Grundlagen einer Opferkultur

Jon Haidt hat ein Grundlagen einer Opferkultur ermittelt:

Also:

  1. Studenten beibringen, dass sie Leute in gute und schlechte Klassen einteilen (Opfer und Unterdrücker)
  2. Ewiger Konflikt und Anlass zur Beschwerde
  3. Jeder bewegt sich wie auf Eiern und zensiert sich selbst
  4. Die Errichtung einer „Sicherheitskultur“. Worte und Ideen sind gefährlich, Trifferwarnungen und Sichere Räume (Safe Spaces) sind erforderlich
  5. Mitglieder der Opferklasse werden schwächer gemacht, und damit moralisch abhängig

 

 

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49 Gedanken zu “Grundlagen einer Opferkultur

  1. Ein Problem, welches zur Entstehung dieses Nonsens an Unis geführt hat ist mEn nach, dass immer mehr Menschen Richtung Abitur gepusht werden. Mit 3,x Abitur finden viele dann keine Ausbildung bzw. sie sind sich mit Abitur für die Ausbildungen die realistisch bekommbar wären zu fein. Die studieren dann erstmal Germanistik/Sprache/Theaterwissenschaft oÄ, was sich dann gut mit Queer Studies verbinden lässt. Das man es mit intellektuellen Tieffliegern zu tun hat merkt man auch dann, wenn Inhalt durch sinnlosen und exzessiven Gebrauch von Neologismen und Schachtelsätzen kompensiert wird. Aus meinem Umfeld und Abiturjahrgang habe ich es mehrfach so mitbekommen.

    Teilweise haben mich diese Leute, die zu Schulzeiten selbst in ihrem Studienfächern maximal eine 3 hatten mit ihrem selbstgerechten, autoritären Wahrheitsanspruch und der allgemeinen Überpräsenz durch den AStA stark frustriert. Ich beruhige mich mittlehrweile effektiv damit zu sehen, wie diese als Aushilfe im Buchhandel jobben. Trotz 10 Jahren Verspätung, massiver Bildungskosten und aufgeplasenem Ego landen diese Leute dann am Ende doch dort wo sie schon direkt nach dem Abitur am besten hingepasst hätten. Besonders lächerlich ist dabei dann oft der Aufkreisch „trotz zwei Hochschulabschlüssen oder mit Dr. Titel in solchen präkäkeren Arbeitsverhältnissen“. Als ob man nicht schon vorher wüsste, dass es jenseits der Uni, in Zeiten des Verlagssterbens, keine Stellen in der Wirtschaft für Literaturwissenschaftler gibt.

    Würde man die Hauptschule wieder ernst nehmen und den Absolventen Zugang zu Ausbildungen verschaffen statt für alles Abitur zu fordern könnte man vermutlich dieser Entwicklung hin zur überfütterten Opferkultur entgegentreten und hätte am Ende viel Geld im Bildungshaushalt für sinnvollere Investitionen frei. Übrigens läuft das auch anders herum. Nicht umsonst gibt es ein massives umlabeling vom Kindergärtner zum/r Erziehe_*r/in, Krankenschwester zum/r Krankenpflege_*r/in etc. nachdem man die Leute einmal durch die FHs geschickt hat. Meine Tante zB ist Kingergärtnerin, ihre Tochter hat die selbe Ausbildung gemacht. Diese hat danach aber nochmal etwas das sich nach sozialer Arbeit oÄ angehört hat studiert, um dann im selben Job zu landen den sie vorher schon hatte. Selbiges hab ich bei Versicherungskaufläuten erlebt, da gibt es mittlerweile auch solche Gesundheitswissenschaften+Wirtschaftswissenschaften im Bachelor. Viele meinten auch sie wüssten, dass es damit keine besseren Jobs gibt, die wollen halt einfach mal 3 Jahre Studentenleben.

      • Also bei den an der französischen Neuen Rechten orientierten rechts-autoritären Gruppen fungiert ja interessanterweise oft nicht der Marxismus, sondern den Liberalismus als Sündenbock und zentrales Feindbild.
        Hierzu ein paar Zitate von rechten Ideologen, auf die sich die Neue Rechte in Europa bezieht:

        Arthur Moeller van den Bruck: „An Liberalismus gehen die Völker zugrunde.“

        Alain de Benoist: „Es besteht kein Zweifel für mich, daß der Liberalismus der Hauptfeind ist.“

        Armin Mohler: „Der Linke bringt Methoden und Härte mit, die wir brauchen können. Der Liberale schleppt Bazillen und seine Unbelehrbarkeit mit ein.“

        In der Sichtweise dieser rechten Strömung ist die postmoderne Political Correctness primär eine Folgewirkung des Liberalismus. Durch den Liberalismus würde der als Kollektivsubjekt gedachte „völkische Organismus“ beeinträchtigt, da der Liberalismus den Menschen einrede, sie besäßen abstrakte Rechte jenseits des völkischen Kollektivsubjekts. Der Liberalismus habe dadurch die postmoderne PC mit ihren Ansprüchen nach Rechten für alle möglichen partikularen Gruppen hervorgebracht. Anhänger der postmoderne PC wären im Sinne dieser Analyse also Liberale.

        Natürlich ist es aus meiner Sicht genauso falsch den Liberalismus für die postmoderne PC verantwortlich zu machen wie den Marxismus. Anhänger der postmodernen PC sind in Wahrheit weder Marxisten, noch Liberale, sondern eben politische korrekte Postmodernisten und der politisch korrekte Postmodernismus ist ideengeschichtlich aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen, dieser wiederum geht wesentlich auf eine bestimmte Rezeption von Ferdinand Saussure, Friedrich Nietzsche und Martin Heidegger zurück.

        • Aber Leszek, das haben wir nun so oft – und du schon wesentlich öfter – klar gestellt.
          Ab jetzt lass uns SPASS haben!
          Wäre Adrian links, könnte man beispielsweise auf KulturBOLSCHWULISMIS plädieren. :)))

          • KulturBOLSCHWULISMIS

            Aus These und Antithese die Synthese destilliert. Das sollte nun alle Parteien zufrieden stellen! Eine Sternstunde der dialektischen Methode! Kulturbolschwulismus, ja das ist es!
            🙂

      • Du meinst, für einige Phänomene, die dir in den Kram passen, beanspruchst du Deutungshoheit, aber für andere, die deine Theorien vor Probleme stellen, möchtest du lieber ignorieren?

        Na, wer hätte das gedacht. 🙂

          • @Christian @Elmar

            Adrian liegt m.E. natürlich richtig: „Der Mensch ist ein soziales Wesen und fähig zur Empathie.“
            Die Frage der (individuellen und gesellschaftlichen) *Fähigkeit* zur Empathie und zum Mitleid finde ich jedoch fast nebensächlich gegenüber der Frage, a. auf was sich etwas komplexes wie „Mitleid“ bezieht und vor allen Dingen b., wie so etwas wie (mediale, politische) „Miteidslenkung“ vollzogen wird.

            Warum Männer und Jungen keine Empathie „verdienen“, war oft genug Gegenstand der Betrachtungen dieses und anderer Blogs – wer allerdings diese *verdient*, finde ich bemerkenswert.

            Die „Opfer“ des *heutigen* Diskurses haben vorwiegend *biologische Marker*.
            Das Geschlecht, die Hautfarbe, die sexuelle Orientierung.
            Entgegen den Obdachlosen, den Arbeitslosen, den Erwerbsunfähigen, den Armen bspw. – diese weisen diese Marker nicht auf. Es handelt sich hier um einen (sozioökonomischen) Status, der nicht durch die Biologie bestimmt ist.

            Ich finde es dagegen auffällig, dass eine Theorie der *Gesellschaft*, die Unterdrückten laut dieser Theorie der Gesellschaft (identitär) *biologisiert*.
            Die Beschwörung der Benachteiligung oder Diskriminierung erfolgt auch nicht, weil sich die Individuen in einer Notlage befinden, sondern ihr biologischer Status, ihr biologisches Dasein IST diese Notlage, sie SIND *biologisch* diese Notlage.
            Wie ich schon öfter geschrieben habe, ist das jedoch kontrafaktisch – bspw. die Mehrheit der Armen in den USA hat eine weiße Hautfarbe.

            Diesen *Biologismus* des – vorgeblich – sozialen Konstruktivismus, der sich sonst mit Händen und Füßen gegen jede biologische Erklärung für Verhalten usw. wehrt, finde ich ausgesprochen bemerkenswert.

          • „Ich finde es dagegen auffällig, dass eine Theorie der *Gesellschaft*, die Unterdrückten laut dieser Theorie der Gesellschaft (identitär) *biologisiert*.“

            Es ist eben einfacher ein „outgrouping“ an sozialen Merkmalen festzumachen.
            Und es ist auch moralisch hochwertiger wenn man sich dagegen wehrt, dass Leute mit biologischen Merkmalen nicht benachteiligt werden. Denn der Obdachlose ist weit eher schuld an etwas als Leute, die wegen des Geschlechts benachteiligt werden, weil diese das Geschlecht eben nicht ändern können (das nach dem Merkmal Geschlecht tatsächlich keine Diskriminierung stattfindet ist etwas anderes)

            Sprich: Biologische Merkmale sind besser zum „virtue Signalling“ das die Benachteiligung ungerecht ist

          • Der Trick ist eben, die biologischen Merkmale zu sozialen zu erklären. Noah Sow schreibt: „Schwarze sind alle, die sich als Schwarz definieren, … alle anderen sind Weiße. Schwarz zu sein ist nichts, was man wirklich ist, sondern steht eher für gemeinsame Erfahrungen, die man in der Gesellschaft gemacht hat. Weiße können daher nicht bestimmen, wer Schwarz ist, und wer nicht.“

            Die Unterscheidung von Schwarzen und Weißen (unterscheidbar durch Hautfarbe) bleibt natürlich stillschweigend in Kraft, aber sie wird zu einem rein sozialen Phänomen erklärt.

            Ist natürlich absurd, aber so erklärt sich, dass sich diese Menschen wirklich nicht als Rassisten sehen, obwohl sie ständig andere wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechtes usw. qualifizieren.

          • Obdachlosen, den Arbeitslosen, den Erwerbsunfähigen, den Armen

            Da fehlen noch Kriegsopfer, Alkoholiker und Drogenabhängige. Wenn z.B. Bomben die Soldaten der sich verteidigenden Nation treffen ist das selbstverständlich und die Kriegsopfer sind selbst schuld. Ganz anders bei der Allgemeinbevölkerung, und das sogar bei den Mitschuldigen (z.B. Frauen) der Angreifernation. Kommt regelmässig im TV. Allierte im 2ten Weltkrieg haben die unschuldige Zvilbevölkerung angegegriffen. Es würde mich wirklich interessieren wieviele davon mit Schuld am Aufstieg des Diktators waren und die Massenvernichtung der Juden mitgetragen haben. Da bleibt mir das Wort „unschuldig“ im Halse stecken. Und dann mussten sie auch noch am Wiederaufbau mitarbeiten und das war harte Arbeit, wird immer wieder betont. Das höre ich fast nie über Männer die weltweit tagaus tagein dieselbe Arbeit bewältigen müssen.

          • „Nein, ich dachte es ist interessanter, wenn wir es gemeinsam entwickeln.“

            Frag mich das nochmal, wenn du gelernt hast, zuzuhören und dich in Diskussionen fair zu benehmen.

          • Ja und der Vorteil für Frauen liegt auf der Hand. Sie müssen die schweren Arbeiten halt nicht verrichten. Sie sind schützenswert wie Kinder und kein Kriegsfutter, sondern der Krieg wird für sie bestritten, schwere Arbeiten für sie verrichtet und was zählt ist das Überleben der Spezies. Da sind wir nur Kollateralschäden.

            Wir haben es ja auch weit gebracht, uns den ganzen Planeten untertan gemacht mit dieser Technik, ein Wunderwerk der Natur dieses Hirn. Ich muss immer lachen wenn Wissenschaftler das im Fernsehen behaupten. Affen haben fast dasselbe Hirn und A.I. wird es bald übertrumpfen, bzw. hat es schon übertrumpft. Ist das auch ein Wunhderwerk der Natur – Google, Facebook, NSA und Co.?

          • @Yeph:
            Nein, auch die Trümmerfrauen sind mittlerweile „entheiligt“ worden.
            Zwar nur klammheimlich und still – aber immerhin…

            Frauen als Heldinnen der Nachkriegszeit: Sie stehen in Schutt und Asche, räumen die Trümmer des Kriegs weg, bauen Deutschland wieder auf. Doch war es wirklich so? Haben all die Trümmerfrauen-Denkmäler ihre Berechtigung? Historiker hegen Zweifel …

            http://cdn-storage.br.de/b7/2016-05/04/e6335cc2123111e6bca2984be109059a_X.mp4 (HD)
            http://cdn-storage.br.de/b7/2016-05/04/e6335cc2123111e6bca2984be109059a_C.mp4 (SD)

          • @mario

            Die Trümmerfrauen waren ja auch keine Opferkultur im Sinne einer Benachteiligten Gruppe, die wegen des Geschlechtes als diskriminiert galten. Eher war damals zweifellos den meisten bekannt, was mit den Männern war

          • @Christian @El Mocho

            Ich finde diesen Satz von Christian bemerkenswert, weil erstens seine Negierung am Schluss steht:

            „Denn der Obdachlose ist weit eher schuld an etwas als Leute, die wegen des Geschlechts benachteiligt werden, weil diese das Geschlecht eben nicht ändern können (das nach dem Merkmal Geschlecht tatsächlich keine Diskriminierung stattfindet ist etwas anderes)“

            Es findet nämlich KEINE gesellschaftliche Benachteiligung nach dem Merkmal des Geschlechts statt.
            D.h. das biologische Merkmale nicht änderbar sind, ist zwar eine richtige Erkenntnis – die jedoch gleichermaßen auch für Männer gelten müsste und das tut sie nicht – aber dein abgeleiteter Satz:

            „Sprich: Biologische Merkmale sind besser zum „virtue Signalling“ das die Benachteiligung ungerecht ist“

            verrät nur etwas über das Muster der DURCHSETZUNG einer Ideologie, es *handle* sich bei biologischen Merkmalen AUTOMATISCH um eine Benachteiligung, insofern man damit GEBOREN wird.
            Wenn ich nun zweitens deine Aussage untersuche, wonach „Obdachlose weit eher schuld“ ist an seiner Lage ist, verglichen mit einer *angeborenen* Benachteiligung, dann ergibt sich eben diese *Mitleidslenkung*, von der ich gesprochen habe.

            In den Zustand der Benachteiligung wird man demnach UNSCHULDIG hineingeboren, während man an seiner sozialen Lage SELBER Schuld ist.
            Die Frage der „Gerechtigkeit“ in der Gegenüberstellung dieser zwei Sachverhalte zeigt, hier geht es nicht nur um „virtue signalling“, sondern dahinter verbirgt sich ein moralisches Urteil.

            Und zwar ein *moralisches Urteil*, welches nicht auf der objektiven sozialen Situation der Betroffenen basiert, sondern auf der Durchsetzung der ideologischen *Mitleidslenkung*.
            Oder anders herum gesagt: Auf der *Durchsetzung eines VORURTEILS*.

            El Mocho hat es m.E. richtig formuliert: „Der Trick ist eben, die biologischen Merkmale zu sozialen zu erklären.“
            Und damit verschwinden die *sozialen*, es verschwindet überhaupt soziale Lagen.
            Sondern das durchzusetzende *Vorurteil* gebietet, dass „Rasse“ = „Klasse“ und in der Opferhierarchie ist es völlig egal, dass Oprah Winfrey Milliardärin ist, sie ist doppelt benachteiligt.

            Was in den USA läuft, ist eine „Rassifizierung“ und „Genderisierung“ des Sozialen, Produkt der idiotischen Identitätspolitik.
            Ich habe das bspw. bei den SAT-Tests gesehen – alle stürzten sich wie bekloppt auf den Zusammenhang der Testergebnisse (Punkte) nach Ethnie und Geschlecht.
            Die sauberste und eindeutigste Korrelation hingegen gab es bei Testergebnis und Einkommen der Eltern (unabhängig von Ethnie und Geschlecht).
            Was für mir absolut in die Augen fiel, in den USA scheinen sie inzwischen für diesen Zusammenhang blind zu sein, was wiederum m.E. damit zusammenhängt, dass Identitätspolitik und neocon-Bewusstsein ausgesprochen kompatibel sind.

            Abschließend: „Noah Sow schreibt: „Schwarze sind alle, die sich als Schwarz definieren, … alle anderen sind Weiße.“ – da werden sich die „asians“ und „hispanics“ aber freuen, auf einmal von Schwarzen als „weiß“ definiert zu werden. Das ist doch mal eine hübsche Definitionsmacht, die sie da einfordert! 😉

          • „Die Frage der „Gerechtigkeit“ in der Gegenüberstellung dieser zwei Sachverhalte zeigt, hier geht es nicht nur um „virtue signalling“, sondern dahinter verbirgt sich ein moralisches Urteil.“

            Wie willst du das denn trennen? Leuten zu helfen, die unverschuldet und ungerecht benachteiligt werden (zumindest angenommen) erlaubt ja auch eher Virtue Signalling weil das moralische Urteil das klarere Signal sendet

          • „Eher war damals zweifellos den meisten bekannt, was mit den Männern war“

            Was damals war, ist eher irrelevant. Mythen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in aller Regel ein lange zurückliegendes Ereignis verklären.
            Und der Mythos der Trümmerfrauen entstand in Westdeutschland in den frühen 80ern.
            Leider haben sich dann auch gleich alle Politiker eingeschleimt und diesem Mythos überhaupt erst das nötige Futter verschafft.

          • “ der Obdachlose ist weit eher schuld an etwas “

            Zwischen 2012 und 2014 stieg der Anteil der Wohnungslosen (häufigste Voraussetzung für Obdachlosigkeit, insbesondere bei Männern) geschätzt um rund 18 %
            http://www.bagw.de/de/themen/zahl_der_wohnungslosen/

            „Anfang der 1990-er Jahre gab es nach damaliger Schätzung der Regierung in Deutschland rund drei Millionen Sozialwohnungen, 2013 waren es nur noch halb so viele, nämlich 1,48 Millionen. Seit 2013 ging die Zahl der Sozialwohnungen um mehr als 150.000 zurück.“

            https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weniger-sozialwohnungen-101.html

            Die 2016 neu-geförderte Anzahl von 25.000 Sozialwohnungen wurde als „Trendwende“ verkauft,
            https://www.tagesschau.de/inland/sozialer-wohnungsbau-105.html

            die im Wahlkampf ausgegebenen Ziele der putativ-Regierungsparteien lauteten m.W.n.:
            CDU/CSU: 1,5 Millionen mehr Sozialwohnungen bis 2021
            die Grünen: 1 Millionen mehr Sozialwohnungen bis 2027, Verschärfung der Mietpreisbremse
            FDP: Erlass der Grunderwerbssteuer für Immobilien bis 500.000 Euro Verkehrswert, Abschaffung der Mietpreisbremse

            Was auch immer da jetzt bei rauskommen wird: die Obdachlosen selbst tragen keine Schuld an den strukturellen, sozialpolitischen Verfehlungen der letzten Jahrzehnte (zu denen z.B. auch die Hartz-Sanktionspraxis u.ä. gehört, die viel zu häufig Mietrückstände verursacht).

            P.S. Die Diäten der einfachen Bundestagsabgeordneten haben sich seit 1990 übrigens ziemlich genau verdoppelt.

          • @Christian

            TRÜMMERFRAUEN SIND EIN MYTHOS/LÜGE

            Bitte lesen Herv. von mir:

            „Das wichtigste Ergebnis im Hinblick auf den späteren Trümmerfrauen-Mythos ist dabei, dass Frauen in größerer Zahl nur (!!!) in Berlin und in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) beteiligt waren, während in den Westzonen schon früh das professionelle Bauhandwerk die Trümmerbeseitigung übernahm. Weil aufgrund der höheren Reparationsleistungen an die sowjetische Besatzungsmacht in der SBZ ein erheblicher Mangel an Großgeräten bestand, war hier der Einsatz der Bevölkerung zum Räumen der Trümmer generell von größerer Bedeutung.
            Nach einer kurzen Phase der Verpflichtung von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern (darunter auch Frauen) in allen Besatzungszonen wurden daher vor allem in der SBZ und in Berlin Arbeitslose herangezogen, unter denen wegen des anfänglichen Männermangels für eine kurze Zeit (!!!) Frauen die Mehrheit bildeten. Der Arbeitseinsatz von Frauen entsprach in der SBZ auch dem sozialistischen Frauenideal und wurde gezielt forciert. In den Westzonen wurden teilweise ebenfalls Arbeitslose verpflichtet, Frauen durften aber nur in der britischen Zone herangezogen werden. Selbst dort setzten die deutschen Verwaltungen dies allerdings kaum um, weil es dem traditionellen Frauenbild zuwiderlief. Auch im Rahmen freiwilliger oder obligatorischer „Bürgereinsätze“, die sich in allen Zonen etablierten, war der Anteil von Frauen lediglich (!!!) in der SBZ von Bedeutung.“

            D.h. „ein Großteil der Stereotypen und der Fotografien, die bis heute zur Visualisierung der deutschen Trümmerfrauen verwendet werden.“ stammt AUSSCHLIESSLICH aus Berlin und dort wiederum aus der SBZ. Und weiter:

            „Erst in den 1980er-Jahren wurde die Trümmerfrau in der Bundesrepublik entdeckt und rasch zu einem feststehenden Mythos. Trebers Untersuchung stützt Nicole Kramers Erkenntnis, dass dies insbesondere ein Resultat zweier nahezu zeitgleicher Entwicklungen war: der Frauengeschichtsschreibung einerseits und der politischen Debatte um die rentenrechtliche Berücksichtigung älterer Frauen andererseits.

            Im Rahmen einer stärkeren Hinwendung zum Alltagsleben von Frauen nach dem Krieg entwickelte sich in der Frauengeschichte – mit einem starken identifikatorischen Impetus – das Narrativ der deutschen Alltagsheldin, die sich durch eigene Tatkraft aus ihrer Opferrolle befreit und aktiv eine neue Gesellschaft aufgebaut habe.“

            Wobei gleichzeitig die Beteiligung der Frauen an der NAZI-Gesellschaft weggelogen worden ist.
            Der Mythos hat die Funktion herauszustellen, welches Geschlecht die Trümmer produziert hat (Männer) und wer als unschuldiges Hascherl (Frauen) gezwungen wird, wieder auf- und wegzuräumen UND neu und – natürlich – BESSER aufzubauen.
            Das wollen die Stokowskis dieser Welt über sich selber wissen und hören, deshalb ist der Mythos von einer „weiblichen Zivilgesellschaft“, ausgehend von der unmittelbaren Nachkriegszeit so beliebt.

            „Politisch wurde gleichzeitig, angetrieben durch eine zunächst relativ kleine Akteursgruppe, das Bild der deutschen Trümmerfrau zum „Argument im Kampf um Besserstellung im gegenwärtigen Rentensystem“ (S. 409), das bald von allen politischen Richtungen als vermeintliches Konsenswissen geteilt wurde. Historiographisch wie politisch wurde das aus der Berliner Erinnerung entlehnte Bild der Trümmerfrau auf eine ganze deutsche Frauengeneration bezogen. Die Trümmerfrau wurde besonders für die Generation der Kriegskinder in einer Kombination von Leidens- und Leistungsgedächtnis zur Chiffre für eine vor allem weiblich gedachte Zivilgesellschaft.“

            D.h. man hat (sich) eine Verbesserung der Rente für Frauen herbeigelogen, indem eine „Frauenarbeit“ erfunden worden ist, die es gar nicht gab und aus dieser nicht existenten Arbeit tatsächliche Ansprüche einer *ganzen Generation von Frauen* an das Rentensystem abgeleitet.
            Es dürfte klar sein, welches Geschlecht dafür aufgekommen ist (das „andere“).

            Also: „Trümmerfrauen“ gab es nicht, sie sind eine reine Erfindung mit ideologischen, demagogischen und pekuniären Absichten.

            Aus: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-22991, Rezension des Buches von Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen, 2014

          • @crumar: ich möchte auch mal die Reaktionen sehen, wenn die Critical-Whiteness-Leute Arabern oder Türken erklären, sie seien keine Weißen sondern Persons of colour, zusammen mit Afrikanern oder Chinesen.

          • @Christian @Semikolon

            „Wie willst du das denn trennen? Leuten zu helfen, die unverschuldet und ungerecht benachteiligt werden (zumindest angenommen) erlaubt ja auch eher Virtue Signalling weil das moralische Urteil das klarere Signal sendet“

            Ich glaube, ich muss es noch eindeutiger feststellen: Dem virtue signalling geht die VERSCHIEBUNG des moralischen Urteils voraus.

            Semikolon schreibt berechtigt: „Die Diäten der einfachen Bundestagsabgeordneten haben sich seit 1990 übrigens ziemlich genau verdoppelt.“ – die Diätenerhöhungen haben einen Inflationsfaktor von 3% im Jahr exakt nachvollzogen.
            D.h. wenn es um sie selbst geht, weiß die AbgeordnitIn des Bundestages sehr genau, wie die ökonomischen Gesetzte ticken. Dieses Wissen verlässt sie spontan, wenn es um das Existenzminimum geht.
            Diese Menschen ABZUSTRAFEN, indem die Erhöhung des Existenzminimums nicht der Erhöhung der eigenen Diäten folgt, sagt eine Menge über die Menschen aus, die genau das beschließen.
            Es gibt eine *höhere Moral*, die die Diätensteigerung rechtfertigt und eine Moral für die NIEDRIGEREN, die das AUSBLEIBEN der Steigerung ebenfalls rechtfertigt.
            Das Ausbleiben der Steigerung rechtfertigt sich, weil die NIEDRIGEN es selbst verschuldet haben und es ist GERECHT, sie deshalb abzustrafen.

            Das meine ich mit der Verschiebung von Moral, die dem virtue signalling *vorausgeht*.
            Vor 30 Jahren wäre die Infamie der Aussage sofort ins Auge gefallen.

          • @ Yeph

            „Nein, auch die Trümmerfrauen sind mittlerweile „entheiligt“ worden.“

            Auch ich habe mich nie der Suggestivkraft der Bilder entzogen und den Mythos angezweifelt.
            Wenn ich jetzt aber die Filmsequenzen mit den fleißigen Frauen anschaue, springen mir zwei Dinge förmlich ins Gesicht, dass die Szenen gestellt sind.
            Zum einen ist das die fröhliche Unbekümmertheit der Frauen bei einem echten Knochenjob
            und – da wären wir bei dem Knochenjob – der Lässigkeit, mit der sie die Eimer händeln.
            Ich kenne selbst noch diese Marmeladenblecheimer aus dem Keller meines Elternhauses. Es sind Eimer mit einem Nennvolumen von 10 l und einem dickeren Draht als Tragegriff.
            Bauschutt liegt in seiner Dichte wahrscheinlich bei Sand, also bei 2,5 kg/l.
            Selbst ein nur viertelvoller Marmeladeneimer würde also noch über 5 kg wiegen.
            Und jetzt schaut einmal, wie locker die Heldinnen die gefüllten Eimer durch die Reihen wirbeln. Da ist kein Unterschied zwischen voll und leer, was vermuten lässt, dass es tatsächlich keinen Unterschied gab, weil die Eimer in BEIDEN Richtungen leer – oder fast leer – waren.
            Hinzu kommt, dass selbst bei einem „nur“ 5 kg schweren Eimer der Tragedraht ziemlich schnell die Arbeit selbst für robuste Männer zu einer echten Pein geraten lassen hätte.

      • @Adrian: Knapp daneben ist auch vorbei 😉

        Frage: Was sind biologische/evolutionäre Grundlagen […]

        Deine Antwort: Der Mensch ist ein soziales Wesen und deshalb […]

        Du siehst das Problem?

          • @adrian: wie so oft geht es um eine dem Problem angemessene Perspektive. Mittlerweile besteht im großen und ganzen Übereinkunft, dass eine „alles ist“ Sichtweise nicht zielführend ist. Der Physiker, der auf den Chemiker herabblickt und meint „ist doch alles Physik“. Der Mathematiker, der alle Probleme des täglichen Lebens als optimierungsaufgabe versteht. Der Astronom, der Sternbahnen (große Maßstäbe) mit Methoden der Quantenmechanik (subatomare masstäbe) berechnen will. Adrian, der auf die Frage nach biologischen Erklärungen mit der antwort „der Mensch ist ein soziales Wesen“ kommt.
            In allen Fällen handelt es sich nicht um die angemessene Perspektive.

            Ich habe noch eine andere Erklärung für die Grundlage der opferkultur: weil die Sonne scheint. Warum gibt es die opferkultur? Weil Menschen miteinander reden und sich austauschen. Dazu brauchen Sie Kraft und Energie. Woher kommt die Kraft? Weil die Menschen etwas gegessen haben. Woher kommt das Essen? Es ist gewachsen, entweder als Tier oder als Pflanze. Warum können Lebewesen wachsen? Weil die Sonne scheint. Ergo ist die Grundlage der opferkultur die Sonne 😉

    • Das ist eine echte Knacknuss. Meist ist es nicht all zu schwer, eine mehr oder weniger passende just-so-story zu basteln. In diesem Fall aber ist das „alles Evolution“ echt herausgefordert!

      • Das kommt darauf an. Um was geht es? Um die „Strategie“ der Opferkultur, oder um den tieferen Grund im Menschsein, genauer warum an Menschenunis und in der Politik? Geht es um Macht, Glaube und Dummheit, wie etwa bei Religionen, wie ich vermute, oder was wäre da los?

        Ich denke die Sache mit der „Strategie“ wäre leicht zu beschreiben.

      • @Pjotr

        ich finde das bemerkenswert einfach:
        Wir haben ein Schema für In- und Outgroup
        Wir haben ein biologisches Gefühl für „Gerechtigkeit“
        Das umfasst auch, dass einer ohne Berechtigung mehr bekommt als andere und diese Benachteiligt.
        Die evolutionäre Entwicklung des Wunsches nach Gleichheit hatte ich auch schon als Artikel
        Die Signallingtheorie hatte ich auch schon angeführt, gerade auch im Bereich Virtue Signalling
        Dazu kommt: Um so reicher einer Gesellschaft, um so eher sind die Leuten ihren grundlegenden Ängsten entzogen. Es bleibt Platz für Virtue Signalling
        Das dürfte um so mehr der Fall sein, wenn Gesellschaften anonymer werden.
        Gerade eine solche Gesellschaft kann auch Dogmen und Taboos entwickeln, in denen „ich helfe anderen und gehe gegen Ungleichheit vor“ wichtig werden und dem Leben Sinn geben, auch als Religionsersatz

        • Dazu kommt: Um so reicher einer Gesellschaft, um so eher sind die Leuten ihren grundlegenden Ängsten entzogen. …. Das dürfte um so mehr der Fall sein, wenn Gesellschaften anonymer werden.
          Gerade eine solche Gesellschaft kann auch Dogmen und Taboos entwickeln, in denen „ich helfe anderen und gehe gegen Ungleichheit vor“ wichtig werden und dem Leben Sinn geben, auch als Religionsersatz

          Das finde ich sehr gewagt als Theorie. Gerade in schwierigen Zeiten kann es auch zu solchen Phänomenen kommen. Ist nicht jede Art sozialer oder religiöser Theorie eine Art „Religionsersatz“. Gerade wenn Menschen schlimmes durchmachen kommt es oft zu solchen solidarischen Entwicklungen. Wie schlecht müsste es den Menschen denn gehen, dass sie zu „ich gehe gegen Ungleichheit vor“ nicht mehr fähig sind. Im KZ? Ok. Aber davon abgesehen …… siehe Urvölker im Amazonasgebiet oder Papua Neuguinea. Aber denen geht’s vielleicht auch zu gut?

          • „Das finde ich sehr gewagt als Theorie. Gerade in schwierigen Zeiten kann es auch zu solchen Phänomenen kommen. “

            Zu einer Opferkultur?
            Hast du da mal ein Beispiel? Solange die Grundbedürfnisse der Leute nicht gestillt sind wird man kaum die Interessen anderer Leute in den Vordergrund stellen.

            Es ist ja auch kein Wunder, dass es gerade Studenten sind, oft aus „gutem Haus“ die in dem Bereich aktiv sind.

  2. Ich denke, eine Opferkultur entwickelt sich dann, wenn sie einer bestimmten definierten Gruppe von Menschen gesellschaftliche Vorteile verschafft.

    Wobei Missstände an sich noch keine Opfer“kultur“ begründen, dazu bedarf es gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
    Missstände müssen von einer breiten gesellschaftlichen Schicht als solche akzeptiert und für wert befunden werden, beseitigt zu werden.

    Am hartnäckigsten halten sich dabei „Missstände“, die diffus sind und aus praktisch jedem Verhalten der „Täter“ herausgelesen werden können.
    Der Blick auf das vermeintlich Ganze verstellt dann den auf die persönliche Erfahrung.

    Als Beispiel sei hier neben dem Feminismus die spätmittelalterliche Hexenverfolgung genannt.

  3. Ist doch schön wenn sich die jungen Leute derart selber mit sich und untereinander beschäftigen. Der Rest macht derweil Selfies und geht shoppen oder versucht sich in Modesportarten.

    Bis es endlich Soma gibt – oder wahlweise Neuraltransplantate mit Bluetooth – ist das doch eine erfüllende Betätigung für die wilde Jugend 🙂

  4. Etwas Vergleichbares wie die „Opferkultur“ hat es noch nicht gegeben. Eine einmalige Erfindung der „patriarchalen“ und „kapitalistischen“ Gesellschaften der Moderne.

    Wenn die ihre eigene Verdammungsgeschichte dieser Kultur ernst nehmen würden, dann müssten sie in sich selbst ihren grössten Gegner erkennen, die Selbststilisierung als Opfer um damit moralisch aufzutrumpfen ist die Spitzenleistung der verfemten Kultur selbst.

    Jeder Aussenstehende müsste das als Zeichen der ultimativen geistigen Verwirrung sehen müssen und nichts anderes als das.

    Und somit wird eine Opferkultur nur ihre eigene Zerstörung einladen, als Zeichen ultimativer Schwäche.

    • Hm. Was ist mit den abrahamitischen Religionen? Insbesondere Judentum und (frühes) Christentum basieren einen erheblichen Anteil ihrer Geschichte darauf, dass sie verfolgt und unterdrückt wurden. Die Parallelen zum modernen Dritte-Welle-Opfer-Feminismus sind da durchaus vorhanden. Da gibt es ein „auserwähltes Volk“ welches eine Heilslehre anbietet, die der einzige Pfad zur Erlösung ist, und die ganzen ungläubigen Heiden drumherum wollen die Wahrheit nicht hören und verfolgen die Auserwählten natürlich. Das ist ein wichtiges Narrativ, der den Glauben in die Heilslehre dadurch bestärkt, dass jeder Widerstand gegen die Heilslehre in eine Bestätigung derselben umgedeutet wird. Das Einzige, was in der Lehre hilft, ist noch stärkerer Glauben und größere Hingabe.
      Propheten, Märtyrer, Flagellanten, und Kreuzfahrer.
      Dieser ganze SocJus-Kram ist ein religiöser Kult.

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