Projektion des eigenen Verhaltens auf das andere Geschlecht

In den Kommentaren kam wiederholt die Anmerkung, dass viele Feministinnen Projektion betreiben würden, also ihre eigenen Gedanken auf die Männer übertragen würden.

Ein Beispiel wäre zB hier

Das ist ja die Wurzel des Feminismus: Die Projektion des eigenen Schattens auf den Mann. Frau könnte soo gut sein, wenn nur Männer nicht soo schlecht wären.

Die Wikipedia schreibt dazu:

Projektion bezeichnet in der Neurosenlehre allgemein − und von Schulen unabhängig − einen Abwehrmechanismus. Der Begriff Projektion umfasst das Übertragen und Verlagern eines innerpsychischen Konfliktes durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche und Impulse, die im Widerspruch zu eigenen und/oder gesellschaftlichen Normen stehen können, auf andere Personen, Menschengruppen, Lebewesen oder Objekte der Außenwelt.

(…)

Der Begriff institutionelle Abwehr wurde von Stavros Mentzos vorgeschlagen. Als Synonyme für institutionelle Abwehr werden auch Begriffe wie psychosoziale Kompromisslösung und psychosoziales Arrangement gebraucht (s.a. Annelise Heigl-Evers). Als gleichbedeutend wird auch der von Jürg Willi geprägte Begriff Kollusion verwendet.

Die Autoren Hoffmann und Hochapfel verwenden den Begriff psychosoziale Abwehr. Er besagt, dass zivile Personen wie auch Institutionen Abwehr und kompensatorische Funktionen ausüben können. Die Bedeutung des Begriffs ist als in sich gegensätzlich zu verstehen. Einmal können die von der Institution angebotenen Rollen vom einzelnen zum Zweck der individuellen neurotischen Abwehr benutzt werden, andererseits übernehmen Institutionen sekundär die Befriedigung neurotischer Bedürfnisse. Interpersonelle und institutionelle Abwehr gehören zu den am häufigsten vertretenen und auch in der Öffentlichkeit eingenommenen Abwehrmechanismen (s.a. Stavros Mentzos). Es erscheint gerechtfertigt, die institutionelle und interpersonelle Abwehr als Unterformen der Projektion zu betrachten, da es sich bei diesen Abwehrformen um eine Externalisierung handelt: Ein innerseelischer Konflikt wird in eine reale zwischenmenschliche und zuweilen soziale oder institutionelle Beziehung verlagert.

Diese Ähnlichkeit und das Zusammenwirken von intraindividueller und interindividueller Balance wird insbesondere von Jürg Willi hervorgehoben. Erich Neumann spricht von einer Psychologie des Sündenbocks als eine ethische Primitivform. Sie deckt sich mit dem universalgeschichtlich zu verfolgenden Entwicklungsstadium der Gruppenidentität bzw. mit dem entwicklungsgeschichtlichen Stadium des Narzissmus.

Dabei kommt es zu einem Kreislauf der Gewalt als äußere Ausgrenzung in Form von Projektion auf der Objektstufe (z. B. Fremdenhass) und innerpsychischer Abspaltung (Schattenproblem). Dieser Schatten führt erneut zur Projektion auf die Politik bzw. auf extremistische politische Gruppierungen. Hierdurch werden alle mit dem wertidentischen Bewusstsein nicht übereinstimmenden Inhalte auf eine Person oder Personengruppe übertragen, die – möglicherweise im Umweg über politische Institutionen – nun zur Zielscheibe aller verdrängten destruktiven Affekte wird (z. B. Achse des Bösen).

Das scheint mir auf viele feministische Theorien durchaus zu passen, etwa wird intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen komplett in eine Unterdrückung durch den Mann umgedeutet, alle Verantwortung der Frauen für alle Bereiche, in dem sie nach dem Feminismus schlechter abschneiden, beispielsweise Frauen in Führungspositionen ist die Schuld der Männer, der zum „Bösen“ ausgebaut wird, zum Privilegierten, der den Frauen etwas wegnimmt, während das eigene Handeln eben nicht böse ist, sondern schlicht Gegenwehr gegen diese Unterdrückung.

Der innere Konflikt, der etwa daraus besteht, dass man nicht hübsch ist oder hübsch sein anstrengend ist, dass man als jemand, der sich von der Geschlechterrolle abweichend verhält und deswegen häufiger aneckt etc, all das wird aus der eigenen Gruppe weg und damit auch von einem Weg auf den Mann übertragen.

Ein Beispiel für eine Anwendung auf den Feminismus habe ich auch hier gefunden:

Looking at the research, evidence suggests the following two things.

(1)Women have an ingroup bias which is significantly higher than men’s ingroup bias. In fact, men who do not conform with traditional ideals of masculinity, or men who have frequent and satisfying sexual encounters with women are biased in favour of women to an almost equal degree as women themselves.

(2) Research being done in the field of narcissism and self esteem related personality disorders has discovered a disturbing trend in the rise of narcissistic personality disorder across every demographic, but in particular girls and women are being the most significantly effected.

Knowing these two things, that women have an automatic preference for themselves, and women are more narcissistic than ever before with unprecedented numbers of women diagnosed with narcissistic personality disorder, we can make some pretty logical conclusions about feminism and many of it’s ideas, for example patriarchy theory.

Patriarchy is a psychological projection. Men do not have the ingroup bias that women have. Several scholarly experiments have confirmed that the ingroup bias that women possess is remarkably higher than men’s. The findings suggest that men do not automatically prefer their own gender and therefore the idea that men would create a system that gives other men automatic preference is not plausible. Giving your own gender automatic preference is the way women think, not the way men think.

A psychological projection is when you project your own faults or flaws onto others. It’s a common behavior of those suffering from narcissistic personality disorder. Coincidentally there are a growing number of studies showing that women are becoming increasingly narcissistic and that the rapid increase in NPD occurring in women is, at least partially, caused by feminism.

We as a society need to have an academic discussion on the merits of feminism and criticism of it’s theoretical foundation, it’s execution, and some of the unintended consequences.

Patriarchy theory is a psychological projection. It reflects the way the world would be, genders reversed, if women were the historically dominant gender, and the way the world will increasingly look as women gain more power to shape society.

Hier ginge es darum, dass Frauen eher ein Gruppengefühl aufbauen, indem sie andere Frauen unterstützen wollen, während Männer in einer solchen Situation eher davon ausgehen, dass Frauen und Männer entweder Verbündete oder Konkurrenten sind und ihnen das Geschlecht dabei nicht so wichtig für die Einordnung ist.

Die Projektion wäre, dass man selbst seine Geschlechtsgenossen eher unterstützen würde und daher auch davon ausgeht, dass andere das genauso machen. Man gesteht sich dabei diese „Parteinahme“ nicht in der Form ein und überträgt sie statt dessen auf die andere Seite.

Meint ihr Projektion spielt in der Geschlechterdiskussion eine große Rolle? Wo seht ihr sie bei Männerrechtlern? Wie wirkt sie sich im Feminismus aus?

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53 Gedanken zu “Projektion des eigenen Verhaltens auf das andere Geschlecht

  1. Ja, projection ist der Hauptfehler den Feministen und deren Verbündete begehen. Also auc männliche Feministen.

    Man muss nur mal schauen wie viele Feministen sexueller Übergriffen bezichten werden oder diese gestanden haben. Insbesondere im Bereich GamerGate ist ist es erstaunlich wieviele Anti-GamerGater genau das getan haben was sie GamerGate fälschlicherweise vorgeworfen haben.

    Gilt allerdings auch für das andere Extrem. Wieviele homophobe haben sich später als Homosexuell herausgestellt.

  2. „Meint ihr Projektion spielt in der Geschlechterdiskussion eine große Rolle? Wo seht ihr sie bei Männerrechtlern? Wie wirkt sie sich im Feminismus aus?“

    Ja.
    Weiß ich nicht. Wäre mal interessant zu erfahren.
    Dominierend.

      • „inwiefern?“

        Ich bin hier wohl mit derjenige, der am meisten Projektionen bei Feministinnen erkennt.

        Wenn Feministinnen z.B. behaupten das Männer Frauen hassen und das tun einige, dann ist es eine Projektion. Feministinnen hassen Männer/alles männliche/Männlichkeit.

        Wenn Feministinnen behaupten das Männer mit ihren Boys Clubs Frauen daran hindern beruflich nach oben zu kommen, dann ist auch das eine Projektion. Es gibt keine Boys Clubs, in denen es Bedingung ist ein Mann zu sein. Bei Frauen nennen Feministinnen das Netzwerke und genau sie sind es die Netzwerke nur für Frauen aufbauen und unterhalten und mit diesen Netzwerken kommen nur Frauen nach oben. Sie unterstellen das Männer das tun, beweisen tun sie es nicht und sie könnten es auch nicht beweisen. Sie selbst legen aber genau dieses Verhalten, sogar ganz offen an den Tag. Sie geben ja auch offen zu das sie Frauen bei gleich Qualifikation bevorzugen und jeder weiß das sie das auch noch tun wenn der Frauenanteil schon über 50% ist. Feministinnen stellen Menschen aufgrund ihres Geschlechts ein und behaupten das Männer das auch tun. Nur tun sie es nicht und es ist zudem wahrscheinlicher das eine Frau durch eine andere Frau am Aufsteigen gehindert wird, wie durch einen Mann.

        Oder die Behauptung das Männer bei Vergewaltigung fragen was die Frau an hatte:

        oder hier:
        http://www.telegraph.co.uk/news/celebritynews/3467334/Women-jurors-think-rape-victims-were-asking-for-it-says-Dame-Helen-Mirren.html

        Ganz allgemein das Männer immer das äußere von Frauen kommentieren, das machen Frauen viel häufiger, aber zugeben tun sie es erst nach mehrmaligen nachhaken. Wenn jemand laut behaupten würde dass Männer hier das Problem sind, würden die meisten Frauen wahrscheinlich schon empört zustimmen.

        Oder die Behauptung das Männer keine weiblichen Chefs haben wollen, sogar Angst vor ihnen haben. In der Realität sieht es mal wieder anders Realität sieht es mal wieder anders aus.

        Die Behauptung das Männer gegen Abtreibungen sind und über den Körper von Frauen bestimmen wollen. Es sind auch hier vielmehr Frauen die über der Körper von anderen Frauen bestimmen wollen.

        Am Besten ist aber noch das Feministinnen behaupten das MRAs die Zeit zurückdrehen wollen und gegen die Gleichberechtigung von Frauen sind. Dabei sind es immer wieder Feministinnen und nur Feministinnen, die gegen Aktionen zur Hilfe des anderen Geschlechts (hier Männer) protestieren und diese sabotieren. MRAs machen sowas nicht, außer wenn das Problem absurd ist oder eine Hilfe nachweilich für Männer deutlich angebrachter wäre. Dazu benutzen sie aber Argumente und versuchen nicht durch Feueralarme oder miesmachen beim Veranstalter diese Hilfe oder auch nur das Reden darüber zu verhindern.

        Männern ist vieles einfach egal. Es sind oft einfach Frauen die immer alles kontrollieren wollen und missgünstig sind.

          • Soweit mir bekannt ist, wird die Beschneidung von Mädchen meistens von Frauen durchgeführt und auch organisiert. Das ist mittlerweile der anerkannte Stand der Forschung.

            Als Grund würde ich aber nicht allein „intrasexual competition“ ansehen, weil ja die beschneidenden Frauen um Generationen älter sind als ihre weiblichen Opfer. Wenn das Opfer 7 ist und die Täterinnen um die 40 Jahre alt sind, dann macht „intrasexual competition“ als Motiv nicht so viel Sinn.

            Als weiteres mögliches Motiv kommt in Frage, daß Frauen generell ein Interesse daran haben, daß das Ausmaß der für Männer zu Verfügung stehenden Sexualität gering gehalten wird. Aber auch dieses Motiv macht bei der Beschneidung von Mädchen nicht so viel Sinn.

            Ja, ist sehr seltsam. Baumeister schreibt übrigens, daß es in vielen Gegenden Afrikas geradezu einen Heißhunger der Männer auf *europäische* Frauen gibt. Der Grund hierfür: europäische Frauen sind nicht beschnitten und haben Spaß am Sex.

            Übrigens viele gute Punkte in Deinem vorherigen Beitrag oben!

          • Ockhams Rasiermesser sagt, der hauptsächliche Grund ist die stumpfe unreflektierte Weitergabe des eigenen Erlebten an die nächste Generation. Durch den Gruppendruck wird das sehr robust tradiert. Einzelne lichtblickartige Erkenntnissblitze bei einzelnen Frauen können mit vom Kollektiv eingefangen werden. Da haben Frauen ein breites Instrumentarium zur Liquidierung abweichender Wünsche.

            So funktionieren tradierte Rituale und die Beschneidung ist ein Solches. Genauer gesagt, eine Pubertätsinitiation, ein weltweit über alle Kulturen zu beobachtendes Element des Menschseins.

          • @ Peter Müller

            „… der hauptsächliche Grund ist die stumpfe unreflektierte Weitergabe des eigenen Erlebten an die nächste Generation.“

            Interessant!

      • „Weiß ich nicht. Wäre mal interessant zu erfahren.“

        Ja, finde ich auch

        Ich denke, bei den tumberen MGTOW der Sandman Kategorie lässt sich eine Menge Projektion finden.

        Vielleicht nicht so offensichtlich wie bei Feministinnen, aber vermutlich ist hier unser Blick auch nur geübter

  3. „Man gesteht sich dabei diese „Parteinahme“ nicht in der Form ein und überträgt sie statt dessen auf die andere Seite.“
    Genialer Satz, gefällt mir!
    @ Evochris:
    Mein Tipp: nicht nur auf Frauen- o. Männerrechtler projizieren, sondern auch mal von anderen gruppentypischen Verhaltensweisen ausgehen und diese reflektieren. Weißt schon, Wagenburgmenthalität und so ….

    • „Mein Tipp: nicht nur auf Frauen- o. Männerrechtler projizieren, sondern auch mal von anderen gruppentypischen Verhaltensweisen ausgehen und diese reflektieren. Weißt schon, Wagenburgmenthalität und so ….“

      Ausweiten ist immer gut, keine Frage. Welche gruppentypischen Verhaltensweisen wären denn nach deiner Sicht beispielsweise interessant?

      • Dachte ich hätte das bekannte Stichwort schon angedeutet, aber okay, ich versuche es mal vorsichtig ein wenig relativ abstrakt zu verdeutlichen.
        Sagen wir mal typisch institutionalisierte präjudikative Projektionen, die bei manchen offenbar auch gewisse Afterglow-Effekte zeitigen, bis hin zu hassbasierten Spiegelungen der Angst vor sich selber, eben gerade weil man weiß, daß diese Gefahr immer gegeben ist.
        Um Dich sinngemäß zu zitieren: Man fühlt sich von anderen angegriffen, „interpoliert“ das dann auf alle und jeden hoch, die anderer Menung sind, weil man denkt, daß man einer bestimmten Gruppe eine gewisse Solidarität schuldet, dies aber naheliegenderweise gerade sich selbst ggü. nicht eingestehen will ( sich also eine erkennbar gar nicht vorhandene „Objektivität“ anzudichten geneigt ist ), es also lieber anderen unterschiebt.

        Noch höflicher krtiege ich das nicht hin und hoffe, daß Du da eine kleine. selbstverständlich wohlmeinende Anregung drin entdecken kannst.

  4. Ein noch etwas unausgegorener Gedanke den ich seit einiger Zeit habe zu exakt diesem Thema:

    Seit Trump ist ‚The Handmaids Tale‘ ja wieder unter Feministinnen hoch im Kurs. Ist es möglich daß auch hier zum guten Teil psychologische Projektion vorliegt? Daß unsere Feministinnen in Wirklichkeit in diesem Buch eine feministische Utopie skizzieren (mit den Geschlechtern umgedreht), und dem ‚Patriarchat‘ in einem Präventivangriff das vorwerfen was sie selbst vorhaben zu implementieren? Unter der Prämisse wird das Buch dann richtig creepy.

    Es fängt schon damit an daß die Frauen in strikte Klassen eingeteilt werden nach Art ihrer Nützlichkeit. Schon alleine das zeigt daß die Autorin des Buches keine Ahnung davon hat wie Männer ticken. Aber wenn man ein bisschen RedPill Wissen anwendet, dann erscheint es mir daß hier eine Frau einfach ihre eigene Gedankenwelt projiziert:

    Die ‚Econowives‘ wären in Analogie die Betamänner, die sexlos gehalten werden und gefälligst den Mund zu halten und das Geld zu verdienen haben.
    Die ‚Aunts‘ in Analogie feministische Allies. Auch immer noch sexlos, sind dafür da Vertreter des eigenen Geschlechts auf Linie zu trimmen.
    Die ‚Unwomen‘ sind die MRA, die MGTOWS, die ‚Alt-Right‘. Weg aus dem Sichtfeld, deportieren, blocken, vernichten.
    Die ‚Handmaids‘ nun … die Alphas. Die wenigen die genetisch überhaupt in Betracht gezogen werden für Fortpflanzung geeignet zu sein. Das Kind brauchen sie nach erfolgreicher Fortpflanzung nicht mehr zu sehen. Wenn sie in ihrer Rolle nicht erfolgreich waren, dann werden sie zur Unperson erklärt und zerstört. (mittels Falschbeschuldigung)

    Das grosse Tabu, der ‚Elephant in the Room‘ in dieser Gesellschaft: Auf gar keinen Fall darf auch nur der Gedanke geäußert werden daß auch Männer unfruchtbar sein könnten. Die Analogie hierzu: Bewegungen im aktuellen Feminismus wie Fatacceptance usw. Jede Frau ist schön. Auch wenn sie 150 Kilo wiegt, 60 Jahre alt ist und das Gesicht voller Grand Canyons hat. Dieses Dogma in Frage zu stellen ist Sakrileg.

    Ist das zu weit hergeholt? Erzählen uns gewisse Feministinnen in diesem Buch haarklein wie sie vorhaben die Gesellschaft zur ‚Female Supremacy‘ umzubauen?

    • Davon ist auszugehen. Man muss den „Feind“ nur groß genug aufblasen, um dann „Waffengleichheit“ fordern zu können. Was der Feind vermeintlich darf, darf man selbst natürlich auch, nur umgekehrt, so ist die Logik.

      Das machen nicht nur Feministinnen so, indem sie Netzwerke bilden und hemmungslos subjektiv ausnutzen (ala „macht ja das Patriarchat ja auch“), noch viel auffälliger ist es bei den Linksradikalen verbreitet, man beruft sich ständig auf die Nazizeit, um seinen Gegnern (denen man beleglos Faschismus andichtet) entsprechend skrupellos entgegentreten zu können. Wer will schon Weltkrieg und Massenvernichtung? Na eben! Also ist faktisch alles erlaubt, um das zu verhindern, auch Einschüchterung und Mord. Dass sie in dem Moment selbst zu Faschisten werden, kapieren sie nicht, bzw. wähnen sich ja, nach wie vor, auf der weniger schlimmen Seite.

      Leute die so ticken haben m.E. nicht nur psychische Probleme, sondern vor allem intellektuelle.

      • Word! Bei den Schwarzblock-SA-Truppen z.B. trittt das unübersehbar so zu Tage. Das halte ich dann aber für einen relativ seltenen pathologischen Auswuchs, der im Einzelfall vermutlich auch entsprechend harte Ursachen hat..

      • Man muss den „Feind“ nur groß genug aufblasen, um dann „Waffengleichheit“ fordern zu können. Was der Feind vermeintlich darf, darf man selbst natürlich auch, nur umgekehrt, so ist die Logik.

        Sehr gut erkannt.

        Das allmächtige, 3000 Jahre alte Patriarchat, in dem Männer die Macht für sich beanspruchen. Deswegen muss jetzt die Frauenherrschaft her!

    • @ RW:
      Ich kenne das Buch nicht, aber nach Deiner Beschreibung würde ich schätzen:
      „Daß unsere Feministinnen in Wirklichkeit in diesem Buch eine feministische Utopie skizzieren (mit den Geschlechtern umgedreht), und dem ‚Patriarchat‘ in einem Präventivangriff das vorwerfen was sie selbst vorhaben zu implementieren?“
      … Daß das mit gewissen Einschränkungen nicht von der Hand zu weisen ist. Allerdings nicht so sehr als konkretes Vorhaben, sondern eben als vor sich selbst kaum eingestandenen ( gelegentlichen ) „Wunschtraum“. Das würde m.E. auch besser zum Charakter der üblichen Projektionsweisen passen.

  5. Das finde ich ein wichtiges Thema.
    Und ich würde da inzwischen sogar soweit gehen zu sagen: Projektion absolut grundlegend als Mechanismus in unserer Psyche veranlagt. Und viel weiter verbreitet, als man zunächst meinen könnte. Noch anders gesagt: Projektion ist nicht die neurotische Ausnahme oder Störung – sondern Projektion in der Normalfall.
    (Allerdings gibt es Abstufungen in der Intensität, im Ausmaß der Emotion als Resultat der Projektion – was man dann ab einer bestimmten Intensitätsschwelle als „gestört“ einordnen oder psychopathologisch etikettieren könnte.)
    Oder in Anlehnung an das Diktum von Watzlawik bezüglich der Kommunikation, dass man nicht nicht kommunizieren könne, würde ich sagen: Es ist dem Menschen nicht möglich, nicht zu projizieren. Oder wie ein Psychoanalytiker vielleicht sagen könnte: „Übertragung ist immer und überall“.

    Es geht also nicht darum, Projektion irgendwie „weg zu bekommen“. Das ist unmöglich. Es geht aber schon darum, ihr zunehmend gewahr zu werden, wenn sie passiert. Vor allem bei mir selber wahrzunehmen – und dann in kleinen Schritten ein wenig zurückzunehmen. Mit Betonung auf „ein wenig“. Ganz schafft man das eh nicht.

    Es gibt eine ganz phänomenale kleine Übung, die man mit sich selber machen kann, um den eigenen Projektionen auf die Schliche zu kommen. Falls das hier wen interessiert, schreibe ich noch etwas dazu.

    Aber nun zu den Fragen:

    „Meint ihr Projektion spielt in der Geschlechterdiskussion eine große Rolle? Wo seht ihr sie bei Männerrechtlern? Wie wirkt sie sich im Feminismus aus?“

    Zu 1): Absolut. Projektion spielt in der Geschlechterdiskussion nicht nur eine große, sondern eine entscheidende Rolle. Es IST alles eine einzige große Projektion. Man wird in der Geschlechterdebatte kaum etwas finden, was keine Projektion ist.
    Aber wie gesagt: Projektion ist normal. Die Frage wäre eher: Wie viel und wie intensive, unversöhnliche Feindschaft entsteht hier.

    Zu 2): Hier wird es wirklich interessant. Meine These dazu wäre: Wir projizieren genau so in unseren Standard-Argumentationsfiguren. Mal ein Beispiel – pars pro toto: Wir kritisieren an der feministischen Rhetorik ja oft die sog. „apex fallacy“. Wenn Feministinnen sagen „Männer haben alle gesellschaftliche Macht“, dann schaue sie nur auf die oberen 10% der Männer bezüglich gesellschaftlichen Status, vielleicht sogar nur auf die oberen 1% in der Stratifizierung. Und wir machen im Prinzip dasselbe, wenn wir sagen: „Frauen halten alle Macht in Händen, wenn es um das Zustandekommen von sexuellen Begegnungen geht“. Auch da schauen wir gedanklich nur auf die attraktiven Frauen. Eine unattraktive Frau hat diese Macht nicht.

    Und um es noch einmal klar zu sagen: Es geht weniger um die Frage, ob man irgendwie „recht hat“ mit einer Aussage. Auch Aussagen und Zuschreibungen, die sich empirisch gut belegen lassen als „im Schnitt“, können trotzdem Projektion sein.

    Zu 3): Muss man jetzt eigentlich nicht mehr viel dazu sagen. Die üblichen feministischen Talking-Points sind ALLE reine Projektion.

    Aber noch einmal: Die Frage ist nicht so sehr, projizieren wir? Ja, das tun wir. So wie wir alle auch rationalisieren, also für eine bereits innerlich gefallene Entscheidung im Nachhinein rationale Begründungen suchen.

    Die Frage wäre eher: Wir stark gehen wir mit dem Ergebnis der Projektion in die Abwertung, in die Verachtung, in die emotional aufgeladene Ablehnung von Einzelpersonen oder ganzer Gruppen.
    Und hier kann es heilsam sein, den eigenen Projektionen ein wenig auf die Schliche zu kommen. Und dazu fängt man am besten beim ICH an – und lässt die Hardcore-Feministinnen einmal einen Moment so sein, wie sie nun mal sind.

    • „Auch da schauen wir gedanklich nur auf die attraktiven Frauen. Eine unattraktive Frau hat diese Macht nicht.“

      Durchaus Zustimmung. Wobei eine unattraktive Frau (vielleicht abgesehen von absoluter Hässlichkeit) immer noch beliebig viel Sex haben kann, nur eben nicht mit sehr attraktiven Männern. Sie hat – was reinen Sex angeht – immer noch ein vielfaches der „Macht“ eines normalen Mannes.

      Die Übertragung ist eher: Wir meinen, dass sie das interessiert. Aber für die meisten Frauen ist es schlicht nichts wert, weil sie ja gar nicht einfach so mit einem Typen schlafen wollen.

      • „Wir meinen, dass sie das interessiert. Aber für die meisten Frauen ist es schlicht nichts wert, weil sie ja gar nicht einfach so mit einem Typen schlafen wollen.“

        Hier verwechselst Du „Sex haben wollen“ mit „Sexuelle Reize einsetzen um etwas zu bekommen“.

      • @virtualcd @Christian @Adrian

        „Auch da schauen wir gedanklich nur auf die attraktiven Frauen. Eine unattraktive Frau hat diese Macht nicht.“

        Auch eine eher unattraktive Frau, die ein Mann kennen lernen möchte erfordert immer noch vom Mann, den ersten Schritt zu gehen.
        Das ist eine gesellschaftliche Konvention, die prinzipiell ALLE Frauen bevorteilt. Wer selektieren kann ist klar im Vorteil und in diesem Prozess ist die soziale Dominanz auf der weiblichen Seite=Macht.

        „Durchaus Zustimmung. Wobei eine unattraktive Frau (vielleicht abgesehen von absoluter Hässlichkeit) immer noch beliebig viel Sex haben kann, nur eben nicht mit sehr attraktiven Männern. Sie hat – was reinen Sex angeht – immer noch ein vielfaches der „Macht“ eines normalen Mannes.“

        Wir hatten doch schon die OK-Cupid Daten besprochen, wonach Frauen in den USA 80% aller Männer für *unter*durchschnittlich attraktiv halten.
        Das ist ein (völlig unrealistisches) Urteil über alle Männer AUSSER den begehrenswerten 20%.
        Wie Colttaine schon sagte, ließe sich damit auch die aktuellen Scheidungsraten erklären, denn mit dem realen Mann, der tatsächlich für sie verfügbar ist, hat sie sich nach *eigenem Verständnis an einen unterdurchschnittlich attraktiven Mann gebunden*.
        Die Idee, „she settled for less“ hat aber die Überzeugung zur Grundlage, es wäre MEHR für sie drin gewesen, d.h. wir sehen hier eine umfassende, entfesselte Hypergamie auf der Basis einer völlig unrealistischen Selbst- und Fremdeinschätzung.

        Der weibliche Narzissmus korrumpiert also die Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung.
        Und wie jeder gute Narziss möchten auch die weiblichen uns zwingen sie so zu sehen, wie sie sich selbst sehen (beauty comes in all sizes usw.)
        Das ist ebenfalls eine Art von „Projektion“.

        „Hier verwechselst Du „Sex haben wollen“ mit „Sexuelle Reize einsetzen um etwas zu bekommen“.“
        Sehe ich auch so.
        Und „Sex haben (wollen) um etwas zu bekommen.“
        So lange es die gesellschaftliche Konvention gibt, weiblicher Sex sei prinzipiell mehr wert als männlicher, hat dieser weibliche Sex einen Tauschwert und Frauen eben ein „erotisches Kapital“ (C. Hakim“).

        • Passendes Anschauungsmaterial zu dieser Diskussion, habe ich heute morgen einen youtube Clip einer asian Komikerin gesehen, nach deren ersten Pointe ich allerdings weitergeklickt hab.

          A setup date can make you realise that your friends don’t think you are as attractive as you think you are.

          Der Umstand, dass sie in einem „Schau mir nur auf die Beine, aber bloß nicht ins Gesicht“-Kleid auf die Bühne kommt, lässt vermuten, dass sie das dumpfe Gefühl hat, ihre Freunde hätten recht.

        • @virtualcd
          „Auch da schauen wir gedanklich nur auf die attraktiven Frauen. Eine unattraktive Frau hat diese Macht nicht.“
          @crumar
          „Auch eine eher unattraktive Frau, die ein Mann kennen lernen möchte erfordert immer noch vom Mann, den ersten Schritt zu gehen.
          Das ist eine gesellschaftliche Konvention, die prinzipiell ALLE Frauen bevorteilt. Wer selektieren kann ist klar im Vorteil und in diesem Prozess ist die soziale Dominanz auf der weiblichen Seite=Macht.“

          Ich würde diesen Punkt noch stärker formulieren: In vielen Situationen haben unattraktive Frauen mehr Macht als attraktive Frauen, sie haben gewissermaßen mehr appeal. Wie das?

          Attraktive Frauen haben einen hohen Status. Wenn die umgeben sind von lauter Leuten, vornehmlich Männern, die ihren eigenen Status als niedrig einstufen, wird dies in der Regel dazu führen, daß diese Leute sich nicht an die attraktive Frauen herantrauen, weil sie unterstellen: Eine Frau mit hohem Status wird einer Person mit niedrigem Status (also mir) bestenfalls eine Abfuhr erteilen – das muß ich mir wirklich nicht antun, noch eine kalte Schulter hab‘ ich nicht verdient.

          Ergebnis: Die Leute mit niedrigem Status (Eigenwahrnehmung) scharen sich um die unattraktiven Frauen, weil sie meinen, dort keine Ablehnung zu riskieren. Die attraktive Frau steht einsam und verlassen und denkt bei sich: Was ist das nur für ein Scheiß-Spiel? Ich bin die attraktivste Frau weit und breit und kein Mann redet mit mir …!

          • Viele attraktive Frauen sind leider auch irre langweilig, weil sie glauben, dass ihre Schönheit ausreicht. Zum Glück sind nicht alle so und mit den richtigen Talenten kann sogar ein leicht überdurchschnittlicher Mensch einen Brat Pit ausstechen. 😉

          • @ PfefferundSalz

            „Viele attraktive Frauen sind leider auch irre langweilig, weil sie glauben, dass ihre Schönheit ausreicht.“

            Ist auch meine Erfahrung. Ich würde es aber ein bißchen anders erklären: Diese Menschen haben einfach immer die Erfahrung gemacht: wo immer sie hinkommen, mit wem auch immer sie zu tun haben, die anderen Leute finden sie gut, interessant, sympathisch, begehrenswert usw. Für sie ist das selbstverständlich, und sie waren nie in der Verlegenheit, andere Leute dahin bringen zu müssen, sich mit ihnen zu beschäftigen, für sie etwas zu tun usw.

            Konsequenz: Sie hatten und haben es nicht nötig, sich für andere Leute interessant, sympathisch, begehrenswert zu machen – und damit sind und bleiben sie langweilig, belanglos, öde.

            Ist eigentlich sehr traurig. Der Mensch strengt sich (meist) nur dann an, wenn er unbedingt muß.

          • „Die attraktive Frau steht einsam und verlassen und denkt bei sich: Was ist das nur für ein Scheiß-Spiel? Ich bin die attraktivste Frau weit und breit und kein Mann redet mit mir …!“

            In der Tat durfte ich mir derartiges schon anhören. Und diejenige tat mir dann auch wirklich leid, denn es war tatsächlich absolut unverdient. Wurde ein ziemlich knisterndes Spielchen draus, aus dem ich mich dann allerdings auch „just as friends“ verabschiedet habe. War vielleicht ’n Fehler, aber …

    • Es gibt eine ganz phänomenale kleine Übung, die man mit sich selber machen kann, um den eigenen Projektionen auf die Schliche zu kommen. Falls das hier wen interessiert, schreibe ich noch etwas dazu.

      Wenn du es schon so ankündigst …
      Klar ist das interessant.

      Wir kritisieren an der feministischen Rhetorik ja oft die sog. „apex fallacy“. […] Und wir machen im Prinzip dasselbe

      Aber ist es schon eine Projektion, wenn man den gleichen Argumentationsfehler macht bzw. unter ähnlich verzerrter Wahrnehmung leidet?

      Auch Aussagen und Zuschreibungen, die sich empirisch gut belegen lassen als „im Schnitt“, können trotzdem Projektion sein.

      Meines Erachtens geht es bei der Projektion darum, dass eine Zuschreibung auf Einbildung beruht.

      • Es gibt unter Männerrechtlern auch die Entgrenzung des Gewaltbegriffs. Oder das Klagen über und gleichzeitige Befürwortung von Geschlechterrollen. Sehe ich allerdings auch nicht als Projektion.

      • „Meines Erachtens geht es bei der Projektion darum, dass eine Zuschreibung auf Einbildung beruht.“

        Nein, Projektion ist eine evolutionäre Entwicklung, die uns das Überleben in einer gefährlichen Umgebung ermöglicht(e).

        Die Fähigkeit, aus dem eigenen Verhalten heraus das eines bedrohlichen Unbekannten einzuschätzen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, ist nichts anderes, als das Ergebnis von Projektion.
        Ähnliches dürfte für den Jagderfolg gelten. Wer weiß, wohin er selbst laufen würde, kann als Jäger der Beute den Weg abschneiden.

        Was uns Menschen aber von Tieren unterscheiden sollte, wäre die Fähigkeit, den Unterschied zwischen Projektion und Wirklichkeit unterscheiden zu können.

        Und jetzt treffen wir auf ein paar kranke oder verletzte Seelen, die nicht in der Lage sind, diese Unterscheidung zu treffen und die in der Lage sind, die Wirklichkeit über die sozialen Medien neu in ihrem Sinne zu definieren.

    • @ Virtualcd:
      Wow! Sauber aufgedröselt, Reschpeckt!
      Kann ich kocker so unterschreiben.
      „“Noch anders gesagt: Projektion ist nicht die neurotische Ausnahme oder Störung – sondern Projektion in der Normalfall.“
      „Es geht also nicht darum, Projektion irgendwie „weg zu bekommen“. Das ist unmöglich. Es geht aber schon darum, ihr zunehmend gewahr zu werden, wenn sie passiert. Vor allem bei mir selber wahrzunehmen – und dann in kleinen Schritten ein wenig zurückzunehmen. Mit Betonung auf „ein wenig“. Ganz schafft man das eh nicht.“
      Korrekt! Ich pauschalisiere mal ein wenig: Das ist ein Sozialisationsproblem ( zumindest wohl sehr oft ), das den sechsten Teilbereich der Sorge fordert: Begrenzung.
      Und genau da hat es in den letzten paar Jahrzehnten offenbar einige Defizite in der interaktiven Autoritätsbildung gegeben, die sich immer noch mit m.E. sichtbarer Steigerung in den sichtbaren Bereich schieben.
      Kurz gesagt: Da wird zuviel ( z.T. auch projektiv ) „erzogen“ und zu wenig ( selbst wenn es mal Rückgrat erfordert ) vorgelebt. Das provoziert Auswüchse, wie z.B. den Feminismus o. den Mutterkult geradezu.

  6. Ich denke das Projektion im Feminismus (oder besser: in der SJW-Bewegung) eine entscheidende Rolle spielt.

    Z.B.: Weiße sind lt. intersektionalem Feminismus priviligiert. Diese allgemeine Aussage würde nur Sinn machen, wenn das genetisch irgendwie zusammenhängen würde. Heißt: Intersektionalem Feministen glauben, dass Weiße Übermenschen sind.
    Ihre Äußerungen und Handlungen zeigen allerdings, dass sie gegen diese „Privilegien“ etwas machen möchten. Wie geht das zusammen? Schuld. Sie wissen, das Rassismus scheiße ist. Sie fühlen sich schuldig so zu denken und versuchen sich durch ihre Handlungen von dieser Schuld zu befreien. Und jeder der sie daran hindert, sich von dieser Schuld zu befreien (zum Beispiel indem man sagt: das ist rassistisch was ihr macht), MUSS daher selbst ein Rassist sein.

    Äquivalent verhält es sich auch mit den Privilegien der Männer im intersektionalen Feminismus.

    • Ich denke, Schuldprojektion ist das Eine. Kann man an dem Weißsein gut festmachen.
      Eigene Schuldgefühle plus Idealismus plus metaphysische Verallgemeinerung auf die schuldbeladene Gruppe.
      Die Schuldprojektion dient einerseits der eigenen „Wiedergutmachung“, wodurch man sich als selbst schuldbewußtes Angehöriges der „Tätergruppe“ moralisch abheben, und gleichzeitig Handlungsvollmacht bzw. Handlungsprivilegien innerhalb der Gruppe, hier „Weiße“, beanspruchen kann.
      Zum Anderen ergibt sich in Alltagssituationen, wo man auf Nicht-Weiße trift, immer wieder der innere Konflikt „Ich darf nicht rassistisch sein, bin ich rassistisch? Aber ich bin doch eine Person, die gegeg Rassismus ankämpfen und wieder gut machen will, also muss ich hier und jetzt gegen Rassismus kämpfen!“
      Die Gegebenheiten der realen Situation sind dabei ziemlich egal, Hauptsache ist, man wehrt das ab, was man als eigene Whiteness wahrnimmt und bekàmpft, so dass man einen situationsunabhängigen Bias erzeugt.
      Beispiel, wir sind in Kreuzberg, wir kommen aus der Kneipe, ein Mann dunklerer Hautfarbe macht sich am Schloss unseres Fahrrades zu schaffen, wir fordern ihn auf, das sein zu lassen und weg zu gehen, er antwortet laut „Was willst, Du, Scheiß Nazi!“
      Man kann sich darauf verlassen, dass irgendein BeobachterIn ankommt, und seinen Rassismus-Bias bzw. Antirassismus-Bias auslebt, und man sich auf einmal dafür rechtfertigen muss, dass man sich nicht sein Fahrrad klauen lassen möchte.
      Von der beleidigenden Unterstellung „Nazi“ mal ganz abgesehen.

      Wenn man also so ein undifferenziertes Group Bias pflegt, kommt durch Wiederholung noch eine selektive Wahrnehmung hinzu, man sucht immer zuerst nach Rassismus, Sexismus, Nazitum, und findet das dann auch.
      Je nachdem, wie einfach die Maßstäbe bzw.Trigger gestrickt sind.

      Einen Unterschied würde ich machen, ob man sich selber der schuldbeladenen oder der Opfergruppe zuschreibt.
      Feminismus enthält beides, als Feminist fühlt man sich zur Schuldabwehr durch uneingeschränkte Solidarität wegen Penis oder eigenen schmutzigen Phantasien oder vormaligen Tabuverletzungen verpflichtet.
      Als Feministin fühlt man sich durch die eigene Opferrolle und wenn es um Eintreten für Andere Frauen geht, den eigenen und deren (vermeintlichen oder echten ) Opferstatus, verpflichtet, zu solidarisieren. Konstituierend ist hier häufig alleine der Trigger „Vaginabesitzerin im Konflikt mit Penisbesitzer“.

      Die selektive Wahrnehmung finde ich einen wichtigen Punkt, die kann sich zu völligem sozialem Realitätsverlust steigern, und wenn das zu manischem bzw. neurotischem Verhalten führt, kann es durch die Reaktionen der Umwelt auch gern mal zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.
      Das ganze sollte man m.E. differenziert betrachten, emotionsbezogene Projektion ist nicht unbedingt das Selbe wie Projektion von Machtverhältnissen von Personen oder Gruppen oder einfach nur simple Fehlinterpretation von Tatsachen wegen selektiver Wahrnehmung, oder einfach nur bewußt verleumdende Schutzbehauptungen aus taktischen Motiven.
      Meine persönliche laienhafte Ansicht natürlich, ich bin kein Psychotherapeut o.ä.

      Im 2. Feminismus gab es übrigens mal so eine Mode, das Patriarchat anhand der „überall vorhandenen Phallussymbole“ zu belegen.
      Irgendwann war das weg, wahrscheinlich wurde denen klar oder klargemacht, dass ihr Bewußtsein dauernd von Phalli beherrscht wird, während ein Schornstein eben meist einfach nur ein Schornstein, und eine Mondrakete eine Mondrakete ist, „form follows function“, und die sexuelle Symbolik wird von der Person nur projiziert.
      Ich könnte ja auch sagen, „Überall diese Vaginasymbole:
      Mülleimer, Handschuhe, Kondome, Türen und besonders Fenster, diese Symbole für jungfräuliche, verletzbare Vaginas, durch die man in das Innere des Privaten gelockt wird etc.pp.“
      Das käme wohl etwas absurd rüber, oder?

      • „Im 2. Feminismus gab es übrigens mal so eine Mode, das Patriarchat anhand der „überall vorhandenen Phallussymbole“ zu belegen.“

        Quatsch! Das subtilste Phallussymbol, das wir je erfunden haben, war natürlich der Stift! Selbst wenn Feministinnen das Wort „Phallussymbol“ niederschrieben, hatten sie ein Phallussymbol in der Hand. 🙂

        Oh, dieses Ausmaß an Gemeinheit, werden wir es jemals wiedererlangen? 😦

        • !Ich finde es gar nicht so lustig, jedesmal, wenn ich durch einen Tunnel fahre, erlebe ich mein Geburtstrauma neu!
          Warum bauen die das in dieser Form?
          Um Männer durch Einschüchterung mittels dauerpràsenten Vaginasymbolen einzuschüchtern und zu beherrschen.
          Wahrscheinlich wurden deswegen überhaupt der Autoverkehr und die U-Bahn erfunden, um diese gigantischen Matriarchatssymbole namens Autobahntunnel bauen zu können.
          Und diese Tussimacker namens Verkehrsminister machen da auch noch mit, diese Verräter!

          • Und U-Bahntunnel natürlich. Hab ich vergessen.

            Wenigstens muss ich nicht in Abwasserkanälen herumkriechen, wie die armen Kanalarbeiter.
            Apropos Kanalarbeiter, heißt nicht eine dieser SPD-Seilschaften so?
            Ich verstehe nicht ganz, was das Matriarchat damit symbolisieren möchte.

      • @ Wer denken….:
        Stimme ich auch zu, besonders:
        „Die selektive Wahrnehmung finde ich einen wichtigen Punkt, die kann sich zu völligem sozialem Realitätsverlust steigern, und wenn das zu manischem bzw. neurotischem Verhalten führt, kann es durch die Reaktionen der Umwelt auch gern mal zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.“
        Jepp! Sehr guter Punkt, mit Hauptlast m.E. auf selbsterfüllender Prophezeihung ( eigentlich Aufschaukelungsvorgang ).

        „Im 2. Feminismus gab es übrigens mal so eine Mode, das Patriarchat anhand der „überall vorhandenen Phallussymbole“ zu belegen.“
        War ja gerade wieder mal deutlich am Beispiel der Chemikerparty mit den „phallischen Reagenzgläsern“ und der „Stripperin“ abzulesen.

  7. Sehr guter Punkt, sehr gute Fragen! Sie berühren verborgene, aber stark wirksame Mechanismen. Das Psychische, das sich – ins Politische gewendet – nicht „sublimiert“, sondern vulgarisiert.

    Um unerschrocken sogleich ins Dunkle, Abgründige zu gehen: „rape culture“.
    Die absurde Behauptung, Vergewaltigung wäre dem Männlichen als eine Art Defekt eingeschrieben (etwa Alice Schwarzer). Und daß Vergewaltigung in der männlich dominierten, patriarchalen Gesellschaft gleichsam entschuldigt, verharmlost, wenn nicht gar als Unterwerfungsakt anerkannt wäre.
    Das Gegenteil ist der Fall: Vergewaltigung ist unter Männern zutiefst geächtet (in Gefängnissen etwa kommen die Vergewaltiger von Frauen gleich nach den Kinderschändern: ganz unten in der Hierarchie).
    Und zwar immer schon, ganz ohne feministische Aufklärung, geradezu biologisch eingeschrieben. Vergewaltiger sind auch nicht typisch männlich, sie sind in ihrer Männlichkeit gestörte Menschen, temporär oder chronisch. (Etwa weil sie selbst als Kinder Opfer von sexuellem Mißbrauch wurden – etwa durch die Mutter.) Oder sie entsteht durch stark dehumanisierende Umstände, etwa Krieg, wo der Feind, und damit auch „dessen Frauen“, systematisch entmenschlicht wird.
    Es gibt bei uns ganz offensichtlich keine „Rape Culture“. Und es gab sie nie. Vergewaltigung ist nicht Teil unserer Kultur, sondern sie findet nur dort statt, wo diese Kultur individuell oder zivilisatorisch versagt.

    Dennoch die wütende Überzeugung mancher Frauen, daß sie in einer „Rape Culture“ leben müssten.
    Dies mit Projektion (ein innerpsychischer Konflikt wird nach außen projeziert) zu erklären, macht erstaunlich viel Sinn.
    Natürlich heißt das NICHT, daß Frauen eigentlich eh gern vergewaltigt werden. Natürlich nicht. Natürlich ist es abscheulich, zu vergewaltigen.

    Indizien:
    * Vergewaltigt zu werden gehört zu den häufigsten sexuellen Phantasien von Frauen. (Bis vor ein paar Jahren haben das sogenannte Frauenzeitschriften ihren Leserinnen auch noch unbekümmert berichtet.)
    * In der Literatur etwa: „50 Shades of Gray“ – der größte Bestseller aller Zeiten bei Frauen ist eine sado-maso Geschichte. „Die Geschichte der O“ – von einer (selbstbewußten und emanzipierten!) Frau geschrieben.
    * Die erstaunliche Tatsache, daß Pornos, wo Frauen sexuell gedemütigt, vergewaltigt, etc. werden, häufiger VON FRAUEN angesehen werden. (http://dailycaller.com/2017/07/05/google-researcher-porn-featuring-violence-against-women-is-more-popular-among-women-than-men)
    * Die schockierende und psychisch schwer zu bewältigende Tatsache, daß der weibliche KÖRPER auf Vergewaltigung meist mit Erregung reagiert. Vor Jahren ein großartiges, tiefgehendes Gespräch mit einer Freundin, die viele Jahre zuvor vergewaltigt wurde: „Die größte Demütigung war, dass ich, so widerwärtig das für mich war, körperlich darauf reagiert habe…als ob es nicht mehr MEIN Körper gewesen wäre, denn er hat nicht reagiert, wie ICH es wollte… als ob er (der Vergewaltiger) mir dadurch meinen Körper genommen hätte, denn er hat reagiert, wie er es wollte, nicht, wie ich es wollte…“

    Ich widerhole: das Heißt NICHT, daß Frauen vergewaltigt werden wollten oder daß Vergewaltigung zu relativieren oder gar zu entschuldigen wäre.

    Aber es weist auf tiefliegende Realitäten hin – wo Verstand und Intellekt nicht mehr sonderlich hilfreich sind. Mit ihnen ist oft nicht einfach zu leben. (Auch für Männer kann das in Liebesbeziehungen problematisch sein – sie spüren die Erwartung nach einer „Überlegenheit“ im Sexuellen, dem sie nicht entsprechen wollen oder können.)

    „Rape Culture“ wird hier als Projektion – auch als notwendige Projektion – sehr verständlich.
    Und wo man Verständnis hat, hat man ja im Allgemeinen auch Empathie.
    Die einen nicht davon abhalten sollte, diese Desavouierung des Männlichen zurückzuweisen und ihr entgegenzuarbeiten.

    • @ Kostya:
      Die scheinbar implizite „Erkenntnis“, daß Frauen sich um derartige Dinge grundsätzlich mehr Gedanken machen, würde ich so nicht unterschreiben ( wiewohl auch nicht letztendlich ausschließen ). Dazu ist u.a. über „Männerphantasien“ und „Wünsche“ einfach zu wenig bekannt und zuviel durch dünnes Bla-Bla in den letzten Jahren verzerrt dargestellt worden.
      Und auch Frauen unterliegen da m.E. einer gewissen Verzerrung, vielleicht sogar schon etwas länger.

      • Mag sein. Überlegungen wie die meine sind natürlich mit allergrößter Vorsicht zu behandeln. Es ist eine These, kein Beweis, auch kein Argument. Ich denke aber, hier in diesem Blog kann man sich auch auf intellekuell „gefährliches“ Gebiet wagen.
        Natürlich darf eine These wie die meine kein politisches Argument sein. Da gibt es auch weitaus bessere.

    • „Vergewaltigt zu werden gehört zu den häufigsten sexuellen Phantasien von Frauen. (Bis vor ein paar Jahren haben das sogenannte Frauenzeitschriften ihren Leserinnen auch noch unbekümmert berichtet.)“
      Kann ich bestätigen. Viele Frauen suchen Typen die das mit ihnen machen und da es kaum welche gibt die das auch können, stehen diese Männer extrem hoch im Kurs. Mein Ding ist es nicht aber ich kenne halt echt viele Frauen aus der SM Szene die genau so was suchen.

  8. Ich glaube, dass der Begriff „Projektion“ für wissenschaftliche Psychologie untauglich ist. Riecht sehr nach Psychoanalyse. Alltagssprachlich („küchenpsychologisch“) kann man ihn wohl benutzen – man versteht ja, was ungefähr gemeint ist – aber ich glaube, man kommt nicht weit, wenn man versucht, das auszudiskutieren.

    • Auch ich wäre hier sehr skeptisch. Man muß sich bei solchen Überlegungen jedenfalls sehr genau Rechenschaft darüber ablegen, worin die angebliche Projektion besteht und mit welchen empirischen Belegen man die Annahme ihres Vorliegens / Vorhandenseins stützt.

  9. Männer sind Schweine!

    Haha, würde Männer im TV bei einer Stripperin so abgehen wie diese Frauen würden am nächsten Tag alle Männer als Sexisten beschimpft. Vertausche die Geschlechter und es ist alles nur witzig.

  10. Das Patriarchat schadet Frauen vs Feminismus schadet Frauen

    „Das feministische Wehklagen über einen Gender-Pay-Gap ist massiv irreführend und fördert eine Opfer-Mentalität unter Frauen.

    Kate Andrews, Nachrichtenredakteurin am Institute of Economic Affairs, sagte: „Die Kampagne zum Equal Pay Day bringt berufstätige Frauen nicht voran; schlimmer noch, sie scheint die großen Erfolge zu verschleiern, die Frauen (…) hatten. Wir haben Beweise dafür, dass junge Frauen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, allen Grund zu der Annahme haben, dass sie für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden. Dennoch werden sie mit aufgeblasenen und manipulierten Statistiken bombardiert, die sie sich hilflos fühlen lassen. (…) Das ist das genaue Gegenteil von Empowerment.“

    http://genderama.blogspot.de/2017/11/spd-frauenaufstand-belastigte-manner.html

    Aber wer hätte das ahnen können!

    Bestimmt kommt morgen noch jemand und behaupten es schadet dem Selbstbewusstsein von Frauen wenn Feministinnen innen erzählen das sie doch eigentlich ganz dolle große Angst haben müssen sobald sie das Haus verlassen oder wenn sie nach Hause kommen und dort mit einem Mann leben…

  11. „Patriarchy theory is a psychological projection. It reflects the way the world would be, genders reversed, if women were the historically dominant gender, and the way the world will increasingly look as women gain more power to shape society.“

    Oh Mann, das ist wirklich bitter.

  12. Vielleicht spielt im Spiel der Geschlechter gar nicht mal so sehr die Spiegelung eigener Denkmuster im anderen eine Rolle denn vielmehr die Erwartung des Anderen.

    So gesehen würden Feministas weniger spiegeln, sondern ihren Kopfkino-Mann auf reale Männer projizieren. Und zwar eine jeweils kontextabhängige Facette des Kopfkino-Mannes, der Heiliger ebenso wie Dämon ist, genauso allmächtig wie er schwach ist und genauso aggressiv kämpferisch wie er sanft und häuslich ist.

    Eine gedankliche Verfestigung eines solchen Kopfkino-Mannes mit Schlagseite hin zu den „guten“ Eigenschaften nennt frau gerne „Mr. Right“

  13. Das finde ich jedenfalls nicht abwegig, wenn man auch Allgemeingültigkeit nicht unterstellen sollte. Andererseits trifft das womöglich auch auf die Mehrzahl aller Frauen zu:
    „So gesehen würden Feministas weniger spiegeln, sondern ihren Kopfkino-Mann auf reale Männer projizieren. Und zwar eine jeweils kontextabhängige Facette des Kopfkino-Mannes, der Heiliger ebenso wie Dämon ist, genauso allmächtig wie er schwach ist und genauso aggressiv kämpferisch wie er sanft und häuslich ist.“
    Verstärkt in Bezug auf Feministen möchte ich hinzufügen:
    Hauptsache er funktionert am Ende, wie er soll.
    Wenn nicht, veranstalten „wir“ irgendwann einen Shitstorm, lassen eine Gender-„Forscheriin“ viel Geld von der Politik abnötigen, um das Gewünschte hinschludern zu können, und lassen das dann von korrupten Parteien oder wahlweise unterqualifizierten Quotenverfassungsrichterinnen unter Außerachtlassung von Grundrechten mit angeblichem „Ewigkeitscharakter“ irgendwie durchdrücken.

  14. Projektion spielt generell im Aktivismus (für was auch immer) eine Rolle, insbesondere wenn er einseitig Heilige und Sünder ausruft.
    Mit anderen Worten: Die Streitkultur von Amerika, die überall auf die Welt übergeschwappt ist (die keine ist, sondern sich gegenseitig dauernd beleidigende Namen rufen).

  15. Pingback: #ohnemich – Frauen sollten ihren Körper nicht stärker zur Schau stellen als der durchschnittliche Mann | Alles Evolution

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