Frauenquoten für die Parteien

Nach dem durch die Stärkung konservativer Parteien der Anteil der Frauen im Bundestag gesunken ist wurde in einem Beitrag in dem SPD-Blatt „Vorwärts“ durch Frau Elke Ferners die Idee ins Gespräch gebracht, dass man eine Frauenquote für die Parteien benötigen würde:

Wir sehen, dass der Frauenanteil in den Parteien mit parteiinternen Quotenregelungen deutlich besser ist. Der Frauenanteil bei Grünen und Linken liegt bei über 50 Prozent, bei der SPD bei 42 Prozent. Für uns ist es nach 2013 die zweite Wahlperiode mit über 40 Prozent in der SPD-Bundestagsfraktion. Deutlich wird aber auch, dass mit dem geltenden Wahlrecht eine paritätische und damit repräsentative Vertretung von Frauen und Männern im Bundestag kaum zu erreichen ist.

Was ist zu tun?

Wenn in dieser Wahlperiode das Wahlrecht geändert wird, plädiere ich dafür, auch das Thema paritätische Besetzung der Parlamente anzugehen. Vorbild können Frankreich und andere europäische Länder sein, in denen eine paritätische Besetzung bereits im Wahlrecht verankert ist. Diese Debatte muss jetzt geführt werden.

Dann ist der geringe Frauenanteil im neuen Bundestag als Signal zu verstehen?

Die Parlamente sollen ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung abbilden. Frauen zählen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung und sollten auch die Hälfte der Mandate im Bundestag haben. Wenn das über die Parteien nicht möglich ist, müssen wir das über unser Wahlrecht absichern.

Das war auch bereits Thema anderer Beiträge auf anderen Blogs zB:

Die Kritik wären aus meiner Sicht:

  • Es besteht kein Anspruch auf repräsentative Vertretung: Sie existiert auch für keine andere Gruppe. Wenn Leute mehr Frauen im Parlament wollen, dann müssen sie eben Parteien wählen, die mehr Frauen aufstellen. Wenn ihnen diese nicht gefallen, dann müssen sie Prioritäten setzen, wie bei jeder sonstigen Frage auch
  • Wenn man mit Quoten bei Frauen anfängt, warum dann nicht auch für Männer (zB bei den Grünen), oder nach Alter, Hautfarbe, Beruf oder anderen Kriterien, die nicht vertreten sind?
  • Es ist mit unserem Wahlrecht schwer zu vereinbaren, weil Direktmandate vorhanden sind nach der 1. Stimme. Hier würde selbst eine Vorschrift, die vorschreibt, dass auch diese zu 50% besetzt werden wenig helfen, weil in bestimmten Kreisen eine höhere Aussicht auf ein Direktmandat besteht. Es wäre auch schwer zu entscheiden, welcher Wahlkreis jetzt quotendienlich besetzt wird und welcher nicht. Ein „Nachrücken“ des mit weniger Abgeordneten bedienten Geschlechts könnte zwar Abhilfe schaffen, würde aber auch nicht helfen, wie die CDU zeigt, bei der über die Liste niemand einzieht, sondern nur Direktmandate.
  • Es ist eine unzulässige Einmischung in die internen Angelegenheiten einer Partei und auch auf deren Besetzung und damit auf das Wahlrecht:
    Wenn eine feministische Partei allein Frauen aufstellen will um das Patriarchat zu bekämpfen, dann muss ihr das möglich sein.
    Wenn eine „Väterpartei“ nur Väter aufstellen möchte, dann muss ihr auch das möglich sein.
    Aber auch abseits solcher Spezialthemen muss eine Partei entscheiden können, wer ihre Interessen und ihre Überzeugungen am Besten vertritt und diese Person aufstellen können. Und das eben auch, wenn es eher Männer als Frauen oder eher Frauen als Männer sind.
    Es kann nicht sein, dass eine Partei eine andere Person vorziehen muss, die weniger hinter ihrer Idee steht oder diese aus ihrer subjektiven Sicht schlechter oder weniger engagiert vertritt oder auch nur mit geringeren finanziellen eigenen Aufwand weil sie einer Quote folgt. Gerade das Argument der „Repräsentation“ spricht dafür, dass man sich davon andere Inhalte verspricht, darauf darf in einer freien Wahl aber kein Einfluss genommen werden.
  • Es spricht den Frauen die Fähigkeit ab, nach ihren eigenen Interessen zu wählen: Wer meint, dass Frauen bei freien geheimen Wahlen keine Entscheidung treffen können, die für sie vorteilhaft ist und damit als mündige Bürger wählen, der sieht sie nicht als mündige Bürger an.

Aranxo verweist zu recht auch auf die Rechtsprechung, die darauf abstellt, dass der Staat keinen Einfluss auf die Wahl nehmen darf, auch nicht um die Gleichstellung der Frau durchzusetzen.

Die interessanten Vorschriften aus dem Grundgesetz sind aus meiner Sicht diese:

Art. 21

(1) 1Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. 2Ihre Gründung ist frei.3Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen. 4Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.

(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.

(3) 1Parteien, die nach ihren Zielen oder dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgerichtet sind, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind von staatlicher Finanzierung ausgeschlossen. 2Wird der Ausschluss festgestellt, so entfällt auch eine steuerliche Begünstigung dieser Parteien und von Zuwendungen an diese Parteien.

(4) Über die Frage der Verfassungswidrigkeit nach Absatz 2 sowie über den Ausschluss von staatlicher Finanzierung nach Absatz 3 entscheidet das Bundesverfassungsgericht.

(5) Das Nähere regeln Bundesgesetze.

Damit gibt das Grundgesetz vor, dass die innere Ordnung lediglich demokratischen Grundsätzen entsprechen muss, wozu Gleichberechtigung oder gar Gleichstellung erst einmal nicht gehört. Wer weniger Frauen ins Parlament bringt will auch nicht die FDG beseitigen oder beeinträchtigen.

Des weiteren heißt es dort:

Art. 38

(1) 1Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. 2Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

(2) Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt.

(3) Das Nähere bestimmt ein Bundesgesetz.

Dort wird bereits angeführt, dass die Abgeordneten Vertreter des ganzen Volkes sind und nicht etwa Männer nur Vertreter der Männer. Eine repräsentative Vertretung, wonach nicht Vertreter eines Volkes, sondern einzelner Gruppen einziehen, ist damit schwer zu vereinbaren.

Frau Ferner führt an;

Nun werden Kritiker einwerfen, dass es Gleichstellung bereits gibt und Frauen alle Möglichkeiten haben. Was sagen Sie denen?

Das ist wieder das Motto „die Frauen sind selbst schuld“. Frauen haben aber die gläsernen Decken nicht erfunden. Das sind Schutzwälle der Männer. Schauen wir beispielsweise auf die FDP. Die behauptet immer, wer qualifiziert ist, wird auch gewählt. Wenn es aber bei der FDP nur ein Fünftel qualifizierte Frauen und bei der Union noch weniger gibt, die sichere Plätze haben und in den Bundestag einziehen, dann tun mir die Frauen in diesen Parteien einfach nur leid. Leider wirkt sich das dann auch auf die Gleichstellungspolitik aus. Frauen und Männer, die sich eine tatsächliche Gleichstellung wünschen und in einer modernen vielfältigen Gesellschaft mit gleichen Chancen für alle leben wollen, haben keine Lobby in diesen Fraktionen. Diese Wahlperiode wird eine des gleichstellungspolitischen Stillstandes werden.

Nur das die CDU mit deutlich weniger Frauenanteil eben wesentlich mehr Frauen überzeugt hat als die SPD. Man könnte dem Gedanken folgend anführen, dass einem die SPD leid tun kann, die anscheinend  mit doppelt so vielen Frauen nur die Hälfte der Wählerinnen überzeugen konnte. Werden die Frauen dann in der SPD vierfach so stark unterdrückt, weil sie anscheinend ihre Ideen zur Frauenvertretung nicht umsetzen konnten, denn sonst hätten sie nach der Logik ja mehr Frauen gewählt?

Anscheinend haben Frauen, die sich eine Gleichstellung wünschen schlicht keine Lobby bei den Wählerinnen.

Nun mehr diesen Wählerinnenwillen zu umgehen indem man zwangsweise Frauen in die Parteien setzt ist geradezu absurd und undemokratisch. Zum einen erklärt sie, dass Gleichstellung nur über Frauen geht. Zum anderen spricht sie den Wählerinnen ab, dass sie Parteien wählen, die ihre Interessen vertreten.

Tatsächlich ist es auch keine gläserne Decke, gegen die Frauen stoßen, sondern schlicht ihre schlechte Beteiligung an den Parteien. Alle Parteien haben prozentual zumindest die gleiche Anzahl  weiblicher Abgeordnete in den Bundestag geschickt die auch dem Verhältnis weiblicher Mitglieder entspricht.

Weiter im Interview

Frau Ferner, die SPD hat mit Andrea Nahles eine Frau an die Spitze der Bundestagsfraktion gewählt. Freut Sie das?

Ja, es freut mich wirklich sehr. Am Mittwoch hat die SPD-Bundestagsfraktion Geschichte geschrieben. Etwas spät, wie ich finde. Aber besser spät als nie. Nun ist zu hoffen, dass auch die anderen Funktionen, nämlich in der Fraktion und in der Partei paritätisch besetzt werden.

Auch interessant:

Ihre Partei „schreibt Geschichte“ mit einer ersten weiblichen Fraktionsvorsitzenden und Null  (0) weiblichen Kanzlerkandidatinnen, die Partei, der sie Stillstand der Gleichstellung vorwirft, 2002 ihre erste Fraktionsvorsitzende hatte (Merkel)  und seit 2005 eine Bundeskanzlerin stellt (ebenfalls Merkel). Auch die FDP hatte bereits 2009 eine Fraktionsvorsitzende (Birgit Homburger). Und die AFD hat von Anfang an mit Weidel eine Fraktionsvorsitzende (zusammen mit Gauland).  Tatsächlich ist die SPD die letzte der im Bundestag vertretenen Parteien, die eine weibliche Fraktionsvorsitzende hatte. 

Vielleicht geht es eher den Frauen in der SPD schlechter als in anderen Parteien.

Interessant aus dem ersten Abschnitt fand ich im übrigen noch ihren Hinweis auf Frankreich und die EU.

Zu Frankreich habe ich das hier gefunden:

Seit Beginn des Jahrhunderts wurde die Gesetzgebung zum Thema Gleichstellung zwischen Mann und Frau mehrfach geändert. 1999 wurde im Rahmen einer Verfassungsänderung Artikel 3 der Verfassung der Fünften Republik wie folgt ergänzt: „Das Gesetz fordert den gleichen Zugang von Frauen und Männern zu den Wahlmandaten und auf einer Wahl beruhenden Ämtern“. Diese Ergänzung wurde 2008 in Artikel 1 aufgenommen. Erst diese neue verfassungsrechtliche Bestimmung machte die Verabschiedung weiterer Gesetze zur Förderung des Zugangs von Frauen zu Wahlmandaten möglich.

2000 wird die öffentliche Finanzierung politischer Parteien per Gesetz so geändert, dass ein Teil der staatlichen Förderung nur dann ausgezahlt wird, wenn die Kriterien für eine gleichberechtigte Aufstellung von Kandidaten bei regionalen und nationalen Wahlen erfüllt sind.

Also eine indirekte Frauenquote über die Parteienfinanzierung. Ich würde davon ausgehen, dass auch ein solcher Ansatz als Umgehung gegen die oben angeführten Wahlgrundsätze verstoßen würde. In Frankreich wird allerdings auch jeder Wahlkreis nach dem Mehrheitsprinzip vergeben (also der mit den meisten Stimmen im zweiten Wahlgang erhält den Platz). Zur EU habe ich nichts zu Quoten gefunden.

Dann noch ein paar taktische Erwägungen:

Ist es tatsächlich schlau für die SPD (oder linke Parteien) eine Frauenquote für alle Parteien einzuführen?

Ich würde sagen: Es kommt darauf an

  • Wenn es so wäre, dass die anderen Parteien damit keine Fraueninteressen vertreten und damit Frauen mehr Gleichberechtigung oder gar mehr Gleichstellung einfordern wollen, dann rauben sich die linken Parteien ein Alleinstellungsmerkmal bei einer großen Wählerschicht.
    Ihr Argument „Hier werdet ihr von Frauen vertreten, wählt daher uns“ würde dann wegfallen und die CDU, die FDP etc könnten anführen, dass sie genauso mit Frauen aufwarten können, wie die anderen Parteien auch.
  • Gehen sie davon aus, dass mehr Frauen im Bundestag dazu führen, dass die CDU feministischer wird, dann würden sie auch eher Wähler verlieren und könnten sich weniger abgrenzen
  • Wenn sie davon ausgehen, dass die Frauenquote eine Last ist und die CDU einen Vorteil davon hat, dass sie diese nicht hat, dann wäre es taktisch schlau, dass sie eine solche einführen wollen
  • Wenn sie davon ausgehen, dass eine solche eh nicht umgesetzt werden kann, sie aber mit Virtue Signalling Punkte machen, dann wäre es ebenfalls taktisch schlau, dies in die Diskussion zu werfen, die Umsetzung wäre dann aber nicht Priorität-

Natürlich kann aus Sicht feministischer Parteimitglieder der Anteil der Frauen am Parlament ein Gewinn an sich sein, bei dem taktische Gedanken keine Rolle spielen.

 

36 Gedanken zu “Frauenquoten für die Parteien

  1. Ob sich wohl eine Bankkauffrau, Altenpflegerin oder Bäckerin von Andrea Nahles besser vertreten fühlen als von einem Mann der tatsächlich mal in der freien Wirtschaft gearbeitet hat und nicht nur von der SPD Geld bekommen hat?

  2. Hier in der Schweiz kann man bei einer Parteiliste alle Männer oder Frauen streichen und alle Männer oder Frauen doppelt hinschreiben, wenn man will.
    Das heisst: wenn alle Frauen alle Männer streichen würden und Frauen doppelt wählen würden, dann wäre der Anteil blitzschnell bei über 50%.
    Die Schweiz hat jedoch auch nur einen Frauenanteil von knapp 30% im Parlament.
    Soll heissen: Frauen machen mehr als 50% der Wahlbevölkerung aus
    Wenn Frauen es nicht schaffen, alle vier Jahre sich 10 Minuten Zeit zu nehmen und einen Wahlzettel auszufüllen und dabei alle Männer zu streichen und alle Frauen doppelt zu wählen, dann ist das offenbar ihr „freier Wille“ so zu wählen, wie sie wählen. Deshalb: Das ganze Geschrei um Stereotypen, Männerseilschaften oder Strukturen, die Frauen benachteiligen ist einfach ein Witz. Man kann Frauen ja nicht zwingen, Frauen zu wählen.

    • „Man kann Frauen ja nicht zwingen, Frauen zu wählen“

      „“Nein, wir wollen den Frauen gerade nicht die Wahl lassen zwischen Berufstätigkeit und Mutterdasein und zwar aus dem einfachen Grunde, weil zu viele Frauen sich für die Mutterschaft entscheiden würden.““

    • „Man kann Frauen ja nicht zwingen, Frauen zu wählen.“

      Genau das wird aber versucht, wenn man Zwangsquoten einführen will. Feministen sind so von sich überzeugt und so frei von jeglichen Fehlern, dass sie alle Menschen zwingen wollen, genau so zu denken wie sie. Es ist ja die Schuld der Leute, zu blöd zu sein um Gleichstellung (wie immer hier in dem diskutierten Artikel verwechselt mit Gleichberechtigung) durchzuführen, also muss man sie zu ihrem Glück zwingen.

      Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!

  3. In Bezug auf das Schlagwort der „repräsentativen Vertretung“ wird häufig ein wesentlicher Punkt übersehen:

    Die Parlamentarier repräsentieren nicht nur die Leute solcher Bevölkerungsgruppen, zu denen sie selber zählen – sie repräsentieren natürlich auch ganz andere Leute: Ein *alter* Parlamentarier repräsentiert auch *junge* Wähler, ein *reicher* Parlamentarier repräsentiert auch *arme* Wähler – und ein *männlicher* Parlamentarier repräsentiert auch *weibliche* Wähler.

    Und wenn bspw. die Ministerin für Familie usw. keine Männer repräsentiert, dann liegt hier eben ein Missbrauch ihres Mandates vor.

    Jedenfalls, auf Grund dieser allgemeinen Repräsentation (Repräsentations-Pflicht) der Parlamentarier sind alle weiblichen Wähler auch durch männliche Parlamentarier „repräsentativ vertreten“.

    Zu unterstellen, weibliche Wähler könnten allein durch weibliche Parlamentarier „repräsentativ vertreten“ sein, ist falsch, denn weibliche Parlamentarier vertreten eben genau so auch männliche Wähler wie sie weibliche Wähler vertreten. Hier besteht gar kein Unterschied.

    Und die Forderung, die weibliche Bevölkerungsgruppe müsste paritätisch durch weibliche Parlamentarier vertreten werden, beruht auf einer falschen Voraussetzung – auf einem Missverständnis der parlamentarischen Demokratie.

  4. Ein „Nachrücken“ des mit weniger Abgeordneten bedienten Geschlechts könnte zwar Abhilfe schaffen, würde aber auch nicht helfen, wie die CDU zeigt, bei der über die Liste niemand einzieht, sondern nur Direktmandate.

    Du meinst die CSU. 🙂

    Ceterum censeo: Ich hätte von der SPD einen weiblichen Kanzlerkandidaten erwartet. Bis sie das nicht machen, sollen sie mal still sein. Aber auf der Position ist ein Erfolg eben mit hohem Risiko des Scheiterns verbunden, das möchten wohl viele nicht. Wobei man in der SPD ja weich fällt und trotzdem an der Spitze weitermacht, auch wenn man ein historisches Debakel zu verantworten hat.

    Lustigerweise wird Angela Merkel, die ja nun einmal das wichtigste politische Amt innehat, als „kein echter Schotte“ gewertet – ebenso wie Ursula von der Leyen. Ist wohl die falsche Partei bzw. würde die These von der gläsernen Decke abschwächen. Frauen in der Politik zählen nicht für Feministinnen vom Schlage Anne Wizoreks.

  5. „Natürlich kann aus Sicht feministischer Parteimitglieder der Anteil der Frauen am Parlament ein Gewinn an sich sein, bei dem taktische Gedanken keine Rolle spielen.“

    Wenn man bedenkt, wie wenige Frauen sich eigentlich als Feministinnen sehen, bringt eine reine Steigerung des Frauenanteils im Parlament den Feministinnen erst mal ziemlich wenig. Es bräuchte da schon eher eine Feministinnenquote – es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis genau das gefordert wird.

    Soweit ich mich erinnere, gab es das sogar schon – ich denke, es kam von der Mädchenmannschaf in Bezug auf Quoten in Aufsichtsräten.

      • Genau den Text meinte ich mit „gab es sogar schon“ – ich war nur zu faul, den Link nochmal rauszusuchen – danke dafür.
        Ich habe einfach unter den üblichen Verdächtigen auf Mädchenmannschaft getippt, aber Antje Schrupp wäre mein nächster Versuch gewesen.
        Ich glaube, der Artikel auf derstandard.at wurde sogar hier im Blog schonmal diskutiert.

        • Allerdings interpretiere ich nach genauerem Lesen des Artikels auf derStandard.at die Aussage von Antje Schrupp eher so, dass sie meint, dass eine Quote wirkungslos wäre, weil es ja nicht darum gehe, beliebige Frauen in die Politik zu bringen, sondern mehr Feministinnen. Dass dazu eine Quote tauglich wäre, besagt ihre Aussage nach meinem Verständnis gerade nicht; sie ist eher eine rhetorische Figur (also die Aussage, nicht Frau Schrupp). Als „Forderung nach einer Feministinnenquote“ zählt das also nicht. Aber kommt bestimmt noch …

      • Eine Feministinnenquote also. Und warum wählen? Was war die Idee beim dem Wahlzeugs doch gleich noch mal?
        Ja, auch in Nordkorea wird gewählt. Das wär sicherlich ganz nach Schruppens Geschmack, wenn Kim eine Frau und Feministin wär! Da darf gewählt werden zwischen Kin Jong Un und Kim Jong Un und ….

        • Also Tante Schrupp ist auch gar nichts peinlich. Naja, feministische Theologie … sagt doch alles. Was da noch an religiösem Leben vorhanden ist, werden die feministischen Heuschrecken auch noch schleifen. Ist nur eine Frage der Zeit.

          • Nochmal: Die Aussage ist nicht so zu verstehen, dass Frau Schrupp eine Feministinnenquote fordert; sie ist nur der etwas überspitzte/missglückte Versuch, darauf hinzuweisen, dass eine Frauenquote kein taugliches Mittel ist, um zu einer feministischeren Politik zu kommen. Die tatsächlich ausgesprochene Quote war demnach nicht ernst gemeint.

  6. Das Projekt 18% läuft weiter auf Vollgas.
    Des Weiteren bin ich mittlerweile geneigt unter jeden politischen Kommentar „Darum AFD“ zu schreiben. Wäre diese Partei nur einen Tick subtiler und die mediale Propagandamaschinerie nur minimal geringer, man hätte schon in dieser Wahl 25-30% abgeräumt.

    BTW: Gerade mit einer alten Rentnerin diskutiert, sie hat „aus Mitleid“ SPD gewählt. Auch eine Strategie!

    • Das sind die zwei Enttäuschungen bei der letzten Wahl: dass SPD ihr Ziel 18% verfehlt hat, und dass die Grünen wieder drin sind.

      Nachtrag. Mitleid als Grund für ein Kreuzchen bei SPD ist als Grund akzeptabel. (Alle anderen Gründe sind es nicht.)

  7. „Tatsächlich ist es auch keine gläserne Decke, gegen die Frauen stoßen, sondern schlicht ihre schlechte Beteiligung an den Parteien.“

    Betrachten wir nochmal die Liste der Bundestagsabgeordneten in Relation zu den Parteimitgliedern, dann kann man nicht nur nicht von einer „gläsernen Decke“ sprechen, an die angeblich Frauen stoßen würden, sondern von einem Fahrstuhl, der politisch aktive Frauen überdurchschnittlich schnell in der jeweiligen Partei aufsteigen lässt.

    Die Feministinnen wollen uns nicht Talmi für Gold verkaufen, sondern behaupten, das Gold, das ihnen zukommt, sei billiges Talmi.

  8. Wer mehr Frauen in politischen Ämtern wünscht, der müsste erstmal eine Forderung an die Frauen formulieren, nämlich dass sich mehr Frauen in den Parteien engagieren sollten.
    Wenn von allen Parteimitgliedern etwa 30% Frauen sind, dann ist ein 30%-Frauenanteil im Parlament genau das, was bei einer fairen Auswahl zu erwarten ist. Die „Unterrepräsentation“ von Frauen ist das Resultat von mangelndem Engagement. Aber verantwortlich gemacht werden die Männer, die männlichen Strukturen und die rosa Kleidchen (vom Patriarchat den Mädchen aufgezwungen) der kleinen Mädchen. Nur die Frauen, die haben nirgends nie irgendwelche Defizite, haben niemals nie irgendwas zu den bestehenden Verhältnissen beigetragen. Die Frauen waren während der gesamten Weltgeschichte nur unbeteiligte Gafferinnen und sind deshalb unschuldig und ohne jede Verantwortung. Hätte Mann sie doch nur machen lassen!

    • „Wer mehr Frauen in politischen Ämtern wünscht, der müsste erstmal eine Forderung an die Frauen formulieren, nämlich dass sich mehr Frauen in den Parteien engagieren sollten.“

      Man könnte das ja etwas anders formulieren, dann könnte sogar ich das – wenigstens ein wenig – mittragen.
      Die Parteien könnten sich selbst verpflichten, so viele Abgeordnete ins Parlament zu schicken, wie ihrem Mitgliederanteil entspricht.
      Die derzeitige Regelung ist in Wirklichkeit keine Motivation der politisch aktiven Fraun, für mehr Geschlechtsgenossinnen zu kämpfen. Im Gegenteil, je niedriger der Frauenanteil in der Partei, desto höher die eigene Karrierechance.
      Wäre ich Frau, ich würde andere Frauen tunlichst von der politischen Arbeit fernhalten.

    • Hätte ich nicht besser schreiben können. Wir erleben, was Melford E. Spiro beobachtet hat: Sobald die Gleichberechtigung praktisch erreicht ist, schwingt das Pendel wieder in die andere Richtung. Der Grund? Den Frauen ist das schlicht zu anstrengend. Deshalb Quoten, da kriegt man die Beute auch ohne grossen Einsatz.

  9. Frauenquote für politische Ämter ist der Tod der Demokratie und der erste Schritt zu einer neuen Oligarchie. Jahrzehnte des Wohlstands und Friedens haben den Westen sehr angreifbar gemacht. Unser westliches Fundament wird nicht auf ewig halten.

    • die delegitimierung des parlaments durch quotierung bedeutet die delegitimierung des gesamten staates bzw. der verfassung, da unser gesamtes politisches system nun mal parlamentarisch ist; d.h. sich alle institutionen des staates (regierung, gesetze, gerichte, verwaltung) direkt oder indirekt aus dem parlament ableiten. ist die indirekte volksherrschaft durch das parlement erst mal durch eine herrschaft der Quote ersetzt, hat der staat also über kurz oder lang keine Legitimität mehr. das was diese gedankenlose, geschichtsvergessene vollidiotin Elke Ferner da fordert, kann daher (wenn man es konsequent weiterdenkt) bis zum bürgerkrieg führen. und alles nur wegen dem bisschen gleichstellungs-kindergarten. es ist wirklich beängstigend welche blüten feministische ideologie treibt.

  10. Der Logik folgend fordere ich mehr taube, geistig behinderte, wachkomabetroffene und tote Abgeordnete im Bundestag, um die jeweiligen Bürger zu repräsentieren.

    • „… fordere ich mehr taube, geistig behinderte, …“

      Mooooooment mal!

      Bevor hier hochdotierte Plätze verteilt werden, will ich einen Anteil für Linkshänder!
      Über die redet hier keiner, obwohl sie 16% der Bevölkerung stellen.

  11. Ein Statistker hat mal nachgerechnet: Für Frauenbenachteiligung bei der Bundestagswahl gibt es keinen statistischen Beleg, aber bei vier Parteien sind die Chancen männlicher Mitglieder auf einen Listenplatz signifikant geringer als die Chancen weiblicher Mitglieder.

  12. Pingback: Rot-Rot-Grün wollen eine Frauenquote für Parlament und Ämter einführen | Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.