Teststosteron bei Menschen, Bonobos und Schimpansen nach Geschlecht und Alter

13 Gedanken zu “Teststosteron bei Menschen, Bonobos und Schimpansen nach Geschlecht und Alter

  1. Einer der wahrscheinlich wesentlichsten Unterschiede zwischen Mensch und sowohl Schimpanse als auch Bonobo ist die Hypergamie der Weibchen. Schimpansen- und Bonoboweibchen sind nicht hypergam und vögeln im Prinzip mit jedem. Bei den Schimpansen allerdings jagen die dominanten Männchen die schwachen von fruchtbaren Weibchen weg, so dass die Schimpansenmännchen sich quasi selbst selektieren. Nur beim Menschen entscheiden die Weibchen, mit wem sie sich paaren. Und wie wir wissen selektieren sie unter anderem nach Testosteron.

      • Hast Du zu den Schimpansen eine gute Quelle? Jordan Peterson meint jedenfalls, die dominanten Männchen vertreiben die schwachen von fruchtbaren Weibchen. Möglicherweise ist das auch nicht ganz eindeutig, aber die Tendenz hätte schon ausreichende evolutionäre Konsequenzen.
        Der Unterschied ist jedenfalls, dass beim Menschen auch auf andere Faktoren als körperliche Dominanz selektiert wird.

        • „Der Unterschied ist jedenfalls, dass beim Menschen auch auf andere Faktoren als körperliche Dominanz selektiert wird.“

          Der große Unterschied ist insbesondere, dass Menschen Paare bilden, Schimpansen nicht. Weil bei den Schimpansen die Weibchen die Kinder alleine aufziehen, evtl mit gewisser Unterstützung von Männchen, aber nicht in eine Paarbindung.

          Zur Female Choice bei Schimpansen zB
          https://link.springer.com/article/10.1007/s00265-006-0219-8

          Male–male competition has historically been considered the major force driving sexual selection. However, female choice and inter-sexual conflict are increasingly recognized as important influences affecting differential mating and reproductive success. Many females exhibit preferences for particular males; however, male strategies may conflict with females’ ability to obtain their mate preferences. To influence paternity, females must affect both (1) whether or not sexual interactions occur, particularly during the periovulatory period (POP) and (2) the outcome of sexual interactions. This study focuses on the effectiveness of female choice in wild chimpanzees (Pan troglodytes verus). Over 2,600 h of data were collected on two habituated chimpanzee communities in the Taï National Park, Côte d’Ivoire. Female mate preferences were measured by quantifying proceptive and resistance behavior toward males in both the periovulatory period and non-POP phases of estrus. The efficacy of female preference was measured both (1) by measuring success rates of female proceptivity and resistance behaviors and (2) by determining how well measures of female mate preference (proceptivity and resistance rates) predict male mating success. Though male chimpanzees are clearly dominant to females, the results indicate that females could effectively resist male solicitations and, in most cases, unwanted copulations were averted. Both female proceptivity and resistance rates correlate (positively and inversely, respectively) with male mating success in POP. Outside POP, female proceptivity rates corresponded with male mating success, but resistance rates did not. Males (irrespective of rank) that were preferred by females obtained higher mating success compared to other males during the POP, suggesting that females were effective in their mate choice and that, despite clear male dominance, female choice influences paternity in wild chimpanzees.

          • Die Paarbindung wird aber wohl erst notwendig, wenn das Hirn verglichen mit dem gemeinsamen Vorfahren mit den Schimpansen bereits größer geworden ist? Die Frage ist, was diese Entwicklung ausgelöst hat?

          • @lh

            Paarbindung hat vorteile, wenn man mehr auf Qualität des Nachwuchs setzt, also hohe Aufzuchtskosten hat und sich eine intensive Betreuung auszahlt.
            Unser wesentliches Merkmal ist intelligenz und mit dieser lohnt sich auch eine Ausbildung mehr.
            Insbesondere erzwang eine Selektion auf Intelligenz vermutlich, dass Kinder immer unreifer geboren werden, da das Gehirn unfertig in die Welt geschickt wurde, damit es noch durch das weibliche becken passt. Kein Kind ist so lange so unselbständig wie das menschliche baby und braucht soviel Schutz und Betreuung. Was die Mutter entsprechend einschränkt und eine Untestützung durch den Vater attraktiver macht. Es ist das alte Eggs are expensive dem sich ein „Unterstützung nach der Geburt ist auch Teuer“ hinzugesellte.

          • @lh

            Sexuelle Selektion auf Intelligenz vermutlich.
            Aber es können auch viele andere Gründe vorgelegen haben. Vielleicht hatten Menschen einfach das Glück, dass sie eine bestimmte Mutation etwas intelligenter machte und dann die Selektion in diese RIchtung getrieben worden ist.
            Aber es gibt ja auch andere Primaten mit Paarbindung. Gibbons zum Beispiel

          • @Christian

            „Insbesondere erzwang eine Selektion auf Intelligenz vermutlich, dass Kinder immer unreifer geboren werden, da das Gehirn unfertig in die Welt geschickt wurde, damit es noch durch das weibliche becken passt.“

            Es wurde m.E. nicht direkt auf „Intelligenz“ selektiert, sondern auf Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sich aus einer besseren individuellen Hand-Auge Koordination ergaben (bspw. zum Gebrauch von Werkzeugen und Waffen), aber auch aus dem Sprachgebrauch zum Zwecke der kollektiven Kooperation und Koordination dieser Fähigkeiten.
            Da sehe ich eine Wechselwirkung zwischen individueller und kollektiver *Praxis* und *Herausbildung* von Intelligenz.

            Dann: Das Gehirn eines erwachsenen Menschen verbraucht selbst im Ruhezustand ein Viertel des Energiebedarfs des Körpers und bei einem Säugling sind es sogar knapp die Hälfte.
            Hingegen sind es bei den Schimpansen ca. 10% – der Unterschied ist auffällig.
            Rein energetisch ist demnach ein *Zwang* – wenn man so will ein permanenter Selektionsdruck – in Gang gesetzt, dem Menschen durch Anpassung des Verhaltens gerecht werden müssen.

            Ob es damals allerdings Paarbeziehungen mit einer Paarbindung im heutigen Sinne gab, kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

          • @Christian

            Der erste Grund – du wirst es nicht glauben – ist ein biologischer.
            Männliche Hoden sind zu groß, der Phallus zu lang, die Ausformung der Eichel deutet weiterhin darauf hin, dass es Spermienkonkurrenz gab.
            Spermienkonkurrenz macht bei sexueller Exklusivität keinen Sinn.

            Angenommen wir fragen uns also rückwärts, warum unsere Sexualorgane so ausgeformt sind, wie sie eben sind, statt uns – wie Jared Diamond – über die Verschwendung lustig zu machen, dann scheint die Selektion diese Konkurrenz zu berücksichtigen; also *Basis der Selektion* zu sein.

            Der zweite ist bereits ein sozio-biologischer, denn wenn der Eisprung der Frau verdeckt verläuft, es keine bestimmten Paarungszeiten mit *garantiertem* Fortpflanzungserfolg gibt, dann macht zwar sexuelle Exklusivität einen Sinn, dem steht aber 1. im Weg.
            Der damit einhergehende nächste sozio-biologische Haken ist, wenn das zweite Argument richtig ist, dann ist das „Ursache-Wirkung“ Verhältnis von Sex und sexueller Reproduktion erst einmal „ungewusst“.
            Was sich hier vollzieht, ist m.E. der Umschwung von tierischem Fortpflanzung-Determinismus zu einer Wahrscheinlichkeit, die abhängig ist von vielen Faktoren.

            Es ist weiterhin bekannt, die Wildbeuter existierten in verwandtschaftlichen Gruppen und an der Fortexistenz der Gruppe hing alles, nicht an dem eines einzelnen Individuums. Warum es also einer exklusiven Paarbeziehung oder Paarbindung zwischen zwei Individuen bedarf, erschließt sich mir nicht wirklich.

            Es macht aus der Sicht des Weibchens mit Nachwuchs auch wesentlich mehr Sinn, die Versorgung auf möglichst viele Schultern zu verteilen, um das Risiko für sich und den Nachwuchs zu minimieren.
            D.h. erst wenn das Mehrprodukt der Arbeit eines *einzelnen* Männchens (verlässlich) mehr abwirft, als die Unsicherheit über die sexuelle Reproduktion als Fortpflanzungserfolg – im Sinne einer Verantwortung für den Nachwuchs – zu verteilen fände ich es logisch, sich auf ein einzelnes Männchen zu fokussieren.

            Was demnach nur heißen kann, dass eine Paarbeziehung erst in dem Sinne Erfolg haben konnte, als diese materiellen Eingangsvoraussetzungen erfüllt worden sind.

  2. Manche sehen uns ja als Zwischenform zwischen Chimps und Bonobos. Bei den Bonobos treibt es ja jeder mit jedem. Sehr junge mit sehr alten und innerhalb von Geschlechtern, wie eine Art sozialer Kitt. So kämen z.B. Inzest und Pädophilie von den Bonobos.

    Das hat übrigens eine Frau mir so mitgeteilt.

    So sieht es eher nach Chimp aus.

    Es wäre sehr interessant zu wissen ab wann sexuelle Aktivität natürlicherweise beginnt, abgesehen von Kirche und Staat. Wikipedia.en ist da ziemlich deutlich was die Menschen betrifft.

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