Besteht ein Bedürfnis nach „Ersatzreligionen“ gerade in Bezug auf Geschlechterthemen?

Yeyo sieht in einem Tweet Gender Studies auch als Ersatzreligion:

Wo vorher die Kirche vielleicht eine Bestimmung vorgenommen hat oder eine Rechtfertigung dafür gegeben hat, dass zB Frauen weniger in Führungspositionen waren („Weil Gott den Mann als Oberhaupt der Familie ansieht“ oder „Weil Gott sie dazu bestimmt hat, Leben zu schaffen“) könnte jetzt die Eindeutigkeit der Gender Studies mit ihrer sehr an christliche Lehren erinnernde Heilsbotschaft „Die Frau ist nur unterdrückt, sie steht unter dem Einfluss des bösen Patriarchats. Wir alle können durch die weibliche Art geläutert werden, wenn endlich die toxische Männlichkeit ausgetrieben worden ist“ einen Ersatz darstellen.

Interessanter Gedanke oder fernliegend?

48 Gedanken zu “Besteht ein Bedürfnis nach „Ersatzreligionen“ gerade in Bezug auf Geschlechterthemen?

  1. Hier versagen die atheistischen Evolutionsbiologen.
    Der Mensch evolutioniert sich zwar so weit, dass er mit Religionen daher kommt, nur der Atheist ist so klug, rational und wissenschaftlich, an dem Punkt setzt leider sein Denkvermögen a priori aus.

      • Genau so versagen sie.

        Das Bedürfnis nach Religion ist angeboren.
        Evolutionär bedingt.
        (Ich würde sogar wagen zu behaupten, das weit verbreitete Mantra „Ich bin Atheist, das ist rational, Religionen sind für Idioten, Scheiße für die Massen, …“ ist billiges virtue signaling; aber dabei schließe ich von MIR auf andere. 😉 )

        Ersatzreligion können sie keine bereitstellen, genau. Den Platz nimmt nun institutionalisierter Unfug ein, den die neuen Nonnen (was anderes sind die Feministinnen ja zB. nicht) und andere Spinner mit Esoterik und Gender füllen.
        Die einzig größere Katastrophe ist dann, wenn (imho) richtig schlimmer Religionen dann die Lücke füllen.
        Und da die Atheisten sich wie Elefanten im Porzelanladen verhalten haben (Gläubige sind alle wie Heroinjunkies. Richard Dawkins), kann man nicht einmal mehr differenziert über das Thema sprechen.

        Im Grunde war das kein Versagen. Das war TOTALES VERSAGEN.

        • @sander

          Was wahr ist muss wahr bleiben. Biologen können schlicht eine Religion erfinden, warum sollte das überhaupt ihre Zuständigkeit sein?
          Selbst wenn man das Bedürfnis nach Religion als angeboren ansieht (was ich nicht glaube, es gibt ja genug nichtreligiöse) wäre das so als würde man sagen, dass Biologen an Hunger schuld sind, weil sie ihn evolutionär erkklären.

          • Da? das Bedürfnis an irgendetwas zu glauben „angeboren“ ist, stimmt.
            Daß Atheisten keine Religion bereitstellen, ist allerdings logischerweise falsch.
            Atheismus IST eine Religion.
            Das ergibt sich schon daraus, daß Menschen zwar gern objektiv rational wären, es aber aufgrund ihres dafür schlicht zu kleinen Gehirns nicht sein können.

            Das daraus entstehende Problem ist der Missionarismus, da wohl so ziemlich jeder meint, daß man einen religiösen Glauben unbedingt auch anderen als Heilslehre aufschwatzen muß.
            Genauer gesagt, bin ich die einzige mir bekannte insofern radikale Ausnahme, was allerdings die Vermutung nicht ausschließt, daß es weitere Beispiele für Leute gibt, die Glauben als Privatsache betrachten UND auch behandeln.

          • Biologen haben schlicht behauptet, wer religiös ist, der ist etwas blöde. Minderbemittelt. Toxisch.
            Genderisten haben schlicht behauptet, wer männlich ist, der ist etwas blöde. Minderwertig. Toxisch.

            Dr. David Berlinski kann ich da empfehlen.

          • „Biologen haben schlicht behauptet, wer religiös ist, der ist etwas blöde. “
            Wiewohl ich den Grund für diese Unterstellung gut verstehe und anerkenne, ist die implizite Selbstbezichtigung schon ziemlich lustig.
            Wie der momentane Streit um die Kambrische Explosion ( gerade gestern eine Doku drüber gesehen ), eindrücklich belegt.
            Bottom up oder Top-down?
            ( Ich neige ja zu „beides“ )
            Es sieht so aus, als ob die „Intelligent-Design-Theorie“, die leicht in reliösen Wahn abgleiten kann, aufgrund der „fehlenden“ Übergangsformen gerade einen guten Vorsprung herausgearbeitet hat.

          • „Dass das Bedürfnis, an irgendetwas zu glauben, „angeboren“ ist, stimmt.“

            Wird hier jetzt einfach mal so behauptet. Ob die Behauptung wahr ist, kann ich nicht sagen. Aber: Wenn sie wahr ist, dann ist auch folgende Behauptung wahr: „Dass das Bedürfnis, an allem zu zweifeln, ebenfalls angeboren ist, stimmt.“

          • „Atheismus IST eine Religion.“

            Dem Atheismus fehlen alle Kriterien für eine Religion. Die Aussage ist absurd und wird häufig von Religionsvertretern vorgebracht.

          • @ Radical:
            Deine Reigion ist sehr amüsant!
            Tatsächlich ist es absolut unmöglich mit unserem kleinen Spatzenhirn objektiv zu leben. Dazu gibt es eine ganze Reihe an Experimenten und Berechnungen. Ohne unsere Vorurteile ( Denkabkürzungen ) würden wir in einer durchschnittlichen Stadt wahrscheinlich keine drei Tage durchhalten, hat mal ein Eierkopf ausgerechnet.
            Und solche Abkürzungen kann man logischerweise nur einfach glauben. Hart gesagt: „Bauchgefühl“ siegt!
            Worauf es tatsächlich ankommt, ist möglichst flexibel zu relativieren und zu versuchen Wahrscheinlichkeiten nicht allzu dumm abzuschätzen. Wobei man seine Prioritäten bei passender Gelegenheit auch mal zu hintefragen versuchen sollte. Geht bloß leider nicht allzu oft, da man ansonsten Gefahr läuft an der roten Ampel unter den nächsten Laster zu rennen.

            Spitz auf den Punkt: Radical Fair ist als Absolutheit unmööööglich!

          • @ Fiete

            Da hat radikalfair absolut recht; die Idee, dass Atheismus eine Religion darstellen soll, verträgt sich kaum mit den Ansprüchen einer Religion. Dass z.B. ein Christ sich den meisten Religionen gegenüber selbst als Atheist ansieht und verhaält, weil er z.B. nicht an die Existenz von Thor glaubt, kann kuam bestritten werden. Dadurch wird diese Einstellung des nicht-Glaubens aber nicht automatisch zu einer Ersatzreligion, d.h. kein Christ würde sich als Anhänger einer Religion mit dem Namen Anti-Paganismus bezeichnen. Noch absurder wird diese These, wenn man z.B. bedenkt, dass es tausende Religionen gibt, die einer einzelnen Person gar nicht bekannt sein können, deren Glaubensbekenntnis sie also gar nicht teilen kann, weil sie die Religion schlicht nicht kennt. Wenn man z.B. kein Anhänger des Arianismus/Manichaeismus ist, dann ist das in sich nun mal einfach kein Religionsbekenntnis, sondern trivialerweise dem Umstand geschuldet, dass diese Religionen nicht mehr existieren.

            Ob man als Atheist ein eigenes Wertesystem/Moralvorstellungen zusammenstellt hat, kann nicht als Ersatzreligion gelten, denn diese müssen gar nicht immer vorhanden sein, oder könnten aber auf Ideologischen Konzepten beruhen, die nichts mit Religion zu tun haben; gleichzeitig kann es Atheisten geben, die ihr Wertesystem aus einer Religion ziehen, aber nicht an eine glauben. Oder man kann Christen/Muslime haben, die christliche/muslimische Wertesysteme ablehnen, weil sie sich sonst strafbar machen (Das trifft natürlich auf die Mehrheit der im Westen lebenden Menschen zu…).

          • @Fiete

            „Tatsächlich ist es absolut unmöglich mit unserem kleinen Spatzenhirn objektiv zu leben.“

            Was dann für *dein* Spatzenhirn ebenfalls gelten würde.
            Was ist an der *Aussage deines persönlichen Spatzenhirns* also mehr wert, als die Aussage *jedes anderen Spatzenhirns*, also bspw. meines?
            Hier bewegen wir uns knietief im Gefilde des Relativismus, in dem zwar alle Spatzenhirne gleich sind, aber einige *gleicher*.

            Kommen wir zur Erschleichung des Beweisgrundes: „Ohne unsere Vorurteile ( Denkabkürzungen ) würden wir in einer durchschnittlichen Stadt wahrscheinlich keine drei Tage durchhalten, hat mal ein Eierkopf ausgerechnet.“

            Ohne Denkabkürzungen, die auf REALEN Erfahrungen in einer durchschnittlichen Stadt basieren, die auf einer REAL existierenden „durchschnittlichen Stadt“ beruhen, gäbe es keine „Denkabkürzungen“.
            Eine „Denkabkürzung“ ist nichts anderes als eine Generalisierung einer Erfahrung.
            HEUTE sind es sehr, sehr böse „Stereotype“ – und zwar allgemein, nämlich egal, ob die Generalisierung deiner Erfahrung eine falsch oder eine richtige war und egal, ob eine Generalisierung generell falsch oder richtig ist.
            EGAL, ob sie auf einem Urteil, das auf einer realen Erfahrung beruht oder nicht.
            FRÜHER nannte man dies z.B. VORurteil, also ein Urteil, welches auf einer bloß mündlichen Überlieferung als geltend gesetzt worden ist und zwar unabhängig von deiner Erfahrung und dieser *voraus gehend*.
            War es ein medial verbreitetes Vorurteil, nannte man es ein KLISCHEE, wobei das Klischee dem Vorurteil voraus hat, NICHT a priori abwertend gemeint zu sein.
            Wir AHNEN irgendwie, in der heutigen Zeit handelt es sich WIEDER um ein „Stereotyp“.

            Der WITZ am Relativismus ist, EGAL, ob es sich tatsächlich um ein Stereotyp, ein Vorurteil oder ein Klischee im gemeinten Sinn handelt, es sind heute ALLES „Stereotype“.
            Womit NICHTS gesagt ist.
            Nämlich vor allem, ob es sich um eine FALSCHE oder RICHTIGE Generalisierung handelt, ob es überhaupt möglich ist, eine individuelle Erfahrung in einem vorliegenden FALL zu generalisieren oder ob die VORIGE EINSTELLUNG zu der Realität nicht so verzerrt war, einen Fall zu sehen, der gar nicht existiert.

            Der Relativismus, der sich in der Vermischung von Stereotyp, Klischee und Vorurteil zeigt, hat den großen Vorteil, bestimmte Fragen NICHT zu stellen und NICHT zu entscheiden.
            Der noch größere Vorteil ist, dir zu suggerieren, diese Fragen könnten auch NICHT ENTSCHIEDEN werden. Man KÖNNE gar nicht entscheiden, ob RICHTIG oder FALSCH.

            Prompt kommt man (fast zwangsläufig) zu einer solchen Aussage: „Und solche Abkürzungen kann man logischerweise nur einfach glauben. Hart gesagt: „Bauchgefühl“ siegt!“
            Vertraue einfach deinem „Bauchgefühl“!!!! Yeah! Listen and believe!

            Generalisierungen sind ebenso kritisierbar, wie *jede* Abstraktion von der *subjektiv* real erfahrbaren konkreten materiellen Realität.
            Das „Bauchgefühl“ suspendiert die real erfahrene materielle Realität des Subjekts, die es wiederum mit anderen Subjekten *teilt*. Logisch verschiebt es den Austausch mit anderen Subjekten nicht mehr auf die Basis der verschiedenen WAHRNEHMUNG der GETEILTEN materiellen Realität, sondern auf die INDIVIDUELLE EMPFINDUNG dieser Realität.
            Womit aber nur das „Bauchgefühl“ ÜBER die Realität „einzigartig“ ist und nicht mehr das SUBJEKT, welches dieses Bauchgefühl *hat*.
            Um so „subjektiver“ sich diese IDEE individueller Empfindung der materiellen Realität gibt, desto weniger Subjekt/Individuum ist in ihr enthalten.

            Das ist der Grund für das Scheitern von #metoo: Um so offensichtlicher der Versuch, die Generalisierung des Vorwurfs auf ALLE Männer auszuweiten scheitert – es ist jedoch die VORAUSSETZUNG der Antwort „Ich AUCH“.
            Der hashtag *beinhaltet* die *Antwort* auf ein feministisches VORURTEIL und nimmt dieses VORWEG.
            „Hart gesagt: „Bauchgefühl“ siegt!“ – ist genau dieser Vorgang.

          • @ Toxic:
            Ein charmanter Ansatz, den ich formell in seinen theoretischen Grundlagen größtenteils so akzeptieren kann.
            Was aber nix daran ändert, daß sämtliche Reaktionen von Atheisten, die ich je erlebt habe, dem typisch religiösen Muster entsprachen.
            Sie bemerken ein Gespräch über irgendwelche religiösen Inhalte und brausen auf:
            „ES GIBT KEINEN GOTT!!!“
            Und reingefallen, sämtliche Kriterien für Religion mustergültig erfüllt.
            Absolutistisches Weltbild und verbissener Missionarismus.
            Braucht es noch mehr?

            Ich hänge eher der Schiene „Religion ist Privatsache“ an, w.h.: Ich habe meinen Glauben und bin auf glaubhaft interessierte Nachfrage u.U. bereit einzelne Teile davon im eher nichtreligiösen Kontext zu diskutieren. Zumindest jene Aspekte, die sich mit basalen wissenschaftlichen Erkenntnissen decken ( sagen wir mal: E=mc², oder so ).
            Normalerweise reagiere ich aber auf Anfragen zu meiner Religion mit den Worten: „Geht Dich nix an“.

            Woraus ich mal locker schließe, daß meine Religion der der meisten Atheisten zumindst in Punkto Gefährlichkeit bei weitem überlegen ist, da sie garantiert weniger Kriegstote hinterlässt.

            Oder müssen wir jetzt erstmal eine exakte Definition von Religion entwerfen und ausdiskutieren?
            Ich gehe da einfach nach einem gewissen ( relativ unscharfen ) Schwellenwert der Überzeugung und bei aggressiven Religionen des Missionseifers.

          • @ Crumar:
            „Was dann für *dein* Spatzenhirn ebenfalls gelten würde.“

            Selbstverständlich und da lege ich größten Wert drauf! Und nein, das ist KEIN Versuch mich rückwärts aus der Affäre zu schwurbeln … 😉

            „Was ist an der *Aussage deines persönlichen Spatzenhirns* also mehr wert, als die Aussage *jedes anderen Spatzenhirns*, also bspw. meines?“
            Für mich, oder für Dritte?
            Deine Aussage hat den Vorteil, daß ich sie nicht, oder zumindest nicht vollständig, vorher kenne. Sie könnte also Aspekte anreißen, die ich nicht, oder zuwenig bedacht habe. V.dh. ist sie für mich eher ein wenig mehr wert als meine, die ich aus meinem Fundus bastele. Das muß für Dritte aber nicht gelten, da die möglw. meine für „irgendwie interessanter“ halten können.

            „Hier bewegen wir uns knietief im Gefilde des Relativismus, in dem zwar alle Spatzenhirne gleich sind, aber einige *gleicher*.“
            Jain …
            Müssen wir nicht. Ich denke, Relativität geht auch ohne den Ismus, zumindest kann man es ja mal versuchen. Siehe Einsteins „Universalformel“.
            Aber es ist mir natürlich schon klar wohin Deine Reise gehen soll und ich schließe mich derselben in Punkto „Feminismus als Religion“ erstmal an.

            „Ohne Denkabkürzungen, die auf REALEN Erfahrungen in einer durchschnittlichen Stadt basieren, die auf einer REAL existierenden „durchschnittlichen Stadt“ beruhen, gäbe es keine „Denkabkürzungen“.“

            Zustimmung, aber das müssen keine eigenen Erfahrungen sein! Man muß nicht erst vom Laster überfahren werden, um in Zukunft zu versuchen das zu vermeiden, gell? Genauer gesagt, kann auch ein präventives Dogma ( z.B. auf Basis logischer Überlegungen ) dafür sorgen, daß Mama sagt: „Bei rot nicht über die Strasse gehen, Kind!“.
            Aber es kann natürlich auch eine für irgendwen profitable Lüge dahinterstecken, oder ein krankhaftes Phantasiegebilde ( oder so ). Bspw.: „Der große Grumpf steckt Dich in die Eiswürfel-Hölle, wenn Du nicht dreimal täglich die große Zahnbürste betest!“
            Oder: „Wenn die Männer endlich die Gewalt gegen Frauen aus sich selbst exoziert haben, herrscht ewiger Frieden auf der Welt!“

            „Eine „Denkabkürzung“ ist nichts anderes als eine Generalisierung einer Erfahrung.“
            Oder Dritter, oder eben nicht ( s.o. ).
            Aber ich sehe schon den vernünftigen Ansatz dahinter, so roundabout nach Occam’s Razor.
            Wenn man über und unter dem Bruchstrich ordentlich was wegkürzen kann vereinfacht das die Sache oftmals erheblich, right?
            Die Gefahr ist natürlich, daß Äppel gegen Rührei zu kürzen versucht wird.
            Besonders wenn dann der Missionarsdrang erwacht.

            „HEUTE sind es sehr, sehr böse „Stereotype“ – und zwar allgemein, nämlich egal, ob die Generalisierung deiner Erfahrung eine falsch oder eine richtige war und egal, ob eine Generalisierung generell falsch oder richtig ist.“
            Ja, leider muß ich da zustimmen, womit wir in die Wunderwelt der hart trainierten Denkfaulheit eintauchen. Und da erscheinen dann Islamismus und Feminismus wie von selbst auf der Bildfläche.
            Selbst der Cargo-Kult ist bedeutend solider auf echte Erfahrungen gestützt. Da fielen ja wirklich mal Pakete vom Himmel und deren Wunderengel fliegen da heute noch unübersehbar herum. Nur das mit dem Herbeibeten klappt bei denen i.d.R. auch nicht so richtig.

            „FRÜHER nannte man dies z.B. VORurteil, also ein Urteil, welches auf einer bloß mündlichen Überlieferung als geltend gesetzt worden ist und zwar unabhängig von deiner Erfahrung und dieser *voraus gehend*.“

            Da kommt dann die moralische Wertung auf’s Tapet. Was gut ist, zumindest wenn man versucht dieselbe ERST mal auf philosophischer Basis UND erfahrungsgestützt zu bearbeiten BEVOR man radikaldogmatische Gesetze erlässt und Guillotinen aufbaut …..
            Und genau da hakelt es bei den modernen Religionen und sonstigen Ideologien ein wenig. Bespw. beim „Relativismismus unter der Prämisse der GleichERheit – sonst Kopf ab“.

            „Womit NICHTS gesagt ist.
            Nämlich vor allem, ob es sich um eine FALSCHE oder RICHTIGE Generalisierung handelt, ob es überhaupt möglich ist, eine individuelle Erfahrung in einem vorliegenden FALL zu generalisieren oder ob die VORIGE EINSTELLUNG zu der Realität nicht so verzerrt war, einen Fall zu sehen, der gar nicht existiert.“

            Volle Zustimmung! Wenn dieses „NICHTS“ konkret den Kurs bestimmt ist alles möglich, selbst der abstruseste Scheiß. Und selbst wenn da irgendetwas ist, kann das zu NICHTS und somit ALLES umgedengelt werden. Bspw.: „Der konzeptionelle Penis als soziales Konstrunkt, als Ursache der Klimaveränderung.“ Sowie der Schluss: „Kastration ist Umweltschutz!“
            Oder konkret: „Verstümmelung von den Genitalien achttägiger Säuglinge ist ausgeübte Freiheit der Religionswahl.“
            Geht locker, oder?

            „Der Relativismus, der sich in der Vermischung von Stereotyp, Klischee und Vorurteil zeigt, hat den großen Vorteil, bestimmte Fragen NICHT zu stellen und NICHT zu entscheiden.“

            Wozu auch, ist doch alles vom großen Grumpf in seiner unendlichen Weisheit so eingefädelt worden.
            Oder: „Ich habe ja nix gegen Männer an sich, aber sie sind nunmal in ihrer Männlichkeit toxisch.“

            „Der noch größere Vorteil ist, dir zu suggerieren, diese Fragen könnten auch NICHT ENTSCHIEDEN werden. Man KÖNNE gar nicht entscheiden, ob RICHTIG oder FALSCH.“

            Das ist dann nur „logisch“ und konsequent. „Entweder Du glaubst das, oder die Rübe muß halt ab, was kann ICH denn dafür, hä?“
            Verantwortung und eigenes Denken wird doch total überschätzt. Und es geilt ja auch prickelnd auf mit der Masse zu johlen: „Steinigt ihn, er hat Jehova gesagt!“.

            „Prompt kommt man (fast zwangsläufig) zu einer solchen Aussage: „Und solche Abkürzungen kann man logischerweise nur einfach glauben. Hart gesagt: „Bauchgefühl“ siegt!“
            Vertraue einfach deinem „Bauchgefühl“!!!! Yeah! Listen and believe!“

            Womit der Kreis dieser Überlegung geschlossen ist!
            Aber ich habe da so ein ganz kleines Lichtlein am Hoziront:
            Ohne Zweifel keine Sicherheit!
            ( Komma oder Gedankenstrich nach akutem Bedarf einfügen, auch die Umstellung ist gern erlaubt )
            😉

            „Generalisierungen sind ebenso kritisierbar, wie *jede* Abstraktion von der *subjektiv* real erfahrbaren konkreten materiellen Realität.“
            Eben!

            „Logisch verschiebt es den Austausch mit anderen Subjekten nicht mehr auf die Basis der verschiedenen WAHRNEHMUNG der GETEILTEN materiellen Realität, sondern auf die INDIVIDUELLE EMPFINDUNG dieser Realität.“

            Ja, schon Komma aber …..
            Mit etwas Glück kann man sich ja auf etwas einigen, was keinem allzusehr schadet.
            Mit noch mehr Glück kann man vielleicht sogar mal eine Win-Win-Konstellation entwickeln, die Dritten nicht allzu sehr schadet.
            Okay, ich geb’s zu, das ist Zweckoptimismus.

            „Womit aber nur das „Bauchgefühl“ ÜBER die Realität „einzigartig“ ist und nicht mehr das SUBJEKT, welches dieses Bauchgefühl *hat*.“
            Und da kippt die Geschichte schon wieder. Zunächst ist es natürlich ganz hübsch einer von #metoo zu sein und sich auf das Paradis zu freuen, aber wie man sieht, schärft der etwas gleichere Priester schon wieder das Henkersbeil.

            „Um so „subjektiver“ sich diese IDEE individueller Empfindung der materiellen Realität gibt, desto weniger Subjekt/Individuum ist in ihr enthalten.“
            Und zack! Sind sich alle einig: „Er hat ‚grüner Würfel und sonst nix‘ gesagt, steinigt ihn!“
            Chein grauslicher Betonchlotz, keine wunderhübsche Skulptur, also Rübe runter.
            Fraktionszwang ist angesagt!

            „Das ist der Grund für das Scheitern von #metoo: Um so offensichtlicher der Versuch, die Generalisierung des Vorwurfs auf ALLE Männer auszuweiten scheitert – es ist jedoch die VORAUSSETZUNG der Antwort „Ich AUCH“.
            Der hashtag *beinhaltet* die *Antwort* auf ein feministisches VORURTEIL und nimmt dieses VORWEG.
            „Hart gesagt: „Bauchgefühl“ siegt!“ – ist genau dieser Vorgang.“

            Tja, das Paradoxon der konsequent parteiischen Ausgewogenheit!
            Oder anders gesagt: Holismus ist ’ne furchtbar anstrengende Geschichte, außerdem letztendlich unmöglich und noch dazu permant fuzzy.
            Und deshalb auch so unbeliebt.

            ES LEBE DIE BINÄRE RELIGION!
            ( Sarkasmus off )

          • @ Radical:
            „Und keine Briefmarken zu sammeln, ist ein Hobby. ^^“
            Das ist ohneweiteres möglich! Wenn auch vermutlich relativ selten 😉

          • @ Fiete

            „Sie bemerken ein Gespräch über irgendwelche religiösen Inhalte und brausen auf:
            „ES GIBT KEINEN GOTT!!!“
            Und reingefallen, sämtliche Kriterien für Religion mustergültig erfüllt.
            Absolutistisches Weltbild und verbissener Missionarismus.
            Braucht es noch mehr?“

            Ich würde mir wünschen, gläubig zu sein, am liebsten Katholik, aber leider spricht absolut jede wissenschaftliche Erkenntnis gegen den Wahrheitsgehalt des Götterglaubens.

          • @ ichichich:
            „Ich würde mir wünschen, gläubig zu sein, am liebsten Katholik, aber leider spricht absolut jede wissenschaftliche Erkenntnis gegen den Wahrheitsgehalt des Götterglaubens.“
            Äh, wa?
            Du wünscht Dir „einen“ ( ergo: Noch einen ) Glauben? Warum? Und warum ausgerechnet Katholizismus?
            Und welche wissenschaftliche Erkenntnis meinst Du? „Jede“ ist schon mal ein loser Spruch ohne Substanz. Mal ganz abgesehen davon, daß es ja nun auch diverse Glaubensformen ohne konkrete Götter gibt ( das ist wissenschaftlich erwiesen ), z.B. Deine, gibt es auch jede Menge mit ( ebenfalls absolut unzweifelhaft ). Somit kann nicht „jede“ wissenschaftliche Erkenntnis gegen die „Wahrhaftigkeit“ von Götterglauben sprechen. Ebenso wenig wie gegen Glauben ohne Götter.
            Vielleicht solltest Du vor dem Kommentieren erst noch mal ein wenig tief durchatmen, Distanz aufzubauen versuchen und ein wenig rational über das was Du zu schreiben beabsichtigst nachdenken.
            Erkläre doch mal genauer ( zunächst vielleicht Dir selbst ) was Du zu meinen meinst…. 😉

            Ich finde Deinen Glauben, gerade weil er sehr verbreitet ist und mit beinharten Simplifizierungen ( die man lediglich glauben – oder eben ablehnern – kann ) arbeitet, immer wieder rätselhaft. Und bis heute konnte mir keiner eine schlüssige Erklärung dazu liefern. Außer, daß es sich wohl um extreme Verkürzungen ( mit Betonung auf „VER…“ ), also eine reine, klassische Glaubensform, handeln wird.

            Kleiner Tipp am Rande, zur Abkürzung Deiner Überlegungen: Einstein, Bohr, Heisenberg, Schrödinger ( allesamt wohl recht anerkannte Wissenschaftler ) dürften Dir kaum weiterhelfen, genauer gesagt hat es – soweit mir bakannt – keiner von den Vieren je versucht die Existenz von Glauben/Göttern/gottlosenGlaubensformen ( öffentlich ) zu widerlegen ( nichtöffentlich vermutlich – hoffentlich – schon, von wegen der Falsifikationsmethode und so … ). Im Gegenteil gibt es bei dem einen oder anderen davon Ansätze, die von wieder anderen FÜR die Existenz von Glauben – und deren Inhalten ( und zwar mit UND ohne Götter ) herangezogen wurden. Recht erfolgreich übrigens.

            Bemerkung: Auf drei davon berufe ich mich in meinem Glaubensbild ( in Teilen davon ) auch selbst und da bin ich nicht der Einzige, wie mir überraschenderweise mal explizit bestätigt wurde. Denn selbstverständlich habe auch ich es bis heute nicht aufgegeben meine Absicht dazu ganz oder teilweise zu falsifizieren. Indes, bis jetzt gelang das nicht.
            V.dh. sehe ich Deinen Glauben – bis jetzt – als ziemlich verbissene Religionsform an.

            Und noch ein kleiners Outing ( mehr gibt es aber nicht! ): Ich gehe davon aus, daß es alle Götter mehr oder weniger gibt oder gegeben hat. Was allerdings nicht das geringste über deren „Wichtigkeit“ oder gar „Heiligkeit“ aussagt. Genauer gesagt finde ich die meisten davon sogar eher ziemlich unsympathisch ( soweit man da überhaupt von einer Art „Persönlichkeit“ ausgehen kann ).

            Na gut, noch’n kleiner Tipp: Zum Thesenaufbau bez. Glaubenstheorien kann man bei Elektromagnetismus u./o. Funkentelegraphie schon ganz brauchbare Ansätze finden. Oder, wenn man gleich mit neuesten Erkenntnissen loshüpfen will, sollte das, was man in den letzten Jahren über Gravitation als Strahlung herausgefunden hat und deren Verhalten ungefähr eine analoge Basis bieten ( habe ich noch nicht en Detail versucht, müßte aber prinzipiell auch ganz ordentlich passen ).

  2. Besteht ein Bedürfnis nach „Ersatzreligionen“ gerade in Bezug auf Geschlechterthemen?

    Du schreibst „gerade“. Sollte man die Frage dann nicht eher so stellen: Besteht ein Bedürfnis nach Religionen gerade in Bezug auf Geschlechterthemen?

      • Der moderne Feminismus, von Lesben gegruendet, auf der Basis dass sie mit Vadda, Mudda, Kind (also Familie) und dem Gebaeren nichts zu tun haben wollen. Wo, um Allahs Willen, wo nur, erfahren wir eine Religion, die sich ebenfalls derart der Vernichtung von Unglaeubigen verschrieben hat?

    • Besteht ein Bedürfnis nach Religionen gerade in Bezug auf Geschlechterthemen?

      Sie erfüllte und erfüllt Funktionen. Sie kann einen zivilisierenden Effekt haben, wenn man denn glaubt, dass man dereinst gerichtet wird und man nichts verbergen kann.
      Sie dient auch zur Vereinheitlichung. Karl der Grosse – so als Beispiel – musste die Sachsen christianisieren, so dass sie sich mit den Franken und allen anderen Stämmen unter einem Banner vereinigen konnten.
      Sie kann auch Hoffnung vermitteln. Jeder wird mit absoluter Gerechtigekit gerichtet, wenn nicht im Diesseits, dann im Jenseits. Wer das glaubt, dem kann das ein Trost sein für erlittenes Unrecht. Und ewiges Leben als Lohn für ein rechtschaffenes Leben klingt auch verlockend. u.s.w.

  3. Durchaus möglich. Religionen, oder besser der Glaube an eine höhere Sache erlaubt es Schuld zu verschieben und gleichzeitig seine eigene Sache zu rechtfertigen. Dabei ist es egal ob für das höhere Wohl, den großen Führer oder den gütigen Gott. Und natürlich gibt einem Religion auch Kraft weiter zu machen wo andere längst aufgegeben haben oder eine Sache als sinnlos erachten. Es gibt viele historische Begebenheiten wo der Glaube an eine höhere Sache den Sieg erbracht hat. Vielleicht ist das einer der Gründe warum die Feministen so viel Erfolg haben. Sie machen weiter wo Andere den intelligenteren Argumenten zustimmen würden. Wenn das wirklich so ist, dann kann dieser Glaube nur durch einen anderen Glauben zerstört werden. Auch das Christentum wurde nicht durch intelligente Argumente, sondern durch die Fallbeile der französischen Revolution zerschlagen. Der Glaube an Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit hat das Kreuz zu Fall gebracht und nicht eine theologische Auseinandersetzung mit bestimmten Aspekten der Bibel.

    • „Der Glaube an Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit hat das Kreuz zu Fall gebracht und nicht eine theologische Auseinandersetzung mit bestimmten Aspekten der Bibel.“
      Gutes Beispiel für eine djihadistische Religion!

      • „Gutes Beispiel für eine djihadistische Religion!“
        Natürlich. „Wir“ werden dem radikalen Islam auf jeden Fall unterlegen. Jedenfalls wenn wir nicht eine ähnlich radikale (und brutale) Ideologie ins Feld führen. Auch die Demokratie war mitnichten immer so eine angepasste Veranstaltung wie heute aber wie einst im römischen Reich, haben die Oberen die Unterschicht welche ihnen erst die Möglichkeit des Wohlstandes brachte der Gier geopfert und nun ist keiner mehr bereit für dieses korrupte System einzustehen. Ich kenne Keinen der für Deutschland oder diese Demokratie einen Tropfen Blut vergießen würde.
        Nein, wir haben verloren und das können wir vermutlich nicht mehr ändern. Das einzige was wir können ist das unvermeidliche Herauszögern in der Hoffnung den Islam zu korrumpieren (wie die evangelische Kirche) aber ich glaube nicht, dass dies klappt.

        • @ PfefferundSalz

          „Nein, wir haben verloren und das können wir vermutlich nicht mehr ändern.“

          Die Islamisierung ließe sich durchaus im demokratisch-menschenrechtlichen Rahmen stoppen. (Wenn ich von Islamisierung spreche, dann meine ich damit die Ausbreitung des orthodoxen und islamistischen Scharia-Islams, gegen einen liberalen Islam habe ich nichts einzuwenden.)

          Einige gute Ideen zur Eindämmung der Islamisierung in Deutschland finden sich z.B. in folgendem Text der linken religionskritischen und kapitalismuskritischen „Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte“:

          http://www.gam-online.de/Bilder/S%C3%A4kulare%20Lebensordnung-Programm.pdf

          Ich stimme nicht allen Punkten in dem Text zu, aber den meisten.

          • „Die Islamisierung ließe sich durchaus im demokratisch-menschenrechtlichen Rahmen stoppen.“

            Zugegeben, ich habe den Text nicht gelesen, aber ich wundere mich, wie man die zwei Grundprobleme lösen will; es ist der EU nicht gestattet Flüchtlinge von inter-muslimischen Kriegen als Asylanten abzuweisen, sobald sie die Grenze eines EU-Staates überschritten haben (Darum schmiert Deutschland ja Erdogan und darum gibt es Stacheldrahtwälle in Melilla; siehe auch https://www.youtube.com/watch?v=OmqOlxNQABI).

            Zusätzlich wird man die Reproduktionsrate von orthodoxen Muslimen nicht ohne ein brutales Abrutschen in die Autokratie unter die von Westeuropäern drücken können. Integration- und Assimilationsbemühungen haben in der UK, Spanien, Frankreich, Schweden und auch in Deutschland (allerdings weniger schlimm…) grossflächig versagt. Aufgrund der schlechten Lage aller Sozialsysteme wird es sehr, sehr unwahrscheinlich, dass europäische Staaten in der Zukunft überhaupt noch mehr Ressourcen in diese Bemühungen investieren können, ohne, dass zu einem politischen Bruch kommt (i.e. wenn die Renten sinken, die Krankenkassen kollabieren und der Staat als Antwort darauf versucht, Immigranten anzulocken um die Reproduktionsrate zu heben, dann werden rechte Bewegungen innert kürzester Zeit die Kontrolle übernehmen.)

            Ich denke den Kampf haben wir schon vor 20 Jahren verloren.

          • Du verstehst es nicht. Ich habe gesehen wie viele blauäugige, blonde Männer und Frauen bereits vor 20 Jahren konvertiert sind. Der Islam kommt nicht über Einwanderung, er kommt über die Konvertierung. Egal welche Rechte du ihnen nimmst, sie werden immer mehr. Sie brauchen keine Moscheen, ihnen reichen irgend welche Hallen um gemeinsam zu beten, sie brauchen keine Unis, keine doppelte Staatsbürgerschaft oder sonst irgend welche Sonderrechte.
            Ich schreibe dies nicht um irgendwie zu hetzen. Wenn du den Islam bekämpfen willst, dann schaffst du es nicht mit Verboten, du schaffst es indem du den Menschen ein besseres Angebot machst, nicht materiell, sondern ideell und alle die dieses Angebot ablehnen zur Hölle schickst. Aber leider haben sich alle atheistischen Ideale als hohle Phrasen herausgestellt, egal ob Kommunismus oder Kapitalismus, egal ob Demokratie oder Faschismus – der Grund dafür liegt an der logischen Überprüfbarkeit dieser Ideen. Religion aber braucht das nicht, Gott ist ein Mysterium und das macht ihn, zumindest argumentativ, unverwundbar.
            Solange man also nicht den gleichen Schwachsinn entgegen setzen kann, wirst du auf lange Sicht verlieren. Vielleicht ist das auch eine Art der Evolution, die Naturreligionen haben gegen die polytheistischen Religionen verloren und diese gegen das Christentum. Nun verliert das Christentum (zumindest in Europa) gegen den Islam weil es zuvor vom Atheismus geschwächt wurde.

          • @ Leszek

            Hatte die Frage schon mal an anderer Stelle gestellt, aber indirekt und leicht zu übersehen: Kennst Du das Video mit Egon Flaig und was hältst Du von seinen Aussagen? Würde mich sehr interessieren und passt ja auch hier sehr zum Thema. (Falls Du es nicht kennst, wird es Dich mit Sicherheit interessieren, das würde ich wetten 😉 )

          • „Nun verliert das Christentum (zumindest in Europa) gegen den Islam weil es zuvor vom Atheismus geschwächt wurde.“

            Wie das denn? Nach Deiner These dürfte die Schwächung einer Religion durch Atheismus doch gar nicht möglich sein.

          • „Wie das denn? Nach Deiner These dürfte die Schwächung einer Religion durch Atheismus doch gar nicht möglich sein.“
            Hab ich doch geschrieben – durch atheistische Pseudoreligionen, in dem Fall durch den Nationalismus.

          • „„Wie das denn? Nach Deiner These dürfte die Schwächung einer Religion durch Atheismus doch gar nicht möglich sein.““

            Ich denke, es geht dabei mehr um Religionsverdrossenheit, als um Atheismus als Religion. Also praktisch das Gegenteil, nämlich weniger Fanatismus.

            Und das schwächt natürlich im Kampf um die religiöse Hoheit. Da sind Djihadisten gefragt.

          • @ ichichich

            Ich hatte deinen Hinweis auf das Video zuvor schon gesehen, bin aber erst jetzt dazu gekommen, mir den Vortrag ganz anzuhören.

            Ich finde den Vortrag von Egon Flaig insgesamt sehr gut.

            Dem ersten Teil – seinen Aussagen zu den Voraussetzungen von echter Demokratie, politischer Meinungsbildung und der Bewahrung erkämpfter emanzipatorischer Errungenschaften – stimme ich fast vollständig zu.

            Eine m.E. gute Synthese aus Liberalismus und Kommunitarismus im Geiste eines neo-kantianischen Universalismus, die m.E. auch relativ nah dran am libertär-sozialistischen Demokratieverständnis ist.

            Der zweite Teil des Vortrags – also die ideengeschichtlichen Aspekte – enthalten m.E. hier und da ein paar Schwächen. Foucaults Machtbegriff scheint er z.B. mißverstanden zu haben und Levinas Ethik und ihr Verhältnis zum allgemeingültigen Recht ist auch etwas komplexer – hier scheint Egon Flaig verkürzte Interpretationen von deren Werk mit ihrem Werk selbst zu verwechseln. In der Grundtendenz scheint mir aber ansonsten vieles (aber nicht alles), was er im zweiten Teil des Vortrags sagt, ebenfalls zutreffend zu sein.

            Dem dritten Teil – wo es u.a. um das Zusammenwirken von Neoliberalismus, kulturrelativistischem Mutikulturalismus und Christentum geht – stimme ich wieder sehr weitgehend zu.

            Ein sehr guter Vortrag, der sich m.E. lohnt, ihn sich mehrmals anzuhören.
            Danke für die Verlinkung!

  4. Religion gibt es seit Beginn der Menschheit und hängt damit zusammen, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, dass sich seines Todes und damit seiner Kontingenz bewusst ist, die es in irgendeiner Form zu bewältigen gilt (Kontingenzbewältigung). Es wäre falsch, Religion lediglich auf den Glauben an irgendwelche Wundergeschichten und sonstige Mirakel zu reduzieren. Religiöse Menschen suchen nach Existenzverständnisse und Sinnhorizonte, die über ihr individuelles Dasein hinausweisen und die ihrem Leben einen „Sinn“ geben (Behebung der „transzendentalen Obdachlosigkeit“). Die Alternative wäre, die metaphysische Sinnlosigkeit des Lebens „heroisch auszuhalten“.
    Die religiösen Inhalte sind austauschbar und müssen nicht unbedingt transzendental sein. An die Stelle Gottes (oder der Götter) können auch die Nation, der Sozialismus, die Wissenschaft oder der Feminismus usw. treten, welche den Menschen in seinem Dasein, Sosein und Anfürsichsein (d. h. in der Existenz) ergreifen, und für die er auch notfalls in den Tod zu gehen bereit ist („Es ist so süß, für das Vaterland zu sterben). Ohne „religiöse“ Existenzverständnisse (oder einer das Individuum transzendierenden „Idee“) geht niemand als Märtyrer in den Tod – und ohne sie würden Leute (oder darauf beruhende Regime) niemals Taten begehen, die unter Alltagsbedingungen als unmoralisch und barbarisch gelten. Bezogen auf „Wissenschaft als Religion“ verweise ich auf das Milgram-Experiment, wo Menschen bereit waren, in Namen der „Wissenschaft“ als nicht hinterfragbare Autorität anderen Personen Qualen zuzufügen, was sie in anderen Kontexten nicht gemacht hätten.
    So ist zum Beispiel zu beobachten, dass es während der Nazi-Zeit in den Reihen „gläubiger“ Sozialisten viele Märtyrer gegeben hat, die für ihre Sache mit der ganzen Person bis zum Tod eintraten, während unter agnostischen Liberalen dies kaum vorkam.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

  5. Um die Frage in der Überschrift noch einmal aufzugreifen: Natürlich gibt es heutzutage ein starkes Bedürfnis nach Ersatzreligionen (die interessanterweise eben gerade NICHT das Bedürfnis bedienen, mit der eigenen Sterblichkeit klarkommen zu müssen).
    Zum einen, weil sie einen gewissen Halt geben in einer Zeit, in der die ungehemmte Globalisierung viele vertraute Strukturen zerstört, ohne einen Ersatz anzubieten (Was für einige wenige auf der Gewinnerseite eine reizvolle Erweiterung der eigenen Möglichkeiten ist, ist für viele andere eine reale oder gefühlte Bedrohung).

    Zum anderen, weil diese Ersatzreligionen eine wunderbare Möglichkeit bieten, sich über seine Mitmenschen zu erheben. Veganismus ist da ein hervorragendes Beispiel. Auch gewisse Verschwörungstheorien (z.B. Reichsbürger) bedienen auf ihre Weise diese Bedürfnisse.

    Und auch alle anderen „Ismen“ und sonstige Fanatiker bedienen sich dieses Schemas. Egal ob Feminismus, Nationalismus, Islamisten, evangelikale Christen, SJW’s, Sekten, Fußballfans etc.. Und ja, auch Atheisten und MGTOW. Dieses Phänomen gibt es in den verschiedensten Ausprägungen wahrscheinlich schon so lange, wie Menschen sesshaft sind, bloß gibt es heute mit dem Internet eine wunderbare neue Möglichkeit, sich zusammen zu rotten und gegenseitig immer weiter hochzudrehen. Für die Menschen in der Gruppe gilt halt: Je radikaler man sich der scheinbar guten Sache verschreibt, desto besser. Auch wenn alle anderen über dieses virtue signalling nur den Kopf schütteln.

    Ich nehme mich da auch keinesfalls aus, versuche dieses Bedürfnis aber dort auszuleben, wo es anderen Menschen möglichst nicht wehtut

    • Gute Ergänzung zu Friedhelm’s Text!
      Wobei ich hier: „Natürlich gibt es heutzutage ein starkes Bedürfnis nach Ersatzreligionen (die interessanterweise eben gerade NICHT das Bedürfnis bedienen, mit der eigenen Sterblichkeit klarkommen zu müssen).“, denke es ist lediglich ein Spiel über Bande, das im Endeffekt denselben Zweck bedient.

    • Dem scheint in D. auch so zu sein ( resp. vor 2-3 Jahrzehnten gewesen ). Eine mittlerweile verstorbene Exe hat mir da ( so’n Bißchen hinter vorgehaltener Hand ) mal was aus der Frauenhausbewegung gesteckt. Reden die aber wohl nicht so gern drüber. Wobei ich damit erstmal kein Problem habe, solange es sich um einen mehr oder weniger reinen Symbol- und Benennungskult handelt. Ist nicht besser o. schlechter als die meisten ( vielleicht alle ) Monotheismen. Möglw. ( wahrscheinlich ) einfach eine konsequente Ausformung des heute auch noch weit verbreiteten Mutterkultfeminismus.

  6. Pingback: Religion als gutes Meme | Alles Evolution

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