Tag der deutschen Einheit

Der Tag der deutschen Einheit ist immer ein Tag, bei dem es auch darum geht, ob Deutschland zusammengewachsen ist.

Interessant sind da die Ergebnisse der Bundestagswahl:

Bundestagswahl 2017 Ost west

Bundestagswahl 2017 Ost west

Natürlich haben Menschen, die arm sind, auch an sich eher AFD und die Linke gewählt und der Osten ist ärmer als der Westen.

Meine Theorie ist ja, dass der Osten die stärkere Akzeptanz der AFD auch dem Sozialismus zu verdanken hat: Sozialismus ist eine Ideologie, die die Gemeinschaft an erste Stelle stellt und das Individuum dahinter zurücktreten lässt. Jede Ideologie, die darauf abstellt, hat ein Trittbrettfahrerproblem und muss ein entsprechendes Denken, dass jeder seinen Teil beitragen muss, besonders predigen und doch vorhandene Trittbrettfahrer bestrafen.

In der DDR hieß es folglich in § 249 STGB DDR:

§ 249. Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten.

(1) Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit beeinträchtigt, indem er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit entzieht, obwohl er arbeitsfähig ist, wird mit Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer der Prostitution nachgeht oder in sonstiger Weise die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch eine asoziale Lebensweise beeinträchtigt.

(3) In leichten Fällen kann von Maßnahmen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit abgesehen und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.

(4) Ist der Täter nach Absatz 1 oder 2 oder wegen eines Verbrechens bereits bestraft, kann auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren erkannt werden.

(5) Zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkung und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.

Es würde mich wenig verwundern, wenn man als in einem solchen System erzogenen gegenüber Asylanten bzw Leuten, die sich als solche ausgeben, um staatliche Leistungen zu erhalten, wesentlich kritischer eingestellt ist.

36 Gedanken zu “Tag der deutschen Einheit

  1. Mhhhm. Ich kann die Hypothese weder be- noch widerlegen, möchte aber zu Bedenken geben, dass

    „gegenüber Asylanten bzw Leuten, die sich als solche ausgeben, um staatliche Leistungen zu erhalten, wesentlich kritischer eingestellt ist“

    auch für viele Westdeutsche gilt, sogar für frühere Gastarbeiter. Ein Akif Pirinccy und seine Familie hat hier nichts geschenkt bekommen. Gerade die Gastarbeiter mussten harte und oft schlecht bezahlte Arbeit machen, um über die Runden zu kommen. Denen ist unvermittelbar, warum heute junge kräftige Männer, ohne Ausweis und lediglich mit behaupteten und kaum prüfbaren Gründen, direkt ins Sozialsystem einwandern.

    Die geradezu unverschämte Freigiebigkeit ist m.E. einmalig und neu in der Bundesrepublik und hätte übrigens auch längst zu einer Katastrophe geführt, wenn die Bundesrepublik nicht gerade Geld von der EZB vorne und hinten reingeschoben bekäme.

    Ich würde die DDR-Sozialisierung auch nicht überbewerten. Es war in der deutschen Geschichte immer anstrebenswert, seinen Unterhalt selbst zu erwirtschaften. Die DDR war insofern lediglich unterschiedlich, was die Frauenarbeit betraf, die sehr viel stärker eingefordert wurde.

    Ich sehe eher andere Gründe als maßgeblich an:

    1) Im Westen ist eine Einkindfamiliengeneration herangewachsen, die auch erben wird und die faktisch überversorgt ist, die kann sich Armut nicht vorstellen und meint, es müsse ganz selbstverständlich allen Menschen so gehen, wie ihnen selbst, das ist im Osten (noch) nicht so.

    2) Im Osten waren nicht „die Deutschen“ schuldig, sondern die DDR sah sich in der Folge der Kommunisten, die von den Nazis getötet wurden (etwa Ernst Thälmann und Rosa Luxemburg). Mit anderen Worten: es wurde kein derartig perverser Dauerschuldkult betrieben wie in Westdeutschland. Die Ostdeutschen sind auch nur muffelige Deutsche, aber sie sehnen nicht die Auflösung ihres Staates herbei, in dem sie gerade erst angekommen sind.

    3) Womit wir bei Punkt 3 sind. Die Revoluzzer im Osten (eine Beat-Generation mit langen Haaren gab es da auch) hat ihre verhassten autoritären Gestalten per Systemwechsel entsorgt. Den 68igern im Westen ist das nicht vergönnt, die kämpfen immer noch mit den Gespenstern ihrer Vergangenheit, obwohl sie längst selbst an der Macht sind.

    4) Eine Art Sozialisation mag allerdings geblieben sein: man traut im Osten der Presse m.E. sehr viel weniger und gerade die Sachsen lassen sich ungern den Mund verbieten. Dass man Pegida derart heruntergeschrieben und verleumdet hat, hat sehr viele auf die Palme gebracht. Dass man gegen Muslime nichts sagen darf, über Sachsen aber spotten und sie überall lächerlich machen, verstärkt den Effekt noch. Auch die Frechheiten der sächsischen Politik, etwa das teure Bus-Schrott-Denkmal oder die üppige Bezuschussung halblegaler linker Aktions- und Integrationsgruppen usw. kam jetzt nicht so gut an. Die Zensurpraxis im Internet, per linker Stasi-Kahane, wurde auch sehr deutlich zur Kenntnis genommen. Die Sachsen kennen Rechtsradikale noch aus der Nachwendezeit und die wissen sehr genau zu unterscheiden, wer dazu zählt und wen man nur dazu macht, um ihn mundtot zu bekommen.

    5) Womit wir bei Punkt 5 wären, die Ostdeutschen haben keine feste Parteibindung. Kaum jemand identifiziert sich mit einem Milieu, wie es der träge westdeutsche SPD-Wähler tut. Oder die 68iger mit den Grünen. Es gibt einige, die traditionell Linke wählen, weil es ihnen schlecht geht oder weil sie der DDR nachweinen. Die anderen wählen das geringste Übel, das sie zumindest in Sachsen bisher in der CDU sahen. Dank Merkel jetzt nicht mehr.

    6) Es krebsen, nach wie vor, viele am Existenzminimum herum. Gerade außerhalb der Metropolen. Ihre Kinder haben sie an den Westen verloren. Sie selbst werden vom Amt gegängelt oder arbeiten sehr hart um über die Runden zu kommen. Und nun bekommen sie, mit dem Argument es gäbe nicht genug Nachwuchs und wir wären irgendwie verpflichtet, Ausländer vor die Nase gesetzt, die sie bitte auch noch durchfüttern sollen und sich gefälligst nicht beschweren, sonst Nazikeule. Dass es angesichts dieser absolut unverschämten Frechheit so ruhig geblieben ist, halte ich für das größte Wunder.

    7) Noch eines: das komplette Versagen der westdeutschen Familienpolitik habe ich nie verstanden. Die DDR hatte sowas und es war zwar kein durchschlagender Erfolg, aber wohl dennoch wirkungsvoll. Schon in den 90igern wurde die Demographiedebatte deutschlandweit geführt, schon unter Kohl. Und hat die Politik was getan? NEIN! Sie rennt sehenden Auges in die Probleme rein und schafft noch munter neue. Ich kann von mir persönlich sagen, dass ich das westdeutsche System für mindestens genauso verlogen halte, wie es das ostdeutsche war.

    Das sehe ich als die wichtigsten Punkte. Wenn mir noch was einfällt, hänge ich es an.

      • Dito! Wirklich glänzend analysiert und kurz auf den Punkt gebracht. Die SZ schwurbelt seit Wochen seitenweise und kommt nicht annähernd auf diesen Erklärwert.

    • Das ist alles aber nicht speziell ostdeutsch. Mit Ausnahme von Punkt 1 und Punkt 7 passt das auch genau auf Polen.

      Der Hauptunterschied ist wohl der Schuldkomplex, der bei allen Westeuropäern, ganz besonders den (West) Deutschen, unglaublich stark ausgeprägt ist.

      • „Der Hauptunterschied ist wohl der Schuldkomplex, der bei allen Westeuropäern, ganz besonders den (West) Deutschen, unglaublich stark ausgeprägt ist.“

        Naja, „uns“ blieb ja auch nichts anderes übrig. Nachdem die DDR sich der ganzen Nazis per Volkskammerbeschluss entledigt hatte, konnte man das in der BRD nicht auch noch tun. Irgendwie mussten die schließlich geblieben sein.

        Lass Dir aber gesagt sein, dass im Alltag der Schuldkomplex nicht allzu behindernd war.
        Als ich Teen war, gehörte es zum guten Ton des Bürgertums, uns entweder ins Arbeitslager schicken zu wollen, oder gleich zu vergasen.

        • Naja, da Du ja noch am Leben bist und Deutschland heutzutage ein multiethnisches Land ist scheinen die wohl doch nicht so böse gewesen zu sein. Zumindest haben sie keine Parteien gewählt, die sich dafür ausgesprochen haben Menschen ins Arbeitslager zu schicken oder zu vergaßen 😉

          • „Naja, da Du ja noch am Leben bist und Deutschland heutzutage ein multiethnisches Land ist scheinen die wohl doch nicht so böse gewesen zu sein.“

            Mit der Einschätzung hättest Du damals besser nicht antreten dürfen.

            Einer der Aufrechten hatte sogar versucht, Rudi Dutschke zu erschießen, weil er dachte, er müsse Deutschland retten.

            „Zumindest haben sie keine Parteien gewählt, die sich dafür ausgesprochen haben Menschen ins Arbeitslager zu schicken oder zu vergaßen“

            Nein, das stimmt. Aber das war auch schon das größte Entgegenkommen.

            Später haben sie uns auf Demos immer aufgefordert: „Geht doch in den Osten, wenn’s euch hier nicht gefällt!“

            Bis wir Anfang der 80er den Aufrechten zuriefen: „Geht doch in den Osten, wenn’s euch hier nicht gefällt!“

            Dann war Ruhe 😀

  2. „Es würde mich wenig verwundern, wenn man als in einem solchen System erzogenen gegenüber Asylanten bzw Leuten, die sich als solche ausgeben, um staatliche Leistungen zu erhalten, wesentlich kritischer eingestellt ist.“

    Die verrückten Einstellungen der Ostdeutschen – in einer „globalisierten Welt“ Grenzkontrollen zu haben und nicht zu wollen, dass jeder einfach kommen kann – wären vllt. dann auf spezifisch ostdeutsche Geschichte zurückzuführen, wenn sie denn mit ihren verrückten Einstellungen allein auf weiter Flur wären.

    Tatsächlich sind aber die Westdeutschen die Geisterfahrer der westlichen Welt. Brexit, Trump, 33% für Le Pen etc. pp.

    Wer, außer Schweden (aber die haben ja auch die Schotten dichtgemacht?) will denn sonst noch Massenimmigration von größtenteils Unbekannten ohne Papiere in sein Land?

  3. Wir haben eine satte und reiche Generation in Westdeutschland. Das macht den Unterschied aus. Aber keine Angst, wir gleichen uns schon langsam an, im Westen wird’s auch nach und nach schlechter! 😉

    • „Aber keine Angst, wir gleichen uns schon langsam an, im Westen wird’s auch nach und nach schlechter!“

      Weil wir unser sauer verdientes Geld in den Aufbau des Ostens pumpen.

      So viele Asylanten können hier gar nicht kommen, damit sie auch nur einen Bruchteil dessen kosten, was uns der Osten gekostet hat.
      Ich erwarte ja keine Dankbarkeit, aber ein wenig Respekt vor den Leistungen der Wessies wäre angesichts dieser Tatsachen schon angebracht.

      • Ist ja nicht so, dass wir Ossis nicht auch dafür bezahlt hätten. Ich kann mich zum Beispiel nicht daran erinnern, dass wir von Steuern befreit gewesen sind.

        • „Ist ja nicht so, dass wir Ossis nicht auch dafür bezahlt hätten. Ich kann mich zum Beispiel nicht daran erinnern, dass wir von Steuern befreit gewesen sind.“

          Solange der Finanzstrom netto nach Osten strömt, zahlt Ihr NICHTS!
          NIENTE. NADA

          Für den einzelnen Ossi mag das anders sein, ebenso wie für den einzelnen Wessi. Aber wir reden hier ja über die Gruppen.

          Da empört sich eine Ossi-Rentnerin telegen über „unser“ Geld, das den Ausländern nachgeworfen wird, vergessend, dass es eben NICHT „unser“, sondern das Geld der Wessis ist, von dem sie in genau gleicher Weise profitiert.
          Und hier im Westen (außer Bayern, das schon seit jeher am ganz rechten politischen Rand Politik betreibt) erträgt man die neue Herausforderung offensichtlich mit weit mehr Geduld.
          Man erkennt in den Veränderungen eben aus vergangener Erfahrung auch Chancen.

          Im Osten suhlt man sich im Völkischen und wundert sich, wieso die Wirtschaft stagniert und die jungen Menschen abwandern. MacPomm ist schon heute das Altenheim der Republik.

          • Ja, Ihr erkennt auch Chancen. Neben der türkischen nun noch ein Bude mit syrischem Fast Food und ein paar Salafisten mehr…

          • „außer Bayern, das schon seit jeher am ganz rechten politischen Rand Politik betreibt“

            Und genau deshalb das erfolgreichste Land der Bundesrepublik ist ☺

          • Bauernschläue. Ja wir nehmen einen Großteil der Vertriebenen, kriegen dafür aber auch Siemens usw. 🙂

          • „Und genau deshalb das erfolgreichste Land der Bundesrepublik ist“

            Bayern schwimmt zumindest in der oberen Liga.

            Und weißt Du, was der Unterschied zu den Ostdeutschen ist?
            Sie pöbeln – und stellen die neuen Mitbürger ein.
            Neben dem – für uns Norddeutsche oft nur schwererträglichen – typisch bayerischen Patriotismus denkt man dort auch sehr pragmatisch und weiß die Chancen zu nutzen.

          • „Und hier im Westen (außer Bayern, das schon seit jeher am ganz rechten politischen Rand Politik betreibt) erträgt man die neue Herausforderung offensichtlich mit weit mehr Geduld.“

            Also ich habe den Eindruck, auf die neue Herausforderung „Rechtspartei im Bundestag“ wird im Westen ganz besonders hysterisch reagiert, obwohl das ja auch kein so neues Phänomen ist. In der Anfangszeit der BRD war eine sogar an der Bundesregierung beteiligt. Und wer weiß, vielleicht hat sie sogar das Wirtschaftswunder verursacht…

            „Im Osten suhlt man sich im Völkischen und wundert sich, wieso die Wirtschaft stagniert und die jungen Menschen abwandern. MacPomm ist schon heute das Altenheim der Republik.“

            Und wie ist es in Sachsen, dem „völkischsten“ aller ostdeutschen Länder?

            „Und genau deshalb das erfolgreichste Land der Bundesrepublik ist“

            Offensichtlich 🙂

          • „In der Anfangszeit der BRD war eine sogar an der Bundesregierung beteiligt.“

            In der jungen Bundesrepublik waren braune Wertvorstellungen noch in mehreren Parteien Standard. Auch Adenauer wilderte ohne zu Zögern in den Kreisen.

            „Und wer weiß, vielleicht hat sie sogar das Wirtschaftswunder verursacht…“

            Oha. Wer soll das denn gewesen sein?
            Bis jetzt dachte ich immer, das Wunder hätte in erster Linie der Marshall-Plan bewirkt.

          • Nein. Nicht der Marshall-Plan. Sondern Ludwig Erhardts Marktwirtschaft, heute als „Neoliberalismus“ bezeichnet.

          • „Nicht der Marshall-Plan. Sondern Ludwig Erhardts Marktwirtschaft,…“

            Ok, damit kann ich auch leben. 🙂

          • Nein. Nicht der Marshall-Plan. Sondern Ludwig Erhardts Marktwirtschaft

            Unsinn! Das waren die Trümmerfrauen. Die haben erst aufgeräumt und dann alles wieder aufgebaut. Kannst Du bei Schrupp und Schwarzer nachlesen!

          • „Da empört sich eine Ossi-Rentnerin telegen über „unser“ Geld, das den Ausländern nachgeworfen wird, vergessend, dass es eben NICHT „unser“, sondern das Geld der Wessis ist, von dem sie in genau gleicher Weise profitiert“

            Falsch. Das Geld im Bundeshaushalt ist tatsächlich „unser“ Geld, unabhängig davon, wer es eingezahlt hat. Deshalb finde ich es durchaus berechtigt, wenn z.B. Ost-Rentner sich beschweren, dass der Staat nicht ausreichend Geld für eine Rentenangleichung hat, aber 30-50 Milliarden jährlich für die Flüchtlinge aufbringt.
            Generell, Carnofis, finde ich es ziemlich arrogant, wie du mir als ostdeutschem Steuerzahler verbieten willst, eine Meinung über die Verwendung von Steuergeldern zu haben.

            „Im Osten suhlt man sich im Völkischen und wundert sich, wieso die Wirtschaft stagniert und die jungen Menschen abwandern.“

            Kann es sein, dass du da Ursache und Wirkung verwechselst?

      • So viele Asylanten können hier gar nicht kommen, damit sie auch nur einen Bruchteil dessen kosten, was uns der Osten gekostet hat.

        Es ist aber schon klar, dass die Infrastrukturmaßnahmen, die im Osten durchgezogen worden sind, oft durch westdeutsche Dienstleister abgewickelt wurden, oder? Eigentlich ist der ganze Aufbau Ost ein gigantisches Konjunkturprogramm, sonst sähe es im Westen auch finsterer aus.

        (Übrigens zahlt auch jeder Ossi den Soli.)

        P.S.: Für die ganzen gut ausgebildeten Kinder, die der Osten dem chronisch kinderarmen Westen geschenkt hat, damit dort nicht schon vor 10 Jahren alles zusammenbrach, dafür erwartet im Osten auch niemand Dankbarkeit, aber ein wenig Respekt vor den Leistungen dieser geliehenen Kinder und dem Opfer der Eltern wäre angesichts dieser Tatsachen schon angebracht.

        • „Eigentlich ist der ganze Aufbau Ost ein gigantisches Konjunkturprogramm, sonst sähe es im Westen auch finsterer aus.“

          Die Wiedervereinigung ein generell riesiges Konjunkturprogramm für den Westen. Es wurden auch Unmengen Vermögenswerte für 1,00 DM an Westunternehmen verschleudert und ein signifikanter Markt unter staatlicher Zerschlagung der örtliche Konkurrenz (die zwar oft, aber keineswegs immer nicht konkurrenzfähig war) erschlossen. Soweit ich weiß, hat die Wiedervereinigung viele westdeutsche Unternehmen vor der Pleite gerettet.
          Das alles sieht man natürlich nicht bei Zahlungsflüssen aus Steueraufkommen, sollte aber berücksichtigt werden, wenn man über die Auswirkungen der Wiedervereinigung auf Westdeutschland spricht.

  4. Einheit? Wie denn bitte? Ich (als Wessi) sage: Das war keine Wiedervereinigung, sondern eine feindliche Übernahme. War bereits damals in der Finanzbranche tätig und kann mich noch lebhaft erinnern, wie sich der Abschaum des Kapitalismus nach drüben aufmachte, um zu rauben und zu plündern, wo es nur ging. Will gar nicht wissen, wie viele Menschen damals um ihre Ersparnisse gebracht worden sind. Und dann kam die Treuhand und vernichtete alles, was noch stand.

    Und redet man dort mal MIT den Menschen (und nicht über sie), kommen immer wieder die gleichen Geschichten. Viele – viel zu viele – haben damals ihren Job verloren und sind nie wieder auf die Beine gekommen. Und das ist in einer Gesellschaft, die sich extrem stark über die (Erwerbs-) Arbeit definiert, echt fatal.

    Das linke Spektrum will (oder kann) die Probleme nicht sehen. Geht ja hauptsächlich um weiße, alte, heterosexuelle Männer, die eh alle doofe Nazis sind und außerdem selber schuld. Und TADAAA, schon haben wir 13% AfD Wähler, da die AfD geschickt die Lücke besetzt hat.

    Das die AfD noch viel marktradikaler ist und sich einen Sch***** um die Abgehängten der Gesellschaft kümmert, steht auf einem andern Blatt. Merke: Erst wenn der letzte Flüchtling (Asylbewerber, Ausländer) abgeschoben ist, werdet ihr merken, dass man Rassismus und Xenophobie nicht essen kann.

    • „Das war keine Wiedervereinigung, sondern eine feindliche Übernahme. War bereits damals in der Finanzbranche tätig und kann mich noch lebhaft erinnern, wie sich der Abschaum des Kapitalismus nach drüben aufmachte, um zu rauben und zu plündern, wo es nur ging.“

      Das stimmt. Und das Schlimmste ist, dass es ganz offen vor aller Augen geschah. Das ging Anfang der 90er in den neuen Bundesländern zu, wie 1896 am Klondike.
      Da verdingten sich gegen ein Riesenentgelt Leute als Wirtschaftsexperten, die bestenfalls mal daran gedacht hatten, Wirtschaftswissenschaften zu studieren.
      Unter der damaligen Kohl-Regierung (CDU/FDP) wechselten massenhaft Immobilien bester Lage vom Osten ins Eigentum westlicher Mittelstandsbürger, die sich die Erwerbungen bis zu 100% über Abschreibungsmodelle vom Steuerzahler bezahlen ließen.

      „Viele – viel zu viele – haben damals ihren Job verloren und sind nie wieder auf die Beine gekommen. Und das ist in einer Gesellschaft, die sich extrem stark über die (Erwerbs-) Arbeit definiert, echt fatal.“

      Auch das stimmt. Allerdings sehe ich das etwas differenzierter. Viele Bereiche der ostdeutschen Wirtschaft waren derart marode, dass ein Weiterbetrieb nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen nicht möglich war. Und ich weiß, wovon ich schreibe. Ich war selbst bei der Bewertung einer Wittenberger Firma vor Ort. Wir hätten gern den Betrieb weitergeführt, aber der Laden war so rott, dass man für das Altmetall nicht mal Geld hätte kriegen können, weil – nur noch Rost.
      Auf der anderen Seite waren weggegammelte Rohre durch solche aus teuerstem Jenaer Glas ersetzt worden. In der DDR wurde schon zu lange von der Substanz gezehrt.

      Aber es gibt noch eine unangenehme Wahrheit:
      Ich habe damals direkt an der Grenze gewohnt und mich über die irrsinnig niedrigen Preise ostdeutscher landwirtschaftlicher Erzeugnisse gewundert. Ich erinner mich an Kirschen und Eier, die ich fast geschenkt hätte kriegen können. Begründung der Bauern: „Unsere Bürger kaufen lieber die Kirschen (oder Eier) im Westen, weil sie denken, die sind besser.“
      Auch daran sind einige eingegangen. Nicht an allem waren die Wessis schuld.

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