Das Recht, dass keiner einem etwas sagt, was man übelnehmen könnte („Right, not to be offended“)

In dem hier bereits mehrfach erwähnten Interview von Jordan Peterson mit Cathy Newman ging es auch um „The right not to be offended“. Eine deutsche Übersetzung mit „das Recht nicht angegriffen zu werden“scheint mir das nicht hinreichend wiederzugeben, vielleicht ist es eher das „Recht, sich nicht angegriffen zu fühlen“, weil es eher etwas ist, was eine subjektive Reaktion auf etwas wiedergibt.

Der Dialog in dem Interview war etwa:

Cathy Newman:

Why should your freedom of speech trump a trans person’s right not to be offended?”

Jordan Peterson

“Because in order to be able to think, you have to risk being offensive. I mean, look at the conversation we’re having right now. You’re certainly willing to risk offending me in the pursuit of truth. Why should you have the right to do that? It’s been rather uncomfortable.”

Und tatsächlich ist „sich angegriffen fühlen“ auch viel zu subjektiv um in irgendeiner Weise vermieden werden zu können. Das gilt um so mehr, wenn die andere Seite ein „Race to the bottom“ um Empfindlichkeit betreibt

Oder aus einem anderen Artikel:

3. Grievance Jockeying (Competitive Victimhood)

Psychologist David Ley outlined the feature of victimhood culture known as „competitive victimhood,“ which has been called (by Gad Saad) „The Oppression Olympics.“ I prefer the term „grievance jockeying.“ These terms explain the phenomenon pretty clearly: groups and individuals compete for the limited resource of human compassion extended to victims–the natural moral currency of victimhood–by attempting to paint themselves or their charges as bigger victims than other people. That is, victimhood culture is self-accelerating, with all of its attendant problems.

Der Grund, warum Cathy Newman erstaunt war, den sie aber wahrscheinlich nicht artikulieren konnte, weil sie sich entweder selbst damit angreifbar gemacht hätte oder die Theorien dahinter nicht hinreichend durchschaut, ist einfach:

Jordan Peterson gehört keiner „Opfergruppe“ an, so dass er aus ihrer Sicht in der Opferolympiade erstens nicht antreten kann und man zweitens sogar Punkte damit machen kann, dass man ihn als besonders böse abstempelt.

Aus dem gleichen Artikel:

8. Victimhood by Proxy

If you can achieve social status by being a victim, you can also achieve social status by being an „ally“ to a victim, and so victimhood culture reliably evolves a system of victimhood by proxy. (We often refer to these people, at the moment, as „Social Justice Warriors.) These are not people who are necessarily victims themselves but are people who have taken up the charge of victims – whether desired or not – because of the social status it confers to them. They, though not victims themselves, are champions of the beneficiaries of the natural moral currency of victimhood, and thus they, though not victims themselves, collect rent on that moral currency.

Cathy Newman ist bewußt, dass sie mit Victimhood by Proxy und (als Frau) sogar mit echtem „Opfersein“ Punkte machen kann.

Auf die Idee, dass Peterson auch ein Opfer sein könnte, kommt sie gar nicht.

Er ist ja ein Mann, der Frauen abspricht Opfer zu sein. Natürlich ist es okay, ihn anzugreifen.

Aber hätte sie es gesagt, dann hätte er sie ja noch mehr gehabt („Gotcha!“) als er sie mit ihrem verwirrten Schweigen hatte.

Im deutschen würde man wohl sagen:

„Was wahr ist, muss wahr bleiben“

Wie der § 192 StGB zeigt kann aber auch wahres unangemessen sein, wenn es auf eine bestimmte Weise oder aus bestimmten Gründen dargestellt wird.

„Der Krüppel ist zu nichts gut“ wäre bei einem vom Hals ab gelähmten Menschen mit mentalen Beeinträchtigungen zwar wahr, könnte aber evtl dennoch eine Beleidigung darstellen.

In dieser Hinsicht wird die Einschränkung aber aus der Sicht Intersektionaler nicht genutzt. Dort geht es schlicht darum, dass Opferhierarchien eingehalten werden und Wahrheiten, die diese angreifen, per se unzumutbar sind bzw zu sehr dazu einladen „Ally-Punkte“ zu verdienen. Im Intersektionalen werden Punkte eben gerade auf diesem Weg verdient.

Diese Ansicht bedeutet schlicht umfassende Denkverbote und  nicht etwa die gebotene Rücksichtnahme. Diese muss ihre Grenze nicht in dem subjektiven Gefühlen von Leuten finden, die sich in einem Wettlauf um Empfindlichkeit befinden, sondern darf sich im „Normalen“ bewegen.

36 Gedanken zu “Das Recht, dass keiner einem etwas sagt, was man übelnehmen könnte („Right, not to be offended“)

  1. @Christian

    Zwei aus meiner Sicht notwendige Erweiterungen des Konzepts:

    1. Die „Oppression Olympics“ deuten bereits darauf hin, es geht um einen Opfer-WETTBEWERB, also um den Kampf um die Anerkennung als die jeweils „unterdrückteste“ Opfergruppe.
    Das, was Sargon als „Progressive Stack“ bezeichnet hat, kann man daher als „Siegertreppchen“ oder als Top X der „Unterdrücktesten“ bezeichnen.

    Je nach Herrschaft im Diskurs können die Plätze auf diesem Treppchen umkämpft sein oder die Plätze tauschen (s. interner feministischer Kampf um Transgender. Intersektionaler vs. radikaler Feminismus).

    Der springende Punkt ist aber die Etablierung einer hierarchischen FORM, die lediglich wie eine Spiegelung und Umkehrung einer kritisierten „weißen, angelsächsischen und protestantischen“ Gesellschaft aussieht.
    Selbst wenn man die Bemühung ernst nimmt, die kritisierte Ungleichheit und Ungerechtigkeit der WASP-Gesellschaft zu überwinden, ist der Ansatz ganz offensichtlich *dabei stehen geblieben*, das kritisierte grotesk zu imitieren und nicht zu überwinden.

    Dass ist der Geburtsfehler jeder identitären Politik: Jede Gruppe, die auf der Basis eines bestimmten Merkmals benachteiligt/unterdrückt wird (oder sich auch nur so empfindet), ist nur eine Gruppe, weil sie dieses gemeinsame Merkmal aufweist.
    Dass sie sich als eine solche Gruppe konstituieren muss, hat sie sich nicht selber ausgesucht; d.h. sie hat sich nicht konstituiert, sondern sie WURDE.

    2. Die Opfergruppen sind nur dem Namen nach „Minderheiten“ – es ist ganz offensichtlich so, dass FRAUEN die rechnerische MEHRHEIT der meisten Gesellschaften darstellen.
    „Frauen“ als Kollektivsubjekt auf die Liste unterdrückter *Minderheiten* zu setzen ist der größte feministische Trick bzw. Betrug von allen.
    Die Konstruktion eines Kollektivsubjekts Frau kommt diesem Betrug nahe: Es gibt keine sozialen Gemeinsamkeiten zwischen Liz Mohn und Lieschen Müller.

    Der verborgene Anlass der letzten Kampagnen aus meienr Sicht: INDEM beschworen wird, dass männliche sexuelle Gewalt ALLER Männer sich gegen ALLE Frauen richtet, wird immer und immer wieder beschworen, es gäbe dieses Kollektivsubjekt Frau.

    Meine These ist, die Erfolgsgeschichte des Feminismus hat mit den Bildungserfolgen von Frauen zu einer fortschreitenden sozialen Differenzierung innerhalb der Gruppe der Frauen geführt.
    Der kleinste gemeinsame Nenner, das one-trick-pony „sexualisierte Gewalt gegen Frauen“ wird nicht trotz, sondern WEGEN dieser Binnendifferenzierung geritten.

      • @Christian

        Man kann mir vorwerfen, ich nehme den Anlass von #metoo, nämlich sexuelle Belästigung von Frauen zu thematisieren nicht ernst, aber die primäre mediale Verwendung, *öffentlich bekannte Männer* medial hinzurichten zeigt mir, dass es um Frauen im Alltag – also die überwältigende Mehrheit der Frauen – nicht geht.
        Wie J. Doerr (ein Heuchler vor dem Herrn) in der „SZ“ schreibt, es geht „Um einflussreiche Männer, die Hierarchien und Abhängigkeiten ausnutzten, um übergriffig zu werden.“

        Also darum, eine These des Feminismus unterzubringen, wonach männliche Macht und weibliche Abhängigkeit oder Unterordnung das Kernproblem darstellt, was sich natürlich dadurch beseitigen lässt, indem das gender der Machtpositionen getauscht wird.
        Ginge es um ein quid pro quo, also um einen deal, wäre es ein Geschäft auf GEGENSEITIGKEIT und das wäre schlecht für die Theorie.
        Denn wäre weibliches Verhalten nicht aus dem Machtgefälle im feministischen Sinne ableitbar, sondern wäre darauf ausgerichtet, von dieser Macht selber zu profitieren, dann wären Frauen *Akteure* mit eigener *Agenda*.
        Wer sein erotisches Kapital aber in ein finanzielles Kapital umwandeln möchte, verteilt durchaus ein Signal: Es pappt ein Preisschild auf der Stirn und das wurde *eigenhändig* appliziert.

        Aus dieser Nummer, nämlich männliche Macht und weibliche Ohnmacht herauszustellen, also den Mann als aktiv und die Frau als passiv *zu setzen*, kommt dieser Feminismus DESHALB nicht raus.
        Es ist kein Kollateralschaden der Debatte, diese Stereotype zu reproduzieren, sondern das ergibt sich aus der feministischen Theorie selbst.

        Back to business: Die Fixierung der Debatte auf die Machtfrage im feministischen Sinne, also die „gläserne Decke“ nützt nur denjenigen Frauen, die sich anschicken KÖNNEN, „männliche Bastionen“ zu stürmen. Die Frage, wie hoch das Budget für Regisseurinnen ist oder die Gage für Schauspielerinnen ist für Lieschen Müller irrelevant und es gibt auch keinen „trickle down pattern“-Effekt auf ihren Tarif- oder Mindestlohn.

        Dass es hier um Macht- und Ressourcenkämpfe geht und das Thema Sexualität der Hebel der Debatte ist beweist m.E. wieder und wieder, es handelt sich um einen bürgerlicher Feminismus, der das eigene Klientel bedient.

        • Sehr richtig Crumar.
          Das ist ein gehobener Töchterchenfeminismus.
          Weshalb auch gar kein Weg an der Pfui-Partei vorbeiführt.
          Die sind klassisch betrachtet die einzig linke Partei im Parlament.
          Denn selbst wenn, dem Ließchen Müller mit denen drei Mark im Beutel fehlen, ist das immer noch besser in einer Familie gemeinsam zu ertragen und ohne das Ließchens Mann zugunsten dahergelaufener Weiber (Sozialindustrie) diskrimininiert wird, als mit den Parteiprogrammen von Die Linke bis hin zur CSU.

          Das wurde aber halt auch schon 1900 in the Fraud of Feminism gut erkannt, das Feminismus der Gegenpol zu linker/sozialistischer Politik ist.

          • @Sander Aale

            Die AfD ist ein neoliberal/rechtskonservative Partei, die gerade die neu entdeckten Themen für sich abarbeitet, die auf Resonanz stoßen – dazu gehört als (relatives) Alleinstellungsmerkmal die Kritik am Genderismus. Die Partei für Männer tatsächlich politisch *zu ergreifen* wiederum hat die FDP genutzt.

            Da die AfD jedoch traditionalistisch bis auf die Knochen ist, wird das Männerthema nur insofern tangiert werden, als es nicht in Gefahr läuft, den „sozialen Frieden“ der Finanzierung des Staats durch Männer zu gefährden.
            An diesem Punkt sind sie genauso maulfaul wie alle anderen Parteien, aber wenigstens wissen sie, wo der Bartel die Staatsknete abfrisst, denn eine der ersten Anstrengungen war, eine Parteien-Stiftung zu gründen.

            Wenn die Frau zurück an den Herd soll oder in einer ähnlich traditionellen Rolle verbleiben, aber es keine Löhne/Gehälter geben soll, die dem Mann als Alleinernährer der Familie wieder etablieren, kann man sich doch an einem Finger einer Hand abzählen, worauf es hinauslaufen wird.
            Um so höher die Differenz zwischen Reallohn und Anspruch ist, um so mehr müssen Steuergelder das kompensieren und Sozialversicherungssysteme ausgeplündert werden.

            Das heißt: ALLE ANDEREN Männer müssen diesen feuchten Traum der Konservativen finanzieren.
            Der Witz ist doch, dass die „Hausfrau und Mutter“ keinerlei Sozialversicherungsabgaben bezahlt – ihr „Arbeitgeber“, nämlich ihr MANN aber *auch nicht*.
            Was anders herum heißt, ihre Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung bezahlen WIR. Und weil es so schön ist, gebt es das Ehegattensplitting als Steuerersparnis oben drauf als Bonus.
            Wir raten einmal, wer das finanziert.

            Alle konservativen Männer, die „Eigenverantwortung“ predigen und das kommende Hausfrauchen ehelichen, sind nichts als Heuchler – sie verdienen auf diesem Umweg daran *mit*, dass Frauen sich ihre Muschi vergolden lassen, weil sie diese Beiträge sonst aus eigener Tasche finanzieren müssten.
            Wer als MGTOW AfD wählt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank – es gab NIE die goldene Ära, zu der „wir“ zurückkehren müssten.

            Die Steuerklasse 1 wurde bei ihrer Erfindung „Junggesellensteuer“ genannt.
            So weit, so klar, wer hier STRAFbesteuert werden sollte?!

            Noch einmal: Konservativismus/Traditionalismus ist keine Lösung, sondern ein Teil des Problems.

          • @Crumar

            Du hattest hier auf AE, wie ich finde, etwas sehr bemerkenswertes gesagt:

            *Diese* große Koalition besteht u.a. aus fraktionsübergreifenden Frauennetzwerken, die erfolgreich Stellen in Parteien, parteigebundenen think tanks (Stiftungen) und Institutionen (gerade das Familienministerium) besetzt haben. Aus diesen Positionen heraus werden Gelder und weitere Stellen verteilt, werden taktische und strategische politische Ziele entwickelt. Wird Meinungsmache in Allianz mit Frauen-journalistischen Netzwerken betrieben.

            Wie erfolgreich das läuft, lässt sich an uns feststellen: WER regt sich über WEN auf? WIR arbeiten uns intellektuell (und nicht einmal politisch) an der feministischen Agenda ab – NICHT die an UNSERER.
            Glaubt ihr, die wären so erfolgreich gewesen, wenn Rita Süssmuth (CDU) permanent SPD/Grünen-Frauen vorgeworfen hätte, dass sie aber links sind?

            Ich teile deine Ansicht bzgl. Rita Süssmuth, aber das sollte halt mMn auch umgekehrt gelten: Glaubst du, das du damit erfolgreich sein kannst, wenn du anderen permanent vorwirfst, dass sie aber rechts sind?

  2. Das einfachste ist es einfach nicht mit Schneeflocken zu reden und sie aus dem eigenen Leben auszuschließen. Gilt auf für das Internet. Es gibt die Möglichkeit, so wie hier in speziellen Blogs oder in abgeschirmten Foren mit seinesgleichen zu reden. Wer meint es in den „sozialen“ Netzwerken tun zu müssen hat halt Pech. Es gibt immer jemanden dem etwas nicht gefällt und der sich beleidigt fühlt. Das war aber auch schon früher so. Deswegen sind manche konspirativen Foren da das Mittel der Wahl. Hat auch den Vorteil, dass nicht jeder sofort die eigene Stärke erkennt obwohl sie möglicherweise beachtlich ist.

  3. Den zweiten Teil des Blogposts verstehe ich nicht. Auf welche vorhergehende Textstelle ist der Satz „Was wahr ist, muss wahr bleiben“ bezogen? Was hat die Beleidigung trotz Wahrheitsbeweis mit Intersektionalsimus zu tun? Wieso kann man „Ally-Punkte“ verdienen, wenn man „Wahrheiten“ des Intersektionalismus angrreift?

    • „Den zweiten Teil des Blogposts verstehe ich nicht.“

      Es geht allgemein darum, was man sagen darf und eben auch darum, inwieweit wahres ausgesprochen werden darf, auch wenn es jemand subjektiv als angriff versteht.

      „Auf welche vorhergehende Textstelle ist der Satz „Was wahr ist, muss wahr bleiben“ bezogen?“

      Der Übergang von transgender zu allgemeineren ist vielleicht etwas holprig geworden. Aber sie greift ihn ja auch für diverse Sachen an, die er ansonsten sagt. Etwa weil er den Gender Pay Gap anzweifelt

      „Was hat die Beleidigung trotz Wahrheitsbeweis mit Intersektionalsimus zu tun?“

      Es ging mir darum, dass im Intersektionalismus vieles bereits als Angriff verstanden wird, was nicht deren Ideologie entspricht. „Es gibt nur zwei Geschlechter“ zum beispiel, aber eben auch viele andere Punkte.

      „Wieso kann man „Ally-Punkte“ verdienen, wenn man „Wahrheiten“ des Intersektionalismus angrreift?“

      Umgekehrt. Man kann Ally-Punkte verdienen, wenn man jemamden angreift, der etwas sagt, was zwar stimmt, aber nicht in das intersektionale System passt

  4. Wirklich katastrophal finde ich die dahinter steckende Denkfaulheit, Wissens-/Wissenschaftsfeindlichkeit und Anti-Aufklärung. Wie soll jemand Philosophie studieren können, wenn er/sie/es es nicht ertragen kann, Kant zu lesen (böser, alter weißer Mann und total eurozentristisch)? Wie könnte jemand belesen sein, der nicht einmal Mark Twain oder Astrid Lindgren schafft (wegen des bösen N-Wortes)? Und wie soll jemals auch nur ein Hauch von wissenschaftlich verwertbaren Beiträgen von Personen kommen, die sich der Anwendung bewährter wissenschaftlicher Standards komplett verweigern (Gender Studies)?

    Diese Gestalten (vor allem Frauen, aber nicht nur) wollen ihr Leben im Bällchenbad verbringen und haben die emotionale Reife einer Dreijährigen, der man die Nichtexistenz vom Christkind noch nicht zumuten kann.

    wo man landet, wenn Gefühle, Glauben und Befindlichkeiten der wesentliche Maßstab sind, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen.

    • @rano64

      „Wie soll jemand Philosophie studieren können, wenn er/sie/es es nicht ertragen kann, Kant zu lesen (böser, alter weißer Mann und total eurozentristisch)?“

      Berechtigter Einwand, aber man sollte auch einmal die andere Seite betrachten.
      Wäre es nicht eine ungeheure Ersparnis an Arbeitszeit und Aufwand, wenn ich mein Philosophiestudium dadurch erleichtere, keine toten weißen Männer lesen zu müssen oder sexistische, rassistische, klassistische, ableiistische, transphobe Texte?
      Gut, die Literaturliste wäre dann nicht ganz so lang und würde auf einen Bierdeckel passen.
      Aber natürlich wäre es ein vollwertiges Philosophiestudium im feministischen Sinne.
      Also gut genug.
      Und danach gibt es das bedingungslose Grundeinkommen! 🙂

      • nein, nein, danach gibt es in naher Zukunft mindestens das gleiche Einkommen wie für jemanden, der tatsächlich studiert hat. Gibt schließlich Bemühungen, dass (angeblich gerechte) Einkommen an die Länge der Ausbildung zu koppeln. Da zählt dann der „keine Ahnung irgendwas mit Gender“ genauso wie z.B. Elektrotechnik.

        Anekdote: Ich werde niemals die mündliche Diplomprüfung vergessen (Uni Köln, VWL). Die beiden Männer (darunter ich) wurden ganz normal geprüft, die Frau wusste wirklich GAR NICHTS. Der Professor hat verzweifelt immer noch einfachere Fragen gestellt, aber nachdem sie nicht einmal Fragen beantworten konnte, die man üblicherweise in jeder kaufmännischen Ausbildung lernt (z.B. über Funktionen des Geldes in der Volkswirtschaft), musste er sie wohl oder übel doch durchfallen lassen. Na ja, vielleicht hatte die Dame einfach nur einen Blackout.

        • „… aber nachdem sie nicht einmal Fragen beantworten konnte, die man üblicherweise in jeder kaufmännischen Ausbildung lernt (z.B. über Funktionen des Geldes in der Volkswirtschaft), musste er sie wohl oder übel doch durchfallen lassen.“

          Aber manchmal kommt frau selbst dann noch durch und startet eine Karriere.
          Ich hatte ja schon Mal von unserer Geschäftsführerin und Produktionsleiterin berichtet, die mich zwei Jahre(!) nachdem sie den Job (Quotentusse!) bekommen hatte, zur Seite nahm, um sich von mir mal umfassend darüber aufklären zu lassen, welche chemischen Reaktionen und damit verbundenen giftigen Risiken bei der Produktion auftreten (könnten).
          Ich war erst etwas verwirrt und glaubte, die Frage nicht verstanden zu haben, weil wir Materialen VERARBEITETEN, aber ganz gewiss nicht – zumindest nicht absichtlich – chemische Reaktionen dabei erzeugten.
          Dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: die Frau wusste überhaupt nicht, was sie da seit Jahren überwachte und managte.

          Die Frau war (ist) promovierte Chemikerin!!!!1111!!

    • „Diese Gestalten (vor allem Frauen, aber nicht nur) wollen ihr Leben im Bällchenbad verbringen …“

      Ich vermute, das ist nur Show – oder so eine Art Kollateralschaden. Es geht in erster Linie darum, Macht über andere Leute auszuüben, indem man sie ins Unrecht setzt, beschämt usw. Um den Anschuldigungen gegen andere Glaubwürdigkeit zu verleihen, muß man dann so tun, als wäre man total getriggert und auf ewig traumatisiert, und dieses vorgetäuschte Leiden inszeniert man dann öffentlichkeitswirksam im Bällchenbad und im Kuschraum, also im „safe space“.

      Es würde mich nicht wundern, wenn sich diese Leute selber in ihrem „safe space“ ziemlich albern vorkommen würden – aber sie müssen das nun mal durchziehen, damit ihre permanenten Anschuldigungen und Wehklagen bei anderen noch irgendwelche Glaubwürdigkeit erlangen können …

  5. „Er ist ja ein Mann, der Frauen abspricht Opfer zu sein. Natürlich ist es okay, ihn anzugreifen.“

    Stimmt so allerdings nicht ganz. Peterson spricht es Frauen nicht ab, Opfer zu sein. Das sehen vielleicht seine SJW-Kritiker so, aber ich kann mich nicht an eine Aussage von ihm erinnern, die das bestätigen würde.

    Die Frage ist vielmehr, ob Frauen systemisch Opfer sind (vulgo. „Opferabo“), und alleine aus ihrer Identität als Frau daher Bevorzugungen genießen sollten, um die vermutete systemische Viktimisierung auszugleichen, wie es Feminismus fordert.

  6. Oben im Haupttext heißt es:

    „„Der Krüppel ist zu nichts gut“ wäre bei einem vom Hals ab gelähmten Menschen mit mentalen Beeinträchtigungen zwar wahr, könnte aber evtl dennoch eine Beleidigung darstellen.“

    Ich vermute, hier werden zwei verschiedene Sachen miteinander vermengt: Die zitierte Aussage ist wahr im gegebenen Beispiel und keine Beleidigung.

    Was aber bei einer entsprechenden Äußerung als Beleidigung empfunden wird: daß jemand, der so eine Aussage in entsprechendem Tonfall äußert, damit zu verstehen gibt, daß für ihn der Wert der betreffenden Person maßgeblich von seiner Nützlichkeit, Verwertbarkeit od. dgl. abhängt, und daß somit die Nutzlosigkeit dieser Person unmittelbar ihre Wertlosigkeit zu Folge hat (gemäß dem Urteil der äußernden Person).

    Die Beleidigung läge demnach in dieser Kopplung des Wertes einer Person an ihre Nützlichkeit, nicht in der Konstatierung der Nutzlosigkeit, würde ich vermuten.

    • Die Aussage der nutzlosigkeit ist so zunächst erstmal aber nicht wahr. Er könnte immer noch ein stephen hawking sein.

      Aber selbst wenn sie stimmt ist dein Argument richtig, dass die Person dann nicht wertlos ist.

  7. Ein der „Opferolympiade“ analoges Konzept gibt es übrigens auch in der Verhaltensbiologie. Als Jugendlicher in den 80ern war ich von folgendem Buch fasziniert (imho noch immer äußerst lesenswert):
    http://www.bischof.com/mat/Bischof_Raetsel_Oedipus.pdf

    Darin auf Seite 343:

    Wenn wir dieses Syndrom funktionell verstehen wollen, müssen wir an eine Überlegung anknüpfen, die wir auf Seite 300 begonnen, aber nicht zuende geführt haben. Es ging dort um das eigentümliche Phänomen, daß sich die Bereitschaft,einem Gruppenmitglied Aufmerksamkeit zu schenken und seine Wünsche zu erfüllen, in Tiersozietäten oft auf zwei komplementäre »Pole« hin konzentriert: auf den stärksten, kompetentesten Erwachsenen, aber auch auf das schwächste, hilfloseste Gruppenmitglied, das Kind.

    Dadurch entstehen zwei gegenläufige »Hierarchien«; je höher man in der einen rangiert, um so niedriger in der anderen. Wenn diese gleichwohl normalerweise nicht in Konflikt miteinander geraten, so liegt das daran, daß sie sich auf verschiedenen Motivdimensionen verwirklichen. In der Terminologie des Schemas von Seite 331 können wir sagen, daß es bei der einen um die Thematik der Selbstbehauptung, bei der anderen um die der Rückversicherung geht.

    MaW: In Tiersozietäten kann es ein Rangordnung der Dominanz und eine Rangordnung der Hilfsbedürftigkeit (aka Opferolympiade) geben.

    Auf Seite 300 wird beschrieben, dass die Hilfsbedürftigkeit normalerweise nur im Rahmen der Brutpflege bedient wird. Deshalb macht die Rangordnung der Hilfsbedürftigkeit auch nur dort Sinn.

    Nun liegt der Gedanke nahe, dass beim Homo Sapiens – durch die relativ komplizierte und anspruchsvolle Schwangerschaft und die lange Bedürftigkeit des Säuglings nach mütterlicher Pflege – die Frau sozusagen unter eine erweiterte Brutplege fällt, und dadurch auch instinktiv in der Rangordnung der Hilfsbedürftigkeit mitmischt.

      • Generell nicht, aber im Rahmen der Brutpflege kann es diese Hierachien der Hilfsbedürftigkeit geben.

        Werkzeuge um in solchen Hierachien aufzusteigen sind unter anderem Kindchenschema und beim Homo Sapiens Kind das Weinen. Diese Features findet man bei Erwachsen auch bei einem Geschlecht mehr als beim anderen.

    • Komisch ist ja, wenn bei einem sich der eigenen Sterblichkeit bewusst seienden Spezies die Altenpflege sich da nicht ebenso bemerkbar macht.

  8. „To be offended“ ist hier *wörtlich* als (aktives) „_sich_ beleidigt _fühlen_“ zu verstehen, nicht als „beleidigt werden“.

    Das im Hinterkopf hat natürlich jeder das Recht, sich zu fühlen, wie er will. Es ist nur halt sein eigenes Problem und nicht das anderer Leute.

    • Es scheint wirklich nicht einfach, das Wort „offended“ bzw. „offensive“ zu übersetzen.
      Gestern habe ich für „offensive“ die Übersetzung „anstößig“ benutzt, was als etwas altmodischer Begriff empfunden wurde. Trotzdem trifft der Begriff des „anstoß nehmens“ mMn sehr viel von dem Begriff „offensive“.

  9. Entscheidend dürfte wohl das Denken sein.
    Transgedönse werden bewusst vom denkenden Menschen zum emotional getriebenem Wahlvieh degradiert.
    Was zumindest für die mit einem Cis-Hetero-Hintergrund unmenschlich und entwürdigend scheint.
    Die weibliche Denkfähigkeit kann und möchte ich nicht beurteilen.

  10. Übrigens arbeitet das ganz oben Zitierte m.E. mit einer falschen Allgemein-Definition von Victimhood by Proxy.
    Da wird behauptet, daß die selbsternannten „Stellvertreter der Opfer“ Verantwortung für diese übernehmen würden.
    Das mag zwar in Einzelfällen durchaus mal vorkommen, ist jedoch überhaupt nicht die Regel. Den meisten geht es ausschließlich darum Randale und Gepöbel zu veranstalten, irgendwem in den Arsch zu kriechen, um sich so zum Helden hochzustilisieren und dafür in manchen Fällen sogar noch direkte Vorteile ( Macht, Geld, sonstige Profite zu verschaffen ). Besonders bei solchen Typen wie Stokowski, Schmollack, Oestreich, Hornscheidt, Schutzbach u.s.w. ist das wohl auf den allerersten Blick erkennbar.
    Paradebeispiel sind die „Welcome-Refugees“-Brüller, von denen vielleicht mal ein % mit einer nicht selbst gekauften Blume am Bahnhof gestanden haben, wenn überhaupt. Soziale Hilfearbeit hat von denen sicherlich noch nicht mal ein Promille geleistet. Im Gegenteil beschimpfen sie oft sogar gewohnheitsmäßig so ziemlich jeden, der tatsächlich mit Opfern arbeitet.

  11. Christian, deine Wiedergabe des Dialogs ist aber kurz.
    Er geht ja so weiter
    Cathy:

    fine. I’m very glad i’ve put you on the spot (oder sagt sie: on this path ?)

    Jordan (unterbricht): but did you get my point?
    As like: You’re doing what you should do, which is digging a bit to see what the hell is going on, and that is what you should do.
    But You are exercising your freedom of speech to certainly risk offending me, and that’s fine, I think more power to you as far as I am concerned.

    Und dann kommt diese unbezahlbare stelle, wo es Cathy die Sprache verschlägt.
    Cathy::
    So you haven’t said there …
    and…
    (pause)
    I’m just sorry, I’ve just trying to work that out, I mean
    (Pause)

    Jordan:
    Ha, GOTCHA.

    Ich habe überlegt, was da vor sich geht.
    Die ganez Zeit haut Cathy auf alle möglichen Aussagen von Jordan Peterson irgendwelche platten unterstellungen und verdrehungen raus, um ihn zu provozieren.
    Sie scheint da sehr geübt darin zu sein und macht das fast ohne nachzudenken, das kann die aus dem ff. Vermutlich ist das ihre Masche, um Leute vorzuführen, und sehr oft wird diese masche auch aufgehen, weil dieser Methode nicht jeder gewachsen ist. Gegen Peterson „funktioniert“ das aber nur insofern, dass er eben beständig hartnäckig argumentieren muss, um seinen Standpunkt zumindest den Zuschauern klar zu machen.

    An der Stelle passiert aber etwas, womit Cathy wohl selten zu tun hat.
    Peterson hat an der Stelle gerade IHR Recht verteidigt, ihm auf den Zahn zu fühlen.
    Man kann ihr geradezu dabei zusehen, wie sie anfängt, irgend einen ihrer schema-entgegnungen einzuwerfen, um ihn sofort wieder aufs glatteis zu führen – aber sie merkt, dass das nicht geht, weil er ja IHRE Redwefreiheit verteidigt hat, und eine provozierende entgegnung ihrerseits ihre eigene Strategie fragwürdig machen würde. Sie überlegt, hat kurz einen zweiten impuls – nein, scheint auch einen haken zu haben –
    GOTCHA – erst ein drittter Anlauf bringt ihr schließlich den zugegeben genialen Geistesblitz, Jordan Peterson vorzuhalten, er habe sich dem interview schließlich freiwillig gestellt, und behauptet (was im Grunde nicht stimmt, aber die Idee war ja mal einen Versuch wert…), ein trans Student in seinem Kurs hätte eine solche Freiheit irgendwie nicht.
    Aber Jordan Peterson kontert auch das souverän…
    Danach kommt sie wieder in ihr Fahrwasser.

    • Ich nehme an, seine eigene Einschätzung des Interviews ist inzwischen bekannt? (ht tps://www.youtube.com/watch?v=E6qBxn_hFDQ , dort spricht er ca. die erste halbe Stunde darüber).

      NmA war Newman einfach nicht darauf vorbereitet, mit ihrer Strategie ‚ich fasse mal ihren Standpunkt falsch zusammen, und dann können sie entweder ‚ja‘ sagen und meine Einschätzung von Ihnen als misogyner, rechter Provokateur bestätigen oder sie sagen ’nein‘ und bestätigen diese Einschätzung damit genauso‘ gegenüber einem Psychologen, der seit Jahrzehnten Menschen mit teils erheblichen psychischen Störungen behandelt, daher jeden Ebene dieser Kommunikation bestens versteht UND damit umzugehen weiß, vollkommen auflaufen zu müssen.

      In einer seiner Vorlesungen (Personality 2017) erzählt er die Anekdote eines seiner Patienten, den er wegen ‚obsessive compulsive disorder‘ behandelte. Diese OCDs haben – nach Petersons Ansicht – eine wesentliche Ursache in Ekelgefühlen (‚disgust‘), die nicht sozialverträglich reguliert werden. Mit diesem Patienten vereinbarte er, ihn langsam an Dinge, vor denen sich der Patient ekelte, heranzuführen. Ein Protokoll bestand dabei darin, dass der Patient Bilder von solchen Dingen an seinem Kühlschrank anbrachte, mit dem Ziel, sich so eine Toleranz anzugewöhnen.

      Peterson erzählte nun, dass ihn dieser Patient über den Zeitraum von einem halben Jahr drei- bis viermal am Tag auf seinem Mobiltelevon anrief, um Peterson minutenlang anzubrüllen, warum er ihm das zumute, diese Bilder dort angebracht zu haben und generell seinem Unmut freien Lauf zu lassen. Nach jedem solchen Telefonat rief der Patiernt einige Minuten später erneut an, um seiner Reue über seinen Lapusus mitzuteilen, sich demütig zu entschuldigen und die Hoffnung zu äußern, Peterson möge ihn doch bitte wieder in der Praxis empfangen usw.

      Wenn man mit solchen und noch weit problematischeren Psychos zu tun hatte, sollte man mit der verblendeten Dummdreistigkeit Newmans, in der ich persönlich nur sehr wenig ‚devil’s advocate‘-Haltung erkennen konnte, spielend fertig werden. So kam’s dann ja auch.

      • … tausche ein ‚v‘ gegen ein ‚f’…

        Die aktuell kursierenden Memes dazu sind oft wirklich großartig:
        JBP: ‚I had bacon and eggs for breakfast this morning.‘
        N: ‚So you’re saying: kill all vegans?!?‘

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