Familismus

Im Rahmen der Agent*in-Seite kam auch der Begriff „Familismus“ auf.

Dazu aus der Wikipedia:

Familismus ist ein soziologischer Begriff, der die Familie als Leitform einer Sozialstruktur beschreibt.

Diese Sozialstruktur tritt vor allem in vormodernenGesellschaften auf. Im Familismus nehmen die Sippe (Verwandtschaft) oder im engeren Sinne die (Groß)-Familie die Funktion einer die Existenz des einzelnen sichernden, sowie den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt stützenden Instanz ein. Im idealen Familismus bilden sich keine Konflikte zwischen der Familienstruktur und anderen externen sozialen Akteuren. Letztere sind schlicht nicht existent oder bedeutungslos.[1]

Bereits das mythologisch hochdifferenzierte Beispiel des griechischen Götterpantheons – einer ausgesprochen familistischen Gesellschaftsformation – lehrt im Übrigen, dass familistische Gesellschaften in keiner Weise konfliktärmer als z. B. ständisch, versäult oder egalitär strukturierte

Etwas anders klingt es bei der Böll-Stiftung:

Die Ideologie des Familismus (oder auch Familialismus), die die gesellschaftliche Organisationsnorm aus dem Konzept einer „Idealfamilie“ ableitet, prägt seit Jahrhunderten Politik und Sozialstruktur in Deutschland und in anderen westlichen Ländern wesentlich mit. Familismus hat einen Ausgangspunkt, der schon immer nur für einen Bruchteil der Bevölkerung praktische Relevanz hatte: die Familie. Sie gibt es heute ebenso wenig, wie es sie je gegeben hat. Und schon gar nicht war sie zu allen Zeiten die bürgerliche Kleinfamilie, wie wir sie heute kennen. Familismus ist eine Spielart des Antifeminismus, denn nach der familistischen Ideologie herrschen in der heterosexuellen Kleinfamilie, die immer aus Vater, Mutter und Kind(ern) besteht, komplementäre Rollenaufteilungen entlag der Geschlechterlinien. Die Ideologie der „Familie als Keimzelle der Gesellschaft“ ist immer auf den Nationalstaat bezogen. Sie führt unweigerlich zur Diskriminierung von Individuen und Gruppen, die diesem Bild nicht entsprechen. Angesichts der „neuen“ rechtspopulistischen AkteurInnen hat sie Hochkonjunktur

Und eine weitere Beschreibung:

Familismus bezeichnet die weitgehende Identität von Familie und Gesellschaft. Danach bildet das System aller Familien das Gemeinwesen. Familismus ist auch die Überbewertung des familiären Bereichs als Quelle für soziale Kontakte. In familistischen Gesellschaften – dazu gehört die Bundesrepublik Deutschland ─ gilt die Familie als Dreh- und Angelpunkt aller sozialen Organisationen.
Selbst in das in frauenpolitischer Hinsicht fortschrittliche Grundgesetz für die BRD wurde 1949 der Familismus eingeschrieben, indem die Auffassung von der Familie als wichtigster Baustein einer Gesellschaft aufgenommen wurde und somit eine konservative Familienideologie, die Frauen und Männern eindeutige Rollen zuwies und die bis heute wirkt, verfestigt wurde. Erst die neue Frauenbewegung entwickelte Gegenkonzepte, die heute allerdings zu verblassen scheinen. Staatliche Familienpolitik fördert nach wie vor die traditionelle mit Vater, Mutter und Kind(ern) «normalbesetzte» Kleinfamilie in der Kinder erzogen und pflegebedürftige Menschen versorgt werden sollen. Die soziale Realität hat sich längst von diesem ideologischen Gemälde entfernt.
In der Einführung geht es zunächst um eine historische Rekonstruktion exemplarischer Theorien und Praxen, die zu jenem ideologisierten Familienverständnis führen, das auf das «Gemeinwohl» abzielt, faktisch aber alle Menschen ausschließt, die nicht zu einer Familie gehören und Frauen zu rechtlosen Wesen macht. Am Ende steht die Frage, ob es sinnvoll ist, ein kritikwürdiges System weiter auszuweiten, indem sich häufende Zusammenlebensformen durch vom Staat verordnete Gesetze «normalisiert» werden und damit wiederum andere daran gemessen und ausgegrenzt werden, wenn sie sich nicht in die familiale «Ordnung» fügen.“

Die Familie als Einheit, in der beide Eltern gemeinsame Kinder erziehen, scheint mir etwas zu sein, gegen das man schwer etwas anführen kann. Allenfalls kann man anführen, dass man zulässige Formen zu unrecht auf diese Art beschränkt und damit andere Formen (Homosexuelle, die gemeinsam Kinder betreuen, Patchworkfamilien (also Partner, die jeweils Kinder aus anderen Verbindungen in die neue mitbringen) oder diverse Situationen nach Trennung) abwertet. Der Vorwurf scheint mir aber mit der fast üblichen Ausdehnung verwendet zu werden, nachdem jedes Abstellen auf die klassische Familie bereits ein Familismus  darstellt.

 

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68 Gedanken zu “Familismus

  1. „Die Familie als Einheit, in der beide Eltern gemeinsame Kinder erziehen, scheint mir etwas zu sein, gegen das man schwer etwas anführen kann. Allenfalls kann man anführen, dass man zulässige Formen zu unrecht auf diese Art beschränkt und damit andere Formen (Homosexuelle, die gemeinsam Kinder betreuen, Patchworkfamilien (also Partner, die jeweils Kinder aus anderen Verbindungen in die neue mitbringen) oder diverse Situationen nach Trennung) abwertet. Der Vorwurf scheint mir aber mit der fast üblichen Ausdehnung verwendet zu werden, nachdem jedes Abstellen auf die klassische Familie bereits ein Familismus darstellt.

    „Familismus“ ist ein gender-feministisches Konzept, das davon ausgeht, dass die klassische Familie in westlichen Gesellschaften eine soziale/kulturelle Norm darstellt, die einen höheren Status besitzt als andere Formen zwischenmenschlichen Zusammenlebens von Menschen und dass solche anderen Formen dadurch abgewertet würden.

    Diese Annahme besitzt also die gleiche Struktur, wie auch bei anderen Themen in der gender-feministischen (Anti-)Diskriminierungstheorie: etwas habe sich zur sozialen/kulturellen Norm gesetzt, erscheine deshalb als die einzige richtige/wahre Form des „Mensch-Seins“ und werte dadurch andere Formen ab.

    Aus gender-feministischer Perspektive ist es wünschenswert, dass andere Formen zwischenmenschlichen Zusammenlebens gesellschaftlich als gleichwertig angesehen und behandelt werden. Soweit die – wenig überraschende – gender-feministische Perspektive. (In der Regel wird diese Forderung allerdings nicht auf Beziehungsformen mit mehr als einem Partner ausgedehnt.)

    Die gender-feministische Auffassung sagt nicht, dass die klassische Familie abgeschafft werden und durch eine andere Organisationsform ersetzt werden sollte, wie es zum Teil im klassischen Radikalfeminismus der 70er Jahre vertreten wurde. Es gibt heutzutage keine größere feministische Strömung mehr, die von ihren weltanschaulichen Grundlagen her vertritt, dass die klassische Familie abgeschafft werden sollte.

    Es gibt auch keine größere Strömung innerhalb der Linken, die so etwas vertreten würde, Theorien zur „Abschaffung der Familie“ sind völlig out, diese existieren nur in den Köpfen von Anhängern irrationaler konservativer/rechter Verschwörungstheorien.

    Trotzdem ist das gender-feministische Konzept „Familismus“ insofern kritikwürdig, als es z.B. übersieht, dass Alleinerziehenden-Haushalte Kindern zwangsläufig nicht die gleiche Unterstützung zukommen lassen können wie eine gut funktionierende Familie mit zwei Bezugspersonen für das Kind und daher in dieser Hinsicht nicht als gleichermaßen funktional angesehen werden können.

    Homosexuelle, die gemeinsam Kinder betreuen, können dies, ich bejahe die Homo-Ehe, aber Alleinerziehenden-Haushalte haben zwangsläufig in dieser Hinsicht einen Nachteil, der in der gender-feministischen Theorie bei diesem Konzept ausgeblendet wird.

    • Jetzt bewerten wir also politischen Richtungen anhand ihrer Selbstbekenntnisse und wer das anders sieht, ist ein irrationaler Verschwörungstheoretiker? OK…

      Tatsächlich sind sehr viele genderistische und feministische Forderungen nach wie vor frontal darauf gerichtet, die natürlichen Grundlagen der Familie abzuschaffen, so dass Familie heute eine reine Life-Style Entscheidung von Müttern ist, die sie zudem jederzeit ändern können. Die interessante Frage ist allenfalls, warum das nicht mehr theoretisiert wird?

      • @ Ih

        „Jetzt bewerten wir also politischen Richtungen anhand ihrer Selbstbekenntnisse und wer das anders sieht, ist ein irrationaler Verschwörungstheoretiker?“

        In diesem Fall ja.

        Ob und inwieweit manche gender-feministische Positionen in Bezug auf die klassische Familie kritikwürdig sind, kann man natürlich diskutieren und analysieren, eine subjektive Intention die Familie abzuschaffen gibt es bei Gender-Feministinnen in der Regel nicht. Das würde sogar zu ihren theoretischen Grundlagen im Widerspruch stehen, weil dadurch eine neue Norm etabliert würde.

        Die üblichen „Unterstellungsargumente“ sind m.E. wertlos, Theorien bezüglich „Abschaffung der Familie“ spielen im Gender-Feminismus – sowie in anderen einflussreicheren gegenwärtigen feministischen Strömungen – nachweislich keine Rolle – weder in Schriften, noch in Blogs, noch in persönlichen Gesprächen stößt man darauf.

        Und die Auffassung Gender-Feministinen würden irgendwie im Sinne einer „Geheimgesellschaft“ eine „Abschaffung der Familie“ planen und niemand würde etwas davon mitkriegen, ist grenzenlos absurd. Solche Geheimhaltungen sind nur bei Kleingruppen möglich, sobald eine bestimmte soziale Bewegung eine gewisse Größe überschritten hat, scheren immer mal Leute aus, treten zu anderen sozialen Bewegungen/Weltanschauungen über oder plaudern im betrunkenen oder bekifften Zustand etwas aus – Geheimhaltung also unmöglich. Daran scheitern all diese absurden konservativen/rechten Verschwörungstheorien.

        • Also wenn ich mich bei den rechtskonservativen Familisten so umsehe, dann behauptet dort niemand die Abschaffung der Familie durch den Genderismus würde in Geheimgesellschaften beschlossen und geplant – also außer Dir vielleicht. Nachher bist am Ende Du der irrationale Verschwörungstheoretiker?

          • @ Ih

            „Also wenn ich mich bei den rechtskonservativen Familisten so umsehe, dann behauptet dort niemand die Abschaffung der Familie durch den Genderismus würde in Geheimgesellschaften beschlossen und geplant“

            Na ja, das liegt daran, dass die „rechtskonservativen Familisten“ auf rationale Begründungen und Belege für diese Behauptung von vornherein verzichten.

            Müssten sie ihre Behauptung aber begründen und belegen – und zwar durch Bezugnahme auf heutige feministische Aussagen, nicht auf irgendwelche Zitate von klassischen Radikalfeministinnen aus den 70er Jahren, welche für die zeitgenössische feministsche Theorie nicht relevant sind – dann käme, wie stets, bei unseren rechtskonservativen Verschwörungsideologen nichts Verwertbares dabei heraus und letztendlich würde es dann eben doch auf das „Unterstellungsargument“ hinauslaufen – und das ist eben in diesem Fall ein schlechtes Argument.

            Was ernsthafte Kritik – und das gilt natürlich auch für ernsthafte Feminismuskritik – von der Propagandalüge unterscheidet, das ist natürlich die Wahrheitsorientierung. Und die konservative/rechte Behauptung, zeitgenössische einflussreichse feministische Strömungen wollten die klassische Familie abschaffen, ist eben eine Propagandalüge, die der Manipulation und Mobilisierung der eigenen konservativen Klientel dienen soll.

          • „Na ja, das liegt daran, dass die „rechtskonservativen Familisten“ auf rationale Begründungen und Belege für diese Behauptung von vornherein verzichten.“

            Die Behauptung, zeitgenössische feministische Hauptströmungen würden eine Abschaffung der klassischen Familie anstreben, war hier natürlich gemeint.

      • @lh

        „Tatsächlich sind sehr viele genderistische und feministische Forderungen nach wie vor frontal darauf gerichtet, die natürlichen Grundlagen der Familie abzuschaffen, so dass Familie heute eine reine Life-Style Entscheidung von Müttern ist, die sie zudem jederzeit ändern können.“

        Zunächst einmal besteht der Großteil der Menschheitsgeschichte nicht aus der heutige üblichen *Kleinfamilie*, sondern auch diese ist das Resultat eines Entwicklungsprozesses, in der die Mehrgenerationen-Familie von der Kleinfamilie abgelöst worden ist.
        Es gibt keine statische „Familie“.

        Der nächste Punkt, Genderisten streiten die Biologie ab und gehen selbstverständlich *nicht* davon aus, dass Kinder – gerade heute – eine bewusste Entscheidung von Mann und Frau sind, diese hervorzubringen und gemeinsam groß zu ziehen, wundert dich wirklich?

        Genderisten sind so atemberaubend darin, sich die Realität nach eigener Ideologie zu verbiegen, man schlägt immer mit den Kopf auf die Tischplatte. Hier das Zitat:

        „Familismus hat einen Ausgangspunkt, der schon immer nur für einen Bruchteil der Bevölkerung praktische Relevanz hatte: die Familie. Sie gibt es heute ebenso wenig, wie es sie je gegeben hat.“

        Bei der realen Existenz von 11,7 Millionen Familienhaushalten in Deutschland ist diese These in einem Ausmaß realitätsverleugnend, der bereits an Wahnsinn grenzt.
        http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61597/haushalte-nach-zahl-der-kinder
        Hör auf, diesen Schwachsinn ernst zu nehmen.

        Die vorgebliche Entscheidungsfreiheit von Frauen für ein beliebiges Lebensmodell beruht auf der Lüge, man müsse die weibliche reproduktive Autonomie unterstützen, während der Kern der Forderung in Wahrheit darin besteht, sie materiell zu GEWÄHRLEISTEN.
        Wenn die „Life-Style Entscheidung von Müttern“ nämlich konsequent von eben diesen Müttern zu tragen wäre, würden sie die finanziellen Konsequenzen dieser Entscheidung selber übernehmen müssen.

        Die ökonomische Grundlage dafür, eine „Life-Style Entscheidung von Müttern“ zu sein, sind materielle Transfers von Männern PUNKT
        Man braucht keine mathematische Begabung um sich darüber klar zu werden, dass ein solches Verständnis von „moderner Gesellschaft“ auf der Aufrechterhaltung stinketraditioneller materieller Transfers beruhen MUSS.

        • Fast. Was ich dem Genderismus vorwerfe ist, dass der (individuelle) Mann als Versorger überflüssig gemacht werden soll, wodurch seine Position in der Familie vollständig optional wird. Traditionelle Familie ist für mich nicht unbedingt eine Wohngemeinschaft von Vater-Mutter-Kind, sondern eine Arbeitsteilung, bei der insbesondere Kinder aber auch diese versorgende Frauen (egal aus welcher Generation) auf den versorgenden Mann angewiesen sind, der wiederum durch diese Angewiesenheit die Sicherheit bekommt, dass seine Frau nicht einfach einen anderen vögeln kann und ihm seine Kinder auch nicht einfach weggenommen werden können.

          Dazu braucht es natürlich keinerlei Hinterzimmerverschwörung und dunkle Ziele. Da geht es einfach nur um weibliche sexuelle Selbstverwirklichung. Aber genau diese geht eben zu Lasten der Männer, die dadurch ihre Vaterrechte praktisch weitgehend einbüßen. Und für die es daher keinen Sinn mehr macht, ihr Leben und ihre Arbeitskraft unter die Aufgabe zu stellen, dass es den Kindern „mal besser gehen soll“, oder dass für diese Familie etwas aufgebaut werden soll. Und damit entledigt sich die Gesellschaft wesentlicher Fundamente ihres Gedeihens.

          • @lh

            „Was ich dem Genderismus vorwerfe ist, dass der (individuelle) Mann als Versorger überflüssig gemacht werden soll, wodurch seine Position in der Familie vollständig optional wird.“

            Moooooooment.
            Ich würde erstens was die *Ideologie* des Genderismus erzählt von der empirischen Realität unterscheiden.
            Zunächst also:
            „Nach der Wiedervereinigung sank der Anteil der zweifach berufstätigen Eltern dort (in der EX-DDR) allerdings immer weiter: von 65 Prozent im Jahr 1996 auf 58 Prozent im Jahr 2013. (…) Im Westen ist der Anteil der Familien mit Doppelverdienern zwar gestiegen – von 46 Prozent im Jahr 1996 auf 55 Prozent im Jahr 2013.“
            http://www.zeit.de/2017/04/familie-vereinbarkeit-beruf-gehalt-dienstleister

            D.h. die „Doppelverdiener“ sind Pi mal Daumen die Mehrheit, nämlich ca. 56% der Eltern, gegenüber 44% wo das nicht der Fall ist, die demnach traditionell leben.
            Eine Grafik der „Zeit“ zur *eigenen Leserschaft* entzaubert aber den aktuellen Mythos, den die „Zeit“ selbst betreibt. Wenn nämlich geschaut wird, wie sich die Belastung der Geschlechter nach Stunden Erwerbsarbeit unterscheiden:
            http://img.zeit.de/gesellschaft/familie/2017-01/berufstaetigkeit/original__660x326__desktop__scale_1.375

            37% der Mütter arbeiten *mehr* als 36 Stunden die Woche, aber 77% aller Väter.
            Und nun hätte ich an dieser Stelle gerne eine Differenzierung nach Ost und West gehabt – die aber aus m.E. sehr, sehr, sehr guten Gründen nicht existiert. 😉

            Statistisch gesehen ist der Trick, das Ende des Modells „Alleinernährer Mann“ zu verkaufen, indem die stetig steigende Zahl „alleinerziehender“ Mütter mit in die Beweisführung übernommen wird.
            Logisch sind diese Frauen nominal „Alleinernährer“ einer Familie – aber nicht von eigener Arbeit, sondern basierend auf Transferzahlungen.

            Aber mir leuchtet zweitens nicht ein, warum du dir keine andere Rolle für dich als Mann in einer Paarbeziehung vorstellen kannst, als der Ernährer der Familie zu sein.
            Das ist – in meinen Augen – eine nicht unbedingt erstrebenswerte *Funktionsrolle*, der die „Angewiesenheit“ auf einen Mann arg reduziert.

            Aus dieser *Funktionsrolle* formuliert sehe ich deinen Satz, wonach es für Männer „daher keinen Sinn mehr macht, ihr Leben und ihre Arbeitskraft unter die Aufgabe zu stellen, dass es den Kindern „mal besser gehen soll“, oder dass für diese Familie etwas aufgebaut werden soll.“

            Denn hier spricht m.E. etwas aus dir, was Bestandteil einer männlichen Geschlechterrolle ist, vor der ich jedoch warnen möchte: Die Sinn-Ressourcen für ein gelungenes und gutes Leben an andere zu delegieren.
            Ob du ein gutes, für dich sinnvolles und gelingendes Leben führst (was ich dir von Herzen wünsche) kannst du dich nur selber befragen und auch nur für dich selbst bejahen.

            Du schließt ab: „Und damit entledigt sich die Gesellschaft wesentlicher Fundamente ihres Gedeihens.“, Dann möchte ich im Gegenzug fragen: Was ist das dann für eine Gesellschaft, was erzählt diese Gesellschaft damit über sich selbst?
            Wenn die Fundamente einer Gesellschaft auf der Selbstverleugnung und Ausbeutung der Hälfte ihrer Mitglieder *beruhen*, dann sollte für jeden Mann in dieser Gesellschaft mehr drin sein, als sich selbst auf eine Funktionsrolle zu verzwergen und verzwergen zu lassen.

          • Crumar, danke! Endlich jemand der die richtigen Fragen stellt, jedenfalls im zweiten Teil.

            1. Die Rolle des Mannes in der Paarbeziehung

            Machen wir uns nichts vor: Eine Funktion muss der Mann für die Frau erfüllen, sonst gibt es keine Paarbeziehung. Etwas grob betrachtet bedeutet dann der Ausschluss der Versorgerrolle (beta bux), dass nur noch die Funktion als Liebhaber (alpha fux) übrig bleibt. Und das ist, wie etliche PUA’s beschrieben haben, die Rolle eines ewigen Clowns, der unterhalten muss. Man kann das auch etwas präziser ausdrücken: Die Rolle des Liebhabers ist eine des Objekts der Eroberung für die Frau. Was für den Liebhaber bedeutet, dass er sich nie wirklich erobern lassen darf – denn dann ist es vorbei.

            AF/BB ist natürlich ein sehr reduziertes Schema. Aber die Funktion des Mannes für die Frau lässt sich nicht völlig frei und vernünftig aushandeln. Damit es emotional funktioniert, muss es bestimmte Systeme der Frau bedienen. Denn erst dadurch erscheint die Beschäftigung mit dem Mann für die Frau sinnvoll. Einen Versorger zu halten, den sie nicht braucht, fühlt sich leer an. Ebenso wie einen Liebhaber zu verführen, dessen Herz sie längst erobert hat. Da gibt es nichts mehr zu tun, wofür ihr Belohnungszentrum sie noch mit schönen Gefühlen belohnen könnte. Und dann sucht sie sich lieber das nächste Objekt der Eroberung (und wundert sich, warum sich auch das bald schon ganz leer anfühlt).

            2. Sinnstiftung

            Du sagst so einfach, dass es jedermanns eigene Freiheit ist ein gelungenes und sinnerfülltes Leben zu führen. Aber das ist spätestens seit Nietzsches Erkenntnis vom Tod Gottes ein ganz und gar nicht triviales Problem. Man braucht ein Ziel oder ein Projekt, das so groß ist, dass es alles an Einsatz wert ist. Und das gilt sowohl für individuelle Menschen, als auch für Paare.

            Du bist doch auch so ein alter Sozialromantiker? Wenn ich dieser Tage Geschichten über die alte bundesdeutsche Arbeiterschaft, die einfachen Leute und ihr Milieu lese, dann gibt es darin immer diese Geschichten von den einfachen Männern, die ihr ganzes Leben im Schichtdienst am Fließband gearbeitet haben und dabei noch Stolz darauf waren, der beste darin sein zu wollen. Und wenn man diese Leute fragte, wofür sie das eigentlich alles auf sich genommen haben, sagten die immer „Meine Kinder sollen es mal besser haben als ich.“ Und aus der Sicht eines verwöhnten Bengels mit allen Freiheiten und großer Lust an exzessivem Hedonismus kann ich Dir sagen: Das ist ein scheiß gutes Projekt!

            Aber es macht überhaupt keinen Sinn, wenn die Frau irgendwann beschließt, dass sie es leid ist in der Wohnung still sein zu müssen wenn der Mann von der Nachtschicht ausschläft (oder was immer heute die nervigen Dinge moderner Paare sind) und sie ja auch einfach Unterhalt kassieren und mit den Kindern in eine eigene Wohnung ziehen kann. Natürlich ist das heute in der Praxis moderner Berufstätigkeit alles etwas anders. Aber das Problem bleibt das selbe: entweder da ist ein Projekt, was nur gemeinsam geht, oder die Sache wird an den kleinsten Kleinigkeiten sehr schnell scheitern.

            3. Das Wohl der Gesellschaft

            Zum Glück braucht die Gesellschaft nicht mehr viele, die ihr ganzes Leben stupide am Fließband stehen. Aber sie braucht nach wie vor viele Männer (und auch ein paar Frauen) die bereit sind weit mehr zu tun um irgendwas mehr zu haben. Es bleibt daher wichtig, den männlichen Konkurrenzinstinkt in gesellschaftlich nützliche Bahnen zu lenken.

            (Ich bekomme Besuch und muss das ggf. später fortsetzen)

          • @lh
            Was ich dem Genderismus vorwerfe ist, dass der (individuelle) Mann als Versorger überflüssig gemacht werden soll, wodurch seine Position in der Familie vollständig optional wird.

            Du hast ja mal vorgeschlagen, Unterhaltspflichten des Vaters abzuschaffen. Aber würde das nicht darauf hinauslaufen, dass die finanzielle Versorgung von Kindern zunehmend eine staatliche Aufgabe wird? Z.B. weil aus Sicht der Mütter diese Versorgung ausreichend ist, oder weil Väter sich von ihrer Familie trennen?

            Mir scheint die Auflösung der Familie eine Folge des Sozialstaats zu sein. Früher war die Großfamilie das, was heute der Sozialstaat ist. Der Zusammenhalt der Verwandschaft ist hete also nicht mehr lebenswichtig, ebenso ist nicht mehr nötig, darauf zu achten, dass die eigenen Kinder „etwas werden“. Und nach der dadurch bedingten Auflösung der Großfamilie ist der nächste Schritt eben die Auflösung der Kleinfamilie. Eine Folge des steigenden Wohlstands und fehlender Anreizstrukturen.

            „Meine Kinder sollen es mal besser haben als ich.“ – Das ist vielleicht auch eine euphemistische Umschreibung für: Meine Kinder sollen einmal für mich sorgen können.

            Die Rolle des Mannes in der Paarbeziehung […] Etwas gro

          • Die Rolle des Mannes in der Paarbeziehung […] Etwas grob betrachtet bedeutet dann der Ausschluss der Versorgerrolle (beta bux), dass nur noch die Funktion als Liebhaber (alpha fux) übrig bleibt.

            Schließt sich Alpha (bzw. Liebhaber) und Paarbeziehung nicht aus?

          • „Und aus der Sicht eines verwöhnten Bengels mit allen Freiheiten und großer Lust an exzessivem Hedonismus kann ich Dir sagen: Das ist ein scheiß gutes Projekt! “
            Bingo! Treffer! Versenkt!
            Ich muß zgeben, so nach und nach fängst Du an mir in manchen Punkten relativ sympatisch zu werden, @ Ih.
            Ja, das Projekt ist gut, so rein grundsätzlich betrachtet.
            „Besser“ ( „dem soll es mal besser gehen“ ) ist dabei hart zu relativieren, ein guter Vorsatz halt, der aber der m.E. richtigen Motivation entspringt.
            Ich denke, es geht dabei eher um eine kurzfristig zu ermöglichende Form von Freiheit. Aber sei’s drum.
            Freiheit ist das Stichwort! Individuelle natürlich.
            Etwas, wo so ziemlich jeder seine Ideologie drauf aufzubauen versucht.
            Manche durch extreme Einschränkungen für alle ( leicht erkennbar unpraktikabel ).
            Manche durch extremes Überreißen ( geht letztendlich auch voll in die Hose).
            Manche indem sie eben versuchen, sie weiterzugeben ( sind, glaube ich, mehr als man so denkt, nur kämen die meisten nie auf die Idee, das ausformulieren zu wollen ).

            Auf die Frage, wann und warum es für das Individuum sinnvoll ist, seine persönliche Freiheit einzuschränken, oder sie sogar zu nutzen, um sie größtenteil ganz aufzugeben, in dem Bestreben sie weiterzugeben, kommt kaum wer. Ist vermutlich den Allermeisten so selbstverständlich, daß kaum wer Grund hat, drüber nachzudenken.

            Thx @ Crumar & ih, Eure desbez. Konversation könnte noch zu ganz netten und durchaus betrachtenswerten Gedankengängen führen.

          • Schließt sich Alpha (bzw. Liebhaber) und Paarbeziehung nicht aus?

            Ja. Ich habe nur ausführlicher erklärt warum das so ist.

            Ich glaube nach wie vor, dass die Abschaffung jeglicher Barunterhaltspflichten die praktisch beste Lösung wäre. Und als alter links-liberaler geht das meiner Ansicht nach nur, wenn man einen Sozialstaat hat. Notwendig ist aber, dass die Versorgung durch einen Bezieher durchschnittlicher Einkommen Frau und Kinder sowohl materiell als auch statusbezogen besser stellt als die alleinerziehende Sozialstaatsbegünstigte. Und das ist nicht so schwer.

            Familie funktioniert nach wie vor in einer bestimmten Schicht etwas über dem Durchschnitt ganz gut. Wo es gemeinsam (und sei es mit 2 Einkommen) ausreicht, um das Haus in der besseren Gegend abzubezahlen, das aber getrennt nicht möglich wäre, bleiben die Leute zusammen um den Status und Wohlstand nicht zu verlieren. Es muss keine Drohung mit existentieller Sorge sein, ein leichter Vorteil (vor allem auch im Status) reicht aus damit Frauen intakte Familien wollen.

          • @lh

            Ich betrachte folgend deine Ausführungen so, wie sie uns – Männer – als „gesellschaftlicher“ Auftrag übermittelt werden, nämlich von der abstrakten Vermitteltheit der eigenen, individuellen Existenz, die sich gesellschaftlichen Erwartungen „verdankt“ bis zur konkreten (Beziehungs-)Praxis, die wiederum voraussetzt, was wir zu erwarten haben und was wir erwarten *dürfen*.

            „Das Wohl der Gesellschaft“ = „the greater good“

            Hier gilt es erst einmal zu unterscheiden, dass Frauen zu diesem einen Beitrag leisten als biologisch individuelles und kollektives „human being“, Männer hingegen als individuelles und kollektives „human doing“. Es gibt daher *keinen* geschlechterübergreifenden Zugang zum „Des Wohls der Gesellschaft“ – die einen *sind es*, die anderen *mussten und müssen es herstellen*.

            Auch das „greater good“ verweist damit als Ressource für den individuellen Sinn deiner Existenz darauf, der Bezug zum „greater good“ existiert nicht voraussetzungslos, sondern dieses „greater good“ ist tatsächlich erstens eine (gesellschaftliche) Konstruktion und das Verhältnis ist es zweitens erst recht.
            Dir muss selber das Verhältnis von kollektivem Wohlergehen zu deiner individuellen Existenz bewusst geworden sein, dass du *freiwillig* die individuelle Existenz dem kollektiven Wohlergehen unterordnest. Deshalb mein Hohngelächter bezüglich des liberalen „Kollektivismus“-Vorwurfs.

            Die *Grundlage* der männlichen Individualentwicklung ist die Unterordnung unter das, was „größer ist als man selbst“ = das Kollektiv. Dieser historische Prozess hat in der Regel bei Frauen gar nicht stattgefunden.
            Die betonte feministische Solidarität bezieht sich auf das biologische Geschlecht „Frau“, also auf „human beings“ – das Schöne an dem Verweis auf die Biologie, es ist immer schon da gewesen, es muss nicht *hergestellt* werden.

            Problem ist, es gibt in diesem Rahmen auch keine Entwicklung zum Individuum.
            Nur wenn du dir gewiss bist, du kannst durch eigene und mit anderen koordinierte Handlung etwas herstellen, was größer ist als du selbst, erwächst dadurch die Erkenntnis, was die Grenzen deiner Handlungsmöglichkeiten ist und – im Grunde – deine eigene Handlungsfähigkeit.

            Die meisten Frauen sind daher *keine Individuen*.

            „Es bleibt daher wichtig, den männlichen Konkurrenzinstinkt in gesellschaftlich nützliche Bahnen zu lenken.“

            Anders herum: „Die Gesellschaft“ *benutzt* den männlichen Konkurrenzinstinkt und *lenkt* ihn in „nützliche Bahnen“. Wenn du nun berücksichtigst, dass FRAUEN 51% der Gesellschaft stellen und die Sozialisationsagentinnen eben dieser Gesellschaft stellen, bekommst du einen Eindruck davon, wie wertvoll die Kultivierung eines „Instinkts“ für eine Gesellschaft ist, die zu 51% aus Frauen besteht.
            Und unter Umständen wirst du dich dann fragen, ob das, was gesellschaftlich „nützlich“ ist, dir als MANN wirklich nützt.

            „Sinnstiftung

            Du sagst so einfach, dass es jedermanns eigene Freiheit ist ein gelungenes und sinnerfülltes Leben zu führen. Aber das ist spätestens seit Nietzsches Erkenntnis vom Tod Gottes ein ganz und gar nicht triviales Problem. Man braucht ein Ziel oder ein Projekt, das so groß ist, dass es alles an Einsatz wert ist“

            Dagegen habe ich nichts.
            Ich habe nur etwas dagegen Ziele zu verfolgen, die gar nicht DEINE sind.
            Und einen kompletten Einsatz, nämlich dein Leben auf ein Leben zu verschwenden, dessen Parameter ANDERE für dich gesetzt haben.

            Umformuliert:

            „Es rettet uns kein höh’res Wesen,
            kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
            Uns aus dem Elend zu erlösen
            können wir nur selber tun!
            Leeres Wort: des Mannes Rechte,
            Leeres Wort: des Mannes Pflicht!
            Unmündig nennt man uns und Knechte,
            duldet die Schmach nun länger nicht!“

            „Die Rolle des Mannes in der Paarbeziehung
            Machen wir uns nichts vor: Eine Funktion muss der Mann für die Frau erfüllen, sonst gibt es keine Paarbeziehung.“

            Geschlechter getauscht: Eine Funktion muss die Frau für den Mann erfüllen, sonst gibt es keine Paarbeziehung. Nimm mein Sperma, bitch und reproduziere mich!

            Das wäre irgendwie armselig, oder?!
            Abgesehen von dem gesammelten Quatsch der romantischen Liebe, wäre eine solche – reduzierte -Funktionsrolle für Frauen irgendwie nicht zumutbar. Wieso zwängen wir uns selber oder lassen wir uns selber dann in eine solche männliche Funktionsrolle einsperren?

            Subcomandante crumar

          • @Crumar:

            Vielleicht hätte ich das mit dem Wohl der Gesellschaft noch ausführen sollen, ich dachte der Gedanke sei naheliegend. Es geht mitnichten um die Unterordnung des Individuums, sondern um den Nutzen des Individualismus: Solange Frauen Männer als Versorger brauchen, gibt es eine „Versorgerkonkurrenz“, die dazu führt dass Männer hohe Einkommen anstreben und sich dafür zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft machen. Wenn die Versorgerqualitäten nicht gebraucht werden und es nur noch nach den Liebhaberqualitäten geht, dann ist eben „ich hab einen umgebracht und komme gerade aus dem Knast“ viiiieeel interessanter als „ich bin Ingenieur und verdiene 3500 netto“. Und diese Anreizstrukturen haben dann Konsequenzen für das, was Männer anstreben.

            Ich denke übrigens auch, dass Frauen für Männer Funktionen erfüllen. Seit Haushälterin aus der Mode gekommen ist, bleiben da im wesentlichen „Sexobjekt“ und ggf. noch „Mutter der Kinder“. (Und bevor Christian jetzt wieder sagt, dass aber nur gemeinsam Netflix schauen doch auch schön sei: Und? Tust Du das auch mit Frauen, die Du nicht vögelst?)

            Der Punkt ist, dass sowohl diese weiblichen Funktionen als auch die zuvor genannten männlichen keine fremdbestimmten Ziele darstellen. Einen Frauenzirkel, der Männern vorschreibt gute Versorger zu sein gibt es so wenig wie ein Patriarchat, was Frauen vorschreibt sexy zu sein. Stattdessen ist die Funktionserfüllung ein natürlich bereitgestelltes Potential, was biologischen Zwecken der Fortpflanzung dient und das man brachliegen lassen kann oder nicht. Das als fremdbestimmt abzulehnen ist als würde man sich aus den selben Gründen weigern seinen rechten Arm zu benutzen.

          • @lh

            „Vielleicht hätte ich das mit dem Wohl der Gesellschaft noch ausführen sollen, ich dachte der Gedanke sei naheliegend. Es geht mitnichten um die Unterordnung des Individuums, sondern um den Nutzen des Individualismus:“

            Jede Sozialordnung ist m.E. eine durchgesetzte Sozialordnung.
            Der „Individualismus“ hingegen ist eine „Erfindung“ oder Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft, es macht keinen Sinn, diesen in die Geschichte zurück zu deuten.
            Egal an welchem Wegpunkt der letzten 5000 Jahre Geschichte *vor* der bürgerlichen Revolution wir Halt machen, es gab bei den Ägyptern, Hethitern, Germanen, Römern und Vandalen keine „Individuen“ außerhalb des Herrschaftshauses, das die Geschichtsschreibung besorgte.

            „Solange Frauen Männer als Versorger brauchen, gibt es eine „Versorgerkonkurrenz“, die dazu führt dass Männer hohe Einkommen anstreben und sich dafür zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft machen.“

            Das IST die BB-Geschichtsschreibung.
            Aus einer MGTOW-Perspektive geht es blauer nicht.
            Wer diktiert hier den „Nutzen“ für WEN?
            Frauen stellen mindestens 50% der Gesellschaft, aber in deiner Vorstellung gibt es eine „geschlechterübergreifende Gesellschaft“?!
            Ehrlich?
            WER diktiert, was DU tust, um dich zu einem „nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu machen“?!
            Wer definiert NUTZEN?
            WEM nützt die „Versorgerkonkurrenz“?
            Wem NÜTZT es, „wenn Männer hohe Einkommen anstreben“?
            Wer SELEKTIERT noch einmal WEN?

            Ich wiederhole: Jede Sozialordnung ist eine durchgesetzte Sozialordnung.
            Alle Merkmale der derzeitigen Sozialordnung sprechen dagegen, dass es ein Patriarchat im feministischen Sinne jemals gegeben hat.

            „Wenn die Versorgerqualitäten nicht gebraucht werden und es nur noch nach den Liebhaberqualitäten geht, dann ist eben „ich hab einen umgebracht und komme gerade aus dem Knast“ viiiieeel interessanter als „ich bin Ingenieur und verdiene 3500 netto“. Und diese Anreizstrukturen haben dann Konsequenzen für das, was Männer anstreben.“

            Ich habe oben sehr viel dazu geschrieben, was genderistische Ideologie ist im Verhältnis zur empirischen
            Realität. Die „Liebhaberqualitäten“ eines Knastis zu betrachten ist ein vulgär-maskulistisches Gegenstück. In der Realität toppen die „Anreizstrukturen“ von „3500 netto“ jedes Knasttatoo.

            „Ich denke übrigens auch, dass Frauen für Männer Funktionen erfüllen. Seit Haushälterin aus der Mode gekommen ist, bleiben da im wesentlichen „Sexobjekt“ und ggf. noch „Mutter der Kinder“.“

            Ja, so verzwergen wir uns eben GEGENSEITIG als Individuen.
            So bald wir uns nur noch als FUNKTIONEN sehen, verschwindet dahinter das Individuum.
            Das weibliche oder männliche INDIVIDUUM, das liebenswerte und liebesbedürftige, das widersprüchliche und unfertige ist TOT, es lebe die GESCHLECHTERROLLE.

            Macht Spaß, die NEUE ZEIT, oder?!

            „Der Punkt ist, dass sowohl diese weiblichen Funktionen als auch die zuvor genannten männlichen keine fremdbestimmten Ziele darstellen. Einen Frauenzirkel, der Männern vorschreibt gute Versorger zu sein gibt es so wenig wie ein Patriarchat, was Frauen vorschreibt sexy zu sein. Stattdessen ist die Funktionserfüllung ein natürlich bereitgestelltes Potential, was biologischen Zwecken der Fortpflanzung dient und das man brachliegen lassen kann oder nicht. Das als fremdbestimmt abzulehnen ist als würde man sich aus den selben Gründen weigern seinen rechten Arm zu benutzen.“

            Wir sind Tiere, die gelernt haben, sich selbst und andere zu reflektieren.
            Wir können gar nicht anders, als zu hinterfragen, ob eine uns zugeschriebene „Funktion“ wirklich mit unserem *innersten Selbst* etwas zu tun hat.
            Ob wir wirklich das also *wollen*, was wir *wollen sollen*.
            Ob die Funktionserfüllung wirklich „natürlich“ ist, ob sich es dabei um die Realisierung eines tatsächlichen „Potentials“ handelt, welches einem „Zweck dient“.
            Und vor allem: Welchen Zweck und in WESSEM Interesse?

            Das was du vehement verneinst, es „als fremdbestimmt abzulehnen“ ist der Ausgangspunkt meines Denkens in diesem Post. Das VERHÄLTNIS zwischen den Geschlechtern war NIE so, wie es dir der Feminismus erzählt hat. Aber der Feminin-ismus hat dir eine Menge erzählt.
            Und du hast es geglaubt und tust es immer noch.

    • Es gibt Untersuchungen, dass Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Eltern groß gezogen werden weniger erfolgreich sind als welche, die von Mutter und Vater großgezogen werden.

        • Ich bin generell sehr skeptisch, was solche „wissenschaftlichen Untersuchungen“ als Resultat anführen und zwar unabhängig von der behaupteten Erkenntnis.
          In dieser Hinsicht muss ich auch Männerrechtlern einen Vorwurf machen, wenn angeführt wird, dass die Kinder von Alleinerziehenden, d.h. Kinder ohne präsenten Vater sehr oft psychische Auffälligkeiten zeigen, öfter als Kinder aus intakten Familien. Das ist naheliegend, da Kinder aus dysfunktionalen Familien, die letztendlich zerbrechen, öfters psychisch belastet sind. Dieser Befund sagt zunächst nichts über die Wichtigkeit des Vaters für das Kind aus. Kurzum: man sollte sich davor hüten, alles als bare Münze anzunehmen, weil es gut ins eigene Weltbild passt.

          • @Pjotr
            „Kurzum: man sollte sich davor hüten, alles als bare Münze anzunehmen, weil es gut ins eigene Weltbild passt.“
            WORD! Und das trifft eigentlich auf jede Form von „confirmation bias“ zu. Es ist sehr menschlich einerseits, diesen Fehler zu begehen. Man hat halt ungern unrecht. Andererseits sehe ich die Gefahr im Lager der Männerrechtler als noch nicht so ausgeprägt an, da einfach zu wenig Literatur existiert, die man – sich selbst bestätigend – zitieren kann.

          • „„Kurzum: man sollte sich davor hüten, alles als bare Münze anzunehmen, weil es gut ins eigene Weltbild passt.““
            Ähm, ja, grundsätzlich ein sehr guter Punkt.
            Allerdings ist das umgekehrt auch kein Grund, das eigene Weltbild für billig bis doof zu halten.

            Anders gesagt, die beste und knallhärteste Form von Empirie nennt sich Evolution!
            Und die hat auch die strengste ( und längste ) Evaluation hinter sich.

            Anders gesagt: Wohl die meisten unserer genetischen Marker sind in unzähligen Falsifikationsexperimenten für „letztendlich doch nützlich“ befunden worden.
            Da kommen die paar Theorien und Testreihen der letzten paar Jahrhunderte nicht mit.
            Und die Thesen von ein paar politischen Literaturklassikern, oder gar der durchgeknallten Feministen schon gar nicht.

            Übrigens, soweit mir bekannt, ein Ansatz, der auch in der Rechtsphilosophie den einen oder anderen Eingang gefunden hat ( Stichwort „Naturrechte“ z.B. ).
            Niemand würde auf dem Gebiet ernsthaft behaupten wollen, daß die Kernfamilie die einzige Keimzelle jeglicher Gesellschaft wäre. Dazu gibt es zu viele dem nicht exakt genug entsprechende Formen und Variationen von Rudeln, Horden, Schwärmen etc.pp.
            Aber als kleinste praktikable Einheit des mindestens mittelfristigen Weiterexistierens ( wenigstens der Humanoiden ) hat sie sich bei sehr vielen Spezies hervorragend bewährt.

            Und, da das gegengeschlechtliche Triangulationsmodell ( an deutlichsten bei der Ursprungsfamilie ), laut allgemeinem Konsens der entsprechenden Forschung, den günstigsten Aufbau von Bindung und daraus erwachsender sozialer Grundbildung gewährleistet, sind z.B. die Zahlen zu psychosozialen Defiziten bspw. vaterlos aufgewachsener Kinder, unter dem Kontext dieser Prämisse zu betrachten.

        • Es ist aber keine These, sondern schlicht eine statistische Beobachtung. Natürlich hat die Untersuchung einige Probleme. Zum einen sind die Kinder gleichgeschlechtlicher Paare oft adoptiert, manchmal auch in fortgeschrittenen Alter. Dies verfälscht das Ergebnis, da eben diese Kinder bereits Altlasten mitbringen können. Auf der anderen Seite, ist es für mich ziemlich offensichtlich, dass das Kind auf Vater und Mutter und nicht Vater und Vater bzw. Mutter und Mutter ausgelegt ist. Die Frage ist, wie schwer diese Nachteile am Ende des Tages wiegen und das muss noch vertieft untersucht werden. Da es aber politisch unkorrekt und homophob ist, werden wir wohl auf solche Studien noch warten müssen.

  2. Natürlich sehen die Rassisten von der Böll-Stiftung nicht, dass „Familismus“ in der islamischen Welt einen viel, viel höheren Stellenwert hat als in der westlichen. In der Tat ist duch die westliche Moderne die Fixierung auf die Familie, auch manchmal „Klan“ genannt, ganz besonders niedrig (weil eben der Staat das übernommen hat),

    Woher dieser moderne, „linke“ Rassismus kommt, liegt auf der Hand: es ist der „gute, alte“ Antisemitismus, der diese moderne Bigotterie bestimmt, die immer schon die ganz besondere Ausdrucksweise allen Rassismus war, damals wie heute.

    • „Natürlich sehen die Rassisten von der Böll-Stiftung nicht, dass „Familismus“ in der islamischen Welt einen viel, viel höheren Stellenwert hat als in der westlichen.“

      Kritik an der vormodern-orthodox-konservativ-islamischen Familie und deren Stellenwert in der islamischen Welt sowie an vormodernen konservativ-islamischen Geschlechterrollen-Vorstellungen, Sexualfeindlichkeit und Homophobie im orthodox-konservativen Islam wäre für den mit dem kulturrelativistischen Multikulturalismus ideologisch verbandelten postmodernen Gender-Feminismus tendenziell „islamophob“ und „rassistisch“.

      Bei diesem Thema schlägt die – ohnehin falsche und dysfunktionale – Konzeptualisierung von Diskriminierungen gemäß dem Paradigma von Norm und Abweichung/Ableitung in der politisch korrekten postmodernistischen (Anti-)Diskriminierungstheorie

      https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/10/31/gastartikel-was-ist-political-correctness/

      anders aus: „westlich“ wird der Status der Norm zugeschrieben und „islamisch“ der Status der Abweichung von der Norm.
      In dieser einseitigen Sichtweise können Muslime also Opfer von Diskriminierung sein, aber der orthodox-konservative Islam kann selbst kein diskriminierender Faktor sein – eine Bankrotterklärung für jede ersthafte emanzipatorische Theorie.

      https://allesevolution.wordpress.com/2017/05/31/ideengeschichtliche-urspruenge-des-konzepts-binaerer-oppositionen-und-dualistischer-hierarchien-in-der-postmodernen-political-correctness-gastartikel/

      Bekanntlich sind Gender-Feministinen bzw. politisch korrekte postmoderne Linke diesbezüglich ähnlich verblendet wie die neurechten Ethnopluralisten und glauben, man dürfe andere Kulturen nicht kritisieren, weil dies „kulturimperialistisch“ sei.

      „In der Tat ist duch die westliche Moderne die Fixierung auf die Familie, auch manchmal „Klan“ genannt, ganz besonders niedrig“

      Richtig.

      • Ist aber doch höchst schizophren. Ich lach mich immer kaputt, wenn die Grünen „Familienzusammenführung“ fordern oder behaupten, ohne Familie könne die Integration nicht gelingen.

        Familie ist also nur gut für Persons of Color.

      • Kritik an der vormodern-orthodox-konservativ-islamischen Familie und deren Stellenwert in der islamischen Welt sowie an vormodernen konservativ-islamischen Geschlechterrollen-Vorstellungen, Sexualfeindlichkeit und Homophobie im orthodox-konservativen Islam wäre für den mit dem kulturrelativistischen Multikulturalismus ideologisch verbandelten postmodernen Gender-Feminismus tendenziell „islamophob“ und „rassistisch“.

        Leszek, Du gehst den Genderisten auf den Leim. Die Klan- und Familienstrukturen in gering industrialisierten „vormodernen“ Gesellschaften erfüllen Funktionen, die in vormodernen Gesellschaften von sonst niemandem übernommen werden, insbesondere die materielle Absicherung. Die Familie oder der Klan ist nicht die Ursache für vormoderne Weltanschauungen, sondern die vormoderne Gesellschaftsform führt zu Grossfamilien und Klanstrukturen.
        Es ist doch so offensichtlich: Je mehr eine Gesellschaft ökonomisiert wurde, desto kleiner wird der Verwandtschaftsverband, also vom Klan zur Grossfamilie zur klassischen Kleinfamilie und letztendlich zur Alleinerziehenden. Aus kapitalistischer Sicht am effektivsten wären grosse staatliche Kinderdeponien, damit sich auch wirklich alle in der Arbeitsfront einreihen können.

        • “ Aus kapitalistischer Sicht am effektivsten wären grosse staatliche Kinderdeponien, damit sich auch wirklich alle in der Arbeitsfront einreihen können.“

          Und in der Tat geht der Trend in die Richtung, was schon 2010 an der Forderung von Führer Özdemir nach Zwangskita deutlich abzulesen war. Die seit Millennium immer wieder durch’s Dorf getriebene Sau „Kinderrechte in’s Grundgesetz“ ( Tatsache wird inhaltlich das glatte Gegenteil damit transportiert ) geht in die gleiche Richtung.

        • @ Pjotr

          „Leszek, Du gehst den Genderisten auf den Leim.“

          Nein, keine Sorge, ich vertrete keineswegs die Auffassung, vormoderne Familienformen wären primär oder ausschließlich ein Resultat der „bedeutungsgenerierenden Kraft kultureller Diskurse“.
          Ich wollte in diesem Beitrag nur auf die Widersprüchlichkeit der gender-feministischen Theorie hinweisen.

          „Die Klan- und Familienstrukturen in gering industrialisierten „vormodernen“ Gesellschaften erfüllen Funktionen, die in vormodernen Gesellschaften von sonst niemandem übernommen werden, insbesondere die materielle Absicherung. Die Familie oder der Klan ist nicht die Ursache für vormoderne Weltanschauungen, sondern die vormoderne Gesellschaftsform führt zu Grossfamilien und Klanstrukturen.“

          Vormoderne Familienformen entstehen m.E. wesentlich aus einer Mischung aus den ökonomischen Beschränkungen einerseits und den entwicklungspsychologischen Beschränkungen andererseits, die vormodernen Gesellschaften zwangsläufig inhärent sind.

          D.h. also die ökonomischen Beschränkungen und die Notwendigkeit materieller Absicherung, die damit einhergeht, legen bestimmte Arrangements der Kooperation zwischen den Geschlechtern unter den jeweiligen Bedingungen eher nahe als andere.

          Des Weiteren sind vormoderne Gesellschaften hinsichtlich ihres kulturellen Bedeutungs- und Wertesystem primär durch religiöse Mythen strukturiert, über die unter den gegebenen Sozialisations- und Bildungsbedingungen nicht oder nur in geringem Maße hinausausgedacht werden kann und durch die die jeweiligen Arrangements, die sich herausgebildet haben legitimiert werden. Dies führt zur dauerhaften Verfestigung bestimmter Arrangements, die sich herausgebildet haben und zwar unabhängig davon, welche Vorteile und Nachteile diese jeweils haben.

          Erst im weiteren Verlaufe der kulturellen Evolution können diese ökonomischen und entwicklungspsychologischen Beschränkungen, die für alle vormodernen Gesellschaften in der einen oder anderen Weise charakteristisch sind, überwunden werden.

          Niemand hat hier also eine böse Absicht, patriarchalische Verschwörungen gibt es natürlich auch nicht, vormoderne repressive Familienkonstellationen sind das Resultat des Fehlens kultureller Evolution und nur durch kulturelle Evolution – insbesondere Alphabetisierung und Bildung – können sie überwunden und in humanistischere und freiheitlichere Beziehungs- und Organisationsformen transformiert werden.

          • So ganz befriedigt mich deine Antwort nicht.

            Die Auflösung grösserer Familien- oder Verwandtschaftsverbände an sich ist kein Fortschritt, sondern das Resultat der Ökonomisierung (fast) sämtlicher Lebensbereiche.

            Solange die kapitalistische Wirtschaftsweise fähig ist, die materielle Grundsicherung zu garantieren, ist das Fehlen grösserer sozialer Solidarverbände noch kein drängendes Problem. Allerdings wird diese Atomisierung der Gesellschaft zum totalen Zusammenbruch jeder Ordnung führen, wenn grosse Teile der Gesellschaft durch die noch bestehenden sozialen Netze fallen. Dann ist da nichts mehr, was den freien Fall aufhält und nur die Leibgarde der Bourgoeisie, Militär und Polizei, wird das totale Chaos (vielleicht) verhindern.

            In der Tendenz wird seit einigen Jahren versucht, die Pflicht zur materiellen Grundversorgung der Sozialhilfeabhängigen wieder an Verwandte zu delegieren und damit einen Solidarverband wieder zu beleben, der aber töter als tot ist. Kurzum: das System kollabiert und geht so allmählich an seinen Widersprüchen zu Grunde.

            Als Alternative zum westlichen Individualismus wird sich das chinesische kapitalistische System positionieren, das unternehmerische Freiheiten gewährt, aber gesellschaftspolitisch repressiv und autoritär ist, wo sämtliche strategischen Entscheide durch die KP Chinas (sie nennen sich nun mal so) gefällt werden. Es ist zu befürchten, dass sich das chinesische System als das wirtschaftlich erfolgreichere erweist. Ganz besonders bedenklich ist, dass die KP Chinas, was auch immer man von denen hält, die bessere Auslese für die Spitzenämter der Politik generiert. Eine chinesische Claudia Roth kann ich mir nicht vorstellen. Die würde da Fenster! 🙂

          • Pjotr,

            „Die Auflösung grösserer Familien- oder Verwandtschaftsverbände an sich ist kein Fortschritt, sondern das Resultat der Ökonomisierung (fast) sämtlicher Lebensbereiche.“

            Es wurde und wird aber von den Akteuren als Fortschritt empfunden, da es den individuellen Freiheitsgrad erhöht.

            Da ja tatsächlich Frauen in grösseren Familienverbänden eine größere Einschränkung ihrer Handlungsfreiheit fühlen und daher einen höheren Leidensdruck haben, waren und sind Frauen logischerweise die Treiber dieser Auflösung. Die ganze „Frauenemanzipation“ basiert darauf.

            Die ökonomische Transformation der 60er und 70er Jahre konnte auch nur mit Hilfe dieser Treiber gelingen.

            Das Phänomen ist reproduzierbar (siehe mein Lieblingsbeispiel: Die Transformation in urbanen Ballungszentren in Indien in den 00er Jahren bis heute)

          • @ Pjotr:
            „Die Auflösung grösserer Familien- oder Verwandtschaftsverbände an sich ist kein Fortschritt, sondern das Resultat der Ökonomisierung (fast) sämtlicher Lebensbereiche. “
            Ungefähr einhergehend, mit dem Niedergang der dörflich-agrarischen Gesellschaftsformen, denke ich.

            „In der Tendenz wird seit einigen Jahren versucht, die Pflicht zur materiellen Grundversorgung der Sozialhilfeabhängigen wieder an Verwandte zu delegieren und damit einen Solidarverband wieder zu beleben, der aber töter als tot ist. Kurzum: das System kollabiert und geht so allmählich an seinen Widersprüchen zu Grunde.“

            Jepp! Da sehe ich das größte Problem der kommenden Generationen. Mit ein Bißchen Propaganda lässt sich das nicht mal eben rekonstruieren. Auf restrikrive Gesetze halte ich da für relativ chancenlos.
            Vielleicht könnte eine neue Form der Aufklärung helfen, allerdings habe ich keinen Schimmer, wie die zu initiieren und durchzuführen wäre.

            @ Peter:
            „Da ja tatsächlich Frauen in grösseren Familienverbänden eine größere Einschränkung ihrer Handlungsfreiheit fühlen und daher einen höheren Leidensdruck haben, waren und sind Frauen logischerweise die Treiber dieser Auflösung. Die ganze „Frauenemanzipation“ basiert darauf.“
            Jain!
            Die Mädels stecken da wohl in einem noch etwas größeren Dillemma als wir Männers. Sie aber als mehr oder weniger ursächlich einzuordnen ist m.E. kontraproduktiv. Ich denke, da kommt Piotr ( siehe obiges Zitat ) der wesentlichen Problematik schon bedeutend näher

  3. Ganz platt verkürzt läuft das auf Ideologie vs. biologisch determinierte Instinkte hinaus.

    Mal sehen was sich langfristig durchsetzt bzw.,inwieweit die Biologie mit sich diskutieren läßt.

  4. Die Tatsache, dass es IMMER (abgesehen von den Möglichkeiten modernster medizinischer Technologie) einen Mann und eine Frau braucht, um Kinder zu zeugen und groß zuziehen, wird hier völlig ausgeblendet. Die Kleinfamilie ist offenbar eine Erfindung des Patriarchats, um Menschen zu diskriminieren.

    Und das sie angeblich „nur für einen Bruchteil der Bevölkerung praktische Relevanz“ hat ändert auch nichts daran, dass auch die Autoren dieser Texte von einem Mann gezeugt und einer Frau ausgetragen wurde, Ich bezweifle auch, dass ihre Eltern sie gleich nach der Geburt an ein queerfeministisches Kollektiv zur Erziehung übergeben haben.

    Ein neuer absurder Höhepunkt des Kampfes gegen die Realität.

    • Klar erkannt @El Mocho.
      Allein das Bestreiten, daß es je eine Kernfamilie gegeben habe, welche dann vom pösen Patriarchat erfunden wurde, um die armen heiligen Frauen zu unterdrücken, sagt eigentlich schon alles.
      Daß bei dieser „revolutionären Erkenntnis“ mal eben praktisch die geamte Kindschafts- u. Entwicklungsforschung und die wesentlichen Kerninhalte des internationalen Rechts vollständig ausgeblendet und andeutungsweise negiert werden, überrascht dann auch kaum noch.

      Sollte ich heute nachmittag noch etwas Zeit über haben, führe ich das mal etwas näher aus.

  5. Gendertröten mal wieder. Tatsache ist, dass so viele Familien zerbrechen wie nie zuvor.
    Die Ehe und der Familienverbund erfüllten wesentliche Funktionen: Die materielle Absicherung der Kinder und deren Erziehung sowie die materielle Absicherung der Mutter, die mit der Erziehung und Betreuung der Kinder und der Führung Haushalts ausgelastet war, ein Haushalt, der in früheren Zeiten sehr viel arbeitsintensiver war, da keine Haushaltgeräte wie heute zur Verfügung standen und die Familien kinderreicher waren. Die Arbeitsteilung war keiner Ideologie geschuldet, sondern die effektivste und praktikabelste Organisation. Weltanschauliche Faktoren spielten eine untergeordnete oder überhaupt keine Rolle.
    Die Gendertröten als ideologisch bornierte Idioten sind nicht fähig zu erkennen, dass gewisse Dinge nicht primär einer Ideologie geschuldet sind, sondern auf Sachzwängen beruhen, die erst nachträglich ideologisch eingekleidet werden („Familie als Keimzelle der Gesellschaft“ oder „Familie als patriarchale Unterdrückungsform“).
    Zuerst ist da die materielle Basis, dann schleicht sich die Ideologie ein.

  6. Ich lese gerade ein Buch über römische Gesellschaftsstrukturen abseits der Eliten („Römer im Schatten der Geschichte“ von Robert Knapp). Die Kernfamilie nimmt dabei in einer der ersten Hochkulturen der Geschichte die zentrale Rolle ein. Klar: Wer sich auf staatliche Strukturen nicht verlassen kann (weil sie zu der Zeit vor allem die Eliten beschützten), muss sich auf die naheliegendsten Elemente der Gesellschaft verlassen, und das ist sind die nächsten Verwandten.
    Es gibt auch biologische Argumente, warum die Familie ein zentrales Strukturelement ist. In vielen Spezies kann man zeigen, daß man für den eigenen Nachwuchs sehr viel mehr zu opfern bereit ist als für den Nachwuchs anderer (mein Evolutionsprof hat das mit einem Boot mit Kindern veranschaulicht, das auf einen Wasserfall zusteuert. Im Schnitt würden wir nur bis zu einem bestimmten Verwandschaftsgrad unser eigenes Leben opfern, um die Kinder zu retten. Ich meinte, es wären bereits Kinder von Cousinen, die wir nicht mehr ohne weiteres retten würden).

    Aber imho gibt es neben dem offensichtlichen Aufbrechen von „Geschlechterrollen“ auch einen anderen, warum die regressive Linke so fixiert ist, Familien zu zerstören.
    Wenn die Familien die Kinder nicht mehr kontrollieren, wer kontrolliert sie dann?

    Da sind wir ganz schnell bei der Hitlerjugend. Ganz wagemutige Menschen denken dabei auch über den Umstand nach, daß wir mittlerweile bei achtstündiger Kinderbetreuung und Beschulung angelangt sind.

  7. Dekonstruktion der Familie ist bei der angesprochenen Meute (Grüne, Feministinnen, Genderisten etc. etc.) das definierte Ziel. Nun ist es allerdings so, dass jegliche Versuche, den Begriff Familie wegzusprengen, gescheitert sind. Und was wurden da nicht für Sprengmeister aufgeboten! Er ist immer noch da, lässt sich nicht eliminieren, war extrem widerstandsfähig (etwas ähnliches beobachtet man momentan übrigens bei dem Begriff Heimat). Deshalb der Versuch der Dekonstrumktion über den Weg der Sprache, indem man den Begriff zunächst seiner Inhalte entleerte um ihn dann heimlich still und leise mit neuen Inhalten zu füllen. Und schwupps die wupps ermöglicht das zum Beispiel den Grünen in einem Wahlprogramm den Begriff Familie (im neuen Kleide) aus dem Hut zu zaubern und dem dummen Wahlvolk zu suggerieren: schaut her, was für eine tolle Familienpartei wir sind und freut euch, was wir alles für die Familien machen. Kaum einer merkt, dass das Gegenteil der Fall ist, weil die Grünen einen komplett anderen Familienbegriff verwenden. Sie benutzen kein neues Wort, sondern das vorhandene mit einer völlig anderen Bedeutung. Würden sie einen anderen Begriff verwenden, für das, was sie vor- haben, würden viele ihnen die Stimme verweigern, genau so wie viele dies tun würden, wenn sie wüssten, was die Grünen damit wirklich als Ziel verfolgen, wenn sie von sich behaupten ‚feministische Partei‘ zu sein. Ganz besonders deutlich wird dies in der Frage des Familiennachzuges, weil hier die Verlogenheit des Begriffstäuschung glasklas wird. Wenn also C. Roth in diesem Zusammenhang davon spricht, dass ein Christliches Familienbild es doch aus Sicht der Grünen unabdingbar machte, den Familiennachzug offensiv und uneingeschränkt durchzuziehen, dann benutzt sie den traditionellen Familienbegriff als politische Waffe (wir Grünen möchten die Guten sein und dafür schlagen wir euch jede moralische Keule um die Ohren, wenn nötig auch die christliche!) und fügt ihm das Attribut christlich hinzu, damit klar wird, dass sie in diesem Zusammenhang keinesfalls den mit neuem Inhalt gefüllen dekonstruiert/neukonstruierten grünen Familienbegriff meint. Man kann gespannt sein, was an anderen Begriffen in jamaikanischen Vereinbarungen auftaucht, wo vordergründig Einigkeit verzurrt sein wird, in Wahrheit aber größte Zwietracht, weil die Vereinbarenden das gleiche Wort zwar, aber völlig andere Begriffe benützen.

  8. Dekonstruktion der Familie ist bei der angesprochenen Meute (Grüne, Feministinnen, Genderisten etc. etc.) das definierte Ziel. Nun ist es allerdings so, dass jegliche Versuche, den Begriff Familie wegzusprengen, gescheitert sind.

    Naja, es gibt so viele Scheidungen wie nie zuvor, was einen grossen Teil der Kernfamilien „weg sprengt“.
    Die Versorgungsfunktion, die in der klassischen Kernfamilie primär dem Vater oblag, wird vom Staat garantiert, sei es, dass die Alimente direkt eingezogen oder bei Zahlungsunfähigkeit bevorschusst wird.
    Die Sache hat aber einen gewaltigen Haken: Väter verlieren die Motivation, sich den Arsch aufzureissen für eine „Familie“, zu der sie de facto nicht mehr gehören. Der Staat mit seinen Gendertröten setzt auf Repression und noch mehr Repression gegen zahlungsunfähige oder unwillige Väter.

  9. Die Familie IST die Keimzelle einer Nation, in ihr wachsen die nächsten Generationen auf und bekommen Kultur und Werte vermittelt. Das Restvolk, welches sich sonst noch poppt und zusammenfindet (oder auch nicht), verblasst dagegen zwangsläufig.

    Familien brauchen auch besonderen Schutz, einfach weil Kinder abhängig und erpressbar machen. Eine Familie zu gründen bringt Arbeit, Kosten und Verantwortung mit sich.

    Das gilt natürlich nur, wenn man der Nation, der eigenen Kultur, Sprache und Abstammung einen Wert größer Null beimisst. Liebt man den Fremden mehr als den Nächsten, hasst seine Familie, Abstammung, seine Nation, dann wird man auch mit Familie nichts anfangen können.

    Deshalb wird sie von Leuten wie Kemper (schreibt der neuerdings bei der Böll-Stiftung? klingt so) ja bekämpft. Nationen sind ja des Teufels, schuld an allen Übeln der Welt, insbesondere Kriegen usw. so lautet ja die Gehirnwäsche unserer Zeit. Alle Menschen sind gleich, Grenzen trennen nur und sind überflüssig… und wenn hier keine Kinder mehr geboren werden, in Afrika gibt es genug…

    Nun denn, gegen ein solches Weltbild anzuargumentieren ist mühselig und wenig fruchtbar, es wird in näherer Zukunft ohnehin von der Entwicklung korrigiert werden.

    Aber zum Begriff: in jüngerer Zeit ist mir „Familismus“ eigentlich nur in Kemper-Artikeln begegnet, da der aber radikallinke Ansichten ventiliert, mag der Begriff in dieser Szene öfter benutzt werden. Im Prinzip ist es nur ein spezialisiertes Synonym für „bürgerlich“, Linksradikale hassen ja alle „Bürgerlichen“. Offiziell deshalb, weil „Bürgerliche“ nicht bereit sind, die große gute Revolution bereitwillig mitzutragen, weil sie kleinlich Angst darum haben, ihre Kinder nicht ernähren zu können oder bei dem ganzen Blödsinn unter die Räder zu kommen. Inoffiziell sind vermutlich charakterliche Defizite und schlechte Kindheitserfahrungen daran schuld, dass einige Menschen Familien und bürgerliche Strukturen hassen.

    Im Zusammenhang mit Großfamilien ist mir das Wort noch nie begegnet, da wird, als Abgrenzung zur typischen deutschen Kleinfamilie, eher von „Clans“ gesprochen.

  10. Mich würde mal interessieren, wieviele Männer tatsächlich Kinder wollen.
    In Umfragen wird zwar immer so getan als könnten junge Leute es nicht erwarten Familien zu gründen, aber in meinem Umfeld (mehr Heteros als Homos) reden eigentlich nur Frauen von Familie und Kindern. Den Männern ist das egal und sie machen auch keine Anstalten, eine Beziehung darauf auszurichten.
    Kinder sind halt ein Hobby. Man(n) braucht sie nicht.

  11. Im Anschluss an die Diskussion weiter oben will ich noch einen verwandten Aspekt aufgreifen:

    Wenn Frauen auf versorgende Männer grundsätzlich angewiesen sind, insbesondere um Kinder zu bekommen, dann hängt die Frage, ob es zwischen einem individuellen Mann und einer individuellen Frau zu einer entsprechenden Beziehung, etwa Familie, kommt, von der Entscheidung des Mannes ab. Der muss dazu ja sagen, die Frau sucht sowieso danach. Und als Konsequenz hat dann der Mann in so einer Beziehung die Macht und kann dementsprechend die Sache so gestalten, dass er für seine zweifellos zu tragenden Lasten auch etwas bekommt.

    Wenn dagegen (wie aktuell in Deutschland) keine Frau eine Mann für die Versorgung von sich und den Kindern braucht oder sie nur den Barunterhalt des Mannes braucht, dann hängt die Entscheidung, ob es zwischen individuellen Partnern zu einer solchen Beziehung kommt wesentlich von der Frau ab. Und dann kann diese Frau die Bedingungen diktieren, nach denen es laufen soll. Angesicht der überragenden weiblichen Empathie für Männer (das ist natürlich ironisch gemeint) wird das für heutige Ehemänner dann schnell ziemlich freudlos.

    Aus männerrechtlicher Perspektive ist das wichtig, weil man „Familie“ und was es für den Mann bedeutet nicht unter allen Umständen danach messen muss, wie es heute meistens praktisch aussieht. Wenn es wieder materielle Abhängigkeit von Frauen oder jedenfalls keine gesetzlichen Ansprüche auf Barunterhalt geben würde, könnte das auch ganz anders aussehen.

    • „Wenn Frauen auf versorgende Männer grundsätzlich angewiesen sind, insbesondere um Kinder zu bekommen, dann hängt die Frage, ob es zwischen einem individuellen Mann und einer individuellen Frau zu einer entsprechenden Beziehung, etwa Familie, kommt, von der Entscheidung des Mannes ab. “

      Das ist etwas einseitig betrachtet – der Mann will ja auch etwas, eine schöne Frau, mit gutem Charakter etc.
      Es ist wie an jedem Markt:
      Beide wollen etwas, die „Ware“ lässt sich nach verschiedenen Kriterien bewerten und bestimmte Produkte sind allgemein beliebter („hochwertiger“) als andere und können damit auch bessere Gegenangebote erzielen. Ein kleiner, dicker Mann mit Halbglatze ist auch wenn er ein guter Versorger ist nur bedingt attraktiv. Der coole einfache Angestellte kann eine Freundin mit einem sehr hohen „Marktwert“ haben, schlicht weil sie ihre Angebote auf einem lokalen Markt abgibt und gar kein Interesse daran hat, in zB einen „Hollywoodmarkt“ einzudringen und sich dort anzubieten.

      „Versorgung“ ist auch relativ. Für die allermeisten Frauen würde es sich rein finanziell sicherlich lohnen in einer Ehe zu bleiben. Zu Zweit hat man einen besseren Lebensstandard und man muss auch nicht das Haus verkaufen, wie häufig bei der Scheidung etc. Sie erlebt mit zB zwei kindern auch einen erheblichen „Wertverlust“ auf dem neuen Heiratsmarkt, sie wird eher einen Kompormiss machen müssen als damals bei ihrem Mann, mit dem sie dann Kinder bekommen hat.

      • Das sind natürlich nur relative Tendenzen und keine absoluten Angaben. Das sollte ja klar sein? Insofern sind das nicht die interessanten Fragen oder Einwände.

        Dass Familie noch ganz gut funktioniert, wo es ein gemeinsames Eigenheim gibt, hatte ich weiter oben schon beschrieben. Aber das betrifft bestenfalls die besser verdienende Hälfte der Bevölkerung, eher weniger.

  12. Pingback: Kinderwunsch bei Männern | Alles Evolution

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