Das Recht, dass keiner einem etwas sagt, was man übelnehmen könnte („Right, not to be offended“)

In dem hier bereits mehrfach erwähnten Interview von Jordan Peterson mit Cathy Newman ging es auch um „The right not to be offended“. Eine deutsche Übersetzung mit „das Recht nicht angegriffen zu werden“scheint mir das nicht hinreichend wiederzugeben, vielleicht ist es eher das „Recht, sich nicht angegriffen zu fühlen“, weil es eher etwas ist, was eine subjektive Reaktion auf etwas wiedergibt.

Der Dialog in dem Interview war etwa:

Cathy Newman:

Why should your freedom of speech trump a trans person’s right not to be offended?”

Jordan Peterson

“Because in order to be able to think, you have to risk being offensive. I mean, look at the conversation we’re having right now. You’re certainly willing to risk offending me in the pursuit of truth. Why should you have the right to do that? It’s been rather uncomfortable.”

Und tatsächlich ist „sich angegriffen fühlen“ auch viel zu subjektiv um in irgendeiner Weise vermieden werden zu können. Das gilt um so mehr, wenn die andere Seite ein „Race to the bottom“ um Empfindlichkeit betreibt

Oder aus einem anderen Artikel:

3. Grievance Jockeying (Competitive Victimhood)

Psychologist David Ley outlined the feature of victimhood culture known as „competitive victimhood,“ which has been called (by Gad Saad) „The Oppression Olympics.“ I prefer the term „grievance jockeying.“ These terms explain the phenomenon pretty clearly: groups and individuals compete for the limited resource of human compassion extended to victims–the natural moral currency of victimhood–by attempting to paint themselves or their charges as bigger victims than other people. That is, victimhood culture is self-accelerating, with all of its attendant problems.

Der Grund, warum Cathy Newman erstaunt war, den sie aber wahrscheinlich nicht artikulieren konnte, weil sie sich entweder selbst damit angreifbar gemacht hätte oder die Theorien dahinter nicht hinreichend durchschaut, ist einfach:

Jordan Peterson gehört keiner „Opfergruppe“ an, so dass er aus ihrer Sicht in der Opferolympiade erstens nicht antreten kann und man zweitens sogar Punkte damit machen kann, dass man ihn als besonders böse abstempelt.

Aus dem gleichen Artikel:

8. Victimhood by Proxy

If you can achieve social status by being a victim, you can also achieve social status by being an „ally“ to a victim, and so victimhood culture reliably evolves a system of victimhood by proxy. (We often refer to these people, at the moment, as „Social Justice Warriors.) These are not people who are necessarily victims themselves but are people who have taken up the charge of victims – whether desired or not – because of the social status it confers to them. They, though not victims themselves, are champions of the beneficiaries of the natural moral currency of victimhood, and thus they, though not victims themselves, collect rent on that moral currency.

Cathy Newman ist bewußt, dass sie mit Victimhood by Proxy und (als Frau) sogar mit echtem „Opfersein“ Punkte machen kann.

Auf die Idee, dass Peterson auch ein Opfer sein könnte, kommt sie gar nicht.

Er ist ja ein Mann, der Frauen abspricht Opfer zu sein. Natürlich ist es okay, ihn anzugreifen.

Aber hätte sie es gesagt, dann hätte er sie ja noch mehr gehabt („Gotcha!“) als er sie mit ihrem verwirrten Schweigen hatte.

Im deutschen würde man wohl sagen:

„Was wahr ist, muss wahr bleiben“

Wie der § 192 StGB zeigt kann aber auch wahres unangemessen sein, wenn es auf eine bestimmte Weise oder aus bestimmten Gründen dargestellt wird.

„Der Krüppel ist zu nichts gut“ wäre bei einem vom Hals ab gelähmten Menschen mit mentalen Beeinträchtigungen zwar wahr, könnte aber evtl dennoch eine Beleidigung darstellen.

In dieser Hinsicht wird die Einschränkung aber aus der Sicht Intersektionaler nicht genutzt. Dort geht es schlicht darum, dass Opferhierarchien eingehalten werden und Wahrheiten, die diese angreifen, per se unzumutbar sind bzw zu sehr dazu einladen „Ally-Punkte“ zu verdienen. Im Intersektionalen werden Punkte eben gerade auf diesem Weg verdient.

Diese Ansicht bedeutet schlicht umfassende Denkverbote und  nicht etwa die gebotene Rücksichtnahme. Diese muss ihre Grenze nicht in dem subjektiven Gefühlen von Leuten finden, die sich in einem Wettlauf um Empfindlichkeit befinden, sondern darf sich im „Normalen“ bewegen.