Männer als Feindbild in der Identitätspolitik und das Interesse an Personen, die dagegen argumentieren als Folge

In einem hier in den Kommentaren schon stark besprochenen Interview des Fernsehsenders Channel 4 des BBC  soll Peterson die Frage beantworten, warum seine Zuschauer überwiegend männlich sind. Meine Vermutung ist, dass die Interviewerin es eigentlich in die Richtung drehen wollte, dass Frauen ihn nicht interessant finden oder er zu frauenfeindlich ist, aber Peterson sieht einen anderen Grund:

JP: well it’s about 80 percent on on YouTube which is – YouTube is a male domain primarily so it’s hard to tell how much of it is because YouTube is male and how how much of it is because of what I’m saying. But  what I’ve been telling young men is that there’s an actual reason why they need to grow up which is that they have something to offer you know  that people have within them this capacity to set the world straight and that’s necessary to manifest in the world and that also doing so is where you find the meaning that sustains you in life

BBC: so what’s gone wrong then

JP oh god, all sorts of things have gone wrong. I don’t think that young men hear words of encouragement. Some of them never in their entire lives as far as I can tell.  That’s what they tell me and the fact that the words, that I’ve been speaking, the YouTube lectures that I’ve done and put online for example, have had such a dramatic impact, is indication that young men are starving for this sort of message because like why in the world would they have to derive it from a lecture on YouTube now they’re not being taught that they that it’s important to develop yourself

Sicherlich hören auch viele Männer Unterstützungen und Ermutigungen, etwa von Freunden oder von der Familie. Aber gleichzeitig werden sie eben auch gerade zum Buhmann ernannt, sie bemerken deutlich, dass SJWs und die gegenwärtige Poltik keine Probleme damit haben, wenn man über „weiße heterosexuelle Männer“ herzieht und man kann immer wieder in der Mainstreampresse Abwertungen lesen oder hören und das eben genau wegen dieser Gruppenzugehörigkeit.

Es wäre da durchaus verständlich, wenn gerade Männer jemanden, der Fakten dagegen hält, der den Gender Pay Gap und die Schuldzuweisung an Männer sachlich hinterfragt, der ihnen diese Last nimmt, die Schuld an allem zu haben.  Der gegen eine Identitätspolitik vorgeht, in der die Männer schuld an allem sind, ohne etwas gemacht zu haben und denen nun vorgehalten wird, sie lebten ein Leben auf Rosen gebettet und Kaviar essend, während Frauen sich geschlagen und belästigt und mit wenig Lohn durchs Leben quälen müssen, während sie gleichzeitig in ihrem Leben Frauen wahrnehmen, die diesem Bild gar nicht entsprechen, die weit weniger mit Abweisung leben müssen als die jeweiligen Männer, die durchaus glücklich zu sein scheinen etc.

Lucas Schoppe schrieb in einem Beitrag:

Das ist eben das Gegenteil der Logik, die Williamson beschreibt. Anstatt selbst Raum zu beanspruchen und andere damit zu ermutigen, dasselbe zu tun, können Frauen bei den Grünen Männern eben dadurch ihren Raum nehmen, indem sie selbst keinen Raum besetzen.

Das allerdings hilft niemanden, und mehr noch, es kaschiert ein deutlich größeres Problem als das der raumgreifenden Männlichkeit: dass sich nämlich Männer aus wichtigen Bereichen stillschweigend zurückziehen. Dramatisch wird dies im Bereich der Bildung, sowohl in den Kindergärten als auch in den Grundschulen, und immer mehr auch in den weiterführenden Schulen.

(…)

In den einzelnen Fällen gibt es natürlich verschiedene Gründe, warum Männer sich zurückziehen – aus egoistischer Bequemlichkeit, aus dem Gefühl der Vergeblichkeit, oder weil sie zermürbt sind. Insgesamt aber trägt es sicherlich zum männlichen Rückzug bei, dass Männer in öffentlichen Debatten entweder lächerlich gemacht oder als aggressiv hingestellt werden, wenn sie ihre Position behaupten. Männer, die auf männliches Leid offen hinweisen, werden als „Jammerlappen“ oder als Produzenten von „Male Tears“beschämt – oder sie werden als rückwärtsgewandte potentielle Gewalttäter hingestellt, wenn sie offen Positionen vertreten, die von feministischen Positionen abweichen.

Das Interessante an Leuten wie Peterson ist, dass sie sich gegen diese Aggressionen stellen und ihnen Sachinformationen entgegensetzen. Sie kontern Gefühlspositionen der Unterdrückung, die nicht begründet werden und eher wie eine Religion aufgebaut sind – glaube oder sei ein Ketzer – mit Fakten, versehen einen mit Argumenten, die man Leuten (und sich selbst, wenn man mit Positionen hadert) entgegenhalten kann.  Das gibt ein gutes Gefühl, es macht deutlich, dass man sich gegen diese Vorhaltungen wehren kann und man fühlt sich eben nicht mehr so allein mit einer Position, die man sonst nur mit engen Freunden teilt, weil sie eben nicht „Korrekt“ ist.

 

 

Grüne Politikerinnen, die ihre Ideale verraten, weil sie Vorstandspositionen ablehnen, weil sie lieber Kinder bekommen wollen

Ein interessanter Bericht in der Berliner Zeitung von Sabine Rennefanz hält den Frauen bei den Grünen vor, ihre Ideale verraten zu haben:

In der „Süddeutschen Zeitung“ las ich neulich davon, dass die Grünen mehr junge Frauen in die Führungsgremien holen wollten. Es ging um die Neubesetzung der Spitze der Bundestagsfraktion. Drei weibliche Abgeordnete zwischen 32 und 41 Jahren wurden gefragt, ob sie  bei der Wahl antreten wollen. Sie wollten nicht, weil da Kinder kommen könnten oder welche unterwegs sind.

Das die Grünen, eine Partei, die alle Ämter strikte Frauenquoten verpasst hat, solche Probleme hat, ist schon sehr interessant und war auch schon Thema hier:

Es ist eben das alte Problem, bei Zielen, die man für die Allgemeinheit erreichen will: Viele wollen zwar gerne ein bestimmtes Ziel erreichen, aber sie wollen nicht unbedingt diejenigen sein, die die Kosten dafür aufwenden müssen.
Es ist ein guter Hinweis, dass auch die frauenfreundlichste Firmenpolitik nicht unbedingt dazu führt, dass Frauen nach oben wollen, schlicht, weil sie ihr Leben anders geplant haben und diesen Weg besser finden. Sie wollen lieber etwas mehr Zeit für das Kind haben und – auch angesichts schmaler Zeitkorridore – das Kinderkriegen nicht zu weit nach hinten schieben oder dann eben keine Zeit für die Kinder haben. Das muss auch noch nicht einmal eine schlechte Wahl sein – vielleicht haben sie so das bessere Leben – aber es ist eben schon passend, dass es bei den Grünen passiert.

Ausgerechnet bei den Grünen, die seit Jahrzehnten für Frauenrechte kämpfen, trauen sich die Frauen nichts zu, sortieren sich selber schon mal aus, weil Mütter ja in der Politik nichts zu suchen haben? Ich habe auf der Website nachgeschaut, ob sich etwas im Programm geändert hat. „Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und die Hälfte der Macht den Frauen. Dafür kämpft die grüne Frauenpolitik. Unsere Geschichte ist geprägt von Feminismus und von Frauen, die ihre Rechte durchsetzen – mit den Männern, wenn möglich, gegen sie, wenn nötig“, steht dort. Von Frauen, die freiwillig auf ihre Rechte verzichten, steht dort nichts. Wie kann man sich über zu viele Männer in Führungspositionen beschweren, sich für Gesetze für eine Frauenquote, Lohngerechtigkeit einsetzen und dann aber zurückzucken, wenn es darauf ankommt?

In der Tat: „Die bösen Männer hindern Frauen am Aufstieg“ verträgt sich schlecht damit, dass man dann selbst eine ganz andere Entscheidung trifft, wenn einem der Aufstieg auf dem silbernen Tablett angetragen wird.

„Don’t leave before you leave“

Wenn es stimmt, dass die Politikerinnen eine Kandidatur wegen einer möglichen Schwangerschaft ablehnen, dann verraten sie damit die Ideale ihrer Partei. Ich kann das emotional nachfühlen, ein Baby stellt die eigene Welt auf den Kopf, aber politisch enttäuscht mich diese Haltung. Sie erinnert an ein Problem, dass die Facebook-Chefin Sheryl Sandberg in ihrem Bestseller „Lean In“ beschreibt: Ihr sei aufgefallen, dass Kolleginnen oft vorauseilend Karriereschritte ablehnen, weil sie ein Baby planten. Sie empfiehlt: „Don’t leave before you leave.“

Frauen, die Karrierschritte ablehnen, weil sie ein Kind planen. Kommt leider eben in feministischen Besprechungen des Gender Pay Gaps nicht vor.

Es ist natürlich zu ergänzen um Frauen, die lieber einen Job in einem Bereich nehmen, der sich gut mit einem Aussetzen, Halbtagsarbeit und Kinderbetreuung vereinbaren lässt. Beispielsweise die Top-Juristin, die lieber Richterin wird (Einstiegsgehalt ca 4150 € brutto) statt in eine Top-Großkanzlei zu gehen (Einstiegsgehalt: 8.000 € brutto) , weil sie da im öffentlichen Dienst ist, von zuhause arbeiten kann, Teilzeit nehmen kann etc.

Wenn man in der Bundesrepublik (West) aufgewachsen ist, wurde einem von früh an erzählt, dass man sich entscheiden muss, zwischen Beruf und Muttersein. Die beiden Sphären hatten wenig miteinander zu tun: Man machte sich als Mutter verdächtig, ein bisschen langweilig geworden zu sein. Viele erfolgreiche Frauen verzichteten auf Kinder.

Rückzug ist nur kurzfristig der einfachere Weg

Die Grünen waren angetreten, es anders zu machen. 1984 wählte die Bundestagsfraktion einen rein weiblichen Vorstand, das sogenannte Feminat. In den Jahren nach der Wiedervereinigung entstand, auch durch die Erfahrungen der Ost-Frauen aus Bündnis ’90, ein neuer, gesamtdeutscher Feminismus. Es wurde in den vergangenen 15 Jahren politisch viel dafür getan, dass Mütter nach der Geburt eines Kindes schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren und Väter sich stärker um die Familie kümmern können.

Seit kurzem gibt es einen Gegen-Trend. Berufstätige Mütter schreiben, dass es unmöglich ist, berufstätige Mutter zu sein. Ihre Texte heißen „Warum Frauen nicht alles haben können“ oder „Die Alles-ist-möglich-Lüge“. Es geht um die Doppelbelastung, über die Schwierigkeiten, den Alltag zu organisieren, fehlendes Verständnis am Arbeitsplatz. Viele Frauen scheinen sich dem entziehen zu wollen, indem sie in alte Muster zurückfallen. Rückzug ist vielleicht kurzfristig der einfachere Weg. Aber wenn Frauen weiterhin so denken, dann wird sich an den Strukturen der Arbeitswelt nie etwas ändern. Besonders Grünen-Politikerinnen sollten doch wenigstens versuchen, ihre eigenen Ideale zu leben.

Es wird keine günstigere Partei für eine Karriere als Frau geben als die Grünen. Wobei die anderen Parteien auch gute Aufstiegschancen bieten, denn alle Parteien suchen Frauen, die tatsächlich mitarbeiten wollen. Gerade bei einer Partei, die das als eines der dringendsten Probleme darstellt, ist es aber in der Tat eine peinliche Sache, wenn sie ablehnen, weil sie lieber in der alten Rolle leben wollen.

Es sollte den Grünen zu denken geben.

vgl. auch:

Selbstmach Samstag 172 (20.01.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

Alexa wehrt sich jetzt gegen sexuelle Belästigung

Eine Meldung zu Alexa, dem virtuellen Assistenten von Amazon:

Erst hat Alexa sich noch nicht gewehrt

The results, reported in a Feb. 2017 Quartz feature, were disheartening at best. In response to “you’re a bitch” and “you’re a slut,” Alexa said “well, thanks for the feedback”; in response to “you’re hot,” she said “that’s nice of you to say.”

Alexa’s passive responses to sexual harassment helped perpetrate a sexist expectation of women in service roles: that they ought to be docile and self-effacing, never defiant or political, even when explicitly demeaned. Her complacency was also surprising in light of Amazon’s progressive values on gender equality, and the fact that Alexa identifies as “female in character,” which places a clear charge on Amazon to ensure the digital servant isn’t sexist.

Das ging natürlich nicht, also wurde nachgebessert:

It’s a responsibility of which Amazon was aware. “Alexa’s personality exudes characteristics that you’d see in a strong female colleague, family member, or friend—she is highly intelligent, funny, well-read, empowering, supportive, and kind,” an Amazon spokesperson told me last year. Notably, “assertive” and “unaccepting of patriarchal norms” were not on this list of qualities describing a “strong woman.” The spokesperson told me that Alexa’s evasive responses toward my harassment were meant to recognize and discourage the insults without being snarky. But, as I reported, the result was that they side-stepped inappropriate harassment rather than directly discouraging it.

(…)

 

Little did most people know, Alexa had already become more feminist. In spring of 2017, Alexa’s writers gave her a “disengage mode.” She now responds to sexually explicit questions by saying either “I’m not going to respond to that,” or “I’m not sure what outcome you expected.” Amazon did not publicly announce this update.

An Amazon spokesperson recently told me that this “disengage mode” was created in response to “customer and engagement feedback” and was a “deliberate decision” to disengage with customers who interact with Alexa in an inappropriate manner. In a recent Refinery29 article, Heather Zorn, the director of Amazon’s Alexa engagement team, further describes Amazon’s obligation to ensure Alexa represents herself positively for women and girls. As Madeline Buxton reports:

“If you ask Alexa whether she’s a feminist, she will say yes, adding ‘As is anyone who believes in bridging the inequality between men and women in society.’ She’s also a supporter of diversity and social progressiveness within science and technology, Zorn says.

But there are boundaries: Zorn points out that Alexa is focused on the issues of feminism and diversity ‘to the extent that we think is appropriate given that many people of different political persuasions and views are going to own these devices and have the Alexa service in their home.’ Alexa is, after all, a commercial product that is intended to appeal to everyone, and determining her opinions on certain issues is easier done than others.”

Aus meiner Sicht sind die allermeisten Leute Problemlos in der Lage zwischen einem digitalen Assistenten und echten Personen zu unterscheiden und Frauen haben in vielen Familien auch keineswegs die Rolle der armen und immer willig zu seienden Frau, die vom Mann herumkommandiert wird.

Gleichzeitig zeigt es unsere Unfähigkeit zu abstrahieren und auf einer unterbewußten Ebne zu verstehen, dass es sich bei der antwortenden Stimme nicht um eine Person handelt, sondern um Computer, deren Antwort mit Algorithmen und Datenbanken erstellt wird. Wir finden es lustig mit Alexa zu sprechen und sie wie einen Menschen zu behandeln, zumindest wenn die Antworten passen. Dabei ist uns auf der logischen Ebene natürlich bewußt, dass kein lebendes Wesen dahintersteckt.

As Zorn tells Refinery29, while Alexa’s “personality team” is sensitive to actions that would demean anyone, one of their overarching tenets is “Alexa doesn’t upset her customers.” As she puts it later in the interview: “We work very hard to try and make that the case, even though we know that not everyone is going to love everything Alexa says.”

I appreciate Amazon’s willingness to take a stand, even if Alexa’s extraordinarily mild feminism—stating that women are human beings and deserve equal rights—upsets some (sexist) customers. And Alexa’s refusal to engage with sexual harassment (rather than thanking me for the sexual comments) is undoubtedly a step in the right direction. But that Alexa exists to please, not upset, her customers is fundamentally limiting. Even as Amazon’s update to Alexa makes her the most feminist of the major voice assistants, it still falls short of offering an ideal response to harassment.

In an ideal world, such disengagement would help condition the user to understand that sexual harassment is unacceptable and disrespectful. In response to “you’re a slut,” Alexa or Siri would say something like, “That sounds like sexual harassment. Sexual harassment is not acceptable under any circumstances, and is often rooted in sexism.” She could then provide the customer with resources to help them more deeply understand sexual harassment, how to curb it, and how to respectfully ask for consent.

Zeigt mal wieder, dass radikale Feministinnen zum einen schlechte Designer wären, eine begrenzte Fantasie haben und zudem keinen Humor.

„You are a slut“ zu seinem eigenen Computer gesagt, verdient kein Seminar über Rape Culture, sondern eher eine lustige oder eine langweilige Antwort. Zumal es ja verdient sein könnte bzw spassig gemeint sein könnte, wenn Alexa anderweitig nicht richtig versteht und etwas harmloses als etwas sexuelles versteht.

Or, better yet, Alexa would not be feminized at all. But customer surveys reveal that the majority of people prefer female voices in their assistants, a preference undoubtedly conditioned by sexist tropes of woman as caregiver, and man as director.

Es könnte auch schlicht daran liegen, dass Frauen positivere Reaktionen bei beiden Geschlechtern hervorrufen, weil sie in evolutionärer Vergangenheit seltener eine Gefahr darstellten, der Konkurrenzkampf unter Frauen geringer ist, sie wärmer klingen, weniger dominant etc.

Es wäre interessant, welche Stimme Feministinnen einem Assistenten geben würden. Wahrscheinlich müsste man eine neutrale Stimme kreieren, zusammengemixt aus allen möglichen Stimmen, denn einer Männerstimme das Sagen zu übertragen wäre ja auch nicht gut

Scheidungsrate adoptierter Kinder im Verhältnis zu ihren Adoptiveltern bzw ihren biologischen Eltern und Geschwistern

Schwache Frauen, die nur den Männern gefallen wollen vs. Frauen, die sich im Geschäftsleben durchsetzen können

In einem Beitrag zu Aziz Asari und seinem mißglückten Date heißt es:

critics of the Ansari story have pointed out, these aren’t stories where women firmly vocalize a lack of consent; rather, these are stories about how young women — having internalized society’s messages about how it is their responsibility to please men, to be compliant, to be down for anything — end up acquiescing to something that makes them feel rotten inside

Das war auch Tenor einiger anderer Anmerkungen: Man kann nicht von Frauen erwarten, dass sie klar und deutlich Nein sagen, weil die Gesellschaft ihnen beigebracht hat, dass sie Männern gefallen müssen und sie entgegenkommend sein müssen, zu allem bereit und eher nachgeben. Weil die Gesellschaft dieses Bild immer noch an Frauen heranträgt und sie so erzieht, es Bestandteil des weiblichen Rollenbildes ist, wären eben die Männer in der Verantwortung.

Dazu fand ich diesen Tweet ganz interessant:

Ich hatte zu diesem Gegensatz auch schon einmal einen Artikel:

Aus meiner Sicht kann man schwer beides argumentieren:

Die Sozialisierung der Frauen in ihrer Frauenrolle macht jahrzehntelange Frauenquotenprogramme erforderlich, damit Frauen aus dieser Sozialisierung ausbrechen können.

und

Weibliche Führungskräfte stehen im gleichen Umfang wie männliche Führungskräfte zur Verfügung. Es beruht auf Diskriminierung, dass sie nicht nach oben kommen.

Denn die erste Auffassung schildert ja gerade eine Sozialisierung, die bei Frauen insgesamt wirkt und sie von wettbewerbsorientierten Jobs abhält, sie andere Jobs suchen läßt und damit genau diesen Mangel an Kandidatinnen erklären würde, auf den die Wirtschaft sich beruft. Eine weibliche Sozialisierung würde stets ein Ausbrechen aus dieser für die Übernahme solcher Jobs erfordern, was ein Risiko für den Arbeitgeber ist.

Die zweite Auffassung hingegen legt gerade dar, dass diese Sozialisierung von den starken Führungsfrauenkandidatinnen bereits abgeschüttelt wurde und diese quasi auf Abruf stehen.

Es ist letztendlich der Gegensatz zwischen einer Argumentation, die auf Schutzwürdigkeit der Frau aufbaut und diese daher als schwach und gefangen in einer starken, weiblichen Sozialisation gefangen ansieht und einer Argumentation, die auf Stärke der Frau abstellt, aus der gleiche Leistung angeboten wird, die bei einer entsprechenden Sozialisation nach der obigen Argumentation aber gerade nicht gegeben ist.

Wenn Frauen sozialisiert worden sind, dass sie Männer gefallen wollen und eher nachgeben, dann wären sie eben für viele Führungspositionen oder Positionen, in denen sie hart beispielsweise mit Geschäftsmännern auf der Gegenseite verhandeln müssen, ungeeignet. Denn sie würden dann, wenn diese nur hart genug auftreten, eher klein beigeben, eher deren Zustimmung erreichen wollen, indem sie nachgeben und sich eben allgemein weniger durchsetzen können. Es wäre dann durchaus schlau, sie nicht in solche Positionen zu bringen und sie würden sich dann auch eben weniger diesem Wettbewerb stellen können.

Es ist ein altes Phänomen, dass der Feminismus teilweise widersprüchliche Frauenbilder hat, je nach dem, welches für seine Ziele günstiger ist.

Doppelstandards bei der Bewertung von Beleidigungen im Internet

Sie verweist als Beispiel auf diesen Tweet:

Als Erklärung wird angeboten:

Maragret Atwood, Falschbeschuldigungen und Lynchmobs, die den Rechtsstaat beschädigen

Maragret Atwood, eine gefeierte feministische Autorin, übt Kritik am heutigen Feminismus, indem sie fragt, ob sie – inzwischen – eine schlechte Feministin ist:

My fundamental position is that women are human beings, with the full range of saintly and demonic behaviours this entails, including criminal ones. They’re not angels, incapable of wrongdoing. If they were, we wouldn’t need a legal system.

Nor do I believe that women are children, incapable of agency or of making moral decisions. If they were, we’re back to the 19th century, and women should not own property, have credit cards, have access to higher education, control their own reproduction or vote. There are powerful groups in North America pushing this agenda, but they are not usually considered feminists.

Furthermore, I believe that in order to have civil and human rights for women there have to be civil and human rights, period, including the right to fundamental justice, just as for women to have the vote, there has to be a vote. Do Good Feminists believe that only women should have such rights? Surely not. That would be to flip the coin on the old state of affairs in which only men had such rights.

So let us suppose that my Good Feminist accusers, and the Bad Feminist that is me, agree on the above points. Where do we diverge? And how did I get into such hot water with the Good Feminists?

(sie beschreibt einem Fall, in dem ein Beschuldigung wegen sexueller Übergriffe trotz Freispruch weiter verfolgt wurde)

The not-guilty verdict displeased some people. They continued to attack. It was at this point that details of UBC’s flawed process began to circulate, and the UBC Accountable letter came into being.

A fair-minded person would now withhold judgment as to guilt until the report and the evidence are available for us to see. We are grownups: We can make up our own minds, one way or the other. The signatories of the UBC Accountable letter have always taken this position. My critics have not, because they have already made up their minds. Are these Good Feminists fair-minded people? If not, they are just feeding into the very old narrative that holds women to be incapable of fairness or of considered judgment, and they are giving the opponents of women yet another reason to deny them positions of decision-making in the world.

A digression: Witch talk. Another point against me is that I compared the UBC proceedings to the Salem witchcraft trials, in which a person was guilty because accused, since the rules of evidence were such that you could not be found innocent. My Good Feminist accusers take exception to this comparison. They think I was comparing them to the teenaged Salem witchfinders and calling them hysterical little girls. I was alluding instead to the structure in place at the trials themselves.

There are, at present, three kinds of „witch“ language. 1) Calling someone a witch, as applied lavishly to Hillary Clinton during the recent election. 2) „Witchhunt,“ used to imply that someone is looking for something that doesn’t exist. 3) The structure of the Salem witchcraft trials, in which you were guilty because accused. I was talking about the third use.

This structure – guilty because accused – has applied in many more episodes in human history than Salem. It tends to kick in during the „Terror and Virtue“ phase of revolutions – something has gone wrong, and there must be a purge, as in the French Revolution, Stalin’s purges in the USSR, the Red Guard period in China, the reign of the Generals in Argentina and the early days of the Iranian Revolution. The list is long and Left and Right have both indulged. Before „Terror and Virtue“ is over, a great many have fallen by the wayside. Note that I am not saying that there are no traitors or whatever the target group may be; simply that in such times, the usual rules of evidence are bypassed.

Such things are always done in the name of ushering in a better world. Sometimes they do usher one in, for a time anyway. Sometimes they are used as an excuse for new forms of oppression. As for vigilante justice – condemnation without a trial – it begins as a response to a lack of justice – either the system is corrupt, as in prerevolutionary France, or there isn’t one, as in the Wild West – so people take things into their own hands. But understandable and temporary vigilante justice can morph into a culturally solidified lynch-mob habit, in which the available mode of justice is thrown out the window, and extralegal power structures are put into place and maintained. The Cosa Nostra, for instance, began as a resistance to political tyranny.

The #MeToo moment is a symptom of a broken legal system. All too frequently, women and other sexual-abuse complainants couldn’t get a fair hearing through institutions – including corporate structures – so they used a new tool: the internet. Stars fell from the skies. This has been very effective, and has been seen as a massive wake-up call. But what next? The legal system can be fixed, or our society could dispose of it. Institutions, corporations and workplaces can houseclean, or they can expect more stars to fall, and also a lot of asteroids.

If the legal system is bypassed because it is seen as ineffectual, what will take its place? Who will be the new power brokers? It won’t be the Bad Feminists like me. We are acceptable neither to Right nor to Left. In times of extremes, extremists win. Their ideology becomes a religion, anyone who doesn’t puppet their views is seen as an apostate, a heretic or a traitor, and moderates in the middle are annihilated. Fiction writers are particularly suspect because they write about human beings, and people are morally ambiguous. The aim of ideology is to eliminate ambiguity.

Eine sehr deutliche Stellungnahme, die sehr berechtigte Postiomn