Harvey Weinstein, weibliche Solidarität, offene Geheimnisse und sexuelle Belästigung

Harvey Weinstein und die vielen Frauen, die anführen, dass er sie sexuell belästigt hat, führen zu diversen Artikeln, die anführen, dass zum einen die Lage der Frauen als hochproblematisch dargestellt wird und zudem ein gemeinsames Interesse der Frauen dargestellt wird, solche Männer zur Strecke zu bringen.

Tatsächlich war das Verhalten von Harvey Weinstein ein „offenes Geheimnis“:

Es wird dort dargestellt, dass das Thema so weit verbreitet war, dass man es als Witz verwenden konnte, vor Weinstein auf der Hut zu sein, ohne dazu näher etwas zu sagen und jeder in Hollywood wusste, was los war.

Warum kam es nicht zu einer „Frauensolidarität“ wie sie jetzt gefordert wird?

1. Freiwilligendilemma

Ein Faktor könnte das Freiwilligendilemma sein:

Das Freiwilligendilemma (engl. Volunteer’s dilemma) ist ein Problem aus der Spieltheorie, bei dem kollektiver Gewinn bereits durch einen teilweisen Gewinnverzicht eines einzelnen Akteurs erzielt werden könnte. Es stellt eine spieltheoretische Formalisierung der aus der Sozialpsychologie bekannten Verantwortungsdiffusion dar.

Das 1985 von Andreas Diekmann erstmals untersuchte Freiwilligendilemma[1] wird oft mit dem Fall der unterlassenen Hilfeleistung beim Mord an Kitty Genovese veranschaulicht. Bei diesem Mord in New York beobachteten 38 Zeugen die sich über längere Zeit hinziehende Gewalttat von ihrer Wohnung aus und keiner der Zeugen, von denen jeder einzelne die Anwesenheit der anderen Zeugen bemerkte, leistete Hilfe oder verständigte die Polizei.[2]

Es tritt eine Verantwortungsdiffusion ein,  wenn jeder meint, dass ja andere die Verantwortung übernehmen könnten, weil es ja alle wissen. Das natürlich um so mehr, wenn die Kosten auf der anderen Seite gleichzeitig hoch sind für den, der die Verantwortung übernehmen möchte. Denn dieser muss dann damit rechnen, dass sich Weinstein und hochbezahlte Hollywoodrechtsanwälte auf ihn stürzen.

2. Die gangbare Lösung wird als ausreichend eingeschätzt, so dass es zu einem Fehler des anderen wird

Ein (wahrscheinlich schlechtes) Bild:

Ein Wohnkomplex ist über  einen schlechten Weg erreichbar, der eine hohe Stolpergefahr birgt. Alle wissen, es, keiner hat das Geld für die Reparatur, also haben alle gelernt vorsichtig zu gehen und überall sind Warnschilder angebracht. Dennoch stolpert immer wieder eine neue Bewohnerin und verletzt sich.

Was sind die Reaktionen? Solange die Kosten für die Reparatur nach wie vor als zu hoch bewertet werden werden sie wohl eher sein:

  • Pff, warum passt sie nicht besser auf? Es haben ihr doch alle gesagt, dass der Weg defekt ist
  • Jetzt sollen wir zahlen, weil sie zu blöd ist, vorsichtig auf dem Weg zu sein?
  • Da hätte sie vielleicht mal ihre Stöckelschuhe ausziehen sollen…
  • Sie ist eben keine von uns schlauen, die wissen, wie man sich auf dem Weg bewegt, warum soll ich das ausbaden?
  • Der Weg ist eigentlich gar nicht so schlecht, man muss nur wissen, wie man sich auf ihm bewegt.
  • Ich bin auch mal hingefallen, die soll sich nicht so anstellen, ist doch nichts schlimmes passiert.

Das dürfte um so eher passen, wenn es um Sachen wie einen gezeigten Penis oder eine dumme Anmache geht. Man kann es schlicht ausblenden und als Unannehmlichkeiten ausblenden und muss das wahrscheinlich auch, wenn man eine sehr schöne Frau ist und sich unter mächtigen Männern in einer Branche, in der persönliche Beziehungen alles sind, bewegt.

Um das Bild noch etwas zu strapazieren:

Inzwischen ist ein besserer Weg angelegt, den man aber erst benutzen darf, wenn man ein paar Jahre dabei ist oder eine der besseren Wohnungen bezogen hat.

Dann werden Gedanken dazu kommen wie:

  • Jeder Anfang ist hart, da mussten wir alle durch
  • Sollen die doch ihren Weg selber machen, ich gebe da nichts zu
  • So schlecht ist der Weg auch nicht und bald sind sie eh auf dem anderen

Und um es noch weiter zu strapezieren:

Es gibt viele Wege die schlecht sind und die muss sie eh auch lang gehen, dieser Weg mag in einem schlechten Zustand sein, aber schlechte Wege sind überall anders auch, zumindest zu Wohnungen mit gleichem Preis.

Dann hätte man:

  • Klar, wir zahlen die Reparatur dieses Wegs und alle anderen Wege bleiben genauso schlecht, was soll das bringen?
  • Selbst wenn wir den Weg hier teuer reparieren, dann stolpert sie eben über einen anderen, sie muss eh lernen vorsichtig zu sein und ihre Naivität ablegen.
  • Sie jammert über diesen Weg, als ob es nicht überall schlechte Wege geben würde

3. Die Vorteile der Nichtsolidarität 

Weinstein scheint schlicht gut in dem gewesen zu sein, was er machte:

On Sunday, one man’s name will be invoked in Oscar acceptance speeches even more frequently than mom, America and the Almighty. Or at least, one of his monikers will be. At last month’s Golden Globes, Meryl Streepreferred to him as „God“; Madonna as „the punisher“. For Thomas Langmann, the French producer of The Artist, he was simply „le boss“.

Harvey Weinstein’s producer credit on films such as The Iron Lady, My Week with Marilyn, and W.E. has earned him his 303rd Oscar nomination. Surely it’s only a matter of time before the academy fires up the foundry and remodels the award itself in his generous image.

Forget an honorary gong – and word is Weinstein wouldn’t mind an Irving G Thalberg memorial award, handed out periodically by the academy to outstanding producers – this would be the only truly fitting tribute. (…)

For decades, he had been a living legend, one of the few producers with face as well as name recognition. In 1979 he and his younger brother, Bob, had dropped out of college and set up a distribution company in a one-bedroom Manhattan apartment, which eventually morphed into Miramax (named after their parents, Miriam and Max).

(…)

In 1993 Miramax was taken over by Disney for $60m. Initially, they were happy bedfellows. Profits rose from £5m to £75m in four years. Weinstein’s short fuse (now ascribed to glucose overdose on account of a fondness for M&Ms) was indulged and found to be colourful, marketable even. He told the New York Observer he was „the fucking sheriff of this fucking lawless piece-of-shit town“. To some extent, he was right.

Er war anscheinend laut, setzte sich ein, hatte ein gutes Gespür und kannte jeden. So etwas wird eben nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt für etwas, aus dem die bekannteren Frauen längst raus waren. Ein Oscar oder ein tolles Filmprojekt ist besser als irgendein Modell vor Belästigung durch einen bestimmten Mann zu schützen

4. Die Eingebundenheit bzw. die Wichtigkeit anderer Gruppen

Weinstein war politisch links, spendete für die Demokraten, war im Club der erfolgreichen Filmemacher, die etwas bewegen konnten, verstand sich gut mit Größen wie Clinton oder anderen Hollywoodstars.

Er hatte mit diversen Stars Projekte durchgezogen, Leute immer wieder unterstützt und ein passendes Netzwerk aufgebaut, er hatte sich mit dem Rest Hollywoods gegen Trump positioniert und Teil der Familie. Und zwar nicht über eine abstrakte Geschlechtergemeinschaft, sondern eine tatsächliche Gruppe, aus der man Vorteile bekommen konnte und bei der man wusste, dass genug andere Leute Vorteile bekommen hatten.

Er passte eher ins klassisch Linke:

Weinstein, 65, was the opposite, one of the rare men in Hollywood who didn’t care about pursuing an audience of 15-year-old boys with comic book movies. He was someone with taste who was trying to make movies with great roles for women of all ages, a top Democratic fund-raiser who was pushing to make Hillary Clinton the first woman president, a man trusted by the Obamas to have their daughter intern at his company.

Trump anzugreifen, weil er „Grap them by the pussy“ gesagt hatte, war einfach: Kaum einer aus Hollywood hatte viel mit ihm zu tun oder brauchte etwas von ihm. Harvey Weinstein anzugreifen hingegen… das hätte einen schnell in eine Lage gebracht, wo andere Leute sich entscheiden müssen, ob sie mit Harvey einen Oscar gewinnen oder weiterhin gute Freunde mit einem sind, zumindest dann, wenn der Vorwurf schief geht und man es nicht beweisen kann.

Ansgesprochen wird es zB hier in diesem Rant über die Verwicklungen mit Weinstein einer konservativen Kommentatorin:

oder hier:

5. Intrasexuelle Konkurrenz und das Frauenbild anderer weiblicher Stars

Es würde mich wirklich interessieren, welches Frauenbild weibliche Stars haben.  Sie leben in einer Welt der Superreichen, Mächtigen und Berühmten, in denen sie täglich erleben, dass ein Produzent ihres Films seine Frau verlässt und mit einem jungen Modell zusammenkommt. Indem ihre Co-Stars mit den weiblichen Extras schlafen und diese sich ihnen an den Hals werfen. In denen kreischende Mädchenscharen sich um die Stars sammeln und ihnen bekannt ist, dass Männer wie Leonardo di Caprio mit einer beliebigen Anzahl von Frauen schlafen können und viele Models gerne dadurch bekannt werden würden, dass sie seine Freundin für 2 Monate sind.

Weinstein selbst wäre ein gutes Beispiel:

Die Stars werden erst mit ihm und seiner ersten Frau essen gegangen sein, die eine Assistentin in seiner Firma war und nur um dann eben später mit ihm und seiner neuen Frau, einem Modell mit 23 Jahren unterschied, die begeistert davon erzählte, wie sie ihre Firma hochbringt, während der Star im Hinterkopf denkt „Ja, klar mit Harveys Millionen und seinem Einfluss und ich sitze auch nur hier, damit ich dann deine Sachen trage“

Sie werden Kenntnis von unzähligen Affairen haben, bei denen der reiche mächtige Mann seine junge Modellfrau auf Drehs mit einer Prdouktionsassistentin betrügt, die dann einen besseren Job bekommt. Sie werden genug Frauen kennen, die es geschickt inszeniert haben, dass es zu entsprechenden Vorfällen kommt. Sie werden auch genug Frauen kennen, die sich mehr erhofft haben, wenn ein Star sich auf sie einlässt und die sich dann benutzt fühlen. Sie werden auch wissen, dass die Presse über einen herfällt wegen jeder Kleinigkeit und auch über sie genug Müll in der Zeitung steht, Assistentinnen schlecht über sie reden, Leute sich ausgenutzt fühlten etc. Sie werden vielleicht auch Frauen vor Augen haben, die sich an ihren Mann rangemacht haben, ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen haben.

Sie werden auch häufig genug mit einer gewissen Verachtung auf viele der Frauen gucken, die sich benutzen lassen oder die zu naiv sind und zwischen die Räder geraten. Und sie werden sich schlicht häufig einer anderen Gruppe zuordnen, der, die es geschafft hat, ohne eine Schlampe zu sein, die vorsichtig war, die nicht so blöd ist, sich von Weinstein alleine eine Tour durch ein ansonsten verlassenes Haus geben zu lassen, gerade Weinstein, der dicke Kerl, der immer Bestätigung braucht, durch ein paar billige Frauen. Sie werden es entsprechen rationalisieren, dass sie es entweder darauf angelegt hat oder zu naiv ist um jemals in Hollywood Fuß zu fassen. Dass sie sich nicht für ein Neuling einsetzen muss, der nun gerade auf Weinstein, bei dem es ein offenes Geheimnis ist, reinfällt.

Es ist einfach sich über diese Fälle zu erheben und sie nicht sein Problem sein zu lassen.

 

 

32 Gedanken zu “Harvey Weinstein, weibliche Solidarität, offene Geheimnisse und sexuelle Belästigung

  1. Hm. Um beim Wegbeispiel zu bleiben. Der Weg war ja nicht nur schlecht, er war auch eine enorme Abkürzung, geheim, und ging auch durch eine schlechte Gegend. Auf dem Weg gesehen zu werden war peinlich.
    Es gab ja auch den gut geteerten Weg außenrum. Der ging den Berg hoch und runter, und ob man das Ziel erreichen kann, ist mehr als fraglich.
    Was ich damit sagen will, einige werden den Weg ganz bewusst gegangen sein, um schneller oder überhaupt zum Ziel zu kommen. Solange das bedeckt wurde, hatte da das ein oder andere Starlet sicherlich auch ganz bewusst gemacht. Mit der ersten Anklage musste man auch sich und seinen Ruf schützen, sich quasi öffentlich hochgeschlafen zu haben ist seinem Ruf nicht wirklich zuträglich, da ist passiv belästigt worden zu sein, ja gar vergewaltigt worden zu sein, deutlich besser (vor allem wenn es so viele waren).
    Ich behaupte nun nicht, dass es keine Vergewaltigungen und Belästigungen gab, aber so zu tun als würde niemand bewusst seine Sexualität einsetzen um Vorteile zu erlangen, ist naiv. Wenn aber einmal der Damm bricht, ist es durchaus opportun, so zu tun als wäre das völlig einseitig gewesen.

  2. Am Ende des Tages ist es eigentlich mehr ein Korruptionsskandal als ein Belästigungsskandal. Wie viele Schauspielerinnen nutzten die Abkürzung, die sich ihnen bot?

    • @Henrik

      Ab jetzt wird es spannend:

      „Clooney sagte, dass Weinstein sich ihm gegenüber häufig mit Affären gebrüstet habe. Doch er habe ihm nicht unbedingt geglaubt, weil das bedeutet hätte, von Frauen, mit denen er selbst befreundet sei, „das Schlimmste anzunehmen“. Er wünsche sich, dass nun alles über Weinsteins Taten aufgedeckt werde.“

      http://www.sueddeutsche.de/panorama/damon-ueber-weinstein-ich-wusste-dass-er-ein-arschloch-war-1.3721714

      Also #metoo ist selbstverständlich für brutalstmögliche Aufklärung!

      Christiaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaan, POPCORN!

      • „Er wünsche sich, dass nun alles über Weinsteins Taten aufgedeckt werde.“

        Sein Wunsch dürfte die Sorge mancher Actrice sein, die sie nachts um den Schlaf bringt 😀

        • Das ist schwer anzunehmen.
          Vor allem wenn Namen gefallen sind und wenn Clooney sagt „von Frauen, mit denen er selbst befreundet sei, „das Schlimmste anzunehmen“, dann dürften es nicht nur irgendwelchen Actricen gewesen sein.
          Ich glaube die Frauen sammeln schon mal für nen hitman!

          So in der Art:

          😉

        • Ich habe Dich was gefragt: Wie möchtest Du in einer Gesellschaft sexueller und sozialer Lebewesen die Benutzung von Sexualität zur Gewinnung von Status, bzw. die Benutzung von Status zur Gewinnt von Sex unterbinden?

          • „Ich habe Dich was gefragt: “

            Is‘ wahr? Ich habe geantwortet.

            Deine neue Frage ist nicht die alte Frage.

            Ich möchte nix unterbinden, sondern nenne dies Verhalte wie ich es sehe. Es ist Korruption, auf beiden Seiten.

            Unterbinden lässt sich die Sache eh nicht aber wenn schon denn schon. Zum Sex und zu Korruption gehören immer mindestens zwei …

          • Wird man wohl kaum unterbinden können, also besser akzeptieren und damit leben, als diese heuchlerische Empörung und Opferinszenierung.
            Letztendlich sind sie ja nur Opfer ihrer eigenen Begierden geworden (wenn überhaupt).
            Bei jedem Bewerbungsgespräch kann man gehen, wenn die Bedingungen nicht akzeptabel sind. Wenn mir der Job aber so viel wert ist, daß ich auf die Bedingungen eingehe ist es unredlich sich hinterher zu beschweren.
            Es ist mir immer wieder unverständlich wie sich starke im Leben stehende Frauen als hilflose unselbstständige Wesen darstellen können. Geht wahrscheinlich nur, weil sie damit durchkommen, weil es den Beschützerinstinkt anderer Männer anspricht und die etwas skurrile Gesetzeslage es leicht macht.
            Es mögen wohl auch junge unerfahrene Anwärterinnen darunter gewesen sein, aber ich denke mal spätestens mit 13/14/15 weiß jedes normale Mädchen wie Männer ticken und ist sich auch der stärke ihrer „Waffen“ bewusst.

        • „ich denke mal spätestens mit 13/14/15 weiß jedes normale Mädchen wie Männer ticken und ist sich auch der stärke ihrer „Waffen“ bewusst“

          Schuldumkehr in Reinst-Form, eine sexistische, gegen Männer gerichtete Aussage obendrein.

          Fühl Dich bitte dennoch eingeladen, Dein Verständnis der „Waffen“ minderjähriger Mädchen näher zu erläutern.

    • „Das ist Korruption und sollte auf beiden Seiten strafbar sein, also für ALLE Beteiligten.“

      Nein, das ist schlicht ein Geschäft auf Gegenseitigkeit.

      Wir kennen es schon als Kinderspiel „Gibst du mir von deinen Bonbons, dann darfst du auch bei uns mitspielen“.

      Wenn man es versucht, strafrechtlich zu unterbinden, wird es im Untergrund weiter betrieben, weil es ein Spiel ist, das sehr wahrscheinlich schon in archaischen Zeiten exakt so gespielt wurde.

      Was jetzt betrieben wird, ist Heuchelei, wie auch tom174 darstellt und ich es schon in einem der letzten Beiträge auf die Frage, wie man sich die Welt ohne Karrierecouch vorstellen soll, mit „Kann ich nicht“ beantwortet hatte.

  3. „Es ist einfach sich über diese Fälle zu erheben und sie nicht sein Problem sein zu lassen.“

    In der Tat und darüber sollte man froh sein, wo doch jede Bagatelle mittlerweile zu unserem Problem erklärt wird!

    Es ist in den USA, es ist in einer der unsympathischsten und schmutzigsten Branchen in die man, neben Politik, Banken und Presse, gehen kann, es ist zudem ein high society – Problem und eines von gutaussehenden Frauen (von denen es eh nur wenige gibt). Die Reichen und Schönen beschweren sich, dass sie sich bücken mussten, um so unverschämt reich zu werden (oder weil sie sich um ihren Hurenlohn gebracht sehen) . Demnächst kommen die Banker und beschweren sich, dass sie uns alle betrügen mussten, um Erfolg zu haben. Oder die Mafia, der die Morde und Drogentoten auf die Nieren schlagen. Na sowas! Das konnte ja keiner erwarten! Anständig bleiben, ist natürlich keine Option, wenn man nur unanständig seine Ziele erreicht.

    Da blinzelt man als Normalo ein bisschen, schüttelt irritiert den Kopf, wie man es auch bei Männern macht, die sich als Frauen verkleiden und mehr Poposex und spezielle Anrede „fordern“ und dann geht das Leben weiter… während die nächste quiekende und zunehmend verblödete mediale Sau durchs Dorf getrieben wird.

    Ganz ehrlich: das Thema langweilt mich. Weit weg, wir haben nichts damit zu schaffen und können nichts dran ändern und es betrifft uns eigentlich in keinster Weise. Da finde ich ja noch die Tränendrüsensache mit den Rohingya, irgendwo dort, wo der Pfeffer wächst, interessanter. Die könnte uns zumindest theoretisch mal auf die Füße fallen, wo wir doch verpflichtet sind, die ganze Welt zu retten…

  4. Ich habe selten so böse Kommentare gehört wie wenn Frauen sich über eine hübschere Frau unterhalten. Nein, Punkt 5 ist sehr treffend. Frauensolidarität ist nicht sehr ausgeprägt. Das meiste ist hier eher „cheap talk“ in Form von Lippenbekenntnissen.

    Die anderen Punkte sind auch sehr treffend.

    Eine Berufsanfängerin wird kaum die Möglichkeiten gehabt haben sich zu wehren. Aber was ist mit erfolgreichen, sehr reichen Frauen wie Meryl Streep. Sie hätte viele Möglichkeiten gehabt hier einzuschreiten.

    Vielleicht ist es wie bei mancher Ausbildung wo der Geselle sich sagt warum soll ich denn neuen Lehrling nicht schikanieren mir ging es da auch nicht besser?

  5. Frauensolidarität ist nicht sehr ausgeprägt

    stimmt ! aber ab und zu, wenn es gegen einen Mann oder Männer geht funktioniert sie ganz gut.

  6. gerade Punkt drei ist glaube ich ein großer Faktor.
    Wenn man sich seine Filmliste auf der IMDB ansieht, dann hat er seit 1986 wo er nach seinen ersten Film den er noch produzierte, schrieb uznd drehte (nie von dem Film gelesen, insofern war es sicher gut, dass er sich danach aufs Produzieren konzentrierte) ein unglaubliches Werk hingelegt, welches sich eben nicht nur auf Blockbuster wie Der Herr der Ringe beschränkte sondern einen ganzen Haufen künstlerisch mutiger Filme beinhalte (alle Tarantino-Filme nach Reservoir Dogs, Die meisten Robert Rodriguez-Filme) und ich vermute mal viele Nachwuchsschauspielerinnen haben wenig Skrupel, sich über die Besetzungscouch bei ihm eine Rolle zu ergattern.
    Das durfte sich ja sogar schon meine Tochter anhören, nachdem sie hier in Hamburg ein Regisseur 5mal in Folge für seine stücke gebucht hat mit mmer größeren rollen. Da meinte die eine neidische Kollegen auch „Oh der Wolf hätte da wohl einen neuen Liebling“ als hätte er den Weinstein gemacht.
    Ich hoffe mal, dass der Skandal jetzt sinnvolle Konsequenzen hat und Sex und Karriere künftig streng getrennt werden, damit sich nicht mehr jede Drittklassige Schauspielerin wie veronica Ferres einfach hochschlafen kann.

    • „…damit sich nicht mehr jede Drittklassige Schauspielerin wie veronica Ferres einfach hochschlafen kann.“
      Bösegrins! Dabei ist die doch soo sozial engagiert, notfalls auf den Knochen Bobby Brederlos ….

  7. Leute, ihr alle erliegt einem fragwürdigen Narrativ: nämlich, dass ein Unrecht geschehen sein soll. Das sollte genauer betrachtet werden. Vergewaltigung ist ein Straftatbestand.

    Wenn aber keine konkrete Gewalt im Spiel war, ist die Frage „warum hat keiner eingegriffen, obwohl es alle wussten“ schon beantwortet: es gab keinen Grund.

    Falls eine der Frauen die Sitation als gewalttätig empfindet, kann ja legitim sein, steht ihr der Weg zum Staatsanwalt frei. Aus der Tatsache, dass sie sich stattdessen an die Öffentlichkeit wendet, dürfen wir Abwesenheit von Gewalt ableiten. Wer das anders sieht, darf mich gerne überzeugen.

    • Schon richtig, die Staatsanwaltschaft ermittelt wohl und man wird sehen. Andererseits hält sich mein Mitleid für Herren Weinsteins Medienschicksal in ebenso engen Grenzen wie das für seine Opfer. Ersterem würde ich sagen, „Hey Dude, Du hattest eine schöne Zeit, jetzt ist’s vorbei,“ letzteren, „Buchhaltung ist auch ein schöner Beruf.“

  8. Das Hauptproblem scheint mir hier das Machtgefälle zu sein. Es gibt wahrscheinlich 1000e hübscher junger Frauen, die auch schauspielern können, aber nur ein paar Hundert Filme jährlich, und das wissen die Frauen, die Schauspielerin in Hollywood werden wollen, und Weinstein hatte genug Einfluss, um eine Karriere in Hollywood in der frühen oder mittleren Phase zu beenden (wenn man erstmal ein Star ist und Leute in einen Film gehen, weil man drin vorkommt, und man deshalb 7stellige Gagen kriegt, ist das was anderes).
    Um beim Wegbeispiel zu bleiben, man könnte ja dem Vermieter oder der Verwaltung sagen: „Der Weg ist kaputt, bitte reparieren!“, aber man bekäme gesagt: „Zieh doch aus, wenn Dir was nicht passt.“ Was dann auch jeder macht, der sich eine bessere Wohnanlage leisten kann.

    Ein anderes Problem scheint mir zu sein, dass da schon Witze drüber gemacht werden. Wenn mir jemand sagt, dass der Weg zwischen Haus A und B eine Todesfalle ist, hihi, denke ich mir doch nicht, dass das wirklich eine Todesfalle ist, weil man doch a) keine Todesfallen baut und b) die betreffende Person erkennbar einen Witz macht.

  9. Interessanter artikel:
    „Harvey got exposed because he’s not profitable anymore“
    „While Harvey is gone (for now) we all know others still out there. They are powerful. They are vengeful and predatory.
    A lot of the perpetrators are profitable — and therefore protected. (Does anyone really believe that if Harvey Weinstein was still raking in Oscars and cash like he did during his heyday in the ’90s and early oughts, he’d have been outed like he was?)

    http://nypost.com/2017/10/14/this-one-incident-sums-up-how-hollywood-feels-about-women/?utm_source=zergnet.com&utm_medium=referral&utm_campaign=zergnet_2154354

  10. „Harvey got exposed because he’s not profitable anymore“

    Exakt das war mein Gedanke auf Wolf-Dieters Beitrag.

    Weinstein wird keinen Nutzen mehr darstellen – und keine Gefahr.
    Da kann man die Empörung leicht und laut in die Welt schreien.

    Aber es gibt noch andere Weinsteins und von denen hört man nicht.

    Warum wohl?

  11. „Es wird dort dargestellt, dass das Thema so weit verbreitet war, dass man es als Witz verwenden konnte, vor Weinstein auf der Hut zu sein, ohne dazu näher etwas zu sagen und jeder in Hollywood wusste, was los war.“

    Muss ihn das nicht wahnsinnig gekränkt haben, solch ein „running gag“ gewesen zu sein (zusätzlich zu der Demütigung als mächtiger Hollywood-Produzent derart häufig abgewiesen zu werden)?

    Als Nächstes ist jetzt übrigens Terry Richardson dran
    http://www.telegraph.co.uk/news/2017/10/23/exclusive-terry-richardson-banned-working-vogue-leading-mags/
    – ein Photograph, über dessen (behauptete) sexuelle Belästigungen seit vielen Jahren öffentlich berichtet wurde, z.B. http://nypost.com/2013/11/03/exposing-terry-richardson-fashions-favorite-pervert/

    Es ist schön, wenn sich etwas ändert, auch wenn das selbstverständlich Alles nicht schnell genug geht.
    Ganz so schlimm wie vor 50, 60 Jahren ist es bestimmt/hoffentlich schon nicht mehr, diese Metiers professionalisieren sich zunehmend in einem ähnlichen Maße wie Frauen zu größerem Einfluss gelangen, selbst die Regeln (mit-)bestimmen können.

    Zu Shakespeares Zeiten und auch lange danach wurden explizite Frauenrollen bekanntermaßen noch von Männern „ausgefüllt“, jahrhundertelang standen Schauspielerinnen allsamt in dem Ruf Prostituierte zu sein. Manche bemühen dieses Klischee auch heute noch, womöglich, weil sie Schauspielerei vom Prinzip her als wesensverwandt wahrnehmen.

    Ich würde ja sogar zustimmen, dass jede Hure auch schauspielerisches Talent bräuchte, aber dass andersrum Schauspiel-Aspirantinnen auch bereit seien Sex ohne Begehren zu haben, ist eine klar verleumdnerische Ansicht.

    • aber dass andersrum Schauspiel-Aspirantinnen auch bereit seien Sex ohne Begehren zu haben, ist eine klar verleumderische Ansicht.

      Unsinn, es ist geradezu die Schlüsselqualifikation von Schauspielern aller Geschlechter, den Leuten glaubwürdig was vormachen zu können. In einer ehrlichen Welt könnte sich Weinstein durchaus darauf berufen, lediglich die berufliche Eignung der Aspirantinnen getestet zu haben.

      Allerdings hält Hollywood durchaus auch Frauenrollen bereit, die solches nicht erfordern, man denke nur an Dr. Amy Fowler.

    • Ich kopiere einfach mal mein gestrigen Kommentar von Man-Tau hier rüber:
      „Ich will mal so sagen:
      Wer sich auf Strukturanalysen bezieht, oder gar selbst welche vornehmen will, kann lautererweise nicht den größten Teil der strukturellen Faktoren ausblenden. Also Komplementärstruktur und ( Einbettung in die ) Gesamtstruktur.
      Hier wären das die ebenso sicher zu erwartende Bereitschaft alles zu geben, um den Fuß in die Tür zu kriegen ( lieber mal selbst initiativ zwei Stunden den Fettsack ertragen, als die „Reallifeshow ‚Waitress at the Gasstation’“ zur dauerhaften Zukunftsperspektive zu machen ) – und das soziale Gesamtsystem Filmindustrie.
      Letzteres wird als bunt schillernder Nebel in den Grinterhund geworfen, ohne wirkliche Aussage dazu, z.B. wie üblich die entsprechende Prostitution ( in welchen Bandbreiten ) zum Zwecke des Pöstchenschachers sein mag, welche praktischerweise in der Kampagne komplett unter den Teppich gekehrt wird.
      Das Mittel dazu ist auch schnell identifiziert: Victim-Blaming, is ja klar.
      Wer anzweifelt, daß Weinstein ( schon ) immer der Initiator war, spricht den armen Hupfdohlen ja das Opferabo ab und das kann sich auch keiner der stinkreichen Stars so richtig leisten. Sonst steht er ganz flott direkt neben Weinstein mit am Pranger.
      Die Möglichkeit, daß Weinstein vielleicht sogar erst durch Übernahme und Gewohnheitsbildung ( simple Adaption ) zu dem angebl. Monster wurde, wird so, mittels moralischer, aber auch ganz direkt ökonomischer, juristischer und gesellschaftlicher Erpressung, radikal platt gemacht.
      Ein gruseliges Bedrohungsszenario, wenn man bedenkt, daß es als genau das Gegenteil, also „Frauenbefreiung“, verkauft wird.

      In einem Wort: Neoviktorianismus! Und zwar der übelsten Kajüte.

      Man macht prinzipiell recht exakt das, was man damit als „unbedingt auszurotten“ zur Schau stellen will.

      Als alter Holist ( Greetings to Dirk Gently ) gehe ich davon aus, daß auch in dem speziellen Fall alle drei wesentlichen Einflussgrößen eng und recht komplex verfilzt sind und lehne es ab sie von außen näher zu gewichten, solange die Restdaten gezielt verschwiegen werden.“

    • Ob Weinstein Schauspielerinnen mit Sexarbeiterinnen tatsächlich gleichsetzte, wissen wir natürlich nicht, aber dass es wohl nicht nur einen Menschen gibt, der seine Macht missbraucht, ist wohl leider recht offensichtlich.
      Ich glaube, dass zu Shakespears Zeiten keine Frauen Schauspielern durften, war vllt. auch ein Schutz der Frauen. Ein Mann, der eine Frau spielt, die sich als Mann verkleidet in diesem Stück, dessen Name mir nicht einfällt.

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