Was verhindert, dass wir die genzentrierte Sicht verstehen?

Die genzentrierte Sicht führt immer wieder zu Widerspruch und scheint allgemein etwas zu sein, was viele Leute schwer akzeptieren können.

1. Versucht eines Beispiels

Ein Problem scheint mir zu sein, dass wir unsere Bedürfnisse als solche wahrnehmen und es uns schwer fällt einen übergeordneten Zweck, gerade etwas so abstraktes wie Fortpflanzung und Weitergabe von Genen, darin zu sehen. Für uns sind sie eben selbstverständlich Grundlage unseres Handelns. Aus unserem Hungergefühl zu abstrahieren, dass wir dieses nur entwickelt haben, damit wir Gene weitergeben und das „Überleben“ dazu nur ein notwendiger Zweck ist, erscheint uns bizarr, weil dieser Zweck uns selbstverständlich erscheint.

Dass es Selektionsprozesse geben kann, die dazu führen, dass ein Tier zB Brutpflege oder Eiablage über Ernährung priorisiert erscheint uns merkwürdig und nicht zu uns passend. Das liegt natürlich auch daran, dass ein Lebewesen, welches verhungert sich zunächst erst einmal nicht fortpflanzen kann. Gerade bei einer Spezies, die eine sehr lange Aufzucht von Kindern betreibt und bei denen Qualität des Nachwuchses vor Quantität geht und diese Qualität mit einer erheblichen Förderung erreicht wird ist eine kurzfristige Verlagerung auf Fortpflanzung zu Gunsten der Ernährung auch nur schwer möglich. Diese Erwägung passen insofern nicht für unsere Art, was ein verstehen erschwert. Bei Fischen, die Flussaufwärts ziehen, dort sich fortpflanzen und dann sterben sieht es ganz anders aus. Länger leben bringt für sie keinen wesentlichen Vorteil, es ist effektiver, dass sie alle Kraft in die Fortpflanzung stecken, auch wenn sie dann nicht überleben.

Dennoch bleibt es schwierig für viele uns als Teil eines solchen Prozesses zu sehen, weil wir eben lange leben.

Möglicherweise ist es einfacher, wenn man ein Bild verwendet:

Eine Fabrik ist zunächst erst einmal auf die Produktion bestimmter Waren und den Gewinn der Gesellschafter ausgelegt. Gewinn und Produktion von Waren wären hier in diesem Beispiel das Äquivalent der Fortpflanzung.

In einer Fabrik könnte man die Vorgänger aber auch anders sehen, wenn man diesen für uns deutlichen Zweck ausblendet. Der Gesellschafter ist natürlich auch um das Wohl seiner Arbeitnehmer besorgt, da er ohne sie nicht produzieren kann. Er richtet die Arbeitsplätze entsprechend ein, gerade dann wenn er qualifizierte Arbeitskräfte benötigt, die hochwertige Arbeit leisten. Er versucht Annehmlichkeiten zu installieren, die die Mitarbeiter glücklich stimmen und den Arbeitsplatz attraktiv machen. Er richtet beispielsweise eine gute Kantine ein oder andere Annehmlichkeiten wie Firmenfeiern oder Dienstwagen oder diverse andere Vorgänger von Massagen im Büro über Altersvorsorgen, die über das gesetzliche hinausgehen.

Bei einer Firma, die mit unqualifizierten Mitarbeitern produziert und billige Ware ausstößt, wird man dies nicht finden. Ein solcher Chef mag eher bereit sein seine Arbeitnehmer auszubeuten, da er sie jederzeit leicht ersetzen kann. Hingegen wird dies bei einer hochqualifizierten Tätigkeit, bei der ein starker Konkurrenzdruck bezüglich des Anwerbens von Mitarbeitern mit entsprechenden Fähigkeiten besteht und in einer Branche, die gute Gewinne macht und sich daher in einer starken Konkurrenz um Fliege Mitarbeiter, die diese Gewinne erhalten ist, anders aussehen.

Jemand, der nun anführt, dass ein Betrieb, der sich um hochwertige Mitarbeiter bemühen muss, nicht auf die Produktion von Waren und Gewinn ausgelegt ist, sondern darauf, dass es den Mitarbeitern gut geht, wird auch diverse Punkte anführen können, die in der Firma genau aus diesem Grund durchgeführt werden. Er wird vielleicht annehmen, dass diese Aktionen Selbstzweck sind. Der Betrieb ist dann auf die Versorgung der Mitarbeiter ausgelegt und deren Wohlergehen.

Die Produktion der Ware dient nicht mehr dem Gewinn, sondern ist lediglich Vorwand um die Mitarbeiter gut versorgen zu können. In dieser mitarbeiterzentrierten Sicht erscheint alles auf die Mitarbeiter ausgerichtet, was dann eben so die gute Betreuung dieser Mitarbeiter erklärt. Gegenargumente wären dann, dass er sie auch schlechter Behandlung könnte, dass sie nur bestimmte Arbeitszeiten haben, in denen ihnen erlaubt wird hochinteressanten Tätigkeiten nachzugehen und es wird auf die entsprechende Annehmlichkeiten, die der Arbeitgeber bereitstellt, verwiesen. Wie sollte er sonst Mitarbeiter auf diese Weise begünstigen, wenn sie nicht bei ihm arbeiten? Er könne ja ohne den Betrieb auch nicht die Annehmlichkeiten bereitstellen, die Produktion von Waren sei lediglich Anlass für das entsprechende gute Verhalten gegenüber den Mitarbeitern es handle sich letztendlich lediglich um eine Stelle, an der Mitarbeiter versorgt werden, nicht Waren produziert werden. Jemand, die Produktion von Waren abstellen würde hätte genau den falschen Blick, diese Seite ganz unwesentlich und nur ein zufälliges Element in der Versorgung der Mitarbeiter, welches eben nebenher stattfindet.

Auch hier kommen jetzt endlich langfristig nur solche Firmen dauerhaft über die Runden, die entsprechende Produkte produzieren und sich an die Gegebenheiten des Marktes anpassen. Solche, die lediglich auf Versorgung von Mitarbeitern ausgelegt sind, werden hingegen vom Markt verschwinden. Dennoch hat in einem hochqualifizierten Bereich die Versorgung der Mitarbeiter mit Interesse mit guten Gehältern und interessanten und angenehmen Arbeitsplätzen eine hohe Priorität, da sie gerade das bestehen am Markt ermöglicht. Das Bestehen am Markt ist jedoch das, was die Firma letztendlich weiterbringt und bei einer Betrachtung über den entsprechend langen Zeitraum ist die Produktion der Ware und deren Verkauf zu attraktiven Preisen an einem Markt in Konkurrenz letztendlich das Kriterium, welches zählt.

Die Lage der Gene ist noch viel brisanter als die Lage eines Betriebs, der fähige Mitarbeiter braucht:

Die Gene haben nur einen einzigen potentiellen Angestelltenpool, mit dem sie sehr hochwertige Produkte herstellen können: Einen selbst. Arbeitet er nicht für sie, dann müssen sie minderwertige Produkte herstellen (denn die Gene finden sich in dieser Form abgesehen von Zwillingen so in keinem anderen Körper, es bleiben dann nur Verwandte mit deutlich geringeren Anteil der eigenen Gene) .

Wer nur einen geringen Pool von Angestellten hat, mit denen er arbeiten und Gewinn machen kann, der wird eben noch viel mehr für diese tun, wird weniger wollen, dass sie Risiken eingehen, wird wollen, dass diese für Geschäftspartner, mit denen man das Produkt, was den Gewinn bringt, möglichst attraktiv ist und der Wert dort offensichtlich wird etc.

Der Mitarbeiter eines solchen Betriebs wäre vielleicht auch der Auffassung, dass sich alles nur um ihn dreht – und in gewisser Weise hätte er auch recht. Denn er ist der beste Weg für Gewinn.

2. Alles ist Fortpflanzung? Warum dann nicht einfach Sex

In einer Diskussion ging es kürzlich darum, dass man für Fortpflanzung doch einfach nur Sex haben müsste. Alles andere damit in Verbindung damit zu bringen sei doch vollkommen unnötig, Kunst oder andere Sachen seien eben schlicht Kultur und hätten damit nichts zu tun.

Aber das unterschätzt eben, dass man sich nicht nur einfach Fortpflanzen will, sondern, dass man wie in dem obigen Beispiel ja langfristig im Geschäft bleiben will.

Deswegen wird es interessant, Werbung zu machen, etwa durch Signale für die eigene Kraft, Intelligenz etc. Eine der einfachsten Wege das zu machen, ist deutlich zu machen, dass man besser ist als ein anderer potentieller Kandidat, also intrasexuelle Konkurrenz:

Das kann ganz direkt sein:

Oder auch indirekt, indem man besondere Anzeichen ausbildet, die darstellen, dass man „gute Gene“ hat und trotz besonderer Lasten sein Leben meistert:

Die Konkurrenz kann dabei auch über andere Sachen als Aussehen erfolgen:

Und sogar im Tierreicht findet man bestimmte Formen von Kunst:

„Kunst“ bietet sich sogar gerade an, weil sie es einem erlaubt Denkfähigkeit darzustellen. Und bei keiner Spezies ist Denkfähigkeit entscheidender als beim Menschen, sie ist das, was einem wohl die allermeisten Vorteile bringt.

Es ist damit zu erwarten, dass wir gerade auch im Bereich Intelligenz konkurrieren.

Ein anderer Weg darzulegen, dass man besser ist, aber gleichzeitig die Gefahren von Statuskämpfen zu vermindern, ist eine Hierachie auszubilden und in ihr möglichst weit oben zu stehen.

Das nutzen beispielsweise auch andere Primaten:

ABSTRACT In social animals, competition among males for mates affects individual reproductive success. The priority-of-access model attempts to account for the influence of demographic conditions within groups upon male reproductive success, but empirical data for testing this model are scarce. Our long-term study of chimpanzees in the Taı¨ National Park, Coˆte d’Ivoire, encompasses a period of steady decrease in community size and fluctuating numbers of competing males and sexually receptive females. These demographic changes, in combination with genetic assessment of paternity for 48 offspring from three communities, allowed us to quantify the effects of varying levels of competition upon male reproductive success.
On average, the highest-ranking male sired 50% of all analyzed offspring during a 14-year period from 1987– 2000. Competition among males strongly decreased the relative reproductive success of the alpha male, such that the alpha male’s rate of success decreased from 67% with few competitors to only 38% with four or more competitors.The increasing number of synchronously receptive females in large groups also reduced the proportion of paternities by the alpha male. Thus, patterns of paternity in Taı¨ chimpanzees fit well the predictions of the priorityof-access model. We also found that despite the inability of dominants to monopolize reproduction, they achieved a higher reproductive rate in large multimale groups, because these have more females and a higher infant survival rate. Varied levels of male competition within communities seem to explain differences in the reproductive success of alpha males observed in different chimpanzee populations, and in other primate species.

Man sieht, dass Status sich auszahlt. Wie man Status aufbaut ist dabei relativ egal, bei Menschen ist es eben komplizierter als bei Affen, weil wir intelligenter sind und eine wesentlich komplexere Welt hervorgebracht haben.

Das unserer Kampf um die Stelle des Abteilungsleiters, unser Wunsch über ein Studium einen Beruf mit einem höheren Status zu erhalten, alle Ausdruck davon sind, ebenso wie Rap-Musik, Kunst oder andere Luxusgüter klingt für viele falsch. Es ist aber nur eine Frage, wie sehr man bereit ist, solche Punkte zu abstrahieren um sie mit dem „tierischen Level“ vergleichbar zu machen, bei dem wir das problemlos akzeptieren

Sexuelle Selektion und evolutionäre Theorien sind die Einzigen, die hier eine über alle Bereiche stimmige Theorie hervorbringen.

Siehe auch:

Ein passender Wikipediaartikel dazu wäre:

64 Gedanken zu “Was verhindert, dass wir die genzentrierte Sicht verstehen?

    • Das ist richtig. Aber auf der Ebene der Biologie können wir es verstehen

      Was findest du eigentlich gut an dem Einwand? Er kommt ja häufiger, hat aber auch keine wirkliche Aussage. Computer sind auch Physik, aber niemand würde Software verstehen wollen, indem er sie als Physik auf der Festplatte begreift

      • @Christian,

        Es die Frage nach der angemessenen Analyse-Ebene.

        Der Grund, warum evolutionäres Wissen heutzutage überhaupt nur wichtig für durchschnittliche Informatiker wie mich ist, liegt in dem Umstand, dass eine Ideologie grassiert, die so falsch ist, dass sie mit simplen biologischen Prinzipien kollidiert.

        Angenommen, von den Genderidioten würde sich eine Tierschützergruppe abspalten, die fordert, dass alle – um Käfer zu schonen – 3 cm über dem Erdboden schweben sollen. Dann wäre Physik die angemessene Analyse-Ebene, um zu zeigen, dass der Vorschlag noch dümmer ist als Gender-Mainstreaming.

        Je dümmer die Ideologie, desto weiter muss man runter zu den Basics.

        Im Gegenzug gibt es Ideologien, die du rein biologisch nicht widerlegen kannst, ebenso wie du Gender nicht physikalisch widerlegen kannst. Die Abstraktionsebene ist falsch. Kommunismus halte ich für ein Beispiel.

        Insofern ist eben nicht alles Evolution und die Denkweise, dem sei doch so, erinnert sehr an die Physiker des letzten Jahrhunderts, die allen Ernstes meinten, Chemie und Biologie seien ja eigentlich auch nur Physik.

        Biologie kann Soziologie und Psychologie vielleicht beraten – so wie Biologen nicht ohne Physik auskommen – aber wegen anderer Abstraktionsebene nicht ersetzen.

        Feynmann meinte mal, wenn man die Wissenschaft auf einen Satz reduzieren wollte, wäre dieser „Alles besteht aus Atomen“. Du würdest sagen „Alles ist Evolution“.
        Beides ist in gleichem Maße gleichzeitig richtig und falsch.

        Daher immer wieder der Verweis auf die Physik als Hinweis auf deine Hybris.

        • Es wäre dann nicht mehr als ein Appell, das soziale nicbt zu vergessen oder? Warum dann nicht den direkt?
          Der Umfang der Biologie und ihres Einflusses ist damit schlicht nicht abzutun.

          Du wirst um Argumente in der Sache noch drum herum kommen.
          Und da solltest du vielleicht zunächst erst einmal vorurteilsfrei die Theorien anschauen und zumindest zugeben, dass sie möglich sind und dann durchaus einen guten Erklärungswert für viele Grundlagen menschlichen und tierischenVerhaltens bilden.
          Btw wenn nicht darlegen, warum sie nicht zumindest schlüssig sind

          • Sexuelle Selektion und evolutionäre Theorien sind die Einzigen, die hier eine über alle Bereiche stimmige Theorie hervorbringen.

            Sie bringen eben (sofern sie ihren Horizont erkennen und nicht in Hybris verfallen) nur begrenzt Theorien hervor. Sie leisten sehr wenig, wenn es darum geht, konkrete gesellschaftliche Phänomene zu erklären.

            Warum beispielsweise kommuniziert ein Porsche besser Sozialstatus als das millionen Euro teure, als Hobby eigens entwickelte Hightechauto des Chefentwicklers von Porsche? Darauf kann die Biologie keine vernünftige Antwort geben, Sozialwissenschaften aber durchaus. Ein biologisches Imperativ ist das jedenfalls nicht, mit genug PR wäre das Hobbyauto sicher das bessere Statussymbol.

            Was Statussymbol ist, und was nicht, ist eine soziale Konvention. Natürlich spielt dabei die Biologie eine Rolle, aber das ist noch lange keine Erklärung.

            Auch Menschen haben Triebe – geschenkt. Das ist ein(!) Ausgangspunkt, und nicht das Ergebnis einer Analyse.

          • Der Porsche ist eine Marke. Wir können ihm leicht einen Wert zuweisen.
            Auch weil wir instinktiv Marken verstehen und einordnen können. „Spent“ von Geoffrey Miller ist dazu interessant.
            Der Eigenbau hingegen muss abgeglichen werden mit unseren abstrakten mustern für andere Luxuswagen. Deswegen ist er das unzuverlässigere Signal

          • Das wir Statussymbolen überhaupt Wert zu messen und sie auswerten erklärt die Biologie.

            Ist doch reichlich trivial. Das Statussymbol ist ein Indikator für Ressourcenzugang. Der Mensch muss sich, um zu überleben, Ressourcen sichern, also wirkt ein Statussymbol attraktiv. Ist nun nicht der grosse Augenöffner, dass der Mensch fressen will. Das wussten die Menschen schon lange vor Darwin.

          • Das wir Statussymbolen überhaupt Wert zu messen und sie auswerten erklärt die Biologie.

            Das sagt in etwa so viel aus wie: „Dass Alkohol unseren Gleichgewichtssinn beeinträchtigt, erklärt die Physik“

            Welchem Gebiet würdest du denn die signaling Theorien zusprechen

            Signaling-Theorien gibt es sowohl in der Verhaltensbiologie, als auch in den Sozialwissenschaften.

            Ich halte es schon aus verhaltensbiologischer Sicht für ziemlich unterkomplex, das Phänomen der Statussymbole auf die sexuellen Begehrlichkeiten der weiblichen Homo Sapiens zu reduzieren.

          • Millionen von Leuten sind gestorben, weil Leute die biologische Komponente nicht verstanden haben.

            Siehe Kommunismus

            Millionen von Menschen sind gestorben, weil Leute an einen genetischen Determinismus geglaubt haben. Siehe Nationalsozialismus.

          • Millionen von Leuten sind gestorben, weil Leute die biologische Komponente nicht verstanden haben.

            Siehe Kommunismus

            Was? Wie bitte? Die Kommunisten wussten nicht, dass der Mensch Essen braucht, um zu überleben?
            Habe ich es doch geahnt: Du willst uns eben mal den real existierenden Kapitalismus als das natürliche, dem menschlichen Wesen angemessene Resultat gesellschaftlicher Entwicklung unterjubeln. Und selbstverständlich muss der Stalinismus als Popanz herhalten, um dieser steilen These im Kontrast ein wenig Schub zu verleihen.

          • Was genau stört dich denn daran? Es passt ja hervorragend zu den genzentrierte Theorien

            Mich stört deine haarsträubend falsche Dichotomie. Es gibt hier kein „entweder oder“. Ebenfalls stört mich die Hybris, moderne Gesellschaften zuvörderst mithilfe der Biologie erklären zu wollen.

          • Der Porsche ist eine Marke. Wir können ihm leicht einen Wert zuweisen.
            Auch weil wir instinktiv Marken verstehen und einordnen können.

            Der Wert eines Porsches bemisst sich in Geld, und dass bedrucktes Papier überhaupt einen Wert hat, ist sicher nicht Instinkten geschuldet.

            Dass wir Marken „instinktiv verstehen“ ist die sehr triviale Feststellung, dass wir Muster zu erkennen in der Lage sind. Und das soll hinreichend das Phänomen „Marken als Statussymbole in modernen Industriegesellschaften“ erklären?

            Du meinst offenbar, dass die Erkenntnis von einigen wenigen menschlichen Grundtrieben die Welt erklärt, und das nenne ich: Hybris.

          • Das bedrucktes Papier einen Wert hat ist Ausdruck unser Fähigkeit abstrakt zu denken und Sachen einen Wert zuzuweisen nach Ansicht in der Gesellschaft.

            Marke an sich ist auch nichts kompliziertes. Es ist die Verknüpfung eines Symbols mit einem Wert. Und Marken gibt es schon lange.
            Schon als stammessymbol oder Abzeichen besonderer Eliten oder Krieger bis zur Zeichnung von waren durch einen besonders begabten Handwerker.
            Sie sind nicht in der Industriegeselldchaft enstanden

          • Welche meiner Erklärungen überzeugt dich denn warum nicht?

            Was meinst du denn, überhaupt zu erklären? „Männchen streben nach Status, weil das ihre Fortpflanzungschancen erhöht, und deshalb gibt es Kapitalismus“ ist für mich nicht Ansatzweise eine Erklärung.

          • Sie sind auch in intrasexueller Konkurrenz unter Männern oder frauen wichtige Signale.

            Das sind reichlich triviale Feststellungen. Selbstverständlich konkurrieren Menschen um Ressourcen, und es bringt dabei knallharte materielle Vorteile, wenn man einen hohen sozialen Status kommuniziert. Purer Egoismus reicht also vollkommen aus, um dieses Phänomen zu erklären.

            Was soll überhaupt diese ominöse „genzentrische Sicht“ sein? Wie gesagt: Selbstverständlich haben auch Menschen Triebe, und das ist wohl unzweifelhaft in den Genen angelegt. Allerdings trägt diese Tatsache sehr wenig dazu bei, Gesellschaftsphänomene zu erklären.

          • Marke an sich ist auch nichts kompliziertes. Es ist die Verknüpfung eines Symbols mit einem Wert. Und Marken gibt es schon lange.
            Schon als stammessymbol oder Abzeichen besonderer Eliten oder Krieger bis zur Zeichnung von waren durch einen besonders begabten Handwerker.
            Sie sind nicht in der Industriegeselldchaft enstanden.

            Wie soll man mit dir über Marken diskutieren, wenn du schon den Begriff derart verallgemeinerst?

            Der besonders begabte Handwerker mag zwar durchaus einen Nimbus gehabt haben, womit seinen Produkten quasi unbesehen ein hoher Wert zugewiesen wurde. Das ist simple Mustererkennung. Ganz so einfach hatte es der Handwerker aber nicht, er musste immer wieder sein können z.B. durch aufwendige Verzierungen unter Beweis stellen.

            Eine Marke im heutigen Sinn geht weit darüber hinaus. Wir leben in Massengesellschaften und haben es mit hochkomplexen Produkten zu tun, deren Qualität wir nicht in der Lage sind zu beurteilen. Qualität und Nutzen müssen also kommuniziert und mit der Marke verknüpft werden. Und wenn es um den Nutzen als Statussymbol geht, muss eben erst ein gesellschaftlicher Konsens darüber hergestellt werden, dass das Produkt überhaupt ein Statussymbol darstellt.

            Man kann also mit einiger Berechtigung sagen, dass der Porsche als Statussymbol ein soziales Konstrukt ist. Deine Biologie erklärt bestenfalls, warum wir überhaupt einen Nutzen in Statussymbolen erkennen. Und das auch nur teilweise.

            Aber eben nicht ansatzweise, warum der Porsche (und eben nicht das millionenteure Freakauto des Chefentwicklers) als Statussymbol wahrgenommen wird. Der Chefentwickler macht ja eigentlich genau das, was der Stammesfürst seinerzeit gemacht hat: Er lässt sich etwas sehr aufwendiges, einmaliges anfertigen.

          • Warum ist das selbstverständlich?

            Du weichst aus. Definiere doch erstmal, was du unter „Genzentrische Sicht“ verstehst. Oder anders: Argumentiere doch erstmal, bevor du „fehlende Gegenargumente“ beklagst.

          • Es ist selbstverständlich, weil Egoismus Biologie ist

            Und Altruismus, das Gegenteil? Ist auch Biologie.

            Jetzt gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten, um eine just-so-story zu basteln:

            – die Behauptung, das, was Altruismus genannt wird, sei in Tat und Wahrheit auch Egoismus (weil sich derjenige gut fühlt, Anerkennung von der Gruppe erhält und Status gewinnt blabla…), was bedeutet, dass es Altruismus eigentlich gar nicht gibt.
            – oder die Behauptung, Altruismus sei für die Gruppe ein evolutionärer Vorteil und es sei deshalb darauf selektioniert worden.

            Wie es halt gerade passt.

          • Es ist selbstverständlich, weil Egoismus Biologie ist

            Nein! Falsch!! Alles, was im menschlichen Gehirn stattfindet ist Physik!!

            Tut mir leid, ich kann dich nicht ernst nehmen – wenn du nicht einmal definierst, was du genau verteidigst, und dich dann offenbar an dem Strohmann abarbeitest, dass Biologie gar keine Rolle spielen würde.

            Du scheinst der Meinung zu sein, dass menschliches Verhalten sehr weitgehend genetisch determiniert ist. Du suchst offenbar – und findest natürlich – zu jeder Spielart menschlichen Verhaltens eine „evolutionäre Erklärung“ – also eine abstrakte Möglichkeit, warum dieses Verhalten einen Selektionsvorteil dargestellt haben _könnte_. Wenn du dann eine solche Geschichte gefunden hast, meinst du offenbar hinreichend bewiesen zu haben, dass das entsprechende Verhalten in den Genen verankert ist. Es „passt“ eben.

            Für Blumen mag das sogar einigermaßen funktionieren. Der Mensch ist aber allerdings in der Lage, die Folgen seines Verhaltens zu erkennen, und es entsprechend anzupassen. Der Mensch hat sich stark von der evolutionären Adaption seines Verhaltens losgelöst, er benutzt sein Hirn, um sich an die Umwelt anzupassen. Und genau das war wohl ein entscheidender Selektionsvorteil.

            Wenn also viele Mädels auf Porschefahrer stehen, dann muss das nicht der Tatsache geschuldet sein, dass ein entsprechendes genetisches „Programm“ in der Steinzeit einen Selektionsvorteil mit sich brachte. Es liegt viel näher, dass sich die Mädels in der realen heutigen Umwelt konkrete materielle und soziale Vorteile versprechen, wenn sie sich mit dem Porschefahrer statt des Golffahrers einlassen. (Das muss kein bewußter Vorgang sein, unser Unterbewußtsein kann sehr intelligent sein)

            Alles Huren (außer Mutti) – sie verkaufen eben ihre Mumu so teuer wie möglich 😀

        • Angenommen, von den Genderidioten würde sich eine Tierschützergruppe abspalten, die fordert, dass alle – um Käfer zu schonen – 3 cm über dem Erdboden schweben sollen. Dann wäre Physik die angemessene Analyse-Ebene, um zu zeigen, dass der Vorschlag noch dümmer ist als Gender-Mainstreaming.

          Schöne Analogie 🙂

          Physik wäre wiederum – ebenso wenig wie Biologie – gewiss nicht die angemessene Analyseebene, wenn es um die grundsätzliche Frage geht, ob dem Schutz jedes individuellen Käferlebens der gleiche Stellenwert einzuräumen ist, wie dem Schutz jedes individuellen Menschenlebens. Zwar wird man sich auf physikalische und biologische Grundbedingungen einigen müssen, aber damit ist es sicher nicht getan.

          • Habe ich Christian schon oft gesagt.

            Er sieht einen Ist-Zustand und bastelt sich dann eine Evolutions-Erklärung. Er ist derjenige, der NACH der Ziehung der Lottozahlen mit einer Erklärung angerauscht kommt und darlegt, warum sich dieses Ergebnis in völligem Einklang mit den physikalischen Gesetzen (bei ihm Evolution) einstellte und dann sagt: Seht ihr, das passt doch genau!
            Bei ihm hat die Biologie etwa die Funktion wie „das Patriarchat“ bei den Feministen. Erklärt einfach alles und auch das Gegenteil.

          • Evolution kann sich ganz verschieden auswirken. Gibt es denn Vorkommnisse, die sich nicht stimmig einordnen lassen?

            Gemäss deinem Erklärungsmuster müssten Gesellschaften sehr stabil über sehr lange Zeit sein und sich nur gering verändern, weil Selektion und Mutation Zeit beansprucht.

            Das war auch einmal so, in der frühen Menschheitsgeschichte. Der Faustkeil wurde während hundertausenden Jahren praktisch unverändert hergestellt, ohne dass eine merkliche Weiterentwicklung stattgefunden hätte. Das war etwas so, wie Vögel ihre Nester bauen. In einer solchen Gesellschaft trägt dein Erklärungsansatz schon eher, weil eine kulturelle Progression fast nicht stattfand und sich von einer Generation zur nächsten keine wesentlichen Unterschiede zeigten. Das Kulturelle hatte deshalb nicht die Bedeutung wie in einer modernen, sich sehr schnell ändernden Gesellschaft.

            Kurzum: Dein „Erklärungsansatz“ ist, dass da nichts ist, was der Evolutionstheorie widerspricht. Das ist letztendlich trivial. Und völlig absurd wird es, wenn Du im Bezug auf Stalinismus als „irgendwie gegen die Natur“ schwadronierst. Da es ihn gegeben hat, war er genau so eine mögliche Erscheinungsform der Evolution wie jede andere existierende Gesellschaftsform auch. Die menschliche Geschichte ist durch Umbrüche geprägt. Dein religiöser Glaube, der real existierende Kapitalismus sei die einzig „natürliche Gesellschaftsform“ (ein Substitut für „gottgewollt“) ist dem Bereich der „Säkularreligion“ zuzuordnen.

          • Nein, Menschen müssten in wichtigen Aspekten einen bestimmten Selektionsdruck gehabt haben.
            Und die letzten Jahrtausende sind da noch nicht mal wesentlich und man kann sie ausblenden.
            Unsere Jäger und Sammler Zeit ist gerade mal 12.000 -8.000 Jahre her.

        • Das bedrucktes Papier einen Wert hat ist Ausdruck unser Fähigkeit abstrakt zu denken und Sachen einen Wert zuzuweisen nach Ansicht in der Gesellschaft.

          Das Potential ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Das ist nicht ansatzweise eine Erklärung für das Phänomen Geld.

      • “ Computer sind auch Physik, aber niemand würde Software verstehen wollen, indem er sie als Physik auf der Festplatte begreift“

        Da denkt man zuerst „Halleluja, Christian hat es endlich verstanden!“, nur um dann zu sehen, wie er wieder sein „Biologie erklärt alles“-Mantra vertriitt. Traurig.

          • „Wenn die Blume aber verstünde und danach handeln könnte, hätte sie wahrscheinlich sofort, hier und heute, einen Vorteil“

            Wenn wir dieses „verstünde“ etwas loslösen von einem mentalen Prozess, dann verstehen Blumen sehr wohl ihre Umwelt und reagieren auf sie.
            Es gibt unzählige Beispiele, in denen Pflanzen die Anatomie ihrer Blüten so ändern, dass nur bestimmte Insekten oder Vögel in der Lage sind, den angebotenen Nektar zu erreichen. Durch eine Verringerung der Bestäuber erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch tatsächlich eine artverwandte Blüte ansteuern, im Gegensatz zu unspezifischen Sammlern.
            Besonders in den Tropen, wo Pflanzen gleicher Art oft so weit auseinander stehen, dass eine zufällige Bestäubung nahezu ausgeschlossen ist, ist die Anpassung, also die Verwendung spezifischen „Wissens“ ein evidenter evolutionärer Vorteil.

            In unseren Breiten die am weitesten evolutionär entwickelten Pflanzen sind Orchideen, sozusagen die Nesthäkchen der Flora. Sie „wissen“, dass der Drang zur sexuellen Vermehrung bei (zumindest einigen) Insekten so enorm ist, dass es sich mehr lohnt, Pheromone auszubilden, statt Nektar anzubieten.
            Diese Pheromone sind weiblichen Lockstoffen nachgebildet und sprechen entsprechend hochspezifisch bestimmte – männliche – Insekten an. Und damit diese, der Duftspur folgend, im Nahfeld das vermeintliche Weibchen auch finden, sind die Blüten in Form und Farbe diesen nachgebildet.

            Man kann also in einem gewissen Sinne durchaus behaupten, die Pflanze habe „verstanden“ und danach gehandelt.

    • „Es bietet keinen Selektionsvorteil, Evolution zu verstehen.“

      Wenn man dies vorbringen würde als Erklärung für „was verhindert, dass wir die Gen-zentrierte Sicht verstehen?“, dann wäre dies eine ziemlich schlechte Erklärung.

      Es wäre ein Fall von: keine „angemessene Analyse-Ebene“.

  1. Freud, Die Kränkungen der Menschheit; „biologische Kränkung“

    Für mich die einfachste und überzeugendste Begründung – passt auch mit „Occam’s razor“ überein…

  2. Ah, eine Debatte um den Sinn des Lebens.

    Mit Evolutionsbiologie philosophisch überzeugen zu wollen, das funktioniert nicht. Nur „Überleben“ ist einfach zuwenig. Sogar irre Theorien über Xenu werden mehr „Kundschaft“ anlocken.
    So als Marketingstrategie würde ich da empfehlen eine Prise Intelligent Design reinzumixen. Muss ja nicht gleich Gott sein. Warum nicht das Universum als Makro-Lebewesen, gern auch als Tier, deklarieren das alles (unbewusst) steuert? Dann kommt auch mehr Kundschaft.

  3. Also Christian, nachdem Dir und deinem biosophischen Ansatz wieder einmal die Grenzen aufgezeigt wurden, zeige jetzt, dass Du lernfähig bist und ändere den Titel des Blogs in „fast alles Evolution“ um!
    🙂

  4. Wenn ich also Musik höre und den Groove genieße, dann nur, weil ich mich insgeheim fortpflanzen will? Wenn ich die Schönheit der Natur oder eines Kunstwerks schätze, dann weil ich Frauen begatten will?

    • Loll, ja, der Sinn des Lebens. Man kann es nicht Jedem recht machen.

      Es stimmt ja auch, dass das Individuum selbst nicht bestimmt sein muss vom Evolutionsmechanismen, sogar diese permanent verletzt.

      Insofern sind beide Sichtweisen, die radikal subjektivistische und die abstrakte, nur auf die Nachkommenschaft gerichtete, Gedankenwelten richtig.

      Aber was schert den Menschen die Nachwelt?

    • Yupp!

      Sieh es mal so:

      willst Du eine Frau mit Ästhetik ins Bett kriegen, dann musst Du einen Sinn für Ästhetik haben.
      Dieser Sinn muss genetisch veranlagt sein.
      Wenn wir Bilder malen, beschränken wir uns auf Farben im uns zugänglichen sichtbaren Lichtbereich. Bilder im UV-Bereich mögen ein Techno-Gag sein, erreichen aber kaum je eine Frau.
      Das gleiche gilt für Musik. Was genetisch nicht veranlagt ist, findet auch keine kulturelle Ausformung.

      Übrigens ist Musikgeschmack nicht auf Menschen beschränkt. Mein Großvater erzählte immer gern, dass seine aufmerksamsten und kritischsten Zuhörer Gänse waren.
      Er wuchs auf einem Bauernhof vor 100 Jahren auf und an lauen Sommerarbenden nach getaner Arbeit saßen Menschen und Tiere vor dem Haus beisammen und mein Großvater unterhielt die anderen mit Musik vom Akkordeon.
      Zuverlässige Gäste waren neben den Menschen auch die Gänse auf dem Hof, die der Musik lautlos lauschten und in den Pausen leise untereinander „tuschelten“.

  5. Die genzentrierte Sicht führt immer wieder zu Widerspruch und scheint allgemein etwas zu sein, was viele Leute schwer akzeptieren können

    Das liegt vermutlich daran, dass die genzentrierte Sicht den Mythos der Aufklärung entzaubert. Insbesondere in der linken Variante wartet die Aufklärung nämlich mit einem Erlösungsversprechen eines sozialen Fortschrittes auf, das durch die Unveränderbarkeit der Gene gewisse Grenzen beim utopischen Dahinwünschen erfährt.

    Lustiger Weise war die Evolutionstheorie (im Gegensatz zum statischen Kreationismus) ursprünglich ebenfalls eine fortschrittsgläubige und damit typisch aufklärerische Angelegenheit, unter anderem weil deren Väter speziell Darwin, wohl keine rechte Vorstellung von den Zeitskalen hatten, auf denen Evolution stattfindet (und natürlich auch nichts von Genen wussten). Eine moderne genzentrierte Sicht ist, gemessen an der Lebensspanne eines Individuums (auf das wiederum die Aufklärung den Blick fokussiert) etwas zutiefst Statisches, Unveränderbares und Desillusionierendes. Anders als der diesseitig ebenso statische Kreationismus, erlaubt sie nicht mal die wärmende Vorstellung eines transzendenten Seelenheils.

    Eine Untervariante davon betrifft das ebenfalls eng mit der Aufklärung verknüpfte Erlösungsversprechen durch Bildung. Ist z.B. Intelligenz zu einem mehr oder minder großen Anteil genetisch determiniert, sind auch universelle, soziale Erfolge durch Bildungsanstrengungen gefährdet oder zumindest eingeschränkt.

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