Als Gruppe handeln

Oft kommt der Vorwurf, Frauen oder Männer würden als Gruppe auf eine bestimmte Weise handeln un dadurch beispielsweise Druck auf das andere Geschlecht ausüben.

„Als Gruppe handeln“ ist allerdings durchaus schwierig, es erfordert eigentlich eine gewisse Abstimmung, die bei einer so heterogenen Gruppe wie den Geschlechtern auch nur schlecht möglich ist.

Häufig erweckt ein Handeln aufgrund geteilter oder ähnlicher Vorlieben oder Charaktereigenschaften oder ähnlicher Eigenschaften, die eine gewisse Übereinstimmung in der Gruppe aufweisen, allenfalls den Eindruck eines geplanten gemeinsamen Vorgehens.

Ein Beispiel wäre etwas wie „Frauen halten Sex zurück um Macht über Männer zu gelangen“. Tatsächlich wird es schlicht so sein, dass die andere Einstellung von Frauen zu Sex einfach so und der geringere Sexualtrieb im Schnitt den Eindruck eines geplanten Vorgehens erwecken, tatsächlich aber schlicht Ausdruck dieses Unterschiedes sind. Frauen brauchen im Schnitt eben eine andere Form von Vertrauen und eine höhere „sexuelle Motivation“ um sich darauf einlassen zu können, sie bedauern eher Sex, den sie zu schnell hatten und messen ihm damit einen anderen Wert zu. Die daraus begründete Zurückhaltung im Vergleich zu Männern kann schnell als „gemeinsamer Plan“ angesehen werden, obwohl kein vorsätzliches planmäßiges Handeln damit verbunden ist.

Ein andere Beispiel wäre alles, was der Feminismus als „Das Patriarchat“ definiert: Männer würden als Gruppe Frauen ausschließen, ihnen die besseren Jobs vorenthalten und sie durch sexuelle Gewalt und Zwangsheterosexualisierung etc klein halten. Auch hier wirkt sich schlicht aus, dass Männer eher Status und Geld erlangen wollen, aus intrasexueller Konkurrenz, aber auch, weil es ihren Partnerwert erhöht. Das alles führt dazu, dass der einzelne Mann auch oft schlicht die bessere Wahl ist für eine bestimmte Position als die einzelne Frau, die zudem noch das Risiko der Schwangerschaft und des langen Aussetzens mit sich birgt.

In beiden Fällen könnte man sagen, dass Frauen oder Männer zwar nicht als Gruppe handeln, aber eben die Konsequenzen ihres Handeln negativ sein können oder vorwerfbar wären, weil sie zu ungünstigen Ergebnissen führen.

Allerdings ist man da wieder bei einem Allmendenproblem: Keine Frau und kein Mann sieht es ein, dass er für die Vermeidung dieser Konsequenzen gegen seine Interessen und Wünsche, die als Einzelposition auch nicht zu beanstanden sind, handeln sollte. Es bringt der einzelnen Frauen nichts zur Entlastung der Männer Sex zu haben, den sie nicht will. Es bringt auch einzelnen Männern nichts, mehr Frauen nach oben zu lassen und sich mehr einzuschränken, weil er ja selbst auch nach oben will.

Die Gruppe für das teilweise übereinstimmende, aber nicht abgesprochene Handeln verantwortlich zu machen, welches auf Unterschieden beruht (und nicht auf  Kultur, die Abgrenzung kann schwierig sein) bringt damit wenig.

Immer dann, wenn ein Lösungsansatz „Jeder müsste doch nur zum Wohle der (evtl sogar anderen) Gruppe sein Verhalten wie folgt ändern…“ ist der Lösungsansatz schwierig, um so schwieriger, wenn der Einzelne aus einem unveränderten Verhalten Vorteile hat oder es ihm schlicht besser gefällt.

Das Unterstellen, dass die Gruppe vorsätzlich handelt, scheint mir auch Ausfluss unseres Denkens zu sein, dass gene planmäßiges Handeln sieht, wo keines ist.

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22 Gedanken zu “Als Gruppe handeln

  1. Ein Beispiel wäre etwas wie „Frauen halten Sex zurück um Macht über Männer zu gelangen“.

    Was hat iene Frau denn zu bieten, z.B. wenn sie z.B. 45 und hässlich ist?

    Quid pro quo?

    Esther Vilar:
    Spätestens mit zwölf Jahren – einem Alter, in dem die meisten Frauen beschlossen haben, die Laufbahn von Prostituierten einzuschlagen, das heißt, später einen Mann für sich arbeiten zu lassen und ihm als Gegenleistung ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung zu stellen – hört die Frau auf, ihren Geist zu entwickeln. Sie lässt sich zwar weiterhin ausbilden und erwirbt dabei allerlei Diplome – denn der Mann glaubt, dass eine Frau, die etwas auswendig gelernt hat, auch etwas weiß (ein Diplom erhöht also den Marktwert der Frau) -, doch in Wirklichkeit trennen sich hier die Wege der Geschlechter ein für allemal. Jede Verständigungs­möglichkeit zwischen Mann und Frau wird an diesem Punkt abgeschnitten, und zwar für immer.“[7]

  2. Dass Männer und Frauen per se keine Gruppen und keine kollektiven Akteure sind, ist freilich eine soziologische Binse. Meine Profs haben damals auch mit eindeutiger Adressierung an die Feministinnen im Studiengang darauf hingewiesen. Feminismus, der so argumentiert, als gäbe es diese Gruppen, entlarvt sich damit bereits als Ideologie. Allenfalls in zahlenmäßig kleinen primitiven Gesellschaften macht ein solches Modell Sinn, weil man dort eine Vergemeinschaftung aller Männer und aller Frauen unterstellen bzw. aufzeigen kann. Männer und Frauen haben dann z.B. spezifische Rituale und Überlieferungen als Männer und Frauen. Und selbst hier ist die Unterscheidung nach Altersstatus ein zusätzliches Differenzierungsmerkmal (die Alten sind die mit der größten Erfahrung, also genießen sie höhere Autorität).

    Spätestens mit dem Aufkommen von sozial geschichteten und territorial großräumigen Gesellschaften ist damit aber Schluss. Der Gedanke steckt auch schon in Max Webers Unterscheidung von patriarchaler und patrimonialer Herrschaft. Ein Familienverband kann, nicht muß, auf der Basis patriarchaler Autorität organisiert sein, aber wenn eine herrschende Familie (Dynastie) wie z.B. die des Pharao über eine Gesellschaft herrscht, die den Rahmen des Familienverbands überschreitet (also z.B. das Land Ägypten), dann sprengt das den Typus der »patriarchalen Herrschaft« und verlangt einen neuen Begriff: die »patrimoniale Herrschaft« wird zwar nach Analogie des (königlichen) Einzelhaushaltes gebildet, sie kontrolliert die Gesellschaft aber nicht mehr unmittelbar über die persönliche Autorität des Haushaltsvorstands, sondern über »Erzwingungsstäbe«, also über eine Form von Polizei- und Militärverbänden.

    Und dann herrschen eben auch die Frauen der herrschenden Klasse über die Männer der herrschaftsunterworfenen Klassen und Familienverbände, wie die biblische Geschichte von der Frau des Potiphar zeigt (die von jemandem wie Ilse Lenz als »patriarchale Ideologie« denunziert wird, weil es sich dabei unbequemerweise um eine Urszene weiblicher Falschbeschuldigung handelt).

    • @djadmoros

      „Feminismus, der so argumentiert, als gäbe es diese Gruppen, entlarvt sich damit bereits als Ideologie.“

      Jup.
      Dass es in dieser Ideologie (bottom-up) die Vorstellung gibt, es gäbe eine „hegemoniale Männlichkeit“, diese werde verkörpert von einzelnen Personen als männlichen Idealbildern (Sportlern bspw.) und idealen Führungspersönlichkeiten (Manager usw.), dieses Führungspersonal wiederum stehe an der Spitze einer Hierarchie zur Erringung und Sicherung männlicher Herrschaft, welche in der Gesamtheit „Patriarchat“ heißt, finde ich aber auch saukomisch.

      Immerhin haben wir in der feministischen Ideologie eine halbwegs komplexe (im Grunde feudalistische) *Gesellschaft* entworfen; aber was steht denn auf der Gegenseite!?
      Eine Gruppe von Frauen. 🙂

  3. „Immer dann, wenn ein Lösungsansatz „Jeder müsste doch nur zum Wohle der (evtl sogar anderen) Gruppe sein Verhalten wie folgt ändern…“ ist der Lösungsansatz schwierig, um so schwieriger, wenn der Einzelne aus einem unveränderten Verhalten Vorteile hat oder es ihm schlicht besser gefällt.“

    Aus diesem Grunde funktioniert ja auch Sozialismus nicht, bzw. nur mittels Zwang.

    • Ja, man wird Menschen nicht dazu bringen, gegen ihre wahrgenommenen Interessen zu handeln; deshalb scheitern sozialistische Ideen, die auf Moral („Gerechtigkeit“) basieren. Es ist allerdings sehr wohl möglich, sozialistische Ideen druchzusetzen, wenn die Menschen sie als dem eigenen Interesse entsprechend empfinden. Z.B. hohe Besteuerung leistungsloser Einkommmen wie Erbschaften oder Zinsen.

      • Ich kann am Sozialismus weder etwas moralisches noch etwas gerechtes finden. Ich denke viele, wollen nicht einsehen, dass Gleichheit eben gerade nicht fair ist. Leistung muss belohnt werden.

    • @Adrian

      Schatz, die sogenannte bürgerlichen Revolution – am Beispiel der französischen – verlief nicht unbedingt gewaltfrei und gegen „wenn der Einzelne aus einem unveränderten Verhalten Vorteile hat oder es ihm schlicht besser gefällt“ hatte man ausgesprochen scharfe und finale Argumente.

      Dann: Jede, aber auch wirklich *jede* Sozialordnung wird mit mehr oder weniger Zwangsmitteln durchgesetzt, die das Individuum (für das Kollektiv im doppelten Sinn) disziplinieren.
      Es gibt keine „zwanglose“ Gesellschaft und die hat es auch nie gegeben.

    • Da lob ich mir den Kapitalismus, der so gant ohne Zwänge auskommt. Jeder arbeitet oder auch nicht, grad so wie ihm lustig ist. Und nicht zu vergessen das Recht auf freie Meinungsäusserung (nach Feierabend).
      Also echt, Adrian, jetzt sei nicht immer so halbkritisch!

    • „Immer dann, wenn ein Lösungsansatz „Jeder müsste doch nur zum Wohle der (evtl sogar anderen) Gruppe sein Verhalten wie folgt ändern…“ ist der Lösungsansatz schwierig, um so schwieriger, wenn der Einzelne aus einem unveränderten Verhalten Vorteile hat oder es ihm schlicht besser gefällt.“

      Gefangenendilemma, Nash-Gleichgewicht oder beides?
      https://de.wikipedia.org/wiki/Nash-Gleichgewicht

      „Aus diesem Grunde funktioniert ja auch Sozialismus nicht, bzw. nur mittels Zwang.“

      Sozialismus funktioniert auch ohne Zwang, zumindest im kleinen Rahmen.

      „Jede, aber auch wirklich *jede* Sozialordnung wird mit mehr oder weniger Zwangsmitteln durchgesetzt, die das Individuum (für das Kollektiv im doppelten Sinn) disziplinieren.
      Es gibt keine „zwanglose“ Gesellschaft und die hat es auch nie gegeben.“

      Stimmt, nur die Art des zu sanktionierenden Verhaltens unterscheidet sich.

      • „Sozialismus funktioniert auch ohne Zwang, zumindest im kleinen Rahmen.“

        Er mag in einem kleinen Kreis eng miteinander verwandter Personen klappen, aber das ist ja auch nicht übertragbar auf eine größere Gesellschaft.
        Oder was meinst du mit „engen Rahmen“?

        • „Er mag in einem kleinen Kreis eng miteinander verwandter Personen klappen, aber das ist ja auch nicht übertragbar auf eine größere Gesellschaft.
          Oder was meinst du mit „engen Rahmen“?“

          Ich meine z. B. Kibbuzim.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Kibbuz
          Mit z. T. deutlichen Abstrichen sind auch größere Genossenschaften möglich: https://de.wikipedia.org/wiki/Mondrag%C3%B3n_Corporaci%C3%B3n_Cooperativa
          Das Problem des freiheitlichen Sozialismus ist einfach, dass er schlecht skaliert.

          • @JCD

            „Das Problem des freiheitlichen Sozialismus ist einfach, dass er schlecht skaliert.“
            Das ist richtig – ich glaube daher, man muss eine Menge Hirnschmalz investieren, um die demokratischen Entscheidungsprozesse effektiver zu gestalten.
            Aber an einem bestimmten Punkt der Abstraktion wird es schwierig, wirklich jeden an diesen Entscheidungen teilhaben zu lassen (ich meine inzwischen, es ist nahezu unmöglich).
            Deshalb fand ich die Aktivitäten der „Piraten“ zu diesem Thema auch spannend, weil sie es immerhin versuchten.

            Ich glaube, man kann Menschen dauerhaft motivieren zur Selbstbestimmung im Nahbereich – also auf Ebene des Dorfes oder modern: Des Wohnviertels oder meinetwegen einer Stadt. Da Menschen aber nun mal einen ganz ordinären Alltag leben und leben wollen, halte ich es für schwierig anzunehmen, dass zeitlich forderndes politisches Engagement dauerhaft *von allen* geleistet werden kann. Und wenn, wird sich dort eben auch eine Spezialisierung herausbilden, weil es ohne erforderliche Kompetenzen einfach nicht geht. Das: „Alle müssen alles tun und entscheiden können!“ ist ein hehrer Anspruch, den ich aber nicht für realisierbar halte.

            Zum Thema Kibbuz ist noch hinzuzufügen, dass nicht mehr als 5% der Bevölkerung Israels in einem lebten und leben. Aber auch der Kibbuz hat sich verändert – es gibt schon seit langer Zeit Eigenheime für junge Familien und nur die internationalen „volunteers“ leb(t)en noch so, wie zu Anfangszeiten. Man kann also eine Verbürgerlichung oder Normalisierung (je nach politischer Perspektive) feststellen. Es ist außerdem „Sozialismus in einem Dorf“ mit allen guten und allen schlechten Seiten und was Marx dazu unter „utopischem Sozialismus)“ schon geschrieben hat.

  4. Die Unterstellung eines kollektiven Handelns ist nichts anderes als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF). Ausländern, Schwarzen oder Juden Handeln als Gruppe vorzuwerfen ist aus gutem Grunde geächtet.

    Die Sache hat übrigens noch eine weitere Kehrseite: Unterstelle ich, dass die Gruppe das Handeln bestimmt, spreche einem Individuum, das sich anders als der Durchschnitt verhält, gleichzeitig ab, ein „richtiges“, „normales“ Mitglied dieser Gruppe zu sein.

    „Es bringt auch einzelnen Männern nichts, mehr Frauen nach oben zu lassen und sich mehr einzuschränken, weil er ja selbst auch nach oben will.“

    Doch, falls der Mann höher als die Frau steht und sie nicht mit ihm in Konkurrenz tritt. Dann lohnt es sich für ihn, sie zu fördern, weil er sich als Tugendbold zeigen kann. Klassisches virtue signalling.

    „Immer dann, wenn ein Lösungsansatz „Jeder müsste doch nur zum Wohle der (evtl sogar anderen) Gruppe sein Verhalten wie folgt ändern…“ ist der Lösungsansatz schwierig, um so schwieriger, wenn der Einzelne aus einem unveränderten Verhalten Vorteile hat oder es ihm schlicht besser gefällt.“

    Um das zu verstehen, hilft die Spieltheorie, genauer die Grundkenntnis eines Gefangenendilemmas.

    Intrasexuelle Konkurrenz ist die beste Erklärung dafür, warum es kein „als Gruppe handeln“ bei Geschlechtern gibt. Auch wenn z.B. „Solidarität unter Frauen“ beschworen wird, ist das kein Widerleg. Dass diese beschworen werden muss, zeigt ja gerade, dass sie nicht automatisch angewandt wird.

    • „Die Unterstellung eines kollektiven Handelns ist nichts anderes als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“

      Das ist eine Möglichkeit. Es gibt aber auch eine „gruppenbezogene Menschenfreundlichkeit“, die sich dann eher kein kollektives Handeln, sondern ein kollektives So-Sein vorstellt… (zB ich find alle Frauen gut, die sind immer so nett).

  5. Die Gruppe für das teilweise übereinstimmende, aber nicht abgesprochene Handeln verantwortlich zu machen, welches auf Unterschieden beruht (und nicht auf Kultur, die Abgrenzung kann schwierig sein) bringt damit wenig.

    Du solltest dich, wann immer du unterschiedliches geschlechtsspezifisches Verhalten thematisierst, auf die sogenannten Universalien beschränken.

  6. Pingback: Fundstück: Parteien zur Bundestagswahl 2017 über die Frauenquote in Aufsichtsräten – Geschlechterallerlei

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