„Warum kümmern sich Männer/Männerrechtler/Maskus eigentlich kaum um Jungs und Männer?“

Claudia Berlin hatte einmal folgenden Kommentar geschrieben, der schon damals für eine gewisse Diskussion sorgte, den ich aber noch einmal in einem eigenen Artikel zur Diskussion stellen möchte:

Gerade wegen der im Artikel gerühmten so super erfolgreichen Leistungen bzgl. der Unterdrückung der Frauen drängt sich allerdings eine Frage immer heftiger auf:

*** Warum kümmern sich Männer/Männerrechtler/Maskus eigentlich kaum um Jungs und Männer? ****

ENTSETZT muss ich in den Masku-Blogs berechtigte Klagen lesen:

-> Soviel mehr Obdachlose,
-> Süchtige,
-> Suizid-Opfer,
-> benachteiligte Jungs in den Schulen…

da füge ich hinzu:

-> desorientierte, agressive und/oder verzweifelte Teenys und Twentysomethings, denen niemand zeigt, wie man „Mann wird“. (Das ist nun wirklich kein Job für Mutti!)

Sollen diese Probleme denn die so erfolgreich unterdrückten Frauen lösen? Weil Ihr halt ungern „was mit Menschen“ macht – und erst recht ungern mit Männern?

Woran liegt das? Denkt mal drüber nach!

Ich bin eine 60plus, die die 2. Frauenbewegung miterlebt hat. Durchweg war es wesentlicher Teil der Bewegung, dass frau sich abwendete von den Erwartungen an Männer und auf verschiedensten Ebenen ausprobierte, was denn so mit Frauen geht. Sowohl bei den akuten Problemen ansetzend (Frauenhäuser, Wildwasser, zusammen mit bewegten Männern Kitas), als auch experimentierend in Sachen Arbeit, Kunst, Liebe.. bis hin zum Bau-Kollektiv! 🙂

Sowas seh ich nicht in der sog. „Männerbewegung“. Es wird sich am Feminismus gerieben, anstatt an den beklagten Defiziten SELBST zu arbeiten.
Wobei die deutschprachige bzw. EU-Fem-Szene offensichtlich nicht mal genug Material bietet. Ein Blog wie dieses muss recht oft nach USA gucken, um noch irgendwelche neuen Femi-Gemeinheiten zu finden…

Schöne Woche wünsch ich! 🙂

Das erinnert natürlich auch etwas an die alte Debatte der „Aktiven und der Bloggenden“.  

Natürlich machen Männer auch einiges. Sie sind ja meist bereits berufstätig und in allen Bereichen der Arbeit, Kunst und der Liebe vertreten. Männer haben beispielsweise mit MGTOW (Männer gehen ihren eigenen Weg) aber auch damit, dass sie immer später oder gar nicht heiraten oder Kinder bekommen, dass sie sich in Parallelwelten (Computerspiele oder andere Bereiche, wo Männer hauptsächlich  mit Männern interagieren) zurückziehen oder das sie sich zB im Flirten verbessern um so andere Möglichkeiten zu haben.

Aus meiner Sicht ist aber die Entwicklung eigener Theorien und die Gegendarstellung zu männerfeindlichen Theorien durchaus ein wichtiger Bereich der „Befreiungsarbeit“. Den hat der Feminismus natürlich auch genauso durchgeführt (wenn auch mit sehr negativen Ergebnis) indem sie Theorien entwickelt haben, die das Geschlechterverhältnis und seine Konstruktion beschreiben und darauf aufbauend gelebt haben, etwa indem sie „das private als politisch“ angesehen haben, „politisches Lesbenstum“ eingerichtet haben oder schlicht Männern die Schuld an allem gegeben haben.

Das war ein Großteil der feministischen Bewegung, der Anteil derer, die tatsächlich „Baukollektive“ gegründet haben ist dagegen verschwindend gering. Ebenso wie der Anteil derer, die heute im Feminismus an tatsächlichen Problemen arbeiten: Man studiert lieber Gender Studies, mit seiner Abkehr von Logik, Nachweis und Überprüfbarkeit und deren Ersetzung durch Glaube, Gefühle und Identitäten wohl der Studiengang der am ehesten zu weiblichen Klischees passt, statt Physik oder Bauingenieur zu studieren. Man ist nach wie vor lieber bei der Familie und in einem Halbtagsjob statt Überstunden zu machen.

Und natürlich geschieht ein Teil des Wandels auch schlicht in den privaten Familien: Männer übernehmen dort ganz selbstverständlich auch die Betreuung der Kinder und verlangen immer mehr, dass auch Frauen zum Familieneinkommen beitragen. Das Unterhaltsrecht und das Sorgerecht haben sich entwickelt und eine Frau kann keine lebenslange Versorgung auch bei kurzer Ehe nicht mehr erwarten. Sie verstehen sich auch nicht mehr per se als Beschützer oder diejenigen, die mit dem Schiff untergehen und die Rettungsboote den Frauen überlassen. Das Geschlechterverhältnis hat sich gravierend geändert und so zu tun als sei dies allein dem Feminismus und nicht auch einem anderen Verständnis der Männer entsprungen ist wenig überzeugend. Allerdings sehen viele Männer diese neuen Verhältnisse auch nicht als Geschlechterkampf. Sie wollen neue Ergebnisse mit den Frauen, sie müssen diese dazu nicht wie der Feminismus zum Feind erklären.

Der moderne Feminismus ist zudem wohl eine der größten Einschränkungen für Männer, der mit irrationalen Forderungen und ideologischen Vorhaltungen arbeitet. Sich gegen ihn zu stellen, ist aus meiner Sicht eine Notwendigkeit für Männer und Frauen.