besten eingrenzen.

          • Simmt Christian, ich bin auch gespannt, ob ich richtig liege.
            Denn wenn nicht, dann muss ich ernsthaft erheblich an meinem Verstand zweifeln.

            Aber da er genau die beiden Linken genannt hat, denen am lautesten der Vorwurf sie seien „rechts“ und bäh aus dem Blätterwald entgegenschallte, was sollte er sonst gemeint haben?

            Gut, sinnfrei die Frage so im Raum ohne Crumar. 😉

            Bleiben wir also gespannt.

          • Ich hatte in der Vergangenheit ja mal meine persönlichen Vorschläge für ein „Reformprogramm“ für die zeitgenössische Linke auf diesem Blog stichwortartig kurz zusammengefasst und wiederhole an dieser Stelle mal in leicht aktualisierter Form, welche Themen m.E. langfristig in die Linke eingebracht werden sollten, damit diese wieder zu einer konstruktiven politischen Kraft werden kann.

            Meine Vorschläge für eine Reform und Aktualisierung linken Denkens umfassen bisher u.a. folgende Aspekte:

            – Kritische Analyse der ideengeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Ursprünge und theoretischen Grundlagen der vorherrschenden Form linker Political Correctness (die Ursprünge liegen primär in der US-amerikanischen – NICHT der französischen – Variante des Poststrukturalismus/Postmodernisus)

            Dabei klare Abgrenzung von falschen Behauptungen sowie reaktionären Positionen hierzu von konservativen/rechten PC-Kritikern (beispielsweise die antisemitische rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie).

            – Kritik an der postmodernen Political Correctness beinhaltet in meiner Perspektive unter anderem auch Kritik an politisch korrekten Spinnereien wie Privilegienreflektionen; Definitionsmacht; Mikro-Aggressionen; politisch korrektes Sexualverhalten (Sex nach dem feministischen Konsensprinzip); Kulturrelativismus; Norm-Feindbilder bzw. Feindbild weißer, heterosexueller Mann; Identitätspolitik und des Weiteren Analysen wie die postmoderne Political Correctness faktisch den Interessen der herrschenden Klasse dient.

            – Linke Kritik an irrationalen und dysfunktionalen politisch korrekten Sprachumerziehungsmaßnahmen, z.B. feministische „geschlechtssensible Sprache“ und den Ursprüngen dieser Ideen in der poststrukturalistischen Sprachphilosophie, die dazu neigt den Einfluss von Sprache massiv zu überschätzen.

            – Linke Kritik an der Degradierung kritisch-analytisch wichtiger Begriffe wie z.B. Sexismus, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Faschismus usw. zu bloßen Kampfbegriffen entweder durch nicht rational begründete undifferenzierte Anwendungen oder durch Erfinden überzogener und sachlich nicht angemessener neuer Definitionen.

            – Linke Kritik an „radikalen“ Formen des Feminismus bzw. an deren grundlegendem theoretischem Paradigma („Männer sind privilegiert und stets Täter, Frauen sind diskriminiert und stets Opfer“) aus linker Perspektive, Unterstützung des linken Maskulismus (bzw. linken Flügels der Männerrechtsbewegung) sowie von ernsthaft an Gleichberechtigung ausgerichteten dissidenten Formen des Feminismus wie Equity-Feminismus, Individual-Feminismus und liberaler Feminismus in der Tradition von Elisabeth Badinter, Entwicklung einer geschlechtsübergreifenden antisexistischen Sichtweise, die Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen bezüglich beider Geschlechter in wissenschaftlicher, theoretischer und politischer Hinsicht berücksichtigt als neuem umfassenden geschlechterpolitischen Ansatz.

            – Linke Kritik an einseitigen und beschränkten Formen von Anti-Rassismus, die Rassismus nur in einer Richtung verorten oder die sogar selbst in Neo-Rassismus gegen Weiße abdriften (wie Critical Whiteness). Entwicklung eines umfassenden Antirassismus, der potentiell alle Formen von Rassismus kritisch zu analysieren und zu bekämpfen vermag (z.B. Rassismus von Weißen gegen Nicht-Weiße, Rassismus von Nicht-Weißen gegen Nicht-Weiße, Rassismus von Nicht-Weißen gegen Weiße, Rassismus von Weißen gegen Weiße).

            – Linke Kritik an der Ignoranz bezüglich Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen gegenüber Christen in mehreren nicht-westlichen Ländern – hierbei handelt es sich auch, aber keineswegs nur um islamische Länder – und Entwicklung eines linken Zugangs zu diesem Thema. (Die Thematisierung der Menschenrechtssituation von Christen steht selbstverständlich nicht im Widerspruch zu linker Religionskritik am Christentum.)

            – Linke Kritik an Kulturrelativismus/Multikulturalismus aus humanistisch-universalistischer, aufklärerisch-menschenrechtlicher und herrschaftskritisch-emanzipatorischer Perspektive.

            – Linke Kritik am orthodox-konservativen Scharia-Islam und am islamistischen Scharia-Islam aus humanistisch-universalistischer, aufklärerisch-menschenrechtlicher und herrschaftskritisch-emanzipatorischer Perspektive, aber auch an autoritären und menschenrechtswidrigen Aspekten anderer prämoderner Kulturen.

            – Entwicklung einer neuen humanistisch-universalistischen Anti-Diskriminierungstheorie, die keine Menschengruppe per se ausschließt und keine politisch korrekten Norm-Feindbilder (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich) kennt, als Alternative zu der falsch angelegten Anti-Diskriminierungstheorie der politisch korrekten postmodernen Linken.

            – Linke Kritik an Relativierungen und Schönreden von Kriegsverbrechen der Alliierten gegenüber deutschen Zivilisten im 2. Weltkrieg (z.B. Bombardierung der Zivilbevölkerung Dresdens) in einem Teil der Linken. Eine klare Distanzierung von rechten Instrumentalisierungsversuchen ist bei vielen der genannten Themen wichtig, hier z.B. besonders. Linker Antifaschismus und Antinationalismus sollte m.E. universalistisch fundiert sein und dürfen daher keine Kriegsverbrechen relativieren.

            – Linke Kritik an der Fokussierung eines Teils der zeitgenössischen linken Kapitalismuskritik nur auf soziologische Strukturen („subjektlose Herrschaft“) und der Ausblendung der Netzwerke und des Agierens von Herrschaftseliten. Strukturell-soziologische Kapitalismuskritik sollte m.E. durch elitesoziologische Ansätze ergänzt werden, damit sowohl die sozialen Strukturen als auch die Netzwerke der Herrschaftseliten in ihrem Zusammenhang erfasst werden können.
            Dennoch bleibt es wichtig sowohl die strukturell-soziologische als auch die elitesoziologische Dimension von Kapitalismuskritik klar von antisemitischen Instrumentalisierungsversuchen von Kapitalismuskritik abzugrenzen und antisemitische Formen von „Kapitalismuskritik“ zu bekämpfen.

            – Linke Kritik an im Umgang mit gesellschaftlich schädlichen Formen von Kriminalität pragmatisch dysfunktionalen Theorienaspekten im Kontext von Radikaler/Kritischer Kriminologie und Abolitionismus (Abolitionismus ist ein linker Ansatz in der Strafrechtstheorie, der für eine Abschaffung von Gefängnissen, z.T. auch des gesamten Strafrechts argumentiert) bei gleichzeitiger Beibehaltung der Teilwahrheiten von Radikaler/Kritischer Kriminologie und Abolitionismus.
            Wie kann ein linker Zugang zu kriminologischen Themen aussehen, der das kriminologische Feld nicht der politischen Rechten überlässt und einen Beitrag dazu leistet gesellschaftlich schädliche Formen von Kriminalität wirksam zu verringern anstatt einseitig Kriminelle vor allem als Opfer der Gesellschaft zu sehen?

            – Wie kann die Ausbreitung konservativ-religiöser und fundamentalistischer Formen von Religiosität durch die im Schnitt höheren Geburtenraten konservativ-religiöser und fundamentalistischer Gruppen wirksam und dauerhaft gestoppt werden, damit die kulturelle Moderne und ihre Errungenschaften dauerhaft erhalten bleiben und ausgeweitet werden können anstatt dass es langfristig zu einer zivilisatorischen Regression moderner Gesellschaften zu prämodernen Gesellschaften bzw. archaischen Repressionskulturen kommt?

            – Ich befürworte aber auch, dass eine antiautoritär-egalitäre Linke das Feld der Religion nicht der politischen Rechten überlässt, denn es wird ja so oder so immer religiöse Menschen geben und das ist m.E. auch in Ordnung, solange Religiosität mit Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie vereinbar bleibt. Daher unterstütze ich – was manchmal paradox erscheinen mag – nicht nur explizit aufklärerisch-religionskritische Kräfte, sondern auch emanzipatorisch-moderne Kräfte innerhalb der Religionen. Es braucht m.E. immer beides: Sowohl aufklärerisch-humanistische Religionskritik als auch emanzipatorisch-moderne Interpretationen von Religionen.

            – Linke Kritik an der Ausblendung der Forschungsergebnisse und Theorien der biologischen Verhaltenswissenschaften durch größere Teile der Linken. Zwar muss man nun keineswegs Theorien der biologischen Verhaltenswissenschaften unkritisch übernehmen, aber ernsthaft diskutiert und auf ihre wissenschaftliche Haltbarkeit und potentielle gesellschaftliche Relevanz hin überprüft werden sollten diese m.E. schon.

            – Argumentative Klärung des Problems des Umgangs mit dem Fortschreiten der Gentechnik. Sollte die Linke die Entwicklung solcher gentechnischer Maßnahmen befürworten, die zu mehr sozialer Gerechtigkeit beitragen könnten (z.B. „Abschaltung“ von Genen, die zu psychischen Störungen oder Suchtstörungen beitragen oder gentechnische Anhebung der Intelligenz bei Menschen mit genetischen Dispositionen für geringere intellektuelle Fähigkeiten, die dadurch in einer modernen Gesellschaft benachteiligt sind)? Also, sollte eine antiautoritär-egalitäre Linke nicht nur auf die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten, sondern auch auf eine Beseitigung natürlich-genetischer Ungerechtigkeiten hinarbeiten?
            Solche Reflektionen setzen natürlich zwingend voraus, dass Freiwilligkeit gewahrt bliebe und dass eine Durchführung entsprechender Maßnahmen wissenschaftlich fundiert als ungefährlich eingeschätzt werden könnte.

            – Wiederherstellung des klassisch-linken Zugangs zum Thema Meinungsfreiheit. Andere politische Meinungen sollten weder rechtlich beschränkt werden, noch ihre Anhänger bedroht oder physisch angegriffen werden. Es sollte angestrebt werden andere politische Meinungen öffentlich mit den besseren Argumenten zu widerlegen.

            – Linke Kritik an irrationalen Gewalthandlungen einiger linker Aktivisten, z.B. Angriffe auf Polizisten oder auf vermeintlich oder tatsächlich politisch rechts Denkende.

            Meine Kritik ist dabei nicht von einem allgemeinen Pazifismus motiviert, den ich für unrealistisch halte.
            Den Einsatz von physischer Gewalt zur Verteidigung vor gewalttätigen physischen Angriffen halte ich für legitim, natürlich sollte auch bei Gewalt zur physischen Verteidigung die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.
            Gewalt ist des Weiteren m.E. im Kontext einer von großen Teilen der Bevölkerung getragenen sozialen Revolution hin zu einer freiheitlich-sozialistischen Gesellschaft dann schwer vermeidbar und moralisch zu rechtfertigen, wenn sich gewaltbereite konterrevolutionäre Kräfte der Bevölkerung entgegenstellen – aber eine solche revolutionäre Situation liegt noch in weiter Ferne.

            Physische Angriffe auf politisch Andersdenkende oder auf Polizisten durch Linke im heutigen Deutschland sollten aber m.E. aus antiautoritär-linker Perspektive als nicht zu rechtfertigende, irrationale Gewaltakte beurteilt werden, ein Armutszeugnis und eine moralische Bankrotterklärung eines Teils der militanten radikalen Linken.

            Das sind einige Themen, von denen ich meine, dass die zeitgenössische Linke sich damit beschäftigen sollte und Positionen dazu aus humanistisch-universalistischer und aufklärerisch-menschenrechtlicher Perspektive sowie aus einer um Objektivität bemühten Haltung erarbeiten und etablieren muss um wieder zu einer konstruktiven und wirksamen Kraft in der Zukunft zu werden.

            Dabei ist es notwendig, sich klar von Positionierungen der politischen Rechten hinsichtlich aufgeführter Themen abzugrenzen, insofern diese einem universalistischen Moralverständnis und zentralen Werten und Prinzipien eines radikalen Humanismus von links widersprechen oder schlicht inhaltlich falsch sind.

            Mir geht es darum, dass alle angesprochenen Themen aus der Perspektive eines klassisch-linken, universalistisch-humanistischen Moralverständnisses und einer um Objektivität bemühten Haltung behandelt werden.
            Es sollte u.a. auch darum gehen, keine gesellschaftlich relevanten Problemfelder der politischen Rechten zu überlassen – aber eben auch nicht der postmodernen politisch korrekten Linken.

            Zu mehreren der aufgeführten Themen gibt es zum Glück bereits interessante und lesenswerte Schriften von linken Autoren, die nur oft noch zu wenig bekannt sind.

            Des Weiteren halte ich daran fest, dass ein radikaler Humanismus von links unter anderem antikapitalistisch, klassenkämpferisch, staatskritisch (im Sinne des libertären Sozialismus), antifaschistisch, antinationalistisch, antisexistisch (im Sinne eines integralen Antisexismus), antirassistisch (im Sinne eines umfassenden Antirassismus) und Gegner jeder Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung sein sollte.

          • „Ist nicht für jemanden der irgendwie halbwegs wachen Verstandes die Situation im Lande verfolgt in etwa klar was Lafos und Wagenknechts Positionen sind?
            Also die echten Linken Positionen? KEINE Flüchtlinge! Kein Resettlement. Kein antisozialer Druck auf Arbeits und Wohnungsmark.“

            Hier zeigt sich eine entscheidende linke Konfliktlinie (national vs international). Wessen Wohl ist wichtiger: Das der einheimischen Bevölkerung, oder das aller Menschen ohne Rücksicht auf Herkunft, Staatsangehörigkeit etc.? Offene Grenzen reduzieren (zumindest kurzfristig) Armut weltweit, verursachen aber auch Kosten monetärer wie nichtmonetärer Art, die von der einheimischen Bevölkerung getragen werden müssen. Hoch die (inter-)nationale Solidarität!?

          • @Leszek:

            Glaubst Du ernsthaft diese Themen würden außerhalb einer ziemlich kleinen Schicht von Akademikern, denen es trotz all der Zeit-Verträge immer noch recht gut geht, irgendwen interessieren? Oder immerhin genug um deswegen eine Partei zu wählen?

          • @ Ih

            „Glaubst Du ernsthaft diese Themen würden außerhalb einer ziemlich kleinen Schicht von Akademikern, denen es trotz all der Zeit-Verträge immer noch recht gut geht, irgendwen interessieren?“

            Ja, nämlich Leute, die von konkreten Mißständen im Zusammenhang mit irgendwelchen der aufgeführten Themen betroffen sind.

            Aber auch davon abgesehen wird man m.E. nicht drumherumkommen linke Theorien im Sinne der aufgeführten Aspekte zu aktualisieren, wenn man die ideologische Hegemonie der politisch korrekten postmodernen Linken (und anderer regressiver Ideen) langfristig von links und zugunsten einer besseren Linken durchbrechen will.

            Ich bin davon abgesehen aber natürlich mit dir einer Meinung, dass es ebenfalls absolut notwendig ist, dass sich die Linke wieder verstärkt den realen Bedürfnissen und sozialen Problemlagen der Arbeiterklasse (im weitesten Sinne verstanden) zuwendet.

          • Hier zeigt sich eine entscheidende linke Konfliktlinie (national vs international). Wessen Wohl ist wichtiger: Das der einheimischen Bevölkerung, oder das aller Menschen ohne Rücksicht auf Herkunft, Staatsangehörigkeit etc.?

            Richtig, aber diese Konfliktlinie besteht auf der Rechten ebenso. Kurzum: Freihandel (inklusive Personenfreizügigkeit) und Heimatschutz vertragen sich nicht.

          • „Richtig, aber diese Konfliktlinie besteht auf der Rechten ebenso. Kurzum: Freihandel (inklusive Personenfreizügigkeit) und Heimatschutz vertragen sich nicht.“

            Die Rechten haben es da einfacher: Heimatschutz geht immer vor.

          • Wie kann die Ausbreitung konservativ-religiöser und fundamentalistischer Formen von Religiosität durch die im Schnitt höheren Geburtenraten konservativ-religiöser und fundamentalistischer Gruppen wirksam und dauerhaft gestoppt werden, damit die kulturelle Moderne und ihre Errungenschaften dauerhaft erhalten bleiben und ausgeweitet werden können anstatt dass es langfristig zu einer zivilisatorischen Regression moderner Gesellschaften zu prämodernen Gesellschaften bzw. archaischen Repressionskulturen kommt?

            Das kann ja wohl nicht Dein Ernst sein, oder verstehe ich da etwas falsch? Wenn die Linken vor „outbreeding“ Angst haben, dann sollten sie ihre Lenden einfach in Bewegung setzen anstatt den anderen Vorschriften machen zu wollen!

          • Ih @“@Leszek:

            Glaubst Du ernsthaft diese Themen würden außerhalb einer ziemlich kleinen Schicht von Akademikern, denen es trotz all der Zeit-Verträge immer noch recht gut geht, irgendwen interessieren? Oder immerhin genug um deswegen eine Partei zu wählen?“

            Ich vermute, daß es, aus der dargestellten Sicht Leszeks, weniger darum geht, irgendwen zum Wählen bestimmter Parteien zu animieren.
            Und v.dh. halte ich das Beschränken von bestimmten Themenbereichen auf tatsächlich ernsthaft interessierte Leute, für eine sehr gute Sache.

            Heute wird nicht nur breit und flach über alles Geschwafelt, es werden auch nach der gleichen Methode, Parteien, Initiativen, Vereine u.s.w. gegründet, die dann z.T. sehr viel Einfluss auf Politik, Medien und im Endeffekt die Bevölkerung ausüben.

            Besser wäre es m.E., wenn z.B. akademische Diskussionen durchaus mehr in deren Zirkeln stattfinden würden, nämlich unter den ganz real mit dem jeweiligen Thema intensiv befassten Leuten.
            Denn in letzter Konsequenz würde der tatsächlich von irgendwelchen Mißständen betroffene Mensch dadurch auch leichter und „automatischer“ an adäquate Hilfe- u. Unterstützungsmöglichkeiten kommen, die er heute nicht nur kaum findet, sondern wo er auf der Suche in diverse Hongtöpfe plumpst und erst recht und meist lukrativ zum Loser gemacht wird.
            Bspw. wenn von Entsorgung bedrohte Elternteile an solche Parasiten wie BuFoMä, Wildwasser, VAM(v), dKSB, PLAN etc. geraten.

        • Ich versteh‘ schon wieder was nicht. Du schreibst oben:

          „Das unterscheidet sie von ECHTEN Linke, die sich mit den TATSÄCHLICHEN sozialen Verhältnissen auf der Basis der wirklich existierenden EMPIRISCHEN Realität auseinandersetzen, um auf dieser Basis politische Vorstellungen und Vorschläge zu entwickeln …“

          Wenn ich das richtig verstehe, dann schließt Du hiermit per definitionem aus,
          – daß die (richtigen) Linken sich *nicht* mit den tatsächlichen sozialen Verhältnissen auseinandersetzen, und
          – daß sie eine derartige Auseinandersetzung *nicht* auf der Basis der wirklich existierenden empirischen Realität betreiben.

          Eine solche definitorische Festlegung scheint mir abwegig. Wie immer man „die (richtigen) Linken“ definieren mag, und was immer die Vorzüge dieser (richtigen) Linken sein mögen – es ist sicher nicht ausgeschlossen, daß einige von ihnen genau das tun, was Du ihnen per definitionem absprechen willst.

          Kurz und überspitzt: Es gehört nicht zur Definition der Linken, daß sie unfehlbar sind. Sie mögen sich redlich bemühen, aber die Möglichkeit, daß sie falsch liegen (= sich nicht mit den tatsächlichen sozialen Verhältnissen auseinandersetzen, und eine derartige Auseinandersetzung nicht auf der Basis der wirklich existierenden empirischen Realität betreiben), besteht immer.

  1. „In particular, many right-wingers tell each other that the near-consensus among scientists on human-caused climate change is a conspiracy among politically correct academics who are committed to a government takeover of the economy. This is sheer nonsense, but it can gain traction when the noisiest voices in the academy are the repressive fanatics.“

    Darin sehe ich schlussendlich auch das Hauptproblem; absolut verständliche und intelligente Positionen werden weggeschwemmt, weil man die radikale Linke (deren Einfluss ich aber je nach Land als etwas grösser einstufen würde, als Pinker das tut, wenn auch nicht in Europa…) einfach machen lässt und es nach Jahren des offenen Lügens und des Hetzens gegen Andersdenkende zu einem Backlash kommen wird, der jegliche abweichende Meinung, und sei sie noch so wissenschaftlich fundiert, als weiteren Propagandaversuch des Feindes werten wird.

    Es gibt zwischen „Wir werden die Atmosphäre verlieren und wie die Venus ausbrennen“ und „Klimaveränderungen sind politische Propaganda, um die Ölindustrie zu vernichten“ eine Menge rational begründbare Positionen, die keine Extremmeinungen sind, aber medial/gesellschaftlich werden zunehmend nur die beiden extremsten Pole vertreten.

    • @toxic

      Bitte nicht den Fehler begehen, alle US-Diskurse 1:1 zu übernehmen.
      Dass Medien an der Publikation von Extremmeinungen ein aufmerksamkeitsökonomisches Interesse habe sollte einleuchten.
      Hier sind die Verhältnisse aber zum Glück noch nicht so polarisiert.
      Es gibt auch nicht nur zwei Parteien, die man wählen kann.

        • @Sander

          Na und?
          Das sollten die Bürger der Ex-DDR doch kennen und gerade die AfD dufte finden: Die Kandidaten der Nationalen Front regieren. 😉

          Doch siehe, bald wird sie an die Macht kommen, die Koalition aus FDP und Linke und dann geht es gutversifften Linkmenschen wie dir an den Kragen! 🙂

        • 😉 Interessante Vorstellung.

          Wobei man ja, allen blöden Spaß beiseite, eben genau in dem Punkt die Diskussion ja doch 1:1 aus den USA übernehmen kann.

          Dort empfanden die Wähler zwei Parteien als inhaltlich so austauschbar, dass man sich um emotionalisierte Deppenthemen streiten musste. Transklos zB.
          Hier empfinden die Wähler vier Parteien entsprechend austauschbar.

          Für unser (Der große Popatzematze mag mir das „uns“ hier vergeben) Thema hier auf dem Blog, grob das Männerthema, waren die alle zwei/vier gleich scheiße. =)

          In Bezug auf AfD, Trump, FN stellt sich ja in dem Kontext die Frage was ist da zu erwarten?
          Trump hat, und das hätte ich nicht erwartet, geliefert.
          Betsy Devos zum Beispiel und die Title 9 Geschichte (hoffentlich hab ich den Namen richtig hinbekommen).

          Du magst das ja lustig finden Crumar, aber die erklären uns ja ganz unironisch zu Schlechtmenschen.

          • @Sander

            Ich finde „Schlechtmenschen“ immer noch besser als das, was Clinton mit „deplorables“ gebracht hat.
            Als sie das sagte (als angehende Präsidentin!) war mit klar, die hat einen soliden Dachschaden.
            Damit zu den Kandidaten: Ich war für Sanders und wenn Trump und Clinton die besten Kandidaten sind, die es in der Parteienlandschaft der USA gibt, dann ist über den Zustand dieser Parteien alles gesagt.

            Beide haben sich um „emotionalisierte Deppenthemen“ gestritten, *weil* es um die realen Probleme *nicht* gehen sollte.
            Abgesehen davon, dass die Pseudo-Linke sich mit der weißen Armut nicht beschäftigen wollte, wollte sich ganz USA auch mit klitzekleinen Problemen nicht beschäftigen:

            „The engineers society says roads and bridges need $2 trillion in improvements. The Federal Highway Administration says they need $836 billion.
            The engineers society says drinking-water systems need $1 trillion over 25 years to maintain and expand service. The Environmental Protection Agency says they need $384 billion.
            The engineers society says the 15,000 dams most in need of rehabilitation require $45 billion of rebuilding. The Association of State Dam Officials puts the price at less than half that.“
            http://money.cnn.com/2017/03/09/news/infrastructure-report-card/index.html

            Insgesamt addieren sich die geschätzten Reparaturkosten der liegen gelassenen und verrottenden Infrastruktur auf satte 4,6 *Billionen* Dollar.
            Was bedeutet, sie haben nicht nur über ihre Verhältnisse, sondern von der Substanz gelebt.
            Wollen wir diese ignorante Scheiße hier auch?
            Irgendwann sollten ernsthafte Menschen sich zusammentun, die ernsthafte Probleme sehen und sie ernsthaft lösen wollen, die Politclowns zu verjagen.

            „In Bezug auf AfD, Trump, FN stellt sich ja in dem Kontext die Frage was ist da zu erwarten?“
            Gar nichts.
            Denn die Rückkehr zur „traditionellen Männlichkeit“ ist nicht mein Wunschprogramm und die muss es geben, wenn die traditionelle Weiblichkeit / Familie hofiert werden soll.
            Das alte Modell setzte den allein ernährenden Mann mit einem Lohn/Gehalt voraus, mit der eine Familie ernährt kann – der Drops ist gelutscht.

            Wer das mit staatlichen Geldern kompensieren will, muss es sich über Steuern holen, da Unternehmen nicht belangt werden sollen kann man sich an zwei Fingern einer Hand abzählen, wer es letztlich über Verbrauchssteuern zahlen wird.

            Ich wiederhole mich außerdem: Feministisch gibt es die große Koalition bereits seit 1995.

      • @ Crumar

        Mir persönlich begegnet der Umstand immer häufiger, dass komplexe Fragen auf Binärentscheidungen entlang der eigenen politischen Gesinnung reduziert werden, klar ist natürlich, dass Extremmeinungen sich besser verkaufen, aber eben neuerdings auch bereitwilliger angenommen werden wohl als Teil eines polarisierenden Selbstbildes und einer neuen Gruppenidentität gelebt werden. Ich höre teilweise extreme politische Aussagen von Leuten, die ich für apolitisch gehalten habe; die mich zweifeln lassen. Und ich arbeite nicht in einem Umfeld, in dem die Leute die Ausrede von Existenzängsten hätten um ihre eigene Radikalisierung zumindest ansatzweise zu rechtfertigen.

        Ich würde schon sagen, dass sich die Situation in dieser Hinsicht verschärft hat; europaweit werden gewisse Gretchenfragen schon gestellt und ich glaube nicht, dass es nur Ausdruck der natürlichen Pendelbewegung ist, dass eine AFD oder Front National, die sich selber wiederum als binäre Widerstandsbewegungen sehen, ein Zufall ist. Amerika mag uns da etwas voraus sein, aber Anbetracht der Tatsache, dass uns in Europa noch viel mehr Zündstoff zur Polarisierung erwartet (Massenarbeitslosigkeit durch die Automatisierung des Dienstleistungssektors/Industry 3.0; weitere Masseneinwanderung aufgrund von Klimakatastrophen und politischer Instabilität/lokaler Überbevölkerung in Afrika etc.), kann sich das schnell ändern. Zumindest für mich „fühlt“ es sich gerade so an, wie wenn die Ressourcen und das soziale Kapital der liberalen Demokratien schneller verbraucht wird, als es sich wieder auffrischt. Hast du dieses Gefühl nicht?

        Vielleicht bin ich aber auch nur zynisch und alt geworden.

        • @toxic

          „Zumindest für mich „fühlt“ es sich gerade so an, wie wenn die Ressourcen und das soziale Kapital der liberalen Demokratien schneller verbraucht wird, als es sich wieder auffrischt. Hast du dieses Gefühl nicht?“

          Oh doch, aber schon länger.
          Im Grunde schleifen wir die nicht bewältigte Krise von 2009ff und alle verdrängten politischen Entscheidungen die ganze Zeit mit herum.
          Die Flüchtlingskrise hat nur *sichtbar* gemacht, welche Bedingungen bereits *vorher* herrschten, an denen Menschen verzweifelten.
          Die Symbolpolitiken auf der Basis der Vermeidung der Realität gab es vorher schon und die Sündenbock-Muslime von heute waren die Griechen von gestern.
          Was sich geändert hat ist m.E. die Einschätzung, das die Politik keine Lösungen für die drängendsten Sorgen der Bevölkerung parat hat *und* es diese auch nicht zur Kenntnis nehmen will.

          „Mir persönlich begegnet der Umstand immer häufiger, dass komplexe Fragen auf Binärentscheidungen entlang der eigenen politischen Gesinnung reduziert werden, klar ist natürlich, dass Extremmeinungen sich besser verkaufen, aber eben neuerdings auch bereitwilliger angenommen werden wohl als Teil eines polarisierenden Selbstbildes und einer neuen Gruppenidentität gelebt werden.“

          Ja, diese Reduktion von Komplexität durch den Rückfall auf die Gesinnung der Echokammern sehe ich auch als ein Problem an und einfache Antworten auf schwierige Fragen gibt es in der Regel nicht.

          Ich glaube, die Polarisierung des Selbstbildes ist eine individuelle Form der Krisenverarbeitung, die mit dem Gefühl von (erfahrener) Ohnmacht und mangelnden „Sinnressourcen“ zu tun hat.
          Sowie mit dem Zerfall der Gesellschaft bzw. des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
          Da ist der Rückhalt in dem, was „größer ist als man selbst“ als „Identität“ individuell orientierend, löst aber die eigentlichen Fragen nicht, was ein gelungenes Leben ausmacht, ein gutes miteinander sichert und eine Gesellschaft ist, in der wir gerne leben wollen.
          Wer das Lied der Nation+Rasse singt, singt eigentlich auch: I/we have nothing left to lose.

          • in diesem Zusammenhang ist der Vortrag von Prof. Mausfeld – Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt – recht erhellend

    • Ich denke das Problem ist systemimmanent: Die schrillsten Meinungen bekommen die höchste Aufmerksamkeit. Jeder, der in der Zuspitzung und Polarisierung zurücksteht, wird durch die Aufmerksamkeitsökonomie bestraft. Wenn die Dynamik einfach laufen gelassen wird, landen wir wieder beim Lynchmob und beim Aberglauben. (Schlangenöl wird ja auch schon wieder gehandelt.)

      Eigentlich müssten die Werte der Aufklärung dauernd ins Schaufenster gestellt werden, anstatt diesen Eskalationszirkus mitzumachen. Da sehe ich aber weit und breit nichts.

  2. „Was sich geändert hat ist m.E. die Einschätzung, das die Politik keine Lösungen für die drängendsten Sorgen der Bevölkerung parat hat *und* es diese auch nicht zur Kenntnis nehmen will.“

    Sei nicht so pessimistisch, immerhin haben wir in Zukunft ein Heimatministerium.

    Da fühlt sich die Arbeitslosigkeit gleich nicht mehr so kalt an, wenn in der nächsten Krise kostengünstige Lederhosen an Sozialhilfeempfänger verteilt werden.

    • „kostengünstige Lederhosen an Sozialhilfeempfänger verteilt werden“

      Im dritten Reich, zumindest während des Krieges, gab es für alles Bezugsscheine, etwa für Schuhe. Zwar für alle, es mussten aber auch alle (die konnten) arbeiten. Noch keine 80 Jahre her, kann schnell wieder passieren. Obwohl eher nicht, kann ja niemand mehr Schuhe herstellen, wenn der Nachschub aus China stockt…

  3. Beim Konflikt zwischen „Bourgeoisie“ und „Proletariat“ ging es um divergierende materielle Interessen (wer steckt sich den „Mehrwert“ ein und wer guckt in die Röhre) und nicht um Identitäten. Interessen sind prinzipiell verhandelbar, Sowohl der im Klassenkampf obsiegende als auch verlierende Teil werden nicht in ihrer Identität berührt, sondern allein in der erstrebten oder versagten Befriedigung ihrer materiellen Bedürfnissen. Machtfragen sind den ökonomischen Interessen zu- und untergeordnet.

    Bei Identitäten geht es dagegen darum, wie die Leute sich in ihrem Da-Sein, So-Sein und An-für-sich-Sein verstehen. Identitäten machen sich sowohl an askriptiven Merkmalen wie Geschlecht, sexueller Orientierung oder ethnischer Abstammung als auch an kultureller Lebenspraxis und religiösen Existenzverständnissen fest. Identitätskonflikte führen zu Kulturkämpfen, wo die Klasseninteressen zurücktreten und die Protagonisten entweder ihren Gegnern die eigene Lebenspraxis, Religion etc. aufzwingen wollen oder sich dagegen wehren. In der Regel werden Kulturkämpfe dieser Art wesentlich härter ausgetragen – und verfügen auch über ein erhebliches Mobilisierungspotential – als noch so harte Klassenkämpfe, weil – im Gegensatz zu Interessen – niemand darüber verhandelt, wer er (oder sie) ist oder wer er (oder sie) sein soll.
    In den USA haben in den letzten Jahrzehnten viele Wähler gegen ihre ökonomischen Interessen aus kulturellen (evangelikalen, rassistischen etc.) Motiven die Republikaner gewählt. In Europa dagegen wählten im 19. und frühen 20. Jahrhundert viele auch wohlhabende Juden (gegen ihre Klasseninteressen) die linken und linksliberalen Parteien, weil diese Parteien für die Judenemanzipation standen. Diese „identitätspolitischen“ Motive treten jedoch in dem Augenblick zurück, wo die Konflikte bereinigt sind und die ökonomischen oder sonstigen Interessen wieder in den Vordergrund treten.
    Jede Gesellschaft tut gut daran, destruktive Kulturkämpfe über „das wahre und richtige Leben“, über religiöse Einstellungen und über die Bevorzugung oder Benachteiligungen aufgrund askriptiver Merkmale zu vermeiden und alles, was damit zu tun hat, von der politischen Tagesordnung zu nehmen und strikt ins Privatleben zu verschieben, Dann haben wir genug Zeit, uns über die divergierenden ökonomischen Interessen und die ebenfalls divergierenden politischen Ordnungsvorstellungen zu streiten, soweit sie für die res publica von Bedeutung sind.

    • @Friedrich

      „Jede Gesellschaft tut gut daran, destruktive Kulturkämpfe über „das wahre und richtige Leben“, über religiöse Einstellungen und über die Bevorzugung oder Benachteiligungen aufgrund askriptiver Merkmale zu vermeiden und alles, was damit zu tun hat, von der politischen Tagesordnung zu nehmen und strikt ins Privatleben zu verschieben“

      Würde ich gerne unterschreiben, aber seit „Das Private ist politisch!“ ist das Gegenteil eingetreten und die (sozialen) Medien befeuern diesen Trend.
      Zudem sind diese „cultural wars“ in meinen Augen eine 1A-Ablenkung von tatsächlicher Ungleichheit in einer Gesellschaft, was in den USA beispielhaft zu sehen war.
      Denn gerade die unkritische „critical whiteness“ Debatte hat es vermocht zu verbergen, dass die Mehrheit der Armen (in absoluten Zahlen) in den USA eine weiße Hautfarbe hat.
      Seitdem dieser „alternative“ frame gesetzt worden ist, sollten sich alle Weißen ihres „privilege“ bewusst werden und wer partout kein reales hat, ist eben selber Schuld. Selbiges gilt für „masculinity“.

      D.h. der „frame“ der Identitäten macht politisch absolut Sinn, wenn er als spiegelbildlicher Ersatz verstanden wird zu: „Machtfragen sind den ökonomischen Interessen zu- und untergeordnet.“
      Währenddessen Identitätspolitik die Sicherung von Macht als bloße Unterstellung behauptet und behaupten muss, weil es keine ökonomischen Interessen gibt, die dahinter stehen.

      Eine solche „Kritik“, die *tatsächliche, radikale Kritik* der sozialen Verhältnisse *ersetzt* ist natürlich hochgradig attraktiv, gerade wegen ihres Mobilisierungspotentials und ihrer Konzentration auf mobilisierbare Emotionen/Affekte.
      Die wiederum Hand in Hand gehen mit der Skandalisierungslogik der Medien und deren Aufmerksamkeitsökonomie.
      Problem an deren Dynamik ist: Wenn alles BESONDERS wichtig ist, ist (auf Dauer) gar nichts mehr wichtig.
      Das spielt den Freunden der Aufklärung natürlich in die Hände. 🙂

      • Wieso schreibst Du

        „Würde ich gerne unterschreiben, aber …“?

        Wieso „aber“? Im Folgenden entkräftest Du doch die Aussagen, die Du von Friedhelm G. zitierst, gar nicht. Da heißt es:

        „„Jede Gesellschaft tut gut daran, destruktive Kulturkämpfe über „das wahre und richtige Leben“, über religiöse Einstellungen und über die Bevorzugung oder Benachteiligungen aufgrund askriptiver Merkmale zu vermeiden und alles, was damit zu tun hat, von der politischen Tagesordnung zu nehmen und strikt ins Privatleben zu verschieben““

        Soweit ich sehe, sind Deine folgenden Ausführungen mit diesem Zitat kompatibel.

        Friedhelm hat ja bereits zugestanden, daß Leute manchmal ihre materiellen Interessen zurückstellen gegenüber ihren Identitäts-Interessen. Du verweist obendrein darauf, daß man Identitäts-Konflikte oder -Kämpfe instrumentalisieren kann, um Leute davon abzuhalten, ihre materiellen Interessen konsequent wahrzunehmen oder gar durchzusetzen. Schön.

        Und woraus leitet sich jetzt Dein „aber“ gegenüber Friedhelms Zitat oben her?

        • @Jochen

          Weil „die Gesellschaft“ gut daran täte und faktisch ohnmächtig ist.
          Du siehst in den sozialen Medien den geradezu eingebauten *Zwang*, das Private in der Öffentlichkeit auszustellen.

          Ich habe aber keine Ahnung, wie man damit umgehen sollte.
          Denn es scheint mir unumkehrbar zu sein.

  4. „I argued that leftist politics had distorted the study of human nature, including sex, violence, gender, childrearing, personality, and intelligence.“

    Letztens sogar darüber nachgedacht. Finde ich korrekt, jedoch frage ich mich auch, wo bei den Rechten in dem Fall die blinden Flecken liegen? Er hat ja schon die Klimaerwärmung angesprochen, was ich auch so bestätigen würde.

    • Mal „Chasing Ice“ gesehen?
      Preisgekrönte Klimawandelsdoku.
      Wer mal der Messe beigewohnt hat fühlt sich sofort heimisch.
      Vielleicht liegt da der Kern des Zweifels am menschlichen Anteil am angeblich zu 199% menschgemachten Klimawandel.
      Verdächtig ist halt auch, das Donald Trump noch den Trumptower in Manhattan hat, wo doch Al Gore versprach New York gäbe es heute nicht mehr.
      Da nun die wenigsten Klimawissenschaftler sind UND wir ja beim Gendergedöns das Totalversagen der Wissenschaft bewundern können, mir kommt’s komisch vor.
      Der waldgestorbene Wald ist auch noch da.
      Obwohl die Kinder heute nicht mehr wie wir in den Achtzigern Müll sammelnd durch den Wald rennen.

      • also den toten Wald konnte ich mir anschauen, in den Eighties, in Thüringen. Da gabs reichlich Ecken da war der Wald braun, mit ein paar grünen Flecken drin. Nur von Waldsterben hat keiner geredet, das wurde totgeschwiegen. Und wenn man richtig gebohrt hat kam dann irgendwann „Ja, da gibts Probleme, aber für Umweltschutz haben wir kein Geld, darum kümmern wir uns später“. Nun ging’s bei uns wahrscheinlich noch etwas schlimmer zu, aber der saure Regen hat sich an der Mauer auch nicht wirklich gestört, bin ich mir sicher …

  5. Viel mehr als ausufernd formuliertes Rechts doof und Links doof und falsch dargestellt von Pseudolinken seh ich jetzt aber auch nicht.
    Was natürlich an mir liegen könnte.

  6. @crumar
    Erst einmal: ich heiße Friedhelm und nicht „Friedrich“.
    Die Behauptung, dass „das Private politisch“ sei, habe ich in ihrer Tendenz schon immer für totalitär gehalten, obwohl ich mich politisch links einordne. Kennzeichnend für die Moderne sind die „großen Entzweiungen“ von Staat und Gesellschaft sowie von öffentlichem Raum und privater Lebenssphäre. Es wird zwar stets strittig sein, wo genau dort im Einzelfall die Grenzen verlaufen, dass es sie aber gibt, halte ich für fundamental, um ein liberales Gemeinwesen aufrechtzuerhalten. Es ist und war das Bestreben aller totalitären Bewegungen, diese „großen Entzweiungen“ im Sinne einer phantasierten „Ganzheit“ aufzuheben, um alle tatsächlichen und angeblichen „Entfremdungen“ zu beseitigen. Das kann in Form einer Verstaatlichung der Gesellschaft geschehen, aber auch in umgekehrter Form, indem gesellschaftliche Kräfte den Staat als rationales Ordnungsgefüge zerstören und an seine Stelle die charismatisch angeleitete „Volksgemeinschaft“ setzen, die über keine institutionelle Struktur mehr verfügt. Anhand des Nationalsozialismus hat dies der Politikwissenschaftler und Staatsrechtlicher Franz Neumann in seinem Werk „Behemoth“ dargelegt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Behemoth_(Franz_Neumann)
    Wenn auch ganz anders, so ist auch der Neoliberalismus dabei, durch seine Privatisierungen den öffentlichen Raum immer mehr einzuengen und auf diesem Wege die „großen Entzweiungen“ von der privaten Seite her aufzulösen, was sich dann auch im Bedeutungsgewinn privater Wehwechen in der öffentlichen Sphäre widerspiegelt. Totalitäre Tendenzen, die auf eine Einebnung von Staat und Gesellschaft sowie privater Lebensführung und öffentlichem Raum hinauslaufen, sehe ich ebenfalls in kommunitaristischen Konzeptionen und im Gerede von der „Bürgergesellschaft“, die beide antistaatlich sind und auf eine Schwächung des öffentlichen Raum hinauslaufen. Zu diesem Komplex habe ich mich vor langer Zeit (1999) unter dem Titel „Schnittmengen zwischen Neoliberalismus und Kommunitarismus“ in der Zeitschrift „Vorgänge“ geäußert.
    http://www.humanistische-union.de/nc/publikationen/vorgaenge/archiv/heftankuendigungen_detail/back/1990-1999/article/vorgaenge-nr-148-heft-41999-der-vermessene-mensch/
    Allerdings bedeuten diese Feststellungen nicht, dass der private Bereich rechtlos gestellt ist. Auch in privaten Zusammenhängen müssen die individuellen Rechte der Beteiligten auf Leben, Freiheit und körperliche Unversehrtheit gesichert werden. Das Verbot des elterlichen Züchtigungsrechts ist daher mit dem Schutz der Privatsphäre durchaus vereinbar. Aber innerhalb dieses rechtlich gesetzten Rahmens muss alles möglich und erlaubt sein: von kulturkonservativen „Spießern“ bis hin zu promisk lebenden libertären Hedonisten hat ein jeder das Recht, „auf seine Art glücklich zu sein“ (Kant).
    Es gibt von dem großen Liberalen John Stuart Mill die Sentenz, dass die Nonkonformisten vor dem tyrannischen Zugriff der Konformisten geschützt werden müssen, dass aber umgekehrt auch die Nonkonformisten nicht das Recht haben, den Konformisten vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.

    • @Friedhelm (!!!)

      Entschuldige den falschen Vornamen und auch, dass ich deine Antwort erst jetzt sehe – sie war allerdings auch deutlich nach unten gerutscht.

      Sehr interessanter Beitrag von dir, zu dem ich mich später äußern werde!

    • @Friedhelm In einigen Teilen

      „Die Behauptung, dass „das Private politisch“ sei, habe ich in ihrer Tendenz schon immer für totalitär gehalten, obwohl ich mich politisch links einordne.“

      Nur kann man dir – und mir – dann vorwerfen, einen „männlichen Politikbegriff“ zu vertreten, in dem das Politische in der Öffentlichkeit stattfindet; also in einer traditionell männliche Sphäre, während der Raum des Privaten die traditionell weibliche ist, in der die Frau verbleiben soll.
      Während es den Feministinnen darum geht, diese Trennung aufzuheben, bzw. das Verhältnis von Privatem und Politischen neu zu bestimmen.
      So zumindest lautet die feministische Sichtweise.
      Ein Vorwurf, den man immerhin zur Kenntnis nehmen muss, weil Feminismus sich damit auf die „Totalität“ der Gesellschaft bezieht und Kritikern vorwirft, die Trennung zwischen diesen Bereichen sei *Resultat* eines Interesses.

      Mit der zweiten Welle des Feminismus sind (vormals) private Probleme politisiert worden und egal, wie wir also zum Verhältnis von Privatem und Politischem stehen, es wurde und wird seitens des Feminismus sehr erfolgreich Politik mit „dem Privaten“ betrieben.
      Dieser Erfolg entstammt u.a. (nicht explizit geäußerten) feministischen Einsicht, dass Frauen sich empirisch beweisbar für „offizielle Politik“ wenig interessieren. Bei Umfragen ist ein starkes politisches Interesse bei Männern ungefähr doppelt so häufig anzutreffen, sie sind eher Mitglied in politischen Parteien etc., lesen Sachbücher zu politischen Themen usw. und das durchgängig und seit Jahrzehnten.
      Die Kontinuität des weiblichen Desinteresses am Politischen in unserem Sinn – trotz endloser Versuche, Politik usw. frauenfreundlicher zu gestalten – ist in meinen Augen nur scheinbar paradox.

      Dass Probleme aus dem gesellschaftlichen *Nahfeld* von Frauen – z.B. die der sexuellen Beziehung von Mann und Frau – thematisiert werden, hat das Ziel, sie in die feministische Dogmatik der „patriarchalen Herrschaft“ und des „Machtgefälles“ zwischen Mann und Frau einzuordnen.
      Und aus dieser „männliche Herrschaft“ erklärbar zu machen – das wäre die Politisierung des Privaten im feministischen Sinn; als Durchsetzung eines Deutungsmusters.
      Der feministische Ansatzpunkt ist aber tatsächlich die *spezifische Sichtweise* von Frauen auf ihr persönliches und *demnach* politisches Nahfeld. Wäre es nicht so, der anhaltende Erfolg bliebe unerklärt.

      Genau so – das haben die letzten Jahrzehnte gezeigt – sind Frauen politisch mobilisierbar, nämlich mit der „Politik der ersten Person“, die eine Politik *aus der* ersten Person, weiblich ist.
      Die Stagnation des weiblichen Interesses an „offizieller (als männlich verstandener) Politik“ ist m.E. die logische Konsequenz des *Erfolgs* der feministischen Politik der Politisierung des Privaten und kann sie besser erklären, als nicht existente „strukturelle Hindernisse“ oder ein „gender time gap“.

      D.h. die Politisierung des Privaten hatte wiederum Rückwirkungen, nämlich in der Privatisierung des Politischen im Sinne der spezifisch weiblichen Perspektive. Ein solcher Feminismus lud auf der einen Seite dazu ein und konnte auf der anderen Seite davon nicht unbeschädigt bleiben.
      Der „radikale Subjektivismus“ – zum Beispiel im Konzept der „Definitionsmacht“ – ist *kein* Kollateralschaden des Feminismus der dritten Welle, sondern im ursprünglichen Konzept bereits angelegt.

      Ende Teil 1

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.