Warum intersektionale Theorien für größere Parteien Gift sind

„Wir brauchen mehr Feminismus“ las ich jetzt verschiedene Male nachdem die Frauenquote im Bundestag gesunken ist. Allerdings ist der moderne Feminismus in seiner intersektionalen Ausprägung für Parteien hoch gefährlich, zumindest wenn sie nicht auf eine kleine Nische setzen wollen.

Eine „Volkspartei“ muss insbesondere darauf achten, dass sie den Hauptteil ihrer Wähler anspricht und sich nicht als Vertreter einer Minderheit darstellt. Natürlich kann sie sich Minderheitenanliegen annehmen, aber sie sollte dennoch nicht in den Ruf geraten, dass sie einseitig zu deren Gunsten handelt und gegen die Mehrheit arbeitet.

Obama hat das beispielsweise verstanden und nicht damit kandidiert, dass er ein schwarzer Mann ist, der es den Weißen endlich einmal zeigt, sondern, dass er ein Politiker ist, der für alle eine bessere Welt schaffen will. Seine Botschaft war „Change“ und „Yes, we can“. Seine Ansätze betrafen nicht eine kleine Gruppe, sondern ein allgemeines gerechteres Steuerrecht und eine allgemeine Krankenversicherung. Im Gegensatz zu Clinton, die stark darauf abstellte, dass sie eine Frau ist, machte Obama seine Hautfarbe gerade nicht zu einem wesentlichen Kriterium, sondern bezog alle Wähler mit ein, versprach allen eine bessere Welt und wertete niemanden ab.

So etwas ist allerdings mit der intersektionalen Theorie kaum möglich. Denn diese unterteilt die Welt in Unterdrücker und Unterdrückte, vom System Bevorteilte und vom System Benachteiligte, und verlangt Handlungen von den Unterdrückern / Bevorteilten. Es wird dort mit recht einseitigen Schuldzuweisungen gearbeitet, die aufgrund Merkmalen wie Hautfarbe (weiß) und Geschlecht (Mann) erfolgen.

Damit dürfte man, wenn man das Programm durchzieht, die Männer an sich, die weißen Männer, die weißen Frauen und die Frauen, die Männer als Partner sehen und nicht an eine Unterdrückung glauben, schon einmal nicht einbezogen haben und diese sogar als Gegner definiert haben.

Einer kleinen Partei wie etwa den Grünen mag dies einfacher fallen, da diese eher eine Nische besetzen können. Um so eher eine Partei aber plant einen größeren Teil der Bevölkerung zu überzeugen, also in Deutschland CDU und SDP um so weniger wird es sich für sie lohnen, sich intersektionalen Theorien anzuschließen, die automatisch gerade den größeren Teil der Bevölkerung aufgrund schlichter Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe und noch nicht einmal tatsächlichen Handeln angreifen.

 

7 Gedanken zu “Warum intersektionale Theorien für größere Parteien Gift sind

  1. Völlig richtig. Wie Albrecht Müller von den Nachdenkseiten schon öfters geschrieben hat: Die SPD war stark, wenn sie nicht nur auf eine Karte setzte, sondern verschiedene Bevölkerungsschichten ansprach.

    „Wir möchten faire Regeln für alle“ ist für mehr Leute attraktiv als „Wir möchten uns besonders um Spezialgruppe XY kümmern.“

  2. Ich habe überlegt, was mich an Christians Darstellung stört. Sie passt nämlich nicht zu meiner Wahrnehmung. Ich glaube ich habe den Widerspruch gefunden:

    „Obama hat das beispielsweise verstanden und nicht damit kandidiert, dass er ein schwarzer Mann ist, der es den Weißen endlich einmal zeigt, sondern, dass er ein Politiker ist, der für alle eine bessere Welt schaffen will.“

    Das Problem ist, dass es sich dabei um eine gut getarnte Lüge handelt, eine die man gerne hört, aber dennoch eine Lüge. Warum?: weil Politiker immer nur verteilen können, was da ist. Sie verteilen von GruppeX zu GruppeY oder versuchen (wenn sie konservativ sind) eine bestehende (u.U. ungerechte) Verteilungssituation aufrecht zu erhalten.

    Jemand der verspricht die Welt besser zu machen und trotzdem für alle da zu sein, ist demnach ein Lügner der über seine wahren Absichten schweigt, um einem Teil der Wähler Projektionsfläche sein zu können, die er eigentlich schlechterstellen will oder deren ungenügende Position er verfestigt. Von daher hat Christin wieder recht, denn genau so handeln unsere Volksparteien auch. Ein Lügensystem halt, man muss das immer wieder hervorheben!

    Ist Clinton deshalb besser, weil sie zumindest offen sagte, wen sie bevorteilen will? In Hinsicht auf die Wahlehrlichkeit: ja. Deswegen wurde sie ja nicht gewählt 🙂
    Sie hat schlicht nicht gut genug gelogen, bzw. hatte die grassierende political correctness, mit ihrem inhärenten Schuldkult, als wirkungsvoller aufgefasst, als sie ist.

    Das ist meine Sicht zu den USA.

    Ist aber Intersektionalismus schlecht für Parteien? Auch da ein eindeutiges „JA“, allerdings eben nicht, weil eine Gruppe bevorzugt oder benachteiligt werden soll (das wird sie immer, siehe obige Argumentation), sondern weil Intersektionalismus die widersprüchlichste Ideologie ist, die ich kenne. Sie steht nicht nur zu ihren eigenen Zielen (Diskriminierung abschaffen) im Widerspruch, da sie dieses Ziel ausgerechnet mit krassestem Rassismus und Sexismus umzusetzen versucht, sondern sie strebt regelrecht eine ständische Gesellschaft an, in der die angeblich vorgefundene (und zum Großteil eingebildete) Hierarchie gewaltsam auf den Kopf gestellt und zementiert wird.

    Eine Partei, die auch nur versucht, Intersektionalismus umzusetzen, verliert über kurz oder lang jede Sympathie, Funktionsfähigkeit und Glaubwürdigkeit und geht unter. Eine Art Virus, welches vor allem Organisationen zersetzt, in denen sich zuviele Dummköpfe angereichert haben.

    • „Das Problem ist, dass es sich dabei um eine gut getarnte Lüge handelt, eine die man gerne hört, aber dennoch eine Lüge. Warum?: weil Politiker immer nur verteilen können, was da ist. Sie verteilen von GruppeX zu GruppeY oder versuchen (wenn sie konservativ sind) eine bestehende (u.U. ungerechte) Verteilungssituation aufrecht zu erhalten.“

      Die meisten Menschen sind ja auch durchaus mit Umverteilung einverstanden. Deswegen haben wir beispielsweise eine Steuerprogression. Solange die Kriterien gleich sind und als gerecht empfunden werden, haben die Leute nichts dagegen.
      Wenn man aber in heutiger Zeit auf die Hautfarbe abstellt und einseitig Schuld zuweist sind sie eben nicht einverstanden. Oder wenn man es nach Geschlecht unabhängig von der Person macht. oder weil man Heterosexuell ist.

      • “ Solange die Kriterien gleich sind und als gerecht empfunden werden, haben die Leute nichts dagegen.“

        🙂

        Das ist nicht die Frage, So gut wie JEDE Ideologie denkt von sich, dass sie das Leben (letztllich) für alle besser macht. Selbst der intersektionale Feminismus tickt da nicht anders. Man kann aber nicht Sachen/Geld/Rechte verteilen und umgestalten, ohne dabei jemandem auf die Füße zu treten.

        Clinton hätte, genauso wie Obama, behaupten können, sie wolle für alle regieren. Es ist ja nicht mehr als eine Behauptung. Dass sie nicht so handelte, spricht für ihre geistige Beschränkung, bzw. dafür, dass sie den Schuldkult überschätzte. Hätten 80% der Frauen und dazu eine gerüttelte Menge männliche „Liberals“ sie deswegen gewählt, wäre der Plan aufgegangen.

        Trump wurde übrigens deswegen gewählt, WEIL er sagte, gegen wen er vorgehen will: „drain the swamp“ oder so. Bei ihm kam das gut an. Genauso muss Politik sein: sagen FÜR was und GEGEN was man ist. Eine Politik „für alle“ gibt es nicht, eine Politik für die Mehrheit schon…

  3. Pingback: Übersicht: Kritik am Feminismus | Alles Evolution

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