Frauenquote und ihre Umsetzung: „Die meisten Firmen sagen: Frauen, ihr könnt uns mal“

In der Süddeutschen schreibt man über Frauen in Aufsichtsräten eine Glosse:

Als die Bundesregierung vor zweieinhalb Jahren eine feste Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte in 105 deutschen Unternehmen einführte, war das Gezeter groß. So groß, als stünden die Weibsbilder kurz davor, dem Wirtschaftsstandort Deutschland den Garaus zu machen. Am Mittwoch hat die Bundesregierung nun einen Bericht vorgelegt, wonach inzwischen tatsächlich auf fast jedem dritten Aufsichtsratsstuhl dieser Unternehmen eine Frau sitzt. Die große Katastrophe? Wegen Nebels vertagt.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die Sicht da so einseitig ist. Man erfüllt die Auflagen, aber gerade eben so. Niemand will mehr Frauen einstellen als er muss. Und sie stellen nur fest, dass die Katastrophe ausgeblieben ist. Wie die Arbeit im Aufsichtsrat läuft, ob es auch hier „goldene Röcke“ gibt, ob man eben weiblichere Aufsichtsratsmitglieder niedrigerer Qualität genommen hat als die bei männlichen der Fall gewesen wäre und deswegen der Aufsichtsrat an sich schlechter arbeitet ist damit gar nicht beantwortet und kann auch in 2 1/2 Jahren gar nicht beantwortet werden. Es wird schlicht eine falsche Dichotomie aufgebaut: Wenn es keine Katastrophe war, wenn der Wirtschaft nicht der Garaus gemacht worden ist, dann muss es wohl alles gut gelaufen sein und mehr Frauen stünde nichts im Weg.

Constanze von Bullion hat übrigens Geschichte studiert, sie scheint gerne feministisch zu schreiben, Wirtschaft ist nach allem was ich gefunden habe, nicht ihr Gebiet.

Das Tempo, mit dem Frauen in Aufsichtsräten auftauchen, hat sich mit Einführung der festen Frauenquote verdoppelt. Doch Grund zur Entspannung gibt es nicht. Für die Vorstände und fürs oberste Management von Unternehmen nämlich gibt es keine verbindliche Quote – für Jobs also, in denen oft spitze verdientwird und die Macht operativer Unternehmensführung sitzt. Die Unternehmen wurden 2014 nur aufgefordert, mit einer freiwilligen Zielvorgabe den Frauenanteil im Vorstand zu erhöhen. Ergebnis: Keines. Der Frauenanteil in Vorständen stagniert bei lächerlichen sechs Prozent. Knapp 70 Prozent der Unternehmen schrieben sich auch noch kokett die „Zielgröße Null“ ins Programm. Mit anderen Worten: Frauen, ihr könnt uns mal.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass so frei von aller Kritik einfach nur Sexismus als Begründung angeführt wird. Ein Vorenthalten der guten Verdienste und der Gestaltungsmöglichkeiten, also ein Wegnehmen der gebratenen Tauben, die einen gleichsam in den Mund fliegen.

Dabei sind Führungspositionen eben sehr häufig schlicht eine Bestenauslese aus Leuten, die in dem Bereich tätig sind und sich auf dem Weg nach oben enorm eingesetzt und durchgesetzt haben. Die ihren Beruf an erste Stelle gesetzt haben und alles andere hinten angestellt haben. Die Risiken eingegangen sind und einen Job übernommen haben, der keinen Feierabend kennt.

Was fällt den Unternehmen ein, Frauen da nicht einfach mal an die Spitze zu setzen?

Die Idee, dass viele Frauen sagen „Überstunden, harter Wettbewerb, keine Zeit für Familie?: Führungspositionen, ihr könnt uns mal!“ kommt ihr da gar nicht in den Sinn.

Auch nicht die Idee, dass es keine Leistung der Frauen ist, eine feste und verbindlich zu erfüllende Quote gerade so umgesetzt zu haben. Wenn überhaupt, dann zeigt das gerade das Scheitern der gesamten Idee: Wenn Unternehmen nicht gezwungen werden, dann sind ihnen Frauen zu teuer im Vergleich zu Männern und sie nehmen daher keine mehr als sie müssen. bzw die Frauen, die sich in gleicher Weise auf den Beruf einlassen, wie die Männer sind so rar, dass Einstellungen über die Quote hinaus unattraktiv sind.

 

72 Gedanken zu “Frauenquote und ihre Umsetzung: „Die meisten Firmen sagen: Frauen, ihr könnt uns mal“

    • Also, das Constanze von Bullion passt doch wie die Faust aufs Auge und drückt genau jene adelige Privilgiertheit aus, die als „Frauenquote“ in die oberste Führung drängt.
      Bei dem Namen stell ich mir vor, die hockt in ihrem Schloss der Ahnen, in den Gewölbekellern die Goldbarren schön übereinander aufgeschicktet (= bullion). Ich lach immer noch 😀

  1. Eine angebliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, die nur mit einem niedrigen Frauenanteil angeblich bewiesen würde, wird bekämpft mit einer staatlich angeordneten Diskriminierung aufgrund des Geschlecht, hier von Männern.
    Und jetzt ist dann alles besser?

    Es gibt gut bezahlte Bereiche in denen der Frauenanteil über 80% liegt. Keine Feministen fordert hier eine Männerquote. Aber Feminismus hilft auch Männern, und zwar, wie ich gestern gelesen habe, dabei zu weinen und ungehindert Röcke zu tragen.

  2. Wenn ein Unternehmen eine Quote >0 ausweist und ein männlicher Bewerber nicht genommen wird, kann dieser nach dem AGG eine Benachteiligung wegen des Geschlechts geltend machen, da das Verhältnis zum AGG bei der Frauenquote nicht geregelt wurde. Das Unternehmen muss nun selbst nachweisen, nicht wegen des Geschlechts benachteiligt zu haben (Umkehr der Beweislast). Es birgt somit ein Klagerisiko, ohne Not eine Quote>0 auszuweisen.

  3. Kleine Ergänzung aus meinem Arbeitsbereich: Seit 2001 gibt es den sogenannten Girls Day, an dem Mädchen ermöglicht wird, Einblick in typische Männerberufe zu bekommen:

    https://www.girls-day.de/

    Nun erwies sich diese Maßnahme leider bisher als weitgehend wirkungslos, die Zahl der Studentinnen oder Auszubildenden in technisch/wissenschaftlichen Berufen ist nahezu unverändert. Mädchen wollen nicht Auto-Mechatroniker oder Elektromechaniker werden. Manche Kollegen sind wirklich völlig erstaunt, dass sich da nichts tut.

    Niemand kommt auf die Idee, dass Männer und Frauen evtl. unterschiedlich sein könnten und unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse haben könnten. Es darf grundsätzlich nur Diskriminierung dahinter stecken.

      • Der eigentliche Skandal beim Girl’s Day ist, dass es Leute gibt, die allen Ernstes ein 1-tägiges Schülerpraktikum in Genderuntypischen Berufen als Skandal empfinden…

        (ich kenne allerdings Schulen, die dem gesellschaftlichen Druck insoweit schon nachgegeben haben, als dass sie auch Jungs die Teilnahme völlig freistellen. Dabei ist der Pflegenotstand m.A.n. ein realeres, dringenderes Problem als der „Fachkräftemangel“ in „Männerjobs“)

          • Es wäre nur dann skandalös ein 1-tägiges Schülerpraktikum in Genderuntypischen Berufen für einen Skandal zu halten, wenn die Teilnahme für Alle verpflichtend wäre???

            Oder wolltest Du vielmehr sagen, dass Du den Ansatz entgegen Deiner vorherigen Aussage nun vielleicht doch nicht weiter als Skandal beklagen willst?

        • Nein, der Skandal ist nach wie vor die Benachteiligung von Jungen.
          Und in diesem Sinne ist der „Boys Day“ auch nichts anderes, als eine reine Alibi-Veranstaltung, damit bzw. weil die Diskriminierung hier zu offensichtlich wurde und ist.

        • Richtig, der Pflegenotstand ist ein Problem. Aber es ist auch eine Frechheit sondergleichen dass man einerseits den Mädchen sagt, macht diese schlechtbezahlten Idiotensjobs (was sie nur in Augen von Politikern und Frauenbeauftragten sind!) nicht und ihnen die ach so tollen Ingenieursjobs schmackhaft machen will (drunter geht es ja nicht, Müllabfuhr wär ja auch sowas mit hohem Männeranteil) und andererseits sollen die Jung dann eben jene Jobs machen für die die Mädchen zu gut sind.

          Aber stattdessen den Jungs z. B. STUDIENGÄNGE schmackhaft zu machen mit hohem Frauenanteil darauf kommt beim „Boys“day niemand. Tiermedizin, Psychologie, Jura, BWL, die Fächergruppe die sich mit Irgendwas-mit-Medien übersetzten lässt, da braucht es keine Jungen, aber inkontinente alte Leute ins Bett heben, dafür sind die Jungen dann wieder gut genug.

          Aber vielleicht verkenne ich ja die Logik dahinter? Nachdem Wohlfühlen in der Arbeit jetzt doch nicht mehr genug ist und dämmert was dabei rauskommt wenn man Arbeitsnehmervertreter mit Kirchen und Wohlfahrtsverbänden ins Bett steigen läßt. Nachdem sich die Frauen in dem Berufsstand genug unterbuntern haben lassen, heben ihn ein höherer Männeranteil dann vielleicht wieder aus dem Dreck? Ist das die Idee, Männer als neue Besen, mit dem Gesocks im Managment aufräumen lassen? Wenn ja, Chapeau… lustige Idee… aber mies ausgeführt.

          • „Richtig, der Pflegenotstand ist ein Problem.“

            Welches – absehbar – erheblich verschärft wurde durch Aussetzung der Wehrpflicht und daran hängend Zivildienst. Plötzlich fielen zehntausende junge Männer mitsamt ihrer im Schnitt höheren Körperkraft weg (die aber in der Pflege noch tatsächlich gut gebraucht werden könnte, anders als in vielen typischen „Männerjobs“ inzwischen), auch perspektivisch ist davon auszugehen, dass – dadurch bedingt – nun kaum ein männliches Wesen noch seinen Weg in Alten- und Krankenpflege finden wird (sonderlich Viele waren es eh nie).

            „Aber es ist auch eine Frechheit sondergleichen dass man einerseits den Mädchen sagt, macht diese schlechtbezahlten Idiotensjobs (was sie nur in Augen von Politikern und Frauenbeauftragten sind!) nicht“

            Beleg?

            Ein initiale Beobachtung hinter dem Girls Day war, dass mehr als die Hälfte der Mädchen und jungen Frauen eines Jahrgangs (und daran hat sich bis heute Nichts geändert) in ziemlich genau 10 verschiedenen Ausbildungsberufen (Kaufmännisch oder Dienstleistung) unterkommt. Das war m.A.n. nun auch der Hauptgrund dafür, dass man der in dem Sinne als eingeschränkt wahrgenommenen Zielgruppe den Blick weiten wollte (idealerweise sollten sie auch Frauen dort erleben).

            „Aber stattdessen den Jungs z. B. STUDIENGÄNGE schmackhaft zu machen mit hohem Frauenanteil darauf kommt beim „Boys“day niemand. Tiermedizin, Psychologie, Jura, BWL, die Fächergruppe die sich mit Irgendwas-mit-Medien übersetzten lässt, da braucht es keine Jungen, aber inkontinente alte Leute ins Bett heben, dafür sind die Jungen dann wieder gut genug.“

            Keine der von Dir genannten Branchen kann nun aber Nachwuchsmangel beklagen (zudem richtet sich das Angebot an Mittelstufenschüler, die nicht zwangsläufig die Befähigung zum Hochschulstudium erreichen). Und ganz so Frauendominiert wie der Erziehungs- und Pflegebereich sind sie auch nicht.

            Wobei ich noch hinzufügen will: ich habe es schon sehr häufig erlebt, dass Jungen ihr zweiwöchiges Betriebspraktikum in einem Kindergarten absolvierten (ich würde schätzen in jeder Klasse ist inzwischen wenigstens einer dabei. Als Beruf kommts für die meisten aber dennoch nicht in Frage, weil „zu anstrengend“ und/oder schlicht „zu schlecht bezahlt“ – und damit wird in erster Linie die fehlende Ausbildungsvergütung gemeint sein). Aber noch niemals konnte ich erleben, dass sich einer freiwillig im Krankenhaus oder Altenheim einfand.

            Kreative Problemlösungsansätze wären da sicher herzlich willkommen.

        • „Der eigentliche Skandal beim Girl’s Day ist, dass es Leute gibt, die allen Ernstes ein 1-tägiges Schülerpraktikum in Genderuntypischen Berufen als Skandal empfinden…“

          Da magst Du recht haben.
          Allein – mir ist kein Mensch bekannt, der das tut. Dir?

          Vielleicht noch Mal zum Verständnis: der „Girl’s day“ ist KEIN 1-tägiges Praktikum. War auch nie als solcher angelegt.
          Die Grundidee war – und das kann ich auch befürworten – kleinen Mädchen für einen Tag die Möglichkeit zu bieten, Papa bei der Arbeit über die Schulter gucken zu dürfen.
          Ich habe selber solche Mädchen im Forschungsinstitut betreut. Sie waren im Schnitt 10 Jahre alt und mit Sicherheit meilenweit von jeder Form eines „Praktikums“ entfernt.
          Mit großen Kulleraugen bekamen sie einen ersten Kontakt mit naturwissenschaftlichen Themen, mehr nicht.
          Wie wenig diese Einrichtung bisher bei den jungen Frauen Einfluss auf die Berufswahl nehmen konnte, zeigen die stagnierenden bis rückläufigen Einschreibezahlen bei Studentinnen in den MINT-Fächern.

          Den Skandal, den Du mit Deiner Nebelkerze so elegant zu umschiffen glaubtest, und der immer wieder kritisiert wurde und wird, ist der Ausschluss der Jungen von diesem Berufsfindungsprozess.
          Sie mussten am Girl’s day lange weiter zum Unterricht erscheinen und bekamen später – anfangs auf private Initiative einer Aachener Mutter eines Jungen – sehr widerwillig ebenfalls am Girl’s day die Möglichkeit, ins Berufsleben zu schnuppern, allerdings nur in das typischer Frauenberufe.
          Offiziell ist der Boy’s day meines Wissens nach bis heute nicht.

    • bzw Gleichberechtigung, du kannst uns mal!

      Zurück ins Mittelalter, wo auch der Gynozentrismus erfunden wurde und so progressive Sachen wie Hexenjagden (heute allerding bedeutend, dass Hexen jagen) und die „peinliche Befragung“ über so partiarchalem Wischiwaschi wie der „Unschuldsvermutung“ das Gesetz des Landes waren!

  4. „Man erfüllt die Auflagen, aber gerade eben so. Niemand will mehr Frauen einstellen als er muss.“

    Ausgerechnet die Aufsichtsräte der DAX-Konzerne haben aber 2 % mehr Frauen berufen als gesetzlich gefordert. Und auch in den Vorständen der DAX-notierten Unternehmen scheint sich nun doch – Überraschung! – etwas getan zu haben, von 0,5 % Frauenanteil in 2009 auf nunmehr 13 % (laut Studie des Deutschen Juristinnenbunds (DJB) und des Bundesfamilienministeriums).

    Diese Entwicklung war zweifellos überfällig, aber trotzdem ist es schön, dass sie endlich im Gange ist.

      • Weil die Beharrungskräfte schon lange nicht mehr rational zu erklären waren, im europäischen Vergleich wenigstens hatten wir im Vergleich extrem mies abgeschnitten. Und keiner kann mir erzählen, dass es bei uns weniger (also sogar fast keine) qualifizierten Frauen gab bis vor ein paar Jahren…

          • Zugang zu sämtlichen Honigtöpfe stehen Frauen qua Gaias Gebot zu. Da natürlich nicht ALLE Frauen an Honigtöpfen Platz finden, muss wenigstens der feministischen Hohepriesterinnenkaste, zwecks des symbolischen Werts, Zugang gegeben werden.

            Dass du das immer noch nicht verstanden hast.

            Götttern muss geopfert werden.
            Männer sollen keine anderen Götter neben Frauen haben.
            Männer sollen (nur) Frauen opfern.
            Vorzugsweise ihren feministischen Priesterinnen.

          • Erklär Du doch einfach, wie um Alles in der Welt ein (max.) 70%-Männeranteil in Aufsichtsräten als beklagenswert/“diskriminierend“ niedrig empfunden werden kann von Euch (die ihr unterstellt auch allsamt nicht derartige Posten anstrebt).

          • Nein Semi.

            Nicht die Frage umzudrehen versuchen, beantworten.

            Wenn auch nur EIN Mann wegen der staatlich vorgeschriebenen Quote benachteiligt wird, ist es falsch. Kannst du eigentlich nur in Gruppen denken?

            Nebenbei, strebst du denn einen solchen Posten an?

          • Wir beklagen die Ansicht, dass Frauen nur deshalb in Aufsichtsräten fehlen, weil sie von Männern unterdrückt werden.
            Wir beklagen den Ersatz einer eingebildeten Diskriminierung durch eine echte.
            Wir beklagen die Unverfrorenheit, Frauenquoten für Aufsichtsräte zu fordern, aber nicht für den Straßenbau.

          • @Semikolon

            Du verstehst nicht, dass die feministischen Forderungen lediglich eine EINSTIEGSDROGE sind.

            Was C. v. B. schreibt ist: Na gut, jetzt gibt es die Quote bei den Aufsichtsräten, aber wir brauchen noch die für Vorstände und das Top-Management.
            Und wenn man beides hat wird man feststellen, dass NACHHALTIG die Quote nur wirkt, wenn alle anderen Positionen darunter EBENFALLS quotiert sind.

            Denn a. irgendwie müssen ja Frauen sich für die Führungspositionen qualifizieren, auf die sie dann (zwangsläufig) gelangen.
            Und b. braucht man für Frauen in Branchen mit niedrigem Frauenanteil den eingebauten Fahrstuhleffekt, den die Parteien jetzt schon aufweisen.
            Wie ich schon mehrfach geschrieben habe: Ist dieser Fahrstuhleffekt erst einmal installiert, der dem Gejammer über den niedrigen Anteil von Frauen an Organisation/Institution X folgt, tun die so installierten Frauen NICHTS, um den Frauenanteil weiter zu erhöhen. Erstens würden sie sich dann weibliche Konkurrenz ins Haus holen und zweitens wäre das (moralische) Druckmittel weg.

            Was hier selten beachtet wird: In den DAX-Unternehmen sind ca. 30% der Beschäftigten weiblich.
            Aber eben nicht gleich verteilt, sondern mit den üblichen Geschlechterpräferenzen – das reicht von 50% Frauenanteil bei Banken und Versicherungen zu 15% (und niedriger) in den Bereichen Maschinenbau, chemische Industrie, Automobile, Software bspw.

            Während man bei Banken und Versicherungen demnach tatsächlich davon ausgehen kann, dass Frauen eine höhere Beteiligung an den Top-Positionen zusteht, ist es bei Software, Maschinenbau, Automobilen etc. eben nicht so.
            Eine Quote von 30% in diesen Bereichen VERDOPPELT demzufolge deine Chance als Frau einen Führungsposten zu erhalten. Das ist der Sinn der feministischen Sprachhypnose, die mit dem Begriff „Repräsentanz“ einhergeht.

            Es meint nie die „Repräsentanz“ von Frauen gemäß der realen Verteilung der Geschlechter nach Beschäftigten einer Branche, sondern ist eine hypothetische Größe, die Entscheidungen der Geschlechter für eine Branche qua Ausbildung völlig ignoriert.
            Ein weiterer sprachhypnotischer Begriff ist der der „Geschlechtersegregation“ auf dem Arbeitsmarkt, der suggeriert, die Geschlechter hätten nicht qua *eigener Präferenz* entschieden, sondern wären eben „segregiert“ WORDEN. Very tricky.

            Das geniale an der feministischen Strategie ist zweierlei: Allein durch ihre biologische Existenz steht Frauen die gleichberechtigte Teilhabe an ALLEM ZU.
            Das ist der feministische Sinn des Begriffs „Repräsentanz“ – equality of outcome.
            Nächster Trick: Sie selber sind aber für das Erlangen der Teilhabe weder verantwortlich, noch dafür zuständig. Ist die Teilhabe demzufolge nicht gewährleistet, ist dies nicht nur eine Diskriminierung von Frauen, sondern alle MÄNNER sind dann aufgefordert, dies zu ermöglichen.

            Es handelt sich hier letztendlich um das Modell der (bürgerlichen) Ehe, das auf die gesamte Gesellschaft ausgewalzt wird: Egal wie es zustande gekommen ist, die Hälfte des „Familieneinkommens“ steht der Frau gesetzlich zu. Nichts zeigt die Voraussetzungen eines *bürgerlichen* Feminismus deutlicher auf; diese Grunderfahrung ist der „default“ seiner Wahrnehmung und seiner Ideologie.
            Ich will das noch einmal verdeutlichen: Equality of outcome ist nicht etwa eine Erfindung der Linken, sondern eine ganz ordinäre Erfahrung bürgerlicher Frauen in der bürgerlichen Institution der Ehe – egal welchen Beitrag sie selber in dieser Institution für diese Institution geleistet hat, die RESULTATE stehen ihr zur Hälfte zu.

            Zu meiner politischen Einschätzung: Wir haben hier eine (feministische) Entrismus-Strategie vorliegen, die zunächst insbesondere auf das einsickern in ehemalige Staatskonzerne bzw. Konzerne abzielt, in denen der Staat, die Kommune noch Anteile hält. Schließlich auf solche, die im weitesten Sinne „Tech“-Konzerne sind. Die bevorzugte Behandlung von Frauen in unmittelbar staatlichen Institutionen (öffentlicher Dienst) ist ja bereits durchgesetzt.

            Dies wiederum hat damit zu tun, dass das „Frauenboot“ rappelvoll ist – Frauenanteile von 70-85% in bei Frauen beliebten Fächern sind schlicht schwierig steigerbar.
            Nachdem die erste feministische Strategie darauf abzielte, Frauen als besondere soziale, Männer als asoziale Wesen zu verkaufen – was natürlich mit den Qualifikationen zu tun hatte, die diese Frauen erworben haben – und damit die männliche Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen, muss sich die Strategie nun ändern.

          • Erklär Du doch einfach, wie um Alles in der Welt ein (max.) 70%-Männeranteil in Aufsichtsräten als beklagenswert/“diskriminierend“ niedrig empfunden werden kann von Euch (die ihr unterstellt auch allsamt nicht derartige Posten anstrebt).

            Typisch feministischer Argumentationsversuch. Wenn man seine Aussage nicht belegen oder begründen kann, versucht man dem Gegenpart die Antwort aufzubürden oder aber beginnt mit Unterstellungen.

            Niemand hier beklagt sich über einen Prozentanteil als Diskriminierung, sondern beklagt sich zu recht über die Bevorzugung von Frauen, die dann allerdings durchaus wieder eine Diskriminierung von Männern darstellt.
            Wenn Frauen aufgrund ihrer Qualifikation und ihrer Leistungsbereitschaft einen Vorstandsposten erhalten, ist wohl für alle Männer hier die Welt vollkommen in Ordnung. Aber eben nur dann – und nicht weil sie eine Frau ist.

          • „Was hier selten beachtet wird: In den DAX-Unternehmen sind ca. 30% der Beschäftigten weiblich.
            Aber eben nicht gleich verteilt, sondern mit den üblichen Geschlechterpräferenzen – das reicht von 50% Frauenanteil bei Banken und Versicherungen zu 15% (und niedriger) in den Bereichen Maschinenbau, chemische Industrie, Automobile, Software bspw.“

            Das mit den Geschlechterpräferenzen muss noch deutlicher herausgearbeitet werden. Sonst könnte man argumentieren, dass dann zumindest in den DAX-gelisteten Banken Frauen Anspruch auf 50% der Aufsichtsrats- und Vorstandssitze haben müssten, bei denen der technischen Industrie entsprechend der weiblichen Belegschaft.
            Wo aber finden sich z.B. in einem Maschinenbaukonzern die 15% der Frauen? Sind sie Ingenieurinnen und/oder BWLer?
            WC!
            Sie sitzen bei den Chefs im kuschelig warmen Vorzimmer, sind Sekretärinnen, Sachbearbeiterinnen, zuständig für Einkauf und Vertrieb im organisatorischen Bereich. Das sind aber genau NICHT die Jobs, die auf Positionen in der Konzernlenkung führen – weder für Frauen, NOCH für Männer!

            Die 15% Frauenanteil täuschen also über das tatsächlich verwendbare Potential, das vermutlich im unteren einstelligen Bereich liegt.
            Und selbst da muss man vereinfachend annehmen, dass ALLE potentiell geeigneten Frauen auch Karriereambitionen pflegen, was bekanntermaßen nicht der Fall ist.

            Dann stimmen aber die realen Frauenanteile in den Vorständen und Aufsichtsräten mit den karrieregeeigneten Frauenanteilen einigermaßen überein.

        • Das mag daran liegen, dass in vielen europäischen Ländern die wichtige Industrie halb staatlich geführt und auch nicht nach können besetzt wird. In Deutschland ist diese Verquickung nicht so groß, was ein Grund für unseren Erfolg ist… Aber auch ein Grund, warum andere Länder sich mehr für sich holen, wenn etwas gemeinschaftlich gemacht wird und wir gewähren lassen.

          Und genau deshalb erfüllen die auch leicht Quotenvorgaben, weil von vornherein halb politisch besetzt wird.

          Einen wichtigen richtigen Kern hat die feministische Kritik aber. Warum sollen überarbeite Männer, die in den Scheuklappen und Ränkespielen ihres Jobs gefangen sind und Entwicklungen außerhalb nicht mitbekommen mangels Zeit die besseren Vorstände sein? Ist die Überarbeitung wirklich ein Qualitätsmerkmal oder einfach Macht vor Qualität?

          • “ In Deutschland ist diese Verquickung nicht so groß, was ein Grund für unseren Erfolg ist… “

            In Deutschland darf die Öffentliche Hand an die Erteilung von Aufträgen Bedingungen knüpfen.
            Und eine Steigerung des Frauenanteils in den Führungsetagen der Antragsteller ist zunehmend eine dieser Bedingungen.
            DAS dürfte einen nicht unerheblichen Grund für den steigenden Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten in D liefern.

  5. Wie hoch ist eigentlich der Linkshänderanteil? Und wie hoch der Anteil der Männer unter 1.70m? Und wie hoch der Anteil an Informatikern?

    Ich bin davon überzeugt, dass die Gesellschaft von hochgewachsenen rechtshändigen Juristen und BWLern unterdrückt wird und fordere eine Quote!!1!

  6. Was kommt als Nächstes?

    Der staatliche Führungsoffizier in jede Firma?

    Das ist ja die Bottom-Line dieser zutiefst illliberalen Gesetzgebung einer Politik der Diskriminierung, die zutiefst verfassungsverachtend ist. Den Wert eines Menschen nach dem Geschlecht zu bemessen jedenfalls kann mit Demokratie und Menschenrecht niemals kompatibel sein.

      • Ob Merkel deshalb die Mode Maos nachmacht?

        Nicht vergessen: auch der Kult um die blauen Hemden im Silicon Valley, extrem hip, kommt daher und sollte die entscheidene Einflussgrösse sein, nicht mal Mao selbst.

        Dann würde auch verständlich, warum Merkel mit den maoistisch tief geprägten Grünen so gut kann 😀

  7. 1 –> Feministen wollen das *zerstören*. Wahrscheinlich verstehen sie es auch. Sie lügen sinnvollerweise, damit sie nicht zugeben müssen, dass sie Antidemokraten sind.

    2 –> Weil die damals nicht im Traum daran gedacht haben, dass dies mal zum Nabel der Welt aufgeblasen wird. Eben, um dieses Gesetz anzugreifen.

    Der Verweis darauf, dass auch *nicht bevorzugt* werden darf, lässt den Einblick zu, dass man sehr wohl dran dachte, Diskriminierung einfach anders zu verpacken.

    Eine „Frauenquote“ oder jede andere Quote (wird ja gerade aktuell) verstösst also ganz klar wegen der Bevorzugung.

    Der besonders dreiste Versuch aus NRW (hier sitzen die übelsten SPDler) ausdrücklich Frauen zu bevorzugen, wurde ja auch kassiert. Nicht dass jemand meint, das Gesetz würde nichts mehr gelten. Aber wenn es haufenweise Halbidioten gibt, die völlig neue, ideologisch gehirngewaschene Deutungen da reintragen – dann hilft alle Formulierungskunst deutscher Sprache nix!

  8. Diese Meinungsstück ist keine „Glosse“, sondern ganz ernst und unironisch (Femistinnen können ohnehin gar nicht wissen, was Ironie und Satire, etc überhaupt sind) ein Teil von dem Wirtschaftsteil der SZ.

    Das soll nur die antidemokratische Ideologin Barley bei ihrer Vorhaben flankieren, per Gesetz den Firmen eine Quote zu okroyieren:

    „Die Familienministerin Katarina Barley hat recht, wenn sie Unternehmen jetzt ein Ultimatum setzen will: In Betrieben, die sich binnen eines Jahres keine vernünftigen Zielvorgaben für den Frauenanteil im Vorstand setzen, wird mit einer festen Quote nachgeholfen.“

    Bei diesen verfassungsfeindlichen Umtrieben wird auch schnell klar, dass man all diese Leute bei ihrer AfD-Kritik leider ganz und gar nicht ernst nehmen kann. Es ist das typische Verhalten des Diebes, der, um Verwirrung zu stiften seinerseits „haltet den Dieb“ schreit. Je lauter desdo besser.

  9. Würde mich interessieren, was die Frauen davon halten, die es ohne Quote in Vorstandsposten geschafft haben.

    Wie wäre es mal mit einem Hashtag #dontspeakforme

      • Ich rede von denen, die tatsächlich aufgrund von Qualifikationen genommen wurden, die eine oder andere müsste es ja schon geben. Wenn dank Frauenquoten 90% der Frauen Quotenfrauen sind, dann leiden tatsächlich leistungsfähige Frauen tatsächlich unter dem Vorurteil.

        • Gerade von denen rede ich auch. Die werden sich hüten als „Fürsprecherin des Patriarchats“ abgeschossen zu werden und womöglich unter die Räder zu kommen.

  10. „Für die Vorstände und fürs oberste Management von Unternehmen nämlich gibt es keine verbindliche Quote – für Jobs also, in denen oft spitze verdient wird und die Macht operativer Unternehmensführung sitzt.“

    Hört sich so an, als ob man in den höchsten Chefetagen hauptsächlich damit beschäftigt ist, sich den lieben langen Tag dafür zu feiern, wieviel Geld und Macht man hat…

  11. Es wird schlicht eine falsche Dichotomie aufgebaut: Wenn es keine Katastrophe war, wenn der Wirtschaft nicht der Garaus gemacht worden ist, dann muss es wohl alles gut gelaufen sein und mehr Frauen stünde nichts im Weg.

    Schlimmer. Selbst wenn es alles hervorragend gelaufen wäre und Frauen sogar bessere Aufsichtsräte wären, ist die Quote grundgesetzwidrig.

    Hier liegt des Pudels Kern. Hier liegt der grundsätzliche Fehler im Denken, der sehr vielsagend ist und über das Niveau dieser Dame und der Debatte Auskunft gibt.

  12. Ich seh die Frauenquote sehr positiv.

    Denn ich bin, oder genauer gesagt, meine Leistung als Externer ist, lediglich eine gesichts- und geschlechtslose Position auf einer Rechnung.
    Und so eine Zahl scheint meinen Kunden teilweise deutlich mehr zuzusagen als eine potentielle Diskriminierungsklägerin oder ein Quotensaboteur.

    Ok, wenn man sich mal genauer die anderen grauen Zahlen anguckt die beim Kunden noch so rumlaufen, sehen die eigentlich immer wie Männer aus, aber hey – vmtl liege ich da falsch. I wouldnt assume their gender, und so. Ich identifiziere mich als Integer, und respektiere das auch bei anderen.

    Also, liebe Politik vielen Dank dafür, dass ihr die Konkurenz mit Bürokratie ärgert. Weiter so!

    • „Maximum Power
      Minimum Accountability“

      Wer will die Art Stock schon im Getriebe des Betriebes wissen.
      Irgendwann übersteigt das einfach den Werbewert den Frauen mitbringen.

  13. Kann man Aufsichtsratsposten überhaupt ernst nehmen? In meiner Wahrnehmung dienen die der Versorgung politischer Lobbyisten. Inwiefern hat eine Firma überhaupt einer Interesse sich beaufsichtigen zu lassen?

    „Er setzt sich aus gewählten Mitgliedern der Anteilseigner…“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Aufsichtsrat

    Aha. Es geht darum, den Vorstand auf Linie der Anteilseigner zu halten. Meinetwegen können die da auch kleine Kinder reinsetzen, auch in den Vorstand. Die Arbeit wird unten gemacht, nicht selten gegen den Blödsinn der Chefetagen. Eine Nulldebatte, interessiert mich nicht.

    • Korrekt, ein Aufsichtsratsmitglied hat relativ wenig Verantwortung, weshalb es eine beliebte Versorgungsmöglichkeit für politische Lobyisten und sonstige Menschen, denen man etwa sgutes tun will, ist.
      Das Gute ist, dass ein Aufsichtsratsmitglied wenig Schaden anrichten kann. Bedrohlich wird es aber, wenn, wie von Frau Boullion gefordert, nunmehr auch Quoten für Geschäftsführer/Vorstände durchgesetzt werden sollten. Mit Quotentussis auf Geschäftsführerpositionen kann es bitter werden…

      • „Korrekt, ein Aufsichtsratsmitglied hat relativ wenig Verantwortung, weshalb es eine beliebte Versorgungsmöglichkeit für politische Lobyisten und sonstige Menschen, denen man etwa sgutes tun will, ist.“

        Streng genommen ist das eigentlich ganz falsch.

        Im Aufsichtsrat sitzen neben Vertretern der Belegschaft/Gewerkschaft die Eigentümer einer Firma. Sie entscheiden vielleicht nicht über Betriebsinterna, wohl aber über die strategische Ausrichtung der Gesellschaft. Immerhin geht es ihnen darum, das eingesetzte Kapital bestmöglich zu verzinsen.
        In vielen DAX-Konzernen sitzen Vertreter der Banken, die einen mehr oder weniger großen Aktienanteil halten. Sie mögen in einem gewissen Sinne Delegierte sein, haben aber letztlich auch das Ziel, Rendite zu erwirtschaften.

  14. Interessant ist ein Artikel von Frau Boullion in der Emma, „Feen und Springerstiefel“
    Kurz, da ist ein liebes kleines Mädel, mit Kuscheltieren und Kinderpostern. Das arme Kind ist dann in einer rechten Gruppe gelandet. Sie ist eigentlich das liebe Kind und die Männer sind sie Bösen.

    Hm!

    Unter diesen Winkel betrachtet:
    Frauen scheinen nicht in der Lage zu sein über ihre Hormone hinaus zu denken, sie sind mit steigendem Hormonspiegel nicht mehr in der Lage zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
    Damit müssen sich beaufsichtigt werden und sie jemand an die Hand nehmen um sie durchs Leben zu bringen.

    Dann fragt sich diese Frau warum keiner eine Frau in der Chefetage haben will?
    Dann stellt sich mir die Frage, wenn Frauen alles besser können warum gründen sie keine Unternehmen? Unternehmen in denen Frauen Produkte entwickeln, bauen und verkaufen, die die Menschheit weiter bringen. Ich spreche nicht von Kosmetik Salons, Fingernagelstudios usw.
    Kann es daran liegen, dass Frauen sich unter einander nicht grün sind?
    Ich hege den Verdacht nach dem ich eine Restaurantleiterin über ihre Fachkräfte habe reden hören.

  15. Pingback: Die Frauenquote als „Einstiegsdroge“, das Interesse von weiblichen Führungskräften an einer Erhöhung des Frauenanteils und Gleichstellung ohne eigene Verantwortung | Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.