Männer als Feindbild in der Identitätspolitik und das Interesse an Personen, die dagegen argumentieren als Folge

In einem hier in den Kommentaren schon stark besprochenen Interview des Fernsehsenders Channel 4 des BBC  soll Peterson die Frage beantworten, warum seine Zuschauer überwiegend männlich sind. Meine Vermutung ist, dass die Interviewerin es eigentlich in die Richtung drehen wollte, dass Frauen ihn nicht interessant finden oder er zu frauenfeindlich ist, aber Peterson sieht einen anderen Grund:

JP: well it’s about 80 percent on on YouTube which is – YouTube is a male domain primarily so it’s hard to tell how much of it is because YouTube is male and how how much of it is because of what I’m saying. But  what I’ve been telling young men is that there’s an actual reason why they need to grow up which is that they have something to offer you know  that people have within them this capacity to set the world straight and that’s necessary to manifest in the world and that also doing so is where you find the meaning that sustains you in life

BBC: so what’s gone wrong then

JP oh god, all sorts of things have gone wrong. I don’t think that young men hear words of encouragement. Some of them never in their entire lives as far as I can tell.  That’s what they tell me and the fact that the words, that I’ve been speaking, the YouTube lectures that I’ve done and put online for example, have had such a dramatic impact, is indication that young men are starving for this sort of message because like why in the world would they have to derive it from a lecture on YouTube now they’re not being taught that they that it’s important to develop yourself

Sicherlich hören auch viele Männer Unterstützungen und Ermutigungen, etwa von Freunden oder von der Familie. Aber gleichzeitig werden sie eben auch gerade zum Buhmann ernannt, sie bemerken deutlich, dass SJWs und die gegenwärtige Poltik keine Probleme damit haben, wenn man über „weiße heterosexuelle Männer“ herzieht und man kann immer wieder in der Mainstreampresse Abwertungen lesen oder hören und das eben genau wegen dieser Gruppenzugehörigkeit.

Es wäre da durchaus verständlich, wenn gerade Männer jemanden, der Fakten dagegen hält, der den Gender Pay Gap und die Schuldzuweisung an Männer sachlich hinterfragt, der ihnen diese Last nimmt, die Schuld an allem zu haben.  Der gegen eine Identitätspolitik vorgeht, in der die Männer schuld an allem sind, ohne etwas gemacht zu haben und denen nun vorgehalten wird, sie lebten ein Leben auf Rosen gebettet und Kaviar essend, während Frauen sich geschlagen und belästigt und mit wenig Lohn durchs Leben quälen müssen, während sie gleichzeitig in ihrem Leben Frauen wahrnehmen, die diesem Bild gar nicht entsprechen, die weit weniger mit Abweisung leben müssen als die jeweiligen Männer, die durchaus glücklich zu sein scheinen etc.

Lucas Schoppe schrieb in einem Beitrag:

Das ist eben das Gegenteil der Logik, die Williamson beschreibt. Anstatt selbst Raum zu beanspruchen und andere damit zu ermutigen, dasselbe zu tun, können Frauen bei den Grünen Männern eben dadurch ihren Raum nehmen, indem sie selbst keinen Raum besetzen.

Das allerdings hilft niemanden, und mehr noch, es kaschiert ein deutlich größeres Problem als das der raumgreifenden Männlichkeit: dass sich nämlich Männer aus wichtigen Bereichen stillschweigend zurückziehen. Dramatisch wird dies im Bereich der Bildung, sowohl in den Kindergärten als auch in den Grundschulen, und immer mehr auch in den weiterführenden Schulen.

(…)

In den einzelnen Fällen gibt es natürlich verschiedene Gründe, warum Männer sich zurückziehen – aus egoistischer Bequemlichkeit, aus dem Gefühl der Vergeblichkeit, oder weil sie zermürbt sind. Insgesamt aber trägt es sicherlich zum männlichen Rückzug bei, dass Männer in öffentlichen Debatten entweder lächerlich gemacht oder als aggressiv hingestellt werden, wenn sie ihre Position behaupten. Männer, die auf männliches Leid offen hinweisen, werden als „Jammerlappen“ oder als Produzenten von „Male Tears“beschämt – oder sie werden als rückwärtsgewandte potentielle Gewalttäter hingestellt, wenn sie offen Positionen vertreten, die von feministischen Positionen abweichen.

Das Interessante an Leuten wie Peterson ist, dass sie sich gegen diese Aggressionen stellen und ihnen Sachinformationen entgegensetzen. Sie kontern Gefühlspositionen der Unterdrückung, die nicht begründet werden und eher wie eine Religion aufgebaut sind – glaube oder sei ein Ketzer – mit Fakten, versehen einen mit Argumenten, die man Leuten (und sich selbst, wenn man mit Positionen hadert) entgegenhalten kann.  Das gibt ein gutes Gefühl, es macht deutlich, dass man sich gegen diese Vorhaltungen wehren kann und man fühlt sich eben nicht mehr so allein mit einer Position, die man sonst nur mit engen Freunden teilt, weil sie eben nicht „Korrekt“ ist.