15 Gedanken zu “Die besten 10 replizierten Ergebnisse der Verhaltensgenetik

  1. Zu Finding 10 fällt mir eine interessante Anekdote aus der militärischen Luftfahrt ein. Bevor anpassbare Sitze für Jagdflugzeuge gefertigt wurden, waren diese Maschinen mit einen „Standardsitz“ ausgerüstet. Also einen Sitz, der an die Maße eines durchschnitllichen Mannes angepasst war. Die Zahl der Verletzungen oder sogar Todesfälle bei Bruchlandungen, extremen Flugmanövern etc. waren sehr hoch. Auf der Suche nach dem Grund prüften die Verantwortlichen nach wie viele Piloten der Luftwaffe den durchschnittlichen Maßen entsprachen. Das Ergebnis war ziemlich ernüchternd, nämlich. Ergo waren alle Piloten in Sitzen geflogen, die ihnen eigentlich gar nicht passten.

  2. Eine aktuelle interessante Kritik an der Verhaltensgenetik bzw. an den Interpretationen einiger ihrer Befunde findet sich übrigens in einem Kapitel des Buches der Entwicklungspsychologen Peter Fonagy, György Gergely, Elliot L. Jurist & Mary Target – Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst:

    https://www.bol.de/shop/home/suchartikel/affektregulierung_mentalisierung_und_die_entwicklung_des_selbst/peter_fonagy/EAN9783608949421/ID41992736.html#reviewsHeader

    Das Buch ist ein bekanntes Standardwerk der empirisch ausgerichteten psychoanalytischen Entwicklungspsychologie.

    • Willst du damit sagen, dass es Replizierbarkeit von Studien über den Menschen nicht geben kann?

      Was meinst du mit Exaktheit? Sowas wie Trennschärfe, Genauigkeit auf die hinterletzte Kommastelle, feinste Granularität?

      • Zitat: „Willst du damit sagen, dass es Replizierbarkeit von Studien über den Menschen nicht geben kann?“

        Genau. Der passende Begriff wäre hier „reproduzierbar“.

        Wiki: „Reproduzierbarkeit (eingeschränkt auch Nachvollziehbarkeit) bedeutet allgemein(!) die Möglichkeit, etwas wiederholen bzw. noch einmal machen zu können“.

        Replizieren kann man z.B. chemische Reaktionen, weil da immer das Gleiche rauskommt. Oder Objekte, das sind dann Duplikate.
        Beim Menschen geht das nicht. Wenn ich 10 Leuten auf der Strasse eine runterhaue, werden nicht alle 10 „Ey, du dumme Sau“ sagen.

        Das ist jetzt natürlich alles Haarspalterei. Mich stört’s aber wenn jemand bei sowas windelweichem wie Menschen-Psyche mit technischen Begriffen daherkommt, um sich den Anschein von Präzision zu verleihen.

        • Der Wikipedia-Auszug belegt leider nicht, was du behauptest.

          Interessant dass du es selbst Haarspalterei nennst. Warum legst du dann solchen Wert drauf?

          Beim Menschen geht das nicht. Wenn ich 10 Leuten auf der Strasse eine runterhaue, werden nicht alle 10 „Ey, du dumme Sau“ sagen.

          Genau diese „Präzision“ ist aber auch nicht Gegenstand der Studien.

      • @FS

        „Willst du damit sagen, dass es Replizierbarkeit von Studien über den Menschen nicht geben kann?“

        Im Grunde ist das zutreffend, wenn man die „Wiederholbarkeit“ von sozialwissenschaftlichen Studien und Experimenten naturwissenschaftlich betrachtet.
        Was m.E. demnach das eigentliche Problem ist.
        PE und PP neigen nicht zur Selbstreflexion eigenen Handelns, Menschen schon.

        Zur Klärung, was m.E. vermeintlich vs. tatsächlich gemessen wird in drei Punkten:

        1. Um so bekannter das Experiment bspw.: https://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment und um so mehr solche Ergebnisse veröffentlicht werden und sich in den Medien oder bereits in schulischer Ausbildung finden, desto wahrscheinlicher wird es sein, dass Teilnehmer an solchen Studie sich nicht „authentisch“ verhalten oder antworten.
        D.h. man misst eigentlich kein Verhalten, sondern Wissen über solche Experimente und Studien.

        2. Ein weiteres Problem von Studien ist ebenfalls ein mediales Produkt, nämlich die Tendenz der Teilnehmer nicht wahrheitsgetreu, sondern „sozial erwünscht“ zu antworten.
        Der Effekt ist bspw., dass Frauen fortwährend in solchen Studien ein „modernes, egalitäres“ Beziehungsverständnis attestiert wird – was sich dann aber in deren Praxis nicht finden lässt.
        D.h. gemessen wird keine individuelle Einstellung, sondern die Wirksamkeit der Produktion einer kollektiven Meinung und deren Integration in das präsentierte Selbstbild.

        3. Ebenfalls ein Produkt der (online-) Medien ist die inflationäre Verbreitung von IQ-Tests und Tests auf Allgemeinbildung, die zudem standardisiert (multiple choice) standardisiertes Wissen abfragen. In erster Linie sind Menschen nachfolgend mit der Art und Weise vertraut, *wie* solches Wissen abgefragt wird.
        Da sich diese Medien zudem aus einem nicht unendlichen Vorrat an Fragen bedienen, die ebenfalls zur Messung des IQs verwendet werden, also auch *was* abgefragt wird.
        D.h. hier haben wir eine Kombination von 1. und 2. vorliegen, wobei 2. hier die Vertrautheit mit dem ist, was unter messbarer Intelligenz wissenschaftlich verstanden und abgefragt wird.
        Der „Flynn-Effekt“ kann also nicht wirklich verwundern.

        Gerade was die sozialwissenschaftliche Forschung m.E. so schwierig macht, weil diese Effekte mit bedacht werden müssen, zeigt jedoch in anderen Experimenten, dass der „Einfluss von Hormonen und Genen“ auf menschliches Verhalten zu einem Pseudo-wissenschaftlichen Verständnis von Ursachen menschlichen Verhaltens und Handelns beiträgt.

        • Die Verhaltensgenetik beschäftigt sich trotz ihres Namens nicht mit konkretem Handeln, sondern mit Persönlichkeitsmerkmalen (Intelligenz und „Big Five“, aber auch politische Einstellungen), und untersucht auch nichtgenetische Einflüsse (geteile/ungeteilte Umwelt).

  3. the first thing a man looks at is a womans heart – not his fault the boobs are in the way

    Boobs are Gods proof men can concentrate on two things at once

  4. Reproduzierbar oder replizierbar – müsste es nicht heißen, „die 10 am besten repli/produzierbaren Ergebnisse der Verhaltensforschung“?
    Das „beste“ bezieht sich ja nicht darauf, dass das so tolle Sachen sind, sondern darauf, wie gut sich die zugrunde liegenden Beobachtungen und Experimente widerholen lassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.